Ein Resthauch Ancelotti-Ära weht durch den Borussia-Park

2:1

Es war ein Bayern-Spiel fast wie zu Saisonbeginn: Flanke um Flanke segelte in den Gladbacher Strafraum, doch am Gladbacher Bollwerk gab es kein Vorbeikommen. Angst vor der näheren Zukunft müssen die Bayern-Anhänger trotzdem nicht haben.


Grundformationen nach Kramers Auswechslung (11.)

Es war eine ungewöhnliche Startelf, die Jupp Heynckes in Mönchengladbach auf das Feld schickte: Die Bayern liefen ohne klassischen Flügelstürmer auf das Feld. Mit Tolisso und Rodriguez beackerten zwei Spieler die Flügel, die sich eher im Zentrum bzw. Halbraum wohlfühlen. Die Verletztensituation machte es notwendig. Diese Variante hatte einen großen Einfluss auf den Spielverlauf – und erklärt auch, wieso Gladbachs enges 4-4-2-Konstrukt den Bayern Probleme bereitete.

Einrückende Außenstürmer

In der Theorie agierten die Bayern mit jenem 4-3-3-System, das Jupp Heynckes seit seiner Rückkehr favorisiert. Gegen den Ball stellten sich die Bayern in einer klaren 4-1-4-1-Staffelung auf. Die beiden Achter schossen aus dieser Variante immer wieder nach vorne, um Gladbachs Doppelsechs im Spielaufbau zu stören. Im hohen Pressing entstanden somit situativ 4-4-2 oder gar 4-3-2-1-Staffelungen, gerade wenn die Achter im Pressing durchliefen und den Gegner jagten.

Mit Ball war die Lage etwas komplizierter. Auf links sah man bei den Bayern eine recht klassische Aufteilung: James Rodriguez bewegte sich als freies Radikal häufig in den Halbraum oder in die Mitte. Juan Bernat besetzte die Außen, lief jedoch nicht bis in die vorderste Linie, um seinen Flügel nicht ganz zu entblößen. Arturo Vidal positionierte sich zwischen ihnen. Er ließ sich auch immer wieder etwas fallen, um Anschluss an den Spielaufbau zu erhalten.

Bayerns Staffelung in der Offensive. Kimmich agierte etwas höher als Bernat. Ganz so sauber war es in der Praxis selten, aber in der Theorie war dies wohl die gewünschte Variante.

Auf rechts waren die Positionswechsel etwas komplexer. Tolisso ließ sich stark fallen, er bewegte sich häufig in den halbrechten Sechserraum. Sebastian Rudy rückte aus diesem Raum nach vorne und agierte in einer relativ hohen Position. Die vakante Position auf dem Flügel besetzte Joshua Kimmich: Er rückte bis an die gegnerische Abwehrkette und gab damit praktisch einen Außenstürmer. In Umschaltsituationen übernahmen Rudy oder Tolisso kurzzeitig die Rechtsverteidiger-Position.

Kompakt, kompakter, Gladbach

Dieter Heckings Elf spielte im klassischen Gladbacher 4-4-2. Dieses war äußerst kompakt ausgelegt: Die Außenstürmer blieben eng an der Doppelsechs, auch die Außenverteidiger rückten erst auf den Flügel, wenn dies unbedingt nötig war. Die Stürmer hielten ebenfalls engen Kontakt zum Mittelfeld, um keine Räume zu öffnen.

Nur wenn Gladbach zum Pressing ansetzte, zog sich dieses ultrakompakte Konstrukt kurzzeitig auseinander. Doch ebenso schnell, wie die Gladbacher im Pressing auf Martinez vorschnellten, waren sie auch wieder in der eigenen Hälfte. In den meisten Situationen befanden sich alle Gladbacher in der eigenen Hälfte. Oftmals stellten sie die Münchener nur, ohne wirklich Druck auszuüben. Das Schließen der Passwege, gerade ins Zentrum, stand für die Gladbacher im Vordergrund.

Diese Gesamtsituation hatte ein Spiel mit einem hohen Spielfluss, aber auch wenig Torszenen zur Folge. Die Münchener legten sich den Gegner zurecht. Ihr Spielaufbau war über weite Strecken exzellent: Süle und Hummels spielten punktgenaue Pässe, im richtigen Moment spielten die Bayern auf die Flügel heraus. Das Timing, wann James und Tolisso in die Mitte gingen, stimmten. Die Bayern spielten viel über die Breite, verlagerten immer wieder das Spiel von Kimmich auf Bernat und wieder zurück.

Tot geglaubtes Problem: Flügelfokus

Das Problem in der Folge war, dass die Bayern diese spielerische Dominanz nicht in Torszenen umwandeln konnten. Der Grund: Sie kamen zu selten vom Flügel in das Zentrum. Hier zeigten sich die Probleme ihrer Variante: Sie hatten zwar nominell viele gelernte Mittelfeldspieler im Halbraum, jedoch waren deren Rollen nicht optimal aneinander angepasst.

So schalteten sich Tolisso und Vidal sehr häufig sehr tief in den Spielaufbau ein, fehlten dadurch aber in der Folge als Anspielpartner für Bernat oder Kimmich. Vor allem Bernat war häufig isoliert, auch weil James sich sehr viele Freiheiten nahm. Rudy wiederum war als höchster Mittelfeldspieler kaum eingebunden in das Spiel und konnte nicht zu seiner aus Hoffenheimer Zeiten berüchtigten Präsenz finden.

Gladbach gelang es so gut, die Bayern mit ihrem engen Konstrukt in Zonen zu lotsen, in denen ihnen keine Gefahr drohte. Durch ein frühes Hinüberschieben auf den Flügel verhinderten sie, dass die Bayern ihre Außenverteidiger hinter die Abwehr schicken konnten. Die Folge waren zahlreiche Halbfeldflanken, die Gladbach klären konnte. Gefährlich wurde es nur, wenn Kimmich den Ball auf den zweiten Pfosten schlug. Hier gewannen die Bayern ihre Kopfballduelle gegen Elvedi und Jantschke. Ein Tor fiel aus dieser Variante nicht.

Die Tore entscheiden die Partie

Treffer fielen auf der anderen Seite. Eigentlich waren die Bayern mal wieder defensiv exzellent eingestellt. Ihr 4-1-4-1 war kompakt, das Herausschnellen der Achter riskant, aber es funktionierte gut. Das Gegenpressing war ebenso griffig dank des guten Positionsspiels, vor allem das aggressive Herausschießen von Javi Martinez stellte Gladbachs Mittelfeld vor herbe Probleme. Doch die Gladbacher hatten genug Pressingresistenz in ihren Reihen, sodass die Münchener Pressingattacken zumindest keinen größeren Schaden anrichten konnten. Zakaria und Hazard erwehrten sich teilweise drei Gegenspielern, ohne einen Ballverlust zu erleiden. Das gelang unter anderem deshalb so gut, weil Stindl und Raffael sich immer wieder zurückfielen und ihre Kollegen als Anspielpartner unterstützten.

Eigentlich funktionierte die Münchener Defensive nur in drei Situationen nicht. Einmal standen sie unsortiert, nachdem Hazard eine Verlagerung abfing. Auch vor dem Elfmeter vor dem Ausgleich ließen sie sich auskontern, dem 2:0 ging ein Einwurf voraus. Gladbach spielte diese Situationen jedoch mit einer solch tödlichen Präzision aus, dass drei schlechte Defensivszenen zur Niederlage genügten.

Formationen nach der Einwechslung von Wriedt (68.)

Dies lag auch daran, dass sich die offensive Durchschlagskraft der Bayern in der zweiten Halbzeit nicht verbesserte. Mit der Einwechslung von Kingsley Coman war nun zwar ein echter Außenstürmer auf dem Feld. Seine Abstimmung mit dem ebenfalls eingewechselten Friedl war jedoch mangelhaft, sodass die Bayern viel zu selten mit Geschwindigkeit an die Grundlinie kamen. Kimmich schlug indes auf der anderen Seite Halbfeldflanke um Halbfeldflanke – und Gladbach klärte die meisten problemlos. Da half es auch nicht, dass Heynckes mit der Einwechslung von Wriedt (68., für Rudy) auf ein 4-4-2-System mit zwei Strafraumstürmern umstellte. Es verschlimmerte den Flügelfokus sogar noch. Selbst Vidals Anschlusstreffer per Fernschuss war eher ein Zufallsprodukt nach einer geklärten Freistoß-Flanke (74.).

Fazit

Es war fast wie ein Spiel aus der Ancelotti-Ära: Bayern schlägt Flanke um Flanke in den Strafraum, doch wirklich Zählbares sprang für die Bayern nicht heraus. Auf den zweiten Blick hinkt der Vergleich etwas. Die Bayern waren selbst in dieser ungewohnten personellen Variante taktisch wesentlich weiter als zu Saisonbeginn: Das Positionsspiel war wieder einmal stark, sodass Gladbachs Konter durch ein starkes Gegenpressing im Keim erstickt wurden. Einzig der Übergang vom Flügel ins Zentrum stimmte nicht, gerade nach dem 0:2 fehlte die Geduld, auch einmal hinten herum zu spielen statt zu flanken. Somit kamen die Bayern trotz totaler Spielkontrolle praktisch nie in gute Schusspositionen.

Die Bundesliga sollte sich also keine riesigen Hoffnungen machen: Selbst gegen schwache Bayern brauchte es einen riesigen Kraftakt von Gladbach, damit diese als Sieger hervorgingen. Ein Kraftakt, den nicht jedes Team zu leisten imstande ist. Gladbach überzeugte mit absoluter Präzision im defensiven Verschieben und mit ihrer Kombinationsstärke in der Offensive. Das Wichtigste war aber, dass sie aus drei Chancen zwei Tore erzielten. Denn mehr bekommt man aktuell nicht gegen defensiv absolut stabile Bayern.

Cali 30. November 2017 um 23:52

Eine Dreierkette macht doch viel mehr Sinn, gerade wenn einem (formstarke) Flügelstürmer abgehen

Kimmich-Martinez-Hummels
Coman-Rudy-Tolisso-Bernat
James-Vidal
Lewandowski

Alternativ auch Süle für Tolisso, damit Kimmich dann auf die Doppelsechs rücken kann.

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tobit 1. Dezember 2017 um 18:02

3er-Kette fände ich eigentlich auch sehr interessant.
Deine Formation würde ich mir irgendwie so vorstellen: http://lineupbuilder.com/?sk=fy076
Vidal links als freies Radikal, der auch mal mit Tolisso tauscht. Beide Halbverteidiger aggressiv in den Halbräumen vorstoßend. James als Nadelspieler zwischen den Linien.
Alternativ könnte ich mir auch sowas vorstellen: http://lineupbuilder.com/?sk=fy077
Ein bisschen Dunga-Raute mit sehr offensiven AV. Vidal als rechter Stürmer bewegt sich ähnlich wie bei Chile von der Zehn. Tolisso links als ausweichender Achter unterstützt Bernat. Martinez gibt den Sicherheitsanker vor den IV und Rudy den Modricesken Zentrumsbalancierer.

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Michael Meier 27. November 2017 um 19:37

Gladbach wie unter Favre (zwei eng aneinander arbeitende, verschiebende 4er Ketten, Verdichtung des Zentrums, tiefstehende Außenverteidiger) – nur nicht so gut. Unter Favre wirkte das alles noch ein wenig besser organisiert und er hatte die bessere Innenverteidigung (Stranzl!). Immerhin sieht es jetzt so aus, als sei bei Hecking der Groschen endlich gefallen.

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Fabian 27. November 2017 um 10:25

Auch vor dem Elfmeter vor dem Ausgleich ließen sie sich auskontern…

….welcher Ausgleich? 😉

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west 26. November 2017 um 19:30

Spricht eigentlich etwas gegen eine Positionstausch von Tolisso und Kimmich? Kimmichs Spielaufbau ist deutlich dominanter und kreativer als der von Tolisso (gerade mit dem Ausfall von Thiago hat man hier massive Defizite). Als RV könnte Tolisso seine Physis und Geschwindigkeit auch besser einbringen. Ballverluste wären zudem am Flügel auch weniger gefährlich als im Zentrum. Er könnte sich so langsam an das ballbesitzorientierte Pass- und Positionsspiel gewöhnen.

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Daniel 26. November 2017 um 21:25

In meinen Augen spricht vor allem Kimmichs Dribbelstärke und die Qualität seiner Flanken dagegen. Kimmich kann recht gut Gefahr erzeugen, wenn er am Flügel ins 1-gegen-1 geht. Dadurch muss der Gegner ihn immer im Auge behalten, wodurch anderswo auf dem Feld Platz entsteht. Tolisso könnte das denk ich nicht in diesem Ausmaß…den könnte der Gegner auch einfach ignorieren und die Mitte noch mehr dicht machen.

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vince 27. November 2017 um 11:31

Also wenn Kimmich eines abgeht, dann doch wohl Dribbelstärke. Deshalb kommen ja auch so viele Halbfeldflanken. Ich habe noch nie gesehen, dass Kimmich im 1-gegen-1 an einem Gegenspieler vorbeigekommen ist. Die meisten Flanken kommen von ihm aus einer Position wo er sich vorher durch Passspiel etwas Freiraum geschaffen hat.

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Daniel 27. November 2017 um 11:42

Dann schau dir mal als Vergleich Tolisso an 😉

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sebbae 29. November 2017 um 17:42

Was dagegen spricht: Kimmich ist einer der besten Rechtsverteidiger der Welt und Tolisso passt vom Profil überhaupt nicht dorthin. Zu wenig Tempo, schwach im Dribbling, nicht gut im Flanken schlagen, als Verteidiger gegen schnelle und wendige Spieler überhaupt nicht geeignet und ich traue ihm das auch vom Positionsspiel nicht zu (ohne das belegen zu können). Ich weiß es ist sehr hip den Kimmich ins Zentrum zu schieben aber der spielt schon genau richtig.
Ich hab da auch eine Idee, die wahrscheinlich ähnlich bescheuert ist wie diese hier: Tolisso als Stürmer. Mein Eindruck: Er ist durchsetzungsstark, verfügt über einen guten Abschluss sowohl per Kopf als auch per Fuß und ist außerdem stark im kleinräumigen Kombinieren. Wie seht ihr diese Idee?

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west 1. Dezember 2017 um 22:41

also wenn tolisso etwas auszeichnet ist es sein tempo, siehe letztes jahr lyon wo er vor allem einen umschaltachter mit vielen schnellen vorstößen gespielt gab.
ist es deswegen hip kimmich ins zentrum zu stellen, weil er ein zentrumsspieler ist und auch als solcher ausgebildet wurde.
danke dennoch, dass du dein halbwissen hier teilst.

Sebbae 2. Dezember 2017 um 19:06

Nein es ist hip ihn ins Zentrum zu stellen weil es jeder tut obwohl er als RV perfekt passt und grandiose Leistungen zeigt.
Tolisso ist mir nie als Tempospieler aufgefallen (weil ich ein Vollidiot bin der gerne Halbwissen teilt. Gut dass du das gleich so gut erkannt hast). Ich meine aber zumindest bemerkt zu haben dass er nicht der wendigste ist was auf außen immer problematisch ist.
Hast du noch was produktives zum Thema tolisso als Lewandowski-backup/zusätzliche Offensivkraft beizutragen oder wolltest du nur pöbeln?

Koom 2. Dezember 2017 um 19:42

Unabhängig vom Rest: Ich würde Kimmich auch als RV belassen. Der macht das gut, kann von dort auch Einfluss aufs ganze Feld nehmen – und zentral gibt es eh massenhaft Alternativen.

Daniel 3. Dezember 2017 um 15:34

@sebbae
Tolisso als Stümer ist denk ich schon ne Überlegung wert…allerdings würde ich Vidal da doch deutlich vorne sehen. Ich war gestern zum ersten mal seit längerem wieder im Stadion und da hat Vidal mit einer famosen Leistung als häufig vorstoßender halblinker Achter mal wieder gezeigt, dass seine Leistungen exponentiell ansteigen, je offensiver man ihn einbindet. Es ist einfach Wahnsinn, was er für eine Durchschlagskraft und Torgefahr mitbringt, da können sich selbst manche Stürmer noch ne Scheibe von abschneiden. Das seh ich bei Tolisso ehrlich gesagt nicht auf diesem Niveau.

Generell find ich Tolisso irgendwie so ein bisschen „unspezifisch“. Der ist in allen Aspekten des Fußballs ganz ok bis gut, aber halt in nichts wirklich herausragend. Das führt dann dazu, dass man ihn sich irgendwie auf jeder Position halbwegs vorstellen kann, von Außenverteidiger bis Stümer (wie an dieser Diskussion zu sehen), weil er die jeweils erforderlichen Attribute einigermaßen solide mitbringt. Aber wirklich Begeisterung löst jetzt auch keine dieser Ideen aus…dafür sind diese Attribute halt dann auch nicht ausgeprägt genug. Strategisch/technisch und im Passspiel ist Tolisso ganz ok…aber doch meilenweit entfernt von Leuten wie Thiago oder Kroos. Physisch und im Zweikampf ist er recht stark…aber auch weit hinter Leuten wie Martinez oder Casemiro. Auch Durchschlagskraft und Torgefahr sind da-aber halt auch ein gutes Stück entfernt von echten Weltklasseleuten wie Pogba oder Vidal.
So gesehen ist er eigentlich recht ähnlich zu Kimmich, der ja auch beinahe jede Fähigkeit eines Fußballspielers mitbringt und deswegen von IV bis hin zu offensivem Mittelfeld so gut wie alles spielen kann. Der entscheidende Unterschied der beiden ist schlicht und einfach die individuelle Klasse. Kimmich ist halt in eigentlich allem dann nochmal zwei bis drei Klassen besser als Tolisso. Insofern kann man sich bei Kimmich tatsächlich vorstellen, dass er mal wirklich auf einer Position zu den besten der Welt gehören wird, wenn man ihn sich dort mehrere Jahre einspielen lässt-sei es als RV, Sechser oder Achter. Bei Tolisso fehlt mir da ehrlich gesagt die Phantasie, dafür sind die Defizite meinem Eindruck nach doch zu groß. Am ehesten seh ich für ihn langfristig so eine „zwölfter Mann“ Rolle wie einst Brazzo oder Hamit Altintop…also so ein Spieler, der auf jeder Position aushelfen kann, wenn grad Not am Mann ist.

@Koom
Naja, es gibt halt momentan kaum Alternativen dazu, Kimmich als RV zu belassen. Insofern wird man es wohl tun. Die massenhaften Alternativen zentral sind zwar grundsätzlich da, allerdings kann keiner dieser Spieler Thiago auf dem Niveau vertreten wie es Kimmich könnte. Allerdings würde man halt dann wieder rechts eine Lücke reißen.


schwerti 26. November 2017 um 17:30

Immer wieder Klasse, wie präzise das analysiert ist. Besonders das Fazit trifft es auf den Punkt. Erfreulich für „meine“ Borussia finde ich, dass die sog. „taktische Disziplin“ mal über das ganze Spiel aufrecht erhalten wurde und es prompt mit einer Dreier belohnt wurde.

Jetzt gibt es natürlich Leute, die behaupten, dass das vor allem ein Ergebnis der „Leidenschaft“ ist, welche die Mannschaft „endlich“ an den Tag legt – ich formuliere es absichtlich plakativ, ist aber auch ein Originalzitat aus’m Stadion gestern.

Es ist zwar schwer messbar, aber ich denke, dass das richtige taktische „Rezept“ und dessen Umsetzung, gepaart mit den weichen Faktoren Motivation, Einsatzwillen, Aggressivität und Laufbereitschaft dazu führen kann, dass man auch mal so einen Gegner besiegt. Inwieweit steht sowas miteinander im Verhältnis?

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W-J0 27. November 2017 um 15:27

Letzten Endes braucht es natürlich beides, um ein Fußballspiel zu gewinnen.
Ich schaue sonst nicht häufig Spiele von Gladbach, aber was mir schon aufgefallen ist, ist, dass die beiden Stürmer gerne recht eng beieiander stehen und wenn dann die IV breit auffächern und den Ball verlagern, kann Gladbach oft nicht schnell genug zuschieben. Das habe ich am Samstag eigentlich gar nicht gesehen, weil Raffael und Stindl diese Wege auch zum Schluss noch mit hohem Tempo gemacht haben. Da merkt man dann vermutlich diese Extramotivation gegen den FC Bayern.

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Daniel 26. November 2017 um 17:12

Hat jemand eine Erklärung, warum rechts Rudy eine derart hohe Rolle einnahm und dafür Tolisso zurückfiel? Umgekehrt wäre doch eigentlich sinnvoller gewesen…Rudy ist ein guter und präsenter Passgeber im Sechser- und Achterraum, im Strafraum aber wenig durchschlagskräftig. Tolisso umgekehrt ist im tiefen Spielaufbau ziemlich durchwachsen, dafür aber torgefährlich.

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tobit 26. November 2017 um 20:50

Ich schätze, man wollte einen wendigen, pressingresistenten Mann in beiden Halbräumen zwischen den Linien haben. Links war das James, der einzige andere (der fit ist) im Kader ist Rudy.

Tolisso braucht einen echten Spielmacher als Partner, nicht Martinez. Dann kann er sich um den herum bewegen, einfache Pässe spielen, ins Gegenpressing gehen und ab und zu seine Kopfballstärke im Strafraum ausspielen. Wenn Rudy den tiefen Achter (und Vidal den hohen) gegeben hätte, wäre seine (sowohl Tolissos als auch Rudys) Einbindung vielleicht etwas passender gewesen.
Ganz aus der Tiefe zu kommen ist nicht Tolissos Spiel. Er fühlt sich am wohlsten beim Übergang vom Aufbau zwischen die Linien und ins Angriffsdrittel.

Was ich mich immer wieder frage: Warum spielt James immer von links? Da kann er seinen guten Schuss und seinen Zug zum Tor kaum ausspielen und wandert dann immer ein bisschen wie „Falschgeld“ durch den Halbraum.

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Daniel 26. November 2017 um 21:22

Danke für die Antwort, das klingt in der Tat plausibel. Diesen Spielmacher als Partner für Tolisso gibt es halt nicht, seit sich Thiago verletzt hat. Ich glaube die wenigsten Leuten können sich bereits ausmalen, wie weit der Ausfall Thiagos Bayern zurückwirft. Entsprechend kann ich mich dem Fazit des Artikels auch nicht gänzlich anschließen.

„Was ich mich immer wieder frage: Warum spielt James immer von links?“
Wer sollte sonst links spielen, wenn Ribéry, Coman und Alaba verletzt sind?

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tobit 26. November 2017 um 22:03

z.B. Vidal oder Tolisso könnten LA spielen. Gerade die Tolisso-Rolle von Samstag hätte er auch von links spielen können. Oder Vidal (der sich als nach rechts ausweichender Zehner bei Chile sehr wohl fühlt) zieht von links bis nach halbrechts rüber und unterstützt da dann eine Überladung – da wär seine wirre Weiträumigkeit dann Mal gut eingebunden.
Zwei weit einrückende, richtigfüßige „Außen“ sind generell nur selten sinnvoll (oder gut einbindbar). Meist ergibt es dann mehr Sinn und Synergien, wenn sie invers (also ein Rechtsfuß auf links und umgekehrt) agieren können.

Antworten

koom 27. November 2017 um 10:11

Finde auch immer noch, dass Tolisso viel zu tief eingesetzt wird. Nach wie vor würde ich ihn von seinen Anlagen problemlos als RV, LV, probehalber auch mal als RA oder LA einsetzen. Er ist relativ schnell, wendig, ballsicher, macht einen spielintelligenten Eindruck. Mal abgesehen vom roboterhaften Uhrwerkspielstil durchaus ein Profil wie Lahm. Und auch der hat solide die genannten Positionen hin und wieder eingenommen.

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tobit 27. November 2017 um 11:17

Eigentlich muss man ihn aktuell ähnlich wie Müller (wenn er RA spielt) einbinden. Sich ständig überall in den hohen Räumen rumtreiben, einfache (Doppel)Pässe spielen und am Ende in den Strafraum geschickt werden. Von LA ginge das mit Bernat dahinter (bzw. daneben) ganz gut, dann könnte James von rechts kommen und der rechte Halbraum insgesamt als Überladungsbereich mit Rudy, Kimmich, James und gelegentlich Tolisso genutzt werden. Das ganze könnte man noch mit Vidal (der wesentlich weniger berechenbar und konstant in seinem Spiel ist als Tolisso) als rechtshängendem Stürmer verstärken.

Daniel 28. November 2017 um 15:22

„Zwei weit einrückende, richtigfüßige „Außen“ sind generell nur selten sinnvoll (oder gut einbindbar).“

Das kommt find ich auf die genaue Einbindung dieser Außen an. Kreative Dribbler sind meist besser als „falschfüßige“ Außenspieler, da sie dann durch den Halbraum in die Mitte dribbeln können und von dort ihr Passspiel und ihren Schuss zeigen können. Außenspieler, die eher als reine Abschlussspieler fungieren, sind hingegen meist richtigfüßig eher besser eingesetzt, weil sie zumeist im Strafraum angespielt werden und dann sofort abschließen. Spielen sie invers müssen sie entweder mit dem schwachen Fuß schießen oder aber sich den Ball erst umständlich auf den starken Fuß legen, was dem Gegner Zeit zu einer Abwehraktion gibt. Das konnte man die paar male ganz gut sehen, in denen Müller links gespielt hat, da war er deutlich schwächer als rechts. Und sowohl Tolisso als auch Vidal würden die Flügelposition wohl eher wie Müller als wie Robben interpretieren. Will heißen: Dribbler wie Robben, Ribéry, James, Coman eher falschfüßig. Abschlussspieler wie Müller, Tolisso, Vidal richtigfüßig.
In der Situation vom Samstag hätte ein Seitentausch von James und Tolisso James denk ich sehr gut getan, Tolisso dafür geschadet. Ist dann ne Abwägungsfrage, was einem wichtiger ist.

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CHR4 28. November 2017 um 00:30

@ Daniel:
„Ich glaube die wenigsten Leuten können sich bereits ausmalen, wie weit der Ausfall Thiagos Bayern zurückwirft.“
– ich kann es … 🙁 – leider!

das einzige, was mich etwas aufmuntert, ist der Zeitpunkt (Achtelfinale ist gebucht, bis dahin ist noch etwas hin – wie das Heimspiel gegen PSG von beiden Seiten angegangen wird, wäre auch so eher eine Frage der Ehre, als das es wirklich noch um was geht – aber hey, es gab immer wieder verrückte Dinge, die passieren)
Bundesliga? – naja, ehrlich gesagt, mach ich mir um die CL-Quali diese Saison keine Sorgen (auch mit dem zeitweiligen Ausfall von Thiago, Neuer, Ribery, Müller) …
Pokal kann immer alles mögliche passieren … aber der nächste Gegner hat jetzt auch nicht grad nen Atomlauf …

bleibt also die Fragen, wie lange Thiago ausfällt, ob er zu den großen Spielen wieder in Top-Form ist und wie stabil, seine Physis dann ist – immerhin ist der beste Arzt wieder mit an Bord 🙂

hoffen wir das beste, wie gesagt wenn schon dann besser jetzt, als im Februar bis April so ne Verletzung … schaun mer mal, ob und wann Rib/Rob, Müller, Neuer und Thiago mal wieder zusammen auf dem Feld stehen … wenn ich dann noch überlege, dass dem BVB im Pokal Götze und Reus fehlen … was da an Qualität nicht auf dem Feld steht … da muss jedem Fußball-Fan zum heulen zu Mute sein, kann man das Spiel nicht verschieben oder wiederholen, wenn die alle wieder fit sind? 😀 🙁

Antworten

Daniel 28. November 2017 um 15:29

„kann man das Spiel nicht verschieben oder wiederholen, wenn die alle wieder fit sind?“
Wann waren denn Rib/Rob, Götze und Reus denn mal gleichzeitig fit…ist so ein Weltwunder schon mal passiert? 🙁

„„Ich glaube die wenigsten Leuten können sich bereits ausmalen, wie weit der Ausfall Thiagos Bayern zurückwirft.“
– ich kann es … 🙁 – leider!“
Ich leider auch :/

Ansonsten totale Zustimmung, der Zeitpunkt ist so betrachtet fast ideal. In der CL ist alles klar, in der Buli haben wir die großen Brocken Leipzig, Dortmund, Schalke, Leverkusen, Gladbach und Hoffenheim auch erstmal hinter uns…zudem haben wir auch drei Punkte Vorsprung, die Gold wert sein können. Im Pokal gegen Dortmund tut der Ausfall von Thiago natürlich sehr weh, aber auch der BVB hat große Probleme und letztlich ist der Pokal auch der unwichtigste Wettbewerb. Schau mer moi 😉

Antworten

CHR4 28. November 2017 um 22:02

Wann Rib/Rob, Götze und Reus gleichzeitig fit waren? – spontan z.B. in den Halbfinals der Champions-League-Saison 2012/13 🙂 – wenn es einen Fußballgott gibt, dann schafft es Reus 2018 zur WM und spielt ein tolles Turnier …

sebbae 29. November 2017 um 17:50

Naj aich bin was Thiago angeht nicht ganz so pessimistisch. Gegen Gladbach hat halt gleich die komplette Offensive gefehlt und dann musste auch noch Rodriguez zur Halbzeit runter. Ich denke langfristig kann Rodriguez den spielerischen PArt von Thiago übernehmen, der müsste dann halt defensiv anständig abgesichert sein (Martinez/Vidal oder Martinez/Rudy).
Muss man halt hoffen dass Ribery, Müller und Robben möglichst bald zurück sind.

CHR4 30. November 2017 um 01:34

so wie du es schreibst, kann James eben nicht DEN spielerischen Part von Thiago übernehmen – er kann zwar EINEN spielerischen Part übernehmen, aber der ist weiter vorne als Daniel und ich Thiago derzeit gerne sehen möchten
Martinez/Vidal oder Martinez/Rudy sehen wir nicht als Ideallösung im 6er-Raum an – am liebsten ist uns die Variante Martinez + Thiago
das vorne Ribery, Müller, Robben, James und Lewandowski spielen halte ich eher für derzeit für unwahrscheinlich, genauso wie die Variante James weiter nach hinten zu ziehen

pessimistisch bin ich eigentlich, wenn überhaupt, dann nur für das Spiel gegen PSG, auf dem Niveau würde ich mir Martinez als absichernden und Thiago als aufbauenden 6er wünschen – in den anderen kommenden Spielen können den aufbauenden Part sicher Hummels, Boateng, Rudy genügend solide übernehmen

traurig bin ich auch nicht wegen einem Spiel, das bereits vorbei und abgehakt ist (sogar unabhängig vom Ergebnis) – auch die Bewertung, wie schmerzlich der Ausfall von Thiago noch sein wird, beruht nicht auf einem schlechten Ergebnis, sondern darauf wie wir uns die Aufstellung und Spielanlage des FCB wünschen zu sehen – und da sind Thiago ebenso wie Lewy eben derzeit zwei „Unersetzbare“

selbstverständlich ist z.B.
———————Ulreich——————-
Kimmich-Boateng-Hummels-Alaba
———Martinez—-Rudy/Vidal——–
Coman—-James/Müller——Ribery
——————Lewy————————

immer noch ne Top-Mannschaft, aber für die KO-Spiele in der CL gegen TOP 5-Teams gehört da für mich halt unbedingt ein Thiago rein – UND ZWAR ein 100%ig-fitter!! – gesund dürfte er bis dahin ja sein …

Vidal und Tolisso sind für eher Box-to-Box-8er, Martinez eben ein eher defensiv absichernder 6er Rudy wäre für mich noch am ehesten der passende Ersatz, aber eben, wenn beide in Top-Form sind, einen Tick hinter Thiago
Kimmich zu klonen wäre noch ne Idee 😉 – aber da er nur einmal auf dem Platz steht möchtre ich mir auf der rechten Seite dann nicht mehr Probleme einhandeln, als ich in der Mitte lösen muss
– am ehesten noch sowas (aber dieser Anzug „sitzt halt aktuell so (noch) nicht“):

———————Ulreich——————-
–Boateng-Martinez-Hummels——-
–Tolisso——-Kimmich——-Alaba—
Coman—-James/Müller——Ribery
——————Lewy————————

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