Interessante Nullnummer

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Kaum Torchancen. Keine Tore. Langweiliges Spiel möchte man meinen. Möchte man meinen.

Nach dem klaren Sieg des FC Barcelona im ersten Spiel der Gruppenphase misslang Juventus die Revanche im Rückspiel. Auch wenn keine Tore fielen, entwickelte sich durch die strategische Herangehensweise beider Mannschaften eine Partie, die mit vielen kleinen und taktisch interessanten Details aufwartete und dennoch schwer greifbar war. Zusammenfassend lässt sich festhalten:

  • Sowohl Barcelona als auch Turin legten den Fokus im Spiel gegen den Ball auf die eigene Kompaktheit.
  • Gegen eine tiefstehende Alte Dame erspielte sich Barcelona aufgrund kleinerer struktureller Mängel wenig Torchancen, erstickte gegnerische Umschaltaktionen durch eine gute Staffelung im eigenen Ballbesitz aber oftmals schon in ihrer Entstehung.
  • In den durchaus vorhandenen Ballbesitzphasen schaffte es Turin allerdings selbst auch kaum zu Torchancen zu kommen. Der interessante Ansatz mit verschobener Viererkette war gegen Barcelona im Spiel mit Ball eher nicht das richtige Mittel.

Juventus Turin gegen den Ball: Kompaktes und tiefes Verteidigen am eigenen Strafraum

Aufstellungen und Offensivmuster zu Spielbeginn

Obwohl vor eigenem Publikum spielend, agierte Juventus Turin von Beginn an vorrangig in einem tiefen Abwehrpressing, bei dem die Sicherung des Tores Vorrang vor der Balleroberung hatte. In der 4-4-2-Grundordnung war es Dybala, der im Spiel gegen den Ball neben Higuain aufrückte. Zwar liefen die beiden die gegnerischen Innenverteidiger im Aufbau und kurzen Momenten höheren Attackierens durchaus an, zogen sich aber später im Übergangsspiel in den Sechserraum Barcelonas zurück. Jetzt versuchten sie die Bindung zum eigenen Abwehrblock zu halten. Auf den Außen steuerten Cuadrado und Costa das Spiel ebenfalls wenn möglich weg vom Flügel und stattdessen zur Mitte, um Situationen zu vermeiden, in denen Barcelona die eigene Abwehr aus hohen Räumen am Flügel bespielen konnte. In Verbindung mit dem extrem verknappten Zwischenlinienraum funktionierte diese Spielweise recht passabel: Barcelona gelangen in der ersten Halbzeit wenige Durchbrüche über die Flügel zur Grundlinie und im Zentrum taten sich die Katalanen schwer in den Abwehrblock Turins zu kommen. Etwaige Zuspiele waren für Spieler zwischen den Linien schwer zu behaupten, freie Dribblings auf die Mittelfeldkette geschahen aufgrund der engen Abstände selten mit hoher Dynamik und konnten zudem meist von einem der beiden herausrückenden Sechser Turins blockiert werden.

Barca mit Ball: Angriffsvorbereitung über die Halbräume

Exemplarische Defensivstaffelung Juventus und Offensivfokus Barcelona

Der FC Barcelona begegnete der Spielweise Turins mit einer etwas schwer in Zahlen zu fassende Grundordnung, die wohl im Wesentlichen einem 4-1-4-1 entsprach und – wie sollte es anders sein – stark auf Ballbesitz sowie den defensiven Umschaltmoment ausgelegt war.

Darin gesellte sich Deulofeu als rechter Flügelspieler häufig in die Mitte neben Suarez oder leicht zurückgezogen in den rechten Halbraum. Für die Breite im zweiten Drittel (vermehrt im Übergangs- und Angriffsspiel, später dann aber auch im Aufbauspiel) sorgte auf der rechten Seite Außenverteidiger Semedo, genauso wie auf Links sein Gegenüber Digne. Dort gab es mit Iniesta einen weiteren nominellen Flügelspieler, der fast durchgehend im Zentrum bzw. im linken Halbraum zu finden war, dabei aber deutlich spielmachender auftrat. Während Busquets als tiefster Mittelfeldspieler oftmals zwischen die Innenverteidiger fiel und so die aufrückenden Läufe mit Ball von Umtiti und Piqué absicherte, waren die Rollen von Paulinho und Rakitic auf der Acht recht unterschiedlich ausgelegt. Während Rakitic im Spiel mit Ball auf der rechten Seite eine ähnliche Rolle spielte wie Iniesta – dabei aber deutlich vertikaler agierte und auch vermehrt balancierende Ausweichbewegungen auf den Flügel zeigte (für die auf der linken Seite Suarez zuständig war) – rückte Paulinho schnell nach vorne, um als hohe Anspielstation im Zehnerraum zu fungieren.

Trotz der guten Grundidee Turins Defensive in der Angriffsvorbereitung vornehmlich aus dem linken Halbraum bzw. aus deren formativer Lücke neben den eigenen Stürmern diagonal zur Mitte zu attackieren, kam Barcelona mithilfe dieser Bewegungsmuster in der ersten Halbzeit kaum zu Torchancen. Aufgrund der tiefen Abwehrreihe Turins ergab sich selten die Möglichkeit einen der Außenverteidiger oder Suarez hinter der Kette freizuspielen. Iniestas Dribblingansätze von der linken Seite zur Mitte erzeugten keine Dynamik und außerdem fand der Spanier selten gute Anspielmöglichkeiten zwischen den Ketten. Die Bewegungen von Deulofeu und Paulinho sowie von Deulofeu und Rakitic waren teilweise nicht gut aufeinander abgestimmt, sodass sich die jeweils beteiligten Akteure oftmals auf den Füßen standen (z.B. dann, wenn beide versuchten sich hinter der äußeren Schnittstelle der Turiner Mittelfeldreihe auf Lücke anzubieten). Die vertikalen Läufe von Paulinho und Rakitic erzeugten wenig Dynamik.

Barcelona im Moment des Umschaltens nach Ballverlust: Aggressives Gegenpressing als Mittel gegen Turins Konter

Auch wenn Barcelona die Durchschlagskraft nach vorne fehlte, war bei den Katalanen nicht alles schlecht. Die Ausrichtung in Ballbesitz führte grundsätzlich zu einer stabilen Ballzirkulation im Auf- und Übergangsspiel und dazu, dass man in Momenten des defensiven Umschaltens immer wieder gut ins Gegenpressing kam.

Auf Ballverluste reagierte man nämlich nur selten mit einem Abfallen des Abwehrverbundes in die Tiefe, sondern indem man zumeist die Höhe hielt. Einzelne Akteure rückten dann sukzessive nach. Situationen, in denen man zuvor eine Ballzirkulation in den Halbräumen aufgebaut hatte, konnte man zumeist aufgrund der personellen Konstellation nutzen, um Juventus direkt wieder unter Druck zu setzen. Bei Ballverlusten im Zentrum war Busquets der entscheidende Mann, der vielfach weit herausrückte und den jeweiligen Ballführenden früh störte. Auffällig dabei war, wie mutig und risikobereit Barcelona hier auch in der Restverteidigung agierte.

Dass Turin selbst nur schlecht ins Umschalten kam, lag wiederum an der eigenen Spielweise und den daraus resultierenden Staffelungen gegen den Ball. Mit Cuadrado und Costa standen die beiden Flügelspieler oftmals sehr tief, genauso wie Higuain und Dybala, die außerdem in der Regel beim ersten Kontakt nicht aufdrehen konnten (weil Barcelona das konsequent zu verhindern versuchte). Sowohl Dybala als auch Higuain wählten im Moment des Umschaltens außerdem selten den direkten Laufweg in die Tiefe, sodass die Konter der Alten Dame nie wirklich Fahrt an Fahrt gewannen.

Juventus Turin im Spiel mit Ball: Asymmetrische Grundordnung ohne den letzten Punch

Im Spiel mit Ball agierte Juventus Turin prinzipiell aus einer 4-4-1-1- / 4-4-2-Grundordnung, die aufgrund der unterschiedlichen Spielweise diverser Akteure gewisse Ähnlichkeiten mit einer Formation mit Dreierkette hatte. Auf der rechten Seite agierte Außenverteidiger Barzagli im Aufbau fast auf einer Höhe mit den beiden Innenverteidigern, wohingegen Alex Sandro auf Links schnell nach vorne aufrückte. Cuadrado auf der rechten Seite war in Aufbausituationen für das Herstellen der Breite im zweiten Drittel zuständig, wenn er nicht vom stark nach rechts hängenden Dybala davon befreit wurde. Mit Dybala (und situativ dann eben Cuadrado) sowie Costa gab es zwei Spieler im Halbraum, die sich auf Lücke anbietend dafür sorgen sollten, dass vertikale Anspiele in den Zwischenlinienraum im Bereich der Halbräume möglich sein sollten.

Neben dem tiefer spielenden und den stärker in den Aufbau sowie die Ballzirkulation im zweiten Drittel eingebundenen Pjanic, spielte Khedira auf der Doppelsechs. Der Deutsche interpretierte seine Rolle gewohnt vertikal und zeigte viele Tempo- und Dynamikläufe in die Spitze neben Higuain. Dort agierte der Argentinier leicht nach links hängend als einziger klarer Stürmer.

Wie auch bei Barcelona führte die eigene Spielweise Turins dazu, dass die Ballzirkulation im ersten und zweiten Drittel recht stabil war. Gegen die Spielweise der Spanier – ein leicht zurückhängendes Mittelfeldpressing – fehlten aber in der Regel anschließend konstante Möglichkeiten für das Spiel in die Tiefe.

Fazit

Trotz eines Pfostentreffers von Barcelona in der ersten Halbzeit im Anschluss an einen Freistoß und des starken Abschlusses Dybalas kurz vor dem Spielende, den ter Stegen sensationell parierte, bleibt unter dem Strich insgesamt ein gerechtes Unentschieden. Während Barcelona bereits in der KO-Phase steht, muss Juventus zu einem Endspiel gegen Sporting Lissabon antreten.

P_N_M_123 28. November 2017 um 20:49

Einen wirklichen Rechtsaußen gab es ja in der ersten Halbzeit gar nicht. Finde es schon cooler, wenn Dembélé mehr aus der Tiefe kommt, wobei er das andere natürlich auch überragend kann.
Iniesta Iden defensiv schon sehr geschickt. Und etwas tiefer kann er wichtige Pressingresistenz in tieferen Zonen liefern und immer noch situativ nach vorne stoßen.

Eine balancierende Rolle würde ich Dembélé dann wohl eher auch nicht geben.
Aber strukturbrechend in dem Sinne finde ich ihn auch nicht. Er weiß schon sehr gut, welche Räume er wann besetzen muss.
Aber denke es würde Barça gut tun, auch auf der linken Seite einen spielmachenden und durchschlagskräftigen Dribbler zu haben, der über das ganze Spiel hinweg gefährlich ist und auch Tiefenläufe macht.

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P_N_M_123 27. November 2017 um 19:28

Würde jemand Dembélé die Rolle von Rakitic´zutrauen? Ernstgemeinte Frage. und damit meine ich nicht nur die attackierende Rolle im rechten Halbraum mit dem Ball, sondern auch in tiefen Aufbaubauzonen. Könnte ich mir, zumindest auf Sicht, echt vorstellen.
Noch passender fände ich glaube ich aber die Position von Iniesta. Barća überlädt häufig rechts und die Spieler auf links sind etwas isoliert. Da könnte Dembélé aus dem linken Halbraum heraus (vor allem auch noch zusammen mit Alba), immer etwas Verrücktes kreieren.
Dafür müsste halt nur Iniesta auf der Position von Rakitic spielen. Also halb rechts. Sicherlich nicht optimal, aber sollte er auch können.

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tobit 27. November 2017 um 20:18

In Ballbesitz könnte Dembélé sicherlich die Rakitic-Position ausfüllen. Die Rolle kann er aber nicht ausfüllen. Dafür ist er zu komisch/unfokussiert gegen den Ball und zu dominant und strukturbrechend in Ballbesitz. Viele seiner Bewegungen wären da nicht mehr balancierend wie bei Rakitic sondern redundant mit Messi.

Von halblinks aus der Iniesta-Position und -Rolle ginge das schon eher. Da kann er gegen den Ball auch Mal ein bisschen abschalten und muss nicht Busquets Rausrücken absichern (das machen Rakitic und Paulinho sehr viel).
Iniesta kann eh nicht immer spielen (und ist vielleicht noch ein, maximal zwei Jahre Startelf-tauglich), also könnte man auch halblinks endlich sinnvoll rotieren. Dembélé kann auch immer Mal eine Pause vertragen – der war in Dortmund nach drei Monaten schon völlig überspielt und mental müde. Rakitic und Paulinho will ich da nicht sehen, und Iniesta auch nicht rechts (aus der Tiefe mit so viel Defensivaufgaben ist der nur halb so gut).

Sehr interessant fände ich ihn auch Mal an Stelle von Suarez als nominell linker Stürmer. Das würde aber eine noch höhere Rolle des RA (da wäre dann jemand wie Sanchez mit seinen Läufen an der Kette entlang genial) und Albas vorraussetzen.

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