Im 4-4-2 durch die Berliner Nacht

2:4

Nach den Ergebnissen am Samstagnachmittag hatte Borussia Mönchengladbach die Chance, zumindest vorübergehend auf Platz drei zu rücken. Die Fohlen mussten auswärts bei Hertha BSC antreten und holten die drei Punkte in einem ereignisreichen, aber taktisch simplen Spiel.

Grundformationen

Die Aufstellungsbögen

Ein kurzer Blick auf die Startaufstellung verriet schon vor der Partie, dass beide Trainer auf modifizierte 4-4-2-Grundordnungen setzten. Dieter Hecking entschied sich für die Doppelsechs bestehend aus Christoph Kramer und Denis Zakaria. Dadurch war Matthias Ginter für die Innenverteidigung verfügbar. Nico Elvedi nahm die rechte Position in der Abwehrkette ein, wodurch Tony Jantschke – wie so oft in diesen Tagen – auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Zudem interessant: Fabian Johnson und nicht etwa der zuletzt gut aufspielende Vincenzo Grifo durfte zunächst die linke Seite beackern.

Bei den Hausherren gab es derweil kleinere Überraschungen. Im Vergleich zum Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg vor der Länderspielpause entschied sich Pál Dárdai für eine offensivere Aufstellung, indem er Davie Selke statt Valentino Lazaro nominierte und Alexander Esswein auf der rechten Seite einsetzte. In Abwesenheit des verletzten Vladimir Darida vertraute Dárdai zudem auf Arne Maier im zentralen Mittelfeld und gab dem 18-Jährigen seinen ersten Startelfeinsatz in der Bundesliga.

Die Fohlen

In der Anfangsphase der Partie arbeitete Gladbach vornehmlich gegen den Ball. Dabei gingen die Fohlen nicht frontal auf Herthas Aufbauspieler. Vielmehr formierte sich die erste Linie um die gegnerischen Sechser. Einer der beiden lief aus dieser Staffelung den ballführenden Innenverteidiger ruhig an und nutzte den eigenen Deckungsschatten, um den Sechser hinter sich aus dem Spiel zu nehmen.
Die Mittelfeldreihe der Fohlen stand auf mittlerer Höhe, wodurch die Flügelspieler außen auf Marvin Plattenhardt beziehungsweise Mitchell Weiser gehen konnten. Kramer und Zakaria standen derweil im Rücken von Herthas Sechser. Folglich gab es eine Gleichzahl in der letzten Linie, was aber den Gästen kein Kopfzerbrechen bereitete.

Probleme entwickelten sich nur gelegentlich, wenn das Timing bei einer Übergabe zwischen Sechser und einem der Hintermänner nicht funktionierte. Die Hertha nutzte diesen Schwachpunkt jedoch erst ernsthaft, nachdem es schon 0:3 stand, tat dies aber mit Erfolg. Denn das 1:3 durch Vedad Ibišević entstand genau aus solch einer Situation. Selke lief von halbrechts in Richtung Grundlinie. Zakaria deutete Oscar Wendt, der aufgrund Essweins tieferer Positionierung ohne Gegenspieler war, noch an, der Schwede solle Selke übernehmen.

Offensiv agierte Gladbach zunächst gefälliger als die Hertha, da sich Heckings Mannschaft intelligenter aus der Manndeckung befreien konnte. Beim 1:0 beispielsweise war es ein Lauf von Zakaria auf die linke Seite und damit in den Rücken von Esswein, der den Treffer vorbereitete. Im Vergleich zu den Berliner Angreifern, die jeweils frühzeitig vorrückten und auf einer breiten Linie nahe der Abseitsgrenze verharrten, warteten Gladbachs Außenstürmer in tieferer Positionierung. Einerseits war dadurch mehr Raum für Dynamik nach der Ballannahme und einer erfolgreichen Drehung, die allerdings eine Seltenheit blieb. Andererseits hatten die Fohlen keine derart flache Struktur, um effektiveres Kombinationsspiel aufzuziehen. Das Abkippen Stindls kam begünstigend hinzu.

Die Hertha

Wie mannorientiert die Hausherren gegen den Ball spielten, wurde eben auch deutlich, wenn Karim Rekik das Abkippen von Stindl bis weit ins Mittelfeld verfolgte oder die Doppelsechs sich weit auseinander ziehen ließ. Diesen Umstand machte sich Gladbach vorm Handspiel von Rekik, das dem Elfmetertreffer zum 0:2 vorausging zu Nutze, indem Kramer nach hinten kippte und das Mittelfeld der Berliner gestreckt wurde.

Das dritte Tor der Fohlen per Raffael-Sonntagsschuss an einem kalten Samstagabend wirkte wie der finale Schlag gegen die Hausherren, obwohl zu jenem Zeitpunkt erst 28 Minuten gespielt waren. Nahezu jeder Gladbacher Angriff hat bis dahin zu einem Tor geführt. Ansonsten blieb das Spiel weitestgehend durchschnittlich, ohne nennenswerte taktische Finesse.

Beim Stand von 0:3 entschieden sich die Berliner zu einer noch intensiveren Arbeit gegen den Ball. Zuvor hatten sie aufgrund des stark mannorientierten Verteidigungsschemas die Gladbacher Innenverteidiger bereits am Strafraum zugestellt. Nun aber ging beispielsweise Maier nicht nur auf Kramer, sondern er presste direkt bis zu Torhüter Yann Sommer durch.

Die eingerückte Positionierung von Salomon Kalou schuf derweil mehr Präsenz gegen die Doppelsechs der Fohlen. Zuvor war Kalou nur eingerückt, wenn Per Skjelbred abgekippt war und infolgedessen Plattenhardt automatisch weiter nach vorn schob. Nun aber sollte Kalou im Rücken der beiden Neuner für mehr Druck sorgen, so wie es der 32-Jährige auch in anderen Partien immer wieder getan hat.

Das Gegenpressing der Herthaner wurde dadurch effektiver, sofern die Gäste aus Mönchengladbach flach aufbauten, wozu sie in der Endphase der ersten Halbzeit eher seltener tendierten. Für die Hausherren sprang bis auf eine Reihe von Eckbällen nicht mehr viel bis zur Pause heraus.

Die zweite Halbzeit

Dárdais Mannschaft suchte nach dem Seitenwechsel noch stärker den direkten Weg in die Spitze. In den ersten Minuten konnte so auch eine gewisse Unruhe im Spiel erzeugt werden, die es den Gladbachern erschwerte, Kontrolle über das Geschehen zu behalten. Die Fohlen tendierten anschließend zu einer etwas vorsichtigeren Herangehensweise in der Defensive. Kramer band sich vermehrt an Kalou. Die Doppelsechs stand grundsätzlich etwas tiefer, um den Zwischenlinienraum zu verkleinern.

Wenn überhaupt, dann waren die Außen die Schwachstelle der Fohlen. Wendt war wenig pressingresistent und neigte zu leichten Abspielfehlern im Aufbau. Zudem ließ sich Gladbach durch ein recht einfaches, wenig vorbereitetes und leicht vorhersehbares Hinterlaufen der Berliner Außenverteidiger zu oft zu überrumpeln.

Hertha positionierte die eigenen Außenverteidiger unterdessen zumeist an der Abseitslinie, um außen den Weg für Hazard oder Johnson zu blockieren und nicht direkt im Rücken auf Drehungen oder Ablagen hereinzufallen. Rückte ein Herthaner Außenverteidiger doch nach vorn, war nämlich genau dies häufig der Fall.

Die kurze Hoffnung, die Hertha und die anwesenden Zuschauer im Olympiastadion nach dem Anschlusstreffer zum 2:3 durch Weiser schöpften, wurde wenig später vom Ex-Berliner Raffael zunichte gemacht. Das vierte Gladbacher Tor an diesem Abend war eine nette Pointe: Auf der rechten Seite spielten Stindl und der eingewechselte Patrick Herrmann einen schnellen Doppelpass, um anschließend den Ball zu Raffael zu befördern, der im Zentrum allein gegen Sebastian Langkamp stand. Rekik war zuvor Stindl im Rücken gefolgt und wurde vom Doppelpass überrumpelt.

schwerti 20. November 2017 um 17:53

„Wenn überhaupt, dann waren die Außen die Schwachstelle der Fohlen. Wendt war wenig pressingresistent und neigte zu leichten Abspielfehlern im Aufbau. Zudem ließ sich Gladbach durch ein recht einfaches, wenig vorbereitetes und leicht vorhersehbares Hinterlaufen der Berliner Außenverteidiger zu oft zu überrumpeln.“
Und hier liegt für mich das Fohlen im Pfeffer beim nächsten Spiel gegen die Bayern. In ihrem zu erwartenden 4-1-4-1 wird Jupp Heynckes genau diese Schwachstellen auf BEIDEN AV-Positionen versuchen auszunutzen. Ob Hecking sein simpel gestricktes 4-4-2 so weit anpassen kann, dass wenigstens zu einem 0:0 reicht? Ich habe Zweifel, zumal zumindest Hazard nicht der „nach-hinten-Arbeiter“ ist und der umtriebige Stindl sich aufgrund der numerischen Überzahl im Mittelfelddickicht der Bayern verlieren könnte.

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