Kurzbericht aus der zweiten Bundesliga

Die Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt rangieren irgendwo im Mittelfeld der Tabelle. Der FC Heidenheim – in den vergangenen Jahren eine feste Größe der Liga – steht mit acht Punkten nach neun Spielen auf dem Relegationsplatz für die dritte Liga. Was ist denn mit der zweiten Liga los?

Was mit der zweiten Liga los ist? Ehrlicherweise: Keine Ahnung. Auch ein Spielverlagerung-Autor hat neben der ersten Bundesliga, la Liga, der Serie A und der Premier League noch ein Leben neben dem Fußball und nur selten Zeit für einen intensiven Blick auf das Unterhaus des deutschen Fußballs. Trotzdem kann man die Länderspielpause nutzen, um sich die letzten Spiele der genannten Teams anzuschauen.

FC Ingolstadt – Darmstadt 98

Mit dem 3:0 über den SV Darmstadt gelang den Schanzern der erste Heimsieg in dieser Saison. Während die Oberbayern aus einer 4-3-3-Grundordnung heraus agierten, nutzten die Darmstädter eine 4-2-3-1-Grundordnung, die gegen den Ball zu einem 4-4-2- / 4-1-3-2 umgeformt wurde. Dass der FC Ingolstadt die Darmstädter so klar schlug, lag in hohem Maße an der numerischen Konstellation im Mittelfeld beider Teams und deren Folgen für das Darmstädter Aufbauspiel sowie das Spiel auf zweite Bälle.

Mit Ball versuchten die Darmstädter im Aufbauspiel durch die breiten Innenverteidiger sowie die hohen Außenverteidiger Breite und Tiefe ins Spiel zu bringen, damit Altintop und Kamavuaka im Zentrum auf der Sechs theoretisch mehr Raum und Zeit hätten, um das Spiel nach vorne zu tragen. Blöd nur: Ingolstadt ordnete den Darmstädter Sechsern die beiden eigenen Achter zu und verteidigte in der Mitte gegen den Mann, sobald Stürmer Kutschtke einen der beiden Innenverteidiger angelaufen und zur Seite gesteuert hatte. Pledl und Kittel auf den Außenpositionen ließen ihre Gegenspieler zunächst frei und hielten sich für das Spiel auf zweite Bälle am eigenen Block auf. Anschließend pressten sie ihre direkten Gegenspieler Holland und Sirigu mit dem kurzen Anspiel.

Dass Darmstadt sich schnell auf lange Bälle verlegte, behob die numerische Problematik im Zentrum nicht. Denn auch im Anschluss an die langen Bälle hatten die Ingolstädter ballnah zumeist eine Überzahl und konnten zweite Bälle gezielt unter Druck setzen.

Die vielen Ballgewinne im eigenen Pressing sowie nach zweiten Bällen in Kombination mit den hohen Darmstädter Außenverteidigern ermöglichten den Schanzer viele Konterangriffe über die tiefen Halbräume in denen entweder die beiden Flügelspieler oder der dorthin ausweichende Kutschke zu finden waren.

Fazit: Der FC Ingolstadt agierte im Pressing wieder stärker wie noch einst unter Hasenhüttel, der SV Darmstadt etabliert unter Frings offenbar ein wenig Ballbesitz.

FC Heidenheim – Dynamo Dresden

Auch bei der 0:2-Heimniederlage der Heidenheimer gegen Dynamo Dresden zeigten die Gastgeber das grundsätzlich bekannte Gesicht der vergangenen Jahre. Aus einer 4-4-2-Grundordnung mit Fokus auf das Spiel gegen den Ball wollte man schnell nach vorne Umschalten und so zu Torchancen zu kommen. Anders als gewohnt (für jemanden der den FCH jede Saison in ca. fünf Spielen sieht) verhielten die Heidenheimer deutlich stärker auf Kompaktheit sowie direkte Gegnerzuordnungen bedacht und agierten zumeist in einem tiefen Mittelfeldpressing, aus dem sie aber Abstöße zustellten und hin und wieder nach vorne rückten, um höher zu pressen.

Dresden hatte sich für das eigene Spiel mit Ball einen guten Plan gegen diese Spielweise zurechtgelegt. Aus der 4-3-3-Grundordnung heraus lies Konrad sich von der Sechserposition im Spielaufbau zwischen die eigenen Innenverteidiger fallen und stellte so eine breite Dreierkette her. Die Außenverteidiger rückten nach vorne auf und banden so Heidenheims Außen Schnatterer und Halloran in der Tiefe. Im Zentrum hatten Heidenheims Sechser Griesbeck und Titsch-Rivero in den Dresdner Achtern zwei direkte Gegenspieler, deren nach außen abkippende Läufe sie oft verfolgten. In Verbindung mit den tiefen Flügelspielern hatte das zum einen zur Folge, dass die Heidenheimer die Passwege auf Dresdener Spieler im Zwischenlinienraum nicht zuverlässig kontrollieren und zum anderen die Dresdener Rückzugsbewegungen aus dem Übergangsspiel vom Flügel zurück in den Aufbau nicht attackieren konnten. Für den Moment des Umschaltens in die Offensive führte die oftmals tiefe Positionierung der Flügelspieler dazu, dass Heidenheims Stürmern Dovedan und Glatzel die Unterstützung nachstoßender Akteure beim Fertigspielen der Angriffe fehlte.

Dovedan und Glatzel zeigten sich im Anlaufen des Dresdner Aufbaus zudem wenig aktiv, steuerten das Spiel nicht konsequent nach außen und achteten oftmals nicht auf die Sicherung der Schnittstelle zwischen sich. In der Folge entwickelte sich deshalb und aufgrund der anderen genannten Faktoren eine Partie, in der die Heidenheimer zwar prinzipiell kompakt auftraten, gegen den Ball aber vom Wirken der Dresdner in gewisser Weise abhängig waren.

Zusammengefasst: Heidenheim scheint nicht mehr so konsequent und sauber im Spiel gegen den Ball zu agieren, wie noch in der vergangenen Saison. Im Spiel mit Ball bleiben die Unzulänglichkeiten in Bezug auf Aufbau und Übergangsspiel bestehen.

CHR4 14. Oktober 2017 um 15:19

Der Wandel vom Schusterschen Gebolze zu kultivierterem Ballbesitz ging unter Frings recht schnell – ich freue mich für die eingefleischten Fans (da ich in der Nähe beheimatet bin, kenne ich viele …), die jetzt attraktiveren Fußball sehen können. Allerdings habe ich auch ein weinendes Auge, denn für mich sind die 98er damit relativ uninteressant geworden … Warum? – sicher dieses Gebolze konnte man sich auf Dauer nicht ständig anschauen, aber unter Schuster hatten die 98er für mich halt etwas Extremes, Andersartiges als die meisten anderen Mannschaften und sorgten so bei mir gelegentlich für taktische Abwechslung. Jetzt sind sie für mich taktisch nur noch Einheitsbrei … Da schau ich mir dann lieber andere Mannschaften an, die das, was Darmstadt jetzt spielt, wesentlich besser drauf haben.

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CHR4 18. Oktober 2017 um 00:38

Nachtrag:
Was mich in Bezug auf Frings sehr nachdenklich stimmt sind folgende Zitate:
– „Mit dieser Anzahl an individuellen Fehlern wird es schwierig, Spiele zu gewinnen …“
– „… wir müssen diese Fehler abstellen, aber das kann man eben nicht trainieren.“

dem möchte ich klar widersprechen!
egal ob die Fehler
– technische
– taktische
– oder mentale Ursachen
haben, nach einer Analyse, wie die individuellen Fehler zu Stande kommen, lässt sich das selbstverständlich abstellen!

Ich hoffe er meint damit, dass sich bestimmte Probleme nicht im normalen „Mannschaftstraining“ beheben lassen …

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Schimanski 13. Oktober 2017 um 14:59

Bei Gelegenheit bitte auch mal einen Blick auf „meinen“ MSV setzen. Viel Action vorne, zwei inverse Außen, überall herumdriftender Tashchy, Ballstreichler Schnellhardt umgeben von ganz viel Durchschnitt und unkonstanter Kompaktheit gegen den Ball.

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Schimanski 15. Oktober 2017 um 10:01

Das Offensivspektakel hatte sich am Freitag gegen Braunschweig schon wieder erledigt. Aufgrund ausbleibender Punkte wurde wieder konservativer und stabilitätsfokussierter gespielt…

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Halfarsen 13. Oktober 2017 um 00:57

Vereinsumbenennungs-Hipster – es heißt SV Darmstadt 98. Auch würde ich mal gern was über Kiel hören und deren dubios hohen Goalimpact. Ansonsten gut.

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MR 13. Oktober 2017 um 05:14

Ein kleiner Ansatz dafür ist Luca Dürholtz: https://twitter.com/MartinRafelt/status/915585033712349185

Der ja aber nicht spielt. Und einen GI von 141 hat.

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Cranky 13. Oktober 2017 um 00:03

Fc Ingolstadt hat 4:0 gegen St. Pauli gewonnen also ist dsa auf keinen Fall der erste sieg 😀

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