Donnerstag, 22.06.2017

TEs Bundesliga-Check: Gähn.

Ja, ist die Winterpause schon vorbei? Viel passiert ist am Wochenende nicht. TE hat sich trotzdem zwei Themen rausgesucht. Diese Woche geht es um Darmstadt unter Frings sowie die außergewöhnliche Unterzahl-Statistik des HSV.

Spielverlagerung-Autor TE sucht sich nach jedem Bundesliga-Spieltag zwei bis drei Aspekte heraus, die er kurz und knackig analysiert. TEs Bundesliga-Check ist der Analysehappen für Zwischendurch – eine Spielwiese für taktische Beobachtungen, die in den “langen” Spielanalysen keinen Platz finden.

Jetzt mal Butter bei de Fische: Es war nicht das hochkarätigste Wochenende in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Die Mehrzahl der Spiele plätscherte vor sich hin. Die Favoriten bekleckerten sich allesamt nicht mit Ruhm. Mit Schalke und den Bayern gelangen gleich zwei Favoriten ein Last-Minute-Tor, das dem Underdog spät die Suppe versalzte. Dortmund bekleckerte sich gegen zehn Werderaner nicht mit Ruhm, während das Spitzenspiel Leipzig gegen Frankfurt bereits nach drei Minuten faktisch beendet war. Diese Ausgangslage macht es nicht leicht, Themen für eine Taktik-Kolumne zu finden, zumal es nach einem Spieltag noch zu früh ist, generelle Trends zu beleuchten.

Ich schreibe jetzt trotzdem diese Kolumne. Schließlich werde ich ja dafür bezah… Wie bitte? Spielverlagerung-Autoren bekommen gar kein Geld für ihre Artikel? Ja, hättet ihr mir das nicht sagen können, bevor ich das hier schreibe? Was? Ich bin selbst Schuld, dass ich die Einleitung erst nach dem Hauptteil verfasse? Ach, leckt’s mich doch alle am Ausgang meines…

Darmstadt unter Frings

Kollege TR hat die Partie Gladbach gegen Darmstadt analysiert und dabei in erster Linie einen Blick auf Dieter Heckings Gladbacher geworfen. Ich möchte noch etwas die Analyse zu den Darmstädtern ergänzen, denn meiner Meinung nach kann man hier schon Kontinuitäten, aber auch Neuerungen in der Arbeit von Thorsten Frings finden.

Diese Grafik der Partie Darmstadt gegen Wolfsburg habe ich selbst angefertigt. Sie werden diese Grafik in keinem anderen Artikel dieser Welt finden.

Diese Grafik der Partie Darmstadt gegen Wolfsburg habe ich selbst angefertigt. Sie werden diese Grafik in keinem anderen Artikel dieser Welt finden.

Strategisch gab es in der Tat keine Neuerung bei den Darmstädtern. Die Devise war dieselbe wie in den vergangenen eineinhalb Jahren Bundesliga: Kompakt stehen, mit langen Bällen kontern, die zweiten Bälle gewinnen und dann schnell über die Flügel spielen. Insofern weichte Darmstadts 4-4-2 in den Grundprinzipien weder von der Marschroute von Norbert Meier noch von jener von Dirk Schuster ab. Die offensiven Probleme waren dementsprechend dieselben wie in der Hinrunde: Seit dem Weggang von Sandro Wagner fehlt vorne ein Spieler, der die langen Bälle festmachen kann. Zugleich können die zweiten Bälle nicht erfolgsstabil genug gewonnen werden, und in den Folgeaktionen fehlt die Geschwindigkeit auf den Flügeln.

Zumindest in den taktischen Details schien man etwas gewillt, die unumstößliche Langholz-Strategie etwas aufzuweichen. Denn statt der typischen, breiten Verteidigung im 4-4-1-1 gab es dieses Mal eine engere Variante zu sehen. Die Sechser verhielten sich etwas zurückhaltender als sonst, die Außenstürmer wiederum klebten nicht an den gegnerischen Außenverteidiger, sondern verteidigten raumorientiert in der Kette neben den Sechsern.

Die zwei eher engen Viererketten lassen sich auch als Reaktion auf die gegnerische Taktik deuten. Gladbach wurde der Weg durch das Zentrum versperrt. Stattdessen wurden sie dazu verleitet, früh auf die Außenspieler zu passen. Diese ließen sich von der engen Positionierung der Darmstädter Außenspieler auf die Flügel treiben. Nur: Von dort fand Gladbach keinen Weg zurück in den Strafraum. Flanken sind angesichts des Stürmer-Duos Stindl-Raffael keine Option. Es war eine durchaus passend gewählte Defensivtaktik.

Auch bei den Standardsituationen passte sich Darmstadt an den Gegner an. Gegen die Hecking-typische Manndeckung bei Standards ballten sich mehrere Darmstädter Spieler auf einem Haufen. Island hatte dieses taktische Mittel bei der EM im vergangenen Sommer populär gemacht, ist es doch ein nützliches Mittel, den Gegner effektiv vom Manndecken abzuhalten – wenn alle Gegner auf einem Haufen stehen, wie soll ich dann meinen persönlichen Gegenspieler finden?

Diese beiden taktischen Feinheiten könnten darauf hindeuten, dass Thorsten Frings seine Darmstädter in den kommenden Wochen stärker am Gegner ausrichten wird. Statt der immer gleichen 4-2-3-1-Formation mit denselben Mechanismen gegen und mit dem Ball könnten wir eine Darmstädter Mannschaft zu sehen bekommen, die zwar nicht in ihrer grundsätzlichen Strategie, aber zumindest in der Ausführung ebendieser Strategie flexibler wird.

Der Hamburger SV ist Unterzahl-König

Gleich drei Platzverweise gab es an diesem Wochenende, und sämtliche Platzverweise wurden noch in der ersten Halbzeit ausgesprochen. Werder Bremen und Eintracht Frankfurt fallen hier unter die Kategorie „Kann mal passieren“, während der Hamburger SV mittlerweile getrost als „Wiederholungstäter“ eingestuft werden kann. Die gelb-rote Karte gegen Ekdal war bereits ihre fünfte rote Karte in ihrer Saison. Anders als die Mainzer, die ebenfalls fünf rote Karten kassiert haben, haben die Hamburger die doofe Angewohnheit, sich den Platzverweis nicht erst fünf Minuten vor Abpfiff einzuhandeln, sondern zu Zeitpunkten, an denen ihnen die Karten wirklich wehtun.

Die folgende Statistik belegt, wie stark der Hamburger SV mit seinen dauernden, frühen roten Karten aus der Liga heraussticht. Betrachtet man nämlich die Minuten, die eine Mannschaft in Unterzahl ist, kommt keine Mannschaft auch nur annähernd an den Hamburger SV heran: 209 Minuten lang waren sie in Unterzahl, auf Rang 2 folgt Bayer Leverkusen mit 131 Minuten. Mainz war mit seinen ebenfalls fünf roten Karten gar „nur“ 82 Minuten in Unterzahl. Der Hamburger SV war also fast ein gesamtes Fußballspiel länger in Unterzahl als der zweitplatzierte in dieser Statistik und insgesamt drei Halbzeiten länger als ein Team, das gleich viele rote Karten kassierte.

Noch kurioser: Dadurch dass die Gegner der Hamburger bisher ohne rote Karten blieben, kommt der Hamburger SV auf eine Überzahl/Unterzahl-Minutenbilanz von minus 209. Platz 2 belegt Mainz mit Minus 78 Minuten.

Ein interessantes Nebenprodukt dieser statistischen Spielerei ist die Bilanz der TSG Hoffenheim. Diese können sich in dieser Saison über Gegner freuen, die sich regelmäßig selbst dezimieren. 174 Minuten waren sie in Überzahl. Auch hier beträgt der Vorsprung auf den Zweitplatierten RB Leipzig (88 Minuten) fast ein gesamtes Fußballspiel. Das ist auch insofern erwähnenswert, als dass Hoffenheim eigentlich zu den Teams gehört, die selber öfter foulen als ihre Gegner. Spitzenreiter in dieser Statistik ist übrigens, wer würde es anders erwarten, der Hamburger SV.

Ausführliche Analysen des 17. Spieltags

SC Freiburg – Bayern München 1:2
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:0
SV Darmstadt – Mönchengladbach 0:0
RB Leipzig – Eintracht Frankfurt 3:0

Whitedorn 25. Januar 2017 um 19:43

Meint ihr, dass es da Vorgaben der Trainer an die Spieler gibt z.B. was Notbremsen angeht? Nach dem Motto: in der 5. Minute lieber durchlaufen lassen, aber wenn es in der 70. Minute ist, sich lieber die rote Karte abholen und damit ein Gegentor verhindern?

Antworten

JH 26. Januar 2017 um 09:29

Das glaube ich eher weniger. Als Trainer möchte man die Spieler doch eher dazu anhalten, die Mechanismen so gut umzusetzen, dass so eine Situation nie eintritt.
Wenn überhaupt, dann wird sowas mal in einem Nebensatz beim Training fallen gelassen und dann nie mehr erwähnt.

Antworten

Koom 26. Januar 2017 um 10:43

Wie schon gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rote Karte vs. Gegentor eine wirklich bewusste Entscheidung ist. Wenn ein Spieler die bewusst treffen kann, dann hatte er Zeit, darüber nachzudenken und diese zu treffen.

Da würde ich eher sagen, dass man durch Training entweder bewusst trainiert, dass ein Gegner im Zweifel immer zu stoppen ist und eine Rote Karte besser zu verkraften ist oder eben umgekehrt. Das hängt ja auch davon ab, wie die sonstigen Mechanismen sind. Wenn du bspw. weißt, dass hinter dir Manuel Neuer steht, dann ist so ein Durchbruch schon weniger aufregend. Oder wenn du als Nebenmann Usain Bolt hast, der vermutlich den Ball noch ablaufen kann.

Anders gesagt: Hummels wird weniger den Gegner rotwürdig stoppen und lieber das Gegentor riskieren. Er hat einen Sprinter wie Boateng meist neben sich, Neuer hinter sich und generell eine Mannschaft, die ihrerseits immer für ein Tor gut ist (oder 2).

Wenn Aytuc Sulu von Darmstadt in die Situation kommt, dann wird er eher das Rot riskieren. Sein Team erzielt wenig Gegentore und er hat auch sonst keine Sicherheiten. Und der Trainer wird ihm eingebimst haben, dass man primär zu null spielen will.

Antworten

CHR4 26. Januar 2017 um 13:20

Ein paar Situationen, in denen man bewußt entscheiden gibt es sicher – aber generell dürften da die meisten unter (Zeit-)Druck fallen und dann greift man unterbewußt immer auf Automatismen und Gewohnheiten zurück („under pressure, you are your habits“), da diese einfach wesentlich schneller ablaufen als die bewußten Entscheidungen.

Aber selbstverständlich lassen sich auch diese Automatismen trainieren, ein Torwart hat ja auch keine Zeit zu überlegen, mit welchem Körperteil er den Ball abwehren will.

Und ein cleverer Spieler kann sicher auch mit dem richtigen Fokus eine Vorauswahl zw. zwei verschiedenen automatisierten Mustern treffen – aber auch das wird/muss trainiert werden.
Beispiele:
– Torwart: Hand benutzen im Strafraum, Hand nicht benutzen nach Rückpass und außerhalb des Strafraums
– Suarez „Torwart-Handspiel“ bei der WM 2010: glaube nicht, dass er das zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt auch so gelöst hätte, auch wenn es in der Situation selbst natürlich auch unbewußt als Reflex abgelaufen ist, gab es doch sicher vorher die Vorauswahl/Fokus im Kopf: „jetzt eben unter keinen Umständen noch einen reinzulassen am Ende der Verlängerng“

Auf hohem Niveau hängt eben vieles auch vom Kopf ab, das ist ein Skill der ebenso trainiert werden muss, wenn man darin Top-Leistungen abrufen will.
Bin mir aber sicher, das da bei vielen Vereinen noch Luft nach oben ist, obwohl im Fußball dank der Professionalisierung mittlerweile schon sehr früh mit Psychologen gearbeitet wird.
Und ich bin mir natürlich auch sicher, dass es da starke Qualitäts-Unterschiede bei den Spielern gibt 😉 – insbesondere, wenn man zwischen den automatisierten Mustern umschalten muss.

PS: Würde mir z.B. für Ribery wünschen, dass er intensiv an seinem „Anger-Management“ arbeitet, wenn der gegen bestimmte Verteidiger spielt (ich will hier keine Namen nennen … -> Chiellini z.B. 😉 ) – dann muss wirklich permanent Sorge haben, dass er sich irgendwann nicht unter Kontrolle hat und damit seinem Team schadet. Das hat dann natürlich wahrscheinlich weniger mit Torverhinderung zu tun … zeigt aber auch den Einfluss von Psychologie auf die Taktik bzw. Strategie.

Antworten

felixander 25. Januar 2017 um 10:24

Mal ne allgemeine Frage: Bereiten sich Trainer auf Platzverweise eigentlich vor oder reagieren sie adhoc?
Also ich könnte mir vorstellen, dass man sich schon vorher überlegt, wen man vom Platz nimmt, wenn der Torwart rot sieht. Ist das so?

Antworten

Koom 25. Januar 2017 um 13:16

Wenn ich zumindest hier auf SV.de rumlese, dann würde ich schon sagen, dass Defensivarbeit in Unterzahl ein Eckpfeiler jedes Trainings ist. Gibt ja gerade hier ein paar Trainings/Spielform-Artikel, wo sowas erklärt wird.

Antworten

Schorsch 26. Januar 2017 um 00:41

Das wird eher grob Bestandteil der Vorüberlegungen sein. Viel hängt vom Spielstand und vom Zeitpunkt ab, zu dem der Keeper das Feld verlassen muss. In den allermeisten Fällen wird dann ein Offensivspieler ausgewechselt für den neuen Keeper. Wer das dann ist, hängt wiederum von verschiedenen Faktoren ab, sodass ad hoc entschieden wird, wer das Feld verlassen muss.

Antworten

CHR4 26. Januar 2017 um 13:53

lässt sich nicht pauschal beantworten, dafür sind die Trainer zu verschieden

bin aber der Meinung, dass man für jede Situation einen Plan B in der Tasche haben sollte, den man dann einfach rausholt (da bin ich selbst zu sehr Perfektionist …) – das nimmt dann unheimlich Stress in der Situation selbst raus, wenn sowas vorher schonmal durchgedacht worden ist und lässt ein Team sicherer ins Match gehen, wenn es weiß, dass egal was passiert, man einen Plan hat, was dann zu tun ist

Solche „was wäre wenn Szenarios“ unter dem Motto „wir lassen uns von nichts kleinkriegen“ gehören mit zur (psychologischen) Vorbereitung dazu.

Je weniger Erfahrung ein Trainer mit solchen Situationen hat, umso aufwendiger wird natürlich da die Vorbereitung. Ein erfahrener Trainer muss da etwas weniger Arbeit vorher leisten, der macht dann evt. einfach im Kopf eine Schublade auf und holt die Lösung raus, weil er so eine Situation schonmal hatte. Genau das ist ja ein Vorteil von erfahrenen Leuten: Sie haben auch schon viele außergewöhnliche Situationen erlebt und wissen, wie man mit ihnen umgeht. Ein unerfahrener Trainer (Spieler) kann im Normalfall / Alltag genauso performen, aber wenn etwas Außergewöhnliches auftritt, ist erstmal der erfahrene Trainer (Spieler) im Vorteil – um diesen Erfahrungsvorsprung auzugleichen, muss man schon extrem gut und akribisch vorbereitet sein.

Trotzdem gibt es in der Prioritäten-Liste sicher erstmal andere Themen, die weiter oben stehen. Unwahrscheinliche Szenarien durchzudenken, gehört sicher nicht zu den ersten 80%. Aber es gibt ja auch Pläne, wer einen Elfmeter schießt, wenn es einen geben sollte – wieso sollte man also keinen Plan haben, was zu tun ist, wenn der Torwart runter fliegt. Das heißt natrülich nicht, das man nicht statt Plan B auch C oder D ausführen kann und im Spiel nicht flexibel reagieren darf …

Im Endeffekt ist es also idelaerweise eine Mischung aus vorher mal drüber nachgedacht haben und dann in der Sitaution die passende Variante auszuwählen. Eigentlich nichts anderes, als bei anderen Auswechslungen auch.

Antworten

RC 24. Januar 2017 um 21:17

Kann es sein, dass du in den Unterzahlminuten im Text Leverkusen und Frankfurt vertauscht hast?
Sehr guter Artikel und interessant, dass manche Mannschaften mit Überzahl bzw. Untertahl besser umgehen können als andere.

Antworten

TS 24. Januar 2017 um 18:22

Wenn ich mich nicht täusche hat doch im Spiel Hamburg gegen Augsburg, auch Augsburg eine gelb-rote kassiert….

Antworten

Schorsch 24. Januar 2017 um 19:50

Rote Karte Holtby (HSV): 44. Minute; Gelb-Rote Karte Kohr (FCA): 66. Minute; Tor des Tages (1:0 durch Kostic / HSV): 68. Minute.

Wenn man so will, dann hat der FCA seine Chance, eine Halbzeit lang in Überzahl spielen zu können, nicht genutzt. Gerade, als es dann mit 10 gegen 10 weiterging, erzielte der HSV das Siegtor. Nicht nur der HSV agiert dösbaddelig, andere können das auch… 😉

Antworten

dh 24. Januar 2017 um 18:06

Gibt es eigentlich auch taktische Gründe für die Platzverweise des HSV? Z.B. dass Spieler unverhältnismäßig oft in gefährluichen Umschaltmomenten auf sich allein gestellt sind und daher foulen müssen? Oder dass Gisdols „Chaos“ die Spieler zu solchen Aktionen animiert?

Antworten

SM 24. Januar 2017 um 20:35

Die RK waren:
1) Notbremse Cleber
2) Unnoetiges Foul im Mittelfeld von Diekmeier (GRK)
3) Taetlichkeit Wood nach Taetlichkeit an ihm.
4) Taetlichkeit Holtby nach brutalem Foul an ihm.
5) Unnoetiges Foul im Mittelfeld Ekdal (GRK)

Bei 1) hatte Cleber keine Alternativen ausser den Abschluss zuzulassen, und IIRC war’s Foul selber auch harmlos.
Bei 3) und 4) koennte die verzweifelte Gesamtsituation da eine Rolle gespielt haben, denn zumindest Wood haette sich nicht so verhalten duerfen. Bei 4) hat der Gegenspieler sich dann quasi spaeter selber vom Platz gestellt. Fairplay! 🙂
2 und 5 waren einfach nur doof. Vollkommen unnoetig, vollkommen uebermotiviert. DD hatte lange nicht gespielt, und Ekdal war nicht vollkommen fit.

Antworten

CHR4 25. Januar 2017 um 01:36

ähem … foulen „MÜSSEN“??

Lösungsmöglichkeit Nr. 1: das 1 gegen 1 gewinnen und die Situation entschärfen
Lösungsmöglichkeit Nr. 2: den Gegner laufen lassen und auf ne Dummheit des Stürmers hoffen
Lösungsmöglichkeit Nr. 3: darauf vertrauen, dass man mit 11 gegen 11 eher einen Rückstand aufholt, als mit 10 gegen 11 ein Unentschieden zu halten

das heißt nicht, das ich generell das Abholen einer (gelb)roten Karte für unclever halte – aber nur ganz wenige kommen da an mein Lieblingsvergehen (Suarez „spielt Torwart“ im WM-Viertelfinale 2010) ran

sonst wünsche ich mir doch eher viel weniger (taktische) Fouls, mehr Tore, gesunde (Top-)Spieler und bitte auch weniger Schwalben der Stürmer (# Timo Werner), sondern, dass die Stürmer versuchen trotz Foul weiter zu laufen und irgendwie doch das Tor zu machen, statt evt. den Elfer zu schinden

von daher halte ich nichts von dem Ausdruck „Foulen MÜSSEN“ …

Antworten

Izi 25. Januar 2017 um 06:28

Daumen hoch! 👍

Oder man ist ein spielintelligenter Verteidiger, der aufgepasst hat und sich durch geschicktes Stellungsspiel von vorneherein solche 1:1 Situationen erspart…. Wenn die vertikalen Abstände geringer sind, habe ich diese Probleme nicht.

Antworten

Studdi 25. Januar 2017 um 08:45

Ist es tatsächlich einfacher mit 11 Mann einen Rückstand aufzuholen als mit 10 ein unentschieden zu halten? In der Bundesliga tun sich die meisten Mannschaften doch leichter wenn sie auf Konter Spielen können.. gibt es da Statistiken dazu?

Antworten

Koom 25. Januar 2017 um 09:30

Hängt vom Zeitpunkt ab, würde ich sagen. Wenn man in der 5. Minute vom Platz fliegt, um ein Gegentor zu vermeiden, dann ist das auf jeden Fall dumm. In der 50. Minute ist das IMO schon was anderes.

Als „Nachweis“ so ein bisserl die Laufleistungsherangehensweise. Allgemein sagt man, dass der, der mehr läuft, auch gefühlt einen Spieler mehr auf dem Platz hat und das den Ausschlag geben kann bei einem Spiel gleichstarker Mannschaften. Tritt einer mit einem Mann weniger „an“, dann fehlen da gerne mal 10 km Laufleistung einfach so (bzw. muss der Rest diese gewährleisten).

Und letztlich: Ich glaube nicht, dass die Entscheidung Rot oder Gegentor so bewusst von den Spielern gemacht wird. Meistens ist das eine sehr spontane (Fehl-) Entscheidung. Wenn man drüber nachdenken kann, dann hat man meist ja auch noch andere Optionen.

Antworten

Schorsch 26. Januar 2017 um 00:31

In einer solchen Situation wird plötzlich soviel Adrenalin freigesetzt, da regieren oft genug die Instinkte. Eine überlegte Reaktion ist häufig gar nicht möglich. Wobei es allerdings auch durchaus anders sein kann, allerdings eher als Ausnahme. Es gibt Spieler, die in solchen Situationen versuchen, das von ihnen verübte Foul nicht als solches erscheinen zu lassen. Manche können das sogar sehr gut… 😉

Früher gab es den typischen Standardsatz, dass paradoxerweise häufig eine Mannschaft in Unterzahl besser spiele als vorher in vollständiger Besetzung. Ich selbst habe dies auch durchaus des öfteren erlebt, in beide Richtungen. Der Aspekt ‚Laufleistung‘ spielte da in der Tat eine wichtige Rolle. Zu meiner aktiven Zeit lag diese deutlich unter den heutigen Werten. Wenn man nun dezimiert war, musste der fehlende Mann durch eine höhere Laufleistung aller anderen verbliebenen Spieler kompensiert werden. Das führte zu mehr Balleroberungen und Kontermöglichkeiten. Das eigene Spiel gewann an Dynamik. Damit kamen die gegnerischen Mannschaften trotz einem Mann mehr auf dem Platz des öfteren nicht zurecht. Weil man selbst die eigene Laufleistung eben nicht anpasste und auch nicht über ein so gutes Ballbesitz-/Passspiel verfügte, um den in Unterzahl befindlichen Gegner sich müde laufen zu lassen. Das ist heute in Zeiten der hohen Laufleistungen anders.

Mit den roten Karten in solchen Situationen war es seinerzeit noch nicht so weit her, Traineranweisungen gab es dennoch. Nämlich, es keinesfalls im Strafraum zu einem Foul kommen zu lassen. Auch wenn es ein anderes Jahrzehnt war, das EM-Finale 96 bietet da ein recht anschauliches Beispiel. Sammer foult Poborsky nicht ‚instinktiv‘, sondern ganz bewusst kurz vor der Strafraumgrenze. Hätte normalerweise ’nur‘ Freistoß gegeben. Pech nur, dass der Referee das Foul innerhalb des Strafraums gesehen hatte… 😉

Antworten

Koom 26. Januar 2017 um 13:26

Der Verweis auf das „früher“ finde ich sehr gut. Das war dann teils auch eine mentale Geschichte: In Überzahl denkt man dann, dass man das ein Stück weit mehr im Griff hat nun und in Unterzahl das Gegenteil. Das steigert die Laufleistung und, ja, wenn da plötzlich alle Spieler anstatt ihre 7km nun 8-9km laufen, dann macht es das ziemlich gut wett. Zudem riskiert man bei den seltenen Offensivmomenten dann was anderes, zieht mal schneller ab, weil ein Ballverlust in der Offensive dann viel verheerender wäre.

Und ja, heute ist der „Vorteil“ der Unterzahl sicherlich geringer, weil die Laufleistungen mehr oder weniger auf einem Niveau sind. Sicherlich gibt es Teams die 115km laufen und welche, die nur 105 laufen, aber die Abstände sind da einfach geringer.

August Bebel 25. Januar 2017 um 10:11

Das hängt natürlich auch davon ab, wie lange noch zu spielen ist, aber die obige Statistik (Torverhältnis) deutet an, dass es schwer ist, in Unterzahl das Ergebnis zu halten. Jetzt müsste noch miteinbezogen werden, wie es zum Zeitpunkt des Platzverweises stand, dann kann das damit verglichen werden, wie oft Rückstände generell aufgeholt werden.
Ohne mir all diese Mühe gemacht zu haben, würde ich vermuten, dass sich eher ein Rückstand aufholen als in Unterzahl das Ergebnis halten lässt, aber je später, desto schwieriger wird die Aufholjagd und desto leichter ließe sich das Ergebnis noch halten.

Antworten

TE 25. Januar 2017 um 13:32

4:33 ist das Torverhältnis in Unterzahl – ich denke, das sagt schon einiges aus. Mit zehn Mann kann man ja beispielsweise kaum noch ein richtig hohes Pressing spielen, auch das Leiten des Gegners fällt schwerer. Siehe Frankfurt am Wochenende, da konnte sich Leipzig den Gegner zurechtlegen.

Ich meine aber, mal eine wissenschaftliche Arbeit mit statistischem Einschlag gelesen zu haben, nach der es ab einer bestimmten Minute Sinn macht, eine rote Karte in Kauf zu nehmen, wenn man dadurch ein Tor verhindert. Leider weiß ich nicht mehr, welche Minute es war.

Antworten

SM 25. Januar 2017 um 15:03

Bei RBL-SGE gibt’s aber auch einen klaren qualitativen Unterschied, und spielerisch ist RBL sicher eine der besten Mannschaften der Liga.

IMHO spielt eine Rolle welche Staerken und Schwaechen der Gegner hat. Gegen eine Mannschaft die offensiv so hilflos ist wie z.B. der HSV unter BvM kann man Unterzahl viel besser wegstecken als z.B. gegen Bayern unter Heynckes oder Guardiola.

Anderes Beispiel vom WE: Bei VW-HSV am WE fand ich den HSV in Unterzahl besser als in Gleichzahl, und vielleicht sogar etwas besser als VW, weil konzentrierter defensiv gearbeitet wurde und die paar Nadelstiche nach vorne zeitweise gefaerhlicher wirkten als das was VW versuchte. Je laenger das Spiel dauerte, desto einfallsloser wurde VW und desto mehr kam der HSV auf. Dumm nur unsere Naivitaet: Das Gegentor kam dann per Konter…

Antworten

MR 26. Januar 2017 um 11:48

1020 Minuten sind es in Unterzahl. Bei einer TD von -29 ergibt das -1 pro 35,2 Minuten. Demnach wär es ca ab der 55. Minute sinnvoll.

Wäre aber aussagekräftiger bzw genauer, wenn man die Unterzahl-TD dann noch gegen die normale TD der Unterzahlteams und Überzahlteams rechnen würde. (Wenn nur Bayern gegen Abstiegskandidaten Unterzahl gehabt hätten, wäre TD -1 eine sehr schwerere Auswirkung. Wenn Hamburg Unterzahl hat, dann ist TD -1 nicht so weit weg vom Erwartungswert. Sieht aber auf den ersten Blick halbwegs ausgewogen aus.)

Antworten

SM 24. Januar 2017 um 16:53

Ihr koennt ja mal die Torarmut der Bundesliga untersuchen (oder habt Ihr das schon?) – ist dies nicht die toraermste Saison der Bundesligageschichte? Woran liegt’s?

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*