United hadert mit Punktverlust gegen zahnlose Gunners

manchester united1:1Arsenal-London

Der Gastgeber war trotz Unsauberkeiten das intensivere und im Mittelfeldbereich präsentere Team. Bei Arsenal schlug die zurückfallende Einbindung von Alexis Sánchez als Mittelstürmer aufgrund von Präsenzproblemen fehl. Trotz Uniteds starker Vorstellung im Abwehrpressing reichte es für die Gäste aber noch zum späten Ausgleich.

Stellt man die klassischen Narrative vom busparkenden Mourinho und vom in Idealismus schönsterbenden Wenger gegenüber, kommt nicht unbedingt das Bild heraus, welches dieses Premier-League-Topspiel in Old Trafford bot. Schon in den ersten zehn Minuten herrschte ein klares Dominanzübergewicht für die Hausherren, wogegen Arsenal etwas brauchte um ins Spiel zu kommen. Danach wurde das Match ausgeglichener, wenngleich United insgesamt die Mannschaft mit der präsenteren Ausführung ihrer Aktionen blieb. Dazu trug auch bei, dass im Pressing die Gäste aus London das strategisch etwas vorsichtigere und taktisch weniger intensivere Team waren.

Eingeschränkte gegen geringe Pressingintensität

Gegen den Ball gingen die „Gunners“ nur selten über die Mittelfeldhöhe hinaus. Selbst wenn sie sich mal weiter vorschoben, interpretierten sie diese Pressingphasen zumindest passiv. Teilweise positionierte sich Alexis Sánchez zu isoliert vorne, so dass die lose Bindung zum Mittelfeldband durch verschiedene Zurückfallbewegungen von Ander Herrera oder Pogba für United gut zu umspielen war. Wenn Arsenal der Abwehrreihe der Gastgeber nicht ohnehin Zeit ließ, gelangten diese recht häufig in jene Zwischenräume um die vordersten, nicht immer ausgewogen aufgereihten Offensivspieler Arsenals herum.

utd-arsenal-2016Beim Pressing auf der anderen Seite stellte Manchester mit den beiden Achtern ihrer 4-1-4-1-Grundformation die gegnerischen Sechser mannorientiert zu. Wenn ein Mittelfeldakteur – häufig dann Ander Herrera – mit ins 4-4-2 aufrückte, griff Arsenal schnell zum langen Ball, von denen sie phasenweise vergleichsweise viele schlugen. Ansonsten versuchten die Gastgeber mit Rashford als Keilstürmer das Innenverteidigerpärchen Arsenals zu trennen und unangenehm nach außen zu leiten. Das funktionierte in erster Instanz ganz gut, verpuffte aber dann, wenn Arsenals zweite Reihe sich gut bewegte – was mit der Zeit häufiger der Fall war.

Einerseits drückten die Außenverteidiger Mata und Martial nach hinten, andererseits wichen die Sechser vermehrt aus. So konnte Arsenal dem United-Mittelstürmer die Anbindung nach hinten rauben und den Druck des Pressingauslösers entweichen lassen. Auch ihnen war es so möglich, sich ins zweite Drittel hinein zu arbeiten und dort zu etwas Ruhe zu gelangen. Für die folgenden Aufbauaktionen blieben dann die Sechser – ohnehin nicht die allzu spielmachenden Gestaltertypen – eher passiv und unterstützend. Vielmehr bewegten sich die vorderen Spieler nach hinten, um sich das Leder bei den Innenverteidigern abzuholen.

Arsenal verschenkt Präsenz

Halbrechts ließ sich Özil mehrmals auf Höhe des defensiven Mittelfelds zurückfallen, zudem pendelte Alexis Sánchez aus der vordersten Reihe teilweise bis an den Mittelkreis heran – dabei lose verfolgt von einem Innenverteidiger Uniteds. Allerdings nutzte Arsenal diese Situationen nur selten zum Dominanzaufbau und wirklich ausgedehnten Zirkulationsphasen: Häufiger starteten die „Gunners“ ruckartig kleine Kombinationsaktionen mit zwei bis drei Spielern, etwa unter Nutzung verschiedener Doppelpassvarianten. Diese sahen gefällig aus und waren häufig individuell und gruppentaktisch auch kreativ angelegt.

Prinzipiell konnten Uniteds Mannorientierungen immer mal für einige Momente in Unordnung bringen, ob in Verbindung mit Ramseys Einrücken oder Walcotts verschiedenen Pendelbewegungen halbrechts. Insgesamt jedoch starteten sie viele Szenen zu früh und ungeduldig, so dass sich kleine Ungenauigkeiten einschlichen. Özils verlor mit der Zeit an Präsenz, weil immer wieder Angriffe vorwärts gestartet wurden, während sich der Nationalspieler seitlich freigelaufen hatte und entsprechend nicht mehr eingebunden werden konnte. Das verringerte naturgemäß die Optionen vorne, wo Arsenal die spielerisch ansehnlichen Versuche in Unterzahl fahren musste.

In der Tiefe dominiert das Mittelfeldtrio

Wenn sie bei ihrem Vorwärtsspiel kurz abbrechen und neu ansetzen mussten, zeigte sich Uniteds Rückwärtsbewegung ins letzte Drittel sehr stark. In diesen Zonen agierte das Mittelfeldtrio mit durchaus eindrucksvoller Kohärenz, in der sich insbesondere Ander Herrera vielseitig einband. Grundsätzlich bewegte er sich weniger wie ein Achter, sondern leicht versetzt wie ein direkt vor den Kollegen agierender Zehner, der per Deckungsschattennutzung wirksam ins Zentrum nachrücken konnte oder sich tiefer und flacher in seinen Halbraum fallen ließ, wenn die Mittelfeldlinie wegen Matas Verfolgung von Monreal mehr Breite benötigte.

Gegen diese Positionierungen Uniteds im Sechserraum hatte Arsenal endgültig zu wenig Präsenz und fand dann nur noch selten Durchschlagskraft, zumal sie die Sechser spielerisch wenig einbinden konnten und somit sehr stark auf die vorderen Kräfte allein angewiesen waren. Diese wiederum wurden in den Unterzahlen zu stark isoliert, als dass sie sich gruppentaktisch entscheidend hätten befreien können. Vielversprechend war der rechte Halbraum, da dieser bevorzugt überladen wurde und man Pogba einige Male herauslocken konnte. In vielen anderen Szenen jedoch ergab sich aus den Zurückfallbewegungen gegenüber Walcotts und teilweise Ramseys Schnittstellensuche eine zu große Distanz.

Von hektischen und ziellosen Bewegungen durchzogenes Spiel

Diese Gemengelage war ein Faktor, der Arsenal gelegentlich zu hektischen Läufen und Bewegungen bewog. Da sie ihre Angriffe zügig aus dem zweiten Drittel heraus initiierten und dies bei vergleichsweise geringer Offensivpräsenz geschah, waren sie oft dazu gedrängt, auch schnell weiterzuspielen. Gelegentlich arteten solche Rhythmusprobleme in etwas wildes, unkontrolliertes Herumrennens aus – das es auch auf Seiten der Gastgeber phasenweise gab. Beidseitig blieben die Strukturen eher unvollendet. Die Versuche der „Red Devils“, sich in der Offensive sehr flexibel zu bewegen, fanden nicht immer mit der erwünschten Kohärenz zusammen:

Im rechten Halbraum beispielsweise überbrückte Ander Herrera mit vertikalen Dribblings große Räume und rochierte einige Male gut mit Mata oder Pogba. Doch solche Umformungen wirkten gruppentaktisch unsauber und fanden in einem improvisierten mannschaftstaktischen Rahmen statt, so dass sich gelegentlich einzelne Akteure dabei auf den Füßen standen, mit wahllosen Läufen oder überhasteten Folgeaktionen reagierten. Matas Einrücken wurde zu oft als bloßer Raumöffner für Verlagerungen genutzt, statt den Spanier selbst anzuspielen. Punktuell stellte United einige sehr gute neue Staffelungen her, in der Gesamtheit wirkten Entscheidungsfindung und strategische Raumnutzung aber unbewusst und sahen dann nicht souverän aus.

Uniteds Achter im Bereich halblinks

Von besonderer Bedeutung war noch einmal die linke Seite der Gastgeber. Eine sehr interessante Aufbaufunktion lag hier in den vielen von halbrechts kommenden Bewegungen Ander Herreras zusätzlich in jene Zonen. Das stärkte die Präsenz, half beim Umspielen der ersten Reihe und war ein Werkzeug für Dominanz. Manchmal wurde der Baske zum tiefsten, antreibenden Mittelfeldakteur, häufig übernahm er auch ein wichtiges Raumfüllen zwischen Abkippbewegungen Carricks und Vorrücken Pogbas. Von halblinks konnte United mehrmals gut auf Arsenals Ketten zuspielen.

Allgemein hatten die Achter hinter den nicht konsequent nach hinten arbeitenden Offensiven der Gäste teilweise viel Platz für antreibende Aktionen. Zum Ende der ersten Halbzeit wurde das stärker fokussiert und sorgte nun gerade in Person Pogbas für zunehmende Gefahr. Der Franzose suchte Pässe in den Zwischenlinienraum und dort vermehrt das Einrücken Matas. Zuvor war dessen Bewegung in den Halbraum nicht nur im Zuge der unsauberen Umformungen teils ignoriert, sondern überdies von Ramseys tiefer Position oder kurz mannorientiert durch Elneny aufgefangen worden.

Mata-Einrücken mit Potential, Martial-Einbindung zu klar

Wenn der Rechtsaußen jedoch direkt in den Raum hinter Arsenals Sechser zog und sich das Mittelfeld Uniteds offensiv genug positionierte, wurde seine – oft von Pogba initiierte – Einbindung gefährlich. In der wenig konstanten Manchester-Anlage schwenkte das aber schnell mal um: Ließen sich die Achter zu tief fallen und stand das gesamte Mittelfeld zwischenzeitlich zu klar und zurückhaltend – statt andribbelnd – wurden die Pässe schwieriger und umgekehrt das Zusammenziehen Arsenals gegen Mata – oder auch mal Rashford – einfacher. Dann fehlte der weitere Stich aus dem Zwischenlinienraum.

Eine andere Variante in der Ausführung der United-Angriffe über links bestand im Fokus auf die Dribblings von Martial. Diese wurden aus sehr breiten Positionen heraus angelegt. Darmian hinterlief, Pogba unterstützte situativ auf verschiedene Weisen und gelegentlich ging Carrick weit mit in den Halbraum, um dahinter abzusichern und bei Bedarf die Bälle neu zu verteilen. Die Überladungen unmittelbar am Flügel hatte Arsenal aber gut unter Kontrolle, da Coquelin sehr aggressiv nachschob und – Walcott war hier dann deutlich disziplinierter im Rückzug – quasi trippelte. Die innerhalb des 4-4-1-1 entstehenden Horizontalabstände besetzet United zumindest sporadisch über Pogbas Dynamik.

Zweite Halbzeit

Insgesamt war United gegenüber den zahnlosen „Gunners“ deutlich zwingender. Das setzte sich grundsätzlich in der zweiten Halbzeit fort. Auf das defensive Mittelfeld der Gastgeber fand Arsenal weiterhin keinen Zugriff, da Intensität und Bindung zwischen Sechsern und deren Vordermännern nur fragmentarisch bestanden. Özil zog sich von der Zehn zwar oft tief zurück, schien in der Positionsfindung aber unsicher und entwickelte wie der isolierte Mittelstürmer kaum Effekt. Ein Sechser konnte ballnah herausrücken, aber dabei nur immer kurz zurückdrängend wirken, mehr nicht.

Rückte United dann in die vorderen Zonen, schoben sie mit ihrer Viererreihe des 4-1-4-1 schnell nach und hatten viele Möglichkeiten für verschiedene Rochaden, beispielweise der Achter nach außen. Weiterhin versuchte Ander Herrera links mit zu überladen, Pogba attackierte teilweise Freiräume auf rechts. Auch wenn das alles nicht immer sauber und vollends abgestimmt ablief, ging doch häufig eine gewisse Grundgefahr davon aus. Das 1:0 Mitte der zweiten Halbzeit war also eine nicht ganz ungerechtfertigte Belohnung für den stärkeren Vorwärtsdrang der Mannschaft von Mourinho.

In den verbleibenden zwanzig Minuten ging nun die Initiative auf die Gäste aus London über, während sich der Hausherr im 4-1-4-1/4-5-1 weit zurückzog. Dabei konnten sie nun vollends auf ihr in der Defensivarbeit stärkstes Prunkstück vertrauen: Das Abwehrpressing um das Mittelfeldtrio. Arsenal brachte nun Giroud für das Sturmzentrum, Alexis ging nach links und Ramsey auf die Doppel-Sechs. Gefährlich wurden die Gäste aus der Dominanz aber kaum: Zu viel lag auf Einzelaktionen von Alexis und ungewohnt simplen Flanken, vor allem von halblinks. Eine Hereingabe des als Rechtsverteidiger eingewechselten Oxlade-Chamberlain reichte aber fast aus dem Nichts zum späten Ausgleich.

 

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