Ancelottis Kontrolleure gnadenlos

FC Augsburg1:3bayern

Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, aber zunächst nicht so richtig zwingend: Was die Bayern in Augsburg versuchten und wie sie doch zu einem weiteren souveränen Sieg kamen.

Das gute, altbekannte 4-3-3 von Carlo Ancelotti hatten die Münchener Bayern auch für ihr Gastspiel beim FC Augsburg mit im Gepäck. Diesmal besetzten Thiago und Vidal die Achterpositionen, von denen sie sich im Aufbau etwas nach außen bewegen und dann im Halbraum eine flach gespannte Mittelfeldlinie zusammen mit Xabi Alonso bilden. Von dort sollen sie das Spiel nach vorne antreiben und erhalten dafür das Feld von den weit aufrückenden Außenverteidigern überlassen.

fca-fcb-2016Flügelstürmer zurückfallend, tiefe Altintop-Rolle

Folgendermaßen antworteten die Augsburger und Dirk Schuster darauf: Von den offensiven Flügelpositionen folgten Koo und Schmied häufig mannorientiert weit bis nach hinten, teilweise gar tief bis in Sechserketten. Dafür durften Kacar und Baier von der Doppel-Sechs ballnah sehr weit herausrücken, um den jeweiligen Münchener Achter zu attackieren. (Links war es teilweise Koo, wenn Douglas Costa sehr zentral im Umkreis Kacars agierte und Verhaegh dann Alaba aufnahm.) Teils versuchten die Hausherren anfangs mit einer vertikal gestaffelten Dreierlinie – aus Außenverteidiger-Flügelstürmer-Sechser – den Bayern die Zentrumswege zu versperren. Der jeweils ballferne Mittelfeldakteur schob gar nicht so weit mit herüber, vielmehr wurden die zwischen den Sechsern entstehenden Lücken durch die ungewohnt tiefe Position von Halil Altintop gefüllt, der sich oft nur minimal vor den beiden postierte und somit so etwas wie ein Abwehrdreieck formierte.

Dieses Phänomen war sicherlich das interessanteste Element der Augsburger Defensivarbeit und konnte einige gute, ausgewogene Momente für sich verbuchen. Allerdings sollte genau an dieser Stelle auch ein gewichtiges Problem für die Fuggerstädter liegen: In dieser zum 4-5-1 tendierenden Staffelung fehlte ihnen eine klare Umschaltstation nach vorne. Das erschwerte Konter, zumal sich die Außenstürmer teils so weit nach hinten fallen ließen. So gab es auch kaum gefährliche Gegenstöße der Hausherren. Ihren defensiven Plan setzten die Augsburger aber solide bis durchschnittlich um, zunächst ohne Nachlässigkeiten, wenngleich die Herausrück-Möglichkeiten der teilweise freien Außenverteidiger in den Zwischenlinienraum bisweilen noch vielseitiger und proaktiver hätten genutzt werden können.

Mittelfeldreihe um den Block herum

Das reichte so gegen die Münchener zumindest, um aus deren Ballbesitz nur wenige gefährliche Szenen zuzulassen. Bei den Gästen zeigte sich zunächst wieder eine Problematik aus der schwachen Zwischenphase dieser noch jungen Saison: Zwar agierte Douglas Costa vom linken Flügel – wie schon gegen Gladbach – häufig sehr zentral unmittelbar hinter Lewandowski und auch Robben rückte phasenweise länger in den dann präsent besetzten Zehnerraum ein. Aber diese eigentlich vielversprechenden Voraussetzungen ließen sich nicht so gut umsetzen: Das lag wiederum entscheidend daran, dass die Mittelfeldlinie fast durchgehend einfach nur in leichtem Bogen um die gegnerische Formation herumstand.

Die beiden Achter sollten sich jeweils in ihren Räumen als konstante Rückpassoption anbieten, wie es auch Xabi Alonso sein konnte. Allerdings schalteten sich kaum mal unterstützend weiter nach vorne ein, um dort zu helfen oder weitere Optionen zu bieten. Der jeweils nicht Ballführende tat das – bis auf einzelne, aber dann stets aus dem Rücken ballfern in den Strafraum, meistens für Flanken, nachrückende Läufe Vidals – auch fast nie, sondern war reine Verlagerungsstation. Für alle entscheidenden Aktionen – außer Durchbrüchen der Außenverteidiger – waren also quasi die drei vorderen Akteure auf sich gestellt – ebenso bei Robben-Dribblings aus breiterer Position.

Raumfindung und -nutzung bei den Bayern

Die bayerische Raumnutzung war diesmal nicht so konsequent wie noch gegen die Gladbacher am vorigen Wochenende, als die Achter sich auch im weiteren Vorwärtsgang wieder vielseitig zusätzlich angeboten hatten und die Bayern so druckvoller in die strafraumnahen Zwischenräume eindringen und Chancen hatten erzwingen können. Natürlich spielten die Münchener aber nicht stumpf einen immergleichen, unveränderten Stiefel herunter. Gelegentlich öffneten sie den Halbraum innerhalb der Augsburger Mittelfeldlinie und konnten dort einzelne Spieler freispielen. Links ging das etwas häufiger, entweder durch den einrückenden Douglas Costa oder durch Lewandowski, der sich im Laufe der bisherigen Ancelotti-Zeit nun immer mehr mitspielend nach hinten einbringt.

Teilweise verhinderte jedoch eine etwas seltsame Orientierung wirklichen Effekt dieser Momente: die jeweiligen Akteuren hatten bei Zuspielen teilweise eine etwas unpassende Raumfindung und spielten dann zu häufig einfach weiter nach außen zu Alaba, anstatt sich aufzudrehen und die von ihnen besetzte Lücke nun attackierend zu bespielen. Auch bei Phasen verstärkter Rochanden und Umpositionierungen fanden die Bayern nicht zur letzten Stringenz: Sie hatten dann viel Bewegung, indem mal Robben mit nach links ging, seine beiden Sturmkollegen verschiedene Läufe unternahmen und die Achter sich vielfältig anzupassen versuchten. Jedoch wurden sie bei diesen Umformungen etwas chaotisch und in ihrem Freilaufverhalten bisweilen wiederum zu ausweichend.

Das waren oft nur kleine Tendenzen und geringfügige Unsauberkeiten, destabilisierten aber die eigenen Bindungen zwischenzeitlich, so dass man letztlich doch wieder einen geordneten Gesamtblock der gegnerischen Defensive vor sich hatte. Mitte des ersten Durchgangs wurde das Einrücken von Lahm in den rechten Halbraum verstärkt genutzt, während Robben breiter blieb. Die Passwege nach außen konnten nun vereinzelt dynamischer angeschlagen werden, im Grunde genommen waren sie aber zuvor ohnehin zugänglich gewesen. Kleinere Effekte hatte diese Maßnahme daher eher bezüglich weiterer Präsenzerhöhung im Bereich um Thiago. Gerade durch die asymmetrische Rolle von Douglas Costa stand in dieser dominanten Zone viel Personal bereit, um Angriffe ruhiger vorzubereiten, sich etwas weiter vor- und Baier zurückzuschieben.

Kontrolliert im Spiel und gnadenlos bei den entscheidenden Chancen

Das große Plus der von Ancelotti installierten Aufbaustruktur liegt in der Kontrolle, die sich so generieren lässt: Mit den tiefen Achtern, die sich früh für die Innenverteidiger anbieten und später ein ringförmiges Oval um den gegnerischen Block bilden, kann man sehr gut aufbauen, viel Ruhe erzeugen und das Leder souverän laufen lassen. So hatten die Bayern Spiel und Gegner über quasi die gesamte erste Halbzeit problemlos im Griff. Aus dieser ungefährdeten Ausgangslage kann man dann natürlich geduldig auf einzelne Szenen warten. Diese kamen aber sehr selten: Augsburg ließ zunächst nichts Zwingendes zu. Es lief sehr unglücklich für sie, dass das Erreichen dieses Zwischenziels ausgerechnet durch zwei Gegenkonter eingerissen wurde.

Verpackt als Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten sorgten diese ausgerechnet auch noch für eine Vorentscheidung. Aus dem geordneten Aufbau hatten die Münchener den Gegner zunächst nicht abschließend knacken können. Bei beiden Treffern jedoch war die Restverteidigung der Hausherren trotz des Bayern-Tempos eigentlich noch gut genug besetzt, um die Tore zu verhindern: Der FCA verhielt sich hier in klarer Überzahl schwach. Das war in gewisser Weise symptomatisch für zwei kleinere Schwachpunkte, die der Meister ansonsten nicht gravierend aufdecken konnte, aber vereinzelt für Unruhe sorgten und auch hier durchschienen: Zum einen schienen die Horizontalabstände in der Augsburger Grundordnung etwas zu groß. Aus den ballfernen Zonen rückten sie im Verschieben zwar ein, aber verringerten die Distanzen nicht besonders weit.

So gab es etwa nach dem Seitenwechsel auch manche Szenen, als sich einzelne Bayernspieler in Zwischenräume positionierten, die Augsburger aber nicht geschlossen aus dem Zentrum nachrückten und es daher verpassten, lokal kollektiver Druck zu machen als sich nur mit den zwei bis drei unmittelbar nahen Akteuren passiv zusammenzuziehen. Zum anderen gab es bei klaren, Tempo aufnehmenden Verlagerungsszenen der Bayern einige ballnahe Herausrückbewegungen aus der Sechserkette heraus, für die keine Notwendigkeit mehr bestand. Teilweise sorgte das für leichte Unordnung und Unsauberkeit, wenn man während des Verschiebens sich erst wieder in die alte Struktur sammeln musste. Vor allem der erste Aspekt deutete sich bei den Gegentreffern vom Prinzip her an. Diese Szenen nutzten die Bayern dann gnadenlos.

Zweite Halbzeit

Zur zweiten Halbzeit hatte sich Ancelotti einige neue Elemente und Schwerpunkte einfallen lassen: So konnte man im Angriffsdrittel nun häufiger beobachten, dass sich einer der Außenstürmer nahe an Lewandowski bewegte und der Pole direkte Vorwärtspässe dann durchlaufen ließ. Überhaupt wurden solche Pärchenbildungen stärker forciert – und vermehrt in den Bereich der Schnittstellen ausgerichtet, um dann mit Weiterleitungen gezielt diese Punkte anzuvisieren und dort durchzubrechen. Insgesamt handelte es sich bei den ersten ca. zwanzig Minuten nach dem Wiederbeginn um die wohl beste spielerische Phase der Bayern in dieser  Begegnung. Die Außenverteidiger spielten von den Seiten gute horizontale Rückpässe ins Zentrum zwischen die Linien.

Diese Bereiche besetzten sie zunächst dann auch sehr gut, wenngleich sie die Folgeaktionen in den vordersten Reihen nur selten weiterführen konnten. Mit dem schnellen 0:3 nach nur wenigen Minuten in Durchgang zwei hatten die Gäste endgültig die Weichen gestellt. Später kamen die Augsburger noch zu ihrem Treffer und belohnten sich damit für eine Steigerung im finalen Drittel der Spielzeit. Sie profitierten nun von der generell etwas inkonsequenten Bayern-Defensive, die zum eigenen Strafraum hin nicht immer ganz kollektiv agiert. Solange die Münchener selbst so viel Zeit im eigenen Ballbesitz verbringen und der Gegner seinerseits fast nur lang nach vorne schlägt, fällt das kaum auf. Viel zu spät konnte Augsburg kleinere Anfälligkeiten andeuten.

Sie schoben nun häufiger auch mal Baier in höhere Zonen, damit der Mittelfeldmann etwaige Engensituationen auflösen oder bei Abprallerszenen mit seiner Ballsicherheit helfen sollte. Seine kluge Vorlage nach einem – diesmal gelegentlich eingestreuten – Vorwärtslauf in den Sechzehner war essentiell für Koos Treffer. Vor der Pause hatten die Augsburger mit dem Ball enttäuscht, im Grunde genommen nur frühe lange Schläge nach vorne zu bieten. Dort formierten sie sich einfach in einem recht simplen, leicht zusammengezogenen 4-2-3-1. Aus dem Sturmzentrum konnte Ji jeweils weit auf eine gerade fokussierte Seite ausweichen. Bis weit in die zweite Halbzeit blieb es dabei – und das war dann gegen vor allem durch ihre Kontrolle überzeugende Münchener zu unambitioniert und zu wenig.

Yilde 31. Oktober 2016 um 12:03

Ich fand Augsburgs Herangehensweise an das Spiel eigentlich gar nicht mal schlecht. Die Bayern sind zurzeit im letzten Drittel nicht so gefährlich wie die letzten Jahre und mit etwas Glück hätte man es schaffen können, keine Gegentore einzufangen. Strukturell entstand meines Erachtens wenig Gefahr, meist waren es von Robben angekurbelte klein-klein Aktionen, bei denen die FCA-Abwehr zu schwimmen begann. Auch das gelegentliche hohe Pressing gefiel mir ganz gut, der FCA schaffte es ein paar mal herauszurücken, das Spiel auf die gegnerischen Außen zu lenken und lange Bälle zu provozieren, nur dass die Folgeaktionen bei Ballgewinn dann eher so wirkten, als versuche man einfach nur Zeit zu gewinnen, in denen der FCB eben mal nicht anlaufen kann. Alles in Allem denke ich, kann man bei diesem Spielverlauf mit Glück auch mal etwas mitnehmen, blöd halt dass es (FCA-typisch) dann ziemliche Schnitzer waren, die das Spiel früh entscheiden. Ich würde mich aber vor allem Fragen, was Schuster denn für Möglichkeiten gehabt hätte anders aufzustellen? Denkt ihr eine offensivere Herangehensweise (zB. ein 4231 mit Moravek als 10er der Mannorientiert an Xabi hängt) wäre erfolgsversprechender gewesen? Ich habe zugegebenermaßen nicht genug Bayernspiele unter Ancelotti gesehen um beurteilen zu können, wie sie zurzeit mit gegnerischem Anlaufen umgehen.

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CHR4 1. November 2016 um 04:13

was denn nun? – nicht genug Spiele unter Ancelotti gesehen? – oder woher die Aussage „Die Bayern sind zurzeit im letzten Drittel nicht so gefährlich wie die letzten Jahre …“? – wo kommt das denn her?

an Zahlen finde ich dazu folgendes:

Bundesliga Tore nachdem 9. Spieltag:
………………….. 2016/17: 23:5
……………………….. 2015/16: 29:4
………………… 2014/15: 21:2
………………. 2013/14: 19:4
……………………… 2012/13: 27:4
……………………. 2011/12: 25:1
…….. 2010/11: 8:8
…………… 2009/10: 15:8
……………….. 2008/09: 20:15
……………………. 2007/08: 25:3
………….. 2006/07: 14:10

Die Daten (Quelle: bundesliga.de) geben diese Aussage für mich nicht her (letzte 10 Jahre: 4 mal öfter getroffen, 6 mal weniger – letzte 5 Jahre: 3x mehr 2x weniger)! Hast du andere Zahlen (Pokal, Champions-League, Schüsse aufs Tor, ExpG)? – dann nur her damit …

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CHR4 1. November 2016 um 04:40

Differenz zu / Durchschnittswerte:
-6 / 29 (1 Jahr)
-2 / 25 (2 Jahre)
0 / 23 (3 Jahre)
-1 / 24 (4 Jahre)
-1,2 / 24,2 (5 Jahre)
+1,5 / 21,5 (6 Jahre)
+2,4 / 20,6 (7 Jahre)
+2,5 / 20,5 (8 Jahre)
+2 / 21 (9 Jahre)
+2,7 / 20,3 (10 Jahre)

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Yilde 1. November 2016 um 19:22

Oh, warum denn gleich so gereizt? Ich hatte mich dabei auf hier gelesenes bezogen (z.B. http://spielverlagerung.de/2016/10/16/uninspirierte-bayern-gegen-flotte-frankfurter/), deine Daten sprechen da aber tatsächlich eine andere Sprache

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Yilde 1. November 2016 um 20:54

Oh, warum denn gleich so gereizt? Ich hatte mich bei der Aussage auf hier gelesenes Bezogen (zB. der Artikel zu Bayern-Frankfurt). Deine Daten sprechen aber tatsächlich eine andere Sprache

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CHR4 2. November 2016 um 01:00

nein, keine Sorge, bin nicht gereizt – sollte auch nicht so wirken, also bitte nicht missverstehen

trotzdem finde ich es nicht gut, einfach Behauptungen aufzustellen oder ohne Quelle oder Überprüfung wiederzugeben (auch wenn es es HIER irgendwo in einer Analyse steht) – du musst zugeben, wenn man deine Kommentar liest, denkt man zuerst mal, dass es deine Meinung ist …

das Spiel gegen Frankfurt kann man nun wirklich nicht als Leistungs-Maßstab für die bisherige Saison nehmen: wenn man mal nicht mit Vollgas spielt (was ja diverse Spieler und Funktionäre danach auch kundtaten), ist man halt nicht so gefährlich …

leider liest man hier aber immer wieder Behauptungen, die eigentlich mit Zahlen belegt werden können, es wird aber nicht gemacht und wenn man dann selbst nachschaut, sprechen die Zahlen eine andere Sprache … ist halt nicht das erste mal 😉 (also von dir vll. schon 😉 )

ich versuche das dann nur gerade zu rücken und bin aber auch offen und neugierig, wenn jemand dann andere Zahlen liefert, denn
a) erlangt man neue Erkenntnisse, lernt evt. mit (teilw.) neuen Daten umzugehen (Packing, expected Goals …)
b) lernt man evt. neue interessante Seiten über Fußball kennen (für mich z.B. letztens whoscored.com – hatte ich lange nicht auf meinem Schirm)

Fortschritt erfodert den Mut zu Fehlern und muss auch mal Diskussionen aushalten (wobei natürlich der gute Ton gewahrt werden sollte) – deshalb von meiner Seite alles gut und entspannt 🙂

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Yilde 3. November 2016 um 15:12

Da hast du natürlich völlig recht, es war ziemlich ungünstig formuliert meinerseits. Gerade wenn es sich um Fußball dreht sollte ein gewisser Standard schon bemüht werden, sonst ist´s nicht mehr weit bis zur Stammtischdiskussion. In diesem Sinne Sorry meinerseits und Schwamm drüber 🙂

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Felixander 30. Oktober 2016 um 10:30

Hat Carlo einen Einfluss auf die Chancenverwertung oder ist das Glück? Ohne diesen Faktor sähe das Spiel der Bayern derzeit eher durchschlagsschwach aus.

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fcb 30. Oktober 2016 um 15:03

Der Vergleich von den expected Goals mit den real geschossenen Toren könnte ein Indiz liefern?!
Oder man vergleicht den Durchschnitt der expected Goals von dieser Saison mit den ersten 9 Spieltagen der vergangenen Spielzeiten.

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CHR4 1. November 2016 um 05:00

Chancenverwertung setzt sich (beieinflußbar) aus folgendem zusammen: Kreisfehlerwahrscheinlichkeit (CEP) des Schusses (übrigens findet die gleiche Formel Verwendung, bei allem wo gezielt wird, z.B. auch Trefferwahrscheinlichkeit von Atomraketen) + mentale Stärke des Schützen – beides ist trainierbar, daher wäre anzunehmen, dass Carlo hier Einfluss haben sollte 😉
was er nicht beeinflussen kann, sind die „Sahne“-Tage des gegnerischen Torhüters oder der Abwehrspieler (z.B. Jan Oblaks derzeitige Form …)

@fcb: soweit mir bekannt, bewertet expG hauptäschlich Schuss-Position und Orientierung des Schützen, oder? – also personenunabhängig die Chancenqualität – es macht aber einen Unterschied für mich WER mit WELCHEN Fähigkeiten an der Position steht, unterschiedliche Spieler muss man unterschiedlich bedienen … wenn ich es jetzt schaffe, dass z.B. bei gleichem Zuspiel auf die gleiche Position der passende, statt dem unpassenden Mitspieler dort abschließen kann, dürfte sich am expG-Wert nichts ändern – für mich erhöht das aber die Torwahrscheinlichkeit erheblich …

Wenn das aber mit einbezogen wird, wird es wieder sehr subketiv Richtung Expertenurteil …

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tobit 1. November 2016 um 12:21

Man müsste dafür halt den xG-Wert erweitern. Diese Erweiterung kann ja auch durch einen, auf vergangenen Spielen basierenden, Bonus oder Malus auf die Werte für jeden Spieler geschehen, so dass Lahm z.B. einen Abzug und Robben einen Bonus bekommt, da sie in der Vergangenheit als eher schwache (Lahm) bzw. herausragende Schützen (Robben) aufgefallen sind.
Wenn man das noch um die bevorzugten Schusspositionen erweitert (bei Robben z.B. das rechte Strafraumeck), könnte sich ein noch besserer Fit ergeben.
Ob dieser massive Mehraufwand (in der Datensammlung und -auswertung) darstellbar wäre oder überhaupt eine signifikante Verbesserung des Modells zur Folge hätte, kann ich jedoch gar nciht einschätzen.

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CHR4 1. November 2016 um 14:45

ja 🙂 genau diese Gedanken gingen mir durch den Kopf:
– Robben: rechtes Strafraumeck
– Kroos: linker Halbraum, zw. 16 und 20m
– Calhanoglu: Freistöße
– Ibra, Lewy: um den 5er egal wie ((halb)hoch) der Ball kommt …

Was man aber sicher nicht mit Datensammlung in den Griff bekommt: Hat der Stürmer gerade einen Lauf bzw. ist locker im Kopf und fühlt sich wohl oder ist er verkrampft? Das kann wohl nur ein einfühlsamer Trainer beurteilen und der Spieler selbst beurteilen …
Der Kopf sind halt auch 50% bei der Sache …

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tobit 1. November 2016 um 15:00

Sogar das könnte man bei älteren Spielern einbeziehen, indem man (bei ausreichend vorhandener Datenlage) bei Spielern, die zu Phasen wo ihnen alles – oder nichts gelingt neigen, die Spiele in nächster Vergangenheit stärker gewichtet. Umgekehrt könnte man bei Spielern wie Ronaldo, Messi oder Müller aufgrund ihrer Konstanz auch ältere Werte stark einbeziehen.

Das ganze Modell würde aber wohl nur bei Spielern über 25 wirklich funktionieren, da bei jüngeren die Datenlage für solch komplexe Anpassungen wahrscheinlich zu dünn wäre.

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Felixander 1. November 2016 um 18:48

Ich meinte eher, ob unter Carlo eine bestimmte Art von Chancen kreiert wird, die effektiver genutzt werden kann oder ob die eher abwartende Spielweise dem Abschluss evtl. entgegen kommt.

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CHR4 2. November 2016 um 01:31

ahso … meine Meinung dazu: da jetzt eher mal auch risikoreich steil gespielt wird, sind ab und zu weniger (gegnerische) Beine zwischen Schütze und Tor oder Assistgeber, Schütze und Tor

Peps Bayern hatten vll. mehr Schüsse, aber durch das langsame Hintenreindrücken des Gegners halt auch meist fast alle gegnerischen Feldspieler in der Defensive am und im Strafraum

ich versuch es mal mit einem platten Bild und versuche gleichzeitig niemnad zu erzürnen, denn es ist halt Geschmackssache, was man bevorzugt (trotzdem werden einige jetzt wieder ob des Trainervergleichs stöhnen, aber hier wird ja explizit danach gefragt):
Pep hat für das Reh auf dem Feld viele Pfeile steht aber weiter im Wald (mehr Bäume im Weg)
Carlo hat weniger Pfeile, schießt aber näher am Waldrand (weniger Bäume im Weg)
Pep nimmt sich Zeit den Bogen am jedem Schräubchen einzustellen und sich ordentlich zu positieren, manchmal ist das Reh dann schon weg (Konter 😉 )
Carlo schießt auch im Rennen, stoplert dabei oder zieht schnell einen Pfeil, der Schuß rutscht dann manchmal so ab, dass er nicht als Versuch wahrgenommen wird sondern als Mißgeschick (aus Risikosteilpass wird Fehlpass, bevor ne Chance entsteht)

Fazit. aus der gleichen Situation will Pep möglichst sicher eine Chance machen, die dann vll. etwas schwerer zu verwandeln ist, dafür gibt es immer viele Chancen
Carlo lässt auch mal nen riskanteren Pass zu, der wenn er ankommt sehr gefärlich sein kann und wenn er nicht ankommt, war es halt erst gar keine Chance – daher ist die Chancenverwertungsquote dann höher

da hier an diversen Stellen schon soviel darüber geschrieben wurde, lass ich es dann mal gut sein
ich werde auch nicht weiter auch Pep-Carlo Fans/Hater antworten, Pep ist in Manchester, wer sich’s anschauen will hatte heute wie ich ne gute Gelegenheit, mir hat das Spiel gefallen, ebenso wie mal wieder was anderes in München auf dem Teller zu haben

das Leben ist zu kurz für schlechte Laune: beschäftigt euch mit den Dingen, die euch Freude bereiten und verschwendet keine Zeit für die anderen

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