TEs Bundesliga-Check: Bitte erst zur zweiten Halbzeit einschalten

Die englische Woche bietet die Möglichkeit, in der Kolumne ein paar allgemeine Themen anzupacken. TE mutmaßt, warum die Bundesligisten in der ersten Halbzeit keine Tore schießen, und beleuchtet die Arbeit des Trainer des Jahres Dirk Schuster.

Spielverlagerung-Autor TE sucht sich nach jedem Bundesliga-Spieltag zwei bis drei Aspekte raus, die er kurz und knackig analysiert. TEs Bundesliga-Check ist eine Spielwiese für taktische Beobachtungen, die in den “langen” Spielanalysen keinen Platz finden. Der Analysehappen für Zwischendurch.

Der Fluch der ersten Halbzeit

Die Bundesliga gilt weltweit als vorbildlich in Sachen Fanbindung. In welcher großen Sportliga auf der Erde gibt es Stehplätze für 10 Euro? Bzw.: In welcher gibt es überhaupt Stehplätze? Eben. Die Bundesliga geht in dieser Saison in Sachen Fanservice sogar noch einen Schritt weiter: Stau, Verspätungen bei der Bahn, verstopfte U-Bahnen – nicht immer schafft man es pünktlich ins Stadion. Deshalb haben die Bundesligisten sich darauf geeinigt, in der ersten Halbzeit keine Tore mehr zu erzielen.

Die Statistik ist auffällig: 36 Spiele bestritten die Bundesligisten bisher. In der ersten Halbzeit fielen 35 Tore. Kurz zusammengerechnet für alle, die wegen Mathe die zweite Klasse wiederholen mussten: Durchschnittlich fiel vor der Pause weniger als ein Tor. Erst nach der Pause drehen die Bundesligisten auf. In der zweiten Halbzeit fielen 70 Tore. Zwei Drittel der Tore fielen in dieser Saison also erst nach dem Pausentee.

Auf den ersten Blick scheint die Zahl logisch: Die Teams sind in der ersten Halbzeit fitter, konzentrierter, machen weniger Fehler. Dennoch ist die Zahl auffällig hoch, viel höher als in den vergangenen Saisons. In den letzten drei Jahren lag der Schnitt jeweils bei rund 55% Toren nach der Pause. Vielleicht ist es nur eine kleine Anomalie zu Beginn der Saison. Wahrscheinlich wächst sich das wieder heraus, Stichwort: Regression zur Mitte.

Die Zahl deckt sich aber mit einem subjektiven Eindruck von mir, nämlich dass in der Pressing-Liga Bundesliga viele Teams gar keine Tore vor der Pause schießen wollen. Gerade bei ungleichen Duellen Favorit gegen Außenseiter ist das Setup meist klar: Der Außenseiter verbarrikadiert sich in einem Mittelfeldpressing und will kontern. Der Favorit muss das Spiel machen, will aber nicht allzu riskant vor den Ball rücken, damit im Zweifel gegnerische Konter über ein Gegenpressing kontrolliert werden können.

Erst wenn die Teams wirklich müssen, nämlich nach einem Rückstand oder wenn die Zeit knapp wird, drängen sie auch wirklich nach vorne. Und so tun sich erst nach der Pause Räume auf. Diese Idee ist nicht neu, dürfte sich aber durch die taktischen Veränderungen der vergangenen Jahre noch verschärft haben. Das Gegenpressing wurde perfektioniert, Konter sind also schwerer möglich bzw. erst dann, wenn der Gegner Räume öffnet bzw. durch Müdigkeit nicht mehr so konsequent gegenpresst. Ein hohes Angriffspressing bzw. das ständige Verschieben zehrt an den Kraftreserven, sodass manche Teams am Ende einer Partie einbrechen. Die spielerischen Schwächen bei Ballbesitz bzw. das zu zaghafte Aufrücken vieler Bundesligisten im Spielaufbau ist auch ein Thema, das auf Spielverlagerung immer wieder thematisiert wird. Die meisten Teams können dichte Defensiven nur mithilfe von Man-Power knacken. Erst wenn sie mit mehr Spielern aufrücken, also mehr Risiko wagen, können sie sich Chancen erarbeiten. Gleichzeitig entstehen mehr Chancen durch offene Räume für den Gegner.

Ich bin gespannt, wie sich die Statistik in den kommenden Wochen entwickelt. Im Zweifel gilt: Bundesliga-Spiele erst zur zweiten Halbzeit einschalten.

Dirk Schusters Augsburger

Was macht eigentlich jener Mann, der 2016 von deutschen Sportjournalisten zum Trainer des Jahres gewählt wurde? Gemeint ist natürlich Thomas Tuchel Pep Guardiola Ralph Hasenhüttel Martin Schmidt Andre Schubert Pal Dardai Dirk Schuster. Die kleine Spitze sei mir bitte verziehen, schließlich gilt sie ausschließlich dem Preis an sich und nicht dem Preisträger. Gewonnen hat nämlich – meiner bescheidenen Meinung nach – in erster Linie das Darmstädter Narrativ, nach dem der Klassenerhalt ein mittelgroßes Wunder war. Den Preis kann man also als Gesamtwürdigung des Darmstädter Werks betrachten. Okay. Dennoch schlage ich vor, dass für solche Auszeichnungen künftig die Regel gilt, die auch beim Oscar für den besten fremdsprachigen Film angewandt wird: Jeder Stimmabgeber muss nachweisen, dass er das Werk des Trainers tatsächlich gesehen hat. Also: mindestens zehn Spiele über 90 Minuten. Konferenz gilt nicht, aufs Handy schauen ist ebenfalls verboten und die Vorspultaste bleibt tabu, selbst wenn sich mal wieder ein Darmstädter minutenlang über den Rasen wälzt. Da wäre ich gespannt, wie viele Stimmen Schuster immer noch bekommen würde. Wobei: Wohl gar nicht so viel weniger, denn „mit so einem Klub kann man ja keinen anderen Fußball spielen“.

Augsburgs 6-3-1-Tendenzen gegen Leverkusen. Die Außenstürmer agierten tief - teilweise vor den Außenverteidigern, teilweise neben ihnen, wenn Leverkusens Außenverteidiger weit aufrückten.

Augsburgs 6-3-1-Tendenzen gegen Leverkusen. Die Außenstürmer agierten tief – teilweise vor den Außenverteidigern, teilweise neben ihnen, wenn Leverkusens Außenverteidiger weit aufrückten. Moravek ließ sich neben die Doppelsechs fallen, wenn die Außenstürmer tief gingen.

Zurück zum Thema. Schuster bringt dem FC Augsburg aktuell seinen Darmstädter Defensivfußball bei. Zumindest ein Element seines Fußballs. Nachdem Augsburg in den ersten Partien einige spielerische Ansätze im 4-2-3-1 zeigte, setzte Schuster gegen den Favoriten Bayer Leverkusen sein Darmstadt-System um.

Dieses System baut vor allem auf Mannorientierungen auf dem Flügel und auf ein enges, gut verschiebendes Zentrum. Die Außenstürmer nehmen hierbei die gegnerischen Außenstürmer auf und lassen sich weit fallen. Somit verteidigen Schusters Team oft mit sechs Mann in der letzten Linie. Dadurch dass sich der Zehner oft auf Mittelfeldhöhe fallen lässt, entsteht ein kompakter 6-3-1-Block. Augsburg verteidigte somit gegen Leverkusen a) gut das Zentrum und verhinderte b) Zuspiele in die Tiefe hinter die Abwehr.

Augsburg würzte dieses kompakte Konstrukt mit einem aggressiven Angriffspressing, wenn Leverkusen sich weit in der eigenen Hälfte befand. Mit einem mannorientierten Ansatz verhinderten sie, dass Leverkusen in der eigenen Hälfte Fahrt aufnehmen und eine eventuell zu hohe Abwehrkette der Augsburger bestrafen kann. Wenn dieses frühe Anlaufen schieflief, zogen sie sich sofort in ihr enges Gerüst zurück.

Leverkusen fand gegen diese kompakten Augsburger kaum ein Mittel. Sie versuchten mit Positionswechseln den Gegner herauszuziehen, Augsburg ließ sich jedoch nicht von den Flügeln locken bzw. vom Zentrum auf die Flügel. Kontern konnten die Augsburger wiederum kaum, was am (erneut) überragenden Gegenpressing der Leverkusener lag. Am Ende stand es 0:0, Schusters Defensivtaktik ging auf. Der Trainer des Jahres steigert damit seine Chance, den Titel zu verteidigen.

Ausführliche Analysen des vierten Spieltags

VfL Wolfsburg – Borussia Dortmund 1:5

ES 23. September 2016 um 13:29

Man kann ja generell so einen Kritiker-Preis vergeben nach zwei Kriterien: Erfolg und Ästhetik (und intuitive Mischformen dazwischen). Beim Thema Erfolg (wie immer sich das auch definiert, Tabellenplatz?) darf man durchaus den relativen Erfolg bewerten, d.h. dividiert durch die eingesetzten Mittel (wie man immer das genau definiert). Um den Trainer zu messen, könnte man da doch den Tabellenplatz (oder die Punktezahl) durch den Goalimpact der Spieler teilen (oder was auch immer). In jedem Fall wird Dirk Schuster in der Kategorie weit vorne landen (wie auch Pep, Tuchel, Dardai, Hasenhüttel (bei Roger Schmid bin ich mir da nicht mehr so sicher)).

Zum Thema Ästhetik (könnte man auch wieder über eine relative Ästhetik philosophieren, d.h. wie viel Ästhetik ist mit bescheidenen Mitteln möglich): Tut mir leid, aber mit meinen ästhetischen Vorstellungen kann ich es auch schön finden, wenn Darmstadt den anlaufenden Gegner mit fußballerischen Mitteln schier zur Verzweiflung und aus dem Konzept bringt, und finde es höchst amüsant, wenn sich Mannschaften, denen es über 85 Minuten nicht gelingt so einen Riegel zu knacken, sich über die 5 Minuten Wälzerei aufregen.

Und mal im Ernst: Bei Tuchel können wir uns einig sein, natürlich auch bei Pep (wobei sich da schon die Geister scheiden, fragt doch mal die Mehrzahl der Bayern-Fans), auch bei Hasenhüttel. Aber im Ernst: 10 Leverkusen-Spiele ungekürzt am Stück? Nicht wirklich. Zu Dardai: Ich bin ein großer Fan der Spielweise von Dardai und Hertha, und finde es faszinierend und vorbildhaft, wie sie sich dem gegnerischen Pressing entziehen können, aber letztlich ist die Spielweise der Hertha auch ambitionslos, in dem Sinne, dass sie den Ball übers Spielfeld verwalten, dem Gegner den Zugriff entziehen, und beim Fehler eiskalt im Umschalten sind. Das schließt dann auch mal Viertelstundenpassagen mit ein, in denen sich die Innenverteidiger den Ball zuschieben um beim Anlaufen des Gegners wieder bei Jarstein zu landen. Das ist gut und erfolgreich, kann man aber auch so nur im regelmäßig nur halbvollen Olympia-Stadion machen ohne dass die Zuschauer murren.

Antworten

tobit 23. September 2016 um 14:12

Zu Berlin:
Die sind mit Ball sau gut gewesen letztes Jahr – gefehlt hat ein Typ wie Grifo oder Mkhi, der die Offensive auf ein neues Level hebt. Durchschlagskraft aus Ballbesitz war das Hauptproblem neben dem 14-Mann-Kader (überspitzt gesagt) – der einzige, der das ab und zu konnte, war Kalou, daneben standen dann aber meist Dauerläufer und -passer Darida, Strafraumgespenst Ibisevic und einer aus Haraguchi oder Weiser. Hätte man da Ibisevic oder Haraguchi durch Grifo ersetzt, hätte man mehr Chancen bei evtl. schwächerer Verwertung erwarten können.

Antworten

ES 23. September 2016 um 14:31

Keine Frage, dass sie mit Ball saugut sind. Ich wollte ausdrücken, dass sie sich bei Ballbesitz anders verhalten als typische andere Ballbesitzmannschaften wie z.B. Guardiola-Bayern oder Tuchel-BVB. Sie versuchen nicht, den Gegner um den Strafraum herum zu erdrücken, den Gegner gewissermaßen weich zu spielen, um dann die Lücke zu finden, sondern sie spielen sehr gerne über den ganzen Platz, nicht unbedingt immer Richtung generisches Tor, gerne auch wieder ganz weit nach hinten. Ziel ist es nicht, den Gegner zu zerdrücken, sondern dessen Formation weit auseinanderzuziehen, das Pressing ins Leere laufen zu lassen, um dann die Lücken im schnellen Umschaltspiel zu finden. Wenn der Gegner sich nicht auseinanderziehen lässt, auch gut. Dann spielt die Hertha das einfach so weiter. Das ist es, was ich mit „ambitionslos“ meine. Es sieht dann so aus, als könnte man mit einem 0:0 sehr gut leben. Aber wehe, wenn der Gegner, entweder weil er nicht genug genug ist, oder weil er ein bisschen mehr will, Lücken offenbart. Dann wird da gnadenlos reingestoßen.

Ich denke nicht, dass das was mit der Durchschlagsqualität ganz vorne zu tun hat. Die ist doch sehr passabel.

Antworten

tobit 23. September 2016 um 15:37

Ohne herausragende Engenspieler und/oder Weltklasse Gegenpressing ist ein Spiel wie das von Tuchel und Guardiola nicht zu machen. Beides war bei Hertha letzte Saison nicht auf dem Niveau für konstante Dominanz vorhanden. Wenn du selbst nicht Druckstabil genug bist für enge Räume, solltest du den Gegner halt auch nicht zur Verengung zwingen.

Zur Durchschlagskraft: Ich meine damit nicht, wie gut sie ihre Chancen gemacht haben, sondern wie oft sie Chancen herausspielen. Sie haben mit 9,7/Spiel (0,5 weniger als D98) die wenigsten Schüsse letzte Saison abgegeben und haben mit 22% den geringsten Anteil an Aktionen im letzten Drittel. Dazu haben sie (knapp vor D98) die zweitwenigsten Keypässe (7,0/Spiel) gespielt.
Was mir dabei auffällt, dass Hertha in der letzten Saison den höchsten Anteil ihrer Schüsse aus dem Zentrum und innehalb des Strafraums von allen BL-Teams abgegeben haben. Sie scheinen also nicht – wie viele andere – aus allen Lagen zu schießen.
Ich fand sie letzte Saison aus gefestigtem Ballbesitz ohne gegnerischen Fehler selten wirklich durchschlagskräftig. Klar war das für ihr Budget schon ordentlich, hätte aber noch besser sein können.
Dass sie gegnerische Fehler brutal bestraft haben, sehe ich auch so – diese Fähigkeit von Kalou und Ibisevic hat ihnen dann auch zurecht einige Punkte beschehrt.
Die Ausrichtung passt insgesamt ganz gut in die Bundesliga, finde ich. Gutes Spiel um das gegnerische Pressing, aber Vermeidung allzu großen Aufrückens zwecks Konterabsicherung. Fehler wird im Pressing fast jedes Team ausser Bayer und RB machen, sodass dadurch weiter gute Chancen entstehen.

Antworten

ES 23. September 2016 um 15:49

Danke für die Ergänzung mit ein paar Fakten. Sollte auch nicht als Kritik an Hertha gemeint sein, die das Optimale aus ihren Verhältnissen rausholt.

Nur, das Argument von TE gegen die Vergabe des Trainerpreises an Schuster war ja ein ästhetisches, und es wurde Pal Dardai als möglicher besserer Kandidat für den Preis herausgehoben. Das kann ich gerade unter dem ästhetischen Aspekt nicht ganz verstehen, denn man muss schon feine Geschmacksnerven haben, um das (ich bleibe dabei stilistisch „ambitionslose“) Spiel der Hertha über 90 Minuten uneingeschränkt zu goutieren.

Antworten

tobit 23. September 2016 um 16:42

Ich glaube TE hat für derart andersartige Ansätze wie den von Hertha eine kleine Schwäche, wenn ich mir so seine Äußerungen zu der im Durchschnitt spielerisch „langweiligen“ BL anschaue.
Man muss einen Spielstil ja nicht uneingeschränkt geil finden, um ihn ästhetisch weit vorne zu sehen.
Dazu glaube ich nicht, dass seine Auswahl rein auf seinem Empfinden von Spielästhetik beruht, sondern auch einige andere Aspekte, wie Umsetzungskonsequenz, „Hipsterigkeit“, Dominanz (im Sinne von: dem anderen seine Art aufzudrücken), Trainingsqualität (soweit bekannt und bewertbar) und auch Erfolg mitberücksichtigt.

Hertha hat ja im Sommer auch offensiv etwas nachgelegt und mit Duda und Esswein, sowie den rehabilitierten Stocker und Schieber neue Startelfoptionen gewonnen. Gerade Duda könnte als Zehner oder spielmachender/einrückender RA für mehr Chancen/Kreativität sorgen. Esswein, Schieber und Stocker geben neue Optionen, auch mal offensiv wechseln zu können. Diese hinzugewonnene Breite könnte für Hertha der Schlüssel zu einer konstanteren Saison-Performance sein, die in der letzten Saison doch sehr zu wünschen übrig ließ.
Weiß jemand warum Kalou bisher überhaupt keine Rolle spielt? Ist er verletzt, oder ist etwas anderes vorgefallen?

Antworten

Koom 23. September 2016 um 16:47

Ich würde Dardai den Preis auch eher geben für eine „eigenständige Spielidee“. Ansonsten hat man ja nur die Ballbesitz-Gegner-im-Strafraum-einsperr-Teams und die Gegenpressing-Konter-Teams. Da ist Dardais Ansatz tatsächlich mal was anderes.

Antworten

ES 23. September 2016 um 17:10

Schuster kann man nicht vorwerfen, keine eigenständige Spielidee zu haben.

ES 23. September 2016 um 17:04

Was ich auch interessant finde: Das kann man auf jedem Niveau machen. Für Tuchel und Guardiola brauch man schon ganz besonders feine Fussballer, Den Dardai-Fussball kann man auch in der Kreisklasse spielen. ich brauche „nur“ sehr laufbereite Spieler mit Gespür für die freien Räume, in die sie laufen und die einen sauberen flachen Pass auch über längere Strecken spielen können. Dazu einen Mittelstrümer, der die Dinger kompromisslos versenkt, wenn sie mal in den Strafraum kommen (auf dem entsprechenden Niveau finde ich den auch in der Kreisklasse), einen spielstarken Torwart: Schon gehts ab.

Antworten

tobit 23. September 2016 um 17:58

Ob man das wirklich überall durchziehen könnte, weiß ich nicht – aber zumindest in den deutschen (Profi-)Ligen erscheint es mir als sehr passendes Konzept gegen viele Gegner. Je weiter man runter geht, desto schwieriger wird es mitspielende Keeper und ausreichend Buckelfreie Plätze zu finden, alle andere Punkte sollten aber überall umsetzbar sein.
Das ist wohl einer der Gründe, warum Dardai in der „gestrichenen“ Liste auftaucht und bei den SVlern mittlerweile einen ziemlich guten Ruf – nach anfänglicher Kritik an der Trainingsmethodik – genießt.

Ob dieser Stil dagegen in Italien oder Spanien ähnlich erfolgreich wäre weiß ich nicht.
Gerade in Italien legen die meisten Teams viel Wert auf stabile Verteidigung in der Tiefe und Fehlervermeidung. Dadurch könnte die Durchschlagskraft des Ansatzes weiter abnehmen und so die Gefahr für „unverdiente“ Unentschieden/Niederlagen erhöhen.

ES 24. September 2016 um 12:39

Ein interessanter Aspekt, bei dem es am Ende dann doch für das Kreisliga-Team schwer wird: Man brauch im Dardai-System schon eine sehr starke, auch nervenstarke Endverteidigung, weil man sich nach Ballverlust (situativ nicht immer), aber meist konsequent tief fallen lässt.

Und genau da sind auch die Grenzen bei Dardai, nämlich wenn es gegen richtig offensiv spielstarke Gegner geht, wie man schön am Mittwoch gegen die Bayern sehen konnte. Erinnere ich mich richtig, dass Hertha in der letzten Saison sehr konsequent Punkte gegen schlechtere und gleichwertige Gegner eingefahren, sie aber gegen tabellarisch bessere auch sehr konsequent abgegeben hat?

Was die Platzverhältnisse angeht: Gestern hatten wir ein AH-Spiel auswärts , und es spielte sich in der ersten Halbzeit so schön, die flachen Bälle hatten alle eine gute Geschwindigkeit, anfangs der zweiten HZ habe ich dann gesehen, dass wir jetzt 45 Minuten leicht bergauf spielen müssen. 🙂 Haben trotzdem gewonnen!

TE 23. September 2016 um 18:38

Alles richtig, ich will gar nicht groß widersprechen. Nur kurz klarstellen: Roger Schmidt kommt in meiner Aufzählung nicht vor. Das hat auch seine Gründe. Alle anderen dort vorkommenen Trainer hätte ich in der vergangenen Saison vorgezogen. Und nein, das hat nicht nur was mit Ästhetik zu tun. Ich denke, was Schmidt in Mainz und Hasenhüttel in Ingolstadt geschaffen haben, ist nach deiner Definition von Erfolg höher anzusiedeln als die Arbeit von Schuster.

Antworten

ES 24. September 2016 um 13:21

Sorry, es steht deutlich da: Martin Schmidt. Und ich denke, es kann nur der gehypte Roger Schmidt, und nicht der zwar erfolgreiche, aber doch eher konventionellere Martin Schmidt sein, und lese deshalb: Roger Schmidt. So funktioniert durch Vorurteil gesteuerte Wahrnehmung (jedenfalls bei mir). Entschudlige.

Hasenhüttel ist sicher der am wenigsten in seiner Leistung wahrgenommene Trainer in Deutschland, das wird sich auch nicht mehr ändern, denn die kommenden Erfolge wird man dem bösen RB-Modell mit dem vielen Geld zuweisen.

Mal kurz zu Deinem eigentlichen Thema (jetzt haben wir lange über Deine schöne Überleitung geredet): Augsburg. Wieso holt man sich nach Weinzierl den Schuster? Glaubt man, der setzt da irgendwas in der Nachfolge um, so eine Art Augsburger Spielphilosophie? oder holt man sich schlicht den (wie auch immer definierten oder geglaubten) Erfolgstrainer, Philosophie egal? Kommt man an jemanden wie Frank Schmidt z.B. nicht ran?

Antworten

Hk 24. September 2016 um 13:54

„Hasenhüttel ist sicher der am wenigsten in seiner Leistung wahrgenommene Trainer in Deutschland“
Das geht sogar so weit, dass jeder seinen Namen falsch schreibt. Hasenhüttl heißt er.

Und warum Frank Schmidt noch nicht BL trainiert wäre eine spannende Frage. Liegt es daran, dass man befürchtet er würde außerhalb seines Heidenheimer/Schwabenbiotops nicht funktionieren?

Antworten

ES 24. September 2016 um 14:11

Nächster Denkfehler von mir. In dem Fall Autoritätsglaube, Hatte die Schreibweise von TE übernommen. Nochmals Entschluldigung.

Augsburg ist nicht so weit weg von Heidenheim und ziemlich schwäbisch.

Antworten

Schorsch 25. September 2016 um 11:52

Frank Schmidt ist integraler Bestandteil der Heidenheimer Erfolgsgeschichte. Er war langjähriger Spieler des SB und seit der Abspaltung/Neugründung des 1. FC 2007 ist er der verantwortliche Trainer. Der Club hat ein klares sportliches, personelles und ökonomisches Konzept und gestaltet dies mit nur wenigen handelnden Personen. Frank Schmidt hat bei Heidenheim eine formelle und informelle Position inne, wie sie ein Trainer nur bei sehr wenigen Clubs im bezahlten Fußball besitzt. Im Rahmen des Konzepts ist er ein Gestalter. Bei welchen anderen (größeren, reicheren) Clubs kann er dies sein?

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist der Mittelstand. Oftmals Spezialisten in ihren Marktsegmenten, oftmals Weltspitze. Flexibel, schnell, qualitativ herausragend. Oft fern jeden öffentlichen Wirbels, sog. ‚hidden champions‘ (leider jedoch immer mehr und öfter im Visier überseeischer Anlagegiganten). In solchen Unternehmen (nicht nur) in verantwortlicher Position zu arbeiten bedeutet vielleicht weniger Einkommen als in vergleichbarer Position in einem großen Konzern und sicherlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit. Aber es bedeutet eben auch oft, gestalten zu können. Was eben bei Großunternehmen nicht oder nur sehr bedingt möglich ist. Deshalb wechseln viele erfolgreiche verantwortliche Mitarbeiter eben nicht aus dem Mittelstand zum Großkonzern, auch wenn sie lukrative Angebote haben. Und dass, so jedenfalls meine Meinung, ist auch gut so.

Welchen Grund sollte ein Frank Schmidt haben, den Club zu verlassen, den er quasi (mit)aufgebaut hat, den er (mit)gestaltet hat und in dem er in Ruhe und als unbestrittene Führungsfigur (auch in weniger erfolgreichen Zeiten) arbeiten kann? Und wer sagt, dass die Erfolgsgeschichte des 1. FC Heidenheim mit Frank Schmidt ihren Gipfel bereits erreicht hat?

Antworten

ES 25. September 2016 um 14:16

Tja, alles vernünftige Fragen. Man kann es sich immer im Berufsleben einrichten und auf den bekannten Pfaden daherwandeln, oder man kann neue Herausforderungen suchen, die dann immer auch mit Risiken verbunden sind. Beides ist fair. Man kann sich fragen, ob der Erfolg in erster Linie dem ideal eingerichteten Umfeld geschuldet ist, oder ob und wieviel der Führungserfolg mit der eigenen Person zusammenhängt. Das wird man nur herausfinden, indem man es woanders versucht und dort seine Grenzen erfährt.

Wie dem auch sei: Es ist die Aufgabe von einem Manager des FC Augsburg, das aus jemandem wie dem Schmidt herauszukitzeln und ihn zu reizen (oder generell versuchen zu verstehen, was den Schmidt motiviert, und da ansetzen). Ob und wie weit der Herr Reuter das versucht hat, wissen wir natürlich nicht. Vielleicht hat er auch einfach den Schuster für die bessere Wahl gehalten.


Tom 23. September 2016 um 10:30

Bei der EM gab es ja auch die Tendenz, dass selbst Fußballzwerge es heute schaffen lange konzentriert zu verteidigen und den Favoriten lange hin zu halten.
Von daher ist dies mMn eine Weiterführung des Trends, den man bei der EM gesehen hat.

Die Entwicklung der erst spät erzielten Tore ist ganz interessant. Vor allem Ballbesitzmannschaften bekommen anscheinend immer mehr Probleme mit tief verteidigenden Teams. Es bleibt eigentlich fast nur noch den Gegner konsequent müde zu spielen. Hinzu kommt, die Zurückhaltung der Favoritenteams. Ein Rückstand würde zu noch defensiverem Spiel des Gegners führen.
Der Spruch „Angriff ist die beste Verteidigung“ hat zudem bei den allermeisten schwächeren Teams komplett ausgedient.
Das liegt aber auch daran, dass ein schwächeres Team es heute kaum noch schafft den Ball mal länger zu halten, da der Pressingdruck so enorm ist. Da heißt es: Ball schnell nach vorne und mit wenigen sein Glück versuchen und nichts riskieren. Ein Ballverluste in der Nähe vom eigenen Tor sind da oft der schnelle KO .

Falls mal ein Statistiker Zeit findet, wäre interessant bei welchen (auch gegen welche) Teams die Verteilung Tore 1. Halbzeit zu Tore 2. Halbzeit besonders krass ist.

Antworten

Dr. Acula 23. September 2016 um 08:41

ich verstehe deinen unmut über die vergabe dieser auszeichnung nur zu gut. aber letztendlich sind alle auszeichnungen im fußball lächerlich. zweifel? cristiano ballon d´or, lahm, busquests, iniesta oder baier kein ballon d’or. noch fragen?

Antworten

Koom 23. September 2016 um 09:35

Das Narrativ steht über der eigentlichen Leistung und Fähigkeit. Das war im Fußball schon immer so, wird sich nie ändern. Und ich verstehe deinen Unmut auch nur zu gut und teile ihn. Etwas mehr Sachlichkeit und Objektivität würde dem Fußball gut tun. Denn eigentlich verdient er das auch.

Antworten

FAB 23. September 2016 um 14:28

Lächerlich schon, aber ich finde es schon schade, dass Guardiola in seinen 3 Jahren diese Auszeichnung nicht bekommen hat. Das entwertet diese Auszeichnung. Ich meine selbst van Gaal und Felix Magath haben als Bayerntrainer den Titel einmal zugesprochen bekommen …

Antworten

Koom 23. September 2016 um 16:51

Auch hier das Narrativ: Der Trainer zuvor gewann das Triple. Der Kader wurde mächtig aufgerüstet, der direkte Kontrahent nochmal empfindlich geschwächt – damit ist im Grunde Meisterschaft und Pokal schon Pflicht und nur durch einen CL-Sieg hätte man da ein Ausrufezeichen setzen können. Der blieb aus – es ging sogar eher krachend schief in der ersten Saison.

Und die darauf folgenden Saisons fanden schließlich auch immer noch unter den selben Vorzeichen statt: Der Vorgänger holte das Triple mit einem „schwächeren“ Kader. Und zudem war der Saisonausklang in jedem Jahr eher schwach mit den CL-Halbfinalniederlagen und dem Formverfall in der Liga.

Ich bin kein Guardiola-Freund, aber ja: Einmal hätte er eine Auszeichnung dieser Art sicherlich verdient. Die Trainerleistung war schon sehr gut, es gibt wenig klarere Handschriften als die von Guardiola (auch wenn einem das Geschriebene nicht gefällt *g*). Aber naja: Guardiola hat sich in DE keine Freunde gemacht mit seiner Art.

Antworten

tobit 23. September 2016 um 16:54

Guardiola hat halt in jeweils am Ende der Saison einige fragwürdige Entscheidungen oder negative Spielverläufe gehabt, die neben der wachsenden Ablehnung seiner Person und Spielphilosophie wohl der Hauptgrund für die fehlende Auszeichnung waren.
Im ersten Jahr wurde Deutschland zudem Weltmeister – damit war der Titel an Löw vergeben.
Im zweiten Jahr durfte sich Hecking dank de Bruyne mit dem Titel schmücken.
Im dritten Jahr war Guardiolas Abgang beschlossene Sache und er damit endgültig zur persona-non-grata in vielen deutschen Medien geworden.

Man sollte diese Wahl aber auch nicht zu ernst nehmen, da seit Einführung 2002 nur Meistertrainer, Nationaltrainer oder Tabellenzweite (Ausnahme: Dirk Schuster als 14.) gewonnen haben. Von 2004 bis 2014 gewannen nur Meistertrainer und Klinsmann und Löw nach herausragenden WMs.

Antworten

Schorsch 23. September 2016 um 21:48

Man kann über diese Auszeichnung (die Wahl erfolgt durch Sportjournalisten) trefflich streiten oder auch nicht. Dirk Schuster hat in Darmstadt sicherlich eine nicht alltägliche Erfolgsstory eines Underdogs geschrieben. Er war ja Trainer und Sportlicher Leiter gleichzeitig und war somit auch alleinverantwortlich für die Kaderzusammensetzung. Mit einer Truppe von Absteigern in die Regionalliga (nur durch Lizenzverweigerung des DFB für die Offenbacher Kickers blieb man in Liga 3) schaffte er den Aufstieg in die 2. Bundesliga und den direkten Aufstieg in die Bundesliga, in der er mit einem aus ehemaligen Dritt- und Zweitligaspielern sowie scheinbar ‚abgehalfterten‘ Bundesligaspielern zusammengesetzten ‚Billigteam‘ den Klassenerhalt schaffte. Dies ist ohne Zweifel eine herausragende Leistung. Ich kann mir vorstellen, dass dies für viele abstimmenden Sportjournalisten das ausschlaggebende Kriterium war, ihre Stimme Schuster zu geben. Die fußballerischen Mittel, die Schuster für den Erfolg seines Teams wählte, waren da offensichtlich nachrangig. Da es nach meinem Kenntnisstand keine festgelegten Kriterien für die Wahl gibt, ist das mMn auch völlig in Ordnung, wenn ein Stimmberechtigter dem (relativen) Erfolg den Vorzug vor z.B. der fußballerischen Entwicklung gibt.

Dirk Schuster ist sozusagen der ‚Gegenentwurf‘ zu Pep Guardiola, in vielerlei Beziehung. Vom fußballerischen Verständnis gesehen, vom Auftreten her, aber sicherlich auch hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten und aller Rahmenbedingungen in Darmstadt im Vergleich zu Bayern. Obwohl, der Rasen im Münchener Stadion scheint in letzter Zeit eher ‚darmstadtlike‘ zu sein und nicht so, wie man es bei einem Aspiranten auf den CL-Sieg erwarten dürfte… 😉 Aber im Ernst, Schuster und Darmstadt als ‚Gegenentwurf‘ nicht nur zu Guardiola und den Bayern, sondern im Prinzip zu allen anderen möglichen Kandidaten haben möglicherweise die entscheidenden Sympathiepunkte bei der Stimmvergabe gebracht.

Ob eine Jury aus ‚Fachleuten‘ anhand eines dezidierten Kriterienkatalogs immer und prinzipiell zu anderen Ergebnissen käme, weiß ich nicht. In einigen Fällen wahrscheinlich ja, in anderen wohl eher nicht. Ich persönlich nehme solche ‚Wahlen‘ eher am Rande zur Kenntnis und messe ihnen keine größere Bedeutung bei. Im Gegensatz zum ‚Trainerpreis des deutschen Fußballs‘, der seit einigen Jahren vom DFB für herausragende Leistungen im Nachwuchsbereich vergeben wird (übrigens durch eine Jury). Man kann unter den bisherigen Preisträger bestimmt den bzw. die eine/n oder andere/n vermissen, aber die Qualität der Arbeit der bislang Ausgezeichneten steht für mich außer Frage.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*