Aufstiegsduelle um die Premier League

Zum Ende der Saison gibt es in England das große Rennen um die begehrten Aufstiegsplätze in die Premier League. Eine Übersicht der Partie zwischen Middlesbrough und Brighton & Hove Albion vom letzten Spieltag der Championship sowie des Gastspiels der Letzteren bei Sheffield Wednesday im Hinspiel des Aufstiegs-Play-Offs-Halbfinales.

Anmerkung: Das andere Playoff-Halbfinal-Duell zwischen Derby County und Hull City (0:3) konnte leider nicht berücksichtigt werden.

Championship, 46. Spieltag: Middlesbrough FC – Brighton & Hove Albion 1:1

Es ging um den Aufstieg ins Millionengeschäft Premier League: Am letzten Spieltag der Championship in England trafen vorletztes Wochenende der Tabellenzweite aus Middlesbrough und der Tabellendritte aus Brighton aufeinander. Für die Heimmannschaft reichte ein Unentschieden zum direkten Aufstieg, die Gäste mussten gewinnen, um am Gegner vorbeiziehen und die aufwändigen Play-Off-Spiele umgehen zu können. Prinzipiell schien man es auf den ersten Blick mit einer Partie zu tun zu haben, die dem typischen Stereotyp vom englischen Fußball entspräche:

aufstiegsduelle um die premier league 2016 middlesbrough-brighton-haZwei 4-4-2-Formationen, einige box-to-box-hafte Momente aus dem Mittelfeld, kompakte und kampfbetonte Duelle der Sechser im Feldzentrum, teilweise Einzelaktionen und Tempo am Flügel sowie zwischendurch immer wieder auch lange Bälle als Stilmittel. Abgesehen davon, dass bei Middlesbrough der ehemalige spanische Nationalspieler Aitor Karanka und bei Brighton der Ire Chris Hughton an der Seitenlinie standen, also gar keine Engländer: Nicht alle diese Elemente aber waren so prägend und vor allem wurden sie nicht bloß simpel oder gar plump, sondern oft auch gezielt und etwas feinsinniger angewandt. So befand sich die Begegnung taktisch auf prinzipiell solidem Niveau.

Problematisch waren die teilweise unterschwelligen, unbewussten und dadurch punktuell auch mal besonders negativ einwirkenden Mannorientierungen. Diese dürften nicht unbedingt aus eindeutigen Vorgaben resultiert haben, sondern oft eher einer Mischung aus Intuition und dem Aufeinandertreffen der Grundstrukturen entsprungen sein. Dadurch wirkten sie bisweilen unkontrollierter und konnten gelegentlich dann eigentlich kohärentere Strukturen und Orientierungen zerfressen. So entstanden manchmal – auch bedingt durch die herausrückenden Naturelle im Pressing – etwas größere Zwischenlücken, bei den Hausherren eher in den horizontalen Abständen, bei den Südengländern hinter den Stürmern.

Klare Angriffsstruktur mit zwei uruguayischen Schlüsseln

Nach einem kurz hin und her wogenden Startabschnitt gehörte der restliche Teil der Anfangsphase den Hausherren, die sich doch recht schnell einen Gefahrenvorsprung erarbeiten konnten. So zeigten die beiden Sechser der Gäste zwar häufig disziplinierte Anschlusskompaktheit an die Abwehrreihe hinter ihnen, wurden aber trotzdem gelegentlich ausgespielt. Die Hausherren kamen vor allem über ihre solide, aber passende Rollenverteilung in der Offensive in Verbindung mit der Klasse ihres uruguayischen Pärchens aus den Nationalspielern Cristhian Stuani und Gastón Ramírez. Einer der beiden, häufig der Außenstürmer, kurbelte mit Dribblings an, der jeweils andere betätigte sich als Fixpunkt und Ablagestation.

Daraus konnten sich kleinere Kombinationsaktionen in die restliche Offensivreihe hinein entwickeln. Im Sturmzentrum hatte Nugent einige kluge Bewegungen und zuarbeitende Szenen, links sorgte Adomah bei den diagonal von rechts ins Zentrum ziehenden Angriffen für Drang in die Spitze. So brauchte Middlesbrough gar nicht immer so viel numerische Präsenz, weshalb sich die Sechser auch schon mal stärker auf Absicherung, Gegenpressing und vielseitiges Nachrücken konzentrieren konnten. Zwar fiel das frühe 1:0 nach einer Standardsituation, doch über die von den Uruguayern eingeleiteten, häufig als Schnellangriffe gefahrenen Szenen gab es im Umkreis des Treffers viel Schwung und einige weitere Möglichkeiten.

Eingeleitet wurden diese Situationen auch von langen Bällen, auf die Middlesbrough phasenweise verstärkt setzte. Sie wollten sich in den Ballungszonen auf halbrechts die Abpraller zu sichern, um dort die typischen Muster in Szene zu setzen. Im Anschluss an die Duelle um zweite Bälle versuchten die Gäste aus Brighton einige Male zu umständlich in lose mannorientierte Zuordnungsmuster zu kommen, was ihre Anpassungsfähigkeit einschränken konnte. Auch aufgrund dessen entwickelte die tief und diszipliniert helfende Rolle Murphys, der gegen den Ball immer wieder schnell an die Kompaktheit anschloss, keine absolut entscheidende Wirkung. Eine grundsätzliche Stabilisierung ging von dieser lückenstopfenden Maßnahme aus, es hätte aber noch effektiver sein können.

Solide Pressingdisziplin bei den Hausherren

Tendenziell zeigte die Abwehrarbeit der Hausherren ein ähnliches Bild, wenngleich in vielen kleinen Punkten zunächst minimal konsequenter und stabiler. So schlossen die beiden offensiven Flügelspieler zwar mit sehr unregelmäßiger, aber punktuell wichtiger Unterstützungsleistung zwischendurch horizontal eng an die zentralen Mittelfeldakteure an und sorgten so für Phasen guter Kompaktheit innerhalb dieser Linie. Vereinzelt fiel auch mal Gastón Ramírez tiefer zurück, um hier bei Bedarf zusätzlich aufzufüllen, aber das war insgesamt wirklich nur ein Randaspekt. Die Sechser hielten zwar nicht ganz so viel Kohärenz zur Abwehrlinie wie bei ihrem Gegenüber, verschoben dafür aber etwas effektiver:

Sie rückten als kompaktes Duo sehr weit mit zur Seite herüber und konnten dort stärkere Präsenz verdichten. Dafür erwies sich dann die Mitarbeit der Flügelspieler als hilfreich, um diese Geschlossenheit auch beizubehalten und dadurch nicht größere Lücken im ballfernen Halbraum preiszugeben. Von links rückte Adomah ballfern etwas disziplinierter ein als der in seiner Orientierung zwischendurch auch unsaubere Stuani. Aus ihren weit nach außen geschobenen Staffelungen heraus zeigten die Sechser Middlesbroughs schließlich noch einige gute Herausrückbewegungen, indem der ballfernere Akteur diagonal und teilweise mannorientiert auf den gegnerischen Sechserraum presste.

Das funktionierte in dieser Anordnung immer wieder sehr gut, ermöglichte leichten und risikolosen Druck, der den Gegner wieder etwas nach hinten schob. Im Vergleich mit dem problematischen Herausrücken der Innenverteidiger war das viel besser. Diese ließen sich teilweise zu isoliert herausziehen, mussten gegen Chippässe zwischen die Linien aber auch einige Male größere Räume verteidigen. Gelegentlich konnte Brightons Bewegungsreichtum diese Zonen zunächst überspielen, im Rückzug nach hinten fing Middlesbrough viele Szenen aber wieder auf. Die Szenen deuteten das Potential der Gäste an und machten deutlich, warum die Herausrückmechanismen in der Mittelfeldreihe auch sehr konkret benötigt wurden.

Enge Außenverteidiger bedienen Schnittstellenbesetzung

Das Team aus Brighton stellte einen Prüfstein dar und war sogar recht kombinativ ausgerichtet, wenngleich nicht unbedingt immer kombinationsstark. Ihre Außenverteidiger blieben zunächst tief im Aufbauspiel, machten viel, agierten aber teilweise schon zu tief. So spielten sie zwar einige gezielte Lupfer zwischen die Linien, wo die Anschlussaktionen der Stürmer – etwa klare Kreuzbewegungen oder Kopfballweiterleitungen – den Innenverteidigern Middlesbroughs manche Probleme machen konnten. Außerdem rückten Bruno und Rosenior in vielen Phasen in Richtung Halbraum ein. Insbesondere nach dem Aufrücken bildete dies im Angriffsdrittel eine wichtige Grundlage für die Offensivszenen:

Die Außenverteidiger leiteten die Szenen ein, der jeweilige Vordermann – also Knockaert oder Murphy – sollten mit Läufen nach außen die Abwehrkette auseinanderziehen und gegen die losen Mannorientierungen dynamisch die Schnittstellen aufreißen. Dort liefen Knockaert –nach links überladend – oder Kayal – nach rechts überladend – diagonal hinein und wurden von den Außenverteidigern mit einleitenden Zuspielen bedient. Im weiteren Verlauf schalteten diese sich wieder mit ein und initiierten etwa Doppelpässe am Strafraumeck. Vor allem Knockaert zeigte sich umtriebig, versuchte auch halbrechts immer wieder die Zwischenräume zu besetzen, in denen seine Mannschaft daher zu vergleichsweise guter Präsenz kam.

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Die Ansätze sahen oft gefällig aus, aber mit etwas Pech, aufgrund der gegnerischen Grundstabilität und einiger Probleme im Ausspielen war es kaum effektiv. Mit zu großer Hektik machten sie einige Szenen kaputt, die gerade jeweils nicht zu den zwei bis drei Beteiligten gehörenden Akteuren liefen zu oft kopflos einfach nach vorne weiter. Zudem fehlte es ihren Mechanismen etwas an Anpassungsfähigkeit. So wirkten sie bei ihren Kreuzbewegungen und Doppelpässen sehr stark von diesen Abläufen abhängig. Scheiterte das aber mal, hatten sie kaum alternative Bewegungsmuster oder Kreativität, um die Situationen noch auf einem anderen Wege verwerten zu können.

Eine ambivalente Rolle nahmen in diesen Konstellationen noch die beiden nominellen Angreifer der „Seemöwen“ ein: Sie agierten einerseits sehr umtriebig mit vielen engagierten Ausweichbewegungen, machten das andererseits aber, insbesondere im Falle sehr weiträumiger Läufe, etwas zu wild. So wurden die Verbindungen und Synergien untereinander – zu den Mitspielern war es besser – sehr inkonstant und es ging Effektivität verloren. Bei den verschiedenen Angriffsabläufen konzentrierte sich jeweils einer der Stürmer auf das Zusammenspiel mit einem Flügelspieler, doch sein Partner war nicht optimal eingebunden. Einzelne unsaubere Positionierungen und stockende Dynamik waren die Folge und unterbanden oft den letzten Angriffsfluss.

Zurückhaltung und Kontrolle im weiteren Verlauf

Auch wenn viele der Ansätze bei den Gästen letztlich ineffektiv blieben, sah man doch, dass sie einen prinzipiell sinnvollen Plan hatten und einige gefällige Stafetten zumindest bis in den Strafraum zeigten. Das konnten sie im Verlaufe der ersten Halbzeit auch deshalb häufiger unter Beweis stellen, weil die Hausherren nach ihrer Führung zunehmend passiver wurden. Letztlich agierten sie irgendwann zu zurückhaltend, taten aus abwartender Haltung kaum mehr etwas nach vorne. Als Brighton & Hove dann zu Beginn des zweiten Durchgangs seinerseits über eine Standardsituation zum Ausgleich kam, fand Middlesbrough daher nur schleppend wieder in die Partie zurück.

Es half ihnen jedoch, dass die Gäste schnell durch einen Platzverweis dezimiert wurden. Im 4-4-1 agierten sie gegen die simpler werdende Offensive der Hausherren zwar stabil, doch nach vorne hatte der Tabellendritte nun Probleme. Im Aufbau ließ sich Kayal oft aus der gegnerischen Formation herausfallen und forderte tief die Bälle, wodurch der Mannschaft aber teilweise jegliche Präsenz vorne abging. Über Knockaert und die eingewechselte Man-United-Leihgabe James Wilson entsprangen im zweiten Drittel zumindest ein paar kleine Lokalkompaktheiten, die durch schwaches Timing bei den Anspielen aber auch nicht die erhoffte Wirkung entfalteten.

In die andere Richtung hatte Middlesbrough nun zwar gestrecktere, breitere und insgesamt schwächere Angriffsstaffelungen. Doch gegen das tiefe 4-4-1 der Gäste konnten sie zunehmend den Ball auch im zweiten oder letzten Drittel halten, um Zeit zu gewinnen. Alternativ brachten sie nach den immer häufiger werdenden, oft scheiternden Flanken ihre stabile Absicherung über die auf Abpraller nachrückende Doppel-Sechs ein, um auf diese Weise in Ballbesitz zu bleiben. So spielte Karankas Team letztlich das für sie ausreichende Remis in einer ereignisarmen Schlussphase über die Zeit. Während sie bereits den Aufstieg feiern durften, ging es für die Gäste in den aufreibenden Play-Offs weiter.

Playoff-Halbfinale, Hinspiel: Sheffield Wednesday – Brighton & Hove Albion 2:0

Zunächst stand das mit Hin- und Rückspiel auszutragende Halbfinale gegen den Tabellensechsten Sheffield Wednesday an. Die erste Begegnung im legendären Hillsborough wurde bereits am vergangenen Freitag ausgetragen.

aufstiegsduelle um die premier league 2016 swfc-bhaDiesmal waren Kick´n´Rush-Elemente konstanter und prominenter zu sehen, obwohl Sheffield mit dem Portugiesen Carlos Carvalhal einen weiteren nicht-britischen Trainer angestellt hat. Beide Mannschaften nutzten zwar viele abkippende Bewegungen und spielten sich das Leder zunächst in der Tiefe zu, der weitere Aufbau nach vorne wurde aber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle mit langen Schlägen, oft bewusst durch den Keeper, gestaltet. Die „Eulen“ aus Süd-Yorkshire setzten dieses Mittel insgesamt viel effektiver um. Eine wichtige Rolle nahm dafür der offensivere Sechser Lee ein, der frühzeitig weit mit aufrückte und die vordere Präsenz massiv erhöhte.

Sheffield mit konsequenter 4-1-3-2-Logik bei langen Bällen

Gegen diese 4-1-3-2-Tendenz und die Kombination aus dem physisch starken, teilweise gegen die Außenverteidiger ausweichenden Hooper sowie dem wendigen Forestieri hatte Brighton Schwierigkeiten. Problematisch waren vor allem einzelne Mannorientierungen der Innenverteidiger, die sich dadurch herausziehen ließen und die Organisation der Abwehrkette beschädigen konnten. Gleichzeitig war die Unterstützung aus der Linie davor zwar teilweise gut, aber nicht durchgehend gegeben, da die Stürmer und in der Folge auch die Sechser einige Male zu riskant ins Pressing aufrückten. Das führte zu einer vertikalen Streckung und Abständen zwischen den Mannschaftsteilen.

aufstiegsduelle um die premier league 2016 swfc-bha-longballsIn diesen Lücken konnte sich die Präsenz Sheffields auswirken und die gegnerische Viererkette überladen, die zu wenig Hilfe erhielt. Beispielhaft wurde dies illustriert beim Abseits-Tor von Forestieri, mit dem sich die Hausherren schon Mitte des ersten Durchgangs in Führung wähnten: Nach einem langen Schlag waren Hooper und Forestieri im 2gegen2 gegen die Innenverteidiger, Ersterer wollte weiterleiten, das Leder rutschte durch und Forestieri kam zum erfolgreichen Abschluss – war aber vorher im Abseits. Weil die Außenverteidiger der Gäste im Normalfall gegen die massive Sturmpräsenz von Wednesday stabilisierend einrücken mussten, gab es bei Folgeaktionen nach Abprallern einige Male Flügelräume, um Angriffe nochmals aufzurollen oder Raum für Flanken zu schaffen.

Die nominellen Außenspieler konnten durch das Aufrücken Lees situativ tiefer spielen und ihre jeweiligen, teilweise leicht einrückenden Hintermänner bei der Besetzung des Rückraums entlasten. So waren es aus Sicht von Wednesday oft die Flügelspieler, welche Abpraller nach langen Bällen in etwas engeren Staffelungen der Folgelinie holten. Allerdings spielten die Gastgeber viele der entstehenden Szenen zu simpel und linear aus. So blieben diese großräumigeren Momente in weiterer Folge an die Abpraller, gewissermaßen also die verzögerte zweite Welle, gegenüber den direkten Szenen unmittelbar im Anschluss an die langen Bällen von untergeordneter Bedeutung.

Tiefe Zurückfallbewegungen mit bestimmten Folgeabläufen

Daneben sorgten die Hausherren noch über eine andere Schiene für Gefahr. Dafür waren ihre zahlreichen und teilweise auch redundanten Zurückfallbewegungen aus dem Mittelfeld entscheidend. So ging Álex López gelegentlich zwischen die Innenverteidiger zurück oder kippte bevorzugt nach links heraus, teilweise trieb sich auch Lee tiefer herum, aber das war wirklich eher selten. Häufiger ließ sich dies vielmehr bei den nominellen Außenspielern feststellen: Bannan hatte auf links tiefe, zurückgefallene Phasen in etwas engerer Position, während Wallace halbrechts vielfach sogar wie ein Sechser herauskippend agierte und Hunt aufrücken ließ.

Die Stürmer Albions vermochten anfangs die gegnerischen Sechser oder häufiger deren sechserhafte Staffelungen noch recht gut abzudecken, aber irgendwann verloren sie gegen die Weiträumigkeit und Quantität der Bewegungen an Zugriff in der ersten Linie, zumal sie sich nach hinten etwas stärker 4-4-1-1-hafter staffelten und gerade Álex López verstärkt mit breiteren Positionierungen die Räume daneben anvisierte. Insgesamt wirkte diese gelegentlich zwar redundante tiefe Präsenz der Blau-Weißen anlockend gegen das Pressing Brightons. Wie etwa vor dem Abseitstor war das potentiell ein hilfreicher Mechanismus vor den langen Bällen, solang man bei den eigenen Positionierungen die Balance behielt.

Doch die zweite Schiene daneben lief anders, über einen bestimmten, klaren Ablauf vom herausgekippten Mittelfeldmann ausgehend. Speziell auf links war dies in Person von Álex López häufig zu sehen. Der Spanier eröffnete mit einem kurzen Pass auf den im Halbraum tief entgegen kommenden Bannan: Daraufhin rückten Knockaert und Sidwell im Verbund des Gäste-Pressing heraus, Bannan legte aber einfach nur kurz wieder auf seinen Mitspieler ab, der einen Wechselpass auf Linksverteidiger Pudil brachte. Dieser gelangte dadurch seitlich zwischen die Linien, das gegnerische Mittelfeld war überspielt und es ergab sich die Möglichkeit für direkte Anschlussquerpässe ins Zentrum.

aufstiegsduelle um die premier league 2016 swfc-bha-ablauf

In einigen Szenen lief sich Forestieri dort sehr engagiert frei, suchte  den Freiraum und initiierte dann ein Dribbling in die Offensivbereiche. Das waren in der Weiterführung einige gefährliche Schnellangriffe, die viel Schaden hätten anrichten können, fast alle letztlich aber daran scheiterten, dass das Ausspielen Sheffields ab dem Angriffsdrittel zu simpel, individuell und unambitioniert wurde. Übrigens war genau diese eigentlich taktisch gute und gefährliche Struktur in den Übergangsbereichen des zweiten Drittels auch verantwortlich, warum die Strategie der langen Bälle nicht konstant griff, sondern so enormen Schwankungen unterlag. Bis zu einem gewissen Grad war es als lockendes Moment förderlich.

Doch teilweise begannen die Mittelfeldspieler Sheffields, in Aufbauszenen ihre Zurückfallbewegungen aufzuziehen, die Abwehrspieler und der Keeper entschieden sich aber völlig unpassend für einen langen Ball. Damit standen teilweise vier Akteure um die Mittelllinie, das weite Zuspiel ging hoch auf den Flügel zu Hooper, der dort in einer riesigen Unterzahl isoliert stand. Dadurch gab es auch viele unnötige Ballverluste durch lange, unpassende Zuspiele ins Nichts. Trotzdem erzeugte Sheffield Wednesday in der Gesamtbetrachtung mehr Gefahr als Brighton & Hove Albion, die diesmal einen eher zurückhaltenden Auftritt an den Tag legten.

Brighton & Hove ohne Durchschlagskraft – und dann auch noch ausgekontert

In den ersten Aufbaumomenten litten sie phasenweise wieder an Problemen durch Kayals tiefes Zurückfallen, da Sidwell einige Male gleichzeitig sich nach rechts herauskippend freilief. In einigen Phasen kam durch aggressives 4-1-3-2-Herausrücken vonseiten Sheffields unangenehme Unruhe auf. In den Übergangsbereichen schien Kayal diesmal etwas zu sehr fokussiert zu werden. Er versuchte viele ambitionierte Diagonalbälle auf die Flügelpositionen, hatte dabei teilweise aber zu viel Last zu tragen und keine optimalen Ausgangssituationen. Wichtiger und prominenter zeigte sich in dieser Begegnung aber auch auf Seiten der Gäste die Nutzung des langen Balles, von den Innenverteidigern oder dem Keeper weit, hoch und direkt in die Spitze.

Letztlich entwickelten sie aus verschiedenen Gründen jedoch weniger Effektivität als ihr Gegner. Die Mannen von Chris Hughton brachten diese Zuspiele zwar sehr gezielt in zentrale Bereiche nahe der Strafraumkante, konnten aber – wegen nicht immer so konsequenter Überladungsbildungen – kaum mal entscheidend eigene Unterzahl vermeiden. Dies war dadurch bedingt, dass das Mittelfeld der „Eulen“ sehr eng an die Abwehrreihe anschob und disziplinierte Kompaktheit herstellte. Zwar mussten sie in der Rückwärtsbewegung dadurch auch mal etwas größere Lücken zu den Stürmern in Kauf nehmen, jedoch konnte Brighton daraus zu wenig machen:

Sie gingen eher über die hinteren Linien in die Zirkulation über und vermochten es nicht entscheidend, über geduldiges Spiel in diesen Bereichen klarere Dominanz aufzubauen, da sie oft schnell wieder nach außen verlagerten. Auf rechts hatten sie ihre besten, allerdings seltenen Ansätze, wenn Kayal mal mit herüber kam und kleinere Überladungskombinationen mit Knockaert und Bruno anstrebte. Wirkliche Torchancen wussten sich die Gäste aus dem laufenden Spiel heraus aber kaum zu erarbeiten. Auf links schoben beide Stürmer und Kayal gelegentlich herüber, aber das war sehr improvisiert und unsauber angelegt. Im Fortgang der ersten Halbzeit versuchten sie über aggressiveres Aufrücken in die Offensivzonen zum Erfolg zu kommen, setzten das aber unbalanciert und teilweise etwas plump um.

So entsprang das 1:0 für die Hausherren in der 45. Minute einem Angriffsversuch Brightons: Bei einer Szene auf links unterstützte Kayal, viele Spieler zogen in die letzte Linie und Sidwell rückte einfach als verbleibender Sechser leicht ballfern in Mittelstürmerposition nach. Als Westwood Bongs Flanke abfing, stand das gesamte Mittelfeld der Gäste offen. Zwar versuchte Kayal einrückend gegenzupressen, hatte aber einen zu langen Weg für effektiven Zugriff. So konnte sich Sheffield schnell in Strafraumnähe durchspielen, wobei sie das gar nicht so gut machten, kurzzeitig abbrechen und in eine zweite Angriffswelle übergehen mussten, aus der ihnen nur der Distanzschuss von Wallace den Treffer brachte.

Sheffield Wednesday dominiert Halbzeit zwei gegen Brightons Verletzungsschwäche

Schon im ersten Durchgang musste Chris Hughton verletzungsbedingt zwei seiner Wechseloptionen verbrauchen. Nach dem Pausentee setzte sich das Pech fort: Auch ein dritter Tausch wurde nötig, schließlich musste mit Knockaert in der 60. Minute sogar ein vierter Akteur das Feld verlassen und Brighton die Begegnung in Unterzahl fortsetzen. Aufgrund des so gehäuften, kuriosen Auftretens der Verletzungen kann man sicher auch von einer unglücklichen Situation sprechen, der reine quantitative Umstand muss den Blick aber auch auf die Periodisierung des Trainers und die schiere Belastung des Wettbewerbs legen: Die 46 Championship-Runden bedeuten natürlich Erschöpfung.

Vor diesem Hintergrund ist es auch interessant, dass die Hausherren sich am letzten Spieltag schonen konnten, da ihr sechster Tabellenplatz nach oben wie unten bereits feststand. Während die Mannen aus Brighton also in Middlesbrough volle Intensität gehen mussten, hatte Carvalhal auf komplette Rotation gesetzt: Er nahm tatsächlich elf Umstellungen vor und schonte alle Akteure, die dann in diesem Playoff-Match auf dem Platz stehen sollten. Mitte des zweiten Durchgangs befand sich Brighton & Hove dann also in Unterzahl: Wie schon nach dem Platzverweis für Stephens bei der Partie in Middlesbrough bedeutete das eine tiefe 4-4-1-Formation, die jedoch Zugriffs- und Präsenzprobleme mit sich brachte.

Die Voraussetzungen hätten – auch angesichts des Rückstandes – günstiger sein können. Den Hausherren gelang, was auch Middlesbrough geschafft hatte: Sie dominierten das gegnerische 4-4-1 und drängten auf eine Vorentscheidung. Das Ganze spielten sie aber gezielter und besser aus als der Direkt-Aufsteiger. Mit einer offensiven Auswechslung übernahm der umtriebige und wendige Bannan die alleinige Sechserposition, wo er durch große Räume driftete und emsig antrieb. Insgesamt entwickelten sich bei den Hausherren nicht nur einige gute Ballbesitzansätze, sondern in der Folge auch manche vertikale Kombinationsaktion. Die von Lee und den Stürmern ausgehende Präsenz im Offensivzentrum ließ sich nun auf anderem Wege nutzen.

Das war zwar nicht immer gut gemacht: So gab es etwa mehrere Unsauberkeiten und hektische Bewegungen der Angriffsspieler, die ruhige Positionierungen in Zwischenräumen zu scheuen schienen, sondern – wenn sie merkten, dass sie frei waren – sich zu oft nochmals neu anboten. Auch gab es aus der Halbraumkontrolle um das 4-4-1 herum teilweise zu weite und frühe Verlagerungen zum Flügel. Das wirkte aber nicht gravierend, da die Außenverteidiger nach dem Aufrücken den Ball oft wieder gut ins Zentrum zurückbrachten. Letztlich hatten Lee und Forestieri genug gute Bewegungen und Kombinationsansätze, Bannan einige starke Momente im Passspiel. Die beiden Erstgenannten spielten sich vor dem 2:0 dann etwas glücklich durch das Zentrum vors Tor und schufen beste Voraussetzungen fürs Weiterkommen.

 

Hinweis zum Rückspiel: Wer interessiert beobachten möchte, wie sich das Re-Match taktisch entwickeln wird, ob es wieder stark von langen Bällen geprägt sein wird und ob schließlich die eigentlich leicht favorisierten Mannen aus Brighton das Duell noch drehen und ins Aufstiegsfinale in Wembley einziehen können: Die Begegnung wird heute um 20:45 Uhr angepfiffen. Im TV ist das Spiel live bei „sportdigital“ zu sehen.

mb89 18. Mai 2016 um 09:38

etwas off-topic:
weiß man wo die pl 16/17 im deutschsprachigen raum übertragen wird. sky hat ja die rechte verloren.

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August Bebel 18. Mai 2016 um 12:24

Ich habe gelesen, dass eine Unternehmensgruppe namens Perform die Rechte erworben hat, aber wie genau das dann funktionieren wird, weiß ich auch nicht. http://www.sueddeutsche.de/news/sport/fussball-premier-league-rechte-perform-grupp-erhaelt-zuschlag-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-151203-99-82233

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Calle 22. Mai 2016 um 10:17

Die Perform-Group ist die Muttergesellschaft von mehreren Sportseiten, in Deutschland sind dies spox und goal.
Ich nehme mal an dass die Premier League per Livestream auf spox übertragen wird.
Dort übertragen sie ja auch schon Spiele aus Spanien Italien und amerikanischen Sport.

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