Zu passiv: Hertha fährt nicht nach Berlin

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Vom „Spiel des Jahres“ haben die Herthaner Verantwortlichen gesprochen. Davon war wenig zu spüren. Mit einer passiven Ausrichtung scheidet Hertha BSC gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Halbfinale aus.

Beste Saison seit Jahren, mögliche Champions-League-Qualifikation – all das schien zweitrangig zu sein, zumindest laut Aussage der Herthaner Verantwortlichen vor dem Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund. Das Pokalfinale in Berlin, das war das große Ziel, das die Hertha erreichen wollte. Nicht nur deshalb rechnete so mancher Beobachter mit aggressiven, früh störenden Berlinern. Pal Dardai wählte jedoch eine andere Herangehensweise.

Passive Berliner, dominante Dortmunder

Grundformationen Hertha gegen Dortmund

Grundformationen Hertha gegen Dortmund

Berlin verteidigte äußerst passiv. Die Herthaner zogen sich im eigenen 4-4-1-1-System bis kurz vor den eigenen Sechzehner zurück. Alle Berliner ballten sich in der eigenen Hälfte. Ein aggressives Pressing bzw. ein Vorrücken des Mittelfelds gab es nur sehr vereinzelt, bspw. bei Einwürfen oder Abstößen der Dortmunder.

Innerhalb dieses 4-4-1-1-Systems gab es einige Kniffe, die Dortmund am Toreschießen hindern sollten. Hegeler orientierte sich auf der Zehn nach halblinks und bewachte Julian Weigl. Er orientierte sich oft eng an den BVB-Mittelfeldmann und attackierte ihn sofort, wenn er den Ball bekam. Auf halbrechts agierte Ibisevic etwas höher und orientierte sich an Hummels. Damit wollte Hertha die beiden wichtigsten Aufbauspieler des BVB aus dem Spiel nehmen.

Der BVB wiederum setzte auf die bekannten taktischen Mittel. Nominell agierten sie in einer 4-2-3-1-Formation, praktisch bauten sie jedoch mit einer Dreierkette auf. Marcel Schmelzer rückte auf links weit nach vorne, fast auf Höhe der Außenstürmer-Position. Hummels und Bender füllten das Loch auf, indem sie nach links rückten.

Erst tiefe Ballzirkulation, dann kleine Umstellungen

Dortmund konnte gegen die passiven Herthaner den Ball in der eigenen Abwehr laufen lassen. Piszczek und Bender hatten praktisch unendlich viel Zeit am Ball, konnten sich den Gegner also zurechtlegen. Es ergab sich ein leichter Fokus auf die rechte Abwehrseite im Aufbauspiel. Von dort wurde zunächst häufig der Pass diagonal zu Castro gespielt.

Castro hatte zwar viele Freiheiten im Mittelfeld ohne unmittelbaren Gegenspieler, konnte diese aber zu Beginn nicht gewinnbringend nutzen. Im Gegenteil: Er brauchte häufig lange am Ball oder wählte falsche Passentscheidungen. In den ersten zehn Minuten gab es Kontergelegenheiten für Hertha durch zwei, drei kleinere Castro-Fehler.

Nachdem Castro nach einem Schlag auf die Stirn behandelt werden musste, verbesserte sich das BVB-Spiel. Der Schlag hatte nicht etwa neue geistige Kapazitäten bei Castro freigesetzt, vielmehr schien er von Tuchel während der Behandlung am Seitenrand neue Anweisungen bekommen zu haben. Castro spielte jetzt schneller Bälle und suchte öfter den langen Diagonalpass. Dabei bediente er vor allem die rechte Seite, die weiterhin Dortmunds starke Aufbauseite war.

Zudem ließ sich in dieser Phase Mkhitaryan öfters fallen. Er stand auf dem rechten Flügel sehr tief oder ging in den rechten Halbraum, um den Aufbau zu unterstützen. Weigl bewegte sich jetzt mehr und konnte sich öfters seinem Manndecker entledigen. Dortmund kombinierte sich nun über den rechten Halbraum auf den rechten Flügel.

Totale Dortmunder Dominanz

Ab der 15. Minute konnte Dortmund dadurch die eigene Dominanz stärker in die gegnerische Hälfte tragen. Immer wieder brach Dortmund durch, entweder direkt durch lange Bälle aus dem Zentrum oder über die rechte Seite.

Oft spielte Dortmund auch Seitenverlagerungen von rechts auf Schmelzer. Dieser rückte von der linken Seite häufig diagonal ins Zentrum. Das 1:0 fiel nach einem Angriff über die rechte Seite, danach hatte Dortmund noch weitere Chancen nach Hereingaben von Schmelzer und Mkhitaryan.

Dortmunds 4-3-3-Pressing

Dortmunds 4-3-3-Pressing

Dass Dortmund in dieser Phase totale Dominanz ausstrahlte, lag auch am eigenen Pressing. Dortmund konterte die Herthaner Aufbaustruktur mit einem 4-3-3. Kagawa rückte im Zentrum weit nach vorne und verfolgte die zurückfallenden Herthaner Mittelfeldspieler. Ramos orientierte sich etwas nach rechts, Reus übernahm die linke Seite. Mkhitaryan blieb wiederum tiefer und unterstützte das Mittelfeld. Ab und an rückte auch Schmelzer weit vor, sodass ein 3-4-3 im Pressing entstand (siehe Grafik rechts).

Keine Veränderungen

Nicht einmal ein Drittel Ballbesitz, zahlreiche Ballverluste gegen das Dortmunder Pressing, ein 0:1-Rückstand: Man hätte erwarten können, dass Hertha nach der Halbzeit den eigenen Plan über den Haufen wirft. Stattdessen gab es nur minimale Anpassungen im Verlaufe des Spiels.

Ein Sechser, meist Skjelbred, rückte nach der Pause weiter vor. Hertha stand nun öfters im 4-1-4-1 und konnte mehr Druck auf Castro ausüben. Ein ganz hohes Pressing wagte Hertha allerdings erst sehr spät. In der Konterstruktur änderte sich ebenfalls wenig, sodass Dortmund das Spiel weiter dominieren konnte.

Mit der Einwechslung von Baumjohann und Schieber wurde das Herthaner Spiel noch etwas offensiver. Baumjohann orientierte sich oft auf die halbrechte Seite, anders als sein Vorgänger Hegeler, der halblinks agierte. Baumjohann verfolgte dementsprechend nicht mehr Weigl, sondern attackierte nun Hummels.

Doch auch der zaghafte Versuch der Herthaner, mehr Druck auszuüben, änderte am Spiel wenig. Dortmund hatte sich längst Ballsicherheit angearbeitet und konnte das Spiel dementsprechend verwalten. Sie bauten weiterhin verstärkt über die rechte Seite auf, auf der nun auch Kagawa und der später eingewechselte Gündogan aushalfen. Nach dem 2:0 war das Spiel gegessen, das 3:0 war die Kür.

Fazit

Dortmund kehrt zum Ballbesitzspiel zurück – und wie. In Liverpool und auch gegen Schalke war man dieser Strategie etwas fremdgegangen. Gegen Berlin bewies der BVB, was sie in dieser Saison vom BVB der vergangenen Saison unterscheidet: Das Positionsspiel funktioniert, die Spieler wissen genau, wann sie welche Räume zu besetzen haben. Es gibt klare Aufbau- und Verwertungszonen und eine gut funktionierende Asymmetrie im Aufbauspiel. Eine starke Leistung des BVB.

Hertha wiederum gibt dem Taktikblogger einige Rätsel auf. Warum agierten sie lange Zeit so passiv? Sicherlich, Dortmund ist schwer zu verteidigen, wenn sie einmal mit Schwung in der gegnerischen Hälfte sind. So ganz ohne Druck konnte sich der BVB den Gegner jedoch zurechtlegen. Vor allem aber passte der Auftritt nicht zur Marschroute, die man vorher ausgerufen hatte: Es war selten zu spüren, dass diese Hertha unbedingt ins Pokalfinale möchte. Das ändert natürlich wenig an der sehr starken Saison der Herthaner. Zumindest in diesem Spiel war man aber dem Gegner taktisch klar unterlegen.

Floyd 24. April 2016 um 13:43

Gestern gegen Stuttgart durfte sich Schmelzer – zwar nur für die letzte Viertelstunde beim Stande von 3:0 – ja dann sogar auf der Linksaußenposition versuchen.
Denkt ihr, er könnte eine Zukunft in einer offensiveren Rolle haben?

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TobiT 24. April 2016 um 13:52

Hat mich auch überrascht, dass er nicht hinten für Die übernommen hat.
Ich glaube aber nicht an einen dauerhaften Positionswechsel, das war eher eine Maßnahme zur Belastungssteuerung und Schmelle der einzige Flügelspieler auf der Bank, oder Tuchel wollte kurz vor Schluss die Defensive, bzw. das Pressingverhalten stärken. Wenn man einen der Dortmunder AV-Typen offensiver einplanen wollte, wäre das wohl Durm oder Passlack.

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TobiT 24. April 2016 um 13:53

Das „Die“ am Anfang soll „Durm“ heißen

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TobiT 23. April 2016 um 20:41

Dortmund verhindert den Münchner Titelmarsch

Der BVB siegt souverän in Stuttgart und vertagt die bayerischen Meisterfeierlichkeiten um (mindestens) eine Woche.
Tuchel veränderte sein Team erneut auf vier Positionen gegenüber dem Pokalhalbfinale in Berlin. Ginter und Sokratis spielten im defensiven Zentrum für Hummels und den angeschlagenen Bender. Durm begann hinten links für Schmelzer. Pulisic kehrte für Castro in die Mannschaft zurück.
Auf der Gegenseite begannen Rupp, Barba und Harnik für Kravets, Niedermeier und Sunjic. Schwaab rückte ins defensive Zentrum neben Barba, Klein auf die Rechtsverteidiger-Position. Didavi kehrte auf die 10 zurück, Rupp und gentner bildeten die Doppelsechs des Stuttgarter 4231/4411.

http://lineupbuilder.com/?sk=sy10b Dortmund zu Beginn im 4132
http://lineupbuilder.com/?sk=sy10j Stuttgart im 4411

So ergab sich eine interessante Struktur der Dortmunder, die in den ersten Minuten mit hoher offensiver Präsenz, aber teilweise etwas flacher Staffelung in der letzten Linie, das Stuttgarter Tor attackierten. Dabei agierten Mkhitaryan rechts, Kagawa zentral und Pulisic links vor Solo-Sechser Weigl. Im Sturm genoss Reus große Freiheiten um Ramos herum. Am interessantesten war jedoch die Einbindung Durms und Piszczeks auf den defensiven Flügeln. Sie rückten im Aufbau meist etwas ein und blieben verhältnismäßig tief. Durm bewegte sich links oft in den Achterraum, Piszczek eher in Richtung Sechserraum, blieb aber kaum neben den Innenverteidigern. Dies erlaubte auch dem einzigen Achter Kagawa eine sehr hohe Position nahe des Strafraums, wo er mit Reus, Ramos und ab und zu auch Durm oder Pulisic zu kombinieren versuchte. Durch Mkhitaryans sehr breite Rolle auf rechts, die ihm überhaupt nicht lag, konnte nach diagonalen Pässen Pulisic einige Male mit Tempo auf die Stuttgarter Abwehr zulaufen.

Diese Experimente wurden jedoch nach genau 20 Minuten von Tuchel beendet. Mkhitaryan spielte nun als Linksaussen, Pulisic übernahm die rechte Seite, auch Durm und Piszczek rückten seltener ein.

http://lineupbuilder.com/?sk=sy101 ab der 20. Min

Aus dieser Veränderung entstand direkt das 1:0 als sich Mkhitaryan und Reus gut lösten und ersterer von links auf Kagawa flankte, der nur noch einzuschieben brauchte. Fortan kontrollierten die Borussen das Geschehen und verlegte sich mehr auf schnell durchgespielte Angriffe über die ausweichenden Stürmer, Mkhitaryan und Pulisic. Der Armenier war in dieser Phase fast überall zu finden, trieb sein Team an und tauschte häufig mit Kagawa und Reus die Positionen, was die (weniger strikten) Stuttgarter Mannorientierungen vor einige Probleme stellte.
Auf der anderen Seite wirkten sie aber ab und zu nicht ganz sattelfest bei Schnellangriffen oder Einzelaktionen von Didavi und Kostic, dessen Flanken meist in den Fuss von Ginter gingen. Den Schlusspunkt der ersten Hälfte setzte Pulisic mit seinem zweiten Bundesligator. Er schaltete nach einem nach vorn abgewehrten Mkhitaryan-Schuss vor allen anderen und darf sich nur jüngster Bundesliga-Doppeltorschütze aller Zeiten nennen.

Dass die Dortmunder derart schadlos durch ihre Experimentierphase am Anfang kamen lag auch am nur mäßig intensiven Stuttgarter Pressing. Dort rückte Didavi häufig neben Timo Werner, auch Kostic blieb meist höher als Harnik – es entstanden einige verschobene 433-Stellungen, die die Dortmunder aber häufig schnell ausheben konnten. Hinter den Spitzen hatte weigl dann viel Platz um mit Ball aufzurücken und nach Kombinationspartnern zu suchen.

Die Dortmunder kamen erneut etwas verändert aus der Halbzeitpause. Reus war häufiger als Linksaussen unterwegs, presste auch nicht mehr neben Ramos. In der Mitte tauschten Kagawa und Mkitaryan die Seiten, was dessen Einfluss auf das Spiel noch verstärkte.

http://lineupbuilder.com/?sk=sy107 zweite Hälfte

Stuttgart begann die zweite Hälfte offensiver, Gentner und Rupp rückten früher auf, dafür fiel Didavi immer wieder bis vor die Innenverteidiger zurück und versuchte den Ball nach vorn zu tragen. Dies schien aber relativ improvisiert, da bei Dortmunder Balleroberungen nun die Abwehr völlig entblößt war. Aus einer solchen Situation Entstand dann auch das verdiente 3:0 von Mkhitaryan, der schon die ersten beiden Treffer vorbereitete.
Kurz darauf brachte Jürgen Kramny Niedermeier für Insua, Barba spielte bei seinem Bundesligadebüt fortan als linker Verteidiger, und Edeljoker Maxim für Rupp. Maxim verblieb nun als einziger mit den Innenverteidigern hinten und versuchte irgendwie die flachen Offensivstaffelungen zu bedienen.
Gegen die verstärkten Offensivbemühungen des VfB blieb Piszczek nun im Aufbau häufig neben Sokratis, in dieser Phase gab Stuttgart auch den ersten Schuss auf das Tor des gelegentlich im Aufbau beteiligten Bürki ab, der ansonsten völlig beschäftigungslos blieb.
In Schlussviertelstunde verschaffte Tuchel noch Schmelzer – für Reus als Linksaussen(!) – Leitner (für Pulisic) und Sahin (für Weigl) ein paar Minuten. Da hatte sich Stuttgart aber bereits aufgegeben und ließ das gellende Pfeifkonzert der Fans über sich ergehen. Diese Passivität wurde kurz vor Schluss fast noch von Leitner, der nach Mkhitaryan-Vorlage an Tyton scheiterte, mit dem 4:0 bestraft.

Fazit:
Dortmund siegt im Stile eines deutschen Meisters souverän über schwache Stuttgarter, die noch in akute Abstiegsgefahr geraten könnten. Bestnoten verdienten sich Kagawa – der aus ungewohnter Rolle den Dosenöffner erzielte – Ramos – der mit klugen Ablagen und Ballsicherungen auf sich Aufmerksam machen konnte – und der vor Spielfreude schäumende Mkhitaryan. Auf Stuttgarter Seite wussten allenfalls Kostic und Didavi situativ zu überzeugen.

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sanojb 22. April 2016 um 10:13

Ich bin gespannt, mit wem sich der BVB kommende Saison verstärken wird. Insbesondere nach dem Abgang von Gündogan, der zwar gegen Hertha nur einen Kurzeinsatz hatte, aber mMn dennoch der wichtigste Bestandteil des Teams ist (neben Hummels, der evtl. auch gehen wird). Dortmund braucht unbedingt einen ebenso pressingresistenten Spieler mit guten Qualitäten im Aufbauspiel.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das Management um Ekdal und David Luiz bemüht, die beide ideal ins Profil passen würden.

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TobiT 22. April 2016 um 15:26

David Luiz wird deutlich zu teuer sein, er wäre der teuerste Bundesliga-Zugang aller Zeiten und würde selbst Reus beim Gehalt deutlich in den Schatten stellen. Wenn man Innenverteidiger aus Frankreich holt, dann bitte N’Koulou oder/und Umtiti. N’Koulou ist ablösefrei, ein Anführer auf dem Platz, Umtiti bringt alles mit für einen Weltklassespieler. Beide zusammen sind günstiger, jünger als Luiz (N’Koulou ablösefrei) und haben ein sackstarkes Aufbauspiel zu bieten.
Ekdal kann ich nicht beurteilen, hatte ihn aber immer als Box-to-Box-Spieler im Kopf. Mein Wunsch als Gündogan-Ersatz ist Oliver Torres, der von allen verfügbaren Spielern – die ich kenne – Gündogan am ähnlichsten ist. Zudem könnte Atletico gewillt sein ihn im Sommer abzugeben, da er nicht in Simeones System passt. Erfahrene Spieler hat Dortmund in Sahin, Castro, Kagawa und Mkhitaryan für alle Mittelfeldpositionen. Die Talente dazu sind Weigl, Merino und Leitner. Leitner wird wohl keinen Stammplatz erobern und Merino kommt aus der 2. spanischen Liga, da würde ein weiterer Achter zwischen 18 und 24 ganz gut reinpassen, um auch Zahlenmäßig passend zu bleiben 6{Weil, Sahin}, 8{Torres, Castro, Merino/Leitner}, 10{Götze, Kagawa}.
Gündogan, Hummels und Mkhitaryan sind wohl in ihren Rollen mit die besten der Welt und heben die ganze Mannschaft auf ein neues Level. Dieses Jahr ist Mkhitaryan aber für mich noch wichtiger, da es keinen Spieler mit diesem Skill-Set zu kaufen gibt (außer man macht verrückte Sachen und holt Koke oder Arda), Gündogans und Hummels Rolle kann von anderen (Torres, Castro, Ekdal?; Umtiti, Bender, N’Koulou) – auf tieferem Niveau – besetzt werden, für Mkhitaryan müsste man wieder 2 Spieler holen (das ging schon oft genug schief).

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FAB 22. April 2016 um 15:57

Ich sehe aktuell auch Mkhitaryan als den wichtigsten Spieler im BVB System. Hoffentlich kann man seinen Vertrag nochmal verlängern. So wie sich der BVB aktuell entwickelt hat, wird Gündogan gar kein allzu großer Verlust sein. Ich könnte mir auch Dahoud gut als Ersatz vorstellen. Angeblich ist der BVB aber an Götze und Dembele dran. Wenn man davon ausgeht das Pulisic mehr Einsatzzeiten bekommt, spricht das schon dafür, dass der BVB in der kommenden Saison auf mehr Schnelligkeit und Vertikalität setzt und vielleicht auf Ballbesitzzeiten verzichtet.
Der Hummels Abgang wäre auch sehr schade (auch noch zu den Bayern???) Überhaupt sehe ich die Dreier- Viererkette die größte Baustelle für die nächste Saison. Subotic wird wohl keine Rolle mehr spielen, Sokratis war zuletzt auch sehr enttäuschend, Ginter hat komischweise immer nur Rechtsverteidiger oder Mittelfeld gespielt. Von Toprak der gehandelt wird, halte ich persönlich nicht allzu viel. Ich bin gespannt, wie Tuchel dann nächste Saison seine Abwehr zusammenstellt. Aber das wird wohl die wichtiger Frage, als wie man Gündogan ersetzt. David Luiz ist wohl Unsinn.
Wenn Gündogan und Hummels gehen würden, wären meine Wunschverpflichtungen Süle, Dahoud und Dembele …

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Todti 23. April 2016 um 21:22

1) Torres ist derzeit sicherlich die rationalste, zu diskutierende Option, allein die kolportierten Verhandlungen zwischen Dortmund und Atletico legitimieren solche Überlegungen ja.
2) Wenn ich mich nicht irre, is Merino vom Spielertyp her eher ein 6er oder? Von dem, was ich bisher gelesen habe, ist er Sahin nicht unähnlich.
3) Ich denke zwar, das Hummels der „einzigartigste“ der 3 potenziellen Abgänge ist, aber ich muss dir zustimmen, Mkhitaryan wäre wohl der am schwierigsten zu ersetzende Spieler.

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TobiT 23. April 2016 um 22:02

Zu Merino kann ich auch nur sagen was ich gehört und gelesen habe. Er soll ein physisch präsenter und kopfballstarker, antreibender 6er oder 8er mit solidem Passspiel sein, der auch schon in der Innenverteidigung ausgeholfen hat. Einige vergleichen ihn mit Javi Martinez, das könnte aber auch einzig auf den Gemeinsamkeiten Spanier, groß, Mittelfeldspieler, baskischer Verein beruhen. Welche Rolle er nächste Saison spielt, wird interessant. Könnte mir auch eine Rolle als tiefer Linksverteidiger (analog zu Piszczek auf rechts) vorstellen, oder eine Springerrolle wie bei Ginter.

Zu 1) sehe ich auch so

Zu 3) Hummels Rolle in Dortmund ist sicher eine besondere, ebenso wie sein sehr attackierendes Mind-Set. Das absolute Alleinstellungsmerkmal von Hummels ist die Kombination aus starkem Dribbling, das sonst eher kleine Spieler vorweisen können, mit unbrechbarer Dominanz in der Luft.
Gleichzeitig ist das Mind-Set aber seine vielleicht größte Schwäche, da er sich manchmal (selten) zu sehr auf seine Skills verlässt und Risiken beim Herausrücken (offensiv wie defensiv) unterschätzt oder die Absicherung vernachlässigt.
Sollte er gehen, wird das Aufbauspiel sicherlich etwas konservativer oder man verzichtet auf ein bisschen Luftraum-Dominanz. Da der BVB in dieser Saison ligaweit den höchsten Anteil seiner direkten Luftduelle gewinnt – aber mit die wenigsten in absoluten Zahlen – würde ich auf letzteres setzen.

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Todti 24. April 2016 um 11:43

Interessante Überlegungen zu Hummels, die Statistik war mir nicht bekannt. Wenn Merino wirklich schon in der Innenverteidigung gespielt hat, könnte er in der Tat eine Rolle in der Dreierkette übernehmen, aber vielleicht für Hummels. Wäre dann halt eine symmetrischere Anlage, interessante Möglichkeit.

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Koom 22. April 2016 um 15:45

Was will – egal wer – mit David Luiz? Vor allem ein Ordnungsfanatiker wie Tuchel wird so einen Jermaine-Jones-Gedächtnis-Zweikampf-übers-ganze-Feld-und-manndeckt-eigene-Leute-Spieler nicht verwenden können.

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drklenk 22. April 2016 um 17:01

Toprak halte ich für sehr stark und sehr passend.
Natürlich nicht auf Hummels Niveau, aber so jemanden kann Dortmund eh nicht kaufen.
Torres wäre optimal als Gündogan-Ersatz, halte ich aber eher für unwahrscheinlich. Dahoud scheint da realistischer und würde auch gut passen. Dembele wäre natürlich geil. Dass Dortmund auf Ballbesitzzeiten verzichtet, glaube ich nicht. Nur wegen Pulisic? Dass jemand schnell ist heißt ja nicht, dass man ihn im Positionsspiel nicht gebrauchen kann, das ist sogar sehr nützlich um die gegnerische Abwehr zu binden (siehe Aubameyang, Reus).

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TobiT 23. April 2016 um 19:07

An Dahoud glaube ich überhaupt nicht. Der hat lange Vertrag in Gladbach und Eberl wird mit den kolportierten 40 Mio. für Xhaka ausreichend shoppen gehen können. Die werden nicht so doof sein alle Mittelfeldspieler (Xhaka, Dahoud, Nordtveidt) auf einmal abzugeben, und wenn es doch so kommt, dann wird Dahoud der teuerste Bundesliga-interne Transfer aller Zeiten.
Torres kommt in Madrid nicht auf die gewünschten Einsatzzeiten, war sich im Winter wohl schon mit Dortmund einig und kostet immernoch höchstens 24 mio., wahrscheinlich aber weniger. Ich sehe nicht, dass Dortmund mal eben 40-45 Mio. für einen 20-jährigen ZM berappt, das wäre angesichts der restlichen Baustellen auch völlig unverständlich.
Für Pulisic müsste man auch nicht auf Ballbesitz verzichten, der liebt die engen Situationen am Strafraum. Wenn man eine offensive Flügelzange aus Volland und Passlack aufstellen wollte, könnte man drüber diskutieren, sich mehr auf Konter zu verlegen. Da Volland aber wohl nur bei Hoffenheimer Abstieg interessant werden könnte, kann man wohl auch nächstes Jahr von >60% Ballbesitz ausgehen.

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deadflowers 23. April 2016 um 01:52

Der ideale Gündogan-Ersatz wäre meines Erachtens Mateo Kovacic. Der kommt bei Madrid wenig zum Zug und könnte sogar zu haben sein. Beide Vereine haben ja auch ein gutes Verhältnis.

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TobiT 23. April 2016 um 09:18

Kovacic wäre auch klasse, den hat Real aber erst letzten Sommer für 30 Mio. geholt, er würde wohl nur für eine BVB-Rekordsumme zu haben sein. Das wäre mir aktuell zu viel und würde die Bearbeitung anderer Baustellen einschränken, da die Gündogan-Ablöse damit fast komplett verplant wäre. Torres kostet durch seine AK maximal 24 Mio., wird aber wahrscheinlich für 15-20 zu haben sein (außer es kommt ein verrückter Engländer, die scheinen aber nicht am eher schmächtigen Torres interessiert zu sein). Außerdem kann ich mir vorstellen, dass man Kovacic als möglichen Modric-Nachfolger verleiht oder eine Rückkaufklausel einbaut, dann hätte man in Dortmund in spätestens 2 Jahren wieder das selbe Problem.

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Todti 23. April 2016 um 21:15

Ich mag mich irren, aber ich hatte Kovacic eher als Iniesta- denn Gündogan-Typ im Sinn und die Rolle könnte doch Götze preiswerter besetzen. Wenn man ihn denn wirklich in Dortmund unterkriegt.

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AP 22. April 2016 um 00:28

Leider war der Respekt des berliner Trainerteams zu groß. Ich meine rausgehört zu haben, dass Dardai nicht wie Liverpool in die Konter laufen wollte. Lange Bälle und den BVB pressen, wäre aber doch auch möglich. Liverpool hat auch bewiesen, wie man gegen den BVB Stress und ein wildes Spiel hinbekommt und wenn es Dardai denn so klar war, dass die ungewohnte Situation seine Spieler eher lähmt, dann wäre die Flucht nach vorne doch die mutigere Spielweise gewesen. Das wollte evtl. auch der Sky Reporter mit seinen Fragen sagen.
Kloppo mit dieser Hertha Mannschaft hätte trotzdem oder anders gesagt, gerade dann erst recht, attackiert. Dortmund nicht unter Druck zu setzen, bei ihrer neu gewonnen Qualität im Ballbesitz ist, und auf den Lucky Punch zu hoffen, ist mir für ein Team, dass nichts zu verlieren hatte, schon e bissel zu wenig.

Aber hinterher sind wir nun mal immer schlauer.

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August Bebel 21. April 2016 um 23:14

Schöne Analyse, aber nebenbei: „seinem Manndecker entledigen“. Ich tippe mal, du wolltest ursprünglich entziehen schreiben?

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TE 22. April 2016 um 12:52

Sagt man das nicht so? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, dachte immer, man sagt, „man entledigt sich seines Manndeckers.“

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HK 22. April 2016 um 13:50

Das ist wohl so eine „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ Geschichte.

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Euler 21. April 2016 um 22:12

Ich habe mal eine Frage zu Piszczek und seiner Position irgendwo zwischen Dreierabwehr und defensiven Außenverteidiger. Passt er mit seinen Stärken wirklich auf diese Position? Ich hätte ihn eher als laufstarken Außen gesehen der durch seine offensiven Durchbrüche aufgefallen ist. Wäre dort ein passstarker gelernter 6er nicht eigentlich besser aufgehoben?

Daran angehängt könnte man das auch umgekehrt spielen, also mit einem defensiven Schmelzer und einen offensiven Piszczek, oder passt das nicht wirklich zu den Spielern?

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TobiT 22. April 2016 um 07:06

Mit defensivem Schmelzer müsste Hummels rechts spielen. Tuchel hat in der Vorbereitung Hummels ein paar mal als RIV getestet, das aber verworfen. Piszczek ist besonders stark, wenn er dynamisch nachrückt und dann per Verlagerung bedient wird, was ja aktuell immer noch möglich ist, dazu ist er wesentlich Kopfballstärker als Schmelzer. Schmelzer ist dazu meist überfordert gewesen, wenn er tief angespielt wurde, und hat dann entweder die Linie runter oder ins Aus gepasst. Außerdem kann Schmelzer durch seine geringere Dynamik nicht erst tief bleiben, weil er dann nicht rechtzeitig nach vorne kommt.

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Fan 21. April 2016 um 20:32

Ein bisschen hat mich das Dortmunder Spiel (nur eine HZ gesehen) an die 97-er Mannschaft im 3-1-3-1-2 System erinnert 😉

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JL 21. April 2016 um 15:40

Nach eurer Lobhudelei bezüglich des Hertha-Aufbauspiels habe ich mich entschlossen da genauer drauf zu achten. 90% aller Bälle nach vorne zu pöhlen hat mich jetzt allerdings nicht so beeindruckt…

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TE 21. April 2016 um 15:51

War auch das falsche Spiel, um darauf zu achten 😉 Hertha hat ja letztlich praktisch nie aufgebaut, und wenn, war das BVB-Pressing schon da…

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TobiT 21. April 2016 um 16:04

Könnte leider nur die zweite Hälfte sehen, aber in der war das mit das Beste Dortmunder Pressing unter Tuchel. Es wurden auf alle relevanten Aufbauspieler bei der Hertha fast direkt Zugriff erzeugt, insbesondere Kagawa hat den/die 6er sehr gut zugestellt.
Außerdem fehlte Darida, der häufig in solchen Spielen zurückfällt und den Ball nach vorne befördert.

Allgemein hab ich das Gefühl, dass das Pressing der Dortmunder ohne Aubameyang wesentlich besser ist. Ramos zeigt da viele kluge (Bogen-)Läufe, während Auba hauptsächlich seine Schnelligkeit einzusetzen versucht. Dabei läuft er den Gegner oft zu direkt/frontal an, so dass dieser Ausweichoptionen hat, das zu umspielen. Könnte das einer der Gründe sein, warum Klopp ihn erst immer am Flügel spielen ließ? dass Lewy im Pressing zu wichtig war?

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Schlicke 21. April 2016 um 22:03

Du sprichst genau die drei Dinge an, die auch in der Tagespresse kaum Erwähnung finden und die ich auch beobachtet habe. Kagawa ist wieder deutlich besser in Form und sowohl im Pressing durch Zustellen als auch als in wichtigen Räumen anspielbarer, pressingresistenter Spieler enorm wertvoll gewesen. Leitete viele Bälle auch direkt weiter.
Persönlich finde ich den Hype um Aua übertrieben. Sicher ist er schnell und hat ne gute Schusstechnik etc., aber die Defizite sind unübersehbar, Ballannahme, Ballmitnahme, Positionierung im Pressing, Anlaufen, Passspiel etc.. Klar ist er durch sein Tempo ne Riesenwaffe, aber auch ein Finnbogason käme, wenn er zusätzlich noch ein paar Elfer schießen dürfte, beim BVB wohl auf eine ähnliche Torausbeute.

Daridas Fehlen kam Dortmund also gelegener als Hertha der Ausfall von Auba

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Daniel 22. April 2016 um 11:05

LOL

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FAB 22. April 2016 um 15:11

Das ist jetzt aber ganz starker Tobak, mit der Logik könnte man jetzt auch Messi und Ronaldo schlecht reden …

TobiT 22. April 2016 um 18:51

Messi ist halt viel mehr als Tore, während Ronaldo sich selbst nur darauf reduziert. Ronaldo liefert keinen Beitrag zum Spiel außer seinem Namen und seinen Toren, wovon der Name fast noch die größere Hilfe für Real ist. Barca ohne Messi ist undenkbar, Real ohne Ronaldo könnte vielleicht sogar besser sein als mit.
Ersetz Ronaldo mit einem weniger tororientierten, defensiv teilnehmenden Flügelspieler (Bale könnte das, Mkhitaryan, di Maria, Lucas, …) und bring Benzema und Bale so öfter in Schussposition (vermeide Ronaldos 40m-Schüsse) und niemand wird Ronaldos Tore vermissen.
Der nächste Punkt ist, Ronaldo macht meist unwichtige Tore (4:0, 5:0, …), während Messi Spiele im Alleingang dreht und entscheidet.
Ja Ronaldo ist nicht (mehr) so gut, wie seine Torstatistik suggeriert. Er ist ja noch nichtmal ein besonders guter Torjäger, sondern einfach nur eine dribbelnde Schussmaschine. Dazu ist er auf dem Platz ein miserabler Teamplayer.


Gh 21. April 2016 um 14:26

Der Schlag auf den Detz hats gebracht. Dabei wollte Castro sich erst gar nicht tackern lassen, wahrscheinlich ahnte er, dass Tuchel schon mit dem Taktikeinlauf auf ihn wartete. Ist Mikhitaryan immer so gut? Was für geile Diagonalpässe! Hertha mit Lucky-Punch Taktik. Trotzdem auch in diesem Spiel: als Hertha anfing die eigenen Strukturen aufzulösen, war der BVB für ein paar Minuten am wackeln, was hier in der Analyse nicht so gesehen wird, na ja, vielleicht wars nur meine Hoffnung auf eine spannende Schlussphase, die meine Linse trübte. Herthas Überperformance scheint derzeit ein kleines Korrektiv zu bekommen.

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TobiT 21. April 2016 um 15:01

Sie haben halt nicht direkt komplett aufgemacht sondern erstmal angefangen deutlich höher und aggressiver (bzw. überhaupt mal) zu pressen. Auf solche Rhythmuswechsel muss sich jede Mannschaft neu einstellen – das ist auch ein Geheimnis von Simeone s Atletico. Ändere ich die Pressinghöhe/-aggressivität, dann muss mein Gegner neue Lösungen suchen und wackelt meist ein bisschen. Da Dortmund in dieser Phase aber – mit ein bisschen Glück – keinen gefangen hat, war das Spiel dann auch gelaufen. Dass Dortmund Führungen in der Schlussphase durch Konter ausbaut, sehen wir ja auch regelmäßig.

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TobiT 21. April 2016 um 16:19

Zu Mkhitaryan: ja der ist oft sehr gut, manchmal sogar noch besser. Er erinnert mich auf rechts irgendwie an Messi. Weniger stabil und konstant, dafür ähnlich weiträumig in seinen Läufen und Pässen. Auch die Entscheidungen in den Situationen sind meist richtig, es hapert aber an der perfekten Umsetzung. Vorteil gegenüber Messi ist, dass er quasi auch noch sein eigener Dani Alves und Rakitic ist. Auch im 1gg1 am Strafraum finde ich ihn mittlerweile ziemlich gut, da sucht er häufig den Weg nach innen um dann 2, 3 Optionen für den Pass durch die Gasse, oder Schuss zu haben (sah man in der 2. Hälfte gestern einmal bei seinem Linksschuss nach Abpraller). Das krasse ist, dass diese Spielweise auch letzte Saison erkennbar war, aber nicht zu den Ideen der anderen gepasst hat. Wenn er keine Passoption hat neigt er dazu, auch von der Mittellinie, sich ganz allein durchzudribbeln (noch ne Parallele zu Messi), klappt halt nur selten, dann übersieht er auch mal Mitspieler und läuft sich fest. Insbesondere mit Gündogan zusammen kann er aber auch mit 2, 3 Pässen und kurzen Dribblings ganze Formationen filetieren.
Gündogan hilft durch sein starkes Anbieten Mkhi und allen anderen sehr viel, da sie sichere Optionen benötigen.

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L 21. April 2016 um 16:31

Hey TobiT,

bei dir würde mich echt interessieren, was für ein Vereinsfan du bist oder mit welchem/welchen Verein(en) du sympathiesierst. Einfach nur so 🙂

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TobiT 21. April 2016 um 17:37

2 Vereine. In Deutschland Dortmund, in Spanien Rayo. Sympathisch sind mir St. Pauli, Freiburg, Gladbach und alle die schönen Fussball spielen (aktuell z.B. Hertha).

Und du?

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L 21. April 2016 um 20:54

So wie du die Spiele des BVB (detalliert und informativ) kommentiert hast, hab ich mir das fast schon gedacht. 🙂
Ich bin ebenfalls BVB-Fan und schaue sonst, neben der Bundesliga natürlich, lieber die spanische Liga, als die englische Liga. Spanien hat meiner Meinung nach, die mit Abstand beste Liga. Die Nachwuchsarbeit, die taktische Reife mit Ball, die „Superstars“ und der spannende Titelkampf machen ungefähr die Liga aus. Man könnte zu dem Thema noch viel mehr schreiben und diskutieren, aber ich wollte nicht zu viel vom Thema abkommen. Wie siehst du das als Rayo-Symphatisant?

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TobiT 22. April 2016 um 18:38

Spanien ist insgesamt eine spielerisch sehr ausgewogene, aber Leistungsmäßig unausgewogene Liga. Egal welches Spiel ich schaue, alle versuchen Fussball MIT Ball zu spielen, oft auch gegen Barca/Real/Atleti. Es geht dann zwar gegen die drei meist schief, sieht aber schön aus und kann für Überraschungen sorgen. Barca, Real und Atletico sind klar vor allen, dann kommen (nominell) Sevilla, Valencia, Villareal, Athletic (+Celta), dann relativ lange nichts, der Rest ist sehr nah zusammen.

Deutschland ist (außer Bayern/BVB) sehr nah beieinander, jeder kann jeden schlagen, aber fast alle können nur mehr oder weniger aggressiv pressen und Kontern. Dafür sind die Spiele meist dynamischer/intensiver. je schwächer das Pressing, desto schlechter performt man relativ zur individuellen Klasse (Hannover, Schalke), außer man findet eine Nische (wie Hertha und Darmstadt)

Bayern, Dortmund (+Hertha) besetzen in Deutschland die „mit-Ball-Nische“. Atletico in Spanien die „ohne-Ball-Nische“.

England hätte gern beides, schafft aber nichts. Defensiv unkompakt, Offensiv Heroenfussball. HÄSSLICH!

Rayo zu gucken tut halt manchmal echt weh, weil sie sich ständig tolle Chancen erspielen, toll pressen, aber trotzdem oft durch Individuelle Unterlegenheit oder Fehler verlieren. Rayo hat irgendwie diesen Charme von Wir gegen den Rest der (kapitalistischen) Fussballwelt, in den ich mich gepaart mit tollem Fussball und einem liebenswerten Stadion und Publikum total verliebt habe, weil sie allen Regeln des Geschäfts trotzen und am Ende Recht behalten. Das Vallecas passt sehr gut zu Rayo, weil es irgendwie unvollendet und gealtert aussieht, das macht es – wie das Westfalenstadion auch – zu einem besonderen Tempel dieses Sports, viel mehr als die Vergnügungsparks von Barca, Bayern, Real oder den Engländern.

Todti 22. April 2016 um 14:14

„Vorteil gegenüber Messi ist, dass er quasi auch noch sein eigener Dani Alves und Rakitic ist.“
Haha, sehr schön. Ich glaube, prägnanter kann man es nicht formulieren.

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PelleLundkvist 2. Mai 2016 um 18:06

Apropos Castro. Was denkt ihr zur Zeit über ihn? Stand jetzt, hat sich sein Wechsel für ihn/für Dortmund gelohnt? (Kann leider keine Bundesliga gucken…). Die EM würde ich ihm ja gönnen, die Chancen sind aber wohl minimal, oder?

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TobiT 2. Mai 2016 um 20:05

Ich glaube schon. er hat Zeit gebraucht, aber hat mittlerweile seinen Stammplatz erobert. Möchte seinen Zug nach vorn nicht missen im Zentrum. Er wollte seine Wohlfühloase in Leverkusen verlassen, hatte dann mit dem Gündoganverbleib eine etwas andere Rolle als gedacht und ist nach seinen 2-3 Spielen ohne Nominierung richtig „on-fire“ und liefert auch konstant starke Leistungen. Mal schauen, wie es mit ihm und Kagawa nächste Saison weitergeht.

Frage: Weiß jemand, warum Gündogan – obwohl fit – nur noch Einwechselspieler bleibt? Ist der mental nicht mehr bei der Sache?

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mba123 3. Mai 2016 um 14:29

Ist es denn klar, dass Gündogan topfit ist?
Ansonsten könnte es eventuell auch darum gehen, Castros Bedeutung im ZM einzuschätzen.
Castro spielt im ZM erst seit der Rückrunde überzeugend. Wenn er jetzt konstant diese Leistungen zeigt, kann das für Kaderplanung eine wichtige Bedeutung haben.
So wie er jetzt spielt, hätte ich keine Bedenken, wenn man mit Castro als ZM Nummer Eins in die neue Saison geht. Ich glaube auch nicht, dass Torres oder Dahoud ihn direkt verdrängen würden.

Mir scheint Tuchel jedenfalls bei der ein oder anderen Entscheidung auch die Zukunftsplanung im Hinterkopf zu haben. Das machte zwar auch alles in dem Moment sportlich Sinn. Aber mit Entscheidungen wie Ginter in der Hummels Rolle oder Passlack und Pulisic auf den Außen vor einer Dreierkette (zweite Halbzeit gegen den HSV, glaube ich), scheint er mir auch Optionen für die Zukunft abzuklopfen.

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HK 21. April 2016 um 14:08

Wie war eigentlich die Hertha-Strategie beim 0:0 in der BL? Ähnlich passiv und zurüchgezogen?
Dann haben sie das vielleicht als Erfolgsmodell gesehen?

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mba123 21. April 2016 um 15:40

In meiner Erinnerung war Hertha damals ähnlich passiv (Torschussverhältnis war 5:7).
Auch sonst gab es, glaube ich, ein paar Parallelen. Wenn der BVB aufbaute, hatten sie auch verstärkt Hummels zugestellt. Gestern erhielten dadurch Piszczek und Bender viel Freiraum, damals war es Sokratis, der damit aber weniger anfangen konnte.

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TobiT 21. April 2016 um 15:54

Das war aber auch eins der ersten Dortmunder Spiele in der Struktur, gerade Piszczek, Sokratis und Bender sind während der RR immer besser damit zurecht gekommen. Alle drei haben – gefühlt – ihr Aufbauspiel aus dieser 3er-Kette verbessert, so dass Bender in einiger Spielen Hummels Rolle fast 1zu1 übernommen hat, wenn der gerade nicht spielte. Auch Piszczeks Timing bei Pässen und Vorstößen hat sich, finde ich, deutlich verbessert.
Sokratis ist insgesamt ziemlich spielschwach, hat aber als Zentraler Spieler der 3er-Kette mehr Optionen (2 Halbverteidiger + 2 Sechser + länger Ball) und kann nicht mehr an der Seitenlinie isoliert werden. Gleichzeitig kann er seine Schnelligkeit bei der Konterabsicherung im Zentrum/Halbraum einbringen.

Auch weiter vorne hat es ein paar Anpassungen/Entwicklungen gegeben. Castro als weiträumiger 6/8/10 vor Weigl statt der Doppel6 Sahin/Weigl, Kagawa als 8/10-Hybrid sind mittlerweile besser eingebunden, als zu Jahresbeginn.

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mba123 21. April 2016 um 17:10

Ich habe mir noch mal die heatmaps zum 0:0 in der Liga angeschaut. Demnach hatte der BVB damals noch nicht mit Dreierkette aufgebaut, sondern in der ersten Linie hauptsächlich nur mit Hummels und Sokratis gespielt (Sokratis kam in dem Spiel auf 127 Ballkontakte während Hummels nur 70 hatte).

Vielleicht ist daher auch die Systemumstellung in der Rückrunde ein wichtiger Teil des gestrigen Erfolges gewesen.

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TobiT 21. April 2016 um 17:43

Hast recht, da hat mich die Erinnerung getäuscht. Vielleicht ist das einer der Gründe für das scheitern von Herthas Ansatz gestern. Es war nicht mehr nötig, die 6er vor der Hertha-Formation zu halten, da das von den 3 IV erledigt wurde. Dann sind Anspiele zu Weigl und Castro/Kagawa/Gündogan/Mkhi direkt auch mit dem Überspielen der ersten „Pressing“-Reihe verbunden, anstatt dass sie erst von diesen überspielt werden muss.

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HK 21. April 2016 um 19:40

Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten.
Dann könnte man wohl tatsächlich vermuten, dass Hertha seine Erfolgstaktik aus der BL kopieren wollte, dies bei dem „neuen“ BVB aber ins Leere lief.

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