SmallBall in der NBA

Jedes Jahr gibt es am 1. April viele pseudolustige falsche Berichte, absurde Meldungen und eine Handvoll gelungener Späße. Da bei Spielverlagerung außer Martin Rafelt niemand Humor hat, dessen Humor aber wiederum niemand versteht, haben wir uns entschlossen auf eine andere Art und Weise an den 1. April heranzugehen: Wir werden jedes Jahr eine Analyse aus einer komplett anderen Sportart verfassen. Dieses Jahr geht es um Basketball; um genauer zu sein – die Small-Ball-(R-)Evolution in der NBA.

Was ist Small Ball und woher kommt es?

„Small Ball“ ist eine Bezeichnung, welche man in den letzten Monaten und Jahren immer wieder in der NBA hört. Grundsätzlich heißt es prinzipiell nur, dass vermehrt kleinere Spieler aufgestellt werden; insofern man in einer Sportart, die sich so stark über Größe definiert, davon reden kann.

Interessanterweise galten zu Beginn des Basketballs sehr große Spieler als untauglich; ihre Koordination und Wurffähigkeiten wurden belächelt. Doch in den Anfangsjahren der NBA Mitte/Ende der 40er sollte sich dies mit George Mikan ändern. Der „gigantische Center“ (für heutige Verhältnisse wäre er mit 2.08m unterdurchschnittlich) dominierte das Spiel und auf ihn folgten mit Bill Russell und natürlich Wilt Chamberlain zwei weitere Center, welche das Klischee des spielschwachen „Big Man“ ad absurdum führen sollten. Russell galt als hochintelligenter Defensivspezialist, Chamberlain verband (oft unterschätzte) Finesse  mit für jene Zeit herausragender Physis.

In den nächsten Jahrzehnten waren es Kareem Abdul-Jabbar, Bill Walton, Moses Malone, David Robinson, Hakeem Olajuwon und Shaquille O’Neal, welche als hochgewachsene Center das Spiel dominierten; wenn auch als teils ganz unterschiedliche Spielertypen. Desweiteren spielte in all diesen Jahren nicht nur ein meist enorm groß gewachsener Center im sogenannten Frontcourt, sondern auch ein Power Forward, der sich ebenfalls primär über seine Bewegungen nahe am Korb (so genannte Post Moves) definierte. Robinson gewann mit Tim Duncan, der heute bei den Spurs selbst als Center spielt, gemeinsam die NBA Ende der 90er. Olajuwon spielte sogar selbst häufig als Power Forward.

"Three Out Set"; zwei Big Man im Frontcourt, ein Small Forward mit zwei Guards außen. Vielfach genutzt. Übrigens wie die Grundformation im Fußball: Gibt eine gewisse Grundorientierung und Ausrichtung wieder, die Bewegungsmöglichkeiten sind aber unendlich.

„Three Out Set“; zwei Big Man im Frontcourt, ein Small Forward mit zwei Guards außen. Vielfach genutzt. Übrigens wie die Grundformation im Fußball: Gibt eine gewisse Grundorientierung und Ausrichtung wieder, die Bewegungsmöglichkeiten sind aber unendlich.

Doch seit der Jahrtausendwende hat sich dies verändert. Der Power Forward ist bei vielen Mannschaften verstärkt zu einem Spieler geworden, der auch den Sprungwurf aus der Distanz hervorragend beherrscht und dafür auch Abstriche im Spiel mit Rücken zum Korb machen kann. Regelveränderungen in den 80ern und 90ern – u.a. die Erlaubnis einer Raumdeckung und der Verbot des Handchecking am Perimeter – sorgten neben der Dreierlinie (seit Ende der 70er, 79-80) für diese Entwicklung.

Ansätze dafür gab es schon in den 80ern im College-Sport, ebenso wie in der NBA. In den 80ern war es Don Nelson mit „Nellie Ball“ bei den Milwaukee Bucks und später Golden State Warriors, in den 90ern kamen kurzzeitig Denver Nuggets hinzu (doppelt so viele Dreierversuche als der Gegner in der Saison 90/91, meisten Ballbesitze pro Spiel unter Paul Westhead). Don Nelson nutzte Anfang der 2000er-Jahre sogar Dirk Nowitzki als Center.

Am populärsten wurde Small Ball allerdings durch Mike D’Antoni bei den Phoenix Suns. 2003 bis 2008 ließ er enorm schnellen und auf Dreier fokussierten Basketball nutzen, wo er eine vergleichsweise kleine Aufstellung nutzte. Wirklich erfolgreich und konstant wurde Small Ball allerdings in den letzten Jahren erst.

Das Four Out Set, welches von den meisten Teams heutzutage genutzt wird, obgleich natürlich viel variiert wird und die einzelnen Spielzüge im Verbund mit der Ausführung und individuellen Qualität entscheidend sind.

Das Four Out Set, welches von den meisten Teams heutzutage genutzt wird, obgleich natürlich viel variiert wird und die einzelnen Spielzüge im Verbund mit der Ausführung und individuellen Qualität entscheidend sind.

Die Miami Heat gewannen ihre Titel mit Shane Battier und LeBron James als Forwardpärchen, beide trafen ihre Dreier in den Titeljahren mit hoher Trefferquote. Chris Bosh, ein nomineller Power Forward, der ebenfalls aus der Distanz treffen kann, ging häufig auf die Center-Position. Das öffnete Räume für sogenannte „Drives“ der „Slasher“. Dwyane Wade und James konnten immer wieder vom Perimeter in die Mitte zum Korb ziehen und abschließen oder den Ball wieder nach außen auf die dort positionierten Werfer spielen.

Deren Fähigkeit von der Dreierlinie hatte eine raumöffnende Wirkung für die Läufe zum Korb, die wiederum die Dreierwerfer öffnen sollten. Ein Geben und Nehmen, welches teilweise durch sehr unkonventionelle Grundformationen und Spielzüge in einem „5-out“-Set umgesetzt wurde. Alle fünf Spieler – im Gegensatz zu früher mit einem, zwei oder gar drei Spielern unter dem Korb – positionierten sich außerhalb der Zone und von dort aus begannen die jeweiligen Spielzüge.

Das Five Out Set, welches die Heat für einige Spielzüge 2012-13 nutzten. Viel Raum in der Mitte, viele Möglichkeiten zum Eindringen, viele Rotationen.

Das Five Out Set, welches die Heat für einige Spielzüge 2012-13 nutzten. Viel Raum in der Mitte, viele Möglichkeiten zum Eindringen, viele Rotationen.

Meistens gab es hier typische Pick’n’Roll und Pick’n’Pop-Spielzüge: Einer der Spieler ohne Ball blockte den direkten Gegenspieler des Ballführenden und ermöglicht dadurch Raum oder zwingt den Gegner zum Übergeben des Gegenspielers. Dadurch kann der Ballführende in Richtung Korb ziehen oder direkt ohne Druck abschließen oder auf den geöffneten Blocksteller spielen. Beim Pick’n’Pop zieht der Blocksteller nicht zum Korb, sondern lässt sich für einen offenen Wurf zurückfallen. Dazu kommen viele Bewegungen der anderen Spieler oder weitere Screens abseits des Balles.

Und hier ist auch die Ursache zu finden, wieso Small Ball immer populärer wird und letztes Jahr mit den Golden State Warriors bei deren Titelgewinn eine Schlüsselrolle spielte.

Skill Ball, not Small Ball

Bei M94.5 hatte ich mich schon mit Christopher Meltzer über Basketball unterhalten und dort kam auch das Thema Small Ball zur Sprache. Ich zitierte dabei Zach Lowe, den womöglich besten Taktikjournalisten im gesamten Sportbereich, der in diesem tollen Artikel über das Thema schrieb und für die Bezeichnung „Skill Ball“ eintritt. Einfach nur „klein“ zu gehen, also mit kleineren Spielern zu agieren, hilft nämlich nicht. Das ist eine Korrelation, aber keine Kausalität. Insbesondere die Fähigkeiten ohne Ball sind hier wichtig in puncto Blocken von Schüssen, Versperren der hochprozentigen Abschlüsse in Korbnähe oder schlichtweg das Erreichen von ballfernen Abschlussspielern.

Small Ball wird nur erfolgreich, wenn man die passenden Spieler besitzt. Die Golden State Warriors haben diese. Mit Draymond Green als Power Forward können sie diesen jederzeit auch als Center aufstellen. Er ist beim Holen der Rebounds (aka Abpraller oder zweite Bälle nach Würfen) und beim Blockieren von gegnerischen Würfen gerade noch gut genug, aber dazu ein herausragender Athlet mit hoher Reichweite, Dynamik und einem guten Wurf.Dadurch können sie mit Steph Curry, der ohnehin als Dreierwerfer alles ad absurdum führt, Klay Thompson, Andre Iguodala und Harrison Barnes auf den restlichen Positionen ebenfalls starke Werfer mit guter bis herausragender Athletik aufbieten.

Ein möglicher Spielzug bei Small Ball, weil alle werfen, passen und sich dynamisch bewegen können. Der Point Guard steht diagonal zum Korb, es gibt ein Pick and Roll von der Seite, nicht von hinten (riskant, weil der Verteidiger es kommen sieht). Danach gibt es weitere Bewegungen bzw. Bewegungsmöglichkeiten, die Abschlüsse in der roten Zone generieren können sollten.

Ein möglicher Spielzug bei Small Ball, weil alle werfen, passen und sich dynamisch bewegen können. Der Point Guard steht diagonal zum Korb, es gibt ein Pick and Roll von der Seite, nicht von hinten (riskant, weil der Verteidiger es kommen sieht). Danach gibt es weitere Bewegungen bzw. Bewegungsmöglichkeiten, die Abschlüsse in der roten Zone generieren können sollten.

Das ist schwer zu kopieren; eine solche Mischung aus spielintelligenten, wurfstarken und athletischen Spielern zu finden ist nahezu unmöglich. Am ehesten waren es die erwähnten Miami Heat 2014, die das geschafft haben. Deren Coach Erik Spoelstra nannte sein System „positionslos“ und „Pace and Space“. Letzteres trifft des Pudels Kern. Dies ist nämlich die Ursache, wieso diese Aufstellungen so stark sind.

Warum es funktioniert

Traditionalisten streiten vehement ab, dass Small Ball funktionieren kann; erst seit den Erfolgen der Warriors und deren „Line up of Death“ (Curry/Thompson/Iguodala/Barnes/Green) mit fünf Shootern ist diese Meinung etwas aufgeweicht. Dabei ist es nur allzu logisch, wieso dieses System in der Offensive so hervorragend funktioniert.

Durch die vielen Werfer kann keiner der Gegner sich sammeln. Jedes schlechte oder unsaubere Übergeben bei einem Pick’n’Roll führt dazu, dass jemand gut werfen kann. Bei wurfschwächeren Spielern – oftmals eben Center oder klassische Power Forward – kann man sich häufig darauf beschränken, diese nicht zum Korb ziehen zu lassen. Kommen sie am Perimeter an den Ball, muss man sie nicht wirklich decken und deren Abschlüsse, wenn sie überhaupt versucht werden, fallen nicht oft genug in den Korb, um ein Problem über ein gesamtes Spiel hinweg zu werden.

Desweiteren ermöglicht dieses Spielermaterial viele taktische Spielereien mit dem Ball. Hat man sehr viele starke Werfer, kann man für sehr viele Werfer Raum öffnen; man muss sich nicht unbedingt auf einen oder zwei Werfer konzentrieren. Dadurch ist das Team weniger ausrechenbar. Außerdem kann man über die Anzahl der Screens/Blocks den Gegner stören.

Currys "Gravity". Wird er so verteidigt, wirft er einfach nach dem Pick'n'Roll (Stellen des Blocks und Folgebewegungen), was bei seiner Quote ein Todesurteil ist. Insofern ergeben sich Probleme, wer auf Curry herausrotiert. Sobald jemand dies tut, bewegen sich die anderen. Curry bespielt diese Lücken herausragend.

Currys „Gravity“. Wird er so verteidigt, wirft er einfach nach dem Pick’n’Roll (Stellen des Blocks und Folgebewegungen), was bei seiner Quote ein Todesurteil ist. Insofern ergeben sich Probleme, wer auf Curry herausrotiert. Sobald jemand dies tut, bewegen sich die anderen. Curry bespielt diese Lücken herausragend.

Überall laufen Spieler mit hohem Tempo, laufen ihrem Gegenspieler weg und sind somit schwieriger zu verfolgen; gleichzeitig laufen diese Spieler anderen Gegenspielern in die Quere, blockieren deren Laufweg und öffnen ihren Mitspielern die nötigen Räume für Würfe. Mit Portland stellen die Warriors noch weit vor den ebenfalls sehr pass- und blockaffinen Spurs (die eine klassischere Aufstellung mit zwei Bigs präferieren) die meisten Screens abseits des Ballführenden. Dass die Passqualität im Schnitt bei kleineren Spielern ebenfalls etwas höher ist, erhöht diesen Aspekt nur noch.

Insofern hat man hier schon zwei Vorteile; der Gegner muss deutlich mehr Raum konstant abdecken und die eigene Wurfquote ist höher, wenn es vom Gegner nicht gerade herausragend verteidigt wird. Ein großer Spieler beim Gegner kann mit seinen Post Moves am Korb nur in Ausnahmefällen so viele Punkte erzielen, dass er seinen kleineren Gegenspieler am anderen Ende des Feldes diesbezüglich übertrumpft.

Einerseits ist es Mathematik: Drei Punkte sind mehr wert als zwei. Andererseits spielt das Regelwerk eine Rolle. So ist das Handchecking am Perimeter wie erwähnt verboten; das erleichtert das Werfen aus der Distanz ebenso wie das Ziehen zum Korb. Die Raumdeckung wiederum wurde in den 90ern erlaubt, wodurch man den Spieler mit Rücken zum Korb einfach doppeln kann. Durch sein Sichtfeld weg vom Korb kann er auch die andere Seite schwierig überblicken und sieht den Korb unter Druck nicht; das verringert natürlich die Effizienz solcher Spielzüge.

Der gleiche Spielzug wie oben, allerdings im sogenannten Triangle; vor dem Dreierwahn wurde dieses sehr erfolgreiche System Tex Winters und Phil Jacksons relativ eng ausgeübt. Die Fragezeichen sollen eines aufzeigen: Wieso ist von dort der Wurf drei Punkte wert, einen Meter davor aber nur zwei Punkte? Wieso? Meine angeblichen Damen und Herren Leser, ich bitte Sie, eine letzte Sache zu berücksichtigen. (zeigt ein Bild von Chewbacca) Dies ist Chewbacca. Chewbacca ist ein Wookiee vom Planeten Kashyyyk, aber Chewbacca lebt auf dem Planeten Endor. Denken Sie darüber nach. Es ergibt keinen Sinn! Warum sollte ein Wookiee – ein zwei Meter großer Wookiee – auf Endor leben wollen, zusammen mit einem Haufen winziger Ewoks? Es ergibt keinen Sinn! Aber was noch wichtiger ist: Sie müssen sich ernsthaft fragen: Was hat das mit diesem Artikel zu tun? Gar nichts. Meine Damen und Herren, es hat nichts mit diesem Fall zu tun. Es ergibt keinen Sinn! […] Nichts von alledem ergibt einen Sinn. […] Wenn Chewbacca auf Endor lebt, müssen Sie die Regeln ändern! Oder Dreier werfen! Das Caption ist abgeschlossen.

Der gleiche Spielzug wie oben, allerdings im sogenannten Triangle; vor dem Dreierwahn wurde dieses sehr erfolgreiche System Tex Winters und Phil Jacksons relativ eng ausgeübt. Heutzutage nicht mehr. Die Fragezeichen sollen eines aufzeigen: Wieso ist von dort der Wurf drei Punkte wert, einen Meter davor aber nur zwei Punkte? Wieso?
Meine angeblichen Damen und Herren Leser, ich bitte Sie, eine letzte Sache zu berücksichtigen. (zeigt ein Bild von Chewbacca) Dies ist Chewbacca. Chewbacca ist ein Wookiee vom Planeten Kashyyyk, aber Chewbacca lebt auf dem Planeten Endor. Denken Sie darüber nach. Es ergibt keinen Sinn! Warum sollte ein Wookiee – ein zwei Meter großer Wookiee – auf Endor leben wollen, zusammen mit einem Haufen winziger Ewoks? Es ergibt keinen Sinn! Aber was noch wichtiger ist: Sie müssen sich ernsthaft fragen: Was hat das mit diesem Artikel zu tun? Gar nichts. Meine Damen und Herren, es hat nichts mit diesem Fall zu tun. Es ergibt keinen Sinn! […] Nichts von alledem ergibt einen Sinn. […] Wenn Chewbacca auf Endor lebt, müssen Sie die Regeln ändern! Oder Dreier werfen! Das Caption ist abgeschlossen.

Kombiniert mit aktuellen Trends in der Liga (wenige herausragende Big Men im Post Play, die vielen Pick’N’Roll-Spielzüge und ein geringer Fokus auf das Rebounden am gegnerischen Korb nach eigenen Würfen) ist Small/Skill Ball enorm vielversprechend, passendes Spielermaterial vorausgesetzt.

Die nächste Generation?

Natürlich gibt es auch in der Theorie bei dieser Spielernutzung Schwächen. Neben den Rebounds ist auch das Abwehren von Dunks und Korblegern ein Problem. Größe hilft beim Verteidigen unter dem Korb nämlich auch in der heutigen Zeit massiv. Die nächsten Jahre könnte sich aber auch hier etwas verändern. Es scheint nämlich die Zeit der Allround-Big-Men zu kommen.

Die Moves im Post gehören zum Dreier dazu und sollten diesen aufsetzen bzw. ohne Dreier gibt es heutzutage keine effektiven Post Moves. Das Sichtfeld ist unangenehm; nicht nur zum Werfen, auch zum Passen. Dazu kann der Gegner von unterschiedlichen Richtungen doppeln, oft eben aus nicht-gesehenen Räumen. Hat man keine Dreierwerfer, steht man enger und der Gegner kann noch einfacher doppeln oder Folgeaktionen verteidigen.

Die Moves im Post gehören zum Dreier dazu und sollten diesen aufsetzen bzw. ohne Dreier gibt es heutzutage keine effektiven Post Moves. Das Sichtfeld ist unangenehm; nicht nur zum Werfen, auch zum Passen. Dazu kann der Gegner von unterschiedlichen Richtungen doppeln, oft eben aus nicht-gesehenen Räumen. Hat man keine Dreierwerfer, steht man enger und der Gegner kann noch einfacher doppeln oder Folgeaktionen verteidigen.

Im letztjährigen Draft gab es nämlich gleich drei solche vielversprechenden Allzweckwaffen. Kristaps Porzingis, Karl-Anthony Towns und Nikola Jokic treffen allesamt ihre Dreier ziemlich gut – und sind nebenbei zwischen 2.10m (Jokic) und 2.21m (Porzingis) groß. Sie sind zwanzig Jahre alt und sind sowohl statistisch als auch nach dem eigenen „eye-test“  herausragende Talente, die sich überraschend schnell an die NBA angepasst und viel Potenzial haben. Dazu kommen mit den Supertalenten Anthony Davis und DaMarcus Cousins oder auch weniger klingenden Namen wie z.B. Kelly Olynyk weitere junge Big Men, die ihren Wurf bis zur Dreierlinie ausweiten.

Insbesondere Towns könnte mit seiner herausragenden Athletik und Spielstärke alles verbinden; das Abdecken der Zonen unter dem Korb, das geschickte Verteidigen des Pick’n’Rolls des Gegners am Perimeter, das Blockstellen bei eigenen Pick’n’Roll und das Werfen aus allen Lagen und Distanzen, inkl. sogar der verschmähten Post Moves.

Der banalste Vorteil beim Dreier: Das Sichtfeld zum Korb, wo man viele Spieler überblickt. Trainer wie Zeljko Obradovic konzentrieren sich auch darauf, wie sich die anderen Spieler mit dem Ballhandler mitbewegen; immer sollen sie zumindest im peripheren Sehen vorhanden sein. Direkte oder indirekte Verbindungen über die visuelle Wahrnehmung zu halten, ist enorm wichtig. Interessant, wenn Big Man Dreier werfen können: Sie überblicken das gesamte Feld, haben enorme Kraft und überragen Gegenspieler. Weite Verlagerungen oder einfache Lobpässe in die Mitte werden plötzlich einfacher.

Der banalste Vorteil beim Dreier: Das Sichtfeld zum Korb und übers Feld, womit man viele Spieler überblickt. Trainer wie Zeljko Obradovic konzentrieren sich auch darauf, wie sich die anderen Spieler mit dem Ballhandler mitbewegen; immer sollen sie zumindest im peripheren Sehen vorhanden sein. Direkte oder indirekte Verbindungen über die visuelle Wahrnehmung zu halten, ist enorm wichtig. Interessant, wenn Big Man Dreier werfen können: Sie überblicken das gesamte Feld, haben enorme Kraft und überragen Gegenspieler. Weite Verlagerungen oder einfache Lobpässe in die Mitte werden plötzlich einfacher.

Taktisch ist die Zukunft im Basketball also spannend. Wird es einen Kompromiss geben? Die Warriors nutzen ihre Small-Ball-Aufstellung nur situativ. Wird es eine konstantere Nutzung bei mehr Teams geben? Ein paar Franchise haben damit bereits experimentiert in dieser Saison. Und die Warriors könnten im Sommer Kevin Durant von den Oklahoma City Thunder holen, was für ein konstanteres und noch stärkeres Small-Ball-System sprechen könnte. Oder wird die Zukunft den Big Men zum Allrounder machen? Karl-Anthony Towns sagt: Ja.

Flo 12. April 2016 um 22:33

Aufgrund einer verheißungsvollen Wettstrategie für die NBA schaue ich seit einigen Wochen auch das eine oder andere Spiel. Der Artikel liefert Interessante Einblicke in die Materie. Beim Lesen dachte ich mir allerdings: die erfolgreichen Mannschaften bestehen also aus Spielern, die alle sehr gut werfen können, Übersicht haben und beweglich und intelligent sind. Für mich als Laie klingt das weniger nach Taktik, sondern eher nach besseren Trainingsmethoden (oder halt besserer Team-Zusammenstellung). Ist dazu denn, v. a. bzgl. der Warriors, Näheres bekannt? Sie haben ja kürzlich bei einer Preisverleihung sogar den FC Midtjylland ausgestochen, als es um innovative Datenanalyse oder Ähnliches ging.

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blub 13. April 2016 um 15:19

In der NBA findet leider sogut wie kein Trainings statt. die haben 82 spiele zwischen ende Oktober und Mitte April. plus playoffs.
EIne Trainingsarbeit wie wir das aus dem Fußball kennen gibt es dort also nicht.
Spieler entwickeln sich in der Saison idR nur via Videostudium oder direkten Test im Einsatz weiter.
An technisch/taktischen möglichkeiten wird idR nur inder Offseason gefeilt. So viel Trainingsmethodik fliest da also nicht rein.

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WerderFan 3. April 2016 um 16:04

Nächstes Jahr dann bitte ein Artikel zum Thema Schach

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Geil 2. April 2016 um 11:05

Ich hatte so gehofft hier mal was über Basketball zu lesen. Vielen Dank! 🙂

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Todti 1. April 2016 um 23:58

Erstmal ein Kompliment für die Idee. Es erscheint mir deutlich sinnvoller, als die ganzen ausgelutschten Artikel, die man sonst so am 1. April sieht. Da bietet ihr doch, wie immer, einen sicheren Hafen im Internet.

Zum Artikel: Ich finde, du hast den Einfluss der Spurs ein wenig unterschlagen und widersprichst dir in einem Absatz auch:
„Mit Portland stellen die Warriors noch weit vor den ebenfalls sehr pass- und blockaffinen Spurs (die eine klassischere Aufstellung mit zwei Bigs präferieren) die meisten Screens abseits des Ballführenden. […] Dass die Passqualität im Schnitt bei kleineren Spielern ebenfalls etwas höher ist, erhöht diesen Aspekt nur noch.“
Die Spurs spielen zwar in der Tat mit einem „größeren“ Lineup, aber stehen den Warriors oder Trail Blazers in puncto Passspiel in nichts nach. Im Gegenteil, die Spurs spielen unter Pop ja schon seit einer gefühlten Ewigkeit den anspruchsvollsten bzw. eloquentesten Basketball der Liga, falls man das so formulieren kann. Gleiches gilt seit in letzter Zeit auch für die Hawks, die du gar nicht erwähnst, die mit dem Duo Millsap/Horford im Frontcourt vermutlich die beste Kombination aus „gerade noch“ groß genug und doch überaus technisch versiert und spielintelligent aufbieten. Die Entwicklung der Hawks ist dementsprechend auch nicht überraschend, da dort mit Mike Budenholzer ein ehemaliger, jahrelanger Co-Trainer von Pop die Leitung übernommen hat. Das kulminierte dann im Spitznamen „Spurs East“ sowie der überragenden Regular Season 2014/15. Weder die Spurs noch die Hawks spielen „klassischen“ Small Ball, aber ihren Einfluss darauf durch die extrem ausgearbeitete Spielphilosophie sollte man doch erwähnen, denke ich.

Auch sprechen sowohl der angesprochene Draymond Green sowie zum Beispiel Boris Diaw, Marc Gasol oder Tim Duncan gegen die zwangsläufige Verbindung zwischen Körpergröße und Passqualität (ja ich weiß, du hast „im Schnitt“ geschrieben).
„Das ist schwer zu kopieren; eine solche Mischung aus spielintelligenten, wurfstarken und athletischen Spielern zu finden ist nahezu unmöglich.“
Wie von dir und anderen erwähnt, ist Basketball (bzw. die NBA) natürlich ein Sport, der extrem vom individuellen Talent abhängig ist – was man ja auch daran erkennt, wie hoch die Erfolgsquote im Draft ist – und das Small Ball-System der Warriors wäre mit individuell schlechteren Spielern sicherlich nicht so in aller Munde und auch nicht so durchführbar, aber gerade die Beispiele der spielstarken Center zeigen, dass viel durch hervorragendes Coaching entwickelt werden kann. Es freut mich dabei auch immer, dass mit Diaw, Gasol und Noah 3 der vermutlich 5 oder 6 spielstärksten Center der NBA aus Europa kommen.

Ein letzter Punkt, der meiner Meinung nach zu kurz gekommen ist, ist die Limitierung dieser Spielvariante. Du schreibst „Die Warriors nutzen ihre Small-Ball-Aufstellung nur situativ.“ – aber erklärst nicht wirklich warum. Wenn man liest, was für Vorteile Small Ball bringt und dass die Warriors hier durch ihren Roster fast eine Ausnahmestellung haben, klingt es unverständlich, dass sie diese Taktik nur situativ nutzen. Das hängt aber einfach damit zusammen, dass es auf Dauer zu anstrengend ist, mit einem kleineren Lineup zu spielen. Um einen Kollegen von Zach Lowe zu zitieren: „Wenn du der Meinung bist, dass du ein Mismatch hast, dann hat dein Gegner auch automatisch ein Mismatch.“ Bei 82 Spielen in einer Regular Season mit regelmäßigen Spielen back-to-back kann man Small Ball auf Dauer einfach nicht durchziehen und der Salary Cap dürfte verhindern, dass man sich einen kompletten derartigen Roster zulegen kann (wobei die Spurs dem diese Saison ein wenig widersprechen). Hinsichtlich dessen fand ich die Nutzung bei den Washington Wizards in der letzten Saison interessant. (Es ist ja nicht ganz so: „Ein paar Franchise haben damit bereits experimentiert in dieser Saison.“) Mit Paul Pierce hatten sie eine passende Stretch Four. Während der Regular Season wurde er in dieser Rolle aber nicht eingesetzt und einige Experten fragten sich wieso, nur um dann in den Playoffs in Verzücken zu geraten, als die Wizards diese Karte von Anfang an und bewusst ausspielten. Sie hatten sich während der Regular Season einfach nicht in die Karten schauen lassen sowie Paul Pierce, immerhin 37 zu dem Zeitpunkt, nicht dieser Belastung aussetzen wollen.

Der Kommentar klingt jetzt irgendwie ein wenig nach Nörgeln, soll er aber in keinster Weise sein. Ich finde, wie am Anfang gesagt, die Idee großartig, vor allem da die einzelnen Sportarten viel voneinander lernen können und auch hier Interdisziplinarität auf dem Vormarsch ist, und hoffe einfach, dass du demnächst nicht versuchst, die Triangle Offense zu erklären. Denn wenn dir das gelingt, wird Spielverlagerung dich wohl nicht halten können. 😀

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Gh 1. April 2016 um 21:30

ich finde die spurs sind taktisch weiterhin das top team in der nba. die warriors sind da auch super, aber was die spurs mit ihren alten säcken abziehn ist für mich die eigentliche sensation.

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blub 1. April 2016 um 13:26

Mich würde ja interessieren was passiert wenn die idiotische „defensive three seconds rule “ wieder aufgehoben wird.
Die macht es einfach so viel effektiver die Punkte in der Zone mit slashern zu holen als mit big men via post moves.

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sharpe 1. April 2016 um 11:50

gefällt mir als Fußball und BB-Fan natürlich super, hier mal einen BB-Bericht zu lesen.
Bei den Warriors kommt mir immer Splash-Brother Nr.2, Klay Thompson, etwas zu kurz. Wenn man die 2 besten 3er-Schützen der Liga in einem Team hat, gibt einem Coach das natürlich alle Möglichkeiten. Beide werden immer eng gedeckt, es wird wenig geswicht und dadurch sind immer Lines zum Korb offen, weil die Help-Defense / Rotation gg GSW einfach total schwer ist. Ist aber auch einfach unglaublich, wie die treffen.
Small-Ball ist sicher kein kurzfristiger Trend, es geht eben in die Richtung, dass alle auf dem Feld so gut wie alles können sollen. Kleinere Spieler werden immer öfter post-up Aktionen haben und die größeren Spieler müssen eben auch werfen können. Natürlich wird’s Ausnahmen geben, Spieler wie DeAndre Jordan werden dank ihrer unglaublichen Athletik immer ihren Platz finden, auch wenn sie nicht werfen können.

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TobiT 1. April 2016 um 12:46

Ist halt ähnlich wie im Fussball.
Die Geschwindigkeit des Spiels steigt durch bessere Athletik. Zuerst wird auf Athletik/Physis-Monster gesetzt (im FB in den 90ern), sobald die athletische Entwicklung halbwegs ausgereizt ist, setzt man vermehrt wieder auf technisch herausragende Akteure, die dank modernem Training physisch halbwegs mithalten können.

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Jan 1. April 2016 um 11:46

Klasse Idee. Würde ich öfter lesen.

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Isco 1. April 2016 um 11:29

Haha, sehr interessant hier mal was über Basketball zu lesen und dann noch so verständlich für Leute, die nichts damit am Hut haben, top!

Blöde Frage von jemandem, der sich bisher sehr wenig mit BB beschäftigt hat: Wie kann man Raumdeckung verbieten?

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Niclas Onkelbach 1. April 2016 um 12:28

Ich kann nur für deutschen Jugendbasketball sprechen. Da war es so das es uns verboten war etwas anderes als Manndeckung zu spielen (ergo Zonenverteidigung) das wurde umgesetzt indem man gesagt hat alles was mehr abstand zum gegenspieler hat als 1,5m-2m gilt als nicht Manndeckung und wird abgepfiffen mit Einwurf für die Offensivmannschaft und neuen 24 Sekunden auf der Shotclock. NBA hab ich damals noch nicht verfolgt kann mir aber vorstellen das das ähnlich gehandhabt wurde.

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Tobias 1. April 2016 um 10:45

Super danke für den Einblick
Ich denke dass der Basketball, speziell die NBA in manchen Aspekten weiter ist als der Fußball. Nicht nur das die NBA Spieler perfekt durchtrainiert sind, auch das Nutzen von Spielzügen, gefüllt ist in der NBA jedes Play perfekt durchgeplant.

Ich denke in manchen Aspekten kann sich der Fußball noch einiges vom Basketball abschauen. Andersherum natürlich auch. Steph Curry hat erst neulich davon erzählt, dass sich die Warriors Barcelona angeschaut haben, wie die den Ball laufen lassen.

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Peda 1. April 2016 um 10:40

Geniale Idee!

Die Scherzerei ist doch mittlerweile derart abgelutscht, dass einem eh keiner mehr reinfällt, sondern im Gegenteil oft seriöse Nachrichten einfach nicht geglaubt werden.

Aber die Idee mit dem „Blick über den Tischrand“ finde ich ausgezeichnet.
Auch wenn ich bei Basketball nicht mehr beisteuern kann als:“wird schon so so sein.“ 😀

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Niclas Onkelbac 1. April 2016 um 10:23

Sehr schön mal was über Basketball aus eurer Perspektive zu lesen. Die Einleitung war der Hammer xD

Lobende Erwähnung:
Einer der diese Vielseitigkeit mitbringt und ein Stück weit auch revolutioniert hat war Dirk Nowitzki. Mit seiner Größe zwar kein klassischer Small Ball Spieler, aber sein Post-Game mit dem sogenannt Flamingo Shot hat Mitte bis Ende des letzten Jahrzehnts reihenweise Verteidiger den letzten Nerv gekostet, nicht zuletzt weil er das ganze mit nem starken Dreier kombiniert hat und somit sehr schwer ausrechenbar war.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem oben gezeigten five-out set und ner Isolation? Hab die Heat nie wirklich verfolgt aber funktioniert ein derartiges Setting nicht hauptsächlich weil sie so starke Einzelspieler hatten (vor allem im one on one)?

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hps 1. April 2016 um 07:19

“Da bei Spielverlagerung außer Martin Rafelt niemand Humor hat, dessen Humor aber wiederum niemand versteht, (…)“: MR ist in seiner Entscheidungsfindung einfach zu erfolgsstabil.

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dargndorp 1. April 2016 um 02:42

(Wohlwollenden Kennerblick werfend)
„Aha! Chewbacca defense!“
(Anerkenned nickend)

Schöner Blick über den Tellerrand!

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