Ingolstädter Lastminute-Sieg im bayerischen Derby

ingolstadt2:1FC Augsburg

Wie schon im Hinspiel gewann der FC Ingolstadt auch in der Rückrunde gegen den FC Augsburg. Nachdem die Schanzer gegen die Fuggerstädter in der Anfangsphase zunächst strategisch unterlegen waren, schufen die Umstellung der Grundordnung durch Trainer Ralph Hasenhüttl, die eigene Stärke bei Standards und das Quäntchen Glück, das den Ingolstädtern gegen Dortmund noch gefehlt hatte, die Basis für die Wende. Die Geschehnisse im Überblick:

  • Ingolstadts veränderte Grundordnung stellte den FC Augsburg in den ersten Minuten vor Probleme bis die Schwaben über das Bespielen der Flügelzonen Wege ins Übergangsspiel fanden und die Partie zu Beginn der ersten Halbzeit dominierten.
  • Die Umstellung der Grundordnung nach dem Augsburger Führungstreffer auf das bewährte 4-3-3-Schema bei den Ingolstädtern verlieh den Schanzern mehr defensive Stabilität und führte dazu, dass die Partie kippte.
  • Die wenigen Anpassungen während der restlichen Partie auf beiden Seiten veränderten die grundsätzliche Spieldynamik nicht mehr.

Ingolstadt mit und gegen den Ball zunächst in Rauteformation

Aufstellungen und Offensivmuster zu Spielbeginn.

Aufstellungen und Offensivmuster zu Spielbeginn.

Die Ingolstädter begannen die Partie gegen die Augsburger in einer 4-3-1-2-Grundordnung. Während Lezcano und Hartmann die Doppelsitze bildeten, agierte Leckie als beweglicher Zehner hinter den beiden. In der Offensive nutzten die Schanzer simple Flügelangriffe und einen Fokus auf die rechte Seite sowie das gewohnte Spiel auf zweite Bälle.

Auch in der Defensive blieb die 4-3-1-2-Grundordnung erhalten. Dabei orientierten sich Hartmann und Lezcano nicht aneinander, sondern an ihren direkten Gegenspielern Klavan und Hong, die von den beiden ab den ersten Aufbaumomenten angelaufen wurden. Dahinter sicherte Leckie die Schnittstelle zwischen den Stürmern, um ein Überspielen des ersten Pressingwalls durch Vertikalbälle auf die Augsburger Sechser zu verhindern. Erzwungen werden sollte Bälle auf die gegnerischen Außenverteidiger, die dann von den im Pressing weit herausrückenden Ingolstädter Achtern Groß und Christiansen unter Druck gesetzt wurden. Ziel war es die gegnerischen Angriffe bereits in dieser Phase auf den Flügel festzudrücken, mannschaftlich geschlossen nachzurücken und dort Balleroberungen zu erzielen. Das funktionierte in den ersten Minuten recht passabel – problematisch wurde es allerdings, wenn sich die Augsburger aus diesen Situationen befreien und die Angriffe neu aufbauen konnten. Dann nämlich verloren die Ingolstädter in Folge der weiten Herausrückbewegungen die Ordnung und hatten Probleme dabei sich geordnet in die Strafraumverteidigung zurückzuziehen.

Augsburg simpel und flügellastig / Passende Ausrichtung im Pressing

Die Augsburger hatten zu Beginn der Partie zunächst Mühe sich auf das Ingolstädter Pressing einzustellen. Die tiefen Rollen der beiden Sechser und der Außenverteidiger waren diesbezüglich wenig passend. Vor allem Kohr und Koo konnten im Aufbau wenig unterstützend agieren, weil sie sich stets ihren direkten Gegenspielern gegenübersahen, kaum freie Sichtfelder hatten und darüber hinaus in ungünstigen Abständen zur ersten Aufbaulinie agierten. Ji, der eine lineare und die Offensive unterstützende Rolle auf der Zehnerposition bekleidete, konnte ebenfalls kaum als Anbindungsspieler für die restliche Offensive fungieren – auch er hatte mit Roger einen direkten Gegenspieler und verschwand oft im Deckungschatten der Ingolstädter Achter, die zentrale Schnittstellen gut abzudecken wussten.

Nach etwa zehn Minuten gelang es den Augsburgern die Ingolstädter Probleme bzgl. des Nachrückens im Pressing durch eine verbesserte Ballzirkulation in den ersten Aufbaulinien geschickter zu bespielen. Klavan und Hong agierten von nun an hin und wieder aufrückend und weite Verschiebebewegungen der Ingolstädter nutzte man bewusst aus, um mit Verlagerungen dagegen anzuspielen. Anschließend versuchte man über einfache und linear gespielte Flügelangriffe zum Erfolg zu kommen – was beim Führungstreffer von Stafylidis in der 14. Spielminute auch gelang.

Gegen den Ball war die 4-4-1-1- / 4-4-2-Grundordnung passend zum Gegner gewählt und wurde auch entsprechend interpretiert. In höheren Zonen erlaubte sie es Bobadilla Hübner und Matip anzulaufen, das Spiel auf eine Seite zu lenken und beide voneinander zu trennen, ohne dass der restliche Mannschaftsverbund hätte mit aufrücken müssen. So lief man eigentlich nie Gefahr, die Kompaktheit im Mitteldrittel zu verlieren. Das war insbesondere deshalb wichtig, weil die Ingolstädter im Aufbau viel mit langen Bällen arbeiteten. Darüber hinaus bot die Grundordnung, die in Situationen, in denen Ingolstadt nicht lang eröffnete, durch die nach vorne geschobenen Flügelspieler oftmals einem 4-2-2-2 ähnelte, eine solide Grundkompaktheit in zentralen Räumen. Wichtiger war aber, dass man die Schnittstellen zwischen den Stürmern und den Flügelspielern einfach kontrollieren konnte, ohne allzu aktiv agieren zu müssen.

Back to the roots: Ingolstadt wieder im 4-3-3

Wenige Zeit nach dem Führungstreffer der Augsburger änderte Hasenhüttl die Grundordnung und ließ die Schanzer ab etwa der Mitte der ersten Halbzeit im gewohnten 4-3-3-Schema auftreten. Leckie und Hartmann rückten auf die Flügel, wechselten aber immer wieder die Positionen, während Lezcano als alleiniger Stürmer im Sturmzentrum agierte. Die Umstellung wirkte sich vor allem auf die Stabilität im Spiel gegen den Ball aus: Aufgrund der besseren Breitenstafflung im zweiten Drittel durch die veränderte Staffelung in den ersten Linien konnten die Ingolstädter die Breite des Platzes besser kontrollieren. Darüber hinaus war es so möglich, sowohl phasenweise ins Angriffspressing zu schieben, als auch vermehrt kompakte 4-1-4-1-Staffelungen in der eigenen Endverteidigung zu nutzen. Diese zeichneten sich durch eine hohe Grundkompaktheit aus. Durch die nach vorne geschobenen Achter hatte man zudem immer wieder die Möglichkeit störend auf die Augsburger Akteure herauszurücken.

Zweite Halbzeit

Beide Mannschaften kamen wenig bis kaum verändert aus der Kabine. Erst nach dem Ausgleichstreffer durch Matip im Anschluss an eine Ecke reagierten die beiden Trainer in personeller Hinsicht – ohne dabei taktische Grundmuster zu ändern. Weinzierl brachte mit Moravek für Ji einen kombinationsstärkeren Spielertypen für die Zehnerposition, während Hasenhüttl Christiansen mit Morales ebenfalls positionsgetreu ersetzte. In der 70. Spielminute kam dann Finnbogason auf Augsburger Seite zu seinem Bundesligadebüt. Während der Finne ins Sturmzentrum rückte, ging Bobadilla auf die rechte Flügelposition. Von seiner grundsätzlich eingerückten Position stieß er aus einer leicht hängenden Rolle entweder in die Spitze nach oder zeigte diagonale Tempoläufe auf den rechten Flügel, um Passwege in die Tiefe im rechten Halbraum zu öffnen. Unterstützt wurde er dabei vom hohen Verhaegh, der beständig für Breite im zweiten Drittel sorgte. Gegen die solide Strafraumverteidigung der Schanzer, die sich gegen Ende des Spiels auf schnelle Umschaltaktionen fokussierten, waren diese Abläufe aber wenig erfolgreich und mündeten häufig in Flanken.

Zum Ende der Partie kam dann auf Augsburger Seite noch Feulner für Bobadilla. Bei den Schanzern ersetzten Multhaup und Hinterseer Hartmann und Lezcano.

Fazit

Dass die Partie nicht Unentschieden endete – was man als neutraler Zuschauer durchaus als verdient hätte bezeichnen können – lag daran, dass Schiedsrichter Weiner einen Zweikampf zwischen Moravek und Groß kurz vor Spielende als Foul zugunsten des Ingolstädters wertete. Dass die Szene dabei ähnlich strittig war, wie das Foul von Mats Hummels gegen Lezcano im Spiel gegen den BVB, dürfte die Ingolstädter wenig stören, die Augsburger hingegen umso mehr: Moritz Hartmann ließ sich die Möglichkeit auf seinen fünften Saisontreffer nämlich nicht entgehen und verwandelte den fälligen Strafstoß zum 2:1-Siegtreffer.

Yilde 9. Februar 2016 um 17:01

Kleine Anmerkung: Der Strafstoß war die Folge eines Zweikampfes von Moravek, nicht Hong 😉
Danke aber für die Analyse, ich freue mich immer wenn ihr etwas über den Fca schreibt

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RT 9. Februar 2016 um 18:17

Ohje…ich glaub ich schaff’s nie mehr nen fehlerfreien Artikel hochzuladen. Aber danke für den Hinweis 😉

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felixander 9. Februar 2016 um 09:31

Vielen Dank für die Analyse!

Meinst du, dieser Pressing-Ansatz von Ingolstadt hat Perspektive? Für die erste Saison hat es ja immerhin gereicht, dass man mit dem Abstieg relativ wenig zu tun hat. Kann das in der nächsten Saison so weitergehen? Oder wohin sollte man sich – auch kader-technisch – entwickeln?

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RT 9. Februar 2016 um 18:26

Jo, denke ich schon. Bei den Ingolstädtern beeindruckt zum einen die Konsequenz mit der sie ihren Stil durchdrücken und zum anderen auch die Ausbildung der Spieler (in mannschafts-, gruppen- und individualtaktischer Hinsicht). Es ist ja auch kein so typischer Underdogfußball mit „Ich kann nur kontern und stell mich sonst hinten rein“, sondern eher: „Ich kann kein Ballbesitz, aber Bolzen, zweite Bälle und Pressing kann ich…und jetzt schau mal, was dir einfällt.“ Im Podcast kam’s mal zur Sprache: Die Konsequenz von diesem Spielstil ist halt wenig Durchschlagskraft, aber dafür halt beständiger defensiver Qualitätsfußball und vor allem auch wenige Einflussmöglichkeiten in taktischer Hinsicht von gegnerischer Seite.

Da kann man in den nächsten Jahren auch noch was machen was Verbesserungen angeht…weitere Varianten im Pressing, größere Gegneranpassungen als bisher, Ballbesitz verbessern (um mal zu locken oder auch mehr)…und man muss dann natürlich gucken, was man spielermäßig noch machen kann. Lezcano war da schon ein wichtiger Punkt, der bringt halt nochmal mehr Qualität und bisschen andere Aspekte rein.

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Koom 9. Februar 2016 um 19:07

In der Grundidee also ein ähnlicher Ansatz wie Klopps Meisterdortmunder?

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felixander 9. Februar 2016 um 20:50

Besten Dank für deine Antwort, RT.

Es ist schon ein spannendes Projekt, das die da spätestens mit Hasenhüttl begonnen haben. Vor allem, da sie nicht blind Audi-Millionen verbraten, sondern Schritt für Schritt das Beste aus noch einigermaßen überschaubaren Mitteln machen. Ist nur nicht der ideale Fußball, um auch das noch jungfräuliche Umfeld zu mobilisieren.

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