Fünf Spotlights der Eredivisie-Hinrunde

Überraschungsteams, verschiedene Krisen, unglückliche Aufsteiger und ein Trio an der Spitze, das sich absetzte – die Hinrunde der Eredivisie und die sich daraus ergebende Tabellenlage boten zahlreiche Auffälligkeiten, die geradezu nach analytischer Betrachtung rufen.

Dieser Artikel behandelt fünf beleuchtenswerte Aspekte, Phänomene oder Teams aus der abgelaufenen Hinrunde der aktuellen Eredivisie-Saison. Das können konkret einzelne Mannschaften und deren Besonderheiten – in einer Krise, einer guten Phase o.ä. – sein, aber ebenso allgemeine, übergreifende Erscheinungen, unter denen sich mehrere Teams fassen lassen. Die Texte zu den jeweiligen fünf Spotlights können natürlich alle unabhängig voneinander gelesen werden, hier eine Übersicht:

  • Die Großen Drei im Gleichschritt
  • De Graafschaps Punktlosigkeit
  • Twentes tiefe Krise
  • Rodas Raute
  • Zwei weiträumige Überraschungsteams

Die Großen Drei im Gleichschritt

Auch wenn in den vergangenen Jahren immer mal einzelne Teams, speziell AZ und Twente, etwas konsequenter in diese Vormachtstellung eindringen konnten: Grundsätzlich sind die drei dominierenden Giganten des niederländischen Vereinsfußballs Ajax, Feyenoord und PSV. In dieser Spielzeit gibt es den Fall, dass das Trio diese Ansprüche sehr nachdrücklich untermauern kann. Im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit leistet sich keiner der drei eine Schwächephase, sondern sie punkten sehr konstant im Gleichschritt – oft auch mit klaren Einzelresultaten – und setzen sich an der Spitze deutlich ab.

(Frei) Einrückende Außenstürmer

Möglicherweise kann man den überlegenen Meistertitel der PSV aus der vergangenen Saison als kleine Inspirationsquelle für das Trio ansehen. Insgesamt ergibt sich mittlerweile für alle drei Mannschaften – auch wenn im Detail der Ausführung, der strategischen Anlage oder stilistischen Gesichtspunkten viele Unterschiede vorliegen – ein ähnliches Grundmuster. So werden aus dem 4-3-3 heraus die Flügeldribbler sowohl stärker und systematischer fokussiert als auch einzelne Freirollen verteilt. Bei Ajax ist dieser Punkt noch am wenigsten auffällig und asymmetrisch, wenngleich Fischer bzw. Younes oft einrücken.

Der Titelverteidiger aus Eindhoven setzte vor allem in der zweiten Hinrundenhälfte auf das Wechselspiel zwischen den attackierenden Bewegungsmustern Locadias auf links und dem Zurückfallen Luuk de Jongs. Zuvor war der Linksaußen einrückend ausgerichtet – entweder in Form von längeren Diagonalläufen Lestiennes in verschiedenen Höhen oder durch das klar auf Überladungen getrimmte Unterstützen Gastón Pereiros, der seine ruhige, ballhaltende Präsenz einsetzte. Bei Feyenoord verlässt Dirk Kuyt häufig den rechten Flügel, um die Strafraumpräsenz zu stärken oder Raum für Ausweichbewegungen zu öffnen.

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Tor der PSV beim CL-Heimsieg gegen Wolfsburg

Komplettes, bewegungsreiches, seitliches Mittelfeldspiel

spotlights eredivisie winter 2015-16 feyenoordIm Team von Giovanni von Bronckhorst sind die umtriebigen El Ahmadi und Gustafson in ihrer weiträumigen Einbindung darauf fokussiert, diese Zonen – gerade, wenn zudem Löcher gegen Mannorientierungen aufgehen – zu attackieren. Insgesamt stellt ein bewegliches, vielseitiges und teils rotierendes Mittelfeld einen entscheidenden Schlüssel für den Erfolg der drei großen Teams dar, die hier eine wichtige Gemeinsamkeit haben. Die Großen machen das, was den guten Kleineren zuletzt oft Erfolg brachte. Die PSV hat mit den herauskippenden und aufrückenden Momenten durch Guardado oder Hendrix als Sechser ein bedeutendes Element des Vorjahreserfolgs bewahrt.

Auch bei Ajax tummeln sich mit Bazoer, Klaassen, Serero, Nachwuchsmann van de Beek und Neuzugang Gudelj zahlreiche sehr komplette Mittelfeldakteure, die – wie ihre Pendants bei Feyenoord und PSV – viel Raum covern können. Auch die tiefsten Spieler bewegen sich viel, rochieren auf die Seite und öffnen Raum. Teilweise verwischt die konkrete Rollenverteilung bei diesen kreiselnden Bewegungen, aber durch die bewusste und kollektive Einbindung der teils auch mal unsauberen Flexibilität kann das zur Stärke werden. Letztlich gab es bei Ajax fast immer genug zuarbeitenden Einsatz und gleichzeitig genug Aktivität im Zentrum.

spotlights eredivisie winter 2015-16 ajax raumfinden

Hier ein besonders deutliches und auch schon viel tornäheres Beispiel für das Raumfinden: Ajax zirkuliert lange hinten und zeigt, wie bei Gudeljs Bewegungsverlauf zu sehen, zahlreiche Rochaden, um aktiv Raum öffnen und finden zu können. Schließlich ergibt sich die Möglichkeit zum entscheidenden Moment: Bazoer weicht in typischer Art nach außen aus, wird durch Veltmans kluges Dribbling gegen das anlaufende Herausrücken El Ahmadis frei und erhält den Ball seitlich. Durch Vejijnovic´ schnelles Nachschieben kann kein sofortiger Gefahrenübergang entstehen. Problematisch ist bei diesen zahlreichen Bewegungen Ajax´ gelegentlich, dass teilweise alle Mittelfeldakteure in breite Bereiche ziehen und dadurch insbesondere der Sechserraum unbesetzt wird. Durch die von Tete abgesicherten Andribbelaktionen der Innenverteidiger, wie auch hier angedeutet, kann das zwar teilweise aufgefangen werden und soll mitunter auch die Gegner leichter zu unbedachtem Herausrücken locken, ist aber nicht immer ideal.

Sie zirkulierten hinten, bis sich durch diese vielseitigen Bewegungen gegen die gegnerischen Mannorientierungen irgendwo eine Lücke auftat, aus der heraus sie das Spiel nach vorne tragen, überraschend attackieren oder die individuelle Klasse einsetzen konnten. So tauchten Bazoer und Co. viel häufiger und konsequenter in Ausweichräumen auf, fiel mal ein Angreifer zurück, unterstützte Klaassen fokussierter im letzten Drittel ballnahe Aktionen der Stürmer. Gerade seine Ablagenkombinationen mit Milik und Fischer in den Halbräumen – oft nach direkten Vertikalpässen – waren sehenswert und taktisch stabil eingebunden.

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Das schön herausgespielte Tor zum 4:1 beim Heimsieg gegen Heerenveen

Durchschlagskraft erzwingen

Bei den Veränderungen im Bewegungsspiel wurden auch lange Bälle in Freiräume und Schnellangriffe effektiver, die Ajax zudem entscheidungsstärker einsetzte und ihnen viele ihrer Treffer brachte. Letztlich organisierte der Rekordmeister das Aufrücken nach vorne durch die bewusst eingebaute Spontanität wirksamer. Davon ausgehend konnten sie trotz gewisser Unsauberkeit mit einigen konkreten Veränderungen wie der Dribblingeinbindung, den Mittelfeldrollen oder dem Klaassen-Support sehr oft Durchschlagskraft gegen einen bereits im Rückzugsmoment etwas unorganisierten Gegner erzwingen. Das ist etwas, das die PSV im Vorjahr und oft auch Feyenoord sehr gut konnten.

Von diesen beiden Meisterschaftskonkurrenten hob sich Ajax bisher durch die Nutzung einer 3-4-3-Alternativformation neben ihrem Grund-4-2-1-3 ein wenig ab. Auch wenn aus der Viererkette schon oft gute Dreierkettenstaffelungen im Aufbau wurden, konnte das 3-4-3 die offensive Vielseitigkeit und Durchschlagskrafterzwingung teilweise nochmals steigern. Einschränkend muss man hierzu aber sagen, dass im Falle der Amsterdamer ihre Spielweise vor allem gegen schwächere Teams sehr gut funktionierte und sie daher entsprechend gerade die Mannschaften aus den unteren sowie auch mittleren Tabellenregionen sehr zuverlässig besiegten – aber eben auch viel zuverlässiger, als noch ein Jahr zuvor.

Ajax zugriffsstärker und balancierter

Führt man diesen Vergleich fort, fällt weiterhin auf, dass die Amsterdamer sich besonders im Bereich der Zugriffserzeugung verbessert haben. Das war gegen den Ball über Phasen der Vorsaison ein größeres Problem – nicht immer nur allein für die Stabilität, sondern auch, um Spielen entscheidend den eigenen Stempel aufdrücken zu können. Eine erste Verbesserung hat Ajax im gruppentaktischen Verhalten und der mannschaftlichen Aktivität, eine zweite in Sachen zentrale Kohärenz erreicht: Im 4-4-2-Pressing agieren die vordersten Spieler kompakter zusammen, bei 4-3-3-Phasen die zwar weiterhin lose mannorientierten, aber generell effektiver herausrückenden Mittelfeldakteure.

Daneben lässt sich eine dritte größere Verbesserung beobachten: in Sachen horizontaler Kompaktheit. In vielen Partien rückten die beiden Außenstürmer, gerade der linke, bei Möglichkeit viel weiter und unterstützender ins Zentrum ein, um dort den Raum zu verdichten und bei situativen Zugriffsmöglichkeiten zu helfen. Auch diagonale Pressingbewegungen waren besser. In Verbindung mit den Bewegungen des Mittelfelds hat das Ajax geholfen, einfacher Druck machen zu können. Auch Feyenoord konnte verschiedene Pressing-Aufrückmechanismen aus intensiven 4-2-3-1- und 4-3-3-Staffelungen in der Qualität steigern.

Damit „schlossen“ sie ebenso zu den guten, in engen Staffelungen Defensivmomenten der PSV auf, die damit letzte Saison bereits konstanter einzelne gute Partien ablieferte. In Bezug auf die Defensivarbeit zeigte sich Ajax insgesamt von den dreien in der Balance und Absicherung der Mannorientierungen nun am stärksten und kassierte klar weniger Gegentore, was ihre knappe Spitzenposition erneut rechtfertigt. Dass sie sich in Sachen Konstanz gegenüber der teils an Zugriff mangelnden Vorsaison so sehr steigerten, hat auch noch andere Gründe. Personelle und psychologische Aspekte sind unter anderem mit einzubeziehen.

Ebenso könnte man anfügen, dass sie im Mittel etwas mehr Glück mit frühen Führungstreffern, Standardtoren in kritischen Phasen oder passenden Spielverläufen haben, was die Dynamik von Partien zu den eigenen Gunsten ändern, positive Punkte stärker machen und Schwächen überdecken kann. Gelegentlich galten vergleichbare Argumente auch für die beiden anderen Teams, wenngleich gerade die PSV mit Last-Minute-Gegentreffern sogar etwas Pech hatte und Punkte  verlor. Eventuell könnte Feyenoord später etwas abfallen, doch alles in allem scheint es darauf hinauszulaufen, dass der Dreikampf lange knapp bleiben wird.

De Graafschaps Punktlosigkeit

spotlights eredivisie winter 2015-16 de graafschapWenn man die Eredivisie-Geschichte von De Graafschap als bisher nicht besonders erfolgreich einstuft, dürfte man nicht ganz falsch liegen. In der aktuellen Spielzeit scheinen sie – trotz zuletzt verbesserter Leistungen – ein eher trauriges Kapitel hinzuzufügen. An den ersten 13 Spieltagen erreichte die Mannschaft von Trainer Jan Vreman nur zwei enttäuschende Punkte und auf den ersten Sieg musste sie bis zum 27. November warten, als man mit einem Last-Minute-Freistoß die Abstiegspartie gegen Cambuur gewann. Oft machte man mit gelegentlichen Slapstick-Momenten oder mal spektakulär torreichen Begegnungen von sich reden.

Auf den ersten Blick mag De Graafschap einfach wie der hoffnungslos unterlegene Aufsteiger wirken, aber ganz so leicht ist die Frage, warum sie tatsächlich fast jedes Spiel verloren, doch nicht zu beantworten. So schwach wie die Bilanz von fünf Punkten präsentierten sich die „Zebras“ letztlich nicht und in manchen Momenten hatten sie auch etwas Pech, gerieten durch einzelne haarsträubende Aussetzer mehrmals unnötig ins Hintertreffen. Schließlich muss als weitere Vorbemerkung auf die geringe individuelle Klasse der Mannschaft verwiesen werden, die als eines der wenigen Eredivisie-Teams ein wirklich klares 4-4-2 praktiziert.

Aggressives 4-4-2/4-1-3-2 mit Mechanismen

In seiner insgesamt etwas chaotisch anmutenden Interpretation ähnelt die Formation des Aufsteigers oft sogar eher einem 4-1-3-2. Bei eigenem Ballbesitz sorgen sie darin für  viel Bewegung, zahlreiche Rochaden und Läufe in die Spitze. Diese Fluidität ist oftmals sehr unkontrolliert und führt vor allem zu hoher Präsenz in den vorderen Offensivräumen. Die Ballzirkulation wird teilweise vom verbleibenden Sechser allein geschultert und bisweilen enorm attackierend wie weitgreifend ausgeführt. Primär verteilt er die Bälle auf die Flügel, gelegentlich gibt es auch direkte Zuspiele in den Zwischenlinienraum. Vereinzelte Ausweich- oder Herauskippbewegungen sollen Raum für Pässe der Kollegen dorthin öffnen.

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Hypothetisches Bespiel für Bewegungsmechanismen nach einem vertikalen Direktpass aus der Innenverteidigung

In solchen Fällen wird der Zwischenlinienraum also meist von den Innenverteidigern mit schnellen Direktpässen bedient. Dabei nutzt der Aufsteiger zunehmend klarer werdende Mechanismen, um diese Zone zu fluten: Einer der Angreifer legt ab, der andere sorgt für das Ausweichen, von den Offensivspielern gibt es aggressives Nachrücken in die angespielte Zone, gegebenenfalls ergänzt um verschiedene Horizontalläufe. Dieses mutige Vorgehen, die Masse und Weiträumigkeit der Bewegungen, die teils ordentliche Abstimmung der Mechanismen und Aggressivität in Flügelangriffen bringen De Graafschap zwischendurch immer mal gefährliche Szenen oder – bei guter Gegenpressingnutzung – starke Phasen.

So schenkten sie beispielsweise Meister PSV drei Treffer ein und kamen selbst in schwierigen Auswärtspartien wie bei Ajax fast immer zu ihrem Grundwert von über 14 Abschlüssen, dem siebtbesten Durchschnitt der Eredivisie. Gelegentlich fällt einer der beiden Flügel diagonal zurück, einer der Angreifer – vor allem Peters oder Vermeij – bewegt sich für kurze Ablagen in die Tiefe oder weicht sehr aufwändig und attackierend auf die Seiten aus, um Sprints zur Grundlinie oder Präsenz nahe der Seitenlinie für die Flügelangriffe zu geben. Demgegenüber fokussiert sich Kabasele – oder zuletzt El Jebli – stärker auf Dribblings und gruppentaktische lokale Aktionen.

Lange Bälle und Flankenpräsenz

spotlights eredivisie winter 2015-16 de graafschap letzte linie

Der Sechser schultert den Aufbau alleine und leitet einen der präsenten Flügelangriffe des Teams ein. Der ballnahe Mittelstürmer rochiert in Richtung Grundlinie, der vordere Mittelfeldmann rückt vor und ballfern verstärkt der Außenverteidiger die letzte Linie.

Der offensive Fokus des Teams auf Präsenz schlägt sich auch in der häufigen Nutzung langer Bälle nieder, die ohnehin bei schwächeren Eredivisie-Teams häufig zum Repertoire gehören. Speziell die beiden Innenverteidiger bringen solche Zuspiele – in Richtung eines Flügels – an, um die sich die vorderen Akteure recht gut zusammenziehen. Das Ausweichen der Stürmer und das Einrücken eines Außenspielers sind erneut wichtig. Die langen Bälle gehen also genau in das engagierte Movement hinein, das seine Unsauberkeit in diesen Szenen kompensieren kann. Hinter die letzte Linie auf nachstoßende Läufe durchrutschende Bälle waren immer mal gefährlich.

Alles in allem muss man zu den Offensivversuchen des Aufsteigers jedoch sagen, dass diese Präsenzorientierung schon auch etwas plump ist. Stärker als bei den langen Bällen zeigen dies die Flügelangriffe des Teams. In Strafraumnähe wird die letzte Linie häufig sogar durch Aufrückbewegungen des ballfernen Außenverteidigers in Richtung zweiter Pfosten aufgefüllt. Bei Flanken oder Hereingaben sorgt das für zusätzliche Präsenz, ermöglicht das Aufsammeln durchrutschender Bälle und gibt den Kollegen noch mehr Bewegungsfreiheit. Allerdings leidet die Absicherung gegen Konter erheblich und auch die Unterstützung im Sechserraum gegen gute Pressingmechanismen des Gegners wirkt instabil.

Pressingvariationen zwischen wackeliger Absicherung und wackeligem Zugriff

Manchmal schiebt zwar einer der beiden Außenspieler asymmetrisch absichernd raumfüllend etwas ein, doch kann dies die grundsätzlichen Tendenzen zur Instabilität nicht überdecken. Zwischendurch tun sich also gerade im Zentrum größere Räume auf, die in sämtlichen Spielphasen – wenngleich in den letzten Partien vor der Winterpause hier eine allgemeingültige Steigerung bezüglich Kompaktheit und Kohärenz ersichtlich war – aufscheinen können. So führt das 4-1-3-2 beispielsweise in der Defensivarbeit des hinteren Drittels zu Lücken im Bereich des Rückraums.

Während das Verhalten der Abwehrkette im Verschieben auch zu Saisonbeginn einige mehr als solide Phasen hatte, gab es in der Mittelfeldreihe überhaupt lange Zeit Probleme. Der einzige Sechser ließ sich oft unstrukturiert bis nach hinten drücken, sein höherer Partner bewegte sich losgelöst teilweise im Nirgendwo. So gab es nicht nur große Löcher zwischen den beiden, sondern auch horizontal in der Verbindung zu den nach außen schiebenden Flügelspielern. Mit aggressiveren Heraus- und entsprechenden Nachrückbewegungen konnten jene Problematiken zeitweise etwas zugeschoben und improvisiert übertüncht werden.

Manchmal gibt es im Pressing sogar breite 4-1-0-2-3-hafte Staffelungen, wenn Smeets gegen Herauskippbewegungen der gegnerischen Mannschaft sich seitlich an die beiden Stürmer anfügt, oder eng ballseitig verschobene 4-1-3-2/4-1-4-1-Anordnungen. Letztere sind eigentlich recht gut und gehören zu den besten Momenten des Teams in der Arbeit gegen den Ball. Der zentrale Offensivspieler rückt dabei engagiert helfend in ballnahen Umgebungen heraus, was der ballferne Stürmer mit vermehrtem Zurückfallen auffangen soll. Durch ihre teils lasche und gruppentaktisch zu unfokussierte Ausführung erzeugen sie aber trotz der potentiell guten Situationskompaktheit aber nicht immer genug Zugriffsaktivität.

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Szene aus dem Spiel gegen die nur noch zu Zehnt spielende Mannschaft Twentes: Aggressives Nachrücken im 4-1-3-2, indem der zentrale Mittelfeldmann außen mit ins Pressing geht. Im Gegenzug gibt es ballferne Zurückfallbewegungen. Dies war eine der besten Defensivszenen De Graafschaps.

Steigerung zum Rückrundenende

So konnten sich die Gegner zu oft noch aus diesen Szenen heraus lösen. In vielen Partien der ersten Hinrundenhälfte wurde im Anschluss die suboptimale Aufmerksamkeit De Graafschaps in der Rückzugsbewegung aufgedeckt. Dies hat sich mittlerweile deutlich verbessert: Im Zurückziehen zeigt der Aufsteiger viel mehr Engagement, doppelt deutlich schneller und konsequenter am Flügel, führt die Staffelungen gleichmäßiger aus und nutzt die Möglichkeiten der 4-1-3-Anordnungen klüger. Alles in allem kommen sie so nun zu einigen gut organisierten Szenen im Abwehrpressing aus einem 4-1-3-Ansatz oder einem solidem 4-4-Block heraus.

Das macht nun zwar Mut, doch dürfte diese Steigerung vermutlich nicht groß genug ausfallen. Da De Graafschap mittlerweile auch schon viel Rückstand hat, sieht es mit dem Klassenerhalt schlecht aus. Eventuell könnte ihnen zugutekommen, dass man in der Eredivisie auch mit Rang 17 noch in die Relegations-Play-Offs darf – vielleicht gelingt das mit viel Glück. Auch wenn sie im Durchschnitt den niedrigsten Ballbesitz der Liga haben und sich in manchen Phasen auch mal weit zurückdrängen lassen, sind sie – so viel sei angemerkt – in ihrem einsamen Abstiegskampf insgesamt aber keine wirklich destruktive Mannschaft.

Twentes tiefe Krise

spotlights eredivisie winter 2015-16 twenteWie schon in der Rückrunde der Vorsaison handelt es sich bei der angespannten Situation bei FC Twente – mittlerweile noch gravierender als zuvor – um eine schwierige Problemlage und einen der verzwicktesten Fälle der Liga. Nach der Hinrunde sind sie Vorletzter. Diverse Faktoren spielen eine Rolle, Inkonstanz auf mehreren Ebenen ebenfalls. Einschränkend muss man zunächst sagen, dass die individuelle Qualität der aktuellen Mannschaft – besonders aufgrund der vereinsstrukturellen und finanziellen Schwierigkeiten – nicht mehr auf jenem Level ist, wie noch aus den recht erfolgreichen Vorjahren gewohnt.

Da allerdings ein Mittelfeldplatz auch mit dieser Gruppe realistisch sein sollte, lässt sich dennoch eine Underperformance bei den „Tukkers“ feststellen. Weiterhin gehört zur Wahrheit dazu, dass die Mannschaft von Trainer René Hake in einigen Partien immer mal ein wenig Pech mit dem Spielverlauf hatte – unglückliche Gegentore beispielsweise nach Standards in ungünstigen Momenten, seltsame individuelle Unsicherheiten im eigenen Strafraum, usw. Das verstärkt die vorhandenen taktischen Probleme oft nochmals, bringt das Team in die Bredouille und in kritische Situationen, die jene Schwierigkeiten betonen.

Unter seinem Vorgänger Alfred Schreuder agierte Twente in einigen Phasen weniger mannorientiert in der Grundausrichtung, als es bei vielen Ligakonkurrenten der Fall ist. In der 4-4-1-1/4-4-2/4-2-1-3-haften Grundformation mit teils guter Horizontalkompaktheit versuchte Hake dies zumindest teilweise fortzusetzen – Mannorientierungen sind nicht ganz so klar und häufig wie anderswo, aber vorhanden. Ein erstes Problem liegt in den zu großen vertikalen Anschlusslücken zwischen der Mittelfeldreihe und den vorderen Akteuren, die teils nachlässig seitlich nach außen nachschieben und zu isoliert versetzt zum restlichen Block agieren.

Zugriffsnachlässigkeiten und gewisse „Kinderkrankheiten“

Dem ersten Zugriff kann sich der Gegner somit oft über den Flügel entziehen, dann etwas aufrücken und entweder weiterspielen oder quer in die Zwischenlücken hinter den Angreifern eindringen, um die Szenen von dort weiterzuentwickeln. Daraus speisen sich weitere Folgeschwierigkeiten bzw. sie fallen stärker auf. Aufgrund gewisser gruppentaktischer Unsauberkeiten haben die „Tukkers“ beispielsweise Probleme mit der Zugriffssuche im richtigen Moment. Teilweise scheint gar das Zugriffsbewusstsein in einem im zweiten Drittel weitgehend gleichförmigen Defensivrhythmus zu fehlen.

Das führt dann dazu, dass sie günstige Situationen verschwenden, oder aus eigentlich stabilen Szenen heraus sich von individuellen Aktionen überraschen lassen, das Potential der größeren kollektiven Staffelung nicht nutzen, sondern zu individualisiert denken. Das gibt dem Gegner weitere Aufrückmöglichkeiten und führt häufig dazu, dass die letzte Linie, die Viererkette entblößt, wird. Diese macht Twente große Probleme, was sich schon in grundlegenden Punkten wie der Orientierung der Innenverteidiger – auch wegen der etwas unstrukturiertenm breiten Rollen der Sechser – oder den Abständen innerhalb der Abwehr niederschlägt.

Dies ist mitbedingt durch die an einigen Stellen verbliebenen Mannorientierungen vor allem der Außenverteidiger, die vereinzelte Zwischenlöcher öffnen. Zuweilen werden die Zuordnungen bis in den Strafraum fortgeführt, was die Endverteidigung destabilisieren kann. Andererseits ist das tief helfende Doppeln der Außenstürmer nur inkonstant ausgeprägt, was die Hintermänner in schwierige Situationen bringt. Gerade auf diesen Positionen müssen die personell gebeutelten Enscheder häufig auf Nachwuchsspieler setzen, die einen teils undankbaren Job in der Defensivabteilung zu verrichten haben.

Insgesamt lässt sich zum Zusammenhang der verschiedenen Problembereiche sagen, dass die eher passive, situativ etwas unsicher herausrückende Spielweise der Innenverteidiger mit den teils ungestümen Außenverteidigern nicht allzu harmonisch zusammengeht. Problematisch ist zudem die oft zu breite Staffelung zwischen den recht weiträumigen Sechsern, die sich somit nicht immer gut genug unterstützen können. Auch wenn Twente mal zu kompakteren, saubereren Defensivphasen mit mehr Stabilität in den Abläufen kommt, macht ihnen diese Systemproblematik zu schaffen, schürt kleinere Löcher und trägt dazu bei, dass sie auch bei eigentlich gut aussehenden Szenen noch anfällig sein können.

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Szene aus dem Spiel gegen Excelsior: Zu große Breitenabstände zwischen den Sechsern und zu große Vertikalabstände der beiden losgelösten und bereits überspielten Stürmer zum hinteren Block.

Absicherungsprobleme mit weiträumigen Sechsern

Zudem setzte es mehrere der bereits 41 Gegentore nach gegnerischen Konterangriffen, gegen die Twente nicht gut genug abgesichert ist. So erschweren die genannten linientaktischen Schwachstellen in der Koordinationsarbeit der Abwehrkette die Restverteidigung erheblich. Das ist besonders problematisch, da diese aufgrund eines suboptimalen Gegenpressings auch tatsächlich recht oft gefordert wird. Die mäßige Stabilität bei eigenen Ballverlusten wiederum hängt mit den teils breiten Staffelungen der Sturmreihe und vor allem der suboptimalen Absicherung im defensiven Mittelfeld zusammen.

Insbesondere Mokotjo und Felipe Gutiérrez sind potentiell weiträumig spielstarke und umtriebige Allrounder, die in Kombination aber nur bei sorgfältiger Einbindung gefahrenlos so spielen können. In der Hinrunde ging bei ihren verschiedenen Bewegungen nach vorne und auf die Flügel – gerade durch den Südafrikaner – zu oft die Sicherung im Rücken verloren, so dass sich Lücken im Sechserraum öffnen konnten. Dieses Risiko wurde teilweise durch gut einschiebende Positionierungen der Außenverteidiger aufgefangen, was diese aber nicht stabil und systematisch genug praktizierten, sondern zwischendurch einfach wieder auflösten.

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Beispiel für einen nach außen gehenden Lauf eines Sechsers und problematische Absicherung, falls der Kollege sich zum Auflösen der Szene anzubieten versucht. Es gibt zwar ballferne Einrückbewegungen des Außenverteidigers, die aber dann wieder aufgelöst wird.

Offensiv sorgten die Läufe der Sechser zwar für viel Bewegung und Unterstützung, gerade im Zusammenspiel mit längeren Diagonalrochaden der Flügelspieler auf die andere Seite und darauf aufbauenden raumöffnenden Mechanismen für Schnellangriffe. Allerdings zeigten sich die Aktionsmuster und Läufe letztlich oft auch – nicht unähnlich zur Situation in der Defensivarbeit – zu unstrukturiert. Später blieben bei den angestoßenen Bewegungen zum Strafraum hin die Ansätze mit zu wenigen Folgemechanismen, um durchgehende Gefahr erzeugen zu können.

Die Ziyech-Einbindung

Das Gesicht Twentes ist der offensive Mittelfeldmann Hakim Ziyech, mit dessen Verpflichtung im Sommer 2014 noch ein großer Angriff auf die vordersten Tabellenregionen gestartet werden sollte. Der etwas eigenwillige, aber potentiell sehr effektive, strategisch kreative und kombinationseffiziente Zehner leistet vieles für das aktuell kriselnde Twente. Mannschaftlich hatte man bislang aber Probleme damit, in der Ziyech-Einbindung die Balance zwischen fokussierten und zuarbeitenden Phasen zu finden. Manchmal weicht er etwas nach außen, um Raum zu öffnen oder sich etwas tiefer antreibend die Bälle zu holen.

Zudem fällt er einige Male in zentrale Bereiche zurück, um situativ den Platz der aufrückenden Sechser zu übernehmen und vielleicht einzelne passgebende Aktionen aus der Tiefe zu starten. Insgesamt agiert Ziyech etwas wankelmütig darin, wie bestimmend, präsent und dauerhaft er sich einbindet. In Phasen, in denen sich die Kollegen zu stark auf ihn konzentrieren, sorgt das für allgemeine Instabilität. Teilweise schwächt sich Ziyech mit überengagiertem und zu häufigem Ausweichen zum Ball selbst ein wenig, kann dann später in den entscheidenden Momenten beispielsweise seine Präsenz nicht weiterführen.

Seine ausweichenden Bewegungen wirken in ihrer Auswahl etwas willkürlich, so dass er in Zwischenphasen unpräsent ist – fast schon zu sehr – und sich dadurch auch mal verleiten lässt, in unpassenden Szenen seine Präsenz wieder zu forcieren. Diese zuarbeitende Nutzung ist vor allem für zurückfallende und raumsuchende Bewegungen von Chinedu Ede gedacht, dem Ziyech durch das geschickte Wegziehen mannorientierter Mittelfeldakteure oft auch wichtige Räume öffnen kann. Allerdings blieb seine Rolle in solchen Szenen mit Ede-Fokus zu oft auch auf jenes Zuarbeiten beschränkt.

Unterstützung vor und nach dem Raumöffnen

Zu selten folgte im Anschluss noch  spätere Unterstützungsarbeit in ballnahen Verbindungsräumen. Stattdessen verblieb er oft in den ausgewichenen Positionen, was dann ebenso Probleme macht wie die Phasen, in denen er seine Positionierungen generell etwas zu ausgewichen und ballfern gestaltete. Insgesamt schien Twentes Anlage häufig vor allem darauf fixiert, für einzelne Dribblings, aufrückende Läufe, ballhaltende oder andere individuelle Aktionen der Einzelspieler kleinere Räume zu öffnen – und im ersten Moment machten sie dies mit ihren verschiedenen Bewegungen oft auch klug.

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Zuletzt gab es häufiger solche Szenen mit zu breiter und gestreckter Anordnung der Stürmer bzw. generell der vorderen Spieler

Wenn sie dieses Zwischenziel, jemandem eine einzelne Zwischenlücke zu öffnen, erreicht haben, sind die folgenden Bewegungen jedoch kaum auf die Unterstützung, mögliche Doppelpässe oder Dreiecksaktionen ausgerichtet. Die über den lokalen Raum hinausgehende Hilfe, die beim Herstellen der Szene noch funktioniert hatte, wird zu passiv und unaufmerksam. Dadurch wird der Angriffsprozess entsprechend anfälliger für problematische Entscheidungen, wenn in den falschen Momenten verlagernde Raumwechsel gesucht werden, die zwar Dynamik bringen, aber den Angriff vom Tor weg in problematische Szenen ziehen statt Potentiale um den Ball zu aktivieren.

Das zeigte sich bei Twente bisweilen besonders deutlich und teilweise willkürlich. In diesem Zusammenhang bestand ein weiteres Problem zuletzt in den breiten, stärker stürmerartigen und vor allem wieder unflexibler werdenden Offensivrollen der nominellen Außenspieler. Sie unterstützten weniger, suchten in 4-2-1-3-Tendenzen klarer die seitlichen Zonen und Durchbruchsmöglichkeiten. Die vermehrten Zurückfallbewegungen Ziyechs sorgten in den letzten Partien zwar für mehr Stabilität, festigten andererseits jedoch diese Tendenzen. Gleichzeitig versuchten die Sechser vorsichtiger zu agieren, hielten sich im Aufrücken aber fast zu sehr zurück, weshalb das Mittelfeld in sich oder nach vorne hin etwas zerrissen wurde.

Ein kleiner Ausblick

Schon einige Woche vor der Winterpause wurde immer wieder über einen möglichen Wechsel von Kapitän und Aushängeschild Ziyech, der oft als alleiniger Träger dieser Mannschaft gilt, gesprochen. Bis jetzt hat sich in dieser Hinsicht allerdings noch nichts getan, auch wenn die Zeit bis zum Ende des Transferfensters abgewartet werden sollte. Selbst ohne Ziyech sähe es trotz der ohnehin schon schlechten Tabellenposition für Twente aber nicht ganz so düster aus. Vielmehr gibt es sogar in personeller Hinsicht noch Potential, das Hoffnung machen kann, aus mehreren Gründen.

Zum ersten sind viele junge und entwicklungsfähige Spieler im Kader, für die man den ersten Teil der Saison als Gewöhnung sehen könnte – vielleicht macht der eine oder andere einen entscheidenden Sprung. In der ambivalenten, etwas unbalancierten Anlage Twentes handelt es sich bei einigen der Probleme auch um Nuancen. So könnten schon kleine individuelle Steigerungen oder Entwicklungen mancher Spieler ausreichen, um in den entscheidenden Details und Momenten für einen kleinen Effektivitätsschub zu sorgen, der schon einmal – auch auf Basis einer (noch) nicht erfolgten taktischen „Gesamtgesundung“ – mit einigen Zählern hilft.

Zum zweiten kann Twente auch ohne Ziyech (und ohne den Ghanaer Eghan, der wohl abgegeben werden soll) mit Tapia, Mokotjo und Gutiérrez ein Mittelfeld aufstellen, das vergleichsweise hohe individuelle Qualität vereinigt und selbst für Eredivisie-Verhältnisse sehr spielstark ist. Nur bräuchte es die passende Einbindung durch konsequente Rollenverteilung. An dieser Stelle wird dann die taktische Ausrichtung wieder entscheidend sein, um die Individualität einzusetzen. Es liegt also nun an Hake, der in seiner Interimszeit gut angefangen und einige Ideen eingebracht, aber auch manche Punkte vernachlässigt oder unvorsichtig behandelt hat. Wie er sich nun taktisch macht, wird spannend.

Rodas Raute

spotlights eredivisie winter 2015-16 rodaIm ersten Hinrundendrittel war Roda zusammen mit Heracles die Positivüberraschung der Liga. Nach drei Auftaktsiegen spielte der Aufsteiger nicht unverdient ganz vorne mit, aber doch mit leichter Überperformance. Anschließend hatten sie eine schwächere Phase und fielen zurück. Allerdings ist nun in die andere Richtung der Effekt „übertrieben“, dass sie mittlerweile seit jenem 3. Spieltag keinen Ligasieg mehr erzielen konnten. Zwar hat die Ausführung ihres Systems über die Hinrunde nachgelassen und einige der schon vorher angelegten Problempunkte traten stärker zutage, aber nicht so extrem, wie die Ergebnisse meinen. Trotz Schwächen bleibt Roda ein interessantes und konsequentes Team.

Trainer Darije Kalezic baut seine Strategie ganz entscheidend auf zweite Bälle auf und nutzt überwiegend eine Rautenformation, die sich aufgrund ihrer Grundkompaktheit prinzipiell gut dafür eignet. Mit den teils breiten Halbspielern und den zurückfallenden Bewegungen des nominellen Zehners kann daraus schnell mal eine flache 4-4-2-Ordnung werden. Mit den breiteren – aber ohnehin oft schon breiten – Halbspielern verbleibt manchmal nicht mehr genug von der Zentrumspräsenz der Raute für die Grundstrategie. Weniger wird der Fokus auf lange Bälle dadurch aber nicht unbedingt, weil auch der flache Aufbau durch die Mitte aufgrund der Ausführung der breiten Staffelungen schwieriger ist.

So waren die weiträumigen Freilaufbewegungen des einzigen Sechsers ambivalent. Zwar konnte er mit seinen horizontalen Läufen bisweilen neue Passwinkel erschließen, so dass die erste gegnerische Pressinglinie besser überwunden und Raum zwischen Mittelfeldmannorientierungen zum Aufrücken gefunden werden konnte. Häufig rissen bei seinen diagonal ballfernen Positionierungen aber letztlich die Verbindungen durch den Sechserraum ab, so dass Rodas Innenverteidiger gerade von 4-4-2-haften Defensivstaffelungen der Gegner gut zu isolieren waren. Dies wurde dann ein zentraler Auslöser für noch mehr lange Bälle.

Lange Bälle mit Stürmerfokus

Die Zielräume dieser Zuspiele liegen bei weitem nicht nur in zentralen Bereichen, sondern oft und tendenziell mehrheitlich auf dem Flügel. Das ist ein Grund, warum die – mal mehr, mal weniger, aber insgesamt oft – seitlichen Stellungen der Halbspieler für die Hauptstrategie der Mannschaft nicht zwingend ein Problem darstellen. Das Mittelfeld verschiebt entsprechend nach außen und optional bleibt ein Akteur – was aber nicht zu extrem werden darf – ballfern. Insgesamt gilt dies auch für die beiden umtriebigen Angreifer, die bei Roda allgemein sehr häufig und engagiert ausweichen. Oft werden sie mit den langen Bällen auch direkt gesucht, sollen diese festmachen oder in die Tiefe starten.

Unabhängig von der genauen Art, wie sie nun eingebunden werden, nehmen die Angreifer eine wichtige Rolle ein und sind nach den langen Bällen nicht nur sehr präsent, sondern oft die dominanten Akteure. Die Kollegen zeigen eher passives oder klar in die Spitze gerichtetes Nachrücken, füllen Räume oder versuchen sich mitspielend zu betätigen. Das gibt den Stürmern verhältnismäßig viele gestalterische und individuelle Möglichkeiten. Sie dribbeln nach festgemachten Bällen zur Mitte, können kreative Pässe probieren oder Kombinationen einleiten. In ihrer Erfolgsstabilität zeigten sie sich dabei schwankend, mit guten Einfällen, aber auch mit leichten Entscheidungsschwächen und allgemein inkonstant.

Neben diesem – durch die fokussierte Einbindung betonten – individuellen Faktor der Entscheidungsfindung sind die mannschaftlichen Aspekte zu berücksichtigen. In den schlechten Phasen Rodas gestaltete sich das kollektive Nachrücken aus dem Mittelfeld bisweilen zu ungeplant, hektisch in die Spitze.  Auch gab es unklar definierte Rollenverteilungen in diesen Spielmomenten, die potentiell zu schlechten Staffelungen führten. Im Angesicht dieser nicht gerade allzu guten Optionslage ließen sich die Offensivkräfte, wenn nach den langen Bällen Raum für die Folgeaktion gefunden worden war, teils zu vorschnellen Flanken verleiten.

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Spiel gegen Twente: Langer Ball nach links auf die Bewegungen von Juric und vor allem dem durchlaufenden Gyasi. Gestrichelt die möglichen Unterstützungsbewegungen aus dem Mittelfeld.

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Drei Minuten später aus der gleichen Begegnung eine schlechtere Szene: van Peppen wird zum hektischen Direktpass gezwungen, der eher in Richtung Faik geht. Ohnehin sind die Bewegungen der Stürmer aber nicht so konsequent und wegen der suboptimalen Offensivkompaktheit nach links hin (vor allem durch den zuvor ausgewichenen Griffiths und den breiten Noor) lässt sich auch der Abpraller nicht erobern.

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Beispielhafte Darstellung für eine Folgeaktion nach dem Aufrücken: Faik zieht mit Ball nach außen und legt dann ins geöffnete Zentrum quer. van Hyfte drückt den Sechser vom Ball weg und öffnet damit den Raum für das Zurückfallen von Gyasi als ballfernem Angreifer. Wenn der andere Achter noch nicht schnell genug unterstützen kann, gibt es hier Raum, um einen Angriff einzuleiten und mit den beiden ablegenden Offensivkollegen zentral am Strafraum zu kombinieren – im besten Fall für einen Durchbruch.

Aktionen nach dem Aufrücken

Zu Saisonbeginn war das noch seltener, die gelungene Momente dominierten. Ihre besten Szenen entstanden, wenn sie das Aufrücken geschickt im vorderen zweiten Drittel organisieren konnten, um dann horizontal in den Rückraum zu gelangen. Diesen sollten die Stürmer oder der hochgerückte Zehner an der letzten Linie freidrücken. Hatte einer der ausgewichenen Angreifer die Szene eingeleitet, suchte  die Mannschaft Abschlüsse aus der zweiten Reihe, diagonal vorderlaufende Aktionen des ballnahen Außenverteidigers, vereinzele Flanken oder schnelle Verlagerungen auf Nachstöße des Achters im ballfernen Halbraum.

Hatte stattdessen der breite Halbspieler die Aktion vorbereitet, ließ sich oft einer der Angreifer blitzartig gegenläufig zum Vorstoß des Zehners zurückfallen, um im Zwischenlinienraum das Leder zu erhalten und eine Aktion zu starten. Gerade Gyasi mit seiner Ruhe im Dribbling, potentiell aber auch Boakye konnten diese Situationen vergleichsweise erfolgsstabil umsetzen und schnelles Dreiecksspiel mit den zwei Kollegen suchen, um sich zentral durch die gegnerische Abwehr zu spielen. Ablagennutzung und fokussiertes Timing brachten diesen gruppentaktisch ruhigen Szenen einige gelungene Momente und Tore, wie beim Heimspielauftakt gegen Heracles.

Zusammengefasst: Roda eröffnet vor allem über lange Bälle, um Abpraller zu gewinnen oder Aufrückräume zu erschließen. Diese versuchen sie zudem mit Direktpässen, oft am Flügel entlang, und Verlagerungen zu bedienen. Anschließend sollen Dribblings, Querlagen in den Raum und gelegentliche Flanken zur Angriffsfortsetzung dienen. Abgesehen von den abgespulten Grundbewegungsmustern zwischen Außenverteidigern und Halbspielern sowie den gelegentlichen Kombinationen des Offensivtrios muss man aber schon sagen, dass die Anlage Rodas in diesen Momenten bisweilen sehr einfach und manchmal gar etwas plump gestrickt ist.

Staffelungsschwächen vor der Winterpause

Insbesondere in den letzten Partien vor der Winterpause traten diese Aspekte deutlicher zutage, als die Vorstellungen der Mannschaft schwächer wurden. Die langen Bälle nach außen gingen zugunsten von Flügellinienpässen mit Folgeaktionen zurück. Dies war aber mit schwächeren Staffelungen verbunden, da die Halbspieler simpler und vertikaler nach außen wichen. Speziell in den Begegnungen, in denen anstelle der üblichen Rautenformation mal eine 4-3-3/4-4-1-1-Anordnung genutzt wurde, bestimmten zunehmend unpassende Flanken in flache, hochgeschobene und nach hinten unverbundene Anordnungen das Bild.

Auch in dieser Phase blieben die langen Bälle ein wichtiges Merkmal bei Roda – nur wurden sie eher ins Zentrum gespielt, allerdings ebenso in schwächerer Ausführung. In der Raute zeigten gerade die Staffelungsinterpretationen erhebliches Verbesserungspotential. Mehrmals gab es nun Szenen, in denen Rodas Offensivformation einem 4-1-5 ähnelte, bei dem das Mittelfeld zu früh zu weit aufgerückt stand und sich fast mit in der letzten Linie formierte. Mit solch flachen Staffelungen ging der Versuch, zweite Bälle zu erobern, ins Leere. Stattdessen sah sich der isoliert verbleibende Sechser Kontern gegenüber, da gleichsam die Absicherung fehlte.

Mannorientierungen und kleine Formationsanpassungen

So nahmen in dieser teilweise als Krise bezeichneten Phase auch die Schwächen in der Defensive zu, die trotz einzelner guter Elemente generell insgesamt immer etwas anfällig war. Im Pressing wechselten sich seit jeher stärker rautenhaft bleibende Phasen mit flacheren 4-4-2- oder seltenen 4-3-3-Strukturen – entweder durch tieferen oder durch höheren Zehner – ab. Zu Saisonbeginn überwogen die Rautenanordnungen noch deutlicher, was sich im weiteren Verlauf etwas abschwächte. Gelegentlich konnten sich beide Möglichkeiten auch annähern, wenngleich es stets bei gewissen natürlichen Unterschieden in den Abläufen und kleinen Qualitätsdifferenzen in bestimmten Details blieb.

Bei alledem zeigten sich stets – unabhängig von der genauen Anordnung – die zahlreichen klaren Mannorientierungen als prägendes, bestimmendes Kennzeichen. Bisweilen lässt Kalezic diese fast schon als Manndeckungen spielen. Auch wenn in guter Ausführung einzelne verfolgende Läufe abgebrochen, Gegner übergeben oder gut verdeckt werden und lieber auf improvisierte Verstärkung der letzten Linie gesetzt wird, ist das teilweise sehr riskant. Bereits einzelne kluge Bewegungen, die an einer Stelle die Zuordnungen verwirren, können direkt zu größeren Lücken führen. Bei der Balance am Übergang zum Abwehrdrittel musste sich Roda oft auf die Effektivität situativen Rückwärtspressings verlassen.

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Vom Spiel gegen Heracles zunächst ein Positivbeispiel für die Ausführung der Mannorientierungen: Nach dem Einrücken des Kollegen zieht der gegnerische Spieler den Ball technisch stark in den Freiraum. Griffiths und Dijkhuizen gehen aber nur lose mit, Ersterer bewegt sich zudem so, dass der Linksaußen blockiert wird. van Hyfte unterstützt von hinten und sorgt für Überzahl. Bei einem explosiven Dribbling durch den Freiraum können sowohl Dijkhuizen als auch Noor dorthin rücken und den Ballführenden aufnehmen.

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Die Begegnung gegen Heracles hatte auch ein weniger erfolgreiches Beispiel: Mit einem diagonalen Dribbling ist der gegnerische Linksverteidiger nach vorne aufgerückt, hat Noor mitgezogen und anschließend dem ausgewichenen Mittelstürmer den Ball überlassen. Während dieses Aufrückprozesses blieb der gegnerische Linksaußen tiefer, wogegen Dijkhuizen nicht so weit aus der Kette gehen wollte. Aufgrund der Mannorientierungen kann das aber nicht aufgefangen werden, so dass der Spieler im Halbraum frei wird. Da beide Achter mannorientiert (ballnah gegen den Außenverteidiger, ballfern gegen den Achter) in die letzte Linie mit nun sechs Leuten gedrückt sind, hat Griffiths Schwierigkeiten den Raum zu sichern. Er versucht erst die Lücke von Sankoh zu stopfen, kann dann nur noch isoliert herausrücken und wird überspielt. Auch van Hyftes Rückwärtsaktion findet keinen Zugriff mehr. Mit einem Pass hat Heracles eine zentrale Schusschance aus etwa 14 Metern und trifft.

Defensivmechanismen der Raute

Zu Beginn des Pressings zeigen die bevorzugten Rautenphasen eine klare Grundsystematik. Normalerweise soll der Gegner auf einen Außenverteidiger gelenkt werden, der ballnahe Halbspieler rückt heraus und macht Druck, während ansonsten die Organisation über Mannorientierungen zum Einsatz kommt. Gegen die zahlreichen 4-3-3-Formationen der Eredivisie bewegen sich die verbleibenden drei Rautenakteure lose am gegnerischen Mittelfeldzentrum. Damit verliert man keinen Spieler durch eine ballferne Mannorientierung, sondern kann etwas besser verschieben und hat auch bei – für Rauten immer nicht so angenehmen – Verlagerungen klare Orientierungspunkte für die nachschiebenden Akteure.

Tendenziell gelingt Roda durch ordentliche Abstimmung eine solide Ausführung dieses Prinzips. So erzeugen sie einerseits auch einige eng zugeschobene Staffelungen am Flügel. Andererseits sind sie durch die Mannorientierungen, teils auch wegen zu hoher Vorsichtigkeit im Nachschieben an dieses Pressing-Herausrücken etwas lasch, zu selten kommt es in tieferen Linien zum Pressingübergang. Das ermöglicht dem jeweiligen Außenverteidiger dann bei gutem Timing Möglichkeiten und Raum für Dribblings. Bindet eine Mannschaft das gut ein, verliert Roda auch schnell mal die Schärfe in der Organisation und trotz der guten Präsenz zum eigenen Strafraum den Zugriff – ein Nachteil ihrer Orientierungen.

Wenn man zu passiv wird…

Überhaupt neigen sie immer mal dazu, bei zurückhaltender Phasen oder Positionierungen direkt zu passiv zu werden. Manchmal rücken sie ballnah kaum gegen den Außenverteidiger heraus, sondern der Halbspieler orientiert sich eher am gegnerischen Achter. Die zentrale Kompaktheit der Raute nützt nichts, wenn der Gegner wegen drucklos-nachlässigem Verschieben zu leicht daran vorbeilaufen und im Anschluss direkte Dribblings gegen den Außenverteidiger erzeugen oder hinter den Halbspielern den Sechser überladen kann. Generell fehlte es bei gegnerischen Flügelszenen mit tiefbleibendem Außenverteidiger oft an Unterstützung der Mittelfeldkollegen, die in ihrer Position standen und das 1gegen1 zuließen.

In den letzten Partien vor der Winterpause gab es – wohl zur besseren Flügelverteidigung und als Reaktion auf die Verletzung Noors – häufiger eine 4-3-3/4-4-1-1-Mischformation. Dabei spielte der Sechser phasenweise raumsichernder, half nahen, isoliert 1gegen1 verteidigenden Kollegen aber zu inkonstant. Stattdessen wurde van Hyfte stärker für Mannorientierungen in Anspruch genommen, was Rodas Flexibilität einschränkte. Neben einigen guten, aber wieder zu selten zugreifenden Staffelungen gab es andererseits viele positionell unsichere Phasen. Dazu kamen die weiterhin prägenden Mannorientierungen und die nicht wirklich überzeugenden passiven Rollen der teils weit zurückgedrängten Außenstürmer.

Am Ende muss man aber nochmals betonen, dass in vielen Phasen die Balance der Mannorientierungen ordentlich funktionierte. Die Zahl von 30 Gegentoren in der Hinrunde fällt insgesamt etwas zu hoch aus, was auch deutlich wird, wenn man die heftigen Niederlagen gegen Ajax (0:6) und PEC Zwolle (0:5) heraus rechnet. In jenen Partien wurden die Probleme jener Deckungen und die der überabwartenden, gegen Ausweichräume zu laschen Schwächen im Pressingübergang direkt enorm bestraft. Daneben gab es aber auch stabile Partien, wofür sich Roda gegen Feyenoord und die PSV jeweils mit einem 1:1 belohnte. Die Hauptsteigerung zur Rückrunde muss es eher noch offensiv geben.

Zwei weiträumige Überraschungsteams

Aufsteiger NEC als Sechster und Heracles als Tabellenvierter dürften die beiden größten Positivüberraschungen der ersten Saisonhälfte sein. Beide Mannschaften weisen einige Parallelen hinsichtlich wesentlicher Stützpfeiler ihrer Erfolge auf. Sie verfolgen jeweils einen weiträumigen Ansatz und nutzen das Potential dieser Spielweise vor allem hinsichtlich von Vielseitigkeit und Komplettheit in der Raumnutzung aus. In der konkreten Interpretation tauchen natürlich auch einige Unterschiede auf, doch vom grundsätzlichen Kanon ihres Erfolgsweges lassen sie sich durchaus zusammenfassen.

Formen der Weiträumigkeit

spotlights eredivisie winter 2015-16 necSchon in der vergangenen Saison zeichnete NEC als überlegener Zweitligameister eine enorm weiträumige und darin konsequente Ausrichtung aus mit sauber-stringenter, geplanter Raumaufteilung. Grundsätzlich haben sie zwar die Weiträumigkeit behalten, aber in einer völlig anderen Art – es ist nicht mehr dieser große schematische Rahmen, sondern sie kommen viel mehr über Bewegungsdynamik, also weiträumige Nutzung innerhalb von Zonen. Diese Veränderung hängt auch damit zusammen, dass es nach dem Aufstieg einen Wechsel auf dem Trainerstuhl gegeben hat – auf recht kuriose Weise.

Anstelle von Erfolgscoach Ruud Brood, der um die Beendigung seines Vertrags bat, ist nun Philipp Cocus vormaliger PSV-Assistent Ernest Faber verantwortlich – der Co-Trainer des Meisters ging zum Meister der zweiten Liga. Den damit an der Seite von Cocu freiwerdenden Platz besetzte umgekehrt – prinzipiell unabhängig davon – Ruud Brood. Alles in allem zeigt sich nach diesem Wechselspiel bei NEC nun das eine oder andere Motiv, das in seiner funktionalen Nutzung gewisse Erinnerungen an das Konzept der PSV in der Vorsaison wachruft.

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Im guten bis besten Fall gab es nach dem Einrücken Foors etwa solche Staffelungen auf halblinks zu sehen

Foors einrückende Spielweise

Zwei der zentralen Hauptaspekte sind gleichzeitig auch wichtige qualitative Faktoren für die starke Hinrunde des Teams. Zum einen handelt es sich um die einrückende Rolle des kombinativen und ansatzweise raumdeutenden Rechtsaußen Navarone Foor. Er bewegte sich häufig nach innen, in tieferen Zonen ebenso unterstützend wie strafraumnah an der letzten Linie. Teilweise wich dafür Ritzmaier etwas nach rechts. Neben diesen passiv eingeschobenen Positionierungen rochiert er – hier ebenfalls eher mitspielend und weniger antreibend als in der Tiefe – nach links zu seinem eigentlichen Pendant Limbombe herüber, um dort für Überladungen zu sorgen.

Entsprechend laufen statistisch gesehen 43 % der NEC-Angriffe über diesen dominanten Bereich. Der bestimmende Akteur ist vor allem der erwähnte Limbombe, der seine guten gruppentaktischen Positionierungen in die Spielzüge einbringt. Als starker Dribbler weiß er zwischendurch auch gefährliche Einzelaktionen heraufzubeschwören. Mit diesen beiden Spielern und Mittelstürmer Christian Santos verfügt NEC über gute Offensivspieler. Der zentrale Angreifer glänzt mit Dynamik-Ablagen, seiner teils tiefbleibenden und dann eher nachstoßenden Strafraumbesetzung sowie einzelnen spektakulären Aktionen im Sechzehner.

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Eine Szene aus dem Heimspiel gegen ADO: Zusammenspiel zwischen Limbombe und dem einrückenden Foor halblinks

NECs vielseitiges Mittelfeld

Zum zweiten ist das bewegliche Mittelfeld zu nennen. Tendenziell formiert sich NEC in einer stärker 2-1-artigen und damit klareren Aufteilung als die PSV, hat aber ebenfalls von allen Positionen viel Bewegung und Interaktion. Halbrechts sorgt der portugiesische U-Nationalspieler Janio Bikel einerseits für raumüberbrückende und -erschließende Läufe, zeigt ausweichende Bewegungen, dient andererseits aber auch als Raumfüller insbesondere für die Rolle Breinburgs. Dieser fokussiert phasenweise sein Passspiel stärker, geht situativ ebenso auf den Flügel, agiert insgesamt aber vertikaler als Bikel.

Deutlich wird dies vor allem bei seinen aggressiveren Nachstößen in die hohen Zonen, mit denen er gelegentlich viel Präsenz erzeugt. Trotzdem kann auch er balancierende Funktionen übernehmen, für Marcel Ritzmaier, den höchsten Mittelfeldmann. Der von der PSV ausgeliehene, manchmal etwas instabile und unbedachte Österreicher ist so etwas wie ein Fixpunkt im Mittelfeld, der sich phasenweise fast etwas zu hoch bewegt, insgesamt aber für gute Unterstützung der dortigen Angriffsspieler sorgt, meist auf mitspielende Weise oder als punktuell spontaner Strukturgeber.

Daneben fällt er in vielen Phasen nach hinten in offene Räume – nicht selten tiefer als seine beiden Kollegen – zurück, um sich Bälle für raumgreifende Pässe abzuholen, oder kippt auch schon mal tief heraus. Die genauen Rollenverteilungen und Zuständigkeiten können jeweils variieren und sind nicht als absolut festgeschrieben zu betrachten. Ausgehend von den Grundverteilungen – etwas höher gesonderte Spielweise Ritzmaiers, konstanter Fokus auf einen Unterstützungsakteur für die Stürmer, Bikels stärker horizontale gegenüber Breinburgs eher vertikaler Ausrichtung – gibt es schließlich viel Flexibilität.

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Eine Szene aus der Partie gegen ADO: Foor ist eingerückt, Bikel etwas nach außen geschoben. Links hat Breinburg sich für das Herauskippen entschieden, während Ritzmaier zunächst hinter die beiden Sechser zurückgefallen war, um dann aufrückend einen Gegner wegzuschieben. In diesem Moment gelingt allerdings noch kein erfolgsstabiles Vorrücken, so dass NEC erst einmal zurück zu den Innenverteidigern spielt…

Raumgreifend für Ballsicherheit

So entstehen ein sehr komplettes, raumgreifendes Mittelfeld, in dem alle Spieler umher driften können, und potentiell kreiselnde Bewegungen. Die Weiträumigkeit soll Ballsicherung in Ausweichzonen ermöglichen. Im Aufbau werden die verschiedenen Bewegungen gezielt eingesetzt, um Gegner herauszulocken oder wegzudrücken. Dabei zeigen sich potentiell alle Spieler aktiv, auch wenn sie gerade recht weit vom Ball entfernt sein mögen. Beispielsweise rücken mal die Sechser vor und öffnen Ritzmaiers Zurückfallen Raum oder höhere bzw. herausrückende Gegenspieler werden mit vorrückenden Bewegungen weggeschoben.

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….nur etwa 30 Sekunden später ist auf einmal diese Szene entstanden: Breinburg ist bogenförmig in die letzte Linie gestartet und hat seinen Gegner mitgezogen, Ritzmaier weicht in den Raum aus. Trotz des Zurückfallens von Foor und Santos sind die Staffelungen halbrechts nicht optimal, so dass NEC die dortige potentielle Präsenz ADOs meidet und stattdessen aggressiv nach links verlagert. Ritzmaier kann den Ball in der sehr breiten Position nach dem auch etwas zu druckvollen Pass nicht optimal kontrollieren, so dass diese ballferne Ballung nicht ihr volles Potential entfaltet. Ritzmaier leitet in die Tiefe durch die Schnittstelle auf Limbombe weiter, der eine Ecke herausholt.

So sind sie von den meisten Teams der Liga nur schwer unter Druck zu setzen, sondern können immer noch irgendwo einen freien Ausweichraum öffnen, eine Verlagerung anbringen oder sich mit einem Dribbling befreien. Das gilt umso mehr, da sich auch die Abwehrspieler vielseitig bewegen, die Innenverteidiger oft asymmetrische Staffelungen untereinander kreieren und auch in schwierigen Situationen mit starker Raumnutzung überzeugen. Bisweilen wird dieses Herumrochieren in der Flexibilität der Bewegungen aber ein wenig übertrieben und unstrukturiert.

Die Gefahr des Bewegungsfokus

Einige der interessanten und teils unorthodoxen Staffelungen sind beispielsweise etwas instabil und ermöglichen keinen zuverlässig stringenten Angriffsvortrag, sondern das Team droht sich in ihnen ineffektiv zu verlieren. Die ballfordernden Rückstöße von Foor bis in den linken defensiven Halbraum gehören prinzipiell zu den Highlights des Aufbauspiels und sorgten einige Male auch für Effekt, doch andererseits gibt es Momente, in denen die mannschaftliche Einbindung dessen nicht gut genug gestemmt wird, die daran anpassenden Bewegungen gleichzeitig zu weitläufig und überengagiert wirken.

Gerade das nach vorne ins letzte Drittel verbindende Mittelfeldspiel scheint NEC etwas zu sehr rein über ihr dortiges Movement strukturieren und steuern zu wollen. So verlieren die Staffelungen während ihrer Rochaden etwas an Schärfe und in der Folge werden sie aus ihrer Aufbauzirkulation heraus leicht hektisch, unruhig, überdreht, suchen vorschnell die Tiefe oder zu viele lange Bälle. Manchmal tendieren sie zu frühzeitig dazu, erzeugte Staffelungen wieder zu ändern. Gerade aufgrund ihrer vielen ausweichenden Elemente ziehen sie bisweilen zu sehr in seitliche Grundräume und verlieren in den breiten Zonen beispielsweise den Kontakt zwischen den einzelnen Mittelfeldakteuren.

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Ein Beispiel für eine etwas instabile Umformung: Foor ist etwas zu tief, Breinburg kann nicht gut eingreifen, auch Bikel hat sich ein wenig zu stark nach außen bewegt. Insgesamt sind damit die Kontakte zwischen den einzelnen Spielern suboptimal. ADO hat die Mannorientierungen ein wenig angepasst und kann nun in diesen Zuordnungen zustellen. Ritzmaier bewegt sich hier etwas leichtsinnig zum Ball hin und kann direkt von zwei Gegnern in schwieriger Situation unter Druck gesetzt werden. Auch der gegnerische Mittelstürmer hilft leicht, doch insgesamt kommt NEC hier zugute, dass ADO weder kollektiv nachschiebt noch lokal wirkliche Intensität im Zugriffsübergang aufbaut. Theoretisch hätte Ritzmaier in noch größere Unterzahl und Probleme kommen können. So hat er ein wenig Glück, dass der Abpraller gegen zwei Gegner für einen eigenen Einwurf ins Aus geht.

Starkes Kombinationspotential nicht immer abgerufen

Treten diese Probleme auf, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie sie nicht nur im Aufbau zeigen und das Spiel nach vorne erschweren, sondern allgemeiner ausstrahlen – auch in die vorderen Zonen, wenn man dort angelangt ist, beispielsweise. In solchen Momenten werden die eigentlich guten Offensivmöglichkeiten NECs, die in guten Phasen häufig zur Geltung kommen, ein Stück weit eingeschränkt. Das erklärt, warum die Mannschaft trotz dieser so erfolgreichen Hinrunde mit zahlreichen konstruktiven Ansätzen und vielen ansehnlichen Momenten „nur“ 23 Treffer erzielt hat.

Wenn es einmal läuft, dann zeigt sich NEC direkt sehr spielfreudig und gefährlich. So gab es fünf Siege mit zwei oder mehr Toren Unterschied, in denen sie direkt allein über 70 % aller ihrer Treffer sammelten. Bei den schwächeren Auftritten konnte die Effizienz ihrer stets ansehnlichen Bemühungen dann auch mal sofort recht klar sinken, so dass sie aus ihren Ansätzen nur wenig Zählbares in Form von Abschlüssen machen konnten. Statistisch haben sie die drittwenigsten Abschlüsse pro Spiel von allen Eredivisie-Teams, was aber auch auf die Wertigkeit ihrer Tormöglichkeiten verweist.

Wenn also die angesprochenen Probleme auch die vorderen Zonen betreffen, sieht das konkret so aus: Mit den vielen Bewegungen, dem grundsätzlichen Unterstützungsfokus der Stürmer, der Ballsicherheit auf verschiedenen Positionen und speziell den Rollen Foors und Santos haben sie potentiell hervorragende Voraussetzungen für Kombinationen. Das nutzen sie im Ansatz immer wieder auch ansehnlich aus, wenn sie gerade durch die Überladungen um Limbombe oder über die Nutzung von Santos´ Ablagen Glanzpunkte setzen. In den schwächeren Phasen kommt das aber nicht so gut zum Tragen.

Die sehr weiträumige, rochierende und flexible Ausrichtung des Mittelfelds ist dabei manchmal ein Dorn im Auge, wenn die Akteure in ihrem Positions- und Bewegungsspiel zu ungestüm und fahrig werden, so dass ihre Einbindungen in die Angriffe an Balance verlieren. Dann fokussieren sie sich beispielsweise  zu stark auf weitgreifend raumverbindende Aktionen. Wenn sie eigentlich gerade gebraucht würden, fehlen sie vielleicht mal in ausgewichenen Stellungen. Dass sie generell im vorderen zweiten und im letzten Drittel zu selten nochmal in die Ballzirkulation übergehen, wirkt dann zudem schwerwiegender.

Insgesamt könnten die kombinativen Offensivszenen auch unabhängig von diesem Aspekt noch konsequenter durch die einzelnen Spieler forciert werden. Nicht immer waren es bei NEC die spielerisch glanzvollen Momente, die den entscheidenden Unterschied ausmachten. Es gab aus der breiten Grundformation heraus auch mal simplere oder allgemein schwächere Phasen, in denen sie vor allem über solide Flügelvorstöße kamen, individuelle Dribblings forcierten und beim der Verwertung etwas Glück mit Standards oder Santos´ Erfolgslauf im Abschluss hatten. Generell spielen sie noch viele vorschnelle Pässe in die Tiefe und nutzen längere Bälle zu häufig, was einen wichtigen Entwicklungspunkt darstellt.

Alternativen: Formativ und stilistisch

In der Mehrheit der Partien vor der Winterpause trat NEC in einer etwas veränderten Ausrichtung an. Foor übernahm den Platz von Ritzmaier im offensiven Mittelfeld, wofür wiederum der rechte Flügel improvisiert neu besetzt wurde. Mehrere Kandidaten probierte Faber für diesen Posten aus, die meistens in simplen, unpräsenten Rollen eingebunden wurden – entweder hochgeschoben (wie beispielsweise Sleegers), breitegebend oder eher absichernd (wie Appiah). Demgegenüber rückte Foor noch stärker in den Mittelpunkt des Geschehens und ergänzte die Spielweise des Mittelfelds.

So betätigte er sich häufig als Ballträger und Antreiber aus der Tiefe und zeigte immer wieder weitgreifende, kombinative Aktionen. Zusammen mit Bikel versuchte er die Verbindungen durch das zweite Drittel herzustellen und zu verbessern, häufig über Dribblings und Läufe. Diese Alternativformation mit zentralerem Foor wurde auch zuvor schon gelegentlich genutzt, doch taktische Umstellungen kamen ansonsten eher aus dem stilistischen Bereich oder durch Veränderung des Fokus. So wechselte NEC in manchen Phasen viel stärker auf die Betonung langer Bälle, die sie ohnehin häufig einstreuen, und vor allem deren Abprallern.

Bei der normalen Nutzung steht noch mehr im Fokus, schnell hinter die Abwehr kommen, wofür oft Santos zurückfällt – raumöffnend für Vorstöße. In der Alternativausrichtung – in der Regel in Drangphasen – ging es dann eben vor allem um die Unterstützung auf Abpraller vor der letzten Linie. Ergänzt wurde das Prinzip um die Nutzung aggressiver Verlagerungen in die Breite, bei denen NEC ebenfalls auf direkten Anschlusssupport durch einen in der Tiefe helfenden Mittelfeldmann achtete. In beiden Fällen war das Ziel direkt nach vorne zu gelangen, um dann aus der lokalen Ballung schnell attackierend durchspielen zu können.

Heracles´ Erfolgslauf

spotlights eredivisie winter 2015-16 heraclesEbenso wie NEC spielt auch Heracles ein weiträumiges 4-3-3 mit guter, systematischer Nutzung dieser Eigenschaft, konsequenter Aufbauarbeit und vielseitigen Mittelfeldrollen. Der Überraschungsvierte von Trainer John Stegeman, in der vergangenen Spielzeit erst am letzten Spieltag mit der definitiven Sicherung des Klassenerhalts, hat für die eigenen Verhältnisse eine tolle Hinrunde gespielt, wenngleich sie manchmal auch etwas Glück hatten und zum Ende hin etwas von ihrem famosen Start zehrten. Bei den Schwarz-Weißen war es der konsequent potentielle Zugriff auf die Weite des Raumes, aus der sich ihre Aufbaukontrolle in vielen Partien speiste. Dazu kamen gute Rollenverteilungen für interessante Einzelspieler als weitere Erfolgsgründe.

Im Mittelfeld sorgten die beiden Achter für eine bewegungsreiche und flexible Ausrichtung: Der recht komplette und immer ein wenig unterschätzte Thomas Bruns ist sehr effektiv sowohl bei ausweichenden als auch vielseitig nachstoßenden Bewegungen. Gelegentlich kippt er zudem nach rechts heraus, um halblange eröffnende Pässe anzubringen. Sein etwas tieferer und teils kampfstärkerer Partner Bel Hassani agiert ebenfalls situativ ausweichend, fokussierte sich noch mehr auf anpassende Bewegungen und unterstützendes Mitspielen, brachte dazu oft seine Dribblingfähigkeiten ein. Das gute Bewegungsspiel des Duos ist in dieser Saison noch abgestimmter und sorgte immer wieder für kluge Muster auch bei Umschaltszenen.

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Potentielle Staffelungen und Bewegungsmöglichkeiten bei einem langen Ball auf den nach außen weichenden Weghorst. Auffällig sind vor allem das Einrücken der Außenverteidiger und die sehr engagierten, intensiven, teils „überrückenden“ Läufe der Achter.

Ein konstantes Merkmal der Spielweise Heracles´ besteht in den zahlreichen Rochaden, die es immer wieder zwischen den umtriebigen Achtern und den situativ einrückenden Flügelspielern gibt. Häufig funktionierten diese Wechselspiele harmonisch und konnten situative Freiheiten für die Außen kreieren. Gerade Tannane und Darri sind sehr gefährliche Dribbler – Fähigkeiten, die Heracles oft gut und gezielt aus verschiedenen Räumen zu nutzen wusste. Auch Mittelstürmer Wout Weghorst wurde gut eingebunden: Der 1,96m-Schlaks diente mit langen Ausweichbewegungen als seitlicher Fokuspunkt für Direktpässe, hatte einige wirksame Ablagen oder zog einfach die Innenverteidiger weit heraus.

Viele Abschlüsse und aufrückende Läufe runden das Bild der auffälligen, weiträumigen Heracles-Spielweise aus der Hinrunde ab. Wichtig bei alledem ist, dass sie diese Weiträumigkeit jedoch recht konstruktiv und aufmerksam ausspielen und auch die verschiedenen Vorteile, die dieser Strategiepunkt bieten kann, zu nutzen versuchen. In der weiträumig gestalteten Anlage und vor allem den potentiell weiträumigen Bewegungen bei eigenem Ballbesitz werden sie nicht passiv, sondern es kann quasi von fast jeder Position eine Aktion oder ein Lauf mit Bezug auf die jeweilige Situation am Ball kommen – ausgenommen vielleicht der gerade ballfern breitegebende Akteur, oft der dortige Flügelstürmer.

Mal simpel, mal seitlich klug

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Mögliche Bewegungsmuster nach einer Eröffnung nach links: Sowohl der Linksaußen als auch Bel Hassani versuchen entweder raumöffnend oder -nutzend zu agieren, Bruns kann den horizontalen Querraum zu nutzen versuchen oder simpel in die Tiefe starten.

Man muss einschränken, dass Heracles immer auch einige simple oder plumpe Elemente im Spiel hat. Dazu zählen die vielen frühen Flanken, die sie im letzten Drittel aus fast unsinnigen Szenen anbringen. Zudem setzen sie viel auf lange Bälle und gestalten das Überrücken von Weghorst vor allem über Aktivität. Das geschieht allerdings schon auf taktisch mehr als solider Grundlage. Schließlich gehören riskante Direktpässe am Flügel und ausweichende Achterläufe in ihrem Spiel zu wichtigen Mittel. Insgesamt kann man schon sagen, dass sich Heracles bei ihren Aufbau- und Vorrückmechanismen recht häufig auf seitliche Zonen einlässt.

Der Ball geht also oft nach außen und anschließend folgen verschiedene, jeweils leicht vorgefertigte, aber prinzipiell gute und umfassende Bewegungsmechanismen: Die Flügelstürmer versuchen sich mit individuellen Finten Freiräume gegen ihre Gegner zu schaffen oder die Tiefe zu attackieren, Weghorst kann helfen, die Achter liefern raumöffnende oder -nutzende Läufe. Schließlich sind diagonale Dribblings der Außenverteidiger selbst ein probates Mittel, wenn der Gegner passiver agiert und suboptimal in die Mitte zu lenken versucht. Während Droste diese Dribblings etwas vorsichtiger, passiver und anleitender einbringt, ist Fledderus attackierender und aufrückender ausgerichtet.

Pelupessy (nicht) im Mittelpunkt

Aufgrund dieser erwähnten Prominenz der Seite wird Joey Pelupessy nicht selten auch mal – gerade auch bei verstärkter Nutzung langer Bälle neben den seitlichen Läufen und Aktionen – unpräsent überspielt. Eigentlich verfügt der Sechser aber über ein gutes Freilaufverhalten, mit dem er gegen höheres Pressing bisweilen auch mal wichtige Zwischenlücken findet. Gelegentlich wird er – gerade beim Szenario gegnerischen Angriffspressings – mit teils riskanten Pässen als Übergangsspieler in den Raum geschickt. In der folgenden Linie wiederum soll das den Gegner zum Herausschieben bewegen und somit Raum für das Ausweichen der Achter geben, das dann Pelupessy per Direktpass bedient.

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Szene aus dem Spiel gegen Ajax, die hier hoch, aber mit suboptimaler Absicherung zustellen. Castro wählt den mutigen Pass auf Pelupessy, der kurz in den Raum startet, einen schnellen Schulterblick macht und sofort auf Bel Hassani in die Lücke weiterspielt. Damit ist diese Szene ein gutes Beispiel für die ausweichend raumsuchenden Läufe der Achter. Im weiteren Verlauf des Angriffs kann Bruns mit einer Querlage im großen horizontalen Zwischenraum bedient werden, schließt aber zu früh ab.

Ansonsten bindet dieser sich bei driftend zurückfallenden Momenten seiner Achterkollegen gut als helfende Ablagestation ein. Vor langen Bällen der Innenverteidiger gestaltet sich das gleichzeitige Zurückfallen von Pelupessy, das wohl als Hilfe bei gegnerischem Anlaufen gedacht ist, ambivalent, da es etwas an Präsenz nimmt. Aufgrund der in diesen Szenen oft einrückenden Positionierungen der Außenverteidiger wird dies aber wieder etwas ausgeglichen. Überhaupt ist dieses gelegentliche Einrücken von Droste und Fledderus eine wichtige Methode für Heracles – nicht zuletzt in Phasen, in denen sie über die verschiedenen Bewegungen des flexiblen Mittelfelds den Ball ansehnlich laufen lassen.

Starkes Gegenpressing sichert übervertikale Phasen

Trotzdem dominiert im Normalfall aber eine recht attackierende Ausrichtung. Bei den vielen Direktpässen werden sie darin manchmal auch zu übervertikal. Das führt – trotz der beispielsweise raumöffnenden Mechanismen für die Achter – wegen der Prominenz seitlicher Zonen auch schon mal zu Phasen mit vielen Ballverlusten. Entsprechend haben sie die viert-schlechteste Passquote der Liga. Dass sie sich dies leisten und es wieder ausgleichen können, liegt an ihrem starken Gegenpressing, das zu einer entscheidenden Erfolgssäule für das Team von John Stegeman geworden ist. Gerade an dieser Stelle können sie sich wieder ein wenig von vielen anderen abheben.

Die engagierte und weiträumig aggressive Spielweise der nachsetzenden Achter ist ein erster Faktor, der Heracles in dieser Hinsicht stark macht. Hinzu kommt die Rolle von Pelupessy, der sich in den Momenten des eigenen Ballbesitzes auch mal zurückhalten und voraus planen kann. Aus seiner tiefen Position fokussiert er sich bei Ballverlusten gezielt auf schnell unterstützendes Nachrücken und verstärkt die Präsenz um die Gegenpressing-Szene oft entscheidend. Ebenso wichtig ist das direkt sehr aggressive Einschieben der Außenverteidiger, die sich auch einzuschalten versuchen. Aus all diesen Gründen sind sie generell im Umschalten und beim Aufsammeln loser Bälle durch die Achter gut.

Schnelles Abschließen im Angriffsdrittel

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Hier nochmals die Szene gegen Roda als Beispiel für Weghorts Rolle und die attackierende, aber ebenso raumöffnende Rolle der Achter.

Durch die Art und Weise, wie sie ihre Angriffe vorbereiten und einleiten, werden viele dieser Aktionen, wenn sie schließlich im letzten Drittel ankommen, dort recht schnell durchgespielt. Mit ihren verschiedenen Bewegungen sind die Achter sehr präsent, fungieren als Balltreiber, Raumöffner, sorgen für Abschlüsse und Rochaden. Aber auch die Flügelspieler und ihre individuellen Dribblings werden häufig forciert und schnell bedient. Daneben gibt es jedoch noch zu viele Momente mit überfrühten Flanken, gerade wenn der Gegner außen etwas Raum lässt und die Situation dadurch vielversprechender erscheinen mag, als wenn am Flügel eine Lokalkompaktheit wäre.

In wirklich klar blockierten Szenen findet Heracles aber schon einige Male klug die Ruhe, um nochmals nach hinten in die Zirkulation überzugehen, aus der sie dann bei Gelegenheit wieder sehr aggressiv neue Möglichkeiten suchen, so teilweise konstruktive Kombinationsansätze durch die Achter und Darri im Rückraum. Geht es nach diesen Rückzirkulationsmomenten aber wieder nach außen auf den Flügel, ziehen die ausweichenden Bewegungen für das folgende Anbieten bisweilen etwas zu sehr und damit unpassend nach hinten. So können Staffelungen mit unglücklicher Raum- und Präsenzaufteilung entstehen, in denen sie sich dann festfahren.

Diszipliniert, flexibel, weniger mannorientiert

Kaum mal gab es Kantersiege oder klar überlegene Erfolge. Viele Begegnungen liefen knapp, nüchtern kontrolliert. Letztlich waren sie oft einen kleinen, nicht super dominanten, aber doch wirksamen Tick stärker als der Durchschnitt und konnten diesen leichten Leistungsvorsprung konsequent durchdrücken. So sind sie beispielsweise auch gegen den Ball vielen Ligakonkurrenten nicht unähnlich – aber doch an mehreren wichtigen Stellen etwas stärker oder konsequenter, was sie zu einem gewissen Grad abhebt, ohne dass etwas Bahnbrechendes oder absolut Bewegendes dabei wäre. Insgesamt schoben sie meist etwas kohärenter und zugriffsstärker nach, zeigten in vielen Phasen recht harmonische Defensivbewegungen wie -abläufe, konstante Disziplin gegen den Ball und eine gute Anpassungsfähigkeit.

Zunächst einmal wird die 4-3-3-Grundformation recht flexibel interpretiert, mit verschiedenen Herausrückbewegungen wechselweise von einem der Achter, situativ mit kleinen, seltenen 4-5-1-Ansätzen und schließlich mit verschiedenen Höhen in den Positionierungen der Flügelspieler. Diese agieren in den ersten Pressingphasen meist etwas eingerückt, ziehen sich dann – wenn mannschaftlich nichts ins Angriffspressing übergegangen wird – aber recht schnell in ein 4-1-4-1 zurück und nehmen im Rückwärtsgang auch mal verfolgende Mannorientierungen ein. Insgesamt sind diese für die Eredivisie typischen Zuordnungen auch bei Heracles prägend und gerade in der Viererkette häufig zu finden.

Allerdings halten sich die Mannen aus Almelo im Mittelfeldzentrum damit viel mehr zurück als die Mehrheit der Ligakonkurrenten. Gelegentlich übernimmt einer der Achter mal eine klarere Mannorientierung, sie lösen sich bei ihren herausrückenden Aktionen mit nachziehendem Deckungsschatten aber davon und unterstützen unabhängig von diesen Zuordnungen oft diszipliniert mit an die Abwehrreihe heran, wenn es nötig wird. Hinter ihnen verschiebt der junge Joey Pelupessy grundsätzlich im Raum und kontrolliert diesen bereits recht gut, orientiert sich nur bei spezieller Dynamik oder gesicherter Absicherung mal – verfolgend oder durchbruchsabsichernd – lose am höchsten gegnerischen Mittelfeldmann.

spotlights eredivisie winter 2015-16 heracles def

Die Mittelfeldlinie im 4-1-4-1 verschiebt sich gegen den Ajax-Aufbau etwas seitlich über den Halbraum herüber. Bel Hassani rückt mit ballnaher Mannorientierung leicht ein, Weghorst bleibt auf Höhe des Passweges zum ballfernen Innenverteidiger.

Angriffspressingmomente

Für die Angriffspressingphasen nehmen die Achter entscheidende, tragende und führende Rollen ein: Die gute Nutzung ihrer herausrückenden Bewegungen in Verbindung mit passendem individuellen Timing und der Abstimmung untereinander ermöglichten über weite Strecken der Hinrunde die nötige Flexibilität in diesen Momenten. Die beiden Achter dienten dem restlichen Team in solchen Momenten oftmals als Orientierungspunkt und erzeugten auch maßgeblich die Intensität, in denen sich die Mitspieler bewegten. Ohne zu viele Leute nach vorne zu schieben, konnte Heracles so mit guten Anordnungen immer mal schnell zwischendurch Druck machen.

Bei den gelegentlichen diagonalen Herausrückbewegungen durch die Außenstürmer folgte im Anschluss nicht unbedingt das sofortige, mechanische Zurückkehren in die Grundposition, wenn der Ball die Zone gewechselt hat oder der Gegner nach hinten gedrängt wurde. Stattdessen versuchen sie bei passender Situation den Halbraum zu stärken oder dort einzelne Gegenspieler aufzunehmen. Optional entstehen daraus mal 4-4-2-hafte Defensivordnungen mit seitlichem Achter. Problematisch ist bei dieser eigentlich konstruktiven Vorgehensweise jedoch das zu instabile Timing. Zudem achten sie nicht immer gut genug auf Möglichkeiten gegnerischer Verlagerungen zum Außenverteidiger, von denen sie dann seitlich überspielt werden.

Defensiv-4-4-2 mit Lokalqualitäten

Zum Abschluss sei der Vollständigkeit halber auch noch einmal auf die Defensivarbeit von NEC eingegangen: Auch beim Team von Ernest Faber gibt es grundsätzlich die für die Eredivisie typischen Mannorientierungen, deren Ausführung beim Aufsteiger in einigen simpleren Phasen auch wie der wenig besondere Normalfall aussehen kann. Das ist aber nicht alles: So verteidigen die Mannen aus Nijmegen neben gelegentlich engen 4-3-3-Phasen (und im höheren Pressing 4-2-3-1) standardmäßig in einem klaren 4-4-2 mit ordentlichen Abständen – abgesehen von einzelnen zu breiten Positionierungen der offensiven Flügel und der teilweise schwachen vertikalen Kompaktheit hinter den Stürmern.

Die zwei vorderen Akteure fokussieren sich gezielt auf das Verstellen des Sechserraums, so dass es NEC konsequenter gelingt, den gegnerischen Aufbau nach außen zu leiten. Vor diesem Hintergrund sind die Mannorientierungen nicht so anfällig, da man auch die bisweilen weiträumigen Herausrückbewegungen der Abwehr so gut einbringen kann. Zudem unterstützen die beiden – grundsätzlich aus lose positionellen Orientierungen startenden – Sechser ballnah verhältnismäßig konsequent, da sie zwar auch viele lange mannorientierte Verfolgungsläufe praktizieren, diese Zuordnungen aber immer wieder auch aufgeben.

Lokal erzeugt NEC daher, insbesondere in den Flügelräumen, potentiell stärkere Kompaktheiten als viele andere Teams der Liga, was sie zu einer guten Defensive macht. Bei der Anzahl der Gegentreffer sind sie gleichauf mit der PSV und nur um ein Tor schlechter als Feyenoord: Hinzu kommen das etwas mutigere und konsequentere Vorgehen der Abwehr bei normalen Herausrückbewegungen und die Einbindung des Mittelstürmers im Rückwärtsgang, der sich in manchen Momenten einfach mal zusätzlich tiefer positioniert oder einige gute Bewegungen in der Dynamik nach hinten zeigt.

Alexander 14. Januar 2016 um 23:03

Großartiger Artikel – neben dem Inhalt, ist vor allem die Länge beachtlich!

Kannst du mir eventuell noch mehr Details zu Marcel Ritzmaier verraten?

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claw 14. Januar 2016 um 19:08

Wie viele Spiele aus der Eredivisie hast du analysiert, um diesen Artikel zu schreiben?

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TR 16. Januar 2016 um 13:15

Lässt sich schwer genau sagen, da ich über die Hinrunde hinweg immer mal so in einzelne Spiele hinein geschaut oder sie komplett gesehen habe. In der Winterpause habe ich dann nochmals eine kleine Sammlung von Partien in die Betrachtung mit eingebracht.

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mk 14. Januar 2016 um 18:38

Wie üblich dann doch kein ganz schlechter Artikel… 😉
Zum Thema zumindest grundsätzlich passend und vielleicht auch darüber hinaus interessant: http://www.optasportspro.com/about/optapro-blog/posts/2016/blog-visualising-defensive-involvement-in-the-eredivisie/

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HK 14. Januar 2016 um 14:02

Das ist ja mal ein Brett. Stark.
Zum Autor: Kompliment auch dafür, dass deine Beiträge in den letzten Monaten viel leserfreundlicher geworden sind. Stilistisch eine klare Verbesserung.
Ich hoffe mal das kommt jetzt nicht zu gönnerhaft rüber, wollte ich aber schon länger mal anbringen.

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Ernie Berenbroek 14. Januar 2016 um 13:32

Großartige Analyse des Niederländischen Fußballs. Offenbar sind Sie ein großer Fan der Eredivisie. Ich als gebürtiger Holländer jedoch seit langem nicht mehr. Der Grund ist das fast alle niederländsichen Vereine mittlerweile einen sehr großen Rückstand zum internationalen Fußball haben. Als vor zwei Jahren FC Utrecht in der Europa League ausschied gegen den Vizemeister von Luxemburg, FC Differdingen, dachte ich das der Tiefpunkt erreicht war. Der Zerfall geht jedoch weiter. Ajax Amsterdam schied diese Saison unter anderem aus gegen den siebten von Norwegen, Molde FK. Außer PSV Eindhoven waren alle anderen Vereine in Europa chancenlos. Das ist schon seit Jahren so und es ändert sich nichts. Nur PSV hat sich angepaßt. Es ist die einzige Mannschaft die etwas von Kontern versteht und ist damit bisher erfolgreich in der Champions League. Bei Ajax Amsterdam dagegen ist Konterfußball strengstens verboten.

Daß Länder wie Albaniën und Island sich für die EM qualifiziert haben und Oranje nicht, ist „ein neuer, noch tieferer Tiefpunkt“, wie Rudi Völler zu Günther Netzer sagen würde. Ein Jahr nach dem dritten Platz bei der WM ist die Elftal ein einziger Trümmerhaufen. Hauptgrund ist für mich das dogmatische, bedingungslose festhalten an nur ein einziges System: das bei uns überromantisierte 4-3-3. Man schwärmt noch immer vom längst überholten Flügelspiel: mit einem Rechtsfüßler auf rechts und einem Linksfüßler auf links, die möglichst viele, hohe Bälle vor dem Tor schlagen sollen. Statistische zahlen weisen aus, daß nur ein Viertel solcher Flanken ankommen, nur die Hälfte führt zu einem Torversuch und nur eine von 71 Flanken führt tatsächlich zu einem Tor. Die Erklärung ist logisch: hohe Flanken sind lange unterwegs und dadurch leichter zu verteidigen; kommt der Ball trotzdem an, dann geschieht der Torversuch meistens per Kopf, während Schüsse oft präzieser und kräftiger sind.

Da fast jeder Angriff über die Flanken geht, sind die Halbräume kaum besetzt. Kombinationen durch das Zentrum haben Seltenheitswert. Daß es keine niederländische Übersetzung für den Begriff ‘Halfspaces’ gibt und daß auch Zone 14 bei den Analytikern nie erwähnt wird, ist exemplarisch. Weiter gibt es noch viele andere Mängel: z.B. im Defensivverhalten, die trage Aufbau von hinten und fehlende Kompaktheit.

Bezeichnend für das dogmatische Denken ist daß die vorletzten zwei Bondscoaches heftig kritisert wurden von Kollegen, Medien und Publikum als sie sich bei der WM für ein anderes System entschieden: Bert van Marwijk 2010 mit 4-2-3-1 und Louis van Gaal 2014 mit 5-3-2. Beide waren doch ziemlich erfofgreich, darf ich feststellen.

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TR 16. Januar 2016 um 13:34

Hallo, sehr interessanter und ausführlicher Kommentar, danke dafür, da hat man viele Ansatz- und Diskussionspunkte zum Antworten.

Zunächst einmal ist es natürlich richtig, dass man mich durchaus als Fan der Eredivisie bezeichnen kann, da der Fußball dort phasenweise sehr ansehnlich ist und in manchen Bereichen viele interessante Aspekte bietet. Trotz dieser positiven Grundbewertung bin ich aber in manchen Aspekten auch gerade deshalb ein gewisser Kritiker, beispielsweise was das Ausmaß der zahlreichen Mannorientierungen angeht, wie auch schon in meinem Artikel zur Gesamtsituation des niederländischen Fußballs aus dem vergangenen November (Link: http://spielverlagerung.de/2015/11/17/niederlaendischer-fussball-2015/ ) geschrieben. Auch die breite Ausrichtung vieler Teams in der Offensive stößt mir manchmal sauer auf und gerade in den Jugendbereichen sehe ich es oft auch durch den 4-3-3-Fokus in suboptimaler Ausführung begründet (siehe ebenfalls die Argumente in dem genannten Artikel). Manchmal ist der breite Flügelfokus also zu viel des Guten, wobei ich das auch nicht zu flächendeckend sehen würde, da es in der Eredivisie immer wieder auch viele sehr starke Momente durch die Mitte (sehe ich in der Hinsicht anders als du, dass es das schon häufig gibt; von den Mannschaften aus dem oberen Mittelfeld ist das doch punktuell oder konstanter von fast allen Teams zu erwarten: NEC, Utrecht besonders, PEC Zwolle, Groningen vielleicht etwas zufällig manchmal) oder gelegentlich Halbräume gibt. Insgesamt scheinen mehrere Teams zwischen diesen sehr starken Momenten und den schwächeren Phasen, in die sie teilweise dann extrem hineintendieren können, zu schwanken. Im besten Fall wird da bisweilen aber sehr guter und kombinativer Fußball geboten. (Die fehlende Übersetzung für Halbräume kann man natürlich anführen, aber öffentlich wird das in Deutschland nun auch noch recht selten genutzt, in England fällt der Begriff „halfspace“ auch nicht wirklich häufig, würde ich mal meinen. Zumal es auch die Frage ist, ob andere europäische Sprachen dafür nicht auch ohne Äquivalent sind, so dass das Niederländische dann bei weitem nicht alleine stehen dürfte. Aber trotzdem hast du natürlich in dem Sinne Recht, dass mehr Bewusstheit dafür definitiv wünschenswert wäre).

Insgesamt kann ich dir bei der Kritik an zu vielen Flanken und der grundsätzlichen Problematik der 4-3-3-Interpretation natürlich nur zustimmen und will gar nicht so sehr gegen dich reden. Das sind ja prinzipiell etwa die Punkte, die ich auch in dem erwähnten Artikel vertreten habe. Das ist aus meiner Sicht auch einer der wichtigen Faktoren für die vielen schwächeren internationalen Auftritte von Vereins- und Nationalteams, zusammen mit den Mannorientierungen und daraus resultierenden Kontrollschwierigkeiten, wie auch bereits ausgeführt.

Zumindest in Bezug auf die Elftal scheint das 4-3-3-Dogma sich nach dem letzten Jahr aber langsam etwas abzuschwächen, scheint mir, oder? Denn beispielsweise das 5-3-2 gegen Wales im letzten Spiel funktionierte ja nicht nur gut, sondern wurde auch medial recht positiv bedacht von der Grundidee, hatte ich den Eindruck, würdest du das ähnlich sehen? In der Eredivisie scheint man mit Rauten oder 4-4-2-haften Tendenzen ohnehin seit Jahren kein so großes Problem mehr zu haben, so zumindest meine Empfindung. Von den Teams, die noch am stärksten 4-3-3-haft spielen, tendieren diese Saison übrigens überraschend viele auch zu einer 2-1-Anordnung, wie bspw. bei NEC oder selbst Ajax in mehreren Phasen. Zu Ajax übrigens: Ein Konterverbot kann ich da zumindest in der Praxis nicht erkennen und andersherum würde ich wohl nicht ganz zustimmen, dem Konterspiel einen so entscheidenden Rang für die Erklärung des Erfolgs der PSV in der CL einzuräumen, aber das sind wirklich kleinere Punkte am Rande, die nur mal erwähnt seien, aber eigentlich möchte ich damit jetzt nicht von der Hauptthematik groß wegführen).

Danke übrigens nochmal abschließend für den Kommentar, dem ich in einigen Grundaussagen nochmals beipflichten möchte, denn da sind sicher einige sehr berechtigte Kritikpunkte dabei, auch wenn ich es insgesamt nicht ganz so schlimm und dramatisch einschätze.

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