Arsenal verpasst den Sprung an die Tabellenspitze gegen starke Saints

Southampton4:0Arsenal-London

Nach der Niederlage von Leicester City gegen den FC Liverpool schaffte der FC Arsenal den Sprung auf Platz eins nicht und verlor stattdessen krachend gegen Southampton. Zum Spiel lässt sich sagen:

  • In Folge der generellen Ausrichtung und der guten Anpassungen im Spiel gegen den Ball gelang es Southampton die Partie über nahezu die komplette Spielzeit zu kontrollieren.
  • Arsenal zeigte zunächst große Probleme bzgl. des Aufbaus im ersten Drittel und Anbindungsprobleme an die Offensive, im späteren Spielverlauf dann bzgl. der Ballzirkulation im letzten Drittel und der Absicherung gegen Konter.
  • Über die komplette Spielzeit betrachtet geht der Sieg der Saints in Ordnung, fiel aber um zwei Tore zu hoch aus.

Zerfahrene Anfangsphase mit strategischen Vorteilen für Southampton

20151228_Robl_Aufstellungen

Aufstellungen und grundlegenden Bewegungsmuster zu Spielbeginn.

Gegen und auch mit Ball agierten beide Mannschaften in einer 4-4-2- / 4-2-3-1-Formation. Dabei interpretierten die Gunners diese Grundordnung gegen den Ball relativ passiv und auf Kompaktheit rund um den eigenen Sechser- und Achterraum bedacht. Özil und Giroud agierten stets leicht versetzt zueinander, um Schnittstellenpässe zwischen den beiden hindurch zu vermeiden und liefen van Dijk oder Fonte in der Innenverteidigung der Saints kaum einmal an. Als Pressingsignal nutzte man Anspiele des FC Southampton auf die Außenverteidiger. Das größte Problem Arsenals während dieser Phase war die Tatsache, dass sich über die sehr simplen, schablonenhaften Abläufe keine leitende Dynamik ergab und Southampton im Aufbauspiel so nie unter Druck kam bzw. lokale Engstellen problemlos umspielen konnte.

Im Aufbauspiel bezogen die Saints dazu Martin Steckelenburg konsequent mit ein und nutzten auf der linken Seite zunächst Rochaden zwischen Davis, Bertrand und Clasie in den ersten beiden Aufbaulinien. Clasie initiiere die Positionswechsel mit seinem seitlichen Herauskippen neben die beiden Stürmer Arsenals in den ersten Minuten. Nach zehn Minuten nahm Koeman diesbezüglich allerdings eine Anpassung vor, sodass von nun an nur noch Positionsrochaden von Bertrand und Davis zu sehen waren, während Clasie sich im Aufbau in den eigenen Sechserraum orientierte, der fortan mit dem Niederländer und Wanyama doppelt besetzt war. Die Folge war eine verbesserte Staffelung für zweite Bälle im rechten Halbraum verglichen mit dem Beginn der Partie. Southampton gelang es in dieser Phase – in der auch der Treffer zum 1:0 durch Rechtsverteidiger Martina fiel – über Ballgewinne in diesem Bereich nach Spiel auf zweite Bälle und einem insgesamt starken Rechtsfokus hin und wieder zu kleineren Möglichkeiten zu kommen. Konsequent Chancen heraus spielen konnte man sich allerdings nicht.

20151228_Robl_SzenenanalysePressing

Beispielhafte Pressingszene mit sichelhafter Mittelfeldkette.

Dass es Southampton gelang das Spiel weitestgehend zu kontrollieren, lag vor allem an der passenden Ausrichtung gegen den Ball, die der Mannschaft von Ronald Koeman strategische Vorteile gegenüber der Elf von Arsene Wenger bescherte. Im 4-4-2-Mittelfeldpressing des FC Southampton, das im Zentrum situative Mannorientierungen nutzte, lag der Fokus vor allem auf dem Verschließen der vertikalen Passwege aus der ersten Aufbaulinie des FC Arsenal in den eignen Zwischenlinienraum. Dort gab es mit Giroud, Özil, Ramsey und einem oder teilweise sogar beiden eingerückten Flügelspielern eine mehr als dichte Besetzung. Im Rahmen der Defensivausrichtung orientierte sich Mane situativ neben Long, hin und wieder aber auch an einem er beiden Sechser Arsenals. Die beiden Stürmer hatten primär die Aufgabe Läufe mit Ball von Koscielny oder Mertesacker ins Mittelfeld zu unterbinden und so die Passdistanzen in den Zwischenlinienraum hoch zu halten. Darüber hinaus sollten sie schnelle Verlagerungen von einem  auf den anderen Flügel über den Sechserraum verhindern, weswegen der Ballferne der Beiden bei Anspielen auf die Außen diagonal nach hinten kippte. Dies ermöglichte es der Mittelfeldkette bogenhaft und weit zum ballnahen Flügel zu schieben, ohne dass man Gefahr lief nach Seitenverlagerungen über Schnellangriffe große Raumverluste in Kauf nehmen zu müssen. Arsenal hatte in dieser Phase massive Probleme aus dem Aufbauspiel über ein sauberes Positionsspiel ins zweite und letzte Drittel zu kommen. Dies lag neben den langen Passdistanzen auch an den aggressiven, herausstechenden Läufen einzelner Akteure Southamptons, die ihre direkten Gegenspieler auf diese Art und Weise unter Druck setzten. Für einen effektiven Übergang vom Aufbau- ins Übergangspiel war zudem die Positionsbesetzung im ersten Drittel problematisch. Die insgesamt sehr flache Staffelung der Viererkette und Flamini als einzelner tiefer Sechser im Aufbau waren ungeeignete Mittel, um die Pressingformation der Saints zu bespielen. Sie ermöglichten weder den Innenverteidigern ausreichende Freiheiten bzgl. einem möglichem Aufrücken oder vertikaler Passoptionen, noch konnten Flamini oder die Außenverteidiger effektiv in die Ballzirkulation mit einbezogen werden.

Arsenals beste Phase nach dem Tor und bis zur Halbzeit

Arsene Wenger reagierte Mitte der ersten Halbzeit auf die beschriebene Problematik, indem er Bellerin und Monreal anwies, offensiv aktiver zu agieren. Beide rückten daraufhin teilweise schon im Aufbau bis ins letzte Drittel auf. Walcott und Campbell konnten sich so freier bewegen und auf die unterschiedlichen Situationen im Aufbauspiel reagieren. In Verbindung mit einer tieferen Rolle Ramseys und der Verlagerung des Aufbaufokus von den Innenverteidigern auf die beiden Sechser gelang es Arsenal nun das Pressing des FC Southampton über Vertikalbälle in den Halbräumen und kurze Dribblings der Sechser besser zu bespielen. Die Breite im Übergangsspiel in Verbindung mit den freieren Positionierungen der eigenen Sechsern führte dazu, dass Clasie und Wanyama nun stets vor die Entscheidung gestellt wurden, ihren direkte Gegenspieler zu verfolgen oder in der Kette zu verbleiben. Je nachdem wie diese Entscheidung ausfiel konnte der FC Southampton so entweder Pässe in den Zwischenlinienraum vermeiden oder Anspiele auf die Flügel in das letzte Drittel, aber nie beides, weshalb Koeman die Bewegungen im Mittelfeldband anpasste. Hier agierte man in der Folge schlichtweg enger und insgesamt vertikal kompakter, sodass sich die eigenen Schnittstellen wieder besser kontrolliert werden konnten und die beiden Sechser des FC Southampton bei Bedarf trotzdem leicht herausrücken konnten. Ziel war es, den FC Arsenal durch die hohe personelle Präsenz in zentralen Räumen auf die Flügel zu lenken und dort deren Rückzugsbewegungen und Anbindungsversuche an die Mitte zu attackieren. Die Gunners kamen nun zwar konstanter und sicherer ins letzte Drittel, waren dort aber oftmals auf dem Flügel isoliert und hatten Probleme mit der Anbindung an die Mitte. Wiederum waren die teilweise weiten und aggressiven Herausrückbewegungen einzelner Saints-Spieler immer wieder ein Problem für Arsenal, das sich auch gegen Konter nicht gut abgesichert zeigte.

Wengers Anpassungsversuche in der Halbzeitpause und Koemans schnelle Antwort

Zu Beginn der zweiten Halbzeit veränderte Wenger die Aufbaustaffelungen ein zweites Mal grundlegend. Die Außenverteidiger agierten wieder tief, aber leicht eingerückt, sodass sie vermehrt vertikale Läufe in den Halbräumen zeigen konnten. Özil orientierte sich ebenfalls weiter zurück und die beiden Flügelspieler hielten ihre Positionen auf den Außen. Über kurze Kombinationen in den Halbräumen versuchte man Campbell und Walcott freizuspielen und vermehrt über kurze Dribblings nach vorne zu kommen.

Direkt in diese Phase fiel der zweite Treffer durch Long in der 55. Minute, ab dem Southampton dann tiefer und insgesamt passiver verteidigte. Zentrale Räume konnte man so kontrollieren, teilweise auch mit Hilfe von Fünferkettenstaffelungen. An der Spieldynamik änderte sich im Vergleich zur ersten Halbzeit aber nichts mehr – die beiden weiteren Treffer durch Fonte und Long fielen nach einem Standard und kurz vor Ende der Partie.

shadowchamp 29. Dezember 2015 um 12:39

Ja kann dem Kommentar unten nur bepflichten die Zusammenfassung am Anfang des Artikels bringt es echt auf den Punkt. An so einer Partie merkt man das Arsenal keinen tiefen Spielmacher mehr hat der die schlechten Aufbaustafflungen kaschieren kann. Ich hoffe Arsenal verpflichtet bald einen Carzola Ersatz auch wenn die gleiche Qualität wohl kaum zu finden sein dürfte …

Antworten

schwerti 28. Dezember 2015 um 19:59

Die kurze Zusammenfassung am Anfang schafft eine tolle Orientierung und erleichtert das Verständnis der taktischen Ausführungen! Toll auch zum Vergleich, wenn man das Spiel gesehen hat. Macht bitte weiter so! Ein treuer Leser.
P.S. Allen Autoren und Lesern alles Gute für 2016.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*