Knapper Arsenal-Sieg in mäßigem Spitzenspiel

Arsenal gegen City! Topspiel! Meisterschaftsvorentscheidung! Was zu erwarten war? Tolle Spieler, schlechtes Spiel!

Asymmetrisches 4-4-1-1 bei Manchester City

Grundformationen

Grundformationen

Grundsätzlich spielt City seit Jahren in einem 4-4-1-1, welches je nach Spielermaterial und Gegner leicht angepasst wird. Daraus kann in der genauen Rollenverteilung ein 4-4-2 entstehen (z.B. unter Mancini noch mit Dzeko und Agüero vorne) oder auch eine Art 4-2-2-2 (besonders mit Nasri und Silva), wenn auch nur in der Rollenverteilung bei eigenem Ballbesitz. Gegen den Ball war es eigentlich fast immer ein 4-4-1-1/4-4-2, was auch dieses Mal genutzt wurde.

Allerdings gab es eine leichte Anpassung. Dieses Mal spielte Silva nicht als verkappter Zehner, der von der Außenbahn einrückt, sondern hinter Agüero. Silvas eigentliche Rolle übernahm De Bruyne, der über die rechte Seite kam. Überraschend: Auch auf links spielte ein einrückender Akteur, allerdings ein etwas anderer Spielertyp als Silva, De Bruyne oder eben auch Nasri, der diese Rolle schon mehrfach verkörperte.

Fabian Delph, eigentlich ein zentraler Mittelfeldspieler (Sechser oder Achter), startete auf links. Vermutlich wollte man im Verbund mit dem sehr weit vorstoßenden Kolarov als linkem Außenverteidiger einen weiteren sicheren Passgeber in der Mannschaft haben, der in der Konterabsicherung effektiv ist. So war es einige Male zu sehen, dass Kolarov Delph schon sehr früh weiträumig hinterlief und die Breite übernahm, während Delph sich wie ein Achter in eigenem Ballbesitz im linken Halbraum bewegte.

Von dort konnte er das Ballbesitzspiel unterstützen, Räume überladen und war nach Ballverlusten sofort zur Stelle, um für Kolarov abzusichern oder die Mitte zu verdichten. Bei gegnerischem Ballbesitz war er ebenfalls überraschend eng positioniert und gelegentlich wirkte die Mittelfeldkette etwas auf die rechte Seite verschoben; bisweilen wirkte es gar wie ein (sehr unsauberes) 4-1-3-1-1 mit Fernandinho etwas tiefer und absichernder positioniert.  Diese Aufgabe übernahm er auch in eigenem Ballbesitz.

Allerdings war Pellegrini nicht der einzige, der sich etwas hatte einfallen lassen.

Arsenal im 4-5-1/4-4-1-1

Grundsätzlich blieb Arsene Wenger natürlich beim 4-4-1-1; dabei war es meistens Özil, der diese Formation zu verändern schien. In einzelnen Situationen ließ sich Özil etwas tiefer fallen und spielte wie der rechte Achter, während er in anderen einen der gegnerischen Sechser manndeckte und Pässe auf ihn damit versperren wollte. Vielfach sah man Özil auch längere Pressingbewegungen anch vorne zu machen, die er mit Kommandos verband – doch oft reagierten die Mitspieler kaum bzw. nur individuell, u.a. längere Sprints im Pressing von Flamini, um Özil im Sechserraum des Gegners zu unterstützen.

Diese Ausrichtung funktionierte ganz gut; ursächlich war dafür allerdings die Drucklosigkeit Citys.

Überhastet ohne Plan und wegen Vorsicht

Eigentlich hätte City mit diesem Spielermaterial Arsenal komplett aufmachen müssen. Die Mannorientierungen Arsenals waren willkürlich und öffneten viele Räume, teilweise waren sie auch schlichtweg unnötig und fanden in irrelevanten, ballfernen Zonen statt. Die Kompaktheit innerhalb der Mannschaft war gering und die Bewegungen der Linien unharmonisch. Häufig rückte Özil vor, verspätet folgte ihm einer oder zwei der anderen Mittelfeldspieler, während die Abwehr auf der vorherigen Höhe blieb und Räume öffnete.

City nutzte dies jedoch nicht aus. Sie griffen zu vorsichtig an; in diesem Kontext bedeutet vorsichtig, dass sie sich oftmals außerhalb Arsenals Formation positionierten und zirkulierten, anstatt mit viel Bewegung und hohen Positionen die offenen Zwischenräume der Gunners zu überlasten. Es schien aus einer persönlichen Perspektive erkennbar, dass City – im Gegensatz zu Tuchels BVB oder Guardiolas Bayern – keinen klaren Plan in Ballbesitz hatte, sondern nur eine paar grundlegende Richtlinien, welche allerdings in diesem Kontext entweder von den Spieler nicht ordentlich umgesetzt oder schlichtweg nicht an Arsenals (Un-)Struktur angepasst wurden.

Aus dieser Vorsicht entstanden natürlich unterladene Besetzungen der vorderen Zonen; De Bruyne und Co. waren häufig isoliert und wurden nur mit schlechten Verbindungen unterstützt. Erhielten sie den Ball, visierten sie zwar die offenen Räume Arsenals an, aber hatten hier keine positionellen Vorteile, trotz der Löcher. Aus diesen Aktionen entstanden dadurch viele überhastete Spielzüge und Ballverluste.

Das spielte natürlich Arsenal in die Karten.

Unförmigkeit bezwingt Drucklosigkeit

Vor einiger Zeit machte der von mir geäußerte Ausdruck „Juego De No Posición“ über Arsenals Spielweise die Runde auf Twitter; gelegentlich spielt Arsenal extrem ballorientiert mit Ball, mach sich selbst Räume zu und hat keine Ausweich- oder Verlagerungsmöglichkeiten, was dazu führt, dass sie bisweilen in Ballbesitz kompakter sind als ohne. In diesem Spiel war dieser Effekt nicht dermaßen extrem, aber dennoch vorhanden.

Der große Unterschied zwischen den beiden Mannschaften in dieser Partie war jedoch, dass Arsenal versuchte die offenen Räume und mangelnde Intensität in der gegnerischen Formation zu attackieren. Die schlechte kollektive Staffelung wirkte in einzelnen Situationen sogar vorteilhaft, weil sie dazu führte, dass man die Deckung Citys auflöste und simple Durchbrüche kreierte. Wenn auch nur zwei Mal in der ersten Halbzeit, wie diese Grafik zeigt.

Auch wenn dieser Druck sehr improvisiert und positionell unsauber erzeugt war, so war er dennoch vorhanden – was bei City lange Zeit das Hautproblem war. Desweiteren zeigte Özi, wieso er für Arsenal so wichtig ist (und vom GoalImpact dermaßen hoch bewertet wird). Abermals war er jener Spieler, der nicht nur Arsenals Bewegungsspiel balancierte und organisierte, sondern auch Citys Deckungsverhalten vor Probleme stellte.

Zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel änderte sich der Rhythmus etwas. City wurde durch das Ergebnis gezwungen ansatzweise aus diesem Trott herauszukommen, Arsenal wiederum verlegte sich verstärkt auf das Verteidigen und die Stabilität. Die 4-5-1-Staffelungen kamen nun häufiger vor, vielfach waren es gar 4-1-4-1 und 4-3-2-1-Formationen.

Doch dieser Fokus auf die Stabilität erlaubte City ins Spiel zu kommen; sie dominierten die Räume fortan und fanden immer besser in die Partie. Es gab einige Chancen und auch Anpassungen; u.a. durch die Einwechslungen Sterlings, Navas‘ und Bonys für Agüero, Silva und Delph. Arsenals enorm flache und dennoch löchrige Staffelungen im ersten Drittel sorgten für den Anschlusstreffer Tourés, welcher aber nicht ausreichen sollte – und Arsenal hatte gar noch einige Kontermöglichkeiten.

Fazit

Man sagte mir einmal, wenn man über jemanden nichts Gutes sagen soll, soll man nichts sagen. Ich habe zwar die Analyse dennoch verfasst, möchte aber hier auf eine abschließende Meinung verzichten. Spaß gemacht hat mir das Spiel jedoch nicht.

shadowchamp 22. Dezember 2015 um 12:03

Was mir noch besonders aufgefallen ist war teilweise wie platt beide Mannschaften wirkten…. besonders Campbell war vor seiner Auswechslung nur noch zu Standfußball in der Lage.
Macht nicht gerade Hoffnung für die nächsten Spiele…

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DonAndres 22. Dezember 2015 um 12:15

Das ist wahrscheinlich, weil die Liga so intensiv ist. 😛

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Peda 22. Dezember 2015 um 10:36

Ich habe mir heute Früh nur die Highlights angesehen und war schon unterwältigt:

De Bruyne mit miserabler Entscheidungsfindung bei seinen beiden Weitschüssen, vor allem der zweite war grob fahrlässig.
Özils Assists halte ich für überbewertet. Beim ersten kann man ihm noch zu Gute halten, dass er mit dem anschließenden Lauf entscheidenden Raum öffnet, mindestens so entscheidend waren aber die Reklamierarme. Er stand beim Anspiel jeweils schön frei im rechten Halbraum, was in meinen Augen weniger Eigenleistung als gegnerisches Fehlverhalten ist, und spielt dann einen logischen aber sicher nicht tödlichen Pass, der zu einem schwierigen, aber erfolgreichen Abschluss führt.
Der Anschlusstreffer ist dann das Tüpflechen auf dem i und erinnert stark an eine Fußball-Persiflage aus den Simpsons: Sagna und Touré können den Ball gegen vier Verteidiger mit geringstem Bewegungsaufwand zwei Mal hin- und herschieben, bekommen dabei sogar den Raum und die Zeit, um ihn jedes Mal (außer beim direkten Abschluss) zu stoppen. Arg…

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August Bebel 22. Dezember 2015 um 11:57

Ich glaube, dass Özils Pass vor dem 1:0 nicht für Walcott, sondern für Monreal gedacht war. Das 1:0 und das 2:1 kamen dermaßen aus dem Nichts, das war schon erstaunlich; die Tore schienen vollkommen willkürlich. City war traurig anzuschauen.

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Partizan 22. Dezember 2015 um 10:01

Habe gestern nicht viel von City erwartet, wenn man die Spiele gegen Tottenham, United, 2x Juventus Liverpool, und gestern gegen Arsenal gesehen hat, muss ich RM leider recht geben das City im Ballbesitz ohne richtiges Konzept ist.
Die Halbfeldflanken ab der 70. Minuten auf Bony der im Strafraum alleine gegen Mertesacker und Kosciely waren dann der absolute Höhepunkt der einfallslosigkeit, die Distanzschüsse Kolarov will ich nicht mal groß erwähnen. Selbst als Wenger Gibbs für Campbell brachte, wechselte City nur Positionsgetreu, die Auflösung der Viererkette mit einem Wechsel von Navas für Sagna wäre noch eine Option gewesen in meinen Augen.
Die Aussotierung von Dzeko zu Saison Beginn nahm City zusätzlich eine Option nicht nur in diesem Spiel gestern.

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Handtuch 22. Dezember 2015 um 09:53

Freut mich, dass die Gunners gewonnen haben! Bis zum 1:0 war City auf jeden Fall besser im Spiel. Danach hat Arsenal richtig guten Fußball gespielt und hätte eigentlich 3 oder 4:0 führen müssen. Gegen Ende der Partie hat Manchester noch mal gedrückt. Der Anschlusstreffer von Touré war dann natürlich weltklasse, wobei Walcotts 2:0 auch ganz stark abgeschlossen war.
Özil jetzt bereits mit 15 Assists, einfach nur bärenstark. Dieses Jahr hat Arsenal wirklich sehr gute Chancen mal wieder die Meisterschaft zu holen.

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Holger 22. Dezember 2015 um 09:31

„Man sagte mir einmal, wenn man über jemanden nichts Gutes sagen soll, soll man nichts sagen.“ Stimmt, ich werde diesen Beitrag trotzdem abschicken.
Ich habe das Spiel gesehen und muss dir in allen Kritikpunkten zustimmen. Allerdings war diese „Analyse“ noch lustloser als das Spiel selber. Das Spiel war dir nicht mal eine Grafik wert. Zugegeben, das Spiel hat die Mühe auch nicht verdient, aber dann hätte man es doch gleich sein lassen können/müssen 😉

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shadowchamp 22. Dezember 2015 um 11:55

Kann dem allen nur zustimmen … seit langer zeit mal wieder ein Artikel der mich enttäuscht hat …
Mir als Arsenalfan hat das Spiel natürlich trotzdem gefallen 😉

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sonar 22. Dezember 2015 um 17:19

Ich finde die Analyse gut. Alles Wesentliche drin. Ich habe jetzt einen weitaus besseren Eindruck vom Spiel als von der Lektüre der Tagespresse. Danke.

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em es 22. Dezember 2015 um 23:48

Mir geht es ebenso
Die analyse hat mir die Platzverhältnisse gut veranschaulicht

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RM 23. Dezember 2015 um 11:40

Die Grafik wurde lediglich von einem Server gefressen. Ist jetzt wieder drin. Und ich hatte eigentlich Lust auf eine Analyse, mir fiel lediglich kaum was ein / auf, worüber ich hätte schreiben können.

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JAS 22. Dezember 2015 um 07:51

Arteta? Welcher Arteta? Ich habe keinen Arteta gesehen… 😉 Flamini und Ramsey bildeten die Doppel-Sechs, bzw. Ramsey gab den Achter.
Ansonsten hast du völlig recht, diese Arsenal-Verteidigung sollte Spielern wie deBruyne, Silva, Toure and Agüero eigentlich ein Leichtes sein. Wenn dann noch Sterling gespielt hätte? Aber die Aufstellung Delphs zeigte ja schon, Pellegrini zu vorsichtig. Trotzdem zunächst dominant. Erst nach der Führung spielte, die ja nicht grossartig herausgespielt war, sondern einfach nur aus einem überragenden Fernschuss resultierte, wurde Arsenal besser. Später, zu Beginn der 2. Halbzeit, geradezu euphorisch. Aber ManCity dann nach seinen Umstellungen wieder eindeutig besser. Was dann ja auch zum Anschluss führte. Danach Arsenal am Wanken.
Was ich sagen will, irgendwie erscheinen mir Premier League Spiele immer wesentlich emotionaler als Spanische oder Deutsche Liga-Spiele. Liegts an der Atmosphäre? Oder doch an mangelnder taktischer Disziplin? Kann man sich doch eigentlich angesichts der Internationalität der Trainer in der Premierleague gar nicht erklären, oder? Ich weiss, ich renne offene Türen bei dir ein…;)

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idioteque 22. Dezember 2015 um 10:52

Dazu gab es auf Spielverlagerung schon einen längeren Artikel: http://spielverlagerung.de/2014/11/18/eine-abrechnung-die-probleme-des-englischen-fussballs/

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Tingeltangelball 22. Dezember 2015 um 02:36

Abgesehen vom der skizzierten Taktiklosigkeit des Spiels, die hier natürlich in der Kritik steht, steht im Artikel eine Art eingeschränktes Lob für Özil, der für Arsenal wichtig sei, aber – so ließt es sich für mich – nur aus der Strukturfreiheit der PL heraus so wichtig werden könnte. Er (Özil) stand bei euch ja nie so hoch im Kurs, hätte ich das Gefühl, weil er zu sehr auf den finalen Pass fokussiert sei. Wie seht ihr seine Entwicklung in den letzten Jahren. Wenn ich Özil mal spielen sehe, was selten geschieht, dann gefällt er mir eigentlich. Was mich wundert ist, dass er in der internationalen Presse wohl viel gelobt wird, aber bei fast allen, mit denen ich über Fußball spreche, als unnützer Schöngeist verschrieen ist.

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blub 22. Dezember 2015 um 23:17

Özil is schon manchmal ein bisschen inkonstant, aber hier ist die Kritik eher, das er in der strategischen Ballzirkulation nicht so stark ist und zu früh vertikal spielt für die situationen in denen sich Deutschland zu 95% befindet.

Die Kritik von average Joe ist ja eher das er in „big games“ nicht performt, defensiv nicht mitarbeitet und eine negative Körpersprache hat. (aka die Hymne nicht mitsingt)

In England versuchte man ja ab und zu ihn zu manndecken was meist zu mittleren katastrophen führte, allerdings ohne das er auf dem score-sheet auftauchte.

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Jacob 26. Dezember 2015 um 02:52

Also ich habe kein einziges Spiel von Özil verpasst diese Saison (auch die letzten 2 Jahre fast jedes Spiel gesehen) und ich konnte die Kritik an ihm nie richtig verstehen. Ich bin froh, dass die Kritik dieses ja verstummt ist, denn die Statisktiken sprechen diese Saison ja für sich. Er ist physisch stärker geworden, kämpft devensiv stärker mit und spult jedes Spiel seine Kilometer ab und dazu werden seine „created chances“ auch öfter verwandelt, dies ist der wesentliche Unterschied zu den letzten beiden Jahren. Dieses Jahr spielt Arsenal einfach kaltschnäuziger als sonst. Gegen City in der ersten Halbzeit 2 Torschüsse -> 2 Tore.
Und ich stimme zu, dass Özil in den großen Spielen einfach zu wenig in Erscheinung getreten ist, dies ist diese Saison auch anders (gg ManU Tor+Vorlage, gg City 2 Vorlagen, gg Zagreb das wichtige 1:0 selbst gemacht etc.)
Jeder der Fußball liebt muss Özil einfach lieben, dieses Auge für diesen entscheidenden Pass, Wahnsinn.
Für mich kann man Özil gut mit einem Topstürmer wie Gomez in seinen besten Tagen oder so vergleichen, Stürmern, die 85 Minuten unsichtbar sein können und dann den entscheidenden Ballkontakt haben, so fällt Özil in 90 Minuten oft nicht sooo sehr auf, aber wenn ihm nur ein einziges Mal der Raum für einen Sahnepass geboten wird ist er da und gibt halt den entscheidenden Pass!

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