PSV im Mannorientierungsduell geschickter

psv eindhoven2:0wolfsburg

Mannorientierungen gab es zahlreich in diesem Match. Bei der PSV waren sie häufiger und klarer, aber besser ausgeführt, so dass Wolfsburgs verschiedene Offensivversuche dagegen nicht genug Effektivität fanden. Der VfL hatte weniger dieser Zuordnungen, die eher ins Gesamtsystem eingebettet daherkamen – das aber nicht so gut.

Insgesamt sorgten diese Mannorientierungen mit ihren Folgewirkungen – auch den Rhythmus betreffend – für viele zerfahrene Phasen, in denen sich die Begegnung nicht immer klar einpendeln und zu ruhiger Struktur finden konnte.

Schon beim ersten Aufeinandertreffen der Teams vor zwei Wochen demonstrierten die letztlich unterlegenen Eindhovener ihre Ambitionen zu Ballbesitz- und Offensivspiel. Vor heimischer Kulisse und mit der tabellarischen Ausgangslage war das nicht anders. Zwar wurde Wolfsburg keinesfalls nach hinten gedrängt oder musste die PSV klar dominieren lassen, doch befanden sich die Hausherren zunächst in der tendenziell bestimmenden Rolle. Das typische Wolfsburger 4-4-2 – mit Arnold vorne neben Dost und etwas engeren Außenspielern – gewährte den Niederländern in den ersten Linien prinzipiell Ruhe. Guardado suchte sich dort seine Freiräume in verschiedenen Zonen und gab seinem Team weitere Sicherheit.

Lose Wolfsburger Mannorientierungen vertikal bespielt

psv-wob-2015-neuInsgesamt zeigte sich das Mittelfeldzentrum der Niederländer beweglich, entfaltete aber nicht immer die nötige Effektivität. Zwar gibt es in der Defensivausrichtung des VfL im hinteren Zentrum gewisse lose Mannorientierungen, doch die Hausherren waren bei ihren Aktionsmustern bisweilen zu sehr darauf ausgerichtet, dagegen Raum zu schaffen. So fanden die Bewegungen der Achter zwischen aufrückenden und ausweichenden Elementen nur inkonstant zueinander. Zwischendurch suchten sie auch mal zu überambitioniert hohe Zonen hinter den Wolfsburger Sechsern, bekamen aber keine stabile Verbindung dorthin. Falsch war ihre Ausrichtung aber nicht, nur bisweilen zu pointiert.

Vielversprechend wurden Szenen, wenn Pröpper und Maher mit kurzen Rückfallbewegungen einen der gegnerischen Mittelfeldakteure doch mal etwas herauslocken und den Zwischenlinienraum öffnen konnten. Gelang ihnen dort schon nicht selbst das Zusammenspiel untereinander, sollte das zumindest für die Sturmkollegen möglich werden. Gerade Luuk de Jong ließ sich häufig in solche Lücken fallen und wurde auf diese Weise einige Male eingebunden, gegenüber den Außenspielern teilweise fast schon zu prominent, wenngleich das Grundprinzip, dass diese dafür diagonal die Schnittstellen attackierten, prinzipiell schon Sinn machte. Mit der Zeit forcierte die PSV jene Situationen besser.

Auf diese Weise sollte in der zweiten Halbzeit schließlich auch der wegweisende Führungstreffer durch Locadia entstehen. Die Wolfsburger Staffelung im Verschieben war nicht optimal und ermöglichte Moreno zu viele Freiheiten für den Vertikalpass, Maher ließ sich kurz raumöffnend fallen und Luuk de Jong hatte Platz vor der Abwehr. Der PSV-Kapitän drehte sich um den ihm herausrückend folgenden Klose herum und steckte das Leder auf den Linksaußen durch – schon war es passiert. Neben dem Faktor der Mannorientierungen wies diese beispielhafte Szene an zweiter Stelle auch darauf hin, dass die generelle Defensivausrichtung der Gäste diesmal nicht so solide daherkam, wie gewohnt.

psv-wob-2015-tor

Das 1:0 für die PSV: Maher öffnet den Zwischenlinienraum für Guilavogui, ohne dass dieser noch an den Pass kommen kann. So hat Luuk de Jong viel Platz, setzt sich gegen den herausrückenden Klose durch und bedient Locadias Lauf. Die vordere Staffelung der Wolfsburger ist durch die Abstände zwischen Dost und Arnold gegen Moreno etwas lasch. Insgesamt sind die Mannorientierungen innerhalb des Mittelfelds hier für die Stabilität oder etwaige Möglichkeiten, noch Lücken zu stopfen, nicht förderlich.

Staffelungsunsauberkeiten, Flügelaufrücken, lange Bälle

So wirkten die Staffelungen in der ersten Linie phasenweise unsauber, mal zu individualisiert voneinander oder durch Arnolds situative Mannorientierungen unkompakt. Dahinter waren die Anordnungen, gerade bei tiefer positioniertem Zehner, eigentlich gut, aber aus diesen Szenen reagierten die Wolfsburger zu wenig umformend, wenn die PSV sich zentral durchzuspielen versuchte. Einige Male hielt der zentrale Block die mannschaftlich passende Staffelung undynamisch, anstatt sich – zumal oft auch in Überzahl – als geschlossene Einheit zu bewegen. So entstanden zwischendurch schwächere Anordnungen oder leichte Kompaktheitslücken, auf die man gerade keinen Zugriff hatte. Manche der Szenen waren ein Beispiel für den Unterschied zwischen den Staffelungsanordnungen als solchen und den Wirkungen, die sie im besten Fall in Sachen Druck oder Dynamik haben können.

In diesen Fällen konnte die PSV längere Passwege öffnen oder ein Mittelfeldakteur in den Bereich hinter die Stürmer eindringen. Manchmal gelangten die Hausherren auch neben die Wolfsburger Sechser und anschließend gegen die Rückwärtsbewegung schnell nach außen. Daneben gab es noch einen anderen Weg zur Seite, den sie einige Male nutzten – direkt dort aufrücken. Die etwas laschen, unruhigen Wolfsburger Staffelungen konnten – teilweise auch mal zufällig oder durch verschiedene verkettete Synergieeffekte – die Positionierung der offensiven Außen so beeinflussen, dass sie unsauberer wurden. Bei passender Aufbaustruktur in der Tiefe konnte die PSV druckvolle Eröffnungen auf die hochstehenden Außenverteidiger anbringen, die Flügel der Niedersachsen überspielen und von der Seite in den äußeren Bereich des Zwischenlinienraums eindringen.

Zu beiden Szenarien auf den Flügeln muss man einschränken: Auch wenn dadurch Raum geöffnet, aufgerückt und leichte Unkompaktheit beim VfL erzeugt werden konnten, handelte es sich im Endeffekt um etwas hektische, unstrukturierte Szenen. Durch die breiten Staffelungen der Sturmreihe und die Tatsache, dass das Mittelfeld aufgrund seiner teils zuvor eingebundenen Ausweichbewegungen manchmal kaum unterstützen konnte, machte sich die Fortführung der Szenen nicht von selbst. So entstanden aus den offen wirkenden Situationen, statt einer Chancenflut, eher vereinzelte Annäherungen. Ein letztes Mittel dafür stellten lange Bälle in Richtung Luuk de Jong dar, die auch mit ausweichenden Mittelfeldbewegungen verbunden werden konnten und vom Grundprinzip den anderen Offensivversuchen nicht unähnlich waren.

Engagement und Läufe ohne die letzte Effektivität

So lange es torlos stand, schienen die Gäste mit einem Remis durchaus leben zu können und offensiv etwas abwartend aufzutreten, doch an Aufbauszenen mangelte es auch schon zu Beginn nicht. In ihrem typischen 4-3-3 wählte die PSV dagegen eine recht hohes, passiv ausgeführtes Zustellen mit dem Dreiersturm, aus dem Locadia vereinzelt etwas mittiger in Richtung Naldo rückte. Fast überall prägten die vielen losen Mannorientierungen – in abwartender Interpretation, nach hinten verfolgend, aber nur bedingt herausrückend – das Bild entscheidend, im Mittelfeld wie in der Abwehr. Den Wolfsburgern gelang es letztlich nicht entscheidend, das aufzustemmen und die Logik der Gastgeber abschließend konstant zu knacken.

Die gelegentlichen Herauskippbewegungen der Sechser erzeugten nur wenig Effekt, da die gegnerischen Achter in diesen Fällen so weit nicht verfolgten und einfach tief passiv blieben. Umgekehrt fand Guardado speziell in der ersten Halbzeit phasenweise eine gute Balance als einziger Sechser, verfolgte Arnold bei dessen Bewegungen nach hinten nicht zu weit, sondern schob stattdessen gelegentlich eigenständig horizontal weiträumig nach außen zum Doppeln mit. Prinzipiell wirkten die Niedersachsen schon gut auf die Spielweise des Gegners eingestellt und versuchten deren Mannorientierungen mit vielen verschiedenen Bewegungen zu bespielen, hatten in der Ausführung aber Probleme.

Oft fiel der Zehner etwas zurück, der ballferne Sechser wich aus und der ballnahe Kollege versuchte aufrückend den durch Arnold geöffneten Raum anzulaufen. Von Timing und Dynamik her liefen diese Mechanismen aber verbesserungswürdig ab. Zudem erschloss eine solche Rochade keine absolut fruchtbaren Bereiche, sondern seitliche, noch gut gesicherte Zonen, die sehr stringent und linear anvisiert wurden. Dadurch änderte sich an der Grundstruktur bzw. der Ausgangsanordnung letztlich nicht allzu viel, sondern sie blieb etwas mechanisch. Durch das Ausweichen des dritten Mannes im Mittelfeld konnte es auch mit den Anschlussoptionen problematisch werden.

Insgesamt zogen die Läufe, wenn sie gegen die Mannorientierungen Raum öffnen sollten, zu oft in Positionen, die im weiteren Angriffsverlauf schwierig einzubinden waren, mal zu sehr in die letzte Linie, mal in schwer zugängliche Flügelräume. Zudem fokussierten sich eröffnende Pässe in tieferen Zonen, anfänglichen Aufbauphasen und innerhalb des gegnerischen Blocks – also fast in allen Szenarien vor der Suche nach dem Durchbruchsmoment – zu stark auf den Empfänger als konkreten Spieler. Vor der Pause verbuchte der VfL aufgrund dieser Schwierigkeiten nur drei Abschlussversuche. Mit der Zeit wurde auch die zu normale oder, auf links, zurückhaltende Rolle der Außenverteidiger gegen diesen mannorientierten, die Flügelstürmer aber optional zurückziehenden Gegner wieder als Problempunkt auffällig.

Schürrle zentraler, Guilavogui rochiert seitlich, Naldo rückt auf

Ganz ohne Chancen blieben die Gäste nun aber  nicht. Zwischendurch entstanden immer mal einzelne Möglichkeiten. Gegen diesen mannorientierten Gegner lohnte es sich – wenn man ansonsten Probleme hatte – die einfachen Offensivwege zu suchen und zielstrebig eine solide Struktur durchzuspielen. So waren schnelle, nüchterne Attacken zur Grundlinie vom Ansatz vielversprechend, wenngleich in den eigentlich gewohnten Abläufen etwas zu unsauber vorgetragen. Die besten Szenen brachten diagonale Rochaden von Guilavogui zum Flügel: Ließ sich Caligiuri im richtigen Moment etwas fallen, konnte der Franzose in den Raum hinter Brenet ziehen – er musste bloß sich von Maher absetzen und schnell bedient werden. So entstand auch die größte Torgelegenheit des VfL, durch Bas Dost.

Heckings zwischenzeitlicher Schachzug, mit Schürrle als hängender Spitze in einer Art 4-4-2/4-4-1-1 für zusätzliche zentrale Dynamik zu sorgen und die um das offensive Mittelfeld situativ entstehenden Lücken sowie Streckungen im gegnerischen Verbund besser nutzen zu können, ging nicht auf. Dafür stellte sich die gesamte Anlage im vorderen zweiten Drittel als zu unstrukturiert dar, zumal mit der Umstellung die strategischen Qualitäten aus dem Zentrum schwanden, um die Mannorientierungen weitflächiger und vorausschauender attackieren zu können. Eine weitere Variante sah verstärkte Einrückbewegungen der Flügel und frühzeitige seitliche Rochaden aus dem Mittelfeld vor. Auch diese bisweilen breiten 4-3-2-1-Muster wurden aber hektisch und unstrukturiert ausgespielt.

Trotz mancher Verbesserungen sollten die Niedersachsen letztlich auch in der zweiten Halbzeit nicht die richtigen Wege und Bewegungen finden, um den entscheidenden Durchbruch zu landen. Wichtig und dem Erfolg am nächsten war noch die verbesserte Einbindung aufrückender Läufe aus der Innenverteidigung, gerade von Naldo, wodurch einige gute Ansätze eingeleitet wurden. Zwar gab es Szenen, in denen die Gäste sich aus dem rechten Halbraum leicht zum Flügel abdrängen ließen, aber auch Momente mit deutlich verbesserten Anschlussoptionen und ansprechenden Spielzügen. So suchten beispielsweise Dost und Arnold gezielter die Zone halbrechts, während Luiz Gustavo vermehrt späte Nachstoßbewegungen einbrachte.

psv-wob-2015-schlussphase

In der letzten Viertelstunde

Anrennen gegen ein 5-4-1 zum Schluss

In der letzten Viertelstunde überraschte Cocu mit der Umstellung auf ein defensives 5-4-1: Isimat-Mirin kam als Zentralverteidiger für Locadia, Guardado ging links ins Mittelfeld. Die etwas größeren Vertikalabstände konnten meist von Morenos Herausrücken oder Mannorientierungen gefüllt werden. Trotz der besseren Breitenstaffelungen dieser Formation fand Wolfsburg vereinzelt zu horizontalen Dribblings in die Mitte und folgenden Distanzschüssen. Etwa zeitgleich mit Cocu stellte auch Hecking um. Unter anderem übernahm Draxler rechtsseitig die Zehnerposition und Arnold rückte weiter nach hinten. Dies sorgte für eine klarere Interpretation des Wolfsburger 4-2-3-1 und eine offensivere Mittelfeldausrichtung durch Arnolds Rolle als einer der Sechser.

In dieser Phase verpasste es Wolfsburg, bei Szenen am Flügel mit Halbraumverlagerungen den freien Mittelfeldmann, oft eben Arnold, in den großen ballfernen Lücken einzubinden. Wenn beispielsweise Luiz Gustavo weiter aufrückte und ein gegnerischer Sechser eine Mannorientierung auf ihn übernahm, fehlte es an gezielten Anspielen auf den dadurch situativ frei werdenden Kollegen im Zwischenlinienraum. Gelegentlich waren aber auch dessen Positionierungen nicht präsent und nah genug. Auch wurde die linke Seite kaum mehr genutzt. Ein Abschluss von Naldo nach Aufrücken samt Halbraumkombination über Bendtner und Luiz Gustavo sorgte für die beste Chance des Teams, doch es reichte nicht mehr zu einem Tor.

Fazit

Eine der schwächeren oder schwächsten Wolfsburger Vorstellungen in der jüngeren Vergangenheit, sowohl mit als auch gegen den Ball, endet mit einer letztlich verdienten Niederlage bei der PSV. Die Mannschaft von Philip Cocu brillierte nicht, rief aber ihr Potential ab. Zwar hatten die Niederländer mehr Mannorientierungen als der VfL, balancierten diese insgesamt aber besser. Auf der anderen Seite fanden sie gelegentlich – beim 1:0 dann entscheidend – Wege, um gegen die Wolfsburger Raum zwischen den Linien zu öffnen und daraus zu Chancen zu kommen. In der Schlussphase gab es nochmals ein etwas verändertes Duell zwischen überraschendem 5-4-1 und umgestelltem 4-2-3-1, in der mit etwas Glück der Ausgleich hätten fallen können, die Hausherren aber für das späte 2:0 sorgten.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*