Blick über den Tellerrand – Folge 28

Der erste Blick über den Tellerrand der neuen Saison fällt auf Islands EM-Qualifikation, nach Mittelamerika und auf Bayern-Neuzugang Kingsley Coman.

Wo es gut läuft: Island

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Die Ausrichtung in den beiden jüngsten Quali-Spielen spiegelt die taktische Marschroute und das generell meist bevorzugte personelle Grundgerüst.

Es ist eine gewisse Sensation, dass sich Island – mit nur 330 000 Einwohnern ähnlich zu bewerten wie die aber noch viel kleineren Färöer – in einer schwierigen Gruppe schon zwei Spieltage im Voraus für die EM im kommenden Sommer qualifiziert hat. Das ist aber auf kontinuierlicher Entwicklung gewachsen und hat sich schon vor zwei Jahren angedeutet, als sie erst in den Play-Offs die WM-Teilnahme verpassten. Die Mannschaft von Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson agiert in einer 4-4-2/4-4-1-1-Formation – mit Freiheiten für Glyfi Sigurdsson als offensiveren Sechser – und zeigt sich in erster Linie defensiv- und stabilitätsorientiert, kassierte erst drei Tore in acht Quali-Partien. Die disziplinierte, zunächst von klaren Verteilungen geprägte Verteidigungsarbeit beginnt mit vielfältigen Aktionsmustern der beiden Spitzen. Ihre Startpositionierungen im Pressing sind grundsolide, unspektakulär, aber überzeugend, woraus dann – bei teils etwas passivem Verschieben – verschiedene, wechselhaft ausgeführte Folgeeinbindungen resultieren können, so unter anderem das gelegentlich tiefe Zurückfallen des hängenden Angreifers.

Ein prägendes Element des isländischen Teams ist die wechselhafte, etwas lose Verbindung innerhalb des defensiven Mittelfelds. Gegen den Ball hängt diese mit der strategisch-strukturellen Ausrichtung des Gegners zusammen. So gibt es zwar manchmal sehr eng ballorientiert verschobene Anordnungen der Sechser und des nahen Flügels über dem äußeren Halbraum, doch geschieht das eher in druckvollen gegnerischen Phasen, wenn dieser wirklich mal aggressiv die Halbräume um die verschobenen Anordnungen der isländischen Spitze zu bespielen versucht oder konsequenter Aufrückbewegungen der Innenverteidiger fokussiert. Mit dieser situativen Anpassungsfähigkeit wissen die Nordeuropäer zu gefallen. Ansonsten sieht der Normalfall so aus, dass die defensiven Mittelfeldmannen sich auch mal unabhängiger voneinander und weiträumiger bewegen. Beispielsweise rückt der Ballnahe sehr eng hinter dem Flügelspieler diagonal nach außen nach, während sein Pendant in der Raumsicherung passiv bleibt oder sogar – nicht immer ganz optimale – Mannorientierungen gegen aufrückend ausgerichtete Achter aufnimmt, anstatt sauber mit zu verschieben.

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Teilweise zeigen sich solche Anordnungen mit etwas größeren Abständen zwischen den Sechser, die aber unter anderem durch die Innenverteidigung oder den oft flexibel tief positionierten Halbstürmer ansatzweise gefüllt werden können.

Das sorgt theoretisch für gewisse Instabilitäten und öffnet innerhalb dieser horizontalen Reihe Raum in der Mitte. Dieser wird jedoch nur selten ausgenutzt – zum einen wegen des guten Dynamikgefühls der Sechser in der Ausführung der etwas losen Verbindung sowie der aufmerksamen Spielweise der Viererkette, die dies recht gezielt für Herausrückbewegungen nutzt, und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass einige Nationalteams solche Schwachstellen aufgrund suboptimaler Zentrumsnutzung nicht gut anvisieren. Stattdessen verfangen sie sich bereits am Flügel gegen das engagierte Nachschieben des ballnahen isländischen Sechsers und des Halbstürmers, kommen also gar nicht so weit. Das gruppentaktische  Verhalten der Skandinavier gestaltet sich in diesen Zonen oft geschickt. Neben der abwartenden Grundausrichtung haben sie alternativ auch ein aktiveres, mannorientiertes Keilpressing auf die Außenverteidiger im Programm. Dabei wissen die Gleichförmigkeit in den Defensivverbindungen und das Timing beim Hinschieben zu beeindrucken, wenngleich die Methodik nicht ganz so flexibel und die Ausführung des bogenförmigen Anlaufens teils etwas unharmonisch ist.

Im Aufbau zeigt sich die eher lose Verbindung der Sechser bei ihren verschiedenen, flexiblen, aber manchmal etwas unsystematischen Abkippbewegungen, die teilweise nur noch weiträumig und instabil besteht, die sie jedoch gruppentaktisch gut ausführen. Die horizontale Angriffsstruktur des Teams ist sehr klar in Vorwärtskanäle vorgefertigt. Insgesamt zeigt sich die von hier ausgehende Offensivanlage einerseits pragmatisch, systematisch und etwas bieder, aber ebenso geprägt durch Improvisation und einzelne spektakuläre Momente. Auf der etwas dominanteren linken Seite nimmt der nominelle Flügelspieler Bjarnason – gegenüber seinem zielstrebig dribbelnden  Pendant Gudmundsson auf rechts – eine Art Mischrolle aus Außen und Achter ein, versucht teilweise die Bewegungen der Sechser zu balancieren, bei Verbindungen nach vorne zu helfen und Stabilität ins Zentrum zu bringen. Dafür weicht der ohnehin sehr umtriebige Mittelstürmer nochmals häufiger zu dieser Seite aus, während der Halbstürmer unauffällige, raumöffnende Arbeit leistet. Dafür tritt Gylfi Sigurdsson bestimmender, sowohl antreibend als auch als glänzender Nutznießer des Zuarbeitens auf.

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Typisches Aufbaumuster der Isländer

Die beiden Angreifer dienen bei ihren Bewegungen einerseits als klare Zielspieler für lange, weite Bälle und sind andererseits raumsuchend für klarere Direktzuspiele in die Offensive unterwegs. Dabei sieht man immer wieder dieses Muster: ein Außenspieler bewegt sich etwas mittig nach hinten und der ballführende Verteidiger oder seltener mal Sechser spielt im äußeren Halbraum einen Vertikalpass auf den leicht zur Seite weichenden Angreifer. Der Erfolg dieser zwei Strategien ist schwankend, da die Isländer auf die zweiten Bälle eher lose nachschieben und mit ihrer passiven Art der Unterstützung nicht immer vollends präsent sein können. Sie sind aber sehr geduldig und gar nicht darauf ausgelegt, nach den direkten Pässen sofort durchzubrechen, sondern wollen auch Raumgewinn erzeugen oder die Ballsicherheit weiter nach vorne schieben. Vereinzelt finden sie nach längeren Zuspielen auf einen der beiden Flügel freie Räume oder können über schnelle balltreibende Dribblings von Bjarnason und Sigurdsson aufrücken.

Gelingt dies, versprühen sie im Anschluss recht schnell Gefahr, wenngleich beim Ausspielen noch vieles von improvisierten Hereingaben oder Dribblings abhängt. Aus den anfangs breit gestreckten Anordnungen rücken die Außen teilweise im Nachgang spät doch noch zur Mitte, so dass quasi in der zweiten Welle gelegentlich mal bessere, saubere und dann direkt viel gezielter ausgespielte Grundstaffelungen entstehen können. Beides verweist auf die einzelnen, plötzlichen spektakulären Momente durch die Individualität der Spieler und den Fokus darauf. Island hat für das eigene Grundniveau – besser als gemeinhin gedacht wird, aber eben keinesfalls Top-Level – eine ungewöhnlich hohe Zahl an dribbelstarken und individuell sehr durchsetzungsfähigen Akteuren im Team.

Vor allem Sigurdsson und Gudmundsson kann man bei einer Spielweise, die über aufrückend vorbereitende Umschalt- oder Übergangsmomente und das Suchen einzelner freier Räume läuft, letztlich einfach auch mal den Ball geben – und sie machen daraus per Einzelaktion eine Torchance, zumal sie bei Distanzschüssen sehr gefährlich sind. Diese Liste könnte man noch erweitern hinsichtlich Bjarnasons Dribblingstil, Sigthòrssons spezieller Physisnutzung, Gudjohnsens ballhaltenden Aktionen, Finnbogasons unorthodoxer Strafraumexplosivität, usw. Wie ausgeprägt und wirksam diese Stabilität und Effektivität Islands bei der EM sein werden, bleibt abzuwarten, doch grundsätzlich ist das zunächst auf Sicherheit bedachte und dann in einzelnen Momenten auch aus schwierigeren Abschlusspositionen potentiell sehr gefährliche Set-Up der Isländer für einen Turniermodus – speziell auch bei der Möglichkeit, als Gruppendritter weiterkommen zu können – vom Prinzip her passend und günstig.

Interessant zu beobachten: Curaçao

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Die Ausrichtung im Rückspiel gegen El Salvador

Curaçao – ein in der Allgemeinheit noch wenig bekanntes Land. Anfang des Jahres stellte die Nationalmannschaft der Karibikinsel den ehemaligen Ajax-Sturmstar Patrick Kluivert als Trainer an und betrieb das ehrgeizige Projekt WM-Qualifikation 2018. Was vermessen klang, wurde aber schon realistischer, wenn man sich anschaute, dass es in der Eredivisie einige Spieler gibt, die ihre Wurzeln in einer der ehemaligen niederländischen Kolonien haben – speziell im mittelamerikanischen Raum, in Suriname oder eben in Curaçao.  Viele der Spieler, die man für Kluiverts Team mobilisieren wollte, blieben jedoch zunächst zurückhaltend und wollten abwarten, ob sie in nächster Zeit eine Chance in der Elftal erhalten würden. Die ganz großen Namen konnte Curaçao daher nicht aufbieten – eher Akteure aus der zweiten niederländischen Liga, aber immerhin auch beispielsweise Vitesses Stammkeeper Eloy Room, Southamptons spielerisch versierten, wenngleich instabilen Defensiv-Neuzugang Cuco Martina oder den ehemaligen Swansea-Mittelfeldmann Kemy Agustien.

Nach Siegen über Montserrat und Kuba in den ersten beiden Quali-Runden fehlte nur noch das Überstehen des dritten Duells, um mit dem Erreichen einer ersten Gruppenphase ein wichtiges Zwischenziel zu erreichen. Gegen das zuletzt krisengeschüttelte El Salvador ging Kluiverts Team sogar als leichter Favorit ins Rennen, musste sich jedoch etwas unglücklich zweimal mit 0:1 geschlagen geben. So ist der große, leise geträumte WM-Traum nun vorbei – und Zeit für einen angemessenen kleinen Rückblick. Der niederländische Einfluss war in dieser Mannschaft nicht zu übersehen. Curaçao formierte ein klassisches, recht breit ausgerichtetes 4-3-3/4-2-1-3, mit verhältnismäßig sauberer Grundanordnung und ruhigem Rhythmus. Die individuelle Qualität fokussierte sich vor allem auf das hintere Defensivtrio aus Room und den beiden – wenngleich Lachman in Sachen Erfolgsstabilität überaus schwankend ist und einige größere Schwachstellen hat – spielstarken Innenverteidigern. Auch wenn es vereinzelt immer mal Szenen gab, in denen ein Außenverteidiger oder der Keeper halblange Bälle schlagen mussten, gelang dem Team der Aufbau doch mit einer gewissen Sicherheit.

Von entscheidender Bedeutung dafür war das in sich durchaus fluide Mittelfeld, das von de Nooijers Ruhe, Mulders Eleganz und dem gelegentlichen, vereinzelt hilfreich unterstützenden, wenngleich nicht immer optimal getimten Zurückfallen Agustiens lebte. Das Hauptproblem lag in der Verknüpfung dieser Strukturen mit der Sturmreihe – die Impulse aus dem Mittelfeldzentrum gingen nicht effektiv genug nach vorne über und es schien sich teils um zwei eigene, geschlossene Systeme zu handeln. Im Sturmzentrum fand sich der eher dribbelnde, situativ ausweichende und dann in Dynamikszenen explosiv mitspielende Zschusschen nicht so gut zurecht, da er dort in kurzen, übergangsweise verbindenden Kontexten allein erfolgsstabil agieren musste. Dass die Angreifer über weite Strecken sehr breit gestaffelt waren und die Mannschaft in potentiellen  Verbindungsszenen das Einbeziehen der Sturmreihe verpasste, sondern eher die weite Verlagerung zum Flügel wählte, trug auch seinen Teil bei. Vereinzelt kamen sie nach solchen Aktionen in direkte Dribblings und Durchbrüche, ohne dass daraus jedoch besondere Gefahr entstand.

Die besten Szenen brachten die gelegentlichen Einrückbewegungen eines Außenspielers in Halbraumzwischenlücken hinter dem gegnerischen Mittelfeld. Wenn die Koordination mit den Mittelfeldrochaden und den Außenverteidigern funktionierte, war das teils sehr ansehnlich. Gerade halblinks tauchten sowohl van Kessel als auch Nepomuceno gelegentlich in diesen Zonen auf, erhielten direkte Zuspiele von Martina, konnten sich aufdrehen und starteten in diesen Fällen die eine oder andere sehenswerte Aktion. In manchen Phasen geschah das häufiger, gelegentlich mit früherem Zurückfallen der Flügel, wobei dann die Folgeunterstützung des Mittelfelds wieder etwas zu passiv wurde und entsprechend die Erfolgsstabilität abnahm. Daneben sorgten Rochaden von Nepomuceno und Agustien nach rechts, wofür dann van Kessel dort wegzog, für einzelne gute Momente. Insgesamt gab es Szenen solcher Art jedoch etwas zu inkonstant, zumindest im letzten Drittel baute Curaçao daher zu wenig konstanten Druck auf und so mangelte es letztlich an Durchschlagskraft sowie der Qualität, einen entscheidenden Treffer auch mal erzwingen zu können. In den Duellen gegen El Salvador blieben sie ohne Tor, hatten auch davor erst fünf in vier Begegnungen erzielt.

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Ein Beispiel für die Umformungen des Mittelfelds und das Einrücken des Mittelfelds. Die Szene wurde hier sehr sauber vorbereitet, so dass letztlich der Passweg aufging. Wichtig auch das Aufrücken von Justiana, um den gegnerischen Rechtsverteidiger zu binden. Nach einer Weiterleitung von Zschusschen kommt van Kessel im Strafraum wieder an den Ball, schießt aber knapp über das Tor.

Im Pressing punktete Kluiverts Team mit einer soliden Grundinterpretation des 4-3-3 und seiner Sturmreihe, in die vereinzelt Agustien in verschiedenen Kontexten und einige gute Staffelungen vorrückte. Manche klare Mannorientierung, insbesondere durch den Linksverteidiger und den tiefsten Mittelfeldakteur, machte phasenweise größere Probleme. Ansonsten funktionierte die Arbeit der Abwehrkette aber gut und auch die übrigen Mittelfeldleute hatten – bei leichten, aber nicht ungeschickt ausgeführten Mannorientierungen – überzeugende Momente im Bewegungsspiel. Besonders intensiv zeigte sich die Mannschaft gegen den Ball nicht, doch gelang es ihnen mit der eigenen Spielweise, insgesamt nur wenig zuzulassen. So war beispielsweise der frühe Gegentreffer im Rückspiel gegen El Salvador nur einer Standardsituationen geschuldet – und das letztliche Scheitern eher dadurch begründet, in diesen Partien eben keinen Treffer selbst erzielen zu können. Es ist nun noch fraglich, wie es mit der Mannschaft weitergeht, sowohl was den Trainer als auch die zukünftige personelle Besetzung angeht, aber potentiell bleibt die Entwicklung Curaçaos eine Beobachtung wert.

Spieler der Woche: Kingsley Coman

Kurz vor Ende der Transferperiode schlugen die Münchener Bayern noch einmal auf dem Transfermarkt zu und sorgten mit der Personalie Kingsley Coman für leichte Überraschung. Schnell entschied sich die mediale Betrachtung zu einer wohlwollenden Reaktion auf den unbekannten Namen des neuen Offensivmannes. Am Wochenende gab er als breiter Außenstürmer im 3-3-4 sein Debüt. Wie sich in jener Partie das eine oder andere Mal andeutete, handelt es sich bei Coman um einen guten Dribbler, was Pep Guardiola derzeit wohl relativ wichtig ist. Grundsätzlich agiert der junge Franzose sehr ruhig am Ball und die gewisse Unsauberkeit, die er ausstrahlt, wird beispielsweise in der Ballführung durch die etwas seltsame, auf biedere Weise unorthodoxe Koordination wieder ausgeglichen. Dazu kommt eine wühlende Ader in seiner Spielweise, die ihn in manchen, noch etwas inkonstant gesuchten Gegenpressing-Szenen potentiell sehr effektiv machen kann.

All diese Aspekte führen zu kurzen und darin kontrollierten Schrittfolgen, die ihm in der Bewegungskoordination mehr Optionen verschaffen können. So sieht man beispielsweise immer mal herausragende Ballmitnahmen oder überraschende Anpassungen in seinen Bewegungsabläufen, -stilen und -rhythmen. Gegen Augsburg deutete er in seitlichen Unterzahldribblings mit leicht schräg ausgeführten Körpertäuschungen gelegentlich für Unruhe. Als seine eigentlich größte Stärke könnte man die Positionsfindung nennen, da er sich häufig geschickt und ausgewogen im Halbraum bewegt, anbietet und dabei mögliche Anschlussoptionen im Blick hat. Aus zentralen Bereichen setzt er sich immer mal etwas nach außen ab, aber kaum aktionistisch oder unbalanciert, sondern engagiert und bemüht, nur bei konkreten Einbindungschancen dieser Bewegungen und nicht überdreht. Ausbaufähig sind dagegen die Folgeaktionen nach solchen guten Positionierungen, die noch wechselhaft daherkommen. Auch bei schwächeren Entscheidungen beispielsweise im Passspiel oder der Raumwahl scheint jedoch fast durchgehend die sehr rationale Spielweise Comans durch.

Vom Prinzip sollte er zuverlässig nach systematischen Grundlagen spielen und in dieser Hinsicht Pep Guardiola gefallen können. Als einer der beiden vorderen Angreifer in Juves 3-5-2- oder 4-3-1-2/4-4-2-Formation band er sich durch die gute Positionsfindung sehr häufig unterstützend für Ablagen ein und forcierte diese auch – eine Rolle, die ihm liegt. Vor allem Comans starkes Dynamikgefühl beeindruckt in solchen Szenen, wenngleich aufgrund der gewissen Unsauberkeit durchaus noch einige dieser Ablagen scheitern. Überhaupt treten immer mal etwas lasche und inkonsequente Phasen beim Franzosen auf, der noch größere Schwächen darin hat, Erfolgswahrscheinlichkeit und -stabilität im Mitspielen immer passend einschätzen zu können. Alles in allem scheint Kingsley Coman für den FC Bayern ein lohnenswerter Transfer zu sein, zumindest wenn man ihn nicht ausschließlich als dribbelnden Außenstürmer sieht, sondern auch die anderen taktischen Einbindungsmöglichkeiten in ein vernünftiges Verhältnis dazu bringt.

pb 20. September 2015 um 18:59

Da die dribbelstärke für die bayernverantwortlichen so wichtig zu sein scheint bin ich schon immer noch verwundert, das sie weiser haben gehen lassen. Gerade nach seinen letzten auftritten für den fcb hat er doch wirklich gezeigt, dass er mit ball am Fuß was anfangen kann, oder? Er fuhlt sich wie coman auf dem Flügel wohl, sowohl als Stürmer oder auch in einer Fünferkette. Ich meine zwar nicht dass die beiden jetzt prinzipiell gleiche spielertypen wären aber so richtig nachvollziehen kann ich die ganze sache nicht. Kann mir da mal einer helfen das zu verstehen?

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king_cesc 20. September 2015 um 21:14

Weiser wollte anscheinend selber Spielzeit, ihn dann zu halten war wohl nicht möglich…

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Koom 22. September 2015 um 09:45

Das wird man mir als Geätze auslegen: Aber Guardiola fördert nicht sonderlich die Jugend. Ein junger Spieler spielt idR, wenn er besser ist als die Alternativen. Wobei man ihm zugestehen muss, dass er zumindest ein wenig die Rotation mal für sich entdeckt hat im letzten Spiel. Vielleicht hat er daraus gelernt, dass in den letzten beiden Jahren die Mannschaft in der Rückrunde einbrach (im Verhältnis zur Hinrunde).

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Bernhard 22. September 2015 um 13:02

So ganz zustimmen kann ich dir nicht. Bei Barcelona verhalf er eben vielen jungen Talenten zum Sprung in den Profibereich. Im Sommer 2008 trennten sich die Katalanen von vielen arrivierten Spielern, die in einem guten Alter waren. Pedro, Thiago, Busquets & Pique sind die bekanntesten. Auch Xavi und Iniesta wurden erst unter ihm zu tragenden Säulen.
In Bezug auf Bayern gebe ich dir aber schon Recht. Mir stößt vor allem sauer auf, dass junge Leute wie Gaudino und Kurt momentan nicht einmal bei Spielen wie gegen Darmstadt im Kader stehen. Hat wohl mit dem anvisierten Ziel des Aufstiegs in die 3. Liga zu tun – gefällt mir dennoch nicht.

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LuckyLuke 22. September 2015 um 14:47

Ich glaube, dass das vielleicht auch weniger mit dem Trainer als eher mit der Vereinsphilosophie zu tun hat. Bei Barca steht eben eine qualitativ wahnsinnig gute Jugendspielerausbildung dahinter und bei Bayer halt nicht, da sind sie ja nicht mal in Deutschland bei den Topvereinen…also ists vielleicht auch einfach eine Frage des „Angebots“…
Bei den ganzen eigenen Jugendspielern sehe ich persönlich eben auch keinen Thiago/Pedro/Busquets…

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Koom 22. September 2015 um 14:58

Das mit der Jugendarbeit bei Barca dürfte aber auch eher mehr der Vergangenheit angehören. Mit Guardiola kam eigentlich der letzte Rutsch an eigenen Jugendspielern in die Mannschaft, seitdem ist es doch eher durchwachsen und man verfolgte etwas mehr die Real-Philosophie.

These: Seit ca. 2010 hat sich der Fußball sprunghaft professionalisiert, was das Geschehen auf dem Platz angeht. Taktische Arbeit ist deutlich präsenter und wichtiger geworden, wohl insbesondere auch wegen Guardiola (und mit Abstrichen auch Klopp). Ergo: Die Spielstärke aller Mannschaften wurde dadurch gesteigert, wodurch es schwieriger ist, einen weniger guten (unerfahrenen/uneingespielten) Spieler einzubringen, weil er das potentiell taktisch schwächste Glied des Mannschaftsverbundes ist. Zumindest auf dem Niveau, auf dem Barca, Madrid, Bayern & Co. spielen.

Gh 22. September 2015 um 15:20

Aus der eigenen Jugend hat Guardiola mW Busquets und Pedro geholt. Pique wurde gekauft. Streichen wir Bojan bleiben auf die 4 Jahre gesehen 2 Jugendspieler, die zugegebenermaßen sehr gut waren. Kein schlechter Schnitt, Rijkard und vanGaal waren „besser“, Luis Enrique bewegt sich ungefähr auf dem gleichen Niveau (Sergi Roberto, Munir, Samper). Guardiola hat zudem nicht zu knapp eingekauft, mit mittelmäßigem Ertrag (Chrygynski als Millionenflop, Ibrahimovic, aber auch nachhaltiges wie Mascherano und auch Keita)

Koom 22. September 2015 um 14:51

Wobei es unterschiedliche Bedingungen jeweils waren: 2008 war Guardiola praktisch Trainernovize, wurde als Trainer der B-Mannschaft hochgezogen. Die Erwartungshaltung war geringer, zudem kannte er eben den jungen B-Kader.

Zu den Bayern kam er als vermutlich meistgehandelter Trainer überhaupt – und Bayern war zudem Triplesieger. Der Druck auf ihn ist höher, er wird sich auch selbst mehr Druck machen, als dass er wie einst Van Gaal einfach mal einen Müller spielen lässt, „egal was passiert“. Andererseits ist der Kader durch die Bank auch wesentlich stärker als zu der Zeit, als der Müllerschlaks hochgezogen wurde.

Blöde Situation. Aber die Bayern machen es auch nicht einfacher, wenn sie sich überjunge Spieler <20 Jahre holen und dann hoffen, dass sie durchstarten. Kurt, Kimmich, Gaudino, Weiser haben noch nie richtig höherklassig gespielt – und bei den Bayern auch nur wenig bis keine Chancen bekommen.

Die Bayern sollten diese Talente zur Winterpause für 1,5 Jahre verleihen an Vereine, bei denen sie spielen werden. Ansonsten gehen da einfach ein paar Talente drauf, über die dann die SportBILD in 5 Jahren einen Bericht macht ala "wo sind sie geblieben".

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Bernhard 22. September 2015 um 14:55

Ich stimme dir zu.
Hier fällt mir auf, dass Chelsea ein interessantes Transfermodell betreibt. Die kaufen regelmäßig die besten und prominentesten Talente Europas, verleihen („parken“) sie für 1-2 Jahre bei ihrem Stammklub und haben dann einen relativ gefestigten Spieler. Bei Bayern, bzw. unter Guardiola, scheut man dieses Modell noch.

Koom 22. September 2015 um 19:09

Leverkusen unter Calmund hatte das auch mal so gehandhabt, allerdings eine deutliche Spur kleiner. Da wurden bei den Zweitligisten die Talente früh gekauft und verliehen. Effektiv kam dabei aber nichts rum, nur ein letztlich aufgeblähter Kader, weil die Spieler früher oder später zurück kamen.

Hat Chelsea seinen Kader schon dadurch verbessern können? Geld verdient haben sie sicherlich damit im Großen und Ganzen.

HK 22. September 2015 um 13:45

Bayern ist kein Ausbildungsverein und das Primärziel eines Bayerntrainers ist sicher nicht die Jugendförderung. Ist es nicht und war es noch nie. Der letzte der das betrieben hat war Tschik Cajkovski in den 60-ern.
Auch der hier gerne angeführte van Gaal war da nur eine Fußnote in der Geschichte.

@Bernhard: Meiner Meinung nach kann ein Gaudino von regelmäßigen Spielen zur Zeit wahrscheinlich eher profitieren, als von der Bank in Darmstadt.
Kurt, traurig aber wahr, kannst du eh vergessen. Ich habe mittlerweile Zweifel, ob er überhaupt jemals BL-Niveau erreicht, von Bayern ganz zu schweigen. Es reicht ja sogar in der 4.Liga nicht zum Stammspieler.

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Bernhard 22. September 2015 um 14:02

Vermutlich helfen Gaudino die Spiele mehr, doch länger als ein Jahr hat es keinen Sinn ihn in der 3. Liga spielen zu lassen.
Siehst du Kurt regelmäßig spielen oder wie begründest du deine Zweifel?

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HK 22. September 2015 um 14:32

Sehe ich bei Gaudino auch so. Maximal ein Jahr und dann wird man sich was anderes einfallen lassen müssen.
Kurt hat in den diversen Testspielen in der letzten Winterpause und jetzt vor der Saison einige Einsätze sammeln können. Darauf stützt sich im wesentlichen mein Eindruck und auf ein Spiel in der zweiten Mannschaft.
Und ich fand ihn durchweg enttäuschend. Wenn man ihn mit dem fast auf den Tag genau gleichaltrigen Coman vergleicht? Da geht’s nicht um Details, das sind Welten!

Das er in der vierten Liga nicht mal einen Stammplatz hat und meistens von der Bank kommt, passt da ins Bild.


HK 16. September 2015 um 13:51

Beiträge über Island und Curacao. Ich schmeiß mich weg. Hier bleiben wirklich keine Wünsche offen.
Das einzige was ich bisher mit Curacao assoziiert habe sind Getränke.
Schöner Beitrag über Coman.

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Bernhard 15. September 2015 um 09:59

Dein Wissen ist schon krass, TR!

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