Melbourne Victory gewinnt die A-League 2015

3:0

Mit solider Überlegenheit und den besseren gruppentaktischen Ansätzen krönt sich der Meister der Regular Season gegen ein diesmal sehr schwaches Sydney verdient zum australischen Teil-Rekordmeister.

a-league-final-2015-victory-sydneyEs waren die beiden Teams, die auch schon nach der Ligasaison die ersten beiden Plätze in der Tabelle belegt hatten – und auch im Grand Final standen sie sich gegenüber. Alle bisherigen Saisonduelle zwischen den Teams waren Remis geendet, von denen sich eines zum Mit-Rekordmeister machen würde. Die Hausherren hatten im Halbfinale den Stadtrivalen City klar geschlagen und wurden von Trainer Kevin Muscat erneut in einer spielstarken 4-3-3-Formation mit beweglicher Sturmreihe um Star-Neuzugang Besart Berisha aufs Feld geschickt. Sydney unter Graham Arnold trat in ihrem 4-4-1-1 in unveränderter Aufstellung nach dem 4:1-Sieg gegen Adelaide United an und legte die Hoffnungen vor allem auf Mittelfeldmann Dimitrijevic sowie die Offensive um Torschützenkönig Janko, den rochierenden Kapitän Brosque und den schnellen Ibini. Letztlich sollte es eine leicht unspektakuläre, in ihren Grundstrukturen recht normale, aber dabei andererseits auch sehr geordnete und strukturierte Partie werden. Die großen grundmakrotaktischen Besonderheiten gab es nicht, sondern immer wieder auch Phasen längeren Leerlaufs, doch hing dies teilweise auch damit zusammen, dass Victory sehr solide und weitflächig dominierte.

Sydney hält dominante Hausherren zunächst noch hinten

Schon die Anfangsphase deutete mit Dominanz durch die Mannen von Melbourne darauf hin, wie sich die Begegnung in Sachen Kräfteverhältnisse entwickeln sollte. Trotz der gegnerischen Kontrolle stand Sydney aber grundsätzlich stabil und ließ die Hausherren zunächst kaum mal ins Mittelfeld eindringen. Die beiden Stürmer versperrten den gegnerischen Sechserraum und rückten bei Zuspielen nach außen immer wieder horizontal gut nach, so dass die Passwege aus dem seitlichen Halbraum diagonal ins Zentrum stets versperrt waren. Die beiden Außenspieler Naumoff und Ibini unterstützten anpassend, indem sie mal in ihre eingerückten Positionierungen verblieben, aber im richtigen Moment auch mal etwas herausrückten und stärker den jeweiligen Außenverteidiger bedrängten. Dahinter gab es im Mittelfeld die generell durchaus prägenden losen Mannorientierungen, mit denen sich Tavares und Dimitrijevic wechselnd an verschiedenen Gegenspielern orientierten.

Das führten diese geschickt aus, ließen sich kaum mal zu weit aus der Position ziehen und bewegten sich meistens so, dass sie trotz der Zuordnung weiterhin einen freien Gegner hinter sich im Deckungsschatten verstellen konnten. In Verbindung mit der guten Arbeit der vier Kollegen vor ihnen und der Tatsache, dass das Mittelfeld von Victory in den Freilaufbewegungen anfangs eher vorsichtig agierte, gelangten diese aus der Zirkulation in Abwehr oder defensivem Mittelfeld kaum mal sauber in höhere Räume. Gelegentlich ließ sich mal Guilherme Finkler etwas tiefer in den seitlichen Halbraum fallen, doch konnte Sydney den etwas zurückhaltenden Feingeist auf Basis der funktionierenden eigenen Grundorganisation meistens zuschieben. In vielen Fällen mussten die Hausherren nach der Zirkulation daher irgendwann zu längeren Pässen in die Spitze auf einen der beiden startenden Außenstürmer greifen, was zwar vereinzelt für Unruhe, aber doch letztlich nur wenige klare Chancen zu sorgen wusste.

Victory wird gefährlicher – über Gegenpressing und Gruppentaktik

Gefährlicher war demgegenüber eher das starke, sehr engagierte und aufmerksame Gegenpressing, das sie nach klassischen Ballverlusten, aber auch im Kampf um lose Abpraller nach derartigen längeren Zuspielen einsetzten. Die Koordination und Abstimmung zwischen dem plötzlichen Aufrücken von Milligan, dem situativ einrückenden Absichern der Außen und den wechselnd anpassenden Aktionen Guilherme Finklers machte dem etwas laschen Rhythmus von Sydney große Probleme. Einmal musste sogar der eigentlich sehr pressingresistente Dimitrijevic einen gefährlichen Ballverlust gegen drei Gegner hinnehmen, woraus die vielleicht beste Torchance der Anfangsphase entstand. Über dieses Mittel zementierten die Gastgeber also ihre Vorherrschaft über die Begegnung. Etwa ab Mitte der ersten Halbzeit nahmen ihre Offensivmomente dann ein wenig zu, als sich auch ihre unaufgeregte, gruppentaktische Sauberkeit vermehrt auszuwirken begann.

Dabei war die halbrechte Seite entscheidend, wo Barbarouses mit seinen druckvollen Bewegungen nun konstanter von Guilherme Finkler, mit gutem Gespür und Timing, und dem situativ tief herum driftenden Berisha Unterstützung erhielt. Zusammen mit dem einen oder anderen weiteren Kollegen zogen sie dort nach improvisiert vorgespielten Aufbauszenen über außen oder einfach nach irgendwelchen losen Situationen kleine Dreiecksbildungen auf, die sie sehr sauber und erfolgsstabil anlegten. Einige Male konnten sie sich damit auch aus sehr unangenehm seitlichen Startszenen herauswinden und dann mal die Lücken zwischen den gegnerischen Mannorientierungen finden. Damit kamen sie einem Tor schon etwas näher, das auch über diese Seite, schließlich nach einer verunglückten Klärung Sydneys am eigenen Strafraum, fallen sollte – dank starker Improvisation und Ballverarbeitung von Guilherme Finkler und Schütze Berisha.

Unkontrolliertes Sydney zu langen Bällen gezwungen

Die bewegliche und teils tiefe Rolle des Albaners sowie die innerhalb ihrer Zonen durchaus vielseitigen Außenstürmer, von denen Ben Khalfallah situativ in Freiräume und später sogar bis nach halbrechts einrückte, machte sich durchaus bezahlt. Dieser flexible Dreiersturm war auch im Pressing ein entscheidendes Mittel für Victory, mit dem sie den gegnerischen Aufbau effektiv bekämpften. Berisha startete immer wieder aus etwas tieferen, seitlichen Grundpositionen und attackierte dann aggressiv diagonal auf einen Innenverteidiger, während auch seine beiden Kollegen am Flügel aus ihren etwas eingerückten Ausgangspositionen in diesen Momenten aufrückten. Unter dem Druck gelang es Sydney nicht, dieses Verstellen der Verbindungen innerhalb der hintersten Linie auszuhebeln, und musste daher immer wieder frühe lange Bälle schlagen. Letztlich sollten diese über 20 % aller ihrer Zuspiele ausmachen.

Die erhoffte Kontrolle über die ballsicheren und passtarken Sechser gelang daher überhaupt nicht, zumal Victory ihrerseits mannorientiert aggressiv – bei Absicherung durch den sichernden Valeri – auf Tavares und Dimitrijevic nachrückten, von denen Letztgenannter wiederum alles andere als einen guten Tag erwischt hatte. Weder wusste Sydney der Partie somit den Stempel aufzudrücken noch sorgte ihre Offensivabteilung zumindest mal sporadisch für Gefahr. Stattdessen wurden deren Schwächen der etwas zu simplen und direkten Ausrichtung gegen diesen Gegner sehr deutlich. Über lange Phasen war die Chance von Brosque in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, die er mit starker Annahme eines langen Balles selbst einleitete, der einzige Abschlussversuch des Teams insgesamt. Am Ende sollten es nur drei Schüsse werden, von denen einer kurz vor Ende aus einem harmlosen Freistoß resultierte.

Späte Entscheidung gegen Sydneys Harmlosigkeit

Nach dem Seitenwechsel erhielten die Mannen von Graham Arnold etwas mehr Zeit am Ball, da sich die Hausherren nun eher in einer 4-4-2-artigen Struktur – mit tieferen Außen und Guilherme Finkler vorne – anstatt der engen 4-3-3-Ordnung formierten, und konnten das auch durch eine höher geschobene eigene Pressingausrichtung unterstreichen. Allerdings gelang es ihnen praktisch weiterhin überhaupt nicht, für irgendwelche Gefahr zu sorgen. Die beiden Sechser waren im Mittelfeldzentrum häufig auf sich allein gestellt und mussten mit unsicheren langen Direktpässen oder nach außen ziehenden Dribblings eröffnen, um dort vielleicht für etwas Dynamik in den Anbindungen sorgen zu können. Im besten Fall konnten sie vielleicht mal einen oder zwei Gegner ausspielen und dann einen nachrückenden Außenverteidiger bedienen, doch war es für Victory sehr angenehm, sich passiv entlang dieser einleitenden Bewegungen zurückzuziehen und den Raum aufzufressen.

Andere Möglichkeiten blieben den Gästen in der Spieleröffnung jedoch kaum, da ihre Angriffsabteilung phasenweise sehr ungestaffelt hoch an der letzten Linie stand und das diesmal auch noch ungewohnt passiv ausführte. Das könnte die strukturell schwächste Offensivleistung der Saison des Teams von Graham Arnold gewesen sein, die sich auch noch mit einigen schwächeren Einzelauftritten verband. Entsprechend brachten die Einwechslungen von Neuseelands Stürmerlegende Smeltz, für den Brosque nach links ging, und Antonis, anstelle von Tavares, keine entscheidende Veränderung. Es gab nur eine Halbchance durch Jankos Kopfball nach einer Flanke, während Melbourne abwartend agierte und ähnlich wie schon vor der Pause mit einzelnen gruppentaktischen Momenten immer mal Gefahr andeutete. In der 83. Minute gelang ihnen schließlich der zweite Treffer, nach einer Balleroberung im Zusammenspiel über Barbarouses und Ben Khalfallah auf halbrechts, und damit die Vorentscheidung.

Fazit

Bis zum Abpfiff gab es noch einen Platzverweis für Valeri und sogar das 3:0 durch den bei einem schnellen Konter gegen einen mittlerweile sehr inkonsequenten Gegner aufrückenden Rechtsverteidiger Broxham zum Abschluss. So schloss Victory mit einem verdienten Sieg und dem dritten Meistertitel zu Rekordsieger Brisbane Roar auf. Insgesamt hielt das Finale nicht ganz, was es versprach, doch die absolut souveräne Vorstellung der Hausherren ließ den Gegner nicht zur Entfaltung kommen und machte seine Schwächen offenbar. In der Anfangsphase konnte Victory die eigene Kontrolle aufgrund des etwas vorsichtigen Mittelfelds und Sydneys Pressing noch nicht umsetzen, doch mit der Zeit setzten sich ihre Qualitäten durch. Vor allem die starken und erfolgsstabilen Ausrichtungen innerhalb der Mannschaftsteile, die verschiedenen Defensivabläufe und die unterschwellige, unaufgeregte gruppentaktische Kontrolle waren als Hauptfaktoren entscheidend.

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