Ein Rückblick auf Deutschlands Viertelfinaleinzug

Nach drei Siegen in der Gruppenphase und 7:0 Toren steht die deutsche Nationalmannschaft in der KO-Phase der U17-Europameisterschaft und trifft dort im Viertelfinale auf Spanien (15.05.2015, 18:00 Uhr). Grund genug, die Vorrundenspiele der Mannschaft von Trainer Christian Wück im Nachgang noch einmal aufzurollen.

Gelungener Auftakt gegen Belgien

Gleich im ersten Spiel des Turniers, das dank der Treffer von Passlack und Schmidt mit 2:0 gewonnen wurde, traf die deutsche U17-Nationalmannschaft mit Belgien auf den zweiten Favoriten um den Einzug in die KO-Phase der Gruppe B.

Deutschlands Zugriffslosigkeit im Pressing gegen Belgiens intelligente Aufbaustaffelungen

Anfangsaufstellungen und Offenisvmuster gegen Belgien

Aufstellungen und Offenisvmuster gegen Belgien

Wie gewohnt begannen die Deutschen in der klassischen 4-2-3-1-Grundordnung, die gegen den Ball zu einer 4-4-2-Formation wurde. Als Mittelfeldpressing interpretiert, erzeugte man darüber allerdings wenig Zugriff auf den belgischen Spielaufbau. Dort agierten Sowohl Janssens, als auch Delorge auf den beiden Außenverteidigerpositionen weit nach vorne geschoben, um in den Halbräumen Raum für Mangala und Ademoglu zu öffnen. Mangala nur situativ, Ademoglu allerdings nahezu durchgehend, kippten in Aufbausituationen dann in die freien Räume heraus und bildeten damit neben den beiden Innenverteidigern eine dritte Anspielstation in letzter Linie, die neben den beiden deutschen Stürmern Schmidt und Eggestein mit Sichtfeld nach vorne anspielbar war. Thuys kippte von der Sechserposition hin und wieder zwischen die beiden Innenverteidiger, hielt sich in der Regel allerdings zwischen Eggestein und Schmidt auf, um beide in der Horizontalen zu binden. Insgesamt agierten die drei Akteure in Belgiens Mittelfeld relativ frei und flexibel, besetzten im Sinne des Positionsspiels aber alle relevanten Positionen.

Dem Team von Christian Wück gelang es gegen diese Aufbaustaffelung kaum einmal, wirklich Zugriff herzustellen, da Köhlert und Passlack auf den beiden Flügelpositionen zu tief agierten. Beide orientierten sich an den hohen belgischen Außenverteidigern und hatten so in der Regel zu lange Wege für die Herausrückbewegungen im Pressing, wo situative 4-3-3-Staffelungen am Flügel sicherlich ein adäquates Mittel gegen den belgischen Spielaufbau gewesen wären.

Wackelnde Restverteidigung und Anbindungsprobleme in der Offensive

Im Übergangsspiel suchten die Belgier dann schnell den Weg auf die Flügel oder versuchten über Mangala Bälle ins letzte Drittel zu schleppen. Dort wollte man über einfache Flügeldurchbrüche der beiden linear agierenden Flügelspieler Daneels und Azzaoui im Anschluss an Flanken zum Erfolg kommen. Zumindest in der Anfangsphase zeigte sich die deutsche U17-Nationalmannschaft dagegen allerdings stabil. Später ergaben sich auf diese Art und Weise einige Chancen für die Belgier, die diese Spielweise sicherlich auch deshalb fokussierten, weil sie mit van Vaerenbergh über einen körperlich guten und kopfballstarken Mittelstürmer verfügen.

Probleme hatte die deutsche Nationalmannschaft auch mit dem Umschaltspiel im Anschluss an tiefe Ballgewinne sowie dem Übergangsspiel ins letzte Drittel. Hier agierte man oftmals zu vertikal, was das Passspiel anging. Viele Umschaltaktionen und Aufbausituationen wurden so zu schnell nach vorne getragen, sodass man sich anschließend in Unterzahlsituationen wiederfand und schlicht die Anbindung an die restliche Mannschaft fehlte.

Dass Dorsch und Saglam auf der Doppelsechs im Aufbau relativ tief agierten, verstärkte die Problematik noch. Belgien konnte so über die eigene 4-1-4-1-Grundordnung im Pressing direkte Zuordnungen in der Mitte herstellen und Deutschlands Aufbau über die leicht nach vorne geschobenen Achter einfach auf die Flügel lenken.

Verstärktes Vertikalspiel und Rechtsfokus

Nach etwa 25 Minuten änderte sich der Fokus im deutschen Aufbauspiel etwas, was dazu führte, dass man besser ins Übergangsspiel und die Ballzirkulation im zweiten und letzten Drittel kam. Von nun an versuchte man nicht mehr über Anspiele auf die Flügelspieler und kleinere gruppentaktische Mechanismen, wie das Hinterlaufen der Außenverteidiger, zu Torchancen zu kommen. Stattdessen fokussierte man Vertikalpässe aus der Innenverteidigung in den Zwischenlinienraum. Auf der rechten Seite rückte Passlack deshalb vom Flügel immer wieder ein und auf links war es Eggestein, der aus dem Sturmzentrum leicht zurückfiel, um zwischen den Linien anspielbar zu sein.

Insgesamt nutzten die Deutschen im Offensivspiel die rechte Seite deutlich häufiger als die linke. Einer der Gründe dafür war sicherlich, dass dort mit Kapitän Passlack und Dorsch auf der rechten Sechserposition zwei Spieler spielten, die sich bezüglich ihres Leistungsniveaus von den restlichen Spielern abheben.

Deutschlands Blitzstart in die zweite Halbzeit

Zu Beginn der zweiten Halbzeit kippte die Partie, in der die Belgier bisher die klar bessere Mannschaft waren, dann schlagartig zu Gunsten der Deutschen. Dies lag zum einen an den beiden schnellen Toren zu Beginn des zweiten Durchgangs in der 43. und 46. Minute durch Passlack und Schmidt, zum anderen an den Anpassungen, die Wück in der Pause vorgenommen hatte.

So kam in der 41. Minute Hanna für Linksverteidiger Akyol in die Partie, was zur Folge hatte, dass Karakas auf die linke Seite wechselte und Hanna dessen Position in der Innenverteidigung einnahm. Durch die klarere Tiefenstaffelung im Aufbauspiel zwischen den beiden Sechsern, die so die Mannorientierungen der belgischen Achter aufbrachen, und die klarere Aufgabenverteilung bezüglich des weiteren Offensivspiels, ergaben sich zudem Vorteile für die deutsche Nationalmannschaft.

Dorsch kippte von nun an im Aufbau konsequent zwischen die beiden Innenverteidiger zurück und sicherte ansonsten weitestgehend ab, wohingegen Saglam sich wenig am Aufbauspiel beteiligte und stattdessen mit Läufen nach vorne offensive Präsenz erzeugte. In Verbindung mit der von nun an sehr offensiven Rolle Busams, der sich ähnlich einem Flügelverteidiger verhielt, und der dadurch freien Rolle Passlacks, gelang es den Deutschen vor allem im rechten Halbraum Überzahlsituationen herzustellen oder sinnvolle Staffelungen zu erzeugen, über die man schnell in den Zwischenlinienraum eindringen konnte.

 

Verbesserungen im Pressing und der Rest der Partie

Im Anschluss an die beiden Treffer agierte man auch gegen den Ball deutlich höher und aggressiver. Auf die Mannorientierungen am Flügel verzichtete man weitestgehend und Passlack sowie Köhlert nutzten von nun an vermehrt den eigenen Deckungsschatten, um die Belgier vom Flügel wieder in die Mitte zu steuern, wo man Ballgewinne erzielen wollte.

Trotz der Einwechslungen von Burnic und Özcan für Schmidt und Dorsch sowie einiger Positionswechsel – so tauschten Köhler und Passlack einige Male die Seite – änderte sich an den grundsätzlichen Offensivmechanismen der Deutschen nichts mehr. Belgien versuchte im Zuge der Einwechslung von Vancamp für van Vaerenbergh in der 64. Minute noch einmal kurzzeitig höher zu pressen, worauf Deutschland allerdings mit der Nutzung bewusster langer Bälle reagierte, die man vorzugsweise auf die rechte eigene Seite spielte.

Licht und Schatten gegen Slowenien

Aufstellungen und Offensivmuster gegen Slowenien

Wie im Auftaktspiel agierten die Deutschen auch gegen Slowenien mit einer 4-2-3-1-Grundordnung. Im Gegensatz zum 2:0 gegen Belgien wechselte Wück allerdings auf gleich vier Positionen. So ersetzte Karakas Akyol auf der Position des linken Verteidigers und Hanna rückte in die Innenverteidigung. Den verletzten Dorsch vertrat Gül und Burnic ersetzte Saglam auf der rechten Sechserposition. Für Köhlert rückte Özcan auf dem linken Flügel in die Anfangself.

Ähnliche Offensivmuster – andere Auswirkungen

Mit tiefen Sechsern, breiten Innenverteidigern und hohen Außenverteidigern ließ Wück im Aufbau ähnlich wie gegen die Roten Teufel agieren. Über die aktiven und raumgreifenden Nesseler und Hanna versuchte man die Räume neben Mlakar zu nutzen, der als einziger Stürmer in Sloweniens 4-1-4-1-Defensivforamtion agierte.

Weil die Slowenen zum einen mit vielen Mannorientierungen arbeiteten, die vor allem auf den Flügel viel zu konsequent angewendet wurden, und zudem insgesamt zu tief agierten, sodass Valencic und Novak selten effektiv herausrücken konnten, gab es im deutschen Aufbau kaum brenzlige oder gar gefährliche Situationen. So konnte sich Burnic sogar einige Male ein unnötiges Abkippen zwischen die beiden Innenverteidiger leisten, ohne dass dies Konsequenzen gehabt hätte.

Für die Slowenen bedeute diese passive und teilweise schon etwa plumpe Herangehensweise allerdings einige Probleme. So gelang es der Mannschaft von Benedejcic nicht, Deutschland im zweiten und letzten Drittel über die zu flachen Defensivstaffelungen in isolierte Räume zu leiten oder deren Rückzugsbewegungen vom Flügel zur Mitte zu attackieren. Wegen der tiefen Grundordnung – alle Feldspieler außer Mlakar rückten bei deutschem Ballbesitz nicht selten ins eigene erste Drittel – gelangen den Slowenen im ersten Durchgang auch keine guten Kontersituationen, weil Mlakar, sobald er den Ball erhielt, viel zu lange warten musste, bis er wieder an den Rest der Mannschaft angebunden war.

Grundsätzlich agierten die Deutschen in der Offensive wie gegen Belgien, weil Slowenien allerdings auf gänzlich andere Weise verteidigte, entwickelte sich ein komplett anderes Spiel, das die Mannschaft von Christian Wück von Beginn an dominierte und in dem man in der ersten Halbzeit auch zu zahlreichen Torchancen kam. Bereits nach sechs Minuten fiel das 1:0 für Deutschland nach einer Ecke durch Eggestein.

Seitenabhängige Passmuster und Offensivmechanismen

Passmuster der deutschen Mannschaft aus dem Aufbauspiel heraus

In Folge der unterschiedlichen Passmuster aus dem Aufbauspiel heraus ergab sich insgesamt eine unterschiedliche Nutzung der beiden Flügel. Agierte man über rechts eher diagonal und nutzte über Passlack oder Busam die Breite des Platzes im zweiten Drittel, versuchte man über links vermehrt durch Vertikalpässe im Halbraum nach vorne zu kommen.

Schmidt auf der Zehnerposition agierte wieder frei und linear, schob dabei situativ in die Spitze nach oder balancierte Passlacks Einrücken zur Seite hin aus. Passlack wiederum agierte eher breit und insgesamt ähnlich wie Özcan, orientierte sich im Aufbauspiel aber immer wieder auch in die Nähe von Busam, um die Ballzirkulation zu fördern.

So entwickelte sich ein Spiel, in dem sich die deutsche U17-Nationalmannschaft viele Chancen über Durchbrüche am Flügel erspielen konnte. Slowenien hatte hingegen kaum Tormöglichkeiten und es gelang ihnen schon aus dem Spielaufbau kaum geschickt ins Übergangsspiel zu kommen.

Leiten nach Innen im Pressing

Das Pressing selbst wurde als das standardmäßige 4-4-2-Mittelfeldpressing gespielt. Dieses Mal lag der Fokus der beiden Stürmer allerdings darauf, keine Pässe zwischen sich zuzulassen und tiefengestaffelt zueinander zu agieren, wobei Schmidt meist hängend agierte. In den so entstehenden 4-2-3-1-Staffelungen wartete man in der Regel den ersten Horizontalball im gegnerischen Aufbauspiel ab. Über ein bogenhaftes Anlaufen Eggesteins wollte man Slowenien auf die Flügel leiten und von dort wieder zur Mitte steuern, um zentrale Ballgewinne erzielen zu können. Weil Ogrinec stets abkippte und sowohl er als auch der zweite Innenverteidiger im Deckungsschatten Eggesteins verschwanden, hatten die Deutschen im Zentrum klare Zuordnungen und konnten mit dem tieferen Schmidt gute Pressingsituationen rund um den slowenischen Sechserraum herstellen.

Sloweniens Pressinganpassungen und Deutschlands Probleme

Slowenien lockt den deutschen Abwehrverbund nach vorne und überspielt die ersten beiden Linien mit einem langen Ball.

Fast nur durch die Anpassung der Pressinghöhe – Slowenien spielte ab der 41. Minute nämlich ein hohes Mittelfeldpressing, das situativ ins Angriffspressing geschoben wurde – kam Slowenien in der zweiten Halbzeit besser in die Partie. Dazu kam, dass nun einer der Achter nach Halbraum- oder Seitenverlagerungen der Deutschen konsequent neben Mlakar aufrückte, was eine unangenehme Dynamik erzeugte, die den deutschen Aufbau schon im ersten Drittel auf die Außen lenkte, wo sich Karakas und Busam schnell direktem Gegnerdruck durch die Flügelspieler ausgesetzt sahen.

Und auch das deutsche Pressing war im zweiten Durchgang weniger erfolgreich als noch in der ersten Halbzeit. Slowenien band hier vereinzelt Torwart Vodlsek ein, um den deutschen Defensivverbund in der Vertikalen zu strecken und anschließend mit langen Bällen zu überbrücken.

Die restlichen Wechsel auf beiden Seiten beeinflussten die Spieldynamik nicht mehr. Dank einer soliden Restverteidigung und Sloweniens fehlenden Mitteln in der Offensive, um konstante Durchschlagskraft zu erzeugen, gelang es den Deutschen den Sieg bis zum Spielende zu verteidigen.

Deutlicher Sieg gegen interessante Tschechen zum Abschluss der Vorrunde

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Aufstellungen und Offensivmuster gegen Tschechien

Mit 4:0 endete die letzte Partie der Gruppenphase gegen die U17-Nationalmannschaft Tschechiens. Neben Karakas und Saglam war es Passlack, der doppelt traf.

Änderungen in der Starformation

Wieder einmal änderte Christian Wück im Vergleich zum vorangegangenen Spieltag einiges an seiner Startformation: Gül rückte von der Sechserposition in die Innenverteidigung, während Nesseler auf der Bank Platz nehmen musste. Mit Janelt und Saglam gab es eine neue Doppelsechs und auch Eggestein musste für Serra Platz machen. Özcan begann nicht auf dem Flügel, sondern in der Mitte, und Passlack startete erstmals von der linken Seite, während Köhlert auf dem rechten Flügel zu finden war.

Tschechien im 4-3-1-2 und mit Angriffspressing

Vielleicht steht da im Tor gar nicht Constantin Frommann, sondern Manuel Neuer?

Vielleicht steht da im Tor gar nicht Constantin Frommann, sondern Manuel Neuer?

Auch Tschechien hätte mit einem Sieg noch Chancen auf den Einzug in die KO-Phase gehabt – und dementsprechend proaktiv begannen sie auch. In einer 4-3-1-2-Grundformation stellten sie schon im Aufbau beide deutschen Innenverteidiger zu und ließen zunächst nur Frommann offen. Sadilek orientierte sich an Janelt, der deutlich tiefer als Saglam agierte und Zezulka sowie Kral orientierten sich im Raum oder an Özcan und Saglam.

Insgesamt reagierte Deutschland sehr gut auf diese aggressive Art der Tschechen. Hanna und Gül in der Innenverteidigung positionierten sich ungefähr auf Höhe des Strafraums oder sogar noch tiefer und bildeten mit Torhüter Frommann eine Torwartkette, was letztlich eine Überzahl in der ersten Aufbaulinie bedeutete. Dazu positionierten sich beide Sechser relativ hoch und in der Tiefe stark gestaffelt und auch die beiden Außenverteidiger Karakas und Busam schoben teilweise bis zur Mittellinie nach vorne. Hatte Frommann den Ball, wartete er in der Regel, bis einer der beiden tschechischen Stürmer ihn von der Seite anlief und versuchte dann mit langen Bällen, einen der beiden Außenverteidiger anzuspielen.

Deutscher Flügelfokus in der Offensive

Wie in den vergangenen Spielen bereits gesehen, gab es auch in dieser Partie einen deutlichen Flügelfokus, was diesmal dadurch verstärkt wurde, dass sich dort gegen Tschechiens Mittelfeldraute leicht Überzahlsituationen herstellen ließen. Allerdings gab es auch hier wieder Unterschiede in der Art der Flügelnutzung.

Auf der rechten Seite agierte Köhlert gewohnt linear und schob viel in die letzte Linie, wo er Granecny band, sodass Busam ungehindert Flanken aus dem Halbfeld in den Strafraum spielen oder wenn möglich die Anbindung an die Mitte finden konnte. Generell war die hohe Präsenz in letzter Linie auffällig und wohl ein Mittel, mit dem man Räume am Flügel im Mitteldrittel öffnen bzw. bespielbar machen wollte. Auf links war Passlack nicht ganz so oft auf dem Flügel zu finden wie Köhlert auf der anderen Seite, stattdessen schob er immer wieder leicht zur Mitte ein. Unterstützung erfuhren die Angriffe zudem durch nachstoßende Läufe Saglams, der phasenweise sogar mit Özcan die Position tauschte, während Janelt absichernder agierte.

Angepasstes Pressing gegen Tschechiens Aufbaumuster

Tschechien versuchte im Aufbauspiel vor allem über die beiden Achter Kral und Zezulka nach vorne zu kommen. Diese orientierten sich in den entsprechenden Situationen in die flügelnahen Halbräume und wollten sich von dort aus mit den beiden Außenverteidigern und Sechser Kostl nach vorne kombinieren. Über die Anpassung der Grundformation im Pressing auf ein 4-4-1-1 schaffte es Wück allerdings, jedem der drei Mittelfeldakteure direkte Gegenspieler zuzuordnen. Das führte dazu, dass Serra durch ein einfaches, leitendes Anlaufen viele Aufbausituationen auf den Flügel lenken konnte, wo Deutschland vor allem Kral gut attackierte, der immer wieder Bälle erhielt, die er geschlossen zum Spielfeld annehmen musste.

Gelang es den Tschechen, die erste Pressinglinie zu überspielen und ins Übergangspiel zu kommen, fiel bei den Deutschen die starke Tiefenstaffelung zwischen den beiden Sechsern auf, bei denen sich der ballnahe Akteur am ballnahen Achter orientierte, während der ballferne Akteur den Raum vor der Abwehr besetzte oder sich um Sadilek kümmerte.

Formationswechsel bei Tschechien

Nachdem in der 26. Minute bereits Nesseler für den verletzten Hanna ins Spiel gekommen war, ersetzte Akyol zur Halbzeit Karakas als linker Verteidiger. Und auch die Tschechen wechselten. Mit den Einwechslungen von Breda und Lingr für Kostl und Turyna ordnete Trainer Cerny zudem eine formative Umstellung auf eine 4-4-2-Grundornung an, die durch die maximal krassen [sic!] Mannorientierungen auffiel. Insgesamt wurde Tschechien dadurch stabiler und konnte rund um das zweite Drittel eine höhere Kompaktheit herstellen, provozierte aber auch keine Ballgewinne.

Wück reagierte ein paar Minuten später auf diese Spielweise so, als dass er Janelt anwies, nun konsequent abzukippen. Über eine höhere Fluidität in den zentralen Räumen konnte man die Mannorientierungen aufbrechen.

Spätestens mit dem Treffer zum 4:0 in der 53. Minute war das Spiel für beide Mannschaften effektiv gelaufen. Deutschland kontrollierte Tschechien über das eigene Ballbesitzspiel und die weiterhin vorhandene Disziplin im Spiel gegen den Ball bis zum Ende der Partie.

Fazit

Nach der guten Vorrunde steht Deutschland vollkommen zu Recht im Viertelfinale der UEFA U17-Europameisterschaft. Neben einigen Einzelspielern wie Passlack überzeugte die deutsche Nationalmannschaft mit ihrer hohen Flexibilität, was die Anpassung an bestimmte Gegner betraf. Darüber hinaus bleiben allerdings Mängel in der Strafraumverteidigung, gerade was Durchbrüche über die Flügel angeht.

a_me 19. Mai 2015 um 09:19

„Vielleicht steht da im Tor gar nicht Constantin Frommann, sondern Manuel Neuer?“ – sehr schön :D.
Danke für den feinen Artikel, ich hätte mir gerne das eine oder andere Spiel live angeschaut. Ist noch etwas geplant über die Partien gegen Spanien, Russland und das Finale sofern mit deutscher Beteiligung?

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planet_2012 15. Mai 2015 um 16:19

Das von vielen prognostizierte Comeback der Dreierkette bleibt weiterhin aus, auch im Jugendbereich 😉

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CE 15. Mai 2015 um 16:35

Naja, dort kommen solche Umbrüche wohl erst zum Schluss an. Man ist schließlich an Vorgaben gebunden. 😉

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