Chancenarmes Abstiegsduell endet mit Dardais erster Niederlage

Abstiegsduell in der Bundesliga. Platz 15 empfängt Platz 17 und beide Mannschaften meiden die Offensive, wodurch ein relativ chancenarmes Spiel. Die beidseitigen Mannorientierungen helfen dabei.

Freiburg im 4-4-2 mit vielen Mannorientierungen

Christian Streichs Mannen wichen einmal mehr nicht von ihrer üblichen Spielweise ab und praktizierten das 4-4-2 mit zahlreichen Mannorientierungen, mit welchem  sie flexibel Zugriff herstellen, die Zwischenlinienräume durch das Herausrücken besetzen und auch in hohen Zonen sehr aggressiv pressen können. Immer wieder entstanden im höheren Pressing auch 4-3-3-artige Staffelungen, wenn sich der Ball auf dem Flügel befand und der ballnahe Flügelstürmer herausrückte.

Hertha offensiv

Hertha offensiv

Meistens war es aber ein 4-4-2 oder ein 4-4-1-1. Der ballferne Mittelstürmer ließ sich insbesondere nach der Führung  auf den tiefsten Sechser der Hertha zurückfallen und nur der ballnahe Mittelstürmer rückte kurz auf den Innenverteidiger vor ihm heraus. Vermutlich wollten sie den Ball damit auf die Seite treiben und Hertha keine Zeit zum Spielen von organisierten langen Bällen geben.

Die vielen losen Mannorientierungen sorgten dafür, dass Herthas Spielweise kaum zum Tragen kam. Viele Offensivversuche gingen in aggressiven Zweikämpfen, welche zu Ballverlusten führten oder Herthas Spieler nach hinten und zur Seite drängten. Gelegentlich halfen auch die zwei Stürmer weiter hinten mit. Gefährliche Schnittstellenpässe durch die Mitte nach Kombinationen gab es dadurch beispielsweise kaum bei den Herthanern. Dabei hatte Dardai durchaus versucht ein paar der Probleme unter Jos Luhukay zu lösen.

Erhöhte, aber improvisierte Bewegung vorne

Unter Luhukay spielten die Berliner in der Offensive teilweise sehr simpel. Sehr frühe und häufige lange Bälle von den Innenverteidigern oder vom Torhüter nach vorne, Kampf um zweite Bälle und Unterzahlkonter mit relativ statisch agierenden Flügelstürmern und zwei unterstützenden zentralen Stürmern. Das war der Grund, wieso die Hertha unter Luhukay in dieser Saison sehr wenige Schüsse hatte, relativ wenige Schüsse zuließ (massive Absicherung für Konter), die geringste Passquote und den geringsten Ballbesitz der Liga hatte.

Dennoch waren sie nicht allzu stabil, weil sie durch die sehr klaren Mannorientierungen leicht zu öffnen waren und der Gegner durch den hohen Ballbesitz mehr Chancen zum Bespielen dieser Mannorientierungen erhielt. Dazu waren sie offensiv maximal mäßig. Dardai erhöhte die Bewegungsfreiheit seiner Angreifer. Kalou auf rechts schob häufig ins Sturmzentrum, Stocker pendelte vorne, Ronny hatte eine sehr vertikale Rolle und Schulz rückte von der Seite häufig ein.

Diese Bewegungen sollten mehr Kombinationsmöglichkeiten, mehr Möglichkeiten zum Überladen von Räumen und mehr Anspielstationen in der letzten Linie geben. Die daraus resultierenden Kombinationen waren allerdings überaus instabil. Auch wenn der Grundgedanke natürlich löblich ist, so war bisher keine Zeit, um diese Positionswechsel sauber einzustudieren. Vereinzelt stand man sich dadurch auf den Füßen, schloss zuvor geöffnete Räume unpassend, öffnete Räume nicht rechtzeitig oder bewegte zu spät, um den Mittelspieler am Ball oder den ersten Passempfänger zu unterstützen.

Dazu gab es auch ein paar Anpassungen beim Linksverteidiger und den Bewegungen der Sechser. Das Abkippen wurde flexibel gehandhabt; mal kippte Skjelbred ab, mal Ronny und oft niemand. Dazu gab es bei Plattenhardt einzelne tiefere Positionierungen, wodurch sie gelegentlich im Aufbauspiel ohne abkippenden Sechser eine Art Dreierreihe herstellten. Wirklich effektiv war dies nicht. Freiburgs Defensive stand weitestgehend stabil und die etwas glückliche, frühe Führung erlaubte eine zurückhaltendere Spielweise. Im Verbund mit Herthas Defensive entwickelte sich eine sehr chancenarme Partie.

Freiburg offensiv

Freiburg offensiv

Herthas unorthodoxes 4-2-3-1

10:7 Schüsse gab es in dieser Partie. Zehn für die Hertha, sieben für den SCF. Zur Info: Sieben Schüsse hatte sogar der HSV gegen die Bayern bei der gestrigen 8:0-Niederlage. Enough said? Nicht ganz, der Median in der Bundesliga pro Spiel liegt bei 12,4, dennoch war es eine in beiden Strafräumen aus spielerischer Sicht eine jeweils sehr ereignislose Partie. Für die Hertha war das übrigens sogar eine überdurchschnittliche Saisonleistung. Dennoch passt die Bewertung „beidseitig harmlos“ ganz gut.

Freiburgs 4-4-2 mit viel Bewegung in der Formation und den Mannorientierungen funktionierte gut gegen die Hertha und exklusive den zwei zu den Toren führenden Aktionen war auch die Hertha einigermaßen stabil gegen Freiburgs Offensive.

Die Hertha hatte öfters ein 4-2-3-1, welches defensiv gelegentlich ein 4-2-3-1 blieb und nicht konstant zu einem 4-4-2 oder 4-4-1-1 wurde. Die drei Offensivspieler standen dann (meist ein hohes Mittelfeldpressing) in einer Linie, die Dreierreihe verschob vor den Sechsern ballorientiert und agierte wie eine Kette. Zusätzlich konnten Skjelbred und Ronny situativ herausrücken oder sich Stocker zurückfallen lassen, wodurch neben den 4-2-3-1 und 4-4-1-1-Formationen auch 4-1-4-1hafte Staffelungen entstehen konnten.

Die Manndeckungen unter Luhukay wurden etwas gelockert und loser gespielt. Damit wollte man vermutlich ähnlich wie Freiburg insbesondere ballnah Zugriff erzeugen, ohne durch simple Positionswechsel und gute Läufe aus dem Konzept gebracht zu werden. Dennoch waren die mannorientierten Bewegungen bei der Hertha nicht immer sauber und sorgten einige Male für weit offene Räume; noch viel Arbeit zu tun.

Freiburg weniger intensiv, Hertha im 4-4-2/4-2-4

Die Führung war in gewisser Weise Gift für das Spiel, wobei man sich in Anbetracht der beiden Systeme wohl ohnehin in Sachen Spektakel nicht unbedingt Ausmaße von Leverkusen gegen Wolfsburg zu erwarten brauchte. Freiburg spielte etwas passiver im Bezug aufs Herausrücken, formierte sich im tiefen Mittelfeldpressing und griff meist mit viel Absicherung ab. Bezeichnend, dass die Partie durch eine etwas glückliche Hereingabe und ein Tor nach einer Ecke entschieden wurde.

Die Hertha stellte später um. Beerens kam auf dem Flügel ins Team, Wagner gab den zweiten Mittelstürmer und Hosogai ersetzte Ronny im Zentrum. Das sehr offensive 4-4-2 brachte aber kaum etwas.

Fazit

Kein spektakuläres Spiel mit wenigen Torszenen, klaren Ausrichtungen und Fokus auf die Stabilität, sowohl nach Ballverlusten als auch im Defensivspiel. Beide Mannschaften hatten bei eigenem Ballbesitz dagegen Probleme und auch Konter konnte niemand wirklich effektiv erzeugen.  Trotz sehr wenigen Abschlüssen konnten die Freiburger das Spiel für sich entscheiden, obwohl es eigentlich keinen Sieger verdient hatte.

förb 17. Februar 2015 um 11:15

hier ist eindeutig zuviel klugscheißerei unterwegs

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Flo 16. Februar 2015 um 18:03

Mit der Hertha habe ich mich zwar noch nie beschäftigt, allerdings habe ich heute gelesen, dass Dárdai meinte, er hätte vllt zu hart trainieren lassen. Da sind wir bei dem oft diskutierten Punkt, der v. a. bei den verletzungsgebeutelten Teams immer wieder zur Sprache kommt (zumindest hier). Hat da jemand die Vorlesung zum Thema Trainingssteuerung geschwänzt oder wie seht ihr das?

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Grabbe 15. Februar 2015 um 21:34

Jetzt mal ’ne wirklich saublöde Frage, aber wie kommst du auf einen Median mit ’ner 4 nach dem Komma? Tippfehler oder mangelndes Statistik-Wissen meinerseits?
(Und natürlich Respekt für die Analyse eines zähen Spiels.)

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RM 15. Februar 2015 um 23:03

Platz 9 hat 12.5, Platz 10 hat 12.3; also müsste der Medien der Wert dazwischen sein. Dachte, das wäre so üblich?

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HK 15. Februar 2015 um 23:55

Wenn wirklich der Median gemeint ist, sollte das so stimmen. Ich bin aber überrascht, dass im Zusammenhang mit Fußballstatistiken der Median benutzt wird. Normalerweise ist hier immer vom Mittelwert die Rede. Wahrscheinlich aber auch nur weil das Konzept eingängiger ist?

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Arlisin 16. Februar 2015 um 03:53

Der Median ist halt weniger anfällig gegenüber Ausreißern. D.h. dass die krasse Torschussanzahl von Bayern nicht den ganzen Durchschnitt nach oben zieht. Der Median gibt also besser wieder was der “typische Bundesligaclub” an Torschüssen fabriziert. Allerdings ist die Formulierung mehr als unglücklich. So wie es da steht klingt es so als ob der Median auf die Summe an Torschüssen in allen Spielen angewandt worden wäre (Also der Median aus der Liste aller einzelnen Partien). Anscheinend ist aber gemeint, dass das der Median der Durchschnittsanzahl an Schüssen pro Team pro Spiel ist. So gesehen ist die Aussage im Artikel mindestens missverständlich.

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