Australien erobert Asien

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In Asien, äh Australien, also quasi in Austrasien fand ein Finale statt, welches seinem Anspruch nur defensiv gerecht wurde. Südkorea verschenkt gegen die kompakten Australier sein offensives Potential. Beweisstück A: Joo-Ho Park als Linksaußen.

Der Artikel ist eine Zusammenarbeit von TR und MR.

Das Finale des Asien-Cups zwischen Gastgeber Australien mit der statistisch besten Offensive und Uli Stielikes noch gegentorlosem Südkorea wurde eine defensivgeprägte Begegnung, in der sich beide Teams auf Stabilität und das Zuschieben der gegnerischen Ansätze konzentrierte.

Stielike verschärft den Stabilitätsfokus

Finale AsiencupBei den Koreanern gab es eine Umbesetzung in der 4-2-3-1-Grundformation – mit Hyun-Soo Jang kam ein zusätzlicher Sechser ins Team und der Mainzer Park wurde dafür in eine seltsame Rolle auf den linken Flügel geschoben, sodass Son nach rechts wechselte. Insgesamt durfte sich Park nicht wirklich zentral einrückend beteiligen, sondern wirkte eher wie ein Wing-Back vor einem Außenverteidiger. Der Hintergedanke lag wohl in einer erhöhten Stabilität gegen die sehr auf Flügelangriffe ausgerichteten Australier, die dabei bisher vor allem ihre rechte Seite betont hatten.

Dagegen verzichtete Südkorea auf die Umformungen in linienisolierte, aber saubere 4-2-3-1-Stellungen, wie sie beispielsweise im Halbfinale noch als Kompromissformation gespielt worden war, die den Gegner zu ungefährlichem Aufrücken in scheinbar freie Zwischenlücken verleiten sollte. Stattdessen gab es ein weitgehend unspektakuläres 4-4-2/4-4-1-1-Mittelfeldpressing mit vielen mannorientierten Elementen und ordentlichen Verschiebebewegungen. Über das direkte Aufrücken von beispielsweise Jang auf Milligan bauten sie vereinzelt Druck auf und wirkten zumindest unangenehm für die Zirkulation der Gastgeber.

Australiens Ansätze bleiben Ansätze

Diese fokussierten sich erneut auf rechts, wo Luongo viel Betrieb machte, Leckie unterstützend einrückte und die ballverteilenden Aufbauspieler ihren Passfokus hinrichteten. In vielen Fällen konnte das südkoreanische 4-4-2 mit 4-5-1-Ansätzen aber frühzeitig dort hinschieben, sich auf eine enge und horizontal verdichtete Mittelfeldlinie konzentrieren und die defensivunterstützenden Fähigkeiten Parks gegen bestimmte Flügelmechanismen des Gegners einsetzen.

Wenn diese am Flügel – meistens eben auf ihrem bevorzugten rechten – ins letzte Drittel aufgerückt waren, brachten sie dort zwar durchaus viele Spieler in überladenden Bereichen zusammen, suchten in ihrem Fokus aber sogar dann noch den seitlichen Weg zur Grundlinie, wenn eigentlich im nebenliegenden Halbraumkanal etwas mehr Raum und auch mehr Optionen gewesen wären. Diese Orientierung schwächte sie in diesem Zusammenhang letztlich, so dass sich gegen den koreanischen Defensivfokus vor der Pause kaum mal Torchancen ergaben.

Die einzigen Ausnahmen waren vertikale Laserpässe der Innenverteidiger oder Jedinak, die stark die Schnittstellen in der dann manchmal etwas zu passiven und statischen Mittelfeldkette des Gegners anvisierten. Über anschließende Ablagen Luongos und kurzes Einrücken der Außen hatten sie über die Zentrale also gelegentliche Ansätze. Diese scheiterten aber dann doch an den Folge-Bewegungsmustern, der Verbindung aus den umliegenden Engstellen zu den Stürmern und der starken gegnerischen Endverteidigung. Kurz vor der Pause klappte es dennoch einmal, als sich Luongo nach überragendem Pass von Sainsbury direkt in den Zwischenlinienraum durch drehte und aus etwa 20 Metern verwandelte.

Offensive Limitierheit Südkoreas

Bis dahin hatte Südkoreas Defensivplan gegriffen, doch machte dieser Rückstand auch augenfällig, dass darunter die Offensive gelitten hatte. Gerade die personelle Veränderung schwächte das Ballbesitzspiel im Vergleich zur Halbfinalpartie erheblich. In dieser hatten die Koreaner noch deutlich mehr Präsenz im Sechserraum, einige unterstützende Zurückfallbewegungen vorhanden gewesen waren, wenngleich die Flexibilität teils etwas willkürlich gewirkt hatte. Diese Punkte fehlten nun, zumal Park auf links in eine simple Rolle gedrückt wurde und auch Sons Bewegungsspiel an Flexiblität einbüßte (jedoch auch an der zuvor etwas übertriebenen Präsenz).

Gegen das gewohnte 4-3-3-Pressing Australiens mit engen Stürmern musste man einige lange Bälle schlagen, die wenig einbrachten. Zwar konnte man sich aufgrund der nicht optimalen Nachschiebemechanismen der Gastgeber über die Flügel und engagierte Positionsfindung der Sechser befreien, doch nach vorne fehlte es dann endgültig an guten Aktionen. Die vorderen Akteure richteten sich teils zu stark auf die Seiten aus, sodass meist nur Linksüberladungen als Möglichkeit blieben. Park, Jin-Su Kim und der unterstützende Ki hatten hier einige Ansätze, die gelegentlich auch Nam begleitete, doch waren auch diese Szenen recht flügelfokussiert und hatten ihre besten Mechanismen fast schon in variablem, individuell angehauchtem Hinterlaufen.

Disziplinierte Kompaktheit im australischen Mittelfeld

Dagegen verteidigte Australien aber geschickt, indem Luongo sehr arbeitsam nach hinten mitarbeitete und häufig präventiv die Räume zwischen Franjic und Sainsbury in situativen Fünferketten stopfte – eine sehr gut Maßnahme. Generell zeigte sich das Team von Postecoglou gegen den Ball lange ordentlich, führten ihre 4-3-Stellung ballnah kompakt aus und schoben den Flügel zu.

Die horizontalen Verlagerungsräume konnte Südkorea kaum nutzen, da sie ballfern meist zu simple Durchstoßbewegungen zeigten, was im Halbfinale einige Male auch noch balancierter auf die Verbindungsräume ausgerichtet gewesen war. Kleinere Ansätze waren eher die Ausnahme und wurden vom gelegentlichen Rückwärtspressing der Australier verschluckt. So reichte diesen eine nicht ganz kollektive Abwehrarbeit im letzten Drittel für ein recht souveränes zu-Null zur Halbzeit und dank Sainsbury sowie Luongo sogar zur Führung.

Banale Brechstange als einzige Antwort

Nachdem die erste Halbzeit zumindest in puncto Defensivarbeit und vereinzelter Ansätze qualitativ gut war, entwickelte sich das Spiel nach Südkoreas erstem Gegentor des Turniers zu einer sehr unansehnlichen Enttäuschung, der wir an dieser Stelle keine all zu detaillierte Betrachtung widmen möchten. Kurzum: Stielikes Elf hatte keine Antwort auf den Rückstand.

Vorerst machten die „Tigers of Asia“ so weiter wie in der ersten Hälfte und hatten durch die passiver werdenden Australier ein wenig mehr Offensivpräsenz, wodurch die kreativen Defizite aber lediglich noch deutlicher wurden. Besonders Nam konnte überhaupt keinen Einfluss auf das Spiel ausüben. So wurde dieser dann für den beweglichen Angreifer Keun-Ho Lee ausgewechselt.

In der 71. Minute kapitulierte Uli Stielike dann: Er zog Spielmacher Ki in die Offensive, wo dieser eine Art hängende Spitze gab und kaum eingebunden war, außer als Ballhalter in statischen Situationen mit ganz wenig Anbindung. Dafür kam sein WM-Nebenmann Kook-Young Han für Park, sodass die Doppelsechs nun recht unkreativ von zwei eher defensiv ausgerichteten Balancespielern besetzt war; personell gesehen eigentlich ein Defensivwechsel.

Da die Australier mit den eher tief ausgerichteten Achtern vor allem auf der südkoreanischen Sechserposition Platz ließen, war diese Änderung fatal. Südkorea konnte diese Räume überhaupt nicht nutzen und zog immer wieder in die dichter besetzten Flügelräume für billige Brechstangen-Angriffe. Indes boten sie durch eine undisziplinierter werdende Defensivarbeit Räume für australische Konter, die jedoch inkonsequent genutzt wurden. Dass es in letzter Minute noch zum Ausgleich reichte war Glück und individuelle Klasse: Ein langer Ball des spielstarken SV-Lieblingsinnenverteidigers Young-Gwon Kim leitete eine simple Szene ein, in der sich Ki und Son irgendwie durchwühlten und Son doch noch traf.

Fazit

In der Verlängerung zeigten die Australier dann, dass sie mehr Reserven hatten. Sie dominierten das Spiel bei weiterhin bestehender Stabilität und kamen zur verdienten erneuten Führung. Erneut fiel Südkorea keine Antwort ein und dieses Mal kam auch kein Lucky Punch mehr.

In der Summe hielt das Finale der Asienmeisterschaft nicht so recht, was es versprach. Beide Mannschaften zeigten gute defensive Fähigkeiten, doch Australien ließ die letzte Konsequenz vermissen, während Südkorea schlichtweg strukturell ziemlich offensivschwach war; in dieser Hinsicht haben sich die Ostasiaten seit der WM ohne Frage zurückentwickelt.

So werden die Australier im eigenen Land das erste Mal Asienmeister. Klingt komisch, ist aber so. Und ist auch verdientermaßen so.

FAB 23. März 2015 um 20:45

Deutschland-Australien, immerhin Weltmeister-Asienmeister … vielleicht immer noch nicht spannend, weil eben Freundschaftsspiel. Aber wenn Löw wirklich die voraussichtliche Aufstellung vom Kicker bringt, mit Dreierkette und Bellarabi, Reus auf den Außenpositionen könnte das ein interssantes Ding werden.

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