Donnerstag, 08.12.2016

Stärken und Probleme der ungewöhnlichen Eredivisie-Aufsteiger

Während sich mit Willem II und Excelsior zwei der drei Eredivisie-Aufsteiger nach der Hinrunde gut in der ersten Liga eingefunden haben, sieht es für den Tabellenletzten aus Dordrecht problematisch aus. Gemeinsam ist diesen Teams, dass sie alle über markante Ausrichtungen verfügen.

Willem II

Trainer Jurgen Streppel, 12. Platz mit 20 Punkten

eredivisie aufsteiger willem iiAls ständiger Abstiegskandidat und Pendler zwischen den Ligen war es dieses Jahr ein wenig überraschend, dass Willem II nach der neuerlichen Rückkehr in die Eredivisie doch einen individuell recht starken Kader aufbieten konnte. Vor allem auf die Sturmbesetzung ihrer 4-3-3-Formation trifft dies zu, wo Ben Sahar, Bruno Andrade und Samuel Armenteros als bewegliche Akteure dem jungen U-Nationalspieler Terell Ondaan oftmals nur den Bankplatz übrig lassen. Diese Angreifer spielen mit ihrer variablen, aber doch gefestigten Ausrichtung eine zentrale Rolle in der gefährlichen und dabei soliden Offensive des Teams von Jurgen Streppel, die nur selten unter größeren Schwankungen leidet. Sie binden sich solide in die Flügelangriffe oder Kombinationsszenen ein und können zusätzlich gerade bei Konterszenen diese grundlegende Klasse der erfolgsstabilen Ausrichtung wirksam abrufen.

Unterstützt werden sie von den beiden Achtern Haemhouts und Messaoud, die immer wieder weit mit aufrücken und sich ins vordere Zusammenspiel einschalten, dabei aber balanciert agieren, so dass die Verbindungen innerhalb des Mittelfelds nicht nachhaltig geschädigt werden. Ersterer nimmt die etwas tiefere Position ein, zeigt einige starke Laserpässe und agiert ansonsten als anpassungsfähiger Akteur innerhalb des Mittelfeldzentrums, während Messaoud für eine physische Komponente sorgt und beispielsweise auch gerne mal weiträumig auf die Seiten rochiert. Manchmal ziehen sie beide in den Strafraum nach, während die Außenstürmer gemeinsam auf einer Seite überladen und strippenziehend agieren. Demgegenüber beschränkt sich der eher unauffällige, aber spielstarke Sechser Stijn Wuytens – ebenso wie der kombinative Rechtsverteidiger Heerkens – auf vereinzelte Vorstöße. Stattdessen bindet er sich situativ in die hinterste Reihe ein und sorgt für die Ausgewogenheit des durchaus ambitionierten, weiträumigen und sauber angelegten Aufbauspiels. Zusammen mit den beiden spielstarken Innenverteidigern ist er dafür verantwortlich, gegnerischen Pressingversuchen auszuweichen und dann die sich aktiv in höheren Bereichen anbietenden Offensivkollegen in Szene zu setzen.

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Eine Szene aus dem Spiel gegen Twente: Peters läuft mit Ball und bereitet geschickt eine passende Offensivsituation vor. Durch einen Kanal der gegnerischen Formation hindurch spielt er den sich seitlich in den Zwischenraum absetzenden Messaoud an, der sich stark gegen Engelaar zentral eindreht und nach kurzem Dribbling den nachstoßenden Haemhouts bedient. Entscheidend jeweils die drei Bewegungen bzw. Positionierungen aller Stürmer: Ondaan bindet den fälschlich mannorientierten Schilder breit, womit die Lücke aufbleibt. Armenteros fällt kurz zurück und zieht den linken Innenverteidiger leicht diagonal ebenfalls aus jenem Raum weg. Schließlich startete Andrade bereits zu Beginn während Peters´ Zuspiel einen Vertikalsprint, um den Rechtsverteidiger von Messaoud wegzuhalten.

Dabei scheinen die Akteure auch individuell gut geschult und stellen sich in den Angriffskationen immer wieder geschickt an. Insbesondere der Kapitän und linke Innenverteidiger Jordens Peters spielt einige verrückte eröffnende Vertikalbälle nach vorne, die die Offensivmöglichkeiten exzellent bedienen. Entsprechend übergeht die Aufbaulogik des Teams häufig auch bewusst gewisse Bereiche im zweiten Drittel, wodurch diese teils höheren Positionierungen ermöglicht werden. Eine wichtige Rolle nimmt auch der Sturmallrounder Armenteros als zentrale Spitze ein, der sich immer wieder zurückfallen lässt, um solche Bälle aufzunehmen und an den weiteren Verlauf anzubinden. Mit den fünf offensiven Akteuren kann sich Willem II nach den Einleitungen dann sehr zielstrebig durchspielen – mal über die Schnelligkeit der Flügel, mal über Dreiecksaktionen in den Halbräumen und mal über kombinative dynamische Weiterleitungsszenen. Somit ist der Aufsteiger sehr unangenehm zu bespielen, da sie ständig auf verschiedenen Routen – unterstützt durch individualtaktische Faktoren – und sehr zuverlässig wie erfolgsstabil, durchaus auch gegen besondere Hindernisse, zu solider Offensivgefahr kommen können.

Gegen den Ball ist eine 4-1-4-1/4-3-3-Formation die Grundausrichtung des Teams und von insgesamt ordentlicher Qualität geprägt. Dabei gehören auch einige Mannorientierungen zur Spielweise hinzu, die zwar als allgemein auffälliges Element auftreten, jedoch im Vergleich nicht immer so deutlich praktiziert werden wie von manch anderem Team der Liga. In manchen Partien funktioniert die Einbindung besser und balancierter, in anderen Begegnungen gab es aber auch Probleme mit den Mannorientierungen – so beim zugrifflosen 0:5 bei Ajax, als der Meister die aus einem 4-4-2 mit Messaoud als zweiter Spitze heraus praktizierten Zuordnungen sehr systematisch bespielte. Das wichtigste defensive Prunkstück von Willem II sind sicherlich die in vielen Partien etwas eingerückten Zwischenpositionierungen ihrer Außenstürmer, leicht vor den gegnerischen Außenverteidigern. Dies gibt der Mitte mehr Kompaktheit und verhindert, dass man von aufrückenden Bewegungen zu leicht nach hinten gedrückt wird, weshalb der Gegner zum Aufrücken länger und aufwändiger zirkulieren muss. Gerade wenn diese Positionierungen situativ durch abgestimmte und explosive Nachrückbewegungen des Kollektivs im Pressing ergänzt werden, hat die Mannschaft hier einige überzeugende Momente und generiert direkte Balleroberungen oder gegnerische Fehler.

FC Dordrecht

Trainer Ernie Brandts, 18. Platz mit 7 Punkten

Im Gegensatz zu den beiden anderen Aufsteigern befindet sich FC Dordrecht als Tabellenletzter in einer sehr prekären Situation. Allein ein Sieg – am allerersten Spieltag – und nur sieben Punkte konnten sie in der Hinrunde verbuchen. Meist agiert die Mannschaft von Ernie Brandts – gelegentlich kommt auch mal eine 4-4-2-artige Variante vor – in 4-1-4-1-haften oder Rautenformationen, die durch häufiges Zurückfallen des tiefsten Sechsers zuletzt vermehrt in Richtung 5-4-1/5-3-2 tendierten. Das eine oder andere Mal gab es auch das dauerhafte Vorschieben eines Innenverteidigers zu sehen, was asymmetrische 3-4-3/3-1-3-3-Ausrichtungen kreierte. Dies sorgte für eine zusätzliche Belebung des Aufbauspiels, in dem Dordrecht eigentlich gar nicht einmal so schlecht, wenngleich auch häufig etwas zu unstrukturiert in der Zirkulation und den Bewegungen agiert. Sie haben einige spielstarke Akteure in ihren Reihen, mit durchschnittlich 48 % Ballbesitz den höchsten Wert unter den Liganeulingen und zeigen sich flexibel. So stellen sie verschiedene Anordnungen her, nehmen dabei bewusste Zwischenpositionierungen ein und überzeugen vor allem mit einzelnen zurückfallenden Bewegungen.

Dabei ziehen die Offensivakteure in freie, durch gegnerische Mannorientierungen unbesetzte Bereiche und versuchen von dort kleinere Kombinationen zu starten. Gerade über Ojo, van Overeem und ten Voorde gibt es einige spielstarke Aktionen über das Zentrum und die Halbräume, wenngleich es im Ausspielen im letzten Drittel – auch aufgrund individueller Aspekte – häufig an der Durchschlagskraft fehlt. Problematisch ist hierbei, dass die Akteure um diese lokal beteiligte Gruppe herum zwar vereinzelt anpassend agieren, ansonsten aber zu passiv sind und sich nicht gut genug, sondern zu gleichmütig in die Szenen integrieren. Von den Mittelfeldakteuren versucht meist einer, ausweichend nach außen zu rochieren, was aber vom Timing nicht immer so gut funktioniert. Über einzelne aufrückende Läufe der Verteidiger kann Dordrecht ebenfalls geschickte und flexible Ansätze generieren, ist aber oft nicht strategisch genug in den folgenden Passwahlentscheidungen, wenn sie gute Optionen übergehen und stattdessen offene, aber nicht optimale Räume bedienen, die durch die etwas ungerichteten Bewegungsmuster gerade besetzt sind.

eredivisie aufsteiger dordrecht rückrundenendeDas große Problem des Teams liegt vor allem in der Defensive, wo sie zu viele Gegentreffer hinnehmen müssen und bereits einige deftige Niederlagen wie beim 0:4 gegen Willem II oder beim 2:6 gegen Vitesse kassierten. Zwar gibt es immer wieder einige gute Abläufe und verschiedene Ideen, die umgesetzt werden, doch alles in allem schwankt die Qualität der Ausführung zu stark und vor allem das Herstellen von Zugriff bereitet dem Team Schwierigkeiten. Sie scheinen gegen Angriffe nicht mit einem übergeordneten Plan vorzugehen, sondern wollen „einfach irgendwie verteidigen“ und bloß Gefahr abwenden. Ein 4-1-4-1 und alternativ ein 4-3-1-2 mit leichten Mannorientierungen, die nur in der Abwehrreihe konstant, insgesamt von Partie zu Partie mal mehr und mal weniger deutlich sind, bilden die Grundlage der Defensivspielweise Dordrechts.

Zuletzt wusste die Interpretation dieser Anordnung zunehmend – zwei Mal 1:1 zum Rückrundenende – zu überzeugen, als der Aufsteiger sauber und engagiert verschob, die Positionierungen relativ geschickt wählte und auch einige kompakte Stellungen erzeugen konnte. Dabei verzichteten sie weitgehend auf Mannorientierungen, was in der Eredivisie schon eine recht ungewöhnliche Ausnahme ist. Ein großes Problem lag allerdings darin, aus solchen guten und überlegenen Staffelungen das volle Potential herauszuholen und ins Pressing überzugehen. In der kollektiven Entscheidungsfindung verpassen sie aber oftmals den richtigen Moment für den Zugriff, so dass sie die Früchte ihrer eigenen Arbeit nicht ernten und der Gegner sich gegen die zu passiven Dordrechter noch einmal aus seiner Lage befreien kann.

Vor dieser stabileren letzten Phase gab es auch einige deutlich schwächere Leistungen wie beispielsweise gegen Twente, als sie im 4-3-3 fast schon radikale Manndeckungen spielten, die aber komplett schief gingen, jeglichen Zugriff vermissen ließen und die eigene Organisation schädigten. Kaum einmal gab es vernünftige Unterstützung der Akteure untereinander und wichtige Räume konnten nicht kollektiv verengt werden. Die Folge war ein 0:4 inklusive Roter Karte zur Pause mit Gegentreffern in teils dilettantischer Form. Immerhin hielten sie nach der Halbzeit die Null, indem sie sich fast bewusst in Sechserketten zurückzogen und dann daraus immer mal wieder explosiv in flexibel jagende Phasen ausschwärmten.

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Ziyech erhält den Ball, die Mittelfeldakteure gehen zu überdreht in Mannorientierungen über, die sie zu strikt und passiv ausführen, so dass der blaue Kanal für Twentes Zehner aufgeht. Zudem fühlt sich für ihn niemand mannorientiert zuständig, ehe Außenstürmer Pisas ihn übernimmt. Nachdem Ojo herausgezogen wird, kann Ziyech in die zu großen Horizontalräume innerhalb der Abwehr laufen und kommt zum Abschluss, wenn nicht der gut einrückende Fortes (gelber Pfeil) eingerückt wäre.

Gegen PSV hatten sie zwar einige gute Verschiebebewegungen, agierten aber innerhalb der Mittelfeldlinie zu drucklos. Problematisch war vor allem, dass bei Verlagerungen die ballfernen Akteure nur relativ schleppend nachrückten und neue lokale Situationen kaum konsequent mannschaftlich, sondern nur durch die lokal postierten Akteure verteidigt werden sollten. In Zusammenhang mit einigen Mannorientierungen vor allem in der Abwehr, wie beispielsweise auf die gegnerischen Außenstürmer, führte dies zu Lücken auf den Flügeln und in den äußeren Halbräumen, die der Tabellenführer bespielen und am Ende zu satten 40 Abschlüssen nutzen konnte. Vor allem in der Defensive, aber auch allgemein gibt es also noch viel Steigerungsbedarf für Dordrecht, die zuletzt mit dem Durchbrechen der Niederlagenserie von neun Partien und besseren Ansätzen leichte Hoffnung aufkeimen ließen, allerdings auch schon einem satten Rückstand hinterherlaufen müssen. Dass der sechs Punkte entfernt liegende Platz 17 schon zu den Abstiegs-Play-Offs reicht, ist dabei ihr Glück.

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Eine der zuletzt besseren Vorstellungen im überzeugenderen und weniger mannorientierten 4-1-4-1/4-5-1/5-4-1, hier mit ballnah aufrückenden Akteuren (auch der potentielle Switch-Spieler Koolwijk), während van Haaren dafür in die Abwehr zurückfällt. Die ballnahen Gegner können grundsätzlich isoliert werden (Antonia beeinflusst die Situation aber invidualtaktisch geschickt und verändert die Dynamiken ein wenig), was bei besserem Anlaufverhalten des Linksverteidigers aber noch effektiver hätte gestaltet werden können, zumal die generelle mannschaftliche Kompaktheit und Abstimmung immer noch nicht optimal sind, aber eben deutlich besser als im obigen Szenenbeispiel (ja, es jeweils ist die gleiche Mannschaft).

SBV Excelsior

Trainer Marinus Dijkhuizen, 13. Platz mit 17 Punkten

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Excelsiors 4-3-3 zu Beginn der Hinrunde

Excelsior hat sich ein wenig den Ruf der wechselhaften Wundertüte erarbeitet, bei der man mit deutlichen Niederlagen und im nächsten Moment mit furiosen Offensivauftritten oder Siegen rechnen muss. Formativ haben sie im Verlaufe der Hinrunde einige Versuche unternommen und zunehmend Alternativen zur 4-3-3-Grundformation – in bedingt mannorientierter Ausführung – hinzugefügt. Diese kann durch die tiefe Positionierung der Außenstürmer sowie der recht fluiden Interpretation im Mittelfeldzentrum auch zu einer Art 4-1-4-1/4-5-1 werden. Wenn vorhanden, werden die Mannorientierungen recht balanciert ausgeführt – leicht nach hinten versetzt in absichernder Stellung, bei der die Akteure ein Mittelziel zwischen Orientierung am Gegenspieler und Unterstützung des nächsten Kollegen verfolgen, teils sogar auch ballfern. So wird die Abwehrkette im eigenen Drittel meistens horizontal zusammenzuhalten versucht, wobei sich die Mittelfeldakteure häufig präventiv in Halbraumlücken zwischen Innen- und Außenverteidiger fallen lassen. Gerade gegen Flügelüberladungen des Gegners kann dies sehr effektiv sein.

Problematisch ist allerdings manchmal, dass durch diese zu flachen Stellungen der Rückraum nicht mehr optimal abgedeckt wird, zumal die Spielweise einem eher passiven Rhythmus folgt, der nicht optimal dagegen unterstützen kann, weshalb sich die Mannschaft dann eher auf das Entschärfen von Abschlüssen konzentrieren muss. Daher sind bei Excelsior einige Schwankungen in den defensiven Leistungen vorhanden. Dazu trägt auch die Wechselhaftigkeit in den Rückzugsbewegungen der vorderen Akteure bei, die manchmal sehr engagiert und kompakt ablaufen, in anderen Fällen aber nur inkonsequent oder gar nicht vorhanden sind, was dann in mangelnder Kollektivität in den hinteren Zonen resultiert. Schließlich trägt zu dieser Problematik bei, dass zuletzt nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Flügelstürmer van Mieghem häufig auf eine 4-2-3-1/4-3-1-2/4-1-4-1-Mischformation umgestellt wurde, die allerdings defensiv schwächer ist als das ordentliche 4-3-3. Es fehlt der neuen Anordnung gegen den Ball – auch wegen wechselnder Interpretation im Detail – an Abstimmung, zumal sie bisher oft mit einem überambitionierten Anlaufen in den vorderen Zonen verbunden war.

So gab es in dieser Formation ein paar Partien, in denen das Pressing zu offen, unkompakt und unstrukturiert ablief. Neben soliden 4-4-2-Anordnungen entstanden mal breite Rauten und mal breite 4-3-2-1- oder gar hohe 4-1-4-1-Stellungen. Das mannorientierte Anlaufen in den höheren Zonen hatte aber Zuteilungsschwierigkeiten und ließ daher immer mal wieder einzelne Spieler frei. Auch in klareren 4-3-Stellungen agierten die Achter teils zu unflexibel, was große Aufrückräume neben ihnen öffnete. Gerade gegen PEC Zwolle war dies besonders auffällig und führte zu einer 0:5-Niederlage, bei der Kruys weite Bereiche allein abdecken musste, die Abwehr zu ungeschützt war und ihre Mannorientierungen daher kaum mehr funktionieren konnten, sondern noch mehr Lücken öffneten und somit schadeten. Im Stadtderby gegen Feyenoord wurden diese Kompaktheitsprobleme beim teils überambitionierten frühen Zustellen aus dem 4-2-3-1/4-4-2/4-3-1-2 besonders deutlich. Deren lange Bälle nutzte die Streckungen des ersten Pressingmoments gnadenlos aus, um die Offensivpräsenz in den vorderen Linien zu bedienen, gegen die Excelsior keine unterstützende Hilfe generieren konnte und sich mit individuell unglücklichen Aktionen dort noch das Leben selbst schwer machte. Besser lief es, wenn die Raute klarer interpretiert wurde, was beispielsweise gegen Willem II zu einer weitgehend überzeugenden Defensivleistung führte, bei der aus der Ausgangsordnung durch das Vorschieben des Zehners auch situativ wieder ins 4-3-3 gewechselt werden konnte.

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Das 4-2-3-1/4-3-1-2 vom Ende der Hinrunde

Insgesamt ist die defensive Anlage oft von einem unterschwellig leicht chaotischen und improvisierten Zug geprägt, der die Mannschaft generell auszeichnet. Aus der meist durchaus offensiven Grundbesetzung heraus gibt es zahlreiche, teils auch riskant aufrückende Bewegungen verschiedenster Akteure. Trotz einer dabei weiträumigen Ausrichtung sind die entstehenden Angriffe immer wieder ansehnlich und kombinativ. Dabei ist das Ganze etwas unsystematisch unterlegt, da es sich einfach um einen flexiblen, bewegungsreichen Kombinationsfokus in druckvoller Spielweise handelt, der manchmal „einfach drauf los“ spielt und bei dem die Szenen teils fast schon irgendwie zu Ende gebracht werden sollen. So agieren die Mannen von Marinus Dijkhuizen auch etwas wirr, überdreht und übertrieben engagiert in ihrem Bemühen, offensiv zu sein, was manchmal unstrukturiert, improvisiert und mit seltsamem Timing abläuft, aber auch selbst in schwachen Szenen noch einem sinnvoll gedachten und in vielen Fällen durchaus pragmatisch-kombinativen Muster folgt. Vor allem über die zentralen Mittelfeldakteure laufen viele dieser Aktionen, während sich die Akteure auf Außen – die Flügelstürmer im 4-3-3 oder die jeweils äußeren Spieler im 4-2-3-1/4-3-1-2 – breitgebend postieren und als Rahmen dienen.

Zwischendurch streuet Excelsior also über die Achter, den aufrückenden Kruys oder sogar einen vorstoßenden Innenverteidiger solche Szenen, bei denen einer der Mittelfeldmannen eine ausweichende Rolle übernimmt und Mittelstürmer van Weert spielstark auftritt, in die generell aktive Angriffsanlage ein. Überhaupt weicht der zentrale Angreifer in verschiedenen Kontexten weit auf die Flügel aus, um entweder fokussiert die gegnerischen Innenverteidiger herauszuziehen, oder sich ballnah als ablegender Helfer beim Aufrücken bzw. ballfern als Ausgleich für Überladungen einzubinden. In ihren grundlegenden Stellungen für die Offensive bildet der Aufsteiger trotz der aktiven Weiträumigkeit als Basis oft auch kompakte, konsequente Anordnungen über dem gerade bespielten Halbraum, was sich bis zum unterstützenden oder absichernden Halbraum-Einrücken des ballfernen Außenverteidigers fortzieht. Manchmal wirken diese in der Kompaktheit fast schon improvisiert genutzten Engenbildungen wie eine zweite Methode neben den vertikalen, direkten Freiraumspielzügen im Zentrum – beide sind aber durch den engagierten, antreibenden, teils wirren Rhythmus geprägt. Zum Hinrundenende waren dafür beispielsweise die Bewegungseinbindungen von Bruins symbolisch: Er rochierte mit langen Läufen in den vom breiten rechten Offensivspieler geöffneten Halbraum, um dort Weiterleitungen zu erhalten und anschließend bestenfalls Überladungen anzusteuern, oder für Freiraumpässe auf den von Auassar offen gelassenen linken Flügel.

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