Donnerstag, 08.12.2016

Chelsea zerpresst Stokes Hoffnungen

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José Mourinhos Chelsea erfüllt die Pflichtaufgabe an einem kalten Montagabend in Stoke-on-Trent. Obwohl bei den Blues manchmal die letzte Durchschlagskraft fehlte, waren die Potters größtenteils chancenlos.

Grundformation in der ersten Halbzeit

Grundformation in der ersten Halbzeit

Grundformationen

Es war das Duell 4-2-3-1 gegen 4-2-3-1. Doch auf beiden Seiten gab es leichte Abwandlungen. So agierte Stoke City in der ersten Halbzeit vermehrt in einem 4-4-1-1, was an der durchschnittlichen Positionierung der beiden Flügelangreifer Marko Arnautović und Jonathan Walters lag. Beide beteiligten sich engagiert an der tieferen Ballzirkulation. Vor allem der Österreicher tauchte immer wieder in der Nähe des defensiven Halbraums auf und wurde von den Sechsern Geoff Cameron und Steven N’Zonzi eingebunden.

Chelsea agierte unterdessen in den ersten Minuten eher in einem 4-3-3 als in einem 4-2-3-1. John Obi Mikel ging dabei als Raumfüller vermehrt halblinks oder halbrechts nach vorn und bildete kurzzeitig eine Art Doppelacht mit Cesc Fàbregas. Doch schon bald kristallisierte sich das normale 4-2-3-1 heraus, was mit Nemanja Matić und Mikel zwei pressingstarke Spieler auf der Sechs aufbot. Des Weiteren schob vor allem Willian sehr stark von der Außenseite ein und entwickelte sich während der Partie zu einem zweiten Zehner neben Fàbregas, wodurch der Spanier nicht immer die zentrale Positionierung halten musste.

Chelseas Konstanz gegen den Ball

Die Blues gingen noch in der ersten Spielminute in Führung. John Terry löste sich bei einer Ecke von Bewacher Cameron und köpfte ein. Im Anschluss behielten die Londoner die Oberhand im Spiel – zur Halbzeit hatten sie 59 Prozent Ballbesitz. Doch einmal mehr kam vor allem die Arbeit gegen den Ball zum Tragen, die sich in dieser Partie in zwei Aspekte auftrennen lässt. Zum einen leitete man interessanterweise über Fàbregas und Diego Costa den Spielaufbau von Stoke auf die Außenbahnen. Zunächst pressten die beiden spanischen Nationalspieler auf einer Höhe als vorderste Linie im 4-4-2 und liefen Marc Muniesa sowie Ryan Shawcross mannorientiert an und verfolgten sogar noch die Rückpässe zu Torwart Asmir Begović. Aber nach der Anfangsphase zog sich Fàbregas als rechter Pressing-Neuner dann bewusst etwas zurück, um Pässe auf Marko Arnautović zuzulassen. Linksverteidiger Erik Pieters stand im Aufbau sehr flach, während sich Arnautović an die Mittellinie zurückfallen ließ. Zu diesem Leiten auf den Österreicher gehörten zudem die eingerückte Positionierung von Willian und das Aufrücken von Branislav Ivanović. Somit wurde Arnautović bei der Ballannahme seitlich und von hinten attackiert. Fàbregas versperrte zudem teilweise noch den Rückpassweg. Leichte Abhilfe schuf Bojan Krkić, der auf in den linken Halbraum abdriftete und als diagonale Anspielstation in manchen Szenen noch der Ausweg für Arnautović war. Trotzdem standen 17 Ballverluste am Ende zu Buche, wovon einige auf das Konto des Chelsea-Pressings gingen.

Tackles von

Tackles von Matić, Mikel und Fàbregas – Quelle: Squawka

Zum anderen gab es wieder das Mourinho-typische tiefe Verteidigen zu beobachten, was in der Schlussphase des Spiels einmal mehr in ein 4-5-0-1 oder 6-3-0-1 mündete, wo in der Regel fast kein Durchkommen möglich ist. Jedoch bereits im ersten Abschnitt der Begegnung wurde tiefes Mittelfeldpressing deutlich, dass gegen Stokes Offensivansätze das perfekte Gegengift darstellte. Der Fokus lag vor allem auf Peter Crouch. Der 33-Jährige kann selbstverständlich mit seiner Körpergröße (2,01 Meter) lange, hohe Schläge sehr gut verarbeiten und ist trotz seiner teils ungelenken Bewegungen in diesem Punkt nicht zu verteidigen. Dafür versuchte Chelsea die Ablagen von Crouch zu verteidigen. Sowohl Walters als auch Arnautović waren, sobald der Aufbau schnell über einen langen Pass erfolgte, nur schwer für Crouch anzuspielen, sodass lediglich Bojan als Option blieb. Doch Matić und Mikel eroberten im Sechserraum mehrmals das Spielgerät und verhinderten so Rückpässe oder seitliche Ablagen des Zielspielers der Potters.

„We tried to build a cage around [Peter Crouch] to try to win, I’m not saying the first ball against him in the air because it’s almost impossible to do it, but to be in conditions to win the second ball.“ (José Mourinho)

Weitere Aspekte des Offensivspiels beider Teams

Die Blues zogen ihr gewohntes Angriffsschema durch. Diego Costa beteiligte sich an kleinteiligen Halbraumkombinationen mit Eden Hazard im linken Halbraum oder er schleppte den Ball im Umschaltspiel, um das Nachrücken der Mitspieler zu gewährleisten. Fàbregas war wieder der dominante Faktor im Passspiel. Die meisten seiner Zuspiele gingen an seine nominellen Nebenmänner Willian (13) und Hazard (18). Insgesamt zeigten die Gäste aus London mehr Kohärenz in den Offensivverschiebungen als Stoke. Die einrückenden Bewegungen wurden von Fàbregas und Ivanović beantwortet. Hazards Dribblings wurden effektiv eingebunden. Der Belgier überlud wie gewohnt situativ die rechte Seite, wodurch die beiden anderen Akteure in der offensiven Dreierreihe leicht nach links schoben. Das Positionsspiel war sehr sauber.

Einen einzigen Vorwurf kann man den Blues machen. Vor allem ab der 25. Minuten zeigten sie passable Dreieckskombinationen durch alle Ketten hinweg und ließen so die Potters nicht in Zweikämpfe kommen. Doch sie bespielten das gleichförmige System von Stoke ein Stück weit zu tief, sodass Costa als letztes Glied in der Kombination den Ball irgendwo im zentralen Zwischenlinienraum vor Muniesa und Shawcross erhielt, aber von dort an, wiederum die Verschleppung erfolgen musste und quasi ein neuer Angriff nach bekanntem Muster begann.

Stoke war derweil noch limitierter. Im Endeffekt mussten die meisten Offensivaktionen über ihren präzisesten Spieler laufen: Bojan. Doch der Spanier wurde dadurch mehr oder weniger alleine gelassen. Die Einbindung von Crouch wurde bereits erläutert. Walters kam auf der rechten Seite zu einigen diagonalen Läufen ohne große Wirkung. Zu erwähnen sei an dieser Stelle die passable Defensivarbeit von Hazard, der immerhin drei erfolgreiche Tacklings und zwei Balleroberungen zum Zeitpunkt seiner Auswechslung auf der Haben-Seite hatte.

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Heatmap von Marko Arnautović – Quelle: Squawka

Die beiden eigenen Sechser stellten für Stoke aber das größte Problem dar, da Cameron und N’Zonzi in Ballbesitz zeitweilig überfordert schienen. Weder konnten sie selbst vermehrt Bälle erobern und damit ein Umschaltspiel initiieren, noch waren sie pressingresistent genug, um gegen Matić und Mikel zu bestehen. Die Potters stießen bei ihren Angriffen in Art von Wellen nach. Der erste Pass erfolgte entweder hoch auf Crouch oder in einer irgendeiner Form flach auf Bojan. Im Anschluss kamen zuerst die beiden Flügelstürmer diagonal nach innen oder linear die Außenbahn entlang, im Anschluss die Sechser und zum Schluss noch die beiden Außenverteidiger. Doch in vielen Fällen war spätestens bei Cameron und N’Zonzi der Angriff schon wieder vorbei und Chelsea konnte entweder die ruhige Ballzirkulation starten oder direkt steil auf Costa und Co. spielen. Oder die Potters kamen zu wirkungslosen Flanken.

In der zweiten Halbzeit stellte Mark Hughes seine Mannschaft leicht um, indem er die beiden Außenstürmer höher positionierte. Zudem fiel Bojan stärker zurück und entlastete so im Pass- und Umschaltspiel die Doppelsechs sofort. In diesem 4-2-1-3 wurde der Spielaufbau, da Arnautović und Walters im mittleren Drittel nicht mehr derart stark involviert waren, direkter. Nach rund einer Stunde ersetzte der agilere Mame Diouf Mittelstürmer Peter Crouch und der schussstarke Charlie Adam kam für Cameron auf den Platz. Wenngleich das Offensivspiel druckvoller wirkte, gegen einen im zweiten Durchgang nochmals stärker aufdrehenden Matić ist kein Kraut gewachsen. Fàbregas machte in der 78. Minute mit einer unsauberen Ballannahme nach einem Pass von Hazard das 2:0. Chelsea packte die drei Punkte ein.

Fazit

Stoke City gilt als eine Art Gradmesser für Top-Teams und Meisterschaftskandidaten. Immerhin wurde Manchester City von den Potters zu Beginn der Saison im Etihad geschlagen. Die Zuschauer im Britannia Stadium von Stoke-on-Trent waren derweil schon Zeuge von Siegen unter anderem über Arsenal und Swansea. Aber Chelsea ging die Sache sehr konzentriert an. Vor allem gegen den Ball wollte Mourinho keine Nachlässigkeiten sehen, sodass zumindest im tiefen Mittelfeldpressing eine starke Konstanz an den Tag gelegt wurde. Stoke hingegen, dass eigentlich für seine starke Angriffsabteilung gepriesen wird, hatte Probleme mit der Entwicklung passender Synergien. Die nachrückenden Bewegungen führten vielmehr zu selbst verursachten Isolationen, was sicherlich auch an Chelsea lag. Im Endeffekt blieb man harmlos und lag bei 1:1 Schüssen auf die Tore in der Halbzeitpause schon mit 1:0 zurück. Leichte Verbesserungen und höhere Ballbesitzanteile im zweiten Durchgang brachten keinen signifikanten Umschwung.

sappydharma 23. Dezember 2014 um 14:59

Marko A droht wie bei Bremen nach anfaenglichem Glanz zu versumpern. Er ist mittlerweile defensiv beinahe besser als offensiv, aber so wenig zielstrebig. Entweder er braucht eine noch bessere Mannschaft oder mehr mentale Stabilitaet. Das System von Hughes und seine Position in selbigem ist bis auf wohl geringeres Pressing nicht so weit von dem von Koller weg. Wuerde ihn dennoch gerne mal auf der 9 oder 10 sehen, allerdings traue ich ihm durch seine Defensivlaeufe sogar irgendwann den LV zu, auch wenn das absurd klingt. Den Koerper und das Tempo haette er und die Laufwege waeren seinem Freigeist entsprechend vl. sogar angepasster.

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Dr. Acula 23. Dezember 2014 um 14:53

„Zum anderen gab es wieder das Mourinho-typische tiefe Verteidigen zu beobachten, was in der Schlussphase des Spiels einmal mehr in ein 4-5-0-1 oder 6-3-0-1 mündete, wo in der Regel fast kein Durchkommen möglich ist.“

Ist es wirklich so undurchdringlich? Wenn es so zielführend ist, wieso spielen nicht mehr Mannschaften mit so einer oder ähnlichen Ausrichtung? Oder sind es Mourinhos kleine Anpassungen + Spielermaterial, die diese Formation so stark machen?

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CE 23. Dezember 2014 um 16:53

Spielen nicht viele Mannschaften in Führung liegend mit solch einer Ausrichtung? Nur bei Chelsea kommt noch die individuelle Stärke im Verteidigen und das saubere Positionsspiel hinzu. Natürlich gibt es keine absoluten Aussagen und ich sehe das „unmögliche Durchkommen“ vor allem im Kontext (Spiele gegen Mannschaften wie Stoke etc.). Mit Matić hat man den Kader zudem nochmals außergewöhnlich verstärkt. In der laufenden Premier-League-Saison kassierte Chelsea nur gegen den Zweitplatzierten (City), gegen den Drittplatzierten (United) und gegen QPR einen Treffer, als man zum jeweiligen Zeitpunkt mit lediglich einem Tor führte.

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