Monaco wieder im Minimalismus-Modus

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Nach drei 2:0-Siegen kehrt die AS Monaco zum 1:0 zurück. In einem dynamischen Umschalt-Schlagabtausch triumphierten die Monegassen durch einen Treffer von Bernardo Silva über Marcelo Bielsas Olympique Marseille.

Grundformationen

Leonardo Jardims Mannschaft agierte über weite Strecken der Partie hinweg in einer Mischung aus 4-3-3 und 4-2-3-1, was beispielsweise an der hybriden Positionierung von Nabil Dirar lag, obwohl der Marokkaner wohl eher als rechter Flügelspieler anzusehen war. Des Weiteren musste Jardim einige personelle Wechsel vornehmen. Er zog unter anderem Jérémy Toulalan in die Innenverteidigung zurück und ersetzte damit Wallace. Im Sturm lief Anthony Martial statt (des legendären) Dimitar Berbatov auf.

Grundformation

Grundformation

Marcelo Bielsa kehrte derweil wie bereits im Spitzenspiel gegen Paris Saint-Germain vor einigen Wochen zur Viererabwehrreihe zurück. Im Vergleich zum Heimsieg über Metz musste deshalb der linke Halbverteidiger Jérémy Morel für den zentralen Mittelfeldakteur Mario Lemina weichen. Auch ansonsten waren viele formative Parallelen zur Auswärtsniederlage bei PSG zu erkennen.

So war Giannelli Imbula einmal mehr der dominante Sechser im Aufbau, während Lemina mehr eine Art Vordermann Imbulas war und deshalb häufiger ein 2-3-1-4 entstand. Beide Außenverteidiger rückten sofort weit nach vorn und waren für den weiträumigen Imbula nicht selten die ersten Zielspieler, sofern sich Marseilles Sechser aus dem monegassischen Pressing befreien konnte.

Marseille malträtiert die Außenbahnen

Da die Gäste im Verlauf der Partie stets über 60 Prozent Ballbesitz hatten, begannen viele Szenen mit einem offenen Aufbau der Südfranzosen. Gebolzte Bälle waren lediglich letzte Mittel, wenn sie keinen konstruktiven Weg nach vorn fanden. In der ersten Halbzeit suchte Rob Fanni meist Imbula im Sechserraum, konnte aber nicht selten keinen sicheren Passweg finden. Folglich wurden die Angriffe von OM bereits im ersten Drittel nach außen gelenkt. In der gesamten Partie spielten die Innenverteidiger jeweils zehnmal zu den Außenverteidigern auf ihrer Seite.

Im Anschluss starteten sowohl Benjamin Mendy als auch Brice Dja Djédjé ihre typischen dynamischen Läufe und spielten ganz simpel mit den Flügelstürmern einige Flankenmöglichkeiten aus. Im Zentrum vertraute man auf die Durchschlagskraft von André-Pierre Gignac und insgesamt hatte die Monaco-Zentralverteidigung auch einige Probleme bei den Hereingaben, sodass OM zumindest hierbei gefährlich wurde.

OM im Aufbau

OM im Aufbau

Monacos fluides Pressing

Ein großer Teil der Offensivbewegungen der Gäste ergab sich aus Monacos Pressingansätzen, die sich grundsätzlich in zwei Facetten auftrennen lassen: Erstens wurde häufiger der Aufbau direkt mannorientiert angelaufen. Dirar und Yannick Ferreira-Carrasco bewachten die Außenverteidiger und taten dies entweder mit einer direkten Deckung oder durch die Abschirmung im Schatten. Währenddessen gingen Martial und João Moutinho auf die Innenverteidiger. Jedoch pendelte der Portugiese sehr geschmeidig immer wieder zwischen Fanni und Imbula, versuchte folglich diesen Passweg zu sperren. Spielte Fanni auf seinen Kollegen Nicolas N’Koulou, orientierte sich Moutinho stärker an Imbula und ermöglichte so wieder den Rückpass auf Fanni, der allerdings seitlich aus dem Zentrum erneut angelaufen wurde und so mehrmals diese ganze Szene entweder mit einem vertikalen Halbraumpass in Richtung Lemina oder per Zuspiel auf Dja Djédjé beendete.

Im Anschluss, sprich nach der Befreiung in Form von gezielten, flachen Zuspielen, ging Monaco in eine passivere Ausrichtung über. Sie versuchten zunächst hauptsächlich die Wege ins Zentrum zu versperren, boten aber ansonsten mehr oder weniger nur Geleitschutz. Da aber, wie bereits erwähnt, die Flanken immer wieder große Schwierigkeiten bereiten, veränderten die Monegassen ihre Strategie im Mittelfeldzentrum, indem der situative Dreierblock vor der Abwehrreihe horizontal breiter stand. Folglich leitete man Marseille im zweiten Drittel wieder stärker ins Zentrum, was aber OM über Payet und Co. für einige gefährliche Halbraumkombinationen nutzen konnte.

Zweitens gab es auch einige Male ein sehr passives, blockierendes 4-2-3-1 gegen den Ball zu beobachten. Allerdings wurden sie hierbei nicht nur einmal quasi überrannt. Die weiträumige Passstruktur von Bielsas Mannschaft inklusive der gestreckten Formation in Kombinationen mit der physischen Qualität aller Außenspieler war nur sehr schwer durch einen passiveren, raumorientierten Ansatz von der AS Monaco aufzuhalten.

Martial auf einsamer Mission

Die Diskrepanz zwischen einem aggressiven Angriffspressing, wobei sogar mehrmals Mandanda effektiv angelaufen wurde, und dem zurückziehenden Verteidigen war ein markantes Merkmal der Monegassen. Das zweite bestand aus dem klaren Konterfokus von Jardims Team. Dabei fungierte Martial als klassischer Zielspieler, der nach dem Umspielen der ersten eigenen Pressinglinie weit vorn verweilen konnte, während sich der Rest der Mannschaft zurückzog. Dem 19-Jährigen mangelte es keinesfalls an der Kompetenz der Ballverarbeitung in komplizierter Stellung zwischen den gegnerischen Innenverteidigern, aber er musste vergleichsweise lang das Spielgerät in Besitz halten, bevor Mitspieler nach vorn gelangten. Der einsame Wolf war somit meist verloren.

Ansprechender wirkte Monacos Offensivspiel, wenn sie bereits im mittleren Spielfelddrittel den Ball erobern und somit sofort ihre Pressingformation als Umschaltstaffelung nutzen konnten, was besonders zum Ende der ersten Halbzeit mehrmals gut funktionierte. Allerdings ließ in dieser Phase die Intensität von OM sowieso ein Stück weit nach, wodurch die Hausherren sogar aus dem offenen Aufbau heraus über die eigenen Linien in Tornähe kombinieren konnten.

Zweite Halbzeit

Kurz vor Halbzeitpause hatte aber auch Marseille eine große Chance zu verzeichnen, als sie in der 41. Minute im Gegenpressing das Spielgerät zurückgewannen und schlussendlich Gignac auf den vorgestoßenen Rechtsverteidiger Dja Djédjé ablegen konnte, dieser aber an Danijel Subašić scheiterte.

Der zweite Durchgang wurde zu einer wahren Umschaltschlacht, weil vor allem auf Seiten Monacos die Defensivformation lascher wirkte. Man agierte vermehrt im 4-4-2 gegen den Ball, wobei die beiden Akteure in der ersten Linie noch mannorientiert auf die Innenverteidiger gingen, aber die zweite Reihe mit großem Abstand dahinter verharrte. Marseille konnte durch die vertikal gestreckte Staffelung die Mittelfeldreihe der Monegassen nach hinten drücken. Diese Linie verhielt sich formations- und raumorientierter, indem sie vor allem die Zuspiele auf Payet und Gignac verhindern wollte. Allerdings dominierte Marseille phasenweise den Zwischenlinienraum vor Monacos Viererkette, die wiederum zur letzten Absicherung sehr tief am und im eigenen Strafraum positioniert war.

Chancen kreiert - links Marseille, rechts Monaco - Quelle: Squawka

Chancen kreiert – links Marseille, rechts Monaco – Quelle: Squawka

Dass die Gastgeber am Ende drei Punkte im Stade Louis II behielten, lag hauptsächlich an einer ansehnlichen Kombination in der 67. Minute. Über die rechte Seite gelangten sie nach vorn. Martial erhielt von der Seitenlinie ein kurzes, diagonales Zuspiel und er passte von der Grundlinie in den Rückraum, wo Dirar den Ball durchließ und damit Silva bei dessen Abschluss noch ein Stück weit freieren Raum verschaffte.

Eine große Schlussoffensive von Marseille blieb derweil aus. Sie spielten weiter im üblichen Rhythmus, offenbarten aber die Flügel defensiv noch stärker, was Monaco einige Kontergelegenheiten ermöglichte. In den letzten Minuten zeigten die Gäste einige geduldige Raumeroberungen über kombinierte Ablagen und Vertikalpässe. Jedoch hielt Monacos tiefe Viererkette stand.

Fazit

Es war erneut keine spielerische Offenbarung und selbst die Pressingintensität wurde nicht konstant hochgehalten. Doch Monaco feiert einen weiteren Sieg, indem sie einerseits defensiv passabel standen und andererseits der Gegner die kleineren Schwächen nicht ausnutzte. Auf Seiten Marseilles sollte man sich vor allem fragen, inwieweit man bei Rückständen wirkungsvollere Anpassungen tätigen kann. Dass Bielsas Mannschaft ein etwas orthodoxeres Positionsspiel in dieser Begegnung genau wie gegen Paris zeigte, ist keineswegs unverständlich. Allerdings bleibt bis auf die teilweise durchschlagskräftigen Aktionen über die Flügel wenig in Erinnerung. Zumindest lieferten die zahlreichen Umschaltsituationen eine für die Zuschauer unterhaltsame Partie.

SD12 17. Dezember 2014 um 01:27

Schöne Beschreibung der Pressingphasen Monacos. Wie war denn das Gegenpressing von Marseille angelegt?

Antworten

CE 17. Dezember 2014 um 10:58

In höheren Zonen fielen meist zwei Spieler (Payet oder Gignac sowie ein Flügelstürmer) in Richtung Ball und verdichteten dort. Ansonsten hatte man durch die lockere Formation im zentralen Mittelfeld eher wenig Zugriff und konnte so keinen sofortigen Gegendruck nach Ballverlusten entwickeln. Außerdem schloss OM viele Angriffe in irgendeiner Form ab, wodurch das Gegenpressing bei Bielsas Mannschaft keine signifikante Rolle spielte.

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