Fürth gegen Heidenheim: Ein typisches Zweitligaspiel

Greuther Fürth0:0heidenheim

Ein torloses Remis bekamen die fränkischen Zuschauer zur Eröffnung des Bundesligawochenendes im Stadion am Laubenweg zu sehen. Bei Nebel und Kälte taugte die Partie nicht dafür den Fans wirklich einzuheizen und auch in taktischer Hinsicht wurde eher wenig Spektakuläres geboten.

Grundformationen und mannschaftstaktische Ausrichtungen zu Beginn des Spiels

Aufstellungen und Offensivabläufe zu Beginn der Partie

Aufstellungen und Offensivabläufe zu Beginn der Partie

Sowohl Heidenheims Frank Schmidt als auch Frank Kramer auf Seiten der Fürther hielten an ihrer
4-4-2-Grundformation fest. Dabei agierten beide Teams auch gegen den Ball im 4-4-2 und formierten sich dabei meistens im Mittelfeldpressing. Die Stürmer der Heidenheimer orientierten sich allerdings bereits an den gegnerischen Innenverteidigern, während die Fürther zunächst auf Zentrumskompaktheit bedacht waren.

Heidenheims asymmetrische Abläufe / Probleme mit der Breite

Bei den Heidenheimern kam auf der Doppelsechs Reinhardt neben Titsch-Rivero zum Einsatz. Während Letzterer zu Beginn des Spiels vermehrt in den linken Halbraum und teilweise bis auf Innenverteidigerhöhe herauskippte, orientierte sich Reinhardt zwischen Zulj und Przybylko. Dieses Verhalten änderte sich auch nicht, als Titsch-Rivero nachher fast nur noch zentral abkippte.

Bezüglich der Offensivbewegungen ergab sich das zu erwartende Bild, das bereits über weite Strecken der Saison zu beobachten war. Marc Schnatterer rückte vom linken Flügel viel zur Mitte ein und versuchte so den verwaisten Zehnerraum zu besetzen, während Leipertz auf rechts eher breiter agierte. Smail Morabit, nominell als linker Stürmer aufgeboten, rochierte als gegengleiche Bewegung zu Schnatterers Einrücken immer wieder situativ auf den Flügel heraus, während Niederlechner das Sturmzentrum besetzte. Gerade zu Beginn konnte Außenverteidiger Heise, der sich genauso wie sein Kollege Strauß auf der anderen Seite offensiv zunächst zurückhielt, um die Ballzirkulation im eigenen Drittel zu unterstützen, das ein oder andere Mal lange Bälle die Linie herunterspielen, die den ausweichenden Morabit erreichten.

Weil Fürth sich im Pressing eher auf die Kontrolle des Sechserraums konzentrierte, kaum einmal ins Angriffspressing wechselte und auch nicht besonders weit zu den Flügeln verschob, war Titsch-Riveros Abkippen teilweise unnötig. Sein Fehlen im Zentrum konnte dabei auch nicht von Schnatterers Einrücken kompensiert werden. Die fehlende Unterstützung der Außenverteidiger, die Fürths Defensivblock in der Horizontalen etwas hätte strecken können, fehlte hier. In der Folge hatten die Heidenheimer zwar durchaus einiges an Ballbesitz im eigenen Drittel zu verzeichnen, woraus sie allerdings selten konstruktiv zu Torchancen kamen. Weil Heise und Strauß im Aufbau ebenfalls immer wieder in ungünstige Situationen kamen, aus denen sie dann oftmals die Linie entlang spielen mussten und nicht mehr zurückspielen konnten, passte Schmidt später allerdings sein Team an.

Fürther Fokus auf Durchbrüche am rechten Flügel

Mit Fürstner gab es bei den Franken ebenfalls einen tiefen Spielmacher, der zwar auch in der Mitte präsent war, sich allerdings vorwiegend in den rechten Halbraum orientierte. Hier gab es einen Raum, der vom weit nach vorne geschobenen Pledl geöffnet wurde und in dem sich Fürstner immer wieder Bälle holen konnte.

Ein weiterer Effekt der hohen Grundposition von Pledl war, dass Schröck vom Flügel zur Mitte einrücken konnte. So wurde zum einen der Zehnerraum belegt, in den sich immer wieder auch Zulj und Przybylko aus dem Sturmzentrum zurückfallen ließen, und zum anderen diente der aufrückende Pledl als finaler Durchbruchspieler, der vor allem anfangs immer wieder Hereingaben spielen konnte.

Gießelmann interpretierte seine Rolle auf links ebenfalls relativ offensiv, wobei seine Bewegungen eher nachstoßender Natur waren. Hierzu passte, dass Weilandt in seinen Bewegungsmustern ebenfalls immer wieder vom Flügel einrückte, dabei allerdings deutlich linearer und tororientierter agierte als Schröck auf rechts.

Frank Schmidt reagiert auf die Offensivprobleme seiner Mannschaft

Um die 20. Minute reagierte Frank Schmidt dann auf die Offensivprobleme seine Teams und versuchte diese mit dem Seitenwechsel der Flügelspieler zu beheben oder zumindest abzuschwächen. Dabei agierte Leipertz jetzt eingerückter und deutlich mehr auf die letzte Linie fokussiert, während Schnatterer eine verbindende Position im Halbraum einnahm. Während Morabit, den Abläufen geschuldet, sich stärker auf die Spitze fokussierte, war es nun Niederlechner, der vermehrt auswich und Anspiele von Strauß die Seitenlinie entlang erlaufen sollte.

In der Konsequenz brachte diese Umstellung zwar weiterhin keinen durchschlagenden Erfolg, um die Fürther konstruktiv aus dem Spielaufbau zu überwinden, Schmidts Gedanke dürfte jedoch gewesen sein, nach schnellen Umschaltaktionen und Kontern zwei linearere Akteure auf den Flügel zu besitzen. Ab der 30. Minute bis zur Halbzeit verbuchten die Heidenheimer dann nach Schnellangriffen einige gute Chancen, weil Leipertz und Schnatterer durch ihre Positionierungen zum einen deutlich tororientierter spielen konnten, zum anderen weil die Flügel durch das Einrücken der beiden immer wieder für nachstoßende Läufe der Außenverteidiger geöffnet waren. Gerade aus dem Aufbau heraus agierte man jetzt vermehrt mit langen Bällen, versuchte zweite Bälle zu erobern und nutzte dann die offenen Flügel zur Spielfortsetzung.

Dass Heidenheim in der Phase vor der Halbzeit überlegen war, lag nicht nur an der verbesserten Offensivleistung des Teams, sondern auch daran, dass vor allem die Fürther Flügelangriffe besser kontrolliert werden konnten. Durch den Seitenwechsel von Leipertz und Schnatterer ergab sich außerdem die Zuordnung von Leipertz zum offensivstarken Pledl, der dessen Läufe verfolgte, situative 5-3-2-Staffelungen herstellte und so dessen offensive Aktivitäten eindämmte.

Fürth kommt verbessert aus der Pause

Zum Wiederanpfiff war es zunächst die Spielvereinigung, die dominanter auftrat und offensiv präsenter wurde. Hatten Schröck und Weilandt vor der Halbzeit die Seiten getauscht, wechselten sie jetzt wieder zurück und die Offensivmuster der Fürther erinnerten etwas an den ersten Durchgang.

Dabei waren beide Außenverteidiger wieder aktiver in das Offenspiel eingebunden, allerdings spielte Schröck weniger einrückend und die Besetzung des Zehnerraums wollte man nun durch zurückfallende Bewegungen der beiden Stürmer oder durch Stiepermanns Aufrücken erreichen.

Durch diese veränderten Offensivmuster waren es in der Regel die Flügelstürmer, die jetzt Höhe und Breite gaben oder auf den Flügel herausrochierten, um dort angespielt zu werden, und nicht mehr die Außenverteidiger. Zwar waren Pledl und Gießelmann weiter offensiv präsent, allerdings in tieferen Räumen, sodass sie besser für den offensiven Heidenheimer Umschaltmoment positioniert waren.

In der letzten halben Stunde des Spiels änderte sich an der Spieldynamik wenig bis gar nichts mehr. Zwar nutzten beide Trainer ihr Wechselkontingent noch aus, brachten allerdings jeweils ähnliche Akteure, die das mannschaftstaktische Gefüge und damit die Spieldynamik nicht mehr wesentlich beeinflussten.

Fazit

Sowohl Frank Schmidt als auch Frank Kramer wählten beide keine besonders riskante oder offensive Herangehensweise an diese Partie, sondern verfolgten einen pragmatischeren Ansatz, der die defensive Stabilität zur Maxime hatte.

Weil beide Mannschaften dabei im 4-4-2 agierten und es somit viele klare Zuordnungen über den Platz verteilt gab, entwickelte sich alles in allem ein recht zerfahrenes Spiel mit insgesamt wenigen Torchancen. Dass dies der Fall war, war unter anderem den einfachen Offensivabläufen geschuldet, die hauptsächlich Durchbrüche auf den Flügel vorsahen, aber auch der fehlenden Bereitschaft beider Trainer, einen Sieg zu erzwingen.

Fürther 5. Dezember 2014 um 10:00

Als Fürther freue ich mich natürlich über diese Analyse zur SpVgg. Schön, dass bei euch nicht nur die Topteams aus den Topligen berücksichtigt werden. Ich schätze Frank Kramer schon als einen Trainer ein, der taktisch eine Menge drauf hat, auch wenn er es bei diesem Spiel nicht unbedingt zeigen wollte 😉

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mrb 30. November 2014 um 23:05

Die Grafik bittet noch um ein „t“. Der Mittelfeldspieler heißt Titsch- Rivero.

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RT 1. Dezember 2014 um 16:39

Hab ich geändert. Danke für den Hinweis!

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