Ein klassischer Di Matteo

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Samstagabend. Bundesliga-Topspiel. Tatort Gelsenkirchen. Ein Hochgenuss? Fehlanzeige. Das Debüt von Roberto Di Matteo beim FC Schalke 04 war doch schwere Kost. Aber die Königsblauen gewannen ganz nüchtern mit 2:0 gegen Hertha BSC.

Aufstellungsbogen

Bei den Hausherren gab es drei personelle Umstellungen. Die Innenverteidigung wurde mit Kaan Ayhan und Benedikt Höwedes neu zusammengesetzt, während Joel Matip gesperrt war. Roman Neustädter rückte dafür nach vorn auf die Sechserposition an die Seite von Dennis Aogo. Kevin-Prince Boateng agierte derweil im 4-4-1-1/4-2-3-1 im Schatten von Klaas-Jan Huntelaar und wurde von Eric Maxim Choupo-Moting und Julian Draxler flankiert.

Bei den Herthanern gab es indes keine personellen Veränderungen. Jos Luhukay schickte sein Team wie zuletzt beim Sieg gegen den VfB Stuttgart auf das Feld. Grundsätzlich wirkt die Formation der Berliner aktuell wie ein 4-2-4 mit jedoch sehr vielen vertikalen und auch teils horizontalen Pendelbewegungen.

Herthas Flügelfokus

Die Partie begann noch recht ansehnlich und mit klaren Plänen auf beiden Seiten. Besonders in den Anfangsminuten versuchten die Berliner über höheres und intensiveres Pressing ins Spiel zu kommen und Schalke direkt zu langen Schlägen zu zwingen, allerdings verweigerten die Gastgeber dies zunächst. Dazu später noch mehr. Besonders interessant bei Hertha waren die Interaktionen in der Offensive. Salomon Kalou war vom vertikalen Aktionsradius wahrscheinlich der auffälligste Spieler und auch des Öfteren eine Art Situativzehner oder –achter. Denn er ließ sich in manchen Szenen direkt auf die Höhe von Per Skjelbred fallen, wodurch dieser einerseits eine kurze Anspielstation im Zentrum erhielt, und andererseits konnte Kalou im Anschluss über den linken Halbraum auf die linke Seite durchstarten und zum Beispiel die Außenbahn zusammen mit Valentin Stocker überladen.

2014-10-18_Schalke-Hertha_Szene1Insgesamt waren die Angriffe in der Mehrheit auf die Flügel ausgerichtet. Schalke blockierte das Zentrum passabel mit zwei horizontal kompakten Bändern, die wie am Reißbrett gezeichnet aussahen. In ruhiger Stellung standen die beiden Viererreihen im 4-4-2 wirklich geradezu parallel, selbst die beiden vorderen Spieler hielten häufiger die exakt selbe Breite wie die Sechser. Hinzu kam, dass Hertha eigentlich von Beginn an im Zentrum nur phasenweise präsent war. Durch das ständige Abkippen von Hajime Hosogai, obwohl es keinen wirklichen Pressingdruck der Schalker gab, war Skjelbred nicht selten auf sich allein gestellt, wenn nicht wie erwähnt zum Beispiel Kalou nach hinten auswich. Die nächsten Anspielstationen ergaben sich für Skjelbred erst wieder auf den Flügeln. Auch Änis Ben-Hatiras Einrücken – der nominelle Rechtsaußen pendelte verstärkt nach innen – führte mehrheitlich nur zu Präsenz zwischen den recht eng gestaffelten Schalker Linien. Aus dem beispielsweise entstandenen 3-3-1-3 wurden nahezu alle Offensivaktionen ab der Mittellinie über die Seiten kreiert. Beide Außenverteidiger gingen die gewohnten Wege in der Vertikalen und es ergaben sich ganz simple Läufe und trotz dessen einige Durchbrüche, weil Schalke das vor allem individuell eher mittelmäßig verteidigte. Zudem zockte vor allem Choupo-Moting auf seiner Seite sehr stark. Der Kameruner wurde als erster Umschaltspieler benutzt, verzeichnete auch insgesamt die meisten Ballkontakte – 72 in 85 Minuten. Folglich musste Atsuto Uchida aber auf der linken Seite gegen Schulz, Stocker und Kalou verteidigen. Denn die Schalker Sechser sollten auch nicht weit nach außen verschieben, sondern mehrheitlich die Position im Zentrum halten. Insgesamt rückten die Viererreihen recht passiv zurück, allerdings erhielt Christian Fuchs auf seinem Flügel größere Unterstützung von Draxler, obwohl dabei die Abstimmung gegen die Berliner Läufe auch eher suboptimal erschien. Choupo-Motings Zocken war wohl auch der Grund, warum Aogo nach kurzer Zeit mit Neustädter die Positionen tauschte. Denn Aogo echauffierte sich über die mangelnde Unterstützung seines Teamkollegen. Neustädter agierte dann fortan auf der halbrechten Sechs und der 26-Jährige konnte den Halbraum mit seiner Übersicht besser schließen. Bei aller Kritik muss auch lobend erwähnt werden, dass die Sechser der Königsblauen intensiv rückwärts pressten. Die auf dem Reißbrett vertikal kompakten Schalker Linien konnten nämlich durch einfache Verlagerungen auseinandergezogen werden. Neustädter und Aogo versuchten so den offenen Zwischenlinienraum dynamisch anzulaufen.

Schalke schießt die Tore

Grundformation

Grundformation

Die Königsblauen starteten vom Anpfiff weg recht zurückhaltend für ein Heimspiel. Gegen das zunächst stärkere Angriffspressing der Gäste setzten sie eine Torwartkette über Höwedes, Ayhan und Ralf Fährmann entgegen und kombinierten sich so auf Höhe der Strafraumgrenze heraus. Situativ ließ sich Neustädter noch nach hinten auf die Höhe der beiden Innenverteidiger fallen. Insgesamt war die tiefe Basisstellung der Abwehrreihe auffällig. Die Schalker verzichteten zunächst auf blinde Schläge, sie versuchten sich über die komplette Bandbreite der Linien nach vorn zu kombinieren und zeigten dabei ein zunächst ansehnliches Kombinationsspiel. Allerdings war das nur in der Anfangsphase der Fall. Später bestand die Aufbaustruktur zumeist daraus, dass sofort von Fährmann und Co. ein langer Ball nach rechts auf Choupo-Moting geschlagen wurde und dieser dann beispielsweise auf Boateng weiter leiten sollte. Die strikte Herthaner Mannorientierung sah eine direkte Deckung aller Schalker vor, lediglich Boateng wurde anstelle einer optionalen Überzahl auf den Flügeln freigelassen. Die vorderen offensiven Schalker Spieler waren jedoch auch meist auf sich allein gestellt, da Di Matteo den Außenverteidigern anscheinend über den Großteil der Spielzeit das Aufrücken verbot.

In der achten Minute ergab sich die erste Großchance, nachdem Uchida von Boateng aus dem Zentrum gut angespielt wurde. Der Japaner war bereits auf der Höhe des gegnerischen Sechzehners und bediente Klaas-Jan-Huntelaar, der jedoch am Tor vorbeischoss. Der niederländische Angreifer, der häufig nach links auswich und Choupo-Moting Platz zum diagonalen Einrücken gab, machte es dann elf Minuten später besser. Nachdem sich Choupo-Moting auf dem rechten Flügel gegen Nico Schulz durchsetzte, anschließend horizontal durch den Zehnerraum lief und Draxler bediente, gelangte die Flanke schlussendlich zu Huntelaar, der sich mit einem leichten Schubser von Johnny Heitinga absetzte und in Rückwärtslage aus elf Metern einköpfte.

2014-10-18_Schalke-Hertha_Mannorientierungen

Hertha defensiv – simple Mannorientierungen, nur Boateng hatte keinen direkten Gegenspieler

Mit diesem Führungstreffer für die Hausherren war der Abgesang auf diese Partie schon vorbereitet. Denn in der Folge nahm das Niveau spürbar ab. Schalke wurde nun noch destruktiver und konzentrierte sich vor allem auf die disziplinierte Staffelung gegen den Ball. Dabei standen sie im klassischen 4-4-2. Boateng und Huntelaar positionierten sich in manchen Szenen horizontal eng vor der situativen Dreierkette Herthas. Erfolgte dann beispielsweise der Pass von Fabian Lustenberger auf Linksverteidiger Schulz, rückte Rechtsaußen Choupo-Moting etwas nach vorn und Huntelaar als rechter Angreifer ging leicht in den Rücken, um den Rückpassweg zu Lustenberger zu kappen. Jedoch konnte sich Hosogai als vormals abgekippter Sechser durch leichtes Hervorrücken wieder anbieten. Oder aber der Ball erreichte sofort Skjelbred, der sich wiederum mit der gut verengten Mittelfeldreihe konfrontiert sah und auch Druck im Rücken spürte. Eine andere Variante war das sofortige Zuspiel die Linie entlang.

Zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel ging es nahezu wie gewohnt weiter. Auffällig war jedoch besonders in den ersten Minuten, dass die Intensität der Berliner Mannorientierungen höher erschien, was allerdings keine direkten Auswirkungen auf den Spielverlauf hatte. Nach einer Stunde brachte Luhukay Sandro Wagner für Ben-Hatira, wodurch Roy Behrens auf die rechte Seite ging und die Hertha wahrscheinlich etwas mehr physische Präsenz im offensiven Zentrum genieren sollte. Doch fünf Minuten nach diesem Wechsel konnten die Berliner den Ball im eigenen Drittel nicht klären, sie bekamen keinen Zugriff und kassierten durch einen abgefälschten Draxler-Schlenzer das zweite Gegentor. Damit war das Spiel de facto gelaufen. Die Schalker verwalteten den Vorsprung. Nach der Einwechslung von Jan Kirchhoff in der 89. Minute für Julian Draxler agierten die Hausherren zumindest für vier volle Zeigerumdrehungen im 4-3-3. Es war die Phase mit dem konstruktivsten Ballbesitzspiel gegen einen natürlich schon weitestgehend entnervten Gegner.

Fazit

Wo war nun der große Unterschied zu Jens Keller? Es gab ihn schlichtweg nicht. Allerdings wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen, ob Di Matteo an den größeren Stellschrauben drehen wird oder nur mit kleineren gruppentaktischen Verbesserungen das weiterführt, was bereits sein Vorgänger auf Schalke zeigte. Die Schalker sind eine individuell stark besetzte Mannschaft, die gegen die meisten Bundesligisten auf dem Papier überlegen ist. Die Herthaner untermauerten dies ihrerseits noch durch die strikten Mannorientierungen, wodurch man sich natürlich ständig in direkten Eins-gegen-Eins-Duellen befand. Luhukay muss sich diesen Punkt auf alle Fälle ankreiden lassen. Ansonsten nahmen die Berliner jeweils die offenen Flügel als Angebot an. Am Ende standen 29 (zu 3) Flanken zu Buche. Der Ertrag schlug sich nicht auf der Anzeigetafel nieder, was aber auch noch am Ausspielen etwaiger Möglichkeiten im letzten Drittel lag. In diesem Punkt zeigte Schalke ebenfalls die eigene individuelle Klasse.

KK 20. Oktober 2014 um 16:22

Und, falls der Beitrag einfach verschluckt wurde: Sorry
Der Unterschied zwischen Keller und Di Matteo ist einfach
Keller währe mit seinem Ballbesitzspiel wieder komplett auf die Fresse gefallen, während Di Matteo den Ballbesitz konsequent verweigert hat

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KK 20. Oktober 2014 um 16:18

So weit sind wir schon? Mein Kommentar wird nicht zugelassen?

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CE 20. Oktober 2014 um 16:32

Ich sehe keinen weiteren Kommentar im System. Und was heißt „So weit sind wir schon?“.

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KarstenTS 20. Oktober 2014 um 14:01

>Wo war nun der große Unterschied zu Jens Keller? Es gab ihn schlichtweg nicht.
„Großer Unterschied“ ist ja relativ, aber ich finde im Vergleich zu der Zeit vor der Länderspielpause, stand Schalke deutlich kompakter. Außerdem spielte Schalke Mannorientierter als zuletzt und ging aggressiver ins Pressing. Gefühlt gab es mehr Zweikämpfe als in den Spielen der Saison zuvor insgesamt.

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Felix 20. Oktober 2014 um 00:36

Ich möchte ein paar Dinge anmerken.
Zum einen gab es auf Schalker Seite nicht nur gegen Ende zeitweise Konstellationen in einem 4-3-3 sondern schon davor. Die Offensivreihe rotierte verstärkt und 2-3Mal übernahm weder Huntelaar noch Boateng die Position Draxlers wenn dieser in die vorderste Reihe aufrückte. Dann bildete letzter mit Boateng und Huntelaar die vorderste und Neustädter, Aogo und Choupo die 2. Dreierreihe.

Das Schalker Angriffsspiel war extrem einfach gehalten und nicht auf Kombinationen ausgelegt. Die Idee war simple aber nicht verkehrt: Lange Bälle direkt hinter die extrem hoch stehende berliner Abwehr spielen und so durchbrechen.
Da di Matteo mit teilweise nur 2-3 Trainingseinheiten mit einigen Stammspielern keine großen Veränderungen einbringen konnte war klar und sowas durfte man nicht erwarten. Es waren kleinere Anpassungen und die wird es auch in den nächsten Spielen geben. Di Matteo baut auf die Sachen auf die unter Keller funktionierten und dreht an kleinen Schrauben. Mit der Zeit wird man dann eine eigene Handschrift erkennen, aber nach 10Tagen kann es eine solche noch gar nicht geben!

Ein Mechanismus der mir bei der Hertha aufgefallen ist und den ich spannend fand (so meine Beobachtung den richtig war):
Hertha hat über die linke Seite 2-3Mal die Schalker Bemühung das Zentrum dicht zu halten clever ausgenutzt. Stocker marschierte von Schulz unterstützt extrem weit außen (sprich nach an der Seitenauslinie) nach vorne und zogen so Choupo-Mouting und Uchida raus auf ihre Seite. Da weder die Schalker 6er noch die IV ausreichend seitlich verschoben ergab sich eine Lücke zwischen Uchida/Choupo und dem Rest des Defensivverbunds. In diese Lücke startete ein Hertaner, der den Ball via einfacher Ablage in diesen Raum aufgelegt bekam und so mit Tempo und Platz bis in den 16ner vordringen konnte.
Fand ich clever gemacht, auch wenn die Szenen letztlich zu keiner hochgefährlichen Situation führten.

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TW 20. Oktober 2014 um 13:25

Die oben beschriebenen Konstellationen mit Draxler vorgerückt und Choupo in der zweiten Reihe gab es tatsächlich. Allerdings war das situativ im Pressing, um ein kurzes Rausspielen der Berliner zu verhindern. Im Artikel geht es um das 4-3-3 in der Rollenverteilung bei Ballbesitz. Da haben weder Draxler noch Choupo als Achter agiert. Mit Kirchhoff, Aogo und Neustädter standen dann ab der 89. Minute tatsächlich drei Sechser/Achter auf dem Feld.

Der Mechanismus der Hertha war offensichtlich, wurde aber auch von den Zuordnungsproblemen der Schalker durch die schlechte horizontale Staffelung auf der Außenbahn provoziert. Ich verstehe generell die Idee hinter einem total gitterförmig ausgerichteten 4-4-2 nicht. Bei leichten horizontalen Versetzungen, kann viel besser vorgeschoben und zurückgerückt werden, was letztendlich auch klarere Zuordnungen erlaubt.

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Kny 19. Oktober 2014 um 17:58

Man darf nicht vergessen, dass di Matteo den Großteil der Zeit bisher keine Nationalspieler im Training hatte. Er hat außerdem ja auch angekündigt, seine Änderungen in das Spiel der Schalker schrittweise implementieren zu wollen und keinen zu radikalen Schnitt zu machen. Ich glaube, dass diese beiden Faktoren: wenig Zeit mit dem kompletten Kader sowie sofortiger Erfolgsdruck es unabdingbar gemacht haben, die Mannschaftsaufstellung zunächst konservativ anzugehen, um wenigstens einige Automatismen der mehr schlecht als recht eingespielten Mannschaft zu übernehmen. Alles andere wäre einer Operation am offenen Herzen gleichgekommen. Dafür spricht auch, dass Schalke sowohl die Bewegungen der Viererkette als auch einfache Spielzüge für die Offensive in das Aufwärmprogramm direkt vor dem Spiel übernommen haben. Es gab nur eine Devise: Stabilität durch Einfachheit, und eben keine Überforderung durch etwaige umfassende Umstellungen. Insofern war absehbar, dass Schalke nach der Führung zwei Gänge zurückschalten würde. Der neue Trainer wollte wohl einfach die Felle ins Trockene bringen. Das hat sich besonders in der Art und Weise bemerkbar gemacht, mit der die Konter (nicht) ausgespielt wurden. Da Hertha ein äußerst aggressives mannorientiertes Gegenpressing gespielt hat, hätte des Öfteren eine einzige gelungene Aktion in einer der vielen eins gegen eins Situationen gerecht, um einen ziemlich aussichtsreichen Konter zu fahren. Stattdessen haben die Schalker Spieler nach einem Ballgewinn mit minimalem Risiko den Weg nach vorne gesucht und den Ball deswegen in aller Regel bis zum Torwart für einen langen Ball zurück gespielt, wenn sie schnell genug gestellt wurden. Der langen Rede kurzer Sinn: ich denke, wir haben hier noch die Keller-Taktik inklusive di Matteo-Handbremse gesehen. Ich glaube, bzw. ich hoffe, die nächsten Wochen werden aufschlussreicher und interessanter.

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blah 19. Oktober 2014 um 14:33

Würde mich freuen, wenn Di Matteo mal ein wenig frischen Wind reinbringen würde in die Bundesliga. Diesen als „Anti-Fußball“ verschrienen Spielstil im CL-Finale gegen die Bayern war zwar auch nicht meins, aber ich hab das Gefühl es gibt eine Überballbesitz-Mannschaft und dann nur die Mannschaften die krass schnell umschalten und die die noch krasser und noch schneller umschalten. So ein Spielstil den man speziell mit Schalke verbinden würde, würde der ganzen Bundesliga nochmal gut tun.
Was denken den die anderen?

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cj 19. Oktober 2014 um 14:53

Ja, definitiv eine Bereicherung! Ich kann das Rückspiel Hertha gegen Schalke kaum erwarten.

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ES 19. Oktober 2014 um 13:37

Aus einem Spiel kann man noch keine Schlüsse ziehen. Aber sicher: Den Gegner gestern hätte auch Keller geschlagen, und zwar genau mit den Mitteln. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht wären die Außenverteidiger weiter nach vorne gerückt und häten mehr Konterräume angeboten. Aber so tief wie Schalke stand, habe ich sie unter Keller oder irgendeinem anderen Trainer seit gefühlt 1990 noch nicht gesehen. Hätte Hertha Lust auf ein 0:0 gehabt, hätten sie sich 10 Meter vor der Mittellinie den Ball zuschieben können und wir hätten Deutschland gegen Österreich in Gigon gesehen. Bezeichnend dafür wie schlecht Schalke offensiv gruppentaktisch operiert, waren ausgerechnet die beiden Tore. Z.B. Tor Nummer zwei: Choupo-Moting dribbelt sich durch mehrere Berliner durch, statt einen einfachen Seitenpass auf Boateng zu spielen. Irgendwie mit Glück läuft Draxler quer und erwischt den Ball, der schon weg ist. Statt zügig einen guten Pass auf Halbaußen Huntelaar zu spielen, und damit eine Kombination zu versuchen, zögert er zu lange, um dann einen Abschluss aus eigentlich geblockter Lage machen zu müssen, der, oh Glück und Wunder, abgefälscht ins nicht anvisierte Eck geht. Bei alledem schaut Boateng interessiert, aber unbeteiligt zu. Wozu auch Überzahlen in Kombinationen schaffen und ausnutzen, wenn die individuelle Klasse schon ausreicht! Wie der Rangnick-Fussball noch bei Stevens eine Weile positiv nachgewirkt hat, so wird sich der Keller-Fussball noch ein Weilchen unter di Matteo halten. Dann werden wir sehen, wo die Reise hingeht.

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cj 19. Oktober 2014 um 14:41

Schöne Analyse des zweiten Schalker Treffers. Das erste Spiel unter einem neuen Trainer ist immer auch ein bisschen eine Antrittsrede. Nach meiner Interpretation sollte man sich auf eine lange und recht eintönige Reise einstellen: so eine Art transsibirische Eissenbahn durch graue, endlose Wälder. Das Schöne daran ist, dass dann jeder noch so kleine Sonnenstrahl, der sich zufällig seinen Weg durchbricht, ungeheuere Glücksmomente hervorruft.

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Janeane Garofalo 19. Oktober 2014 um 18:06

Ganz genau! Dieser Sonnenstrahl heißt S04.

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compuglobalhypermeganet 19. Oktober 2014 um 19:03

Nein, der Sonnenstrahl heißt nicht S04. Schalke ist die transsibirische Eisenbahn und die Sonnenstrahlen sind die Tore.
Schon merkwürdig den Kohlenverein mit Sonnenstrahlen gleichzusetzen.

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