Donnerstag, 08.12.2016

Ein kurzer Blick auf den 2. Eredivisie-Spieltag

Der zweite Spieltag der Eredivisie 2014/15: Ajax scheint mit neuem Mittelfeld wieder auf Touren zu kommen, PSV feiert dank durchschlagskräftiger Einbindung der WM-Fahrer ein 6:1 und Groningen schlägt Heracles mit guter Zwischenraumnutzung.

Ajax mit neuem Mittelfeld

Nach den Offensivproblemen der Vorbereitungszeit und dem nicht ganz so überzeugenden 4:1-Start-Sieg gegen Vitesse holte Titelverteidiger Ajax am zweiten Matchday der Eredivisie mit einer umgestellten Mittelfeldausrichtung und interessanten daraus resultierenden Mechanismen einen Auswärtsdreier bei AZ. Auf der zuletzt umkämpften linken Halbposition des 4-3-3 wurde WM-Fahrer Daley Blind aufgeboten, der vorige Saison oft noch als Sechser spielte. Diesen Posten nahm weiterhin Neuzugang Viergever ein, der als präventiver Ersatz für einen möglichen Blind-Abgang verpflichtet wurde und nun auch in dessen Anwesenheit auf dem Feld stand.

Dabei nutzte Ajax die Wechselwirkungen zwischen den beiden, indem Blind im Aufbau immer mal wieder leicht diagonal zurückfiel und der gelernte Innenverteidiger Viergever seine schon in den letzten Begegnungen angedeuteten Vorstöße zeigte. Damit öffnete er Raum für Blind und zudem einige Male effektiv die diagonalen Passwege in den etwas höheren rechten Halbraum. Der vielseitige Blind konnte dann seine Passsicherheit einbringen, um dort eine weitere Paarsynergie im taktischen Konzept der Amsterdamer anzusteuern – die typischen Rochaden von Klaassen und Rechtsaußen Schöne. Diese wurden durch diese besondere Vorbereitung der Blind-Viergever Wechselwirkung effektiver eingebunden und konnten dadurch die Mannorientierungen des Gegners in jener Zone erneut dynamisch knacken.

kurz ausgeführt eredivisie blick 14 15 2 ajax

Nach der Rochade halbrechts kommt der Ball nach halblinks zu Blind. Viergevers Lauf öffnet den Passweg und bindet den Sechser, so dass Schöne nun Raum hat.

Das Führungstor durch Klaassen war ein Beispiel für die entstehenden Freiheiten im Zwischenlinienraum sowie die Optionen für ein schnelles und klares Durchspielen bis in die Abschlussposition, auch wenn die Rochade auf halbrechts die Situation hier nicht abschloss, sondern vorher eingeleitet hatte. Sollte Blind im Verein bleiben und nicht beispielsweise zu Manchester United wechseln, dürfte eine solche Ausrichtung eine lohnenswerte Option für die weitere Spielzeit darstellen. Problematisch wäre nur, dass dadurch mit Serero und Duarte zwei eigentlich starke Akteure weniger Platz im Team finden würden. Sie müssten doch auf einen Blind-Abgang hoffen, da sie beide, vor allem Letztgenannter, dessen neue Rolle durchaus in ähnlicher Form übernehmen könnten. Zu erwähnen ist allerdings, dass diese Rochaden nicht durchgehend praktiziert wurden – oft zeigte Blind auch sehr hohe oder breite Läufe, mit denen er die Dynamiken um sich herum balancierte oder ergänzte.

PSV mit durchschlagskräftiger Ausrichtung

kurz ausgeführt eredivisie blick 14 15 2 psvMit den beiden WM-Helden Memphis Depay und Georginio Wijnaldum feierte die PSV aus Eindhoven an diesem zweiten Spieltag einen etwas zu hoch ausgefallenen 6:1-Kantersieg gegen NAC Breda. Auch wenn man die gute eigene Chancenverwertung und die vielen Abschlüsse des Gegners nicht außer Acht lassen sollte, verdient die grundsätzliche Offensivanlage des Teams von Philip Cocu doch ein Lob. Die beiden anfangs zusammen nicht optimal erscheinenden Mittelstürmer Locadia und Luuk de Jong funktionierten in diesem System gemeinsam, der im Vorjahr eher enttäuschende Adam Maher wurde in neuer Rolle eingebunden und die zwei bei der WM erfolgreichen Starspieler befanden sich in sinnvollen und effektiven Positionen, um ihre individuelle Stärke zu entfalten.

Potentiell deutete die Mannschaft an, dass sie mit dieser Aufstellung ein ähnlich wirksames und stabiles Fundament aufbauen könnte, wie zum hervorragenden Saisonstart des Vorjahres, als radikale Linksüberladungen und ein enorm fluides Mittelfeld dominante Kennzeichen des Teams waren. Aktuell sind vor allem die freien Bewegungen Depays sehr wichtig, der immer wieder zusätzlich in Freiräumen halbrechts auftaucht und dort antreibt. Dabei agiert er sehr zielstrebig und direkt, deutet früh einen Durchbruch an und versucht dann im richtigen Moment seine Mitspieler ambitioniert einzubinden – vor allem natürlich Wijnaldum als nahen Achter und den jeweiligen Außenverteidiger. Locadia sucht in manchen Momenten den Durchbruch oder setzt sich gefährlich zur Seite ab, agiert aber die meiste Zeit als einrückender und situativ hochschiebender Rechtsaußen. Im Gegensatz zu Bryan Ruiz, der dort in der vergangenen Rückrunde der dominante Partner war, als die Bewegungen von Depay verstärkt aufkamen, verhält er sich dabei raumschaffender und war hier in der Entstehung des ersten Tores gegen NAC sehr effektiv.

An einer solchen Rolle kann sich de Jong effektiv orientieren und in aus Unterstützungssituationen entstehendes Chaos eingreifen – schon bei Twente lag ihm dies. Beim 6:1 vom Wochenende wich er gelegentlich ausgleichend nach links oder band sich mit kurzen Ablagen, vor allem beim 4:1 auch mal dominanter mitspielend, in gewisse Dynamiken ein. Eine neue Rolle bringt die PSV-Anlage für den im Vorjahr gescholtenen 8-Millionen-Mann Adam Maher, der bis dahin als größtes Nachwuchstalent der Niederlande galt: Der schon in seinem Debütjahr eher unauffällig eingebundene Spielmacher schaltet sich nur vereinzelt in die Szenen halbrechts ein und agiert ansonsten in einer durchaus aufwändig angelegten ausweichenden Rolle nach links oder unterstützt dort tiefer den Aufbau. Nach der mäßigen Vorbereitung scheint diese Ausrichtung der PSV nun vor allem Stabilität und brutale Durchschlagskraft zu liefern. Schon voriges Wochenende waren sie beim 3:1 bei Willem II eiskalt und überzeugten dort durch die engen Positionierungen ihrer Stürmer im Pressing, die mit hochwertigen Balleroberungen zwei Treffer einleiteten.

Groningen nutzt die freien Zwischenräume gegen Heracles

Auf ein enttäuschendes EL-Quali-Aus gegen Aberdeen und einen Last-Minute-Sieg bei den Go Ahead Eagles ließ Edwin van der Loois Groningen am zweiten Spieltag gegen Heracles den nächsten Dreier folgen – diesmal souverän. Ein entscheidender Punkt für die bequem herausgespielten Chancen beim 3:1 waren die Positionierungen der beiden Außenstürmer, insbesondere von van der Velden auf rechts. Dieser bewegte sich sehr geschickt nach halbrechts in die Zwischenräume der passiven 4-4-1-1/4-1-4-1-haften Formation Heracles, um dort direkte Pässe der leicht nach außen geschobenen Sechser oder der Innenverteidiger zu erhalten und anschließend entscheidende Aktionen zu starten – Läufe gegen die Abwehr, Kombinationseinleitung oder direkte tödliche Bälle.

kurz ausgeführt eredivisie blick 14 15 2 groningen-heraclesSCHNITT

Der Linksaußen rückt etwas zu sehr auf Lindgren heraus, das Mittelfeld verhält sich dahinter zu unabgestimmt und Botteghin kann den freien van der Velden bedienen. Am Ende legt Hoesen für den durchgelaufenen Chery zum 1:0 quer.

Normalerweise verteidigen viele Teams in der Eredivisie solche Bewegungen mit Mannorientierungen, von denen die Liga geprägt ist. Heracles tat dies allerdings nicht und wurde dafür wegen mittelmäßiger Ausführung – gewisse Kompaktheitsprobleme in Einzelstellen, inkonsequente Passwegsbetrachtung und eher geringe Intensität in den falschen Momenten – bestraft. Vor allem beim 1:0 nutzte van der Velden die entstehenden Freiheiten im Halbraum gnadenlos aus und bereitete das Tor per Schnittstellenpass auf Hoesen vor. Später agierten die Gäste im Mittelfeld etwas mannorientierter, was aber nicht wirklich effektiv war, da dies gegen die Flügelspieler lange Zeit nicht so gehandhabt wurde.

Schon in der vergangenen Saison hatte die Mannschaft von Trainer Jan de Joonge an einigen Stellen Probleme im Pressing. So agierten sie einige Male zu lasch und unstrukturiert in der Ausrichtung, stellten bei taktisch gut provozierten Überzahlsituationen keinen aggressiven Zugriff her oder waren unbalanciert, wenn sie stärker mannorientiert auftraten. Dennoch gab es damals auch einige gute Herausrückbewegungen der Achter, Lokalkompaktheiten am Flügel oder gegen den einen oder anderen starken Gegner tiefere und angepasste Ausrichtungen zu beobachten. Neben der Wandelbarkeit in der Detailausrichtung und einem meistens interessant angelegten Aufbau- und Offensivspiel liegen hier die Stärken des Teams, das mit seinem zurückgenommenen Mannfokus oder der bloß situativen Nutzung vom Spiel auf zweite Bälle nicht immer ganz in die Gesamtcharakteristik der von gewissen Punkten geprägten Liga passt.

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