Donnerstag, 08.12.2016

Spanien – Chile 0:2

Mit einer taktischen Meisterleistung bezwingt Chile das spanische Ballbesitzspiel mit 0:2 und schmeißt den Titelverteidiger aus dem Turnier.

Dass der Geheimtipp aus Chile auch gegen einen ganz großen Gegner bestehen kann und insbesondere gegen die Furja Roja sehr gute Mittel besitzt, demonstrierten sie schon beim Testspiel im September als sie bis zur 91. Minute führten. Dieses Mal war ihr starkes, mannorientiertes Pressing aber noch mal eine ganze Stufe besser organisiert. Im ersten Durchgang brachte Spanien nur einen Schuss auf’s Tor.

Chiles Pressing mit perfekter Asymmetrie

Spanien 0-2 ChileDafür setzten sie auf eine Asymmetrie zwischen den Stürmern und Achtern: Vargas positionierte sich breiter, während Sanchez früh Ramos zustellte. So wurde das Spiel direkt auf halbrechts geleitet. Dort rückte Vidal dann frühzeitig heraus und lief Martinez‘ Passwege zu. Dabei orientierte er sich stark an Busquets, nahm ihn situativ in enge Manndeckung oder isolierte ihn durch seinen Deckungsschatten. Aranguiz rückte erst später heraus und bildete öfters kurzzeitig eine Doppelsechs mit Diaz.

Mit dieser Herangehensweise konnten sie zu dritt oder zu viert die Ballzirkulation um Busquets‘ Grundraum zerpressen und öffneten genau die Räume, mit denen Spanien nicht viel anfangen kann: Alba hatte viel Raum, aber nur in tiefen Zonen – seine Vorstoßräume kontrollierte Isla in tiefer Position. Azpilicueta hätte Vargas überlaufen können, was aber mit den Rollen von Alba und Pedro nicht passte. Busquets versuchte dann zuweilen, die halbrechte Zone mit Ausweichbewegungen zu öffnen, doch seine Mitspieler nutzten den geschaffenen Raum nur zögerlich, während Aranguiz intensiv nachstieß.

Chiles Pressing:

Chiles Pressing: Vidal stellt Busquets zu, Aranguiz rückt nach. Die verschobenen Grundpositionen von Vargas uns Sanchez sind gut zu erkennen. Eine mögliche Verlagerung auf Alba bringt nicht viel. Der Freiraum im Zentrum wird nicht besetzt, Diaz kontrolliert Silva diesbezüglich.

So konnte Chile die Spanier dazu zwingen extrem häufig über rechts zu spielen. Damit wurde das Spiel vor allem von Iniesta weggehalten, der etwas ratlos durch die halblinken Räume driftete. Die Kombinationsstärke von ihm und Silva kam fast nie zur Geltung. Stattdessen lief das Spiel statisch auf Pedro zu, wodurch sich dessen unterstützende Dynamik nicht entfalten konnte.

Theoretisch waren die Chilenen in den Halbräumen zu Diaz‘ Seiten zwar anfällig, doch aus drei Gründen wurden diese Lücken sehr selten gefährlich. Zum einen waren sie selten nutzbar, weil Chiles Verteidiger hervorragend herausrückten. Zwei Spieler kümmerten sich um Costa, der dritte konnte absichernd herausschieben und tat das dann auch sehr klug und anpassungsfähig. Manchmal mannorientiert, manchmal doppelnd, manchmal raumdeckend oder etwas leitend. Vor allem Jara glänzte dabei auf der viel bespielten spanischen Seite. Außerdem organisierte Diaz die Räume hervorragend und positionierte sich immer wieder so, dass er das Spiel aus den besser besetzten Zonen herausdrängen konnte.

Spanien ohne Rhythmus und Kombinationsspiel im Vorwärtsgang

Zum anderen war es der unpassende, gleichförmige Rhythmus des spanischen Spiels, der Probleme verursachte. Sie positionierten sich nicht proaktiv auf ein schnelles Durchspielen der Angriffe, um die Mittelfeldlücken druckvoll zu nutzen, sondern wollten den Ball erst in eine höhere Zirkulation bringen. Auch Silvas war eher an Busquets und Iniesta ausgerichtet und fand kaum Kontakt zu Costa und Pedro.

Das führte dazu, dass sie selbst beim Durchbrechen der sehr stabilen ersten beiden chilenischen Pressinglinien kaum Gefahr erzeugten. Besonders in diesen Momenten zeigte sich auch Chiles enorme Laufbereitschaft. Sie zogen sich dann sehr flott zurück, pressten geschickt von hinten auf die Lücken (meist gegen Silva) und formierten sich dann mit acht bis allen Spielern vor dem eigenen Strafraum.

Eine Szene, bei der Spanien mal schneller vorwärts kam. Silva geht unsauber in den Freiraum, Aranguiz und Vidal kommen im Sprint zurück. Symptomatisch: Busquets und Iniesta nicht involviert. Silva wird zum Schluss von Vidal gefoult.

Eine Szene, bei der Spanien mal schneller vorwärts kam. Silva geht unsauber in den Freiraum, Aranguiz und Vidal kommen im Sprint zurück. Symptomatisch: Busquets und Iniesta nicht involviert. Silva wird zum Schluss von Vidal gefoult.

Wenn sie dann Spanien auf die Außenbahnen drückten, verschoben sie extrem kompakt in die Halbräume, oft ballten sich dort drei oder mehr Chilenen. Ein wichtiger Punkt: Sie versuchten also nicht, auf dem Flügel den Ball zu holen, sondern verhinderten nur das spanische Eindringen ins Zentrum. So zwangen sie die Ballzirkulation nach hinten und konnten wieder nachrücken. Wie in allen Bereichen passte diese Ausrichtung hervorragend auf den Fokus und Rhythmus des spanischen Spiels.

Durch diese ständigen Rhythmusprobleme, der Isolation der halblinken Seite und die Ballung auf rechts funktionierten weder die einzelnen Spielerrollen (Costa, Pedro und Iniesta schlecht eingebunden), noch fanden die Spanier zu Kombinationen. Durch die Präsenz von fünf bis sieben chilenischen Spielern im Mittelfeldzentrum gelang es ihnen auch einfach nicht, mal die kleinräumigen Überzahlsituationen herzustellen, die sie für schnelles Zusammenspiel benötigen.

Ballbesitzspiel gegen das Ballbesitzspiel

Trotz der hervorragenden Abstimmung und enormen Kompaktheit kamen die Chilenen nur ganz vereinzelt mal zu Balleroberungen in gefährlichen Zonen. Trotz fehlender Offensivmittel war die Ballzirkulation der Spanier meist souverän und ließ wenige Konter zu. Doch die Furja Roja war ja nicht die einzige Ballbesitzmannschaft auf den Platz: Auch Chile ist enorm spielstark und brachte diese Fähigkeiten klug ein.

Sie wechselten zwischen sehr tiefer, enorm konsequenter und weiträumig breiter Ballzirkulation und einem eher eng angelegten, vertikalen Offensivspiel. So lockten sie die Spanier weit heraus ins Pressing und konnten sich dann in der Offensive vertikal durchkombinieren. Sie ließen sich nicht darauf ein, überfrüht und mutlos mit wenigen Spielern und langen Bällen anzugreifen, was den Spaniern oft ihre angestrebte Dominanz bringt. Sie setzten das gute spanische Pressing richtig unter Druck, wobei vor allem Diaz pendelndes Verbindungsspiel enorm wertvoll war. Zuweilen banden sie zu diesem Zweck auch ihren spielstarken Keeper Bravo in einer Torwartkette ein – so beispielsweise vor dem 0:1.

Spa-Chi 1-0 A

Diaz hat einen Rückpass auf Bravo gespielt, sein Gegenspieler David Silva presst hinterher. Es entsteht eine Art Torwartkette. Bravo bleibt ruhig und spielt auf Silva. Diaz nun locker mit dem coolsten Lauf des Turniers: Er rückt auf, da er erkennt, dass er in Silvas Schatten ist und Medel zurückfällt. Dann erkennt er, dass die Szene sich am Flügel festspielt – Alba und Alonso verschieben gegen das Zuspiel auf Isla. So lässt sich Diaz bogenförmig in den Verbindungsraum fallen…

...und hält dadurch die Ballzirkulation am Laufen. Mit der direkten Kombination zurück zum Torwart sind nun fünf Spanier ins Pressing gelockt.

…und hält dadurch die Ballzirkulation am Laufen. Mit der direkten Kombination zurück zum Torwart sind nun fünf Spanier ins Pressing gelockt.

Da Spanien nun fünf Spieler hochgeschoben hat, um vier Gegner zu pressen, kann Bravo den langen Ball in eine Gleichzahlsituation in der Spitze bringen. Drei Chilenen rücken sofort auf den zweiten Ball nach und erobern ihn nach Sanchez' verlorenem Kopfballduell auch zurück. Nun können sie einen Schnellangriff in Gleichzahl fahren. Durch die Enge können sie außerdem gut kombinieren, was letztlich den sauberen Durchbruch von Aranguiz ermöglicht.

Dadurch kann Bravo den langen Ball in eine Gleichzahlsituation in der Spitze bringen. Drei Chilenen rücken sofort auf den zweiten Ball nach und erobern ihn nach Sanchez‘ verlorenem Kopfballduell auch zurück. Nun können sie einen Schnellangriff in Gleichzahl fahren. Durch die Enge können sie außerdem gut kombinieren, was letztlich den sauberen Durchbruch von Aranguiz ermöglicht.

Durch Vidals sehr hohe Rolle und Sanchez‘ Ausweichen schob sich das Spiel dadurch meist entweder über den linken Flügel oder den rechten Halbraum nach vorne. Das hatte einen sehr unauffälligen, aber sicherlich mitentscheidenden Effekt: Busquets wurde meistens rigoros überspielt und konnte sein Genie auch gegen den Ball nur selten einbringen. Vor dem 0:2 konnten die Chilenen gleich zwei Mal im rechten Halbraum gegen Xabi ein Foul ziehen. Auch dabei nutzten sie wieder eine tiefe Zirkulation, um die Spanier nach vorne zu locken – und das nachdem sie schon im Angriffsdrittel angekommen waren.

Vor dem Freistoß zum zweiten Tor: Chile hat einen Einwurf, Spanien steht extrem kompakt. So entscheiden sich die Chilenen dafür, das Spiel hinten herum zu verlagern. Nachdem Spanien nachgeschoben hat, kommt die Diagonalverlagerung, Sanchez kann dadurch ins Dribbling gehen und zieht das Foul gegen Xabi.

Vor dem Freistoß zum zweiten Tor: Chile hat einen Einwurf, Spanien steht extrem kompakt – hat dadurch aber die gegnerische Abwehrreihe offen stehen. So entscheiden sich die Chilenen dafür, das Spiel hinten herum zu verlagern. Nachdem Spanien nachgeschoben hat, kommt die Diagonalverlagerung, Sanchez kann dadurch ins Dribbling gehen und zieht das Foul gegen Xabi.

Zu dieser Szene ein Zitat aus dem Artikel „Wie kann man Spanien knacken?“ unserer WM-Vorschau:

„Der hohe Ballfokus in der Rückzugsbewegung zeigt sich nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Tiefenstaffelung und der gruppentaktischen Ausrichtung gegen den Ballführenden. Sprich: Die Spanier lassen gerne den Rückpass offen. Wenn ein Gegner auf den vertikalen Konter ausgerichtet ist, ist das kein Problem bzw. sogar ziemlich klug. Insofern konnte es interessant sein, Konter bewusst nur auszulösen, um sie später abzubrechen. So kann man leichter in die Ballzirkulation kommen als gegen das gut organisierte Angriffspressing der Spanier und auf diese Weise auch die Ballbesitzdominanz attackieren. Eventuell kann man dann aus der Ballzirkulation die Reorganisierung der spanischen Defensive mit plötzlichen Rhythmuswechseln bespielen. Andernfalls hat man zumindest gute Chancen, mit Ball etwas weiter aufrücken zu dürfen und die Spanier in eine ungewohnte Position zu drücken. Auf diesem Fundament man auch leichter und gezielter die Individualisten des Teams in den Mittelpunkt rücken und Standardsituationen in gefahrlichen Positionen herausholen.

Dieses Abbrechen der Angriffe ist grundsätzlich auch eine Variante in eigenen Aufbausituationen, besonders wenn die Spanier im Mittelfeldpressing stehen und man über die Flugel etwas vordringen kann. In diesen Szenen verknappen sie sehr gut die Verbindungsräume und formieren sich diszipliniert hinter dem Ball. Aus taktikpsychologischen Grunden versuchen viele Mannschaften trotzdem, diese Kompaktheit direkt zu überwinden, anstatt die offenen Defensivspieler einzubinden.“

Uninspirierte Umstellungen von del Bosque

In der zweiten Halbzeit kamen die Spanier besser ins Spiel, aber letztlich nicht gut genug. Del Bosque beschränkte sich auf positionstreue Umstellungen, sodass diese nicht all zu viel Effekt hatten: Im Laufe der Halbzeit kamen Torres und Cazorla für Costa und Pedro.

In der Halbzeitpause kam bereits Koke für Xabi Alonso, was der wirkungsvollste Wechsel war: Koke brachte zum einen mehr Pressingresistenz und konnte vereinzelt mit Iniesta kombinieren, zum anderen schob er stärker nach außen und agierte wesentlich weniger präsent als Xabi. Dadurch waren die Spanier insgesamt weiter nach vorne geschoben und Busquets war in einer mittigeren Position. So konnte Chile das spanische Spiel nicht mehr so leicht auf die rechte Seite drücken. Sondern nun häufiger Angriffe über links zu.

Zudem zollten die Chilenen nun auch ein wenig ihrer hohen Pressingintensität Tribut und rückten weniger stark auf. Häufig formierten sie sich in einem eher tiefen Mittelfeldpressing oder hielten längere Situationen von Abwehrpressing durch. Dabei zogen sich Vargas und Sanchez jedoch oft mit zurück, meist entlang der Flügel, sodass sich sehr kompakte Ordnungen ergaben; manchmal 3-4-3, manchmal 5-3-2, aber immer mit dem vorher bereits gezeigten Halbraumfokus und einer guten Grundbreite gegen Verlagerungen. Dagegen fanden die Spanier keine Mittel, die drei Tore in 45 Minuten hätten bringen können. Dass es trotz zunehmender Offensivpräsenz nicht einmal zu einem Treffer reichte, war auch ein wenig Pech.

Fazit

Wie bereits gegen die Niederlande muss man zwei Dinge konstatieren. Erstens: Der spanische Gegner war hervorragend auf die spanische Spielweise eingestellt und den Spaniern fehlte ein zügigerer Angriffsrhythmus. Zweitens: Trotzdem hatten die Spanier viel Präsenz, waren phasenweise sogar leicht überlegen und hatten mit einem sehr unglücklichen Spielverlauf zu kämpfen. So konnte Chile neben den Torszenen nur einen einzigen Schuss aufs Tor platzieren, während Spanien derer sechs nicht unterbringen konnte. Über beide Niederlagen hatte Spanien fast eine ausgeglichene Schussbilanz, was das debakulös anmutende Torverhältnis von 1:7 zumindest ein wenig relativiert.

Insofern kam bei dieser WM alles zusammen für die Spanier. Die Auslosung war für sie sehr unglücklich, da sie auf zwei der drei Mannschaften des Turniers trafen, die in der Dreierkette eingespielt sind. Die Spiele gegen jene Teams liefen dann auch noch gegen sie. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spanier nicht in der Lage waren, ihre Gegner zu beherrschen, und dass sie gegen die Dreierketten auch einfach kein richtiges Erfolgsrezept fanden. Aber das spanische Scheitern ist vor allem ein sehr spezieller Verdienst von Holland und Chile, es ist keine globale Wachablösung.

Die Chilenen untermauern indes ihre außergewöhnliche taktische Qualität. In der Konstanz und Sauberkeit der Umsetzung ihres aggressiven Pressings übertrafen sie die hohen Erwartungen sogar noch einmal. In den kommenden Spielen wird das Ballbesitzspiel dann wohl noch stärker in den Fokus rücken.

Zur aufkommenden Debatte, ob das Tiki-Taka nun tot sei, werde ich vermutlich noch einen längeren Kommentar verfassen. Vorab nur so viel: Nein.

FAB 27. Juni 2014 um 12:47

Zum Thema Spanien und Tiki Taka.
Ersten war/ist Spanien nicht nur Tiki Taka. Spanien hatte schon immer sehr gute Fussballer auch vor ihrer erfolgreichen Zeit. Immer standen die Real und die Barca Fussballer in großer Konkurrenz zueinander und damit auch deren Spielsysteme. Mit der Übermacht von Barca, wurde zum ersten mal das Barca System bedingungslos auf die Spanische Nationalmannschaft übernommen. Die Barca Spieler (allen voran Xavi, aber auch Busquets und Iniesta) bestimmten wie gespielt wird. Das war dann auch erfolgreich, weil es ein eingespieltes bewährtes Konzept war. Es geht bei Barca/Spanien aber nicht nur um den Ball, wie auch hier bei SV schon tausendmal beschrieben, sondern fast noch wichtiger ist das überragende Pressing, speziell das Gegenpressing, das extrem hohe Willenskraft erfordert und auch die Überzeugung sowieso die bessere Mannschaft zu sein, also Selbstvertrauen. Das ist das was Spanien ausgezeichnet hat, wobei Tiki Taka nur ein Element ist.
Zweitens: Meine These ist, dass es 2 Grundkonzepte im erfolgreichen Profifussball gibt: Ballbesitz oder Umschaltspiel. Ein weiteres Element ist das Pressing. D.h. Umschaltspiel kann theoretisch alleine funktionieren (ist dann aber eher Glück), besser ist es in Verbindung mit gutem Pressingspiel. Ballbesitz kann aber niemals ohne Pressing funktionieren. D.h. im Endeffekt braucht es immer mindestens zwei der 3 Elemente (Ballbesitz,Umschaltspiel,Pressing).
Beispiele: Real war mit ihrem perfekten Umschaltspiel unter Mourinho nicht erfolgreich. Erst als das Pressing unter Ancelotti verbessert wurde, haben sie die CL gewonnen. Barca war mit dem Tiki Taka erfolgreich, solange das Pressingspiel perfekt war. Ein Paradebeispiel ist für mich immer noch Bayern unter Heynckes denen es gelang alle 3 Elemente optimal zu verbinden.
Nationalmannschaften haben das Problem, dass sie nicht häufig genug trainieren können, um das Pressing zu perfektionieren,weshalb es dort Ballbesitzmannschaften immer schwerer haben … Wir haben das speziell bei der deutschen Mannschaft durchlitten, die nach der Umstelung von Umschalt auf Ballbesitzspiel irgendwie weniger erfolgreich trotz besserer Spieler waren. Für die aktuelle WM bin ich bislang zufrieden, weil 1. das Umschaltspiel wieder reaktiviert worden ist und zusätzlich ads Pressingspiel besser ist. Wir werden sehen was daraus wird.
Für Spanien heißt das alles aber, die nächsten Jahre werden sehr schwierig. Barca wid wohl ohne Xavi an Dominanz verlieren. Die Struktur der Nationalmannschaft wird neu ausgerichtet, mit dem Problem, dass die Fans und die Medien total verwöhnt sind, das ist kaum zu machen. Spanien wird wohl trotz ihrer tollen Spieler einige Mißerfolge einstecken müssen um wieder zu sich zu kommen. Schade!

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tomci 27. Juni 2014 um 13:03

Ob dass Pressing wirklich verbessert wurde in der aktuellen N11? Ich sehe da kaum Anzeichen, v.a. mit Götze und Özil drin und Klose schon so halb kaltgestellt. Finde Experimente mit variablen Spielertypen immer interessant, aber langfristig wird es zumindest bei der eindeutigen Ausrichtung aller BuLi-Teams auch in der N11 wieder so eine Art Klose geben müssen (Mlapa?) und das Spiel mit wenigen Flankenläufern sowohl im offensiven als auch defensiven Außenraum bleibt wohl nur eine Spezialität dieser (sub)tropischen WM.

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FAB 27. Juni 2014 um 20:53

Mich würde es nicht wundern wenn die BuLi Teams sich am N11 System orientieren, zumindest wenn sie die WM erfolgreich abschließen. Sie werden auch wissen, dass sie auf den Außenverteidiger und Mittelstürmerpostionen keine deutschen Spieler haben und diese teils krampfhaft versuchen in Asien bzw. Osteuropa zu rekrutieren … Einfacher wäre es doch Systeme im Profibereich zu entwickeln, die mehr oder weniger vollständig aus eigenen Spielern bestückt werden können und nur qualitativ hochwertig ergänzt werden.
Mlapa? Der hat das Pech, dass die Nationalmannschaft Togos nicht bei Weltmeisterschaften mitspielt …
Wenn man sich überlegt, wer in der N11 die nächsten jahre eine Rolle spielen könnte, sind das alles Spielertypen die es so ähnlich schon gibt: Max Meyer, Goretzka. Gespannt bin ich auch auf Julian Brandt. Volland wird wohl eher etwas überschätzt …
D.h. es ist kein echter Mittelstürmer in Sicht. Ich glaube auch, das ein Mittelstürmer vom Kaliber Ibrahimovic,Lewandowki nicht aus der „industriellen“ Ausbildung unserer Bundesligavereine hervorgehen kann. Das gelingt wohl nur in kleineren Vereinen, bei denen allein ein solcher Spieler im Mittelpunkt steht.

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tomci 27. Juni 2014 um 23:15

In ganz Nord- und Mitteleuropa, selbst in den traditionellen kick n Rush- Ländern sind traditionell Mittelstürmer ein exotisches Kleinod geworden… Aber die Hühnen mit Ballgefühl sind dennoch notwendig und selbstverständlich geblieben..sie werden halt nur (zumeist aus südlicheren) Breiten importiert. Einen Mlapa würde ich nicht abschreiben nur weil er bei Gladbach nicht zum Zug kommt zur Zeit.. Seit wann hätte er denn einen U-Turn gemacht bezüglich N11-Entscheidung contra Togo?

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Stefan 27. Juni 2014 um 09:12

MR: „Zur aufkommenden Debatte, ob das Tiki-Taka nun tot sei, werde ich vermutlich noch einen längeren Kommentar verfassen. Vorab nur so viel: Nein.“

Hierzu der heutige Kommentar in der Jungen Welt:
27.06.2014 / Sport / Seite 16
http://www.jungewelt.de/2014/06-27/004.php
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Tiki-Taka ist nicht tot

Wer das Tempo nicht erhöht, wird zurückbleiben: Über Ballbesitzfußball
Von Hans Roth

Wer aufgrund der WM in Brasilien von einer Renaissance der Dreierkette spricht, ist nicht zu früh, sondern zu spät dran: Juventus Turin dominiert so die Serie A, Pep Guardiola ließ sie mitunter schon bei Barcelona spielen (und trickste jüngst damit im Pokalfinale Jürgen Klopp aus), Brendan Rodgers’ Liverpool hat sie im Repertoire usw. usf.

Aber gut: Mit Chile, Niederlande und Costa Rica laufen drei der bisher überzeugendsten Teams dieser WM in einer Formation mit drei zentralen Verteidigern auf. Defensiv wird das Ganze durch zwei Flügelspieler aufgefüllt, so daß man auch von einer Fünferkette reden kann. Dabei bietet dieses System die Möglichkeit, daß einzelne Spieler immer wieder aus der Abwehrkette herausrücken und den Gegner unter Druck setzen, ohne anderswo Lücken aufzumachen. Auch das übliche Doppeln von Gegenspielern auf dem Flügel verliert somit an Risiko. Das Vorhaben lautet: Überzahl in Ballnähe herzustellen, ohne Spielverlagerungen in unbesetzte Räume riskieren zu müssen. Wobei auffällt, daß das Verschieben bei gegnerischem Ballbesitz bei dieser WM unabhängig von der Formation von nahezu jedem Team recht diszipliniert praktiziert wird. Unerreicht ist überraschenderweise Costa Rica, das bisher die gegnerischen Angriffe konsequent in die gewünschten ungefährlichen Zonen zu leiten versteht.

Bislang sind vor allem die Mannschaften erfolgreich, die aus einer so gesicherten Defensive immer wieder einzelne Pressingattacken starten können, die dann mitunter sogar recht chaotisch und riskant aussehen können, was z.B. die Niederländer gegen die Spanier nahezu in Perfektion umsetzten. Ob dabei tatsächlich die an manchen Orten in Brasilien extrem hohe Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielt, sei mal dahingestellt, aber es sticht ins Auge, daß auch bei eigenem Ballbesitz insbesondere die Mannschaften zu gefallen wissen, die in der Lage sind, das Tempo ihrer Aktionen von sich aus zu erhöhen.

Überhaupt, der Ballbesitzfußball. Dem wird ja derzeit gewohnt scheinheilig die letzte Ölung verpaßt. Deshalb an dieser Stelle eine Entwarnung angesichts der Meldungen über die Wiedergeburt der Dreierkette und den Tod des sogenannten Tiki-Taka: Nein, das bedeutet nicht, daß der Fußball der neunziger Jahre als Zombie zurückkehrt. Schön getimte Diagonalbälle eines Daley Blind hinter die Abwehrreihen haben mit stupiden Christian-Ziege-Gedächtnisflanken nichts gemeinsam.

Wer also angesichts des spanischen Ausscheidens gleich das Tiki-Taka mit zu beerdigen hofft, irrt gewaltig. Selbst wenn man den Spielstil Spaniens (bzw. Barcelonas) nur auf das Kurzpaßspiel reduzieren will, muß man festhalten, daß Spanien nicht an seinem Stil als solchen, sondern an dessen mangelhafter Umsetzung gescheitert ist. Von dem, was Spanien oder Barcelona ausgezeichnet hat, diese unvergleichliche Ballzirkulation, die aufgrund der dynamischen Raumbesetzung, den Tempowechseln bei den Pässen und der harmonischen Struktur der Paßstaffetten den Fußball zur Musik werden läßt, war zu wenig zu sehen. Das gilt im übrigen auch für die anderen Errungenschaften Barcelonas, das extreme Pressing und Gegenpressing, die Spanien schon seit 2010 nicht mehr weiterentwickelte. Gerade diese Aspekte aber zeichnen nun in jeweils unterschiedlicher Ausführung ihre Gegner aus.

So ist es Chile, daß neben dem besten Pressing bisher das kreativste Aufbauspiel zeigt. Außerdem ist es ein schlechter Witz, daß dessen Ära von Louis van Gaal, der das in Dreiecken organisierte Fußballspiel verkörpert wie kein anderer Trainer (und für dessen selbstbewußte Implementierung bei Bayern München von den deutschen Medien bis heute gehaßt wird), beendet worden sein soll. Van Gaal mag dem absehbaren Karriereende des »Barca-Metronoms« Xavi und einiger anderer beigewohnt haben, doch über deren Nachfolger müssen sich die Spanier als amtierender U21-Europameister keine Sorgen machen. Noch bedeutsamer ist, daß die Merkmale des spanisch-katalanischen Fußballs (Zentrumskontrolle, Überzahl in Ballnähe und die flexiblen Positionierungen der Spieler) in dieser Fußball-Dekade die Koordinaten sind. Sei es bei Gegenmaßnahmen oder bei pragmatischen Weiterentwicklungen. Diese WM zeigt: Wir leben in der Zeit des Tiki-Taka-Hellenismus. Auch wenn das die Kreisliga-Barbaren aus Schland nicht wahrhaben wollen.

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DM33 21. Juni 2014 um 11:18

Da ich in beiden Spanien-Spielen gar nichts gesehen habe, was irgendwie aussah wie tikitaka, finde ich es wirklich seltsam, dass dieser Spielstil nun gescheitert sein soll… ich denke eher, dass man in so einer „Todesgruppe“ einen angemessenen Torwart braucht und einen Mittelstürmer, der irgendwas mit dem Rest der Mannschaft zu tun hat/zu tun haben will…

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tabashi 21. Juni 2014 um 07:39

Was Spanien fehlt, war einen agielen und wendigen Falshe- Mittelstuermer naemlich einen Lio. Das gesamte tikitaka- System war auf ihn bestimmt, so konnte Barca ihn idealerweise als Waffe einsetzen,er erzielte 80% der Tore, ohne Messi und mehr Tempo fuer raum Oeffnung ist tiki- taka blos ein Zerkosspielschen.

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Isco 21. Juni 2014 um 09:58

Ohne Messi hätten sie auch nie drei große Turniere am Stück gewinnen können, das ist doch klar.

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FL aka LeFlo777 21. Juni 2014 um 12:14

Einziges Problem von Spanien war doch, das schon wieder KEINER mitgesungen hat bei der Nationalhymne 😀

Ich denke, dass die Idee des Tiki Taki natürlich weiterleben wird. Nur sind zur Umsetzung eben enorm hohe Fähigkeiten der Spieler notwendig. Und diese Spieler sind einfach in die Jahre gekommen. Insofern „stirbt“ die Umsetzung der Idee mit den Spielern.
Hinzu kommt mMn die psychologische Komponente. Das Selbstverständnis und das Vetrauen in die eigene Stärke wurde durch das Spiel gegen die Niederlande stark in Frage gestellt. Spannend bleibt, was Spanien nun in den nächsten Jahren anstellen wird. Ich wage nicht, hier Prognosen anzustellen; werde die Entwicklung allerdings mit Neugierde verfolgen.

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HW 21. Juni 2014 um 13:19

Hab noch nie Gesang zu nem Marsch gehört. Um so erstaunlicher, wie die Spanier diesen Standortnachteil in den letzten Jahren überwinden konnte.

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air force 1 20. Juni 2014 um 23:05

Bin ich froh dass Del Bosque den altersschwachen Xavi gegen Chile geschont hat. Es wäre schon grob fahrlässig gewesen ihn nochmals auf den Platz zu jagen.

Gefühlte 70 % der Zweikämpfe gingen gegen die Niederländer in Halbzeit 2 im Mittelfeld verloren. Und auch im Spiel gegen Chile hatte man stets das Gefühl, das weiße Dreieck hat jeden Spanier im Mittelfeld zugestellt.

Ist der spanische König zurückgetreten oder was war los mit der Übermannschaft aus Spanien? Da hat der Fuentes wohl die falschen Vitamin Cocktails gemischt.

Mit Xavi und Tiki Taka geht es jetzt zum Flughafen und tschüsss…..

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rodeoclown 21. Juni 2014 um 00:05

Oh, auch schon ganz schön lange nichts mehr gehört von dir. Man sagt ja immer, dass man immer erst merkt wie wichtig jemand für einen war, wenn derjenige auf einmal weg sei. Ist was Wahres dran…

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ES 20. Juni 2014 um 18:06

„Dass es trotz zunehmender Offensivpräsenz nicht einmal zu einem Treffer reichte, war auch ein wenig Pech.“ Ja, sicher hätte man ein Tor für Spanien als „gerecht“ einstufen können (wenn Gerechtigkeit eine geeignete Kategorie im Fussball sein sollte). Aber als richtige Grosschance in der zweiten Halbzeit habe ich nur das Ding von Busquets aus drei Metern (nach Fallrückzieher) in Erinnerung. Ich fand nicht, dass die vermehrte Offensivpräsenz zu wirklich zwingenden Chancen geführt hätte. Dafür war der Ball samt Spielern zu selten in wirklich gefährlichen Zonen (sprich Strafraum).

Kein Abgesang auf Tici.Taca: Aber es ist schon interessant zu sehen, was passiert wenn ein über Jahre erfolgreiches System nicht mehr so zum Erfolg kommt und dann nicht in der Lage ist, durch Änderungsimpulse wieder in die Erfolgsspur zurückzukommen (zumindest nicht kurzfristig innerhalb eines Turniers in zwei Spieltagen). Es sah so aus, dass sich die Spanier nie die Frage gestellt haben, was sie tun sollen, wenn Plan A nicht aufgeht. Warum auch? Plan A ist bisher in drei aufeinander folgenden Turnieren bis einschließlich Endspiel aufgegangen. Dann kommt so eine im Großen und Ganzen nicht wirklich schlechte, aber uninspirierte und befangen emotionslose Vorstellung heraus wie in der zweiten Halbzeit.

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Lenn 20. Juni 2014 um 19:02

Costa nach Pass von Iniesta, dazu wurde´s in der ersten Halbzeit einmal richtig knapp.
Der Spielverlauf gegen die Niederlande war auch extrem unglücklich – natürlich hat die Elftal das gut bis sehr gut gemacht, und dennoch geht so ein Spiel normalerweise nie im Leben 5:1 aus.

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hegel 20. Juni 2014 um 16:23

Der Treppenwitz in der Debatte, ob Tiki-Taka tot ist, ist ja eigentlich, dass Spanien die Strategie nicht ganz konsequent umgesetzt hat. Man setzt die (scheinbare) Stabilität über die Ballzirkulation und spielt halt mit Alonso, Busquets und Xavi im Zentrum anstatt konsequent zu sein und Alonso draußenzulassen. Dazu kommen so Sachen wie Casillas im Tor, bei dem man natürlich erst gar nicht drüber nachdenken muss in vereinzelnten Situation mal ne Torwartkette auszupacken. Gerade gegen Chiles Angriffspressing, was ja in der Intensität verschiedene Phasen durchlaufen hat, wär das denke ich nützlich gewesen.
Und warum sollte man jetzt die Herangehensweise grundlegend ändern? Man schaue sich mal die junge Generation an, und meiner Meinung nach spricht die auch klar für Ballbesitz. Thiago, Koke, Isco stehen da nur Symbol für.

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Gatling 20. Juni 2014 um 17:42

sehe es ziemlich ähnlich; Spanien hat keinen Grund grundsätzlich von ihrem Tiki-Taka abzugehen. Ich denke jedoch, was Ihnen neben dem Willen diesmal gefehlt hat, war letztlich das sture Festhalten an dieser einen Spielweise.

Wir erinnern uns: bei der EM 2008 ging ihr Stern und der des Tiki-Taka auf. Das hatte bis dato keine Nation so konsequent gespielt und optimiert. Wenn man sich die Spiele der folgenden erfolgreichen Jahre anschaut, haben die zahlreichen Gegner sich im Ausprobieren von Gegenstrategien abgearbeitet. Und bis mindestens zum EM-Endspiel 2012 hatte noch keiner eine erfolgreiche Anti Tiki-Taka entdeckt.

Taktisch war das vor allem in der Tiefe bzw. Höhe der Spielerstaffelung von Spaniens Gegnern zu sehen. 2008 bis 2012/2013 waren dominiert durch tiefstehende Gegner, das Ansicht war wohl, dass man die Spanier grundsätzlich nicht vom Passspiel abbringen kann und deswegen fast alle Feldspieler im eigenen Drittel zusammen geblockt hat. Das war aber im Nachhinein gesehen genau das Falsche. Spanien kam immer in den Spielfluss und machte die notwendigen Tore zum Sieg, weil ein paar Vorstösse immer durch kamen.

Bei den letzten beiden Spielen, aber auch bei Niederlagen von Barca und des FC Bayern sieht die Taktik gegen den Ballbesitz Fußball deutlich anderst aus. Sowohl Holland wie auch Chile standen viel, viel höher als die Teams die von 2008 bis 2012 gegen die Spanier angetreten sind. Die Lösung zu dem Extremstil Tiki-Taka liegt also nicht im Zurückweichen sondern im fokussierten Pressing und Ball abnehmen im Mittelfeld. Diese Taktik erfordert natürlich – beim ersten Mal ausprobieren – Mut, weil man ja von den Spaniern „überrannt“ werden könnte. Tatsächlich passierte aber gegen Holland und auch gegen Chile das Gegenteil. Da beide Teams dieses hoch stehen und angreifen endlich mal in 100% Konsequenz durchgezogen haben, kamen die Spanier gar nicht erst in den Spielfluß – den sie immer brauchen, um sich ins Spiel rein zu kombinieren.

Was wäre denn jetzt angebracht? Sie müssen dieses extrem Tiki-Taka kombinieren mit anderen – klassischeren – Taktik-Mitteln. Wie z.B. eben manchmal aus dem Nichts auch mal den hohen Ball zu spielen, Außenstürmer auch mal zur Grundlinie durchlaufen lassen und klassisch flanken zu lassen. Wenn sie das alles in ihr Grund Tiki-Taka einstreuen werden sie dann auch nicht mehr so ausrechenbar sein. Wenn sie dann z.B. merken, dass der Gegner eben wie bei den beiden spielen hoch steht, spielen sie halt mal den hohen Ball oder gehen auf Konterfussball – und schon lässt sich der Gegner zurückfallen, weil er merkt, dass Spanien was anderes kann als nur extrem Tiki-Taka.

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Koom 20. Juni 2014 um 18:36

Fandest du wirklich, das Chile und die Niederlande höher standen? Mein Eindruck war eher, dass sie zwar früh störten, insgesamt aber (sprich: 5erkette und die 2 DMs) recht tief standen. Sie störten aus dieser tiefen Grundhaltung allerdings sehr viel konsequenter, anstatt nur zuzuschauen.

Klingt mir insgesamt etwas zu sehr nach der Sehnsucht nach dem ominösen Plan B, den Spanien, Barca und Guardiola immer verweigern.

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Gatling 20. Juni 2014 um 20:07

Sehnsucht nach ominöser Plan B???

Mir ist das letztlich scheissegal, was Spanien aus dem Mist macht. Ich habe das emotionslose maschinenhafte Gekicke von ihnen simpel gesagt immer gehasst. Von daher, wenn sie jetzt 10 Jahre um keinen Titel mehr mitspielen ist mir auch recht.

So lassen können sies jedenfalls nicht. Das reine Tiki-taka ist geknackt. Punkt. Damit gewinnen sie keinen Blumentopf mehr.

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DramaNui 20. Juni 2014 um 22:57

Das Tiki-taka als spanische Variante des Fußball-Total ist beileibe nicht gescheitert. Die Spanier haben es einfach nicht gut ausgeführt. Das Gegenpressing war schwach, zB. Schließlich sind sowohl Chile als auch die Niederlande selbst Vertreter der gleichen Taktikschule. Und Van Gaal ist der prominenteste Vertreter des „ewigen Ballgeschiebes“. Das Gegenpressing und der Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte gehört zu diesem Prinzip dazu. Bielsa als Vater der chilenischen Taktik ist einer der größten Bewunderer Van Gaals.
Tiki-taka ist nicht vorbei, im Gegenteil.

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Lenn 20. Juni 2014 um 23:20

Nein.
Die Spielidee ist nicht ansatzweise tot, sondern die Mannschaften, die mit el toque den Weltfußball dominiert haben wie kaum eine zuvor, durchlaufen aktuell Schwächephasen, das ist alles.

Antworten

TW 20. Juni 2014 um 13:37

Chapeau Herr Kollege, ich ziehe den virtuellen Hut 😀

Antworten

Tom 20. Juni 2014 um 12:09

Tiki-Taka ist in meinen Augen tot, weil es dazu absolut eingespielte Spieler braucht. Ich denke nicht, dass Barca in absehbarer Zeit da wieder hin kommt oder will. Ohne diesen Barca-Block kann man das nicht spielen. Das lässt sich nicht in ein paar Tagen bei der NM einüben.
Diese spezielle historische Situation ist vorüber.

Antworten

Tom 20. Juni 2014 um 12:11

dass Barca in absehbarer Zeit da NICHT wieder hin kommt oder will.
wollte ich schreiben

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HW 20. Juni 2014 um 13:05

Ich denke eine Idee kann nicht sterben. Vielleicht wandert sie in eine Schublade oder wird modifiziert. Aber die grundsätzliche Idee, das Spiel durch Ballbesitz zu kontrollieren ist nicht gestorben.

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CH 23. Juni 2014 um 14:10

Ich verstehe was Du meinst, aber Tiki-Taka ist nicht tot, nur weil bei der WM die Spieler fehlen, um es auf dem Platz zu realisieren. De facto hat Spanien nie den Passrhythmus und die Fluidität der letzten Jahre auf den Rasen gebracht. Die waren einfach eine gewöhnliche Mannschaft – nix besonderes mehr.

Thiago hätte schon viel gebracht, Busquets war auch gegen Chile sehr druckresistent und hat sich beeindruckend oft und gut behaupten können. Vielleicht noch ein mitspielender Stürmer und dann funktioniert selbst ein formschwacher Xavi im Gefüge.

M.E. sollte, will und kann selbst unsere N11 ein relativ geduldiges tiki-taka-haftes Ballbesitzspiel aufziehen. 4-1-4-1 mit Lahm – Reus, Özil, Gündogan/Kroos, Götze – Klose oder so ähnlich.

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Koom 20. Juni 2014 um 08:47

Pauschal sagen, das tiki-taka tot ist, finde ich auch doof. Dreierkette oder Doppelsturm war ja auch tot, plötzlich spielt gefühlt jede 2. Mannschaft bei der WM damit.

Nein, ich denke auch, dass Spanien da vor allem eine ungünstige Situation erwischt hat: Die Schlüsselspieler nicht in Form (allen voran Xavi). Bei Barcelona klemmte das Tiki-taka unter Martino auch sichtlich, also fehlten dort auch die Mechanismen oder vielmehr die Gewissheit, dass das System „unfehlbar“ ist. Dazu kommt mit Diego Costa auch ein Spieler ins System, der es erfordert, dass man vertikaler spielt (was eigentlich Blödsinn ist: Torres hätte das auch schon ewig gefreut). Letzteres ergab sich vermutlich aus ersteren beiden Punkten. Es fehlte Geduld und vor allem die Überzeugung, also neigte man mehr zum Vertikalspiel, anstatt emsig und geduldig wie früher den Ball zirkulieren zu lassen.

Del Bosque ist übrigens keiner für einen Umbruch. Aber er änderte Spaniens Mannschaft über die Jahre weg aber auch sehr kontinuierlich. Umbruch hat ja was mit „zerbrechen“ zu tun, ich denke aber eher, dass es darum geht, einzelne Elemente zu erfrischen. Thiago für Xavi, Valdez oder De Gea für Casillas und Martinez sind eine gute Grundlage, dazu ein paar kleinere taktische Anpassungen.

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Nowa3000 20. Juni 2014 um 16:07

Sehr schöner Post. Bereits im Nachgang des Spiels hatten mit viele Bekannte gesagt, dass Tiki-Taka nun endlich (resultiert das aus Angst vor Spanien?!?) tot ist. Ich denke auch, dass diese Idee unmöglich sterben kann. Auf den Gedanken mit der Dreikette wurde ich allerdings erst durch SV gebracht, wobei ich auch bei der WM nur spärlich dazu komme die Spiele zu sehen und manche Nachberichte einfach Käse sind.
Auffällig war für mich aber ebenfalls, dass Diego Costa deplaziert wirkte. Hier wäre Villa oder Torres meiner Meinung nach besser gewesen da man mit ihnen 1. ebenfalls vertikaler spielen kann und 2. sie kombinationsstärker sind (sowie 3. eingespielter, auch wenn ich immer Probleme mit diesem Punkt habe).
Schade ist es dennoch, da ich den spanischen Nationalmannschaftsfußball mochte. Aber man kann ja zurückblicken wie auch nach vorn. Mit einigen wenigen Veränderungen sollte die Mannschaft wieder bestens aufgestellt sein für die nächsten Turniere, zudem sind sie dann auch die Favoritenrolle los. Ich bin sehr gespannt wie sich das weiter entwickelt.

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Guergen 20. Juni 2014 um 16:15

Kleiner Lesehinweis. Der Autor und Journalist Ronald Reng hat bei facebook schon einen „etwas“ emotionalen Eintrag zum Abgesang auf Tiki-Taka geschrieben:

https://www.facebook.com/notes/ronald-reng-spieltage/ausgekotzt/875844169098513

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HW 20. Juni 2014 um 18:18

Großartig. Muss nur noch von Kahn oder Scholl im TV verlesen werden.

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TuxDerPinguin 20. Juni 2014 um 08:17

Die Spanier taten mir schon leid wie alles gegen sie lief.
Aber Chile hat ja nicht nur durch Glück gewonnen, sondern eine gute Leistung erbracht.
Wenn man drei Turniere lang dominiert, ist es vielleicht gut, früh auszuscheiden… die anderen wollen auch mal wieder Turniersieger werden 😉

Wobei ich doch die Leistung von Casillas im Besonderen besorgniserregend fand. Das eine chilenische Tor ging klar auf seine Kappe (niedrige Faustabwehr in die Mitte).
Ich glaube mit ein paar anderen Personalentscheidungen, wäre Spanien noch drin… aber wer bin ich, del Bosque was zu sagen…

lustig finde ich auch die Erklärungen, dass Spanien eine müde Generation von Fußballern hatten, die vom Erfolg satt waren… toll, was man im TV für Erklärungen für Spielergebnisse bekommt.

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HW 20. Juni 2014 um 08:32

Bei Casillas stellt sich die Frage ob er wegen schwacher Leistung auch bei Real nicht alle Spiele macht (warum dann gerade die CL Spiele?). Oder ob seine Leistung nachgelassen hat weil er weniger Spiele macht. Ist der Leistungsabfall Ursache oder Wirkung? Mit Valdés ist natürlich die Nr. 2 verletzt. Del Bosque ist nicht der Typ, der die Konfrontation in diesem Punkt sucht.

Ob die Spieler satt sind. Ich denke nicht. Eher müde. Die wurden in den letzten Jahren ausgequetscht, mental und körperlich. Außerdem war die Leistung ja fast unmenschlich, da ist es normal wenn die Form mal nicht gehalten werden kann. Aber ein guter Trainer erkennt das früh und steuert dagegen. So gut Del Bosque im Men-Mangement ist, er ist keiner der Teams umbaut oder eine Spielphilosophie entwickelt. In einer N11 braucht das auch Zeit und vor zwei Jahren dachte wohl niemand an so ein Ergebnis. Man hat sich in falscher Sicherheit gewähnt. Ist das jetzt eine mangelhafte Vorbereitung oder einfach unausweichlich es Pech?

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fluxkompensator 19. Juni 2014 um 22:44

ich meine auch, dass das spanische spiel (bloß wegen costa?) etwas vertikaler geworden ist, d. h. in der regel war es auch hektischer als gewohnt. zudem ist das gegenpressing nur noch phasenweise (eigentlich nicht) auf dem hohen standard früherer tage (parallele zu barcelona?), oder anders: in den bisherigen wm-spielen war es eigentlich nicht zu sehen, confed-cup meine ich mich auch an diesen mangel erinnern zu können – dagegen stimmte mich die partie gegen italien in der vorbereitung optimistisch (meiner meinung eines der besten spiele der spanier in den letzten 2 jahren).

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blub 19. Juni 2014 um 22:39

Nice Sache. Den Lauf von Diaz hab ich echt mal übersehen.

Allgemein hatte ich bei Spanien schon vor dem Spiel mit Cesc gerechnet. der hat genau die art von dynamik die chile weh tun könnte. Silva und Iniesta haben sich ein paar mal gut durchgesetzt sind dann aber im mittelfeld beim überbrücken des aufgegeangenen Raums von den nachrückern abgelaufen worden.

voll schade das ich den ganzen tag auf diesen artikel warte und dann geht er kurz nach Beginn des 2. Abendspiels online 😉

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Felix 19. Juni 2014 um 22:22

War das denn wirklich noch Tiki Taka von Spanien? Waren doch erstaunlich viele lange, vertikale Bälle dabei und vergleichsweise wenig Ballkontrolle. Eigentlich endlich wieder ein bisschen ansehnlich. Aber offensichtlich noch nicht erfolgsstabil 😉

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LN 19. Juni 2014 um 22:21

Eine Laien-Frage meinerseits: Bravo hat in der ersten Hälfte gefühlt jeden zweiten Rückpass und zudem seine Abstöße wild in die spanische Hälfte geschlagen, ohne Aussicht auf einen Abnehmer. Ist das eine kontrollierte Vorgehensweise um den Spaniern den Spielaufbau zu überlassen und sofort wieder ins aggressive Angriffspressing überzugehen?

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mk 19. Juni 2014 um 22:20

Haha, „Nein“. Ist aber auch frustrierend, wie von den meisten Berichterstattern ignoriert wird, dass Chile und Holland ziemlich außergewöhnliche Spielweisen pflegen und die auch noch ziemlich gut beherrschen. Stattdessen muss man wieder Sachen hören und lesen wie „mittlerweile wurden Mittel gegen das Tiki-Taka gefunden“. Naja, das übliche eben.
Vielleicht täusche ich mich da, aber in den ersten Minuten kam es mir so vor, als hätten Martinez und Ramos auffällig viele lange Bälle gespielt. Kann natürlich als Reaktion auf den frühen chilenischen Druck gesehen werden, wäre doch aber gerade mit Costa vorne drin ne interessante und eher Spanien-untypische Möglichkeit gewesen, den ersten Pressing-Druck zu überspielen. Und selbst wenn sich Vidal und Diaz dann die zweiten Bälle holen, hätte Spanien so doch selber in höheren Zonen Zugriff kriegen können. Müsste doch einfacher sein, von da die vertikalen Angriffe zu unterbinden oder nicht? Scheint aber nicht der Plan gewesen zu sein, denn falls sie überhaupt systematisch gespielt wurden waren die langen Bälle nach einiger Zeit ja wieder weg. Ansonsten hat es mich gewundert, dass Pedro so lange weiterspielen durfte, weil das ja quasi überhaupt nicht gepasst hat. Und Koke fand ich dann später schon ganz cool…
Naja, dann bin ich mal auf den Kommentar gespannt. Aber diese Grundsatz-Abgesänge sind ja fast immer dumm…

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HW 19. Juni 2014 um 22:46

Kahn lernt ja im Moment jeden Tag ein neues (taktisches) Wort und gibt damit im TV an. (Nadelspieler, Ha Ha).

Scholl dagegen versucht Wörter zu vergessen um im Hirn Platz für das wirklich wichtige zu machen.

Dazu die Kommentatoren bei denen ich glaube die lesen vorm Spiel irgend etwas von SV. Das ist ja auch okay. Nur habe ich immer die Befürchtung sobald da was über den Äther geht, dass es so weit vereinfacht wurde bis nichts mehr übrig ist.

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Soulcollector 19. Juni 2014 um 23:19

Naja in diesen Sendungen geht es ja in erster Linie um Unterhaltung. Da soll es flapsige Sprüche und flotte Kommentare geben. Diesbezüglich finde ich Lutz Pfannenstiel noch am unterhaltsamsten, weil er das ganze ziemlich locker angeht und nicht zwanghaft seriös rüberkommt.

Nicht jeder kann auf Anhieb die Begriffe Zwischenlinienraum und Halbraum unterscheiden, und schon gar nicht haben diese Reporter und Experten alle einen Trainerschein oder Sportstudium.
Ist doch schön, wenn sich neue Erkenntnisse auch dort mit der Zeit durchsetzen, man muss nur Geduld haben. Außerdem soll der Stammtischzuschauer ja auch nicht überfordert werden.

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HW 19. Juni 2014 um 23:25

Ich finde Kahn und Welke ganz okay. Netzer und Delling haben auch nur Mist erzählt und wurden gefeiert. Netzer konnte nach nem scheiß Spiel halt genau das sagen. Kahn macht das etwas anders, aber nicht schlechter. Er ist wesentlich entspannter als viele früher dachten.

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mk 20. Juni 2014 um 11:55

Ach, diese Experten… Ich glaube man hat da einfach zu hohe Anforderungen, aber Ansprüche an den deutschen Sportjournalismus zu stellen ist vielleicht was die große Mehrheit angeht sowieso übertrieben. Aber was Scholl angeht: Er ist ja manchmal sehr nah dran, fast lustig zu sein. Aber dass er den TV-Job dem ihm zur Verfügung stehenden Trainerjob bei Bayern mit all seinen vermutlich tollen Arbeitsbedingungen vorzieht, lässt vielleicht schon tief blicken. Ich meine, wenn man schon die Lizenz macht, und dann bei Bayern arbeiten könnte… Naja, solange es SV gibt sind wir ja versorgt.

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Ron 19. Juni 2014 um 23:25

Sind die eingesetzten taktischen Mittel von Chile und Holland denn kein Rezept gegen tiki-taka spanischer Prägung?

Spanien lebte in den Erfolgsjahren nicht von der taktischen Idee allein, es hatte auch die entsprechenden Spieler in entsprechender Form um diese so dominant umzusetzen.

Es wird aber weiterhin Mannschaften mit derselben Spielidee geben (darunter wohl Spanien 😉 ), das ist ja gar keine Frage. Nur ob noch einmal solch eine Dominanz erreicht werden kann, das schon. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht.

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HW 19. Juni 2014 um 23:32

Gefühlt wird das Spiel im Moment immer physischer. Man schaue sich die Chilenen an. War das nach den angeblich so technisch versierten 70ern nicht auch ein Trend in den 80ern?
Ich befürchte das war jetzt eine Vereinfachung und massive Verfälschung der Geschichte. Aber wenn der Gegner immer den Ball haben will, dann versuche ich ihm den weg zu nehmen. Notfalls mit Gewalt 😉 Nee, im Ernst. Die Rennen wieder enorm viel. Alles muss schnell gehen, defensiv wie offensiv. Die Mitte muss dicht sein und die Wingbacks stehen außen scheinbar alleine.

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Soulcollector 20. Juni 2014 um 00:00

Wenn sich dieser Trend wirklich abzeichnet, wird es wohl für Nationen wie Südkorea und Japan in Zukunft wohl wieder etwas schwerer werden, oder nicht?
Denn dort haben sie schon erhebliche Nachteile gegenüber anderen Nationen. Und Physis ist ja mehr als nur Rennen.

Bei den Verteidigern scheint es ja langsam loszugehen. Es wird nicht mehr so enorm viel Wert auf Passsicherheit und Aufbauspiel gelegt (jedenfalls nicht primär), stattdessen stehen die klassischen Tugenden wie Zweikampfstärke wieder mehr im Fokus. Die deutsche Viererkette macht es ja vor. Wichtig ist bei Verteidigern erstmal, dass sie defensiv stark sind. Alles andere ist ein netter Bonus. Folgerichtig setzt man Lahm auf die 6, weil man seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten trotzdem ins Spiel einbinden möchte. Dafür sind dann aber offensive AV´s erstmal abgemeldet.
Und die 3er Kette ist ja auch so ein Indiz. Mehr zweikampfstarke IV um defensiv gut zu stehen. Und dann setzt man je nach Spielermaterial auf Kombinationsspieler, wenn man sie hat, oder eben auf etwas offensivere AV als Flügelläufer.

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HW 20. Juni 2014 um 00:17

Ich denke es geht wieder um Athletik. Einfach weil man sehr auf Pressing setzt. Dazu wird wieder mehr Mann orientiert gearbeitet, was klassische Formationen wie 4-4-2 zumindest situativ auflöst. Wenn man Formationen auflöst oder einen Fokus auf bestimmte Bereiche legt (wie beim 3-5-2), dann muss man an einigen Stellen mehr laufen. Ist Technik dann das wichtigste Kriterium z. B. für einen Außenverteidiger?

Aber im Vergleich zur Vergangenheit habe ich die Hoffnung, dass Trends den Fußball nicht komplett durchdringen (wir also viele verschiedene Sachen sehen) und durch die mediale Präsenz auch schneller Wechselwirkungen und neue Trends entstehen.

Wahrscheinlich irre ich mich auch einfach und die gesteigerte Athletik ist nur eine optische Täuschung durch enge Trikots 😉

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Soulcollector 20. Juni 2014 um 00:36

Ich hab grad mal in die FIFA Statistik geschielt und dort stehen die Australier, Niederländer und auch Chilenen deutlich vor den Spaniern, was gelaufene Kilometer angeht. Ist allerdings Spielerbezogen. Die ersten Spanier sind Alba und Busquets auf 17 und 19. Davor sind auch nur Gustavo für Brasilien (14.) und Mbia (16.) und Enoh (11.) aus der anderen Gruppe. Für Gruppe C gibts noch keine Daten mit den zweiten Spielen.
Vielleicht ist es also nur der Gruppe geschuldet, dass die Physis so hervorsticht.

HW 20. Juni 2014 um 08:22

Die Gruppen sind schon sehr unterschiedlich besetzt. Gruppe B ist natürlich nicht mit der Japan Gruppe zu vergleichen.

Ron 20. Juni 2014 um 10:53

Das Spiel wird tatsächlich immer athletischer und schneller und es bleibt abzuwarten ob die individuelle Technik im gleichen Maße zunehmen kann oder ob hoher, sicherer Ballbesitz damit eine Grenze aufgezeigt bekommt und man deswegen auf andere Taktiken umschwenken muss.

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass die Klasse der Spieler sich gar nicht so sehr davon unterscheidet WAS sie auf diesem Niveau mit dem Ball können, sondern WIE SCHNELL, WIE FEHLERFREI und WIE KONSTANT.

Wenn das Tempo nun immer weiter anzieht, dann dürfte es immer schwieriger werden die Konstanz und Fehlerfreiheit in der Ballzirkulation aufrecht zu erhalten. Dann braucht man schon einen Haufen begnadeter Spieler, die trotz des gestiegenen Tempos die Fähigkeiten mitbringen noch einmal solch eine Dominanz auszuüben.

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HW 20. Juni 2014 um 11:24

Grundsätzlich sollten kleine, handlungschnelle Spieler immer noch einen Vorteil gegen reine Athleten haben. Aber wenn nur noch die Physis die Technik dominiert, dann ist es Aufgabe der FIFA durch Regelanpassungen dem entgegenzuwirken. So wie Tacklings von hinten immer stärker bestraft wurden, muss man sich etwas einfallen lassen. Vielleicht gibt es auch taktische Antworten auf dieses Spiel. Wir werden es sehen. Die athletische Weiterentwicklung wird irgendwann auch wieder verlangsamt.

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AS 20. Juni 2014 um 13:05

„Aber wenn nur noch die Physis die Technik dominiert, dann ist es Aufgabe der FIFA durch Regelanpassungen dem entgegenzuwirken.“

Warum?

HW 20. Juni 2014 um 13:12

Das ist die Erfahrung aus der Vergangenheit. Wenn das Spiel taktisch zu sehr in eine Richtung drängte, wurde z.B. die Abseitsregel leicht angepasst. Wenn die Techniker nur noch von hinten umgetreten wurden, hat man die Bewertung von Fouls angepasst.
Grundsätzlich finde ich es auch nicht falsch. Oft bedeutet taktische Entwicklung ja einfach Entwicklung von Verhinderungsfußball. Sollte man feststellen in eine Sackgasse zu geraten, dann ist evtl. das Regelwerk veraltet und man kann neue Freiheiten für Offensivfußball gewähren.
Aber im Moment gehts bei der FIFA eh um andere Dinge (Korruption und Rasierschaum auf dem Rasen).

JosephBrant 20. Juni 2014 um 23:43

Wie krank ist das denn? Fußball war immer ein Athletik Sport. Klar braucht man Technik, aber attraktiver Fußball war immer schnell und athletisch. Sport halt . Alles andere ist Zirkus. Tiki Taka ist Antifußball par excellence. Und der war in der Blütezeit nicht zuletzt deshalb so erfolgreich weil die Teams; Barca und die spanische NM eben auch sehr athletisch und mannschaftlich kompakt agierten. Eine athletisch topfitte, läuferisch starke Mannschaft wird immer gegen reine Techniker bestehen solange diese nicht selbst athletisch spielen. Holland , Frankreich , Chile oder Kroatien haben gezeigt wie der Fußball wieder schön und erfolgreich wird. Klar wird die athletische Weiterentwicklung irgendwann wieder verlangsamt, weil die menschliche Physis halt Grenzen hat, das gilt aber ebenso für die technische Entwicklung. Vor 5 Jahren hat ein Messi noch herausgeragt, heute ist er einer unter Vielen.

JS 21. Juni 2014 um 15:51

Fußball ist eine der wenigen Sportarten, die -vergleichsweise- unabhängig von den körperlichen Voraussetzungen auf hohem Niveau gespielt werden kann. Das ist ein Schlüssel zu seinem Erfolg, weil jeder mitmachen kann und keiner ausgeschlossen wird, weil er zu klein oder groß ist. Sollte das sich mal ändern, so wäre eine Regeländerung sinnvoll.

HW 21. Juni 2014 um 17:37

@JosephBrant

Naja, im Zirkus kann man auch viel Athletik sehen.

Aber zum Thema. Es ist die Kombination aus Technik, Athletik und Taktik. Ich meine auch nicht, dass Athletik ein Problem ist, sondern ein rein physische Spielweise. Techniker haben immer einen Weg gefunden, aber sie werden auch vom Regelwerk geschützt. Das Tackling von hinten oder Anpassungen der Abseitsregel um mehr Raum zu schaffen sind Maßnahmen für den Offensivfußball gewesen. Ich sag ja nicht, dass die FIFA jetzt eingreifen muss, nur, dass sie es kann sollte es eine langfristige Entwicklung in eine Richtung geben.

Muskelbepakte Pitbulls werden nach nem Jahr mindestens genauso langweilig wie die Dominanz eines technisch versierten Teams.

JosephBrant 22. Juni 2014 um 03:47

@HW: Das Regelwerk schützt nicht den Techniker, sondern den Spieler im Allgemeinen. Und seit wann ist Handlungsschnelligkeit kleinen Spielern vorbehalten? Bale, Benzema Klose oder Cristiano Ronaldo sind sicher nicht klein zu nennen. Alle sehr handlungsschnell. Deine Aussagen sind leider sehr Klischeehaft. Aber schon klar; jeder der auch nur einen Zentimeter größer als Messi ist muss ein Holzhacker sein. 😉 Für mich ist absolut nicht nachvollziehbar warum hier immer Ballbesitzfußball mit Technik gleichgesetzt wird. Diesen Fußball gab es schon lange vor Barca und er hilft gerade technisch schlechteren Teams sich einem Vorteil zu verschaffen ( Beispiel Nürnberg zu Beginn unter Verbeek). Kommt natürlich dann eine Mannschaft mit der individuellem Klasse Barcas daher wird es für die anderen Teams eng. Aber Barca hätte auch ohne Tiki Taka dominiert.
Und gerade athletisches Spiel setzt auch eine hohe Technik und spielerische Reife vorraus. Benzema, Bale, CR7 auch Messi könnten Ihre Technik ohne die entsprechende Athletik gar nicht umsetzen.
Das die Physis die Technik dominiert ist nicht zu erwarten. Einem Techniker kann ich die Athletik leichter antrainieren als einem Athleten die Technik. Spieler vom Typ Förster Brüder haben sich überholt und selbst die heutigen spielenden Abwehrrecken wie z.B Hummels kommen doch mitunter auch sehr robust rüber. Der Fussball der Zukunft wird noch athletischer, technisch noch hochwertiger als er heute daherkommt. Und die Frage wird sein Ball halten und das Spiel langsam und unansehnlich machen oder den Ball laufen lassen. Tiki Taka spielt bei dieser WM Gott sei dank keiner mehr. Nicht mal die Spanier. 😉

Studinho 21. Juni 2014 um 13:12

Ich glaube nicht, dass der Fußball sich so stark verändern wird. Es ist ja sowieso ein fliegender Wechsel. Tiki-Taka ist am Ende. Jedes Land wird trotzdem weiter individuell für sich weiterspielen. Die Spanier werden vom ballbesitzbetonten Fußball nicht los lassen – ich vermute, dass sie im Spiel nach vorne zielgerichteter agieren wollen.

Die Mannschaften stehen im Kollektiv deutlich höher, um bei hohem Pressen die Abstände zu halten. Mit Sicherheit ist das Spiel auch aggressiver geworden, aber mit 11 Zerstörern kannst du ein Spiel auch nicht gewinnen. Die Kreativität geht weiter aus dem Zentrum aus, weswegen ich nicht denke, dass dort zu robuste Spieler stehen werden. Für die Verteidiger wird es ziemlich wichtig werden Ruhe am Ball auszustrahlen und unter Druck immer noch einen sicheren Ball zu spielen ohne den Befreiungsschlag zu tätigen. Was auch immer passiert, man kann es jetzt noch nicht sagen. Die Tendenz geht aber ganz klar zum immer offensiveren Spiel auch durch die 3er/5er- Kette.

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JosephBrant 22. Juni 2014 um 04:19

Tiki Taka ist nicht tot. Das Problem ist dass in der Diskussion immer das breite behäbige Spiel von Guardiolas Barca in der Endphase mit Tiki Taka gleichgesetz wird. Tiki Taka oder el Toque (Der Hauch) bedeutet aber zunächst nur den Ball nicht anzuhalten sondern kurz zu berühren (one touch). Das zeichnete aber nicht nur Barca aus sondern auch Real, Chelsea oder PSG letzte Saison. Ballbesitzfußball braucht kein Tiki Taka, das haben die Bayern in den 70 ern bis zum Erbrechen vorgeführt. Tiki Taka kann aber auch so gespielt werden wie bei Schweiz gegen Frankreich. Vier der sieben Tore wurden erzielt ohne dass der Torschütz den Ball vorher angehalten hat.

HW 22. Juni 2014 um 10:37

@JB
Natürlich schützt das Regelwerk alle Spieler. Also auch technisch starke Innenverteidiger usw.
Aber grundsätzlich wird Brutalität und gefährliches Spiel sanktioniert und nicht der tödliche Pass oder der Übersteiger.

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JosephBrant 22. Juni 2014 um 22:19

Ach ne? das ist mir aber neu 😉 Ich dachte immer Übersteiger wäre unsportlich. Und der „tödliche Pass“ verboten. Aber man lernt nie aus. 😉 was willst jetzt damit eigentlich sagen? Irgendwie ziemlich wirr. Nur technischer Fußball ist guter Fußball? Nerds halt. Technik ist nichts ohne die Athletik das umzusetzen. Auch ein Messi ist nur Mitläufer wenn er nicht 100 % fit ist.

MR 23. Juni 2014 um 04:46

Messi kommt auch über seine Dynamik. Was ist mit Scholes oder Pirlo?


mh 19. Juni 2014 um 22:13

Vermutlich hat Spanien sogar die leichte Abkehr vom tiki taka und grössere Vertikalität im Spiel geschadet. Costa war in beiden Spielen nicht richtig eingebunden, und Pedro hat sich mit hoher Positionierung selbst aus dem Spiel genommen.
So fehlten ihnen meist 1-2 Spieler bei den Kombinationen und sie entschieden sich für teils überhastete Abschlüsse (zwar mehr als die Gegner, aber oft aus schwierigen Positionen.
Hat mich etwas an FCB vs Real mit isoliertem Mandzukic und Müller im Niemandsland erinnert… und in gewisser Weise wurde Spanien jetzt von Chile (noch mehr als Holland) mit seinen eigenen Waffen geschlagen.

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HW 19. Juni 2014 um 22:41

Spanien hat in den letzten Jahren eigentlich immer das Spiel kontrollieren können, das Tempo und den Rhythmus bestimmt und dann irgendwann ein Tor erzielt. Man könnte sagen von den vier Spielphasen was der Ballbesitz die Verteidigung, der Rhythmuswechsel das Umschaltspiel auf Angriff, das schnell Kombinationsspiel die Angriffsphase und Pressing war das Umschalten auf Verteidigung.

Davon hat man kaum noch etwas gesehen. Als müssten die Spieler plötzlich darüber nachdenken was sie da machen. Wahrscheinlich lag es daran, dass auch Barca in diesem Jahr nicht mehr Barca war. Ich weiß nicht ob dieser Fußball so schnell wieder hergestellt werden kann.
Wenn Barca nicht funktioniert, dann muss Spanien plötzlich viel orthodoxer spielen. Real hat keinen großen Block spanischer Spieler und die bei anderen Vereinen, vor allem im Ausland, spielenden Nationalspieler sind keine Führungsspieler.

Spanien wird jetzt den Umbruch angehen. Genug junge Spieler sind vorhanden. Aber Oliver Kahn hat es ganz gut gesagt, man weiß nie so genau wann es Zeit ist die etablierten Spieler durch neue auszutauschen. Vor allem, wenn sie dich durch die Quali getragen haben. Es sind ja auch nicht alle Spieler wirklich alt. Xavi ist jetzt 34, Alonso ist 32, Iniesta ist 30. Nur Xavi ist in dem Alter um seine Nationalmannschaftskarriere zu beenden. Aber hätte das was geändert? Hätte nicht besser Alonso raus gemusst? Und wer hätte spielen sollen (wahrscheinlich Thiago, oh verletzt). Auch im Tor kann man auf Casillas verweisen und dass er bei Real nicht mehr die alleinige Nr. 1 ist. Aber mit Valdés ist die beste Alternative eh verletzt.
Del Bosque kann sich also vorwerfen in den vergangenen zwei Jahren das Team nicht entwickelt oder geformt zu haben. Bedenkt man aber die Verletzungen und dass Spanien nicht wirklich schlecht war in der Qualität, ist es verständlich einen Umbruch auf Herbst 2014 verschoben zu haben.

Dass man nach zwei Spielen schon chancenlos ausscheidet, konnte man in dieser Deutlichkeit nicht erwarten. Selbst wenn einem klar war, dass die Titelverteidigung wohl fast unmöglich sein würde.

Man kann jetzt nur nach vorne schauen und Spanien 2008-2012 in Erinnerung behalten.

PS Ist doch irgendwie ein Abgesang geworden. War aber nicht so geplant.

PPS Suarez tötet gerade England, nice!

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Soulcollector 19. Juni 2014 um 23:11

Die Spanier scheinen ähnlich unter dem Erfolg des letzten EM-Titels zu leiden wie Deutschland 1996. Auch damals hat man es verpasst nach dem Titel die Mannschaft zu verjüngen, stattdessen fuhr man u.a. mit einem alten Matthäus zur WM.
Ähnliches ist Spanien wohl auch wiederfahren. Xavi wirkte insgesamt zu langsam auf mich. Ich hätte ja gern mal Daten zu den Zeiten von Ballannahme bis Ballabgabe aus diesem Turnier und von 2010.

Ansonsten glaube ich auch, dass Spanien 2016 wieder zu den Favoriten zählt. Neue Leute haben sie, sie müssen sie nur einbinden. Sicherlich wird der ein oder andere etablierte Spieler weichen müssen, aber das ist ja ganz normal.
Tiki-Taka ist noch nicht tot. Es braucht nur ein paar Anpassungen und evtl. müssen sie ein paar Alternativen im Spiel einbauen. Irgendwie wird es doch möglich sein einen Stürmer wie Costa (oder Torres) einzubinden.

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HW 19. Juni 2014 um 23:21

Mit Matthäus, der 96 noch verletzt gefehlt hatte. Aber ich glaube Sammer war zwischen 98 und 2000 auf dem Weg zur Sportinvalidität. Da wählte man die „einfache“ Lösung. Insgesamt war Deutschland damals auf dem Weg in die Sackgasse. Die „alten“ Talente fielen weg und das Neue passte nicht wirklich zusammen. Man hatte ja Spieler wie Hamann, Scholl, Bayern war um 2000 in zwei CL Finals usw. Aber da war kein Konzept vorhanden. Ähnlich wie England seit Jahren, wenn die nur mal einen Spielmacher hätten.
Aber darauf kann man nicht warten, das muss man aktiv angreifen.

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fussballdiaspora 20. Juni 2014 um 09:06

„Costa war in beiden Spielen nicht richtig eingebunden, …“

Si… 🙂

Der wirkte wie ein Fremdkörper. Und das komplette Spiel hatte eine Art Unwucht, vor allem gegen Holland. Das wirkte wie eine Abstoßungsreaktion bei einer Organtransplantation, wenn das neue Organ vom Körper bekämpft wird.

Ganz grob gesagt: TikiTaka steht doch stellvertretend für Barca, die beiden Madrid-Vereine sind doch taktisch anders strukturiert.

Mein schlichtes Gemüt meint, dass die Nationalmannschaft mit Spielern aus beiden Welten nicht recht funktioniert – wie in Schalistan (weshalb eine WM ohne BVB-Spieler vielleicht nicht in Schalingrad endet).

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HW 19. Juni 2014 um 21:55

Vorab nur so viel: Nein.

Danke. Ich glaube es lesen immer mehr TV-Kommentatoren und -Experten SV. Da ist es wichtig, dass die nicht die falschen oder voreilige Schlüsse ziehen.

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lala 19. Juni 2014 um 23:18

Da kann man nur rundum zustimmen 😀

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badehaubendealer 20. Juni 2014 um 14:50

Ich *hoffe* es lesen immer mehr TV-Kommentatoren und -Experten SV. Vielleicht wird das TV dann irgendwann mal ernsthaft über Fußball reden, anstatt Müller-Hohenstein beim Äffchen-füttern vor dem deutschen WM-Quartier zu zeigen.

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