Spanien – Niederlande 1:5

5-0-5, wieso nicht? Van Gaals Plan geht auf, Spanien wird abgeschossen.

„Es ist ganz einfach: Es spielen Nummer Eins bis Elf“, hatte Louis van Gaal schon am Tag vor dem Spiel verraten. Wie erwartet ließ der Bondscoach seine Mannschaft im 3-4-1-2 auflaufen. Vor sieben eher defensiv ausgerichteten Spielern sollte das Superstar-Trio Robben, Sneijder und van Persie viele Freiheiten bekommen.

Spaniens Trainer Vicente del Bosque verzichtete auf Breite und bot fünf seiner Spielmacher auf: Neben Busquets, Xabi Alonso und Xavi spielten Iniesta und Silva hinter Stoßstürmer Diego Costa. Schon im Vorfeld der EM 2012 hatten wir das „Spielmacher-Paradoxon“ thematisiert und die Vor- und Nachteile der Kombination Alonso-Xavi-Busquets abgewägt.

Das nominelle 4-2-3-1 der Spanier entpuppte sich schnell als asymmetrisches 4-3-3, in dem Alonso halblinks tiefer spielte als Xavi halbrechts.

Spaniens Abkippen…

Im Aufbau bildete Busquets wie beim FC Barcelona die zentrale Anspielstation, die dank unmenschlicher Pressingresistenz erst gar nicht abkippen muss.

Diese Bewegungen übernahmen Xabi Alonso, der links immer wieder hinter den weit vorrückenden Jordi Alba abkippte, und Xavi, der zwischen rechtem Halbraum und Zehnerraum pendelte.

Dem Abkippen der beiden Achter begegnete die Elftal auf unkonventionelle Art und Weise: De Guzman und de Jong folgten den Xavi und Alonso bis weit in die gegnerische Hälfte.

… und die ungewöhnliche Reaktion darauf

Dort reihte sich Wesley Sneijder zwischen der Doppelspitze ein, sodass ein Dreiersturm entstand. Das Trio blieb jedoch sehr passiv und beschränkte sich darauf, die zentralen Passwege zuzustellen. Dabei agierten die drei Superstars sehr eng beeinander. Wenn de Guzman und de Jong Xavi und Alonso beim Abkippen verfolgten, entstanden teilweise absurd wirkende Fünferketten in vorderster Linie.

Die großen Räume hinter der vordersten Reihe kontrollierte van Gaals Elf über Mannorientierungen und gutes Herausrücken. Hier gefielen vor allem Martins Indi und de Vrij, die gut antizipierten und ihre starke Physis einbrachten.

Das situative 5-0-5-(0) war in der Regel extrem kompakt, sodass die Spanier umdenken mussten.

505

Die Niederländer pressten teilweise in einem unorthodoxen, passiven 5-0-5. Das spanische Abkippen kontrollierte „Oranje“ über Mannorientierungen der Sechser, den eigenen Sechserraum verteidigten sie über den Deckungsschatten des Offensivtrios. Kam doch einmal ein Ball ins Zentrum, rückten die Abwehrspieler flexibel heraus. In der Regel verlegte Spanien sich jedoch auf die Ballzirkulation der tiefen Spieler ohne Raumgewinn. Zugriff erhielten die Niederländer meistens auf den Außenbahnen, wo Alba und Azpilicueta leicht isoliert werden konnten.

Spanien fokussiert Costas Stärken

Spaniens Plan B hieß Diego Costa. Der Sturmtank, dessen WM-Teilnahme bis zuletzt auf der Kippe gestanden hatte, zeigte zwischenzeitlich ein gut abgestimmtes Zusammenspiel mit Iniesta und Silva. Wenn die beiden Kreativkräfte von den Flügeln aus in den Halbraum oder in den Zehnerraum auswichen, wurden sie von Janmaat und Blind mannorieniert verfolgt.

Costa suchte in diesen Szenen die Räume neben den äußeren Innenverteidigern, bevorzugt auf der linken Seite. Dort kam der physisch starke Angreifer mehrere Male in direkte Duelle mit de Vrij und Vlaar kommen. Die beiden Verteidiger lösten diese Szenen in der Regel sehr gut, de Vrij kam am Ende der Partie auf überragende acht erfolgreiche Tacklings.

Trotzdem hatte man bei all diesen Eins-gegen-Eins-Situationen das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Costa einen Durchbruch schaffen könnte. Zu einer guten Chance kam er nicht, einen höchst umstrittenen Elfmeter holte er jedoch heraus – die Führung für Spanien.

Wing-Backs als Ausweichstation

Geht Spanien in Führung, ist das Spiel meistens tot – der Gegner kommt kaum noch an den Ball. Nicht jedoch mit van Gaal: Die Niederlände pressten weiter in ihrer unorthodoxen Art und Weise. Der Grat zwischen totaler Kompaktheit – die Ketten standen teilweise gerade einmal 15 Meter auseinander – und völligem Harakiri war schmal, ein einziger Durchbruch Spaniens hätte die Vorentscheidung bringen können.

Der Drahtseilakt ging jedoch gut, Holland blieb durch die vielen Mannorientierungen unangenehm, Spanien fand keinen Rhythmus. Mit der Zeit besserte sich „Oranje“ auch in Ballbesitz und konnte den Finalgegner von 2010 einige Male ins Laufen bringen.

Die Startformationen

Die Startformationen

Besonders wichtig dabei: die Flügelläufer. Blind und Janmaat zeigten sich in ihren horizontalen und vertikalen Bewegungen sehr balanciert. So dosierten sie ihre Vorstöße gut und wechselten passend zwischen der Rolle als Anspielstation in die Tiefe und Rückpassoption.

Weil Robben und van Persie mit ihren Bewegungen dafür sorgten, dass die gesamte spanische Viererkette gebunden war und die Rollen von Iniesta und Silva so zentral interpretiert wurden, bekamen Janmaat und Blind viele Freiheiten.

Pendelte einer der drei Offensivstars auf den Flügel, rückte der jeweilige Wing-Back ein und stellte zusammen mit den Sechsern ein leichtes Übergewicht her, was bei der risikolosen Ballzirkulation half.

Im offensiven Umschaltspiel setzte die „Elftal“ dann genau das um, was Kollege MR in unserer WM-Vorschau als ein mögliches Mittel gegen Spanien angepriesen hat: Verlagerungen beim Konter.

Gewannen die Niederländer den Ball, lösten sie das spanische Gegenpressing einige Male über die breiten Flügelläufer auf, die dann direkt diagonal gegen die spanische Verschiebebewegung spielten. Auf diese Art und Weise fielen die beiden ersten Treffer der Van-Gaal-Elf.

Del Bosque wechselt – zu spät?

Erst nach einer guten Stunde wechselte Vicente del Bosque. Pedro und Torres ersetzten Diego Costa und Xabi Alonso. Iniesta rückte nun endgültig ins Zentrum, Pedro ging auf den linken Flügel. Der umtriebige Flügelspieler wurde jedoch kaum einmal passend eingebunden, die Niederländer schafften es weiterhin gut, die Spanier auf den Außenbahnen zu isolieren.

Van Gaals Team zog sich etwas weiter zurück und spielte nun aus einer 5-2-3-Ordnung ein passives Mittelfeldpressing. Das Offensivtrio versuchte dabei stets zwischen dem eigenen Tor und dem Barca-Trio im spanischen Mittelfeld zu bleiben, sodass die Verbindungen in der Vertikalen gekapp wurden.

Formationen Ende

Die Formationen zum Ende des Spiels

Um im Zwischenlinienraum Präsenz zu erzeugen, löste sich Iniesta häufiger nach vorne, unterstützt wurde er vom einrückenden Silva. Die Außenverteidiger schoben dementsprechend weiter vor, um die niederländische Formation zu strecken.

Die Spanier verpassten es jedoch einige Male, Azpilicueta oder Alba per Spielverlagerung in aussichtsreiche Situationen zu bringen, Xavi und Co. drehten zu oft ab und suchten den Rückpass.

Rhythmuswechsel zerstört Spanien

Mit dem 3:1 durch de Vrij war Spanien gezwungen, direkter zu werden. Hierbei verloren die Iberer völlig den Rhythmus (der ohnehin nicht gut war) und suchten zu schnell und unvorbereitet die letzten oder vorletzten Pässe.

Die disziplinierten Niederländer versperrten weiterhin das Zentrum. Die schlecht vorbereiteten Angriffe der Spanier fingen sie vor allem über ihre körperliche Überlegenheit ab und konterten gefährlich.

Sneijder fungierte hier als Umschaltstation und bediente Robben und van Persie, die vor allem die Räume hinter Alba und Azpilicueta suchten. Mit ihrer unglaublichen Geschwindigkeit stellten sie Ramos (der eigentlich zu den schnellsten Innenverteidigern gehört) und Piqué vor unlösbare Probleme, individuelle Fehler taten ihr Übriges.

Die durch die Mannorientierungen am Ende völlig entnervten Spanier ließen den Niederländern noch mehrfach riesige Räume und Gelegenheiten, die auch für ein höheres Ergebnis hätten sorgen können.

Und sonst noch?

  • Zehn Schüsse brachten die Niederländer auf das spanische Tor – so viele mussten die Iberer seit der WM-Datenerfassung 1966 noch nie hinnehmen
  • Van Gaal hielt die Spanier aus dem Zehnerraum heraus, im Zentrum mussten kaum Zweikämpfe geführt werden.
  • Spanien gelangen nur drei Pässe in den Strafraum hinein.
  • Zentrumskontrolle? Der Titelfavorit musste häufiger auf die Flügel ausweichen als gewollt: 68% der Angriffe kamen über außen
  • Individuelle Klasse: Robben zeigte sich in seiner Freirolle im Angriff sehr sprint- und risikofreudig. Vier der zwölf niederländischen Dribblings gingen auf den Linksfuß.

Fazit

Ein denkwürdiges Spiel. Dennoch sollte man nun nicht den Fehler machen, das Spiel überzubewerten. Spanien machte unverhältnismäßig viele – und vor allem schwere – Fehler, während bei den Niederländern zwischenzeitlich alles (Abschluss, Befreiungsschläge zum Mann, Ballglück etc.) klappte.

Gegen die pressing- und konterstarken Chilenen steht der amtierende Weltmeister nun jedoch unter großem Druck. Del Bosque wird wohl Alonso aus der Stammelf nehmen, um die (theoretische) Stabilität gegen mehr Durchschlagskraft (Pedro, Fabregas, Villa) auszutauschen.

FAB 18. Juni 2014 um 17:12

Bin mal gespannt auf die Aufstellung von Spanien heute. So wie ich Del Bosque bzw. Spanien einschätze, werden nicht unbedingt die richtigen Schlüsse gezogen. Ich könnte mir vorstellen, dass Diego Costa für Fabregas weichen muss. Also wieder mit falscher Neun gespielt wird. Irgendwie habe ich das Gefühl, das geht für Spanien wieder in die Hose …

Meine Aufstellung für heute wäre: Casillas,Azpicilueta,Pique,Ramos,Alba-Busquets,Martinez,Iniesta-Silva,Diego Costa,Koke
Sozusagen als Simulation der deutschen Portugal Aufstellung, Martinez als Khedira und Iniesta als Kroos …

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Koom 18. Juni 2014 um 18:47

Ich erwarte Spanien bis auf de von dir erwarteten Wechsel (Costa Fabregas) unverändert. Man wird die Vertikalität wieder runterfahren, Ruhe predigen und den Spanien-eigenen Stiefel runterspielen.

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Guergen 18. Juni 2014 um 18:57

Angeblich soll ja Martinez für Pique in die IV rücken. Kann ich mir auch sehr gut vorstellen, denn dass man da nach dem Spiel gegen die Neiderlande was ändert ist nicht unwahrscheinlich und Martinez hat das doch in der Vorbereitung mehr als gut gemacht.

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RM 18. Juni 2014 um 20:22

Auf Abseits.at mache ich übrigens eine Liveanalyse, wo ich schon einige Einschätzungen vor dem Spiel verfasst habe:
http://www.abseits.at/wm-2014/wm-2014-taktikanalyse/live-taktikticker-spanien-chile-ab-2030-uhr/

(dafür wird bis 21 Uhr, also bis Spielbeginn, kaum noch etwas kommen)

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Soeren 18. Juni 2014 um 12:20

Martins Indi war der Wahnsinn. Ich konnte meinen Augen kaum glauben als ich sah, dass er als linker Innenverteidiger regelmäßig David Silva in Manndeckung nahm und ihm quer über das ganze SPielfeld folgte. Situativ hat er im Pressing sogar die Innenverteidiger der Spanier angelaufen… ich hatte das Gefühl er würde immer 10 Minuten Innenverteidiger spielen und zwischendurch einfach mal die 6 übernehmen… im Defensivverhalten wohlgemerkt. Ich glaube von dem Kerl werden wir noch viel hören und viele von van Gaals (Defensiv-)Ideen basierten darauf dass er so seltsame Dinge tut.

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AP 17. Juni 2014 um 12:40

Jetzt müsste man nur noch Pinto fragen, woher er das hat… Oder spielt Costa Rica immer so, weil praktisch jeder ihrer Gegner zur Ballbesitztmaschine wird. Irgendwie muss sich doch der Ursprung ermitteln lassen 🙂

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AP 17. Juni 2014 um 00:21

1. Frage. Warum braucht es Monate bis der gute Louis das 5-2-2-1 gg diese Ballbesitzmaschinen auspackt? Hat der gute Thomas jetzt erst Zeit gefunden und durchgeklingelt?
2. Frage. Wenn der gute Thomas den Bayern und dem guten Pep so weggetan hat mit dem System, wieso findet es keine Nachahmer?
3. Frage. Vielleicht weil ein ordentlicher Artikel dazu fehlt?
4. Frage. Wann kommt der Artikel.

„3-4-2-1 zu 5-2-2-1 zu 4-3-1-2 oder auch, wie der gute Thomas die WM im Urlaub beeinflusst“

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Koom 17. Juni 2014 um 10:14

Van Gaal hat ja nicht dauernd gegen Spanien gespielt. Gut möglich, dass er im nächsten Spiel mit „herkömmlicher“ Viererkette spielen lässt. Für Spanien war es einfach die richtige Taktik.

Aber schon erzcool, wie Van Gaal sein Auge für die richtigen Talente knallhart durchzieht. Da stellt er plötzlich eine Elftal auf, von denen man die Hälfte kaum kennt und die ledert mal eben den Welt- und Europameister, aus dem Land des CL- und EL-Siegers, ab. Wenn er so frei auch bei ManU sein Ding durchziehen kann, werden die langfristig sehr davon profitieren. Die Bayern taten das auch sehr lange (die N11 sowieso – Müller).

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AP 17. Juni 2014 um 11:05

Ja klar. Aber als „Gegenrezept“ war das ja keine Neuheit, sofern man als Berichterstatter die Buli bzw. Tuchels Jungs verfolgt.

Wäre ja auch gegen die N11 keine schlechte Aufstellung, da man dann ähnlich die unbesetzten Räume bespielen kann.

Ich hätte gestern gern Portugal im 5-2-1-2 gesehen

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Koom 17. Juni 2014 um 11:18

Ja, neu ist das nicht. Tuchel seinerseits hat das ja von Costa Rica (!) abgeschaut (als er Diaz mal beobachtete). Aber um das gegen tiki-taka-artige Teams erfolgreich einzusetzen, brauchst du dann auch die richtigen Leute. Idealerweise natürlich so urschnelle Typen wie Robben oder Goalgetter wie van Persie.

Gegen Deutschland hätte das IMO nicht so viel gebracht wie gegen Spanien, weil die „Zweiteilung“ der N11 diese Konter besser im Griff gehabt hätte. Robben wäre dann einfach gegen die 4-IV-Mauer + Lahm geprallt, die vor allem schon hinten gewesen wäre und nicht wie Pique und Ramos deutlich weiter vorne (und damit angreifbarer).

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AP 17. Juni 2014 um 12:33

Ist das dein Ernst (Costa Rica)? Die haben das im 5-4-1 net schlecht gemacht, auch wenn die Urus schlecht waren.

Zu Holland.
Mit dem Ball, würden ja (rein theoretisch) unsere offensiven 3 nicht so den Raum finden und die N11 mehr über die AV spielen müssen, da die Mitte zu ist und die AVdafür aufrücken und automatisch Platz in den Schnittstellen für Hollands Flitzer anbieten.
Im Ballbesitz würde Holland im 3-4-3 spielen und da wäre ich gespannt, wie die N11 die Balance hinbekommt. Krass gesagt ist ein CR bzw. Nani für Boateng/Höwedes leichter zu verteidigen als ein Blind oder sonst so ein AV.
Ausgehend natürlich vom 4-3-3 der deutschen N11.

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Koom 17. Juni 2014 um 12:38

Hat Tuchel damals selbst gesagt, als er die Fünferkette dieser Art gegen die Bayern brachte. Ich weiß nicht, ob die das exakt so gespielt haben, aber seine Inspiration hatte er zumindest daher.


Martin01 16. Juni 2014 um 15:51

Erstaunlich fand ich wie einfach es den Holländern gelang das Zentrum zu machen. Genau der Raum in dem die Spanier normalerweise ihr Kurzpasspiel aufziehen und Überzahlsituationen schaffen. Die Offensive-Dreierreihe Robben-van Persie-Sneijder besetzte genau diesen Raum und Xavi als auch Busquets ließen sich immer wieder nach hinten fallen. Dabei gingen die Holländer nicht mal agressiv zu Werke sondern eher abwartend. Phasenweise standen im Spielaufbau Ramos, Pique, Busquets,Xavi und die AV’s hinter der Ersten Angriffsreihe der Niederländer. Selbst wenn die AV’s weiter aufrückten, hatten sie bei Ballbesitz nur eine Option für Pässe nach vorne ooder zur Seite.

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Koom 16. Juni 2014 um 16:17

Was wohl sehr half, war das stetige (abgesicherte) Herausrücken aus der Fünferkette, wie es Tuchels Mainzer gegen die Bayern bspw. in der Bundesliga getan haben (und dort gut klappte, bis sich am Ende doch vor allem individuelle Klasse durchsetzte). Steht ja auch im Artikel gleich recht früh, dass das eine typische, aber ungewöhnliche Reaktion war.

Das, vermutlich gepaart mit dem vertikaleren Ansatz der Spanier, führte dann wohl zu diesem Ergebnis.

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ST 16. Juni 2014 um 07:50

Das gemein ist, dass die Spanier jetzt gegen Chile gewinnen MÜSSEN, sonst sind sie raus! Chile hat schon 3 Punkte, noch ein weiterer gegen Spanien plus das jetzt schlechte Torverhältnis der Spanier dürfte sonst nicht reichen. Rechnet das mal am Tabellenrechner durch…

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boecko 15. Juni 2014 um 10:27

Macht nicht del Bosque den gleichen Fehler wie Guardiola im CL-Halbfinale gg Madrid, in dem er Martínez nicht aufstellt?
Martínez ist ein Abräumer/antzipator vor dem Herrn und diese Eigenschaften sind ganz nützlich gg konterstarke Mannschaften. Das Spiel der Spanier mag ja dann nicht so variabel sein, aber man wäre in der Verteilung stabiler (vgl Bayern – DFB Pokal finale)

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boecko 15. Juni 2014 um 10:29

Verteilung sollte Verteidigung heissen

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Tesco 15. Juni 2014 um 20:06

Wenn er weder von Del Bosque noch von Guardiola aufgestellt wurde heißt das schlicht er wird hier im Forum überschätzt

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Tesco 15. Juni 2014 um 20:26

Wenn beide Trainer ihn nicht aufstellen ist er vermutlich einfach zu schwach und wird hier überschätzt.

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MR 15. Juni 2014 um 22:53

Heynckes hat ihn aufgestellt, was nun?

Aber wieso zum Teufel soll ein Abräumer ausgerechnet gegen konterstarke Mannschaften hilfreich sein und was hat diese Niederlage hier mit Kontern zu tun? Aus einem Konter resultierte nur das fünfte Tor und so ein bisschen das zweite, aber bei den ersten beiden wurde das Zentrum sowieso überflankt.

Ist ja nicht so, als wären Xabi und Busquets im Spiel gegen den Ball jetzt total Scheiße…

Bitte das Niveau der Argumente an dieser Stelle hochschrauben. Danke.

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mh 15. Juni 2014 um 23:37

Mit den Kontern? Nix… Wenn überhaupt, dann zum Schaffen von Überzahl gegen zwei Angreifer mithilfe einer Dreierkette in der Abwehr. Die 1:1-Situationen gegen Robben und van Persie sind schon brandgefährlich. Aber es konnte natürlich niemand ahnen, dass Ramos und Pique so einen gebrauchten Tag haben

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blub 16. Juni 2014 um 00:57

Es sind ja nicht nur die zwei, sondern auch die offensivabteilung die, aus diversen gründen, garnix auf die reihe gekriegt hat.

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mh 16. Juni 2014 um 01:43

Richtig. Aber hier geht es ja um möglichen Einsatz von Martinez (alternativ natürlich auf der 6 denkbar)

blub 16. Juni 2014 um 09:06

Martinez sall hier aber mit der besseren absicherung von kontern begründet werden.
Das könnte man halt auch mit besseren angriffen oder besserem Gegenpressing (oder x anderen Dingen) erreichen. Es ist halt quatsch Tore aus Kontern immer den Verteidigern anzulasten. Wenn jemand überhaupt so in ein 1gg1 gehen muss haben vorher schon minimum 3 Leute nen Fehler gemacht.


mh 14. Juni 2014 um 23:19

Zentrumskontrolle und Pressing auf „richtiger Höhe“ (hier im MF) wurden ja schon wiederholt als Erfolgsfaktoren der Niederländer in diesem Spiel genannt. Beim 3-4-1-2 wurde bisher meist die Dreierabwehrkette hervorgehoben, die in der Tat gut passte. Aus meiner Sicht aber fast noch wichtiger war das Spielen mit zwei echten Stürmern. Sicher spielt die individuelle Weltklasse von Robben und van Persie eine Rolle, aber auch strategisch (i.S.v. selbst agieren) und taktisch (keine Überzahl der spanischen IV) war das sehr hilfreich. Mal sehen, ob Chile das wiederholt…

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Christian 14. Juni 2014 um 21:14

Meiner Meinung nach wurde das spanische Spiel durch die Ausrichtung auf Diego Costa zerstört. Er wurde gesucht, es gab gezielte Steilpässe und Flanken.
Das ist aber nicht das spanische Spiel. So kann ein Team spielen bei dem der Stürmer die Stärke ist. Spanien braucht keinen solchen Stoßstürmer. Ich habe Diego Costa in meinem Managerspiel-Team und war enttäuscht, er muss raus.

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Izi 14. Juni 2014 um 17:25

Ich wurde gestern bei dem Spiel das Gefühl nicht los, van Gaal hätte in eurem WM-Heft gestöbert… Die Holländer haben praktisch alle Optionen, erfolgreich gegen Spanien zu sein, die MR unter „Wie kann man Spanien knacken“ aufgeführt hat, umgesetzt! 🙂

Dennoch gab es gerade in der ersten Halbzeit einige Situationen, in denen Spanien fast gefährlich geworden wäre… Ich bin gespannt, wie es für beide Teams weitergeht!

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MR 14. Juni 2014 um 17:36

Louis ist halt ein kompetenter Dude.

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Guergen 14. Juni 2014 um 16:17

Wer war eigentlich bei den letzten Turnieren nach dem ersten Spiel – oder den ersten Spielen – bereits „sicherer“ Welt/Europameister. Ich kann mich da gleich mehrmals an Argentinien erinnern… bei der Euro 2008 war es ja auch Holland. War damals auch ganz ähnlich, da hat man erstmal den amtierenden Weltmeister und dann auch noch den Vizeweltmeister zerstört.

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ode. 14. Juni 2014 um 16:12

Ach so: Wieso stehen eigentlich Isco und Carvajal nicht bei Spanien im Kader? Isco ist doch eigentlich auch ein Kandidat, der statt Alonso oder Xavi mal den Umbruch einläuten könnte. Wie Thiago auch (aus bekannten Gründen nicht dabei…)

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Isco 15. Juni 2014 um 12:56

Thiago ist verletzt soweit ich weiß..
Carvajal wäre auch meine favorisierte Option auf rechts gewesen, zumindest statt Juanfran. Isco ist natürlich auch sehr gut, aber bspw. mit Iniesta kann man das selbe umsetzen wie mit Isco.
Ich würde eigentlich gerne Busquets, Iniesta und Koke im MF sehen 😉

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ode. 14. Juni 2014 um 16:07

Es war schön zu sehen, wie sehr man sich gegen Spanien darauf verlassen kann, dass schnelle Spielverlagerungen nicht stattfinden. Ich denke, das haben sie Holländer wohl auch ein wenig getan. Manchmal sah man richtig die freie Seite und dachte: „Wenn er jetzt rüber passen würde…“ Aber so konnten die Holländer die Spanier immer wieder ins klein-klein zwingen. Komischerweise hat das gut geklappt. Eigentlich ja die Paradedisziplin der Iberer…

Bin sehr gespannt, ob Chile das gegen Holland besser macht. Die haben deutlich bessere Ansätze gezeigt, aber zwischendurch auch merkwürdige Schwächen. Bin gespannt, auf die beiden kommenden Partien der Chilenen.

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Maratonna 14. Juni 2014 um 16:00

Die Holländer waren medial hinter Chile und Spanien doch schon abgeschrieben, wie schnell der Wind wieder dreht. Sie nutzten einfach in der 2. Halbzeit das Momentum. Klar war das auch Van Gaals Strategie, die mich in Anbetracht des vorhandenen Spielermaterials auch überzeugt. 5 Mann breit hinten drin, 3 davor und das typische Van Gaal Ballbesitzspiel, wie an der Schnur hinten rum aufgezogen. Sichere Zirkulation, um dann explosionsartig auf die 3 Vorderen zu spielen. Sie hatten wirklich relativ viel Possession mit 43%:57%, alleine das ist schon ein probates Mittel um nicht nur hinterherzurennen. Doch hätte Spanien das Spiel schon in der 1.Hz. entscheiden können. Trotzdem haben sie mich nicht überzeugt. Ich denke ein 3er Mittelfeld mit Busquets, Alonso und Xavi
ist dann doch ein bisschen überholt. Del Bosque sollte über die ein oder andere personelle Alternative nachdenken, er muss und wird sicher behutsam vorgehen. Koke, Fabregas oder Martinez!!!!!! Oder selbst hinten mit 3 Mann spielen.

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Christian 14. Juni 2014 um 21:12

Sie hatten wirklich relativ viel Possession.
Deutsch?

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Studinho 14. Juni 2014 um 15:28

Der Trend geht zurück zur 3er-Kette mit hochstehenden Außenverteidigern. So hat van Gaal es spielen lassen gestern Abend, Guardiola im DFB-Pokalfinale und in Italien ist es zumindest in der Liga bereits Gang und Gebe. Und es macht auch Sinn! Da die meisten Teams nur noch mit einer wirklichen Spitze spielen, kann man das so machen. Das Prinzip wird sich in der kommenden Zeit auf gesamter Eben bewähren.

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ode. 14. Juni 2014 um 16:28

Ich denke nicht, dass der eine Stürmer, den viele aufbieten, der Grund für die 3er-Kette ist. Im Gegenteil. Gegen einen Stürmer kann man besser mit einer 4er-Kette spielen. Dann hat man im Zentrum noch eine Überzahl von 2 IVs gegen 1 MS. Eine 3-er-Kette gegen nur einen Stürmer ist im Grunde ein Spieler verschenkt. Denn eine 3:1-Situation ist normalerweise unnötig. Man beraubt sich nur der Anspielstationen weiter vorne.

Gegen Spanien ist die 3-er-Kette deshalb sinnvoll, weil sie das Zentrum besser zu macht. Dabei werden Lücken eher auf den Außenpositionen gelassen (bis die AVs später wegen langer Wege spät eintrudeln und zur 5er-Kette komplettieren). Diese Lücken auf Außen spielt Spanien aber gar nicht an, wenn sie mit Iniesta und Silva spielen, denn die beiden rücken normalerweise ein. Sind die Spanischen AVs so weit vorgerückt, dass sie die Räume besetzen, sind normalerweise auch die eigenen AVs der 5er-Kette wieder da.

Mit Silva und Iniesta haben wir nämlich einen Stürmer und zwei abwechselnd mittig reinrauschende Spieler – also bei einer 3er-Kette ein 3:2. Bei einer 4er-Kette wäre es dann ein 2:2, und das will man hinten nicht…

Auch die Chilenen haben gestern eine 3er-Kette gespielt, aber nur in Ballbesitz. So was kennt man ja auch schon aus der Bundesliga von Finks Hamburgern oder bsw. auch aus Leverkusen und Dortmund, wo ein DM in die Kette zurück fällt, damit die nominellen AVs weit rausschieben können.

Ich denke weniger, dass die 3er-Kette eine Wiederbelebung erfährt. Viel mehr glaube ich, dass eine situativ angepasste Formation auch in der Abwehr zukünftig wichtig sein wird. Also fliegender Wechsel zwischen 4er-, 3er-Kette und sogar zwei IVs bei Ballbesitz und einem absichernden tiefen DM…

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Levin 14. Juni 2014 um 15:25

Lesenswerte Spielanalyse – vielen Dank, das hat für mich etwas Licht ins Dunkel gebracht!
Nach diesem Spiel wird Spanien nun allerorts totgeschrieben, die Niederlande zum Geheimfavoritien hochsteri…äh.. hochstilisiert. Zum Glück findet man solch überzogene Schwarz-Weiß-Betrachtungen bei euch nicht.

Bevor ab Dienstag wieder die Löw-Kritik (mit allen berechtigten aber vor allem auch unberechtigten Argumenten) losgeht, möchte ich an dieser Stelle mal einige bekannte Argumentationstopoi auf Del Bosque anwenden, die wir vor allem aus der Löw-Hater-Ecke kennen. Man sieht, dass diese Argumente vor allem in der Rückschau auf ein einzelnes Spiel greifen, bei einer Gesamtbeurteilung über die Jahre hinweg aber kaum sachgerecht erscheinen.

– „Führungsspieler“diskussion: Wo waren denn nach dem Rückstand die Spieler von Spanien, die sich aufgebäumt und Zähne gezeigt haben? Denen fehlen klar die echten Typen, die sich mit Willenskraft gegen eine Niederlage stemmen und Tore erzwingen können!

– „Leistungsprinzip“ Wieso spielt Casillas? Nach dem Leistungsprinzip müsste De Gea auflaufen!

– „Schönspieler“ Mal wieder typisch: Qualifikation locker überstehen und sobald es um etwas geht, machen sich die Jungs in die Hose. Keine Schüsse aus der zweiten Reihe, Hin- und Hergeschiebe immerfort

– „Copy/Paste-Argument“ Der Del Bosque übernimmt nur Ideen der Vereinstrainer. Jahrelang spielt er ohne echte Neun. Aber jetzt plötzlich steht Costa vorne drin. Darauf wäre der Nationaltrainer nie von alleine gekommen.

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FL aka LeFlo777 15. Juni 2014 um 02:57

und nicht zu vergessen: bei den Spaniern hat KEINER mitgesunden bei der Nationalhymne 😀

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flamencodiabolico 15. Juni 2014 um 16:28

Die spanische Nationalhymne hat keinen Text. Achte mal drauf, die Zuschauer singen alle „Loolooloooo – lolololololoooo“. Und ja, es gab mal ein paar Versuche für einen Text, aber der einer geht nicht wegen Franco und der andere konnte sich irgendwie nicht durchsetzen.

Abgesehen davon war dieses Spiel für mich das Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn man zu lange an seinen Stammkräften festhält und nicht rechtzeitig den Generationen-Wechsel einläutet. Van Gaal hat genau letzteres getan und wurde zu Recht belohnt. In der 2. Halbzeit kamen die Spanier immer einen Schritt zu spät.

Casillas ist weltklasse auf der Linie, aber wenn er aus dem Tor rauskommt ziegt er oft unfassbare Schwächen. Ganz schlimm wird es, wenn er plötzlich Fußball spielen, soll. Ich hab noch geschrien „Nein, nicht Casillas den Ball zu passen, das geht immer schief….!“ Naja, genau diese beiden Schwächen führten zu Toren in diesem Spiel. Aber es war ja nicht nur er, da gabs überall individuelle Fehler.

Bei der letzten EM war Spanien im letzten Gruppenspiel eigentlich schon rausgeflogen, aber dann fiel in irgend einem anderen Spiel noch ein Tor. Das haben viele vergessen, aber zumindest bei der Spanischen NM hätte man die Warnzeichen sehen müssen. Auch die nächsten Spiele hatte Spanien mehr Glück als Verstand. Im Finale gegen Italien war Spanien allerdings wieder super.

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blub 15. Juni 2014 um 16:59

Oh Mann. musst du eigentlich jeden Gag kaputt machen?

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Isco 15. Juni 2014 um 18:11

Ich lese das so oft, aber ich verstehe es nicht ganz: Was kann der nicht durchgeführte Generationenwechsel dafür, dass sich Spanien 4 Gegentore durch schwere individuelle Fehler einfängt? Von 3 Spielern, die davon gar nicht betroffen wären?

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sappydharma 14. Juni 2014 um 14:40

costa wird gegen chile wohl kaum beginnen. die echten neuner haben bis jetzt weniger gestochen-jelavic, fred, etoo, costa-nur van persie und cahill mit torerfolg, finde jogis plan dennoch als zu gewagt, ohne klose-backup

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holobolo 14. Juni 2014 um 14:14

Fazit:

Spanien 1.Hz gut, wenn Silva trifft ist der Deckel drauf. Stattdessen hebt Azpilicueta mega dämlich beim 1:1 unten das Abseits auf und Van Persie gelingt ein Traumtor.

2:1 Ramos fälscht unglücklich ab

3:1 irreguläres Tor

danach wars halt das übliche Konterspiel…

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hannes 14. Juni 2014 um 16:19

Das klingt ja ein wenig so, als wäre alles nur Glück gewesen.

Es war übrigens Pique, der das Abseits aufhob beim 1:1. Seit Puyol weg ist, hat er das Verteidigen ja ein wenig verlernt.

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Isco 15. Juni 2014 um 13:05

Pique hebt beim 1:1 das Abseits auf, weil er einen Vorsprung auf Robben haben will, dafür ist er beim 2:1 dann zu weit weg von ihm.
Das 3:1 war mMn auch ein Foul, das 4:1 gehört voll und ganz Casillas und beim 5:1 verliert Ramos das Laufduell (habe ich glaub ich noch nie gesehen und ich schaue jetzt schon über Jahre praktisch jedes Spiel von ihm).

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Fabian 16. Juni 2014 um 10:10

Laut holländischer Presse war der Sprint von Robben der schnellste jemals bei einer WM gemessene mit irgendwas über 37 km/h in der Spitze. Ich weiß nicht welchen Kräutertee der Arien in der Pause trinkt, aber ich will den auch… 😉

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LM 18. Juni 2014 um 12:10

Na hoffentlich bringt die elfenbeinküste dann morgen mal Mathis Bolly, der toppt das auf einem Bein (wenn er sich nicht vorher was reißt) 😉

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juwie 14. Juni 2014 um 13:53

Jetzt ja doch…

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änämänä 14. Juni 2014 um 13:53

Täusche ich mich? Ich hatte den Eindruck, das Holland oft halbhohe bzw. hohe Pässe gespielt hat. Vielleicht um körperliche Größenvorteile auszuspielen und die kontrollierte spanischen Flachpasserei zu stören? just IMHO.

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Tank 14. Juni 2014 um 13:47

Ich muss sagen, dass ich die Einbindung von Diego Costa als eher schwach empfunden habe. Sein Sortiment an Bewegungen – sei es nun das Ausweichen auf die Flügel, der Tiefensprint, das kurze Rausrücken zur Ablage – kann zwar zur spanischen Mannschaft passen und sie ergänzen, aber ich hatte den Eindruck, es kam gestern sehr oft die falsche Bewegung zur falschen Zeit. Da Torres später auch nicht wirklich überzeugen konnte, würde ich es zumindest für eine vielversprechende Alternative halten, Pedro gegen Chile als 9er zu spielen. Er bringt die Dynamik, die Geschwindigkeit, das Arbeitspensum und auch den Abschluss mit, um das zu spielen.

Ansonsten fand ich das Pressing und die Grundintensität im spanischen Spiel enttäuschend. Beides war auch in der ansonsten gar nicht so schlechten ersten Hälfte zu sehen. Vielleicht eine (Über-)Anpassung ans Wetter? Schwer zu sagen. Dass sie anders können, sah man in der Schlussphase. Da war es dann aber zu spät und zu unkontrolliert, um noch was zu verändern.

Apropos erste Hälfte: Da sah ich die Spanier mit Ball eigentlich recht stark. Xavi hat eine sehr gute erste Hälfte gespielt und Iniesta war teilweise im walking-on-water-Modus. Es war also keinesfalls alles schlecht bei den alten Recken.

Was schlecht war, war die Abstimmung in der Viererkette. Immer schwer zu sagen, wer genau da gepennt hat, wenn die eine Hälfte der Kette den Gegner abseits stellt und die andere nicht, aber im Gesamteindruck ist es wohl fair der gesamten Kette ein schlechtes Spiel zu attestieren.

Iker Casillas kann ein großartiger Torhüter sein. Wenn er in einer Mannschaft spielt, die seine Stärken zur Geltung bringt. Spanien ist keine solche Mannschaft. San Iker ist nun leider mal gar kein mitspielender Torhüter und genau so einen bräuchte das Team eigentlich. Die Lösung heißt de Gea und sitzt auf der Bank. Ich denke nicht, dass Del Bosque Casillas auf die Bank setzen wird und das kann man auch aus sportlicher Sicht verstehen. Die Auswirkungen auf das Mannschaftsgefüge könnten fatal sein. Iker ist eine der Personen, die das Team zusammenhält. Falls er es von sich aus anbietet… Naja, alles Spekulation. Was keine Spekulation ist, ist dass Spanien taktisch gesehen dringend einen mitspielenden Torhüter braucht.

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mk 14. Juni 2014 um 14:42

Ich fand, dass Costa und die Zauberer ein paar Minuten gebraucht haben, um zueinander zu finden, aber dann wurde es eigentlich immer besser. Vor allem bei seinem Zurückfallen in den Halbraum (meist ja Spaniens linker) hatte ich oft das Gefühl, dass das gut passen könnte. Entweder hält er den Ball und übergibt ihn (an Silva oder Iniesta), oder er macht irgendwas Costa-haftes, fläzt drei Gegenspieler um und es fällt ein Tor. Es ist natürlich erstmal ungewohnt, Spanien mit so einer Sturm-Ramme zu sehen, aber ich sehe das als weniger misslungen an als du. Ich fand in der ersten Halbzeit viel eher, dass Spanien diese Vorzüge schlecht genutzt hat: Durch diese Costa-Bewegung kam es mir so vor, dass die Dreier-/Fünferkette der Holländer ziemlich asymmetrisch wurde. Hätte man dann nach einer Ablage von Costa schnell und kurz verlagert, hätten die etwas größeren Räume auf der anderen Spielfeldseite besser bespielt werden können. Von da aus hätte sich dann schon was ergeben (entweder wieder zurück, um die Mannorientierungen Stück für Stück aufzuweichen, oder in den Strafraum zum Nachstoßenden Costa). Aber ich bin bei solchen Überlegungen vielleicht zu utopisch-kreativ, in Kombination mit strategischen Vorstellungsschwächen macht es die Idee wohl zu einer schlechten. Vor allem bin ich mir nicht sicher, was das für Auswirkungen auf die Mannorientierungen gehabt hätte. Bei sowas bin ich mir immer unsicher.
Aber ansonsten teile ich deine Einschätzung weitestgehend. Alleine der eine Pass von Iniesta in die Spitze (ich glaube auf Silva?) um die 40. Minute rum war so magic, dass ich nicht einsehe, warum man nach diesem einen Spiel schon über die Götterdämmerung spekulieren müsste. Jedenfalls nicht mehr, als man das latent ja schon länger (teilweise nicht unberechtigt) tut.
Als in einem der zahlreichen, extrem nervenden Kameraschwenks auf die spanische Bank de Gea zu sehen war, dachte ich mir auch, dass man mit ihm einiges anfangen könnte. Aber ich glaube weder, dass del Bosque Casillas rausnimmt, noch dass man die Diskussion um seine Qualität insgesamt jetzt anfangen muss (analog zum Untergang der spanischen Vorherrschaft quasi).
Achja, Blind hat seinem Ruf als SV-Hipstar gestern ja alle Ehre gemacht…

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fussballdiaspora 14. Juni 2014 um 23:25

Costa habe ich auch wie einen Fremdkörper wahrgenommen, die langen Pässe auf ihn (später auf Torres) wie Gesten der Hilflosigkeit, fehlende spielerische Inspiration.

Pressing habe ich bis auf einige Ansätze überhaupt nicht wahregenommen.

Vielleicht war das auch „nur“ ein spanisches Ausnahme-Spiel, bei dem allzu viele negative Dinge (wie z.B. die Abwehrleistung der 4er-Kette, insbesondere Ramos´) zusammengekommen sind – und auch noch ein Glanztag einiger Holländer, allen voran Blind.

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plauquets 14. Juni 2014 um 13:43

Vielen Dank für die Analyse. Mir kommt die Unterscheidung von erster und zweiter Halbzeit etwas zu kurz. In der ersten Halbzeit waren die Niederlande zwischen der 7. und 43. Minute ohne Abschluss und kurz vor dem 0 zu 2 durch Silva. Dies zeigt letztlich das ihr Plan gut, aber eben sehr riskant war. Die zweite Hbz. geht ohne Frage klar an die Niederlande. Ob die Wechsel bei Spanien zu spät kamen weiß ich nicht. Im Nachhinein eventuell eher zu früh-denn ab da begann das Chaos bei Spanien. Ich bin gespannt ob und wie del Bosque personell reagieren wird. Ich würde gern Koke sehen..

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sebmark 14. Juni 2014 um 13:26

„Xavi und Co. drehten zu oft ab und suchten den Rückpass.“

Fällt mir iwie schon seit 2 Jahren auf (eig. seit dem Bayern-Halbfinale), Xavi das Metronom und Herz schlägt nicht mehr so schnell und nimmt damit auch seiner Mannschaft das Tempo. War immer einer meiner Lieblingsspieler der nie genügend gewürdigt wurde, aber nach der WM sollte es Zeit sein einen neuen Taktgeber vorzulassen. Wahrscheinlich hätte Thiago das diese WM schon werden sollen.

Mein Favorit für die neue Startformation wäre ja Pedro auf Linksaußen. Der könnte bei den langen Bällen auf Costa die ideale Unterstützung sein.

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sappydharma 14. Juni 2014 um 14:36

thiago-eine der großen Abgängigen, der aber nirgends häufig erwähnt wird

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Terminus 14. Juni 2014 um 13:21

Ich habe ungelogen nichts davon verstanden, was die Niederländer mannschaftstaktisch auf dem Platz veranstaltet haben. So verwirrt habe ich nicht mehr vor dem Fernseher gesessen, seit ich spielverlagerung.de verfolge. Danke für die Analyse, die da zumindest etwas Licht ins Dunkel bringt. Während dem Spiel habe ich nur zwei Mannschaften gesehen, die sich im Mittelfeld in die Mangel nehmen – und dann immer diese Explosionen, scheinbar aus dem Nichts, in Form von Verlagerungen, Steilpässen, Flanken auf Robben und Van Persie. Die Direktabnahme mit gefühlt 300 km/h an die Latte, wie Robben sich gleich zweimal gegen zwei Verteidiger durchsetzt, und natürlich der Flugkopfball – Wahnsinn!

Das Spiel muss ich erst noch verdauen sensationell gut. Auch wenn es vielleicht ein Ausreißer und noch nichts entschieden ist, wir haben vermutlich einen zukünftigen Klassiker gesehen.

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Chris 14. Juni 2014 um 13:11

De Jong mit nur EINEM Foul!

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sappydharma 14. Juni 2014 um 13:01

müssen busquets und alonso sein? alonso alleine reicht, da eher noch busquets und was riskieren, denk auch, dass spanien noch nicht abzuschreiben ist…

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