Periodisierungstechniken: Die klassische Periodisierung

In diesem Artikel wird die klassische Periodisierung oder auch gemixte Periodisierung eines Trainings beschrieben.

Bei der Trainingsperiodisierung wird das Training in unterschiedliche Zyklen oder Bereiche geteilt, welche nacheinander abgearbeitet werden. Eine Periodisierungsart stellt dabei die klassische Periodisierung dar, welche in vielen Sportarten nach wie vor führend ist.

Die klassische Periodisierung gibt es bereits seit den 40er-Jahren, wobei sich das gängige Konzept in den 60er-Jahren in der Leichtathletik entwickelte. Verantwortlich dafür waren, wie sollte es anders sein, die Sowjets. Tudor Bompa gilt als der geistige Vater dieser Trainingsmethode, die bis heute noch genutzt wird. Neben systematischer Talentauslese, Doping und Disziplin gilt auch diese Trainingsmethodik als Mitgrund für die Dominanz der Sowjets.

Doch auch im Fußball wurde periodisiert; Valeriy Lobanovskiy erarbeitete fußballspezifische Periodisierungen für sein Trainingskonzept, um für europäische Aufgaben immer frisch und fit zu sein. Seine Erfolge und seine Ansätze gelten bis heute als Meilenstein des modernen Fußballs. Auch Rinus Michels oder Arsene Wenger sind Verfechter einer Periodisierung im Fußball.

Wie geht man im Allgemeinen vor?

Die Umsetzung ist, wenn man nicht besonders in Detail geht, sehr einfach. Unabhängig vom Fußball,  wird zuerst ein meist jährlicher Plan entworfen; bei Olympia-Teilnehmern existiert sogar ein vierjähriger Plan, ein sogenanntes Quadriennal. In diesem Trainingsplaner werden dann die wichtigsten Ziele, Turniere und Ruhephasen organisiert.

Diese Einteilung erzeugt letztlich drei, manchmal auch vier Zyklen.

Die erste ist die sogenannte Vorbereitungsperiode. In dieser Phase geht es um den grundlegenden physiologischen und mentalen Wiederaufbau. Der Körper soll wieder in Richtung Höchstleistungen geführt werden, im Grunde könnte man es als Vorbereiten des Körpers auf das spätere intensive Training bezeichnen. Diese Periode dauert meistens ein bis zwei Monate; je nachdem, wie intensiv danach belastet wird und wie stark der Körper in der vorhergehenden Pause verfiel.

Meistens wird dies mit einem großen Trainingsvolumen und wenig Intensität gemacht. Die Trainingstechnik wird wieder eintrainiert, der Körper aktiviert und der Sportler mental auf die kommende Trainingszeit vorbereitet.

Der darauffolgende Zyklus ist die erste Übergangsperiode. Hier wird der Sportler in Richtung Höchstleistungen angetrieben. Das Training wird intensiviert und die Anforderungen erhöht. Einige sehen diese Periode bereits als Bestandteil der Wettkampfperiode, wobei ich diese eher auseinanderhalten würde.

Als Wettkampfperiode würde ich jene unmittelbare Zeit vor dem Wettkampf bezeichnet, wo noch einmal verstärkt auf grundlegende Aspekte eingegangen wird, der Körper die potenziell erreichbare Leistungsspitze erreicht und der Sportler auch mental und taktisch auf die anstehende Herausforderung eingestimmt wird. Die Wettkampfperiode ist also eine Spezifizierung auf die unmittelbaren Umstände des Wettkamps, welche nicht unbedingt weit im Voraus geplant werden kann (Leistungseinbußen in bestimmten Bereichen durch bspw. Verletzung), Adaption an einen bestimmten Gegner oder sonstige Umstände, wie Höhenbedingungen oder das Wetter).

Der letzte Zyklus ist dann die zweite Übergangsperiode. Diese findet nach dem Wettkampf statt. Der Körper erholt sich von den hohen Anforderungen des Spitzensports, es gibt eine aktive Regeneration und der Sportler erholt sich auch mental von den fordernden Erlebnissen der letzten Wochen. Persönlich würde ich in dieser Zeit ein sehr einfaches Training mit vielen unterschiedlichen Aspekten empfehlen. Dadurch würde man dem Abschwächen der körperlichen Leistung in der Ruhephase entgegenwirken, gleichzeitig aber eventuell vernachlässigte Aspekte zumindest in puncto Technik und Taktik leicht trainieren können und dadurch eine bessere Basis für die kommende Übergangsperiode schaffen.

Beispiel für eine klassische Periodisierung nach Matveyev

Beispiel für eine klassische Periodisierung nach Matveyev

Allerdings ist es dann doch nicht so einfach, wie es hier gemacht wird.

Von Zyklen in Zyklen

Innerhalb dieser Perioden gibt es bestimmte Zyklen. Wann intensivere ich denn was genau? Welche Aspekte muss ich überhaupt trainieren? Und wie gehe ich dabei vor?

Um diese Aspekte zu gewährleisten, gibt es drei Zyklen. Der erste und kleinste Zyklus heißt Mikrozyklus. Das ist letztlich die Planung einzelner Trainingseinheiten und dem Ablauf dieser in den Trainingswochen. In jedem Mikrozyklus wird festgelegt, wie das Training genau aufgebaut wird und welche kurzfristigen Ziele man in diesen Einheiten und Wochen erhalten will.

Der nächstgrößere Zyklus wird als Mesozyklus bezeichnet. In dieser wird auf ein Zwischenziel hingearbeitet. Mehrere Mikrozyklen werden zu einer Trainingseinheitengruppe verbunden, welche den Mesozyklus bilden, sie stehen für die Trainingswochen als solche. Hier geht es auch um die Harmonien innerhalb der unterschiedlichen Trainingseinheiten, die im Normalfall einem Ziel zuarbeiten.

Der Abschluss eines Mesozyklus bedingt meist die Erfüllung eines Ziels. Wenn man also von Boxern oder Leichtathleten hört, man läge mit der Vorbereitung „voll in der Zeit“, bedeutet dies, dass die Trainingsziele der bisherigen Mesozyklen allesamt  rechtzeitig erfüllt werden konnten.

Die Mesozyklen werden letztlich zum Makrozyklus zusammengefasst. Dieser umfasst das endgültige Ziel; einen Wettkampf oder Turnier, auf welches hingearbeitet wurde. Der Makrozyklus entspricht dabei nicht unbedingt dem gesamten Periodisierungszyklus von oben. So ist beispielsweise eine doppelte Periodisierung möglich, welche ein Kalenderjahr oder eine Saison in zwei Periodisierungen unterteilt.

Dadurch erhält der Körper mehr Ruhe, der Athlet ist geistig und dadurch auch im Training frischer, während die Verfallphasen geringer gehalten werden. Der russische Wissenschaftler Matveyev sagte für Sprinter dabei eine 1,55%ige Leistungssteigerung im Vergleich zu nicht-periodisierend trainierenden Athleten vorher [1]; relativ zu einer einzigen Periodisierung waren es nur 0,96%. Bei Hochspringern waren es zum Beispiel sogar mehr (5,05% und 2,4% respektive).

Allerdings gibt es noch weitere Differenzierungsmöglichkeiten bei der klassischen Periodisierung.

Linear, non-linear/konjugiert und gewellt

In der genauen Art der Periodisierung, also dem Aufbau innerhalb der jeweiligen Perioden, gibt es wiederum drei Unterschiede.

Die lineare Trainingsweise geht dabei auf den bereits erwähnten Matveyev zurück. Hier werden einzelne Bereiche gesondert trainiert, bis das Trainingsziel in diesem Bereich erreicht ist. Der Bereich als solcher kann aber sowohl sehr eng als auch sehr weit definiert werden. Dennoch gab und gibt es Kritik an dieser Trainingsart. Indem mit gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Übungen und innerhalb klar abgesteckter Rahmen trainiert wird, können einzelne Aspekte des Trainings vernachlässigt werden. Gleichzeitig kann der jeweilige Trainingsaspekt zu stark vereinfacht werden, was zu geistiger wie körperlicher Unterforderung führt.

Der Athlet gewöhnt sich an die jeweiligen Abläufe, sein Körper ebenfalls und die Effektivität sowie Motivation nehmen ab.

Darum entwickelte Verkhoshansky die nonlineare bzw. konjugative Methode. Hier werden zwei, oftmals nur indirekt miteinander verbundene Bereiche des Trainings direkt miteinander verbunden. Beispielsweise wird Schnellkrafttraining mit Muskelaufbau verbunden oder Ausdauer mit Schnelligkeitsausdauer; dadurch soll der Körper stärker gefördert werden und Automatismen sollen sich nicht zu sehr einschleifen.

Linear ist diese Umsetzung des Trainings nicht, weil die Übungen naturgemäß etwas variiert werden, um die jeweiligen unterschiedlichen Aspekte möglichste effektiv zu trainieren. Sowohl Intensität als auch Dauer werden immer wieder verändert, manchmal auch die Übung als solche. Auch in der Mai-Ausgabe aus dem Jahr 2002 vom „The Journal of Strength and Conditioning Research” wurden die Effekte geschildert; bis zu 50% waren die damit trainierenden Athleten in puncto Kraft der Kontrollgruppe überlegen.

Wieso ist das so? Nun, der Körper reagiert auf die unterschiedlichen Reize mit veränderter Ausschüttung der Hormone und ähnlichem. Vorteilhaft ist somit auch der veränderte physiologische wie psychologische Reiz, der das Training effektiver macht. Dieses Prinzip wurde bei der Entwicklung der Blockperiodisierung ebenfalls genutzt, Verkhoshansky gilt mit Issulin als Pionier dieser Periodisierungsvariante.

Der ehemalige Gewichtheber-Trainer JV Askem nutzte beispielsweise ebenfalls eine solche Periodisierung, die er sogar noch etwas variierte. Er wählte die konjugative Methode und entwickelte dazu lineare Abläufe, um ein Übertraining bzw. eine körperliche Überlastung zu verhindern, indem er dem Training eine größere Planbarkeit gab. Gleichzeitig verband er trotzdem mehrere Aspekte miteinander, wodurch sich seine Sportler besser entwickelten.

Die gewellte Methode ist eine Mischung der beiden großen Methoden und wird teilweise auch als effektiver bezeichnet.

Das Training als solches wird in seiner Umsetzung zusätzlich noch erweitert. Bei der gewellten Methode werden unterschiedliche Aspekte miteinander im Training verbunden und gleichzeitig innerhalb des Trainings variiert; Dauer, Belastung, genaue Umsetzung oder Intensität sind veränderlich. Selbst wenn man die lineare Trainingsausrichtung als Fundament nimmt, ist es möglich dadurch interessante Wechselwirkungen zu erzeugen.

Der Körper und auch der Geist werden also immer wieder neu gefordert. Sie müssen unterschiedliche Aspekte miteinander verbinden, gleichzeitig erhält der Körper nicht nur durchgehend einen Reiz, sondern immer wieder einen neuen. In der Theorie wird damit der Superkompensationseffekt verstärkt und das Training wird effektiver.

Als letzte Alternative sei noch das unidirectional loading, am besten vielleicht als „einseitige Belastung“ übersetzt, genannt. Hierbei wird einfach progressiv und ohne langfristigen Plan trainiert; dies wird insbesondere bei Einsteigern im Bodybuildung aus vorwiegend psychologischen Gründen empfohlen. Im Leistungssport spielt diese Methode aber kaum eine Rolle, weil sie zu unproduktiv und wenig zielgerichtet ist.

Fazit: Wie kann man diese Prinzipien und die klassische Periodisierung im Fußball nutzen?

Im Fußball könnte die klassische Periodisierung zum Beispiel im Übergang von Sommerpause bis zum Wettkampf genutzt werden; und wird es auch. Einerseits kann das körperliche Nachlassen über den Sommer mit Hausaufgaben, wie es unter anderem in Nationalmannschaften gemacht wird, etwas kompensiert werden. Andererseits kann in der Vorbereitung gezielt so trainiert werden, dass die konditionelle Grundlage über die gesamte Saison (oder in Deutschland bis zur Winterpause) gegeben ist.

Die Spieler bleiben also idealerweise über das gesamte Jahr fit und erreichen womöglich auch im Frühjahr ihr Hoch. Ein solches Periodisierungskonzept wurde beispielsweise von Lobanovskiy praktiziert und auch Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München wollte so etwas einführen. Ein konditioneller Aufbau ist während der Saison kaum möglich.

Allerdings müssen hierbei auch die neuesten trainingsmethodischen Erkenntnisse bedacht werden. Aktuell wird sehr viel über Spielformen und Komplexübungen trainiert, welche dabei auch die Physis trainieren, ohne den Spieler zu sehr zu erschöpfen. Eine klassische Periodisierung sollte also dosiert genutzt werden; interessanterweise ist sie mit einer anderen Periodisierungsart, der wir uns noch widmen werden, vereinbar.

Die klassische Periodisierung könnte aber weiterhin genutzt werden. Arsene Wenger bei Arsenal und auch Sir Alex Ferguson tun dies nämlich ebenso wie Jupp Heynckes in der Bundesliga. Sie periodisieren die Einsatzzeiten ihrer Spieler und nutzen dabei die Rotation. Die Spieler bleiben fitter und werden weniger belastet.

Jupp Heynckes äußerte sich dabei vor einigen Wochen noch, dass im Trainingslager die Grundlagen gesetzt wurden und sich die Stammelf danach einspielen müsste. Erst nach dieser Einspielphase könne wieder stärker rotiert werden, was dann auch so umgesetzt wurde. Dies klingt nach einer klassischen Periodisierung der Einsatzzeiten und nur teilweise des Trainings, welche aber wohl ideal zum Fußball passt.

Die Wettkampfperiode nimmt hierbei nämlich nicht nur den größten Teil ein, sondern gut und gerne drei Viertel der gesamten Zeit in den Vereinen. Man kann sich davor nicht verschließen und glauben, man könne mit einigen wenigen Wochen eine monatelange physische Basis setzen. Stattdessen kann die Einsatz- und Regenerationszeit von Schlüsselspielern periodisiert werden und im Training die Wettkampfperiode mit der ersten Übergangsperiode gemischt werden – einer von mehreren Gründen, wieso ich persönlich die Periodisierung eher in vier statt in drei Teile unterscheide.

Praktisch heißt es: Die Spieler werden in Basisaspekten durchgehend geschult, während man sich immer wieder in bestimmten Phasen auf die jeweiligen Gegner anpasst. An bestimmten Tagen in englischen Wochen und an wiederum anderen in normalen Wochen hat man also eine festgelegte Anzahl an Regeneration, gegnerspezifischer Anpassung und weitergeführtem Grundlagentraining. Dies kann aber kurzfristig verändert werden, wenn gewisse Resultate oder Leistungsziele nicht erreicht werden.

Literaturverzeichnis:

[1]: Leonid Matveyev (1977): Fundamentals of Sports Training.

CF 6. Januar 2014 um 17:35

Jeder Spieler brauch ja sein individuelles Training. Sie haben unterschiedliche Ziele während des Trainings und man muss jeden Spieler anders behandeln. Also gibt es in dem Zyklus wo am Ende das gesamt Ziel erreicht werden soll ja immer noch andere kleinere Ziele die jeder Spieler aber individuelle hat. Um diese Ziele gut und Schnell zu erreichen kann man ja immer unterschiedliche Perodisierungen nehmen. Das heißt man macht sich also die guten Effekte der unterschiedlichen Periodisierungen zu Nutze um seine Ziele schnellst möglich und mit großem Effekt zu erreichen. Ich hoffe du verstehst was ich meine. Kann aber auch sein das das gar nicht klappt bin nicht gut genug im Thema drin um die Fehler oder Probleme die diese Art mit sich bringen würde zu erkenne.

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Vitorio 2. Januar 2014 um 23:57

Erstmal danke für den Artikel, da ich selber aktiv und intensiv Sport betreibe und mich dementsprechend mit dieser Materie auseinandersetze.
Abseits des Lobes: ich habe letztens ein Interview mit einem Personaltrainer gelesen, der sagte, dass das Kraftlevel des durchschnittlichen Profifusdballers mit dem eines Footballers aus den 60ern vergleichbar ist und dass die Mannschaft, die es schafft dieses „Defizit“ zu beheben, auf Jahre hin erfolgreich sein wird.
Der Durschnittskicker ohne tiefgehendes Wissen pflegt dann immer zu sagen, dass man ja „seine Beweglichkeit und Schnelligkeit“ verliere, was aber mit einem Blick auf Running Backs in der NFL (Muskelmasse gepaart mit Schnelligkeit) ad acta gelegt werden kann.
Seeeehr lange Rede, umso kürzerer Sinn: wäre es euch möglich sich mit diesem Thema in Zukunft auseinanderzusetzen? Gerade CR7 liefert hierbei ein beeindruckendes Beispiel wie man Masse und Schnelligkeit auf das Fußballfeld übertragen kann.

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*Er 3. Januar 2014 um 09:59

Was der athletische Aspekt im Fusball angeht hängt man Sportarten wie dem Basketball oder Fussball schon hinterher, vorallem hier inEuropa. Zum Glück tut sich da die letzten Jahre etwas und man schaut vermehrt über den großen Teich zu Personen wie Boyle oder Eiinrichtungen wie das APC. Das man diesen Rückstand und diesse Expertie nicht mir nichts dir nichts verankern kann ist auch klar. Bissolche veränderungen im Amateurbereich zu finden sein werden dauert es nnoch einige Jahre.

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kokovi 3. Januar 2014 um 11:25

Ich denke kaum, dass Football und Fußball vergleichbar sind, was die körperlichen Anforderungen angeht. Football ist ein Start-Stop-Spiel, in dem aus einer statischen Position heraus ein sehr stark vorgeplanter Spielzug gestartet wird, der im Schnitt ca. 6-7 sek dauert und kaum einmal länger als max. 10 sek ist. Die Pause zwischen Spielzügen beträgt ca. 45 sek. Dazu kommt noch die sehr unterschiedliche Saisonlänge: NFL 3 Monate Liga + 1 Monat Play-Offs, BL 9-10 Monate abzügl. 3 Wochen Winterpause.

Klassische Ausdauer als Ermüdungswiderstandsfähigkeit und Erholungsfähigkeit bei langandauernden Belastungen dürfte daher im Fußball von wesentlich höherer Bedeutung sein als im Football. Und Ausdauer und Kraftfähigkeiten wie im Football sind physiologisch nun einmal nur sehr, sehr schwierig miteinander zu verbinden. Auch ein Christiano Ronaldo dürfte im Football nicht konkurrenzfähig sein, da müsste er locker 10 bis 15 kg mehr auf die Waage bringen. Und den Running Back, der in einem 90minütigem Fußballspiel 60 min unterwegs ist und in der Zeit zwischen 11 und 13 km läuft, möchte ich einmal sehen…

Im Hinblick auf die Athletik hat schließlich in den letzten 10-15 Jahren eine gewaltige Steigerung im Profifußball stattgefunden. Wenn ich mir alte Spiele aus den 90igern und früher ansehe, habe ich manchmal das Gefühl, dass die damaligen Spitzenmannschaften heutzutage von jeder Zweitligatruppe schlichtweg überrannt werden würden.

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CE 3. Januar 2014 um 11:35

Vielleicht sollte man, wenn es um das Kraftlevel beziehungsweise die Steigerung dieses Levels geht, weniger Vergleiche zum American Football, der wirklich auf viele kurze Intervalle ausgelegt ist, als vielmehr zum Rugby ziehen. Gerade bei den left und right wings usw.
Wobei ich dieser ganzen These trotzdem allgemein noch kritisch gegenüber stehe.

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RM 3. Januar 2014 um 11:57

Fußball ist physiologisch gesehen eine sehr ambivalente Sportart. Von den Messwerten haben Fußballer eine ähnliche Konstitution (sh. z.B. die BMIS) und Fitnesswerte (Laktat, etc.) wie 400m-Läufer; was z.B. kaum zum American Football passt. Persönlich würde ich mir Schwergewichtsboxer, die NBA, das Tennis und Handball sowie eben 400m-Läufer ansehen, deren jeweiligen Fitnesswerte messen, die Trainingsübungen und das Spiel selbst analysieren und daraufhin sehen, ob eine Integration in den Fußball möglich ist.

Bei den 400m-Läufern entwickeln sich die Weltrekorde übrigens sehr langsam. Dies könnte eventuell einfach an einer überaus schwierigen Trainingssteuerung in diesem Bereich liegen (unterschiedliche physische Bereiche, komplexere Anforderungen, etc.) oder an schwacher Forschung. Wäre ebenfalls interessant zu wissen.

In den US-Sportarten wird außerdem mWn sehr viel gedopt bzw. sind die Anti-Doping-Regularien (noch) lockerer als im europäischen Fußball.

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blub 3. Januar 2014 um 12:13

Vor ~10 Jahren sind nur die Topleute über 10 km gekommen, das ist inzwischen standard auch in liga 2. Heute ist das topniveau ja bei 13 km. in den 50ern warens 3-4km in den 80ern war man bei ~6km.

American Football und Rugby sind Vollkontaktsportarten, da braucht man die Masse schon um sich zu schützen, außerdem braucht jeder Fußballer Balltechnik. da kann man nicht den ganzen tag im Fitnessstudio rumhängen. 90% der AF-spieler haben nie kontakt mit den spielball und selbst die running backs müssen den nur festhalten.
Und rein koordinativ ist die Herausforderung „ball am fuß“ deutlich schwieriger als „Ball in der Hand“.

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RM 2. Januar 2014 um 23:30

„Was die Rotation und die wissenschaftliche Betreuung von Fußballmannschaften angeht war doch AC Mailand mit dem Milan Lab ganz weit vorne, wie ich mal irgendwo gelesen habe. Gehört das in diesen bereich?“

Ja, die haben da was ganz eigenes. Bei denen wird, soweit ich weiß, jeden Tag (eventuell auch mehrmals an einem Tag) der Spielerin gewissen Aspekten ‚vermessen‘. Wenn es bestimmte Muster in der Variation gibt oder sich gewisse Aspekte verschlechtern und dabei mit anderen interagieren, weiß man, wann der Spieler wie trainieren muss, um sich nicht zu verletzen. Mischung aus Trainingswissenschaft, Medizin, Statistik und weiß der Geier was noch.

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CF 3. Januar 2014 um 13:32

Das Hauptziel von Milan Lab ist es mit dem Vermessen von bestimmten Daten zu verhindern das sich die Spieler durch zu starke Belastung verletzen. So wird nach der WM jeder Spieler vermessen und anhand der vermessenen Daten wird dann ein individuelles Programm erstellt wo dem Spieler dann mit geteilt wird das er so und so lange nicht das trainieren darf aber das, damit er sich nicht Verletzt.

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blub 2. Januar 2014 um 15:47

Was die Rotation und die wissenschaftliche Betreuung von Fußballmannschaften angeht war doch AC Mailand mit dem Milan Lab ganz weit vorne, wie ich mal irgendwo gelesen habe. Gehört das in diesen bereich?

Wie würdest du passend zum aufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit den aufbau der taktikischen (und technischen) Fähigkeiten sehen? komplexe taktische aläufe brauchen ja nicht grade wenig Zeit und es ist für das erlernen anspruchsvoller geistiger abläufe nicht Ideal dabei auchnoch körperlich stark beansprucht zu werden (nur fürs erlernen, das abspulen im Spiel sollte ja „von selbst“ gehen).
Das ist ja im Prinzip ne Planung für den Mikrozyklus, legt man diese dinge dann in die weniger intensiven einheiten?
Berichtigt mich bitte wenn ich wenn was durcheinander bringe, Trainingslehre kenn ich quasi nur von Grüßen.

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DC 2. Januar 2014 um 16:01

Ich glaube, dass es dabei komplett auf den Spieler und dessen taktische Kapazitäten ankommt. Wenn ich von einem Spieler weiß, dass er „das große Bild“ verstehen kann, dann spricht nichts dagegen, die Idee hinter einer strategischen Ausrichtung auch genau zu erläutern. Wenn ich allerdings mit einem taktisch beschränkten Spieler arbeite, dann werde ich versuchen, ihm anhand einiger Videobeispiele leichte Faustregeln mit auf dem Weg zu geben, wie er gewisse Spielsituationen erkennen kann und wie er darauf zu reagieren hat (Stichwort Pressingfalle, aufrückender IV, etc.)

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TW 2. Januar 2014 um 16:14

Ich glaube die taktisch beschränkten Spieler erreicht man auch nicht in einer Videoanalyse. Dafür sind die Randbedingungen im echten Spiel oft zu vielfältig, d. h. eine kleine Änderung würde ein anderes Verhalten fordern. Diesen Spielern wird durch entsprechende Spielformen, die Spielsituationen idealisieren, durch ständige spielerische Wiederholung das gewünschte Verhalten quasi implementiert. Aber zu diesem Thema kommt noch sehr viel in den Artikeln zur taktischen Periodisierung. Diese fokussiert auf eine Planung der taktischen Lehrinhalte.

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DC 2. Januar 2014 um 20:40

Natürlich bringt man durch spielerisches Wiederholen die grundlegenden taktischen Verhaltensmuster bei, wenn es um die genaue Vorbereitung auf den Gegner geht, wird aber sicher auf spielspezifische Inhalte per Videoanalyse eingegangen um die „Schwachstellen“ auf gegnerische Besonderheiten einzustellen.

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TW 3. Januar 2014 um 10:53

Es stimmt natürlich, dass die Gegneranalyse viel über Videoausschnitte funktioniert. Dabei geht es dann aber eher um die Einstellung auf die Verhaltensweisen der potentiellen Gegenspieler. In Blubs ursprünglichem Kommentar war die Fragestellung jedoch eher auf eine langfristige (und somit gegnerunabhängige) Schulung der taktischen Verhaltensweisen gemünzt. Da sind Spielformen entscheidender als Videoanalysen.

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EFF 2. Januar 2014 um 16:19

Um taktische Abläufe zu lernen gibt es ja verschiedene Trainingsmöglichkeiten.
Unter anderem gibt es weniger intensive Einheiten wie 11 gegen 0 oder Positionspiele wo Angriffe durchgespielt werden. Beim 11 gegen 0 hat man ja nur kurze Belastungszeiten mit einer mittelern Intensität und lange Pausen da ja der Trainer immer wieder korriegiert. Man kann aber auch taktische Inhalte in die Spielformen einbinden. Da ist dann die Belastung der Spieler von der Spieleranzahl, Spielfeldgröße, Belastungsdauer und Pausengestaltung abhängig.

Fazit: Die Gliederung in intensive oder weniger intensive Bereich ist abhängig von der jeweiligen Übungform und nicht vom Inhalt der Übung wie z.B. Taktik, Technik.

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Stefan 2. Januar 2014 um 12:47

Hat denn ein Trainer wie z.B. Korkut dann in der Winterpause – Samstag ist das erste Training – überhaupt die Möglichkeit, das angebliche Fitnessproblem des 96er-Kaders zu beheben oder entscheidend zu verbessern? Am 25.1. ist der Rückrundenstart für 96. Was kann ein Trainer denn in 3 spielfreien Wochen bewirken?

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DC 2. Januar 2014 um 15:52

In 3 Wochen kann man aus Graupen keine 13 km Monster machen, allerdings kann man mit gezielten Verbesserungen in Muskelkoordination und Muskelschnelligkeit sowie einer adäquaten Nahrung(sergänzung) viele Parameter der Physis beeinflussen. Als kurzfristige Maßnahme in der Winterpause nach einem Trainerwechsel kann das sicher ein Ansatzpunkt sein, um die langfristige Fitness der Spieler auf ein höheres Niveau zu bringen, wird aber ein längerer Zeitraum als 3 Wochen (im Winter) von Nöten sein.

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kokovi 2. Januar 2014 um 16:40

In drei Wochen kann man evtl. ein bisschen im Bereich Schnellkraft / Maximalkraft über Training und Verbesserung der intramuskulären Koordination mit speziellem Krafttrainingsformen erreichen, aber in Richtung Ausdauer ist da nur wenig zu holen.
In Ausdauersportarten sind drei Wochen ca. ein Mesozyklus, wenn mann von drei Belastungs- und einer Entlastungswoche ausgeht. Und die dort idR zu trainierenden Umfänge sind im Fußball einfach nicht machbar.

@RM
Boxen gehört nicht zur Leichtathletik 😉

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