Southampton – Chelsea FC 0:3

Überraschungsteam Southampton setzt den schlechten Lauf fort und verliert zuhause gegen Titelaspirant Chelsea mit 0:3.

Chelseas Ausrichtung und Defensivmechanismen

Abermals entschied sich José Mourinho trotz anderslautender Ankündigungen zu Saisonbeginn für eine reaktive Ausrichtung. Allerdings war dies keine passive und rein defensive Spielweise, denn Chelsea presste situativ immer wieder sehr hoch und eroberte einige Bälle auch in der gegnerischen Spielhälfte. Zwar formierten sie sich oft mit den Mittelfeldspielern in Nähe der Mittellinie, aber immer wieder gab es Ausflüge nach vorne. Verantwortlich dafür waren die Abläufe.

Southampton vs Chelsea - Grundformationen - Chelsea offensiv

Southampton vs Chelsea – Grundformationen – Chelsea offensiv

Nominell agierten sie in einem 4-2-3-1/4-4-1-1, in welchem Eden Hazard den Zehner gab, während Juan Mata und André Schürrle als Flügelstürmer aufliefen. Dahinter spielten Obi Mikel und Ramires auf der Doppelsechs. Innerhalb dieser fünf Positionen gab es aber unterschiedliche Rollenverteilungen. Ramires rückte nämlich oftmals nach vorne auf und unterstützte Hazard im Pressing, wodurch teilweise sogar ein 4-1-4-1 entstand oder ein 4-1-3-1-1.

Torres versuchte an vorderster Front die Innenverteidiger aufzutrennen, Hazard pendelte zwischen einer tieferen Rolle als Unterstützung des Mittelfelds und einer höheren Positionierung vorne, wo er die von Torres versperrten Räume nutzt, um den Druck im Pressing zu erhöhen. Ramires beteiligte sich dann situativ ebenfalls dabei, Mikel sicherte die dabei geöffneten Räume. In einzelnen Szenen konnten die Saints dann über einzelne Kombinationen in die offenen Mittelfeldräume kommen, zumeist funktionierte diese Spielweise jedoch gut. Auch das oftmals weite Einrücken der ballfernen Außenspieler war meistens sehr gut und wurde nur vereinzelt bespielt.

Dieses 4-4-1-1 mit Ramires‘ Herausrücken war wohl eine besondere Anpassung an Southampton, wie man es sich von Mourinho erwarten konnte. Die Saints spielen mit breit auffächernden Innenverteidigern, ziehen die beiden Sechser tief nach hinten und nutzen oftmals noch Davis aus dem Mittelfeld in der ersten Spielaufbaureihe. Teilweise stehen sie dann in einem 2-3 da, wo drei Mittelfeldspieler in einer Linie vor den Innenverteidigern agieren.

Mit dem flexiblen 4-4-1-1 konnte Mourinho dies neutralisieren; Torres kam aus dem Sechserraum Southamptons nach vorne und versuchte die Verbindung der Innenverteidiger dynamisch zu kappen, lenkte das Spiel auf eine Seite und der sehr schnelle Hazard konnte von der Mitte heraus die zweite Linie aufteilen, um Southampton auf eine Seite zu lenken. Mit Ramires konnte je nach Situation kurzzeitig ein 4-1-4-1, ein 4-3-2-1 oder ein 4-1-3-1-1 gebildet werden. Chelsea übte viel Druck auf die Sechser aus und verhinderte eine konstruktive Organisation der Angriffe, welche bislang Southamptons wichtigstes Werkzeug in der Kreation von Offensivaktionen war.

Durch diesen Druck ohne weit offene Räume für lange Bälle konnten die Hausherren nur schwer konstruktiv nach vorne. Die Ausflüge Lallanas und Ramirez‘ in die Mitte konnten kaum bespielt werden, es ging viel über die Flügel. Zusätzlich brachte Chelseas Ausrichtung Gefahr in Umschaltmomenten.

Mata rückte von rechts oft in Richtung Mitte und Halbraum ein und diente als Spielgestalter sowie als pressingsresistente Anspielstation nach Balleroberungen. Hazard positionierte sich nahe vor das Mittelfeld und konnte mit seiner Dynamik das Gegenpressing der Saints umspielen und schnelle Konter initiieren. Schürrle gab derweil die Breite und zeigte ein paar raumöffnende Läufe, wobei dies vorrangig die Aufgabe des pendelnden Fernando Torres war. Mit vielen Vertikalsprints, einzelnen Positionswechsel und der Unterstützung Ramires‘ sowie (allerdings überaus selten) der Außenverteidiger konnte Chelsea trotz wenig Ballbesitz und einem hohen Fokus auf Konter (ergo viele Abspielfehler) Gefahr erzeugen. Obwohl sie weniger Spielanteile hatten, kamen die Blues zu deutlich besseren Chancen.

Sie bespielten gezielt die hohe Abwehrlinie der Gastgeber und ohne eine starke Leistung beim Herauslaufen von Torwart Kelvin Davis hätte es schon in der ersten Halbzeit zwei oder drei Tore für Chelsea geben können.

Good ol‘ Southampton

Zu den Saints gibt es nicht so viel zu sagen, was in den letzten Analysen zu ihnen nicht schon erwähnt wurde. Sie versuchten hoch zu pressen und gingen mit der Zeit zu einer tieferen Ausrichtung zurück, agierten aber nie aus eigenem Entschluss tiefer als in einem tiefen Mittelfeldpressing. Im Aufbauspiel ließen sie die zentralen Mittelfeldspieler ab- und herauskippen, wobei hierzu gesagt werden muss, dass dieses Merkmal im Spielverlauf seltener zu sehen war. Vermutlich wollten sie Chelsea wegen deren Formation und Ausrichtung anders bespielen.

Southampton vs Chelsea - Grundformationen - Southampton offensiv

Southampton vs Chelsea – Grundformationen – Southampton offensiv

Sie hatten zuvor Probleme damit ihr Aufbauspiel wirksam zu gestalten. Zumeist schoben sie den Ball hin und her, Chelsea rückte näher und presste dann, woraufhin Southampton chaotisch nach vorne kam. Konnten sie den Ball – meist über Flügelangriffe oder lange Bälle – behaupten, wurden sie ansatzweise gefährlich, doch diese Situationen gab es eigentlich nur in der ersten Halbzeit und auch dort nur in einer Phase konstant.

Ansonsten überzeugten sie zwar wieder mit ihrem Pressing, doch Chelsea stand immer sehr gut abgesichert da, hatte hinter dem Ball durchgehend Überzahl und zeigte eine gute Partie. Pochettinos Umstellung auf eine 4-2-4-Rollenverteilung in der Offensive ab der 60. Minute und verringertes Ab- und Herauskippen der zentralen Mittelfeldspieler änderte nur wenig. Lallana und Co. sowie deren flexible Bewegungen im offensiven Mittelfeld kamen wegen Chelseas Kompaktheit und Bewegung kaum zum Tragen. Die Veränderungen Mourinhos hingegen waren deutlich ausschlaggebender.

Chelseas Bewegungsspiel sorgt für Dominanz

Obwohl Chelsea weniger Spielanteile und bessere Torchancen hatte, so sah sich Mourinho ungefähr um Minute 50 zu Änderungen gezwungen. Nach einer etwas schwächeren Phase einzelner Akteure wechselte er Mata und Schürrle aus, die beide ihre Fähigkeiten nur unzureichend einbringen konnten. Für diese beiden brachte er Oscar und Willian. Etwas überraschend gab es nun keine statischere Formation mit Hazard und Willian auf dem Flügel und Oscar in der Mitte, sondern ein überaus bewegliches und flexibles Mittelfeld, in welchem bei gegnerischem Ballbesitz sogar Oscar auf rechst und Willian auf links die Flügel bildeten.

Willian und Oscar sind beide sehr kreative, dynamische und spielintelligente Akteure. Über die Flügel  rückten sie ein und spielten extrem variabel. Es gab nun einen Fokus auf Überladungen und Engenspiel im Zwischenlinienraum, was hervorragend und spektakulär funktionierte. Besonders Oscar zeigte in sämtlichen Aspekten eine tolle Leistung nach seiner Einwechslung.

Das 2:0 mit seinem Dribbling über links und Willians Positionierung mittig/halbrechts war dabei symbolisch. Nicht nur wegen der Kombination der beiden und dem schönen Tor, sondern wegen des darauffolgenden Anstoß: Dort stand Willian wieder links und Oscar rechts, wenige Sekunden darauf gab es wieder kurzzeitig ein 4-1-4-1 im Pressing. Diese Änderung sorgte nicht nur für das Tor und mehr Chancen, sondern auch für mehr Stabilität, mehr Ballbesitz und mehr Spielkontrolle.

Fazit

Chelsea drängte Southamptons Spiel in unpassende Richtungen und gewann durch bessere Chancenverwertung, taktische Anpassungen, besseres Spielermaterial und eine starke zweite Hälfte. Southamptons Angriffe kamen nur in 25% der Fälle über die Mitte, was Chelseas Ausrichtung in der Defensive zeigt.

Offensiv gibt es ebenfalls eine passende Statistik: Southampton kam auf 9 Dribblings bei 506 Pässen, Chelsea auf 23 Dribblings bei 434 Pässen. Southampton hatte selten die Chance auf Dribblings und ließ den Ball viel ohne Zweikämpfe in ungefährlichen Zonen zirkulieren, Chelsea nutzte die individuelle Überlegenheit gut und gewann letztlich auch verdient. Southampton hatte zwar einen Schuss mehr (12:11), aber nur 2 gingen aufs Tor, bei Chelsea waren es 5.

MH 6. Januar 2014 um 16:35

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man jedem – egal, wie er alt er ist – die Viererkette und alle mit ihr einhergehenden Deckungsarten vermitteln kann, wenn er selbst nur lernwillig ist. Vorausgesetzt natürlich, der Trainer ist in der Lage, taktische Inhalte zu vermitteln.

Dass junge Spieler aufnahmefähiger sind, kann ich nicht bestätigen. Ich habe Spieler im Alter von 16 Jahren, bis hin zur ü30 trainiert. Da gab es in jedem Alter Spieler, die brauchten länger etwas zu verstehen und welche, die kapierten es sofort. Aber letztlich haben sie alle verstanden, wie die Viererkette funktioniert, sofern sie es nur wollten. Wenn aber jemand nicht lernen will, wird er es auch nicht. Solche gab es natürlich leider auch…

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RM 6. Januar 2014 um 18:11

„Wenn aber jemand nicht lernen will, wird er es auch nicht.“

Eben hier denke ich, liegt die Krux bei älteren Spielern. Ich denke sie sind eher jene, zumindest im Amateurfußball, die Neuem skeptisch gegenüber stehen. Bei einem guten Trainer bzw. einem kompetent vermittelten Konzept und adäquaten Trainingsformen sollte dies allerdings kein Problem sein.

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MH 6. Januar 2014 um 19:09

Ich hatte bisher nur zwei Spieler, die nichts lernen wollten. Einer war 22 Jahre alt (als ich mit ihm anfing zu arbeiten), der andere 23. Das wichtigste bei älteren Spielern ist nur, ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass das, was sie vorher praktiziert haben (z.B.: Manndeckung), schlecht war. Da reagieren sie empfindlich. Wenn sie aber merken, dass das Neue nicht unbedingt kompliziert ist (hier ist die Fachkompetenz des Trainers gefragt) und viel effizienter, werden sie voll mitziehen.

Im Amateurfußball gibt es eigentlich nur eine „Spezies“, die konsequent lernresistent ist: der Zuschauer.

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RM 6. Januar 2014 um 19:22

Ist halt immer so eine Sache mit den Erfahrungen. Bei uns in der Mannschaft waren es sämtliche Spieler über 25, während circa 80% der Spieler unter 25 dafür waren. Trainer ist natürlich gescheitert, wobei es ihm auch an Kompetenz mangelte. Ehemaliger Nationalspieler Rumäniens und Profi in den Niederlanden, aber schlicht kein guter Trainer. Bei ausreichender Kompetenz spielt aber dann eher der Charakter als das Alter eine Rolle (beziehungsweise generell), bei den Ansichten zu dem Thema und der Überzeugungskraft im Schnitt wohl eher das Alter bzw. die damit einhergehenden Meinungen und inwiefern die Bewegungsabläufe einstudiert sind. André Villas-Boas bei Chelsea könnte man da vielleicht aus dem Profibereich nennen.

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Zagłębie rules 6. Januar 2014 um 20:15

Also ich hatte die Viererkette im zarten Alter von 32 kennengelernt in der B- Klasse. Der Trainer ehemals Zweitliga-Profi in Tschechien war die Wucht. Ich habe da wirklich zum ersten mal begriffen wie Fußball geht.
In wirklich jedem Training gab es da einen Aha Effekt. Wir haben auch Pressing gespielt und und eine Art tschechisches Gässchenspiel mit viel Ballbesitz. Erstaunlicherweise hatten die sogenannten Stars damit die meisten Probleme. Die weniger begabten Spieler wie ich konnten dagegen ihre Positionen im Team festigen. Der selbe Trainer wurde im Jahr davor mit einem anderen B-Klassen Team mit einer besseren Reserve Mannschaft Bezirkspokalsieger. Ein sehr namhafter Trainer der sogar mehrere Vereine der Zweiten Liga trainierte und das entsprechende Team zuvor trainiert hatte meinte: „Von denen hätts bei mir keiner auch nur auf die Bank geschafft.“

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Ryad 1. Januar 2014 um 18:21

Einwechslung Mourinho und erfahrene Spieler machte den Unterschied

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CF 5. Januar 2014 um 03:07

Erfahrene Spieler? Aus meiner Sicht ist Erfahrung überbewertet wird das Können der Spieler und bestimmte Attribute wie Schnelligkeit mit dem Alter also der Erfahrung schlechter? Ja und was verbessert Erfahrung außer Entscheidungsfindung vielleicht Pressingresistents aber ansonsten? Und nun nen mir einen Spieler der im Alter eine bessere Entscheidungsfindung hatte. Ich kenne keinen Spieler der sich mit zunehmender Erfahrung gesteigert hat und somit wichtiger für das Team wurde. Es mag einige Spieler geben die strategisch besser geworden sind aber ich das heißt trotzdem nicht das Erfahrung gegenüber der Taktik eine übergeordnete Rolle spielen sollte und erst recht nicht als Begründung oder als Ausschlage gebender Punkt für einen Sieg einer Mannschaft genommen werden.

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Zagłębie rules 6. Januar 2014 um 14:34

“ Erfahrene“ Spieler können aber taktische Konzepte erfahrungsgemäß leichter transportieren. Sie sind nicht so anfällig in Stresssituationen.

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RM 6. Januar 2014 um 16:01

Sicher? Gibt Trainer, die was anderes behaupten. Ex-Trainer von mir, auch in höheren Ligen und für den ÖFB als Auswahltrainer aktiv, meinte mal, dass man Spielern im Amateurfußball über 26, 27 Jahren kaum noch Raumdeckung und Viererkette beibringen kann. Junge Spieler seien aufnahmefähiger und schneller in der Umsetzung von Lerninhalten.

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CF 6. Januar 2014 um 17:12

Das liegt meiner Meinung auch daran das es Momentan zwei Spieler Generationen aufeinander treffen. Die ältere Generation ist technisch wie taktisch noch nicht so gut ausgebildet wie die jüngere Generation die aus meiner Sicht besser ausgebildet sind somit Polyvalenter und taktisch Flexibler sind. Ich stimme euch aber zu das physischen Attribute abnehmen und die psychischen Attribute eher zu nehmen im Alter. So ist es zum Beispiel bewiesen das Fehler die zum Tor führten öfters von jüngeren Spielern geschehen.

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