Bayer 04 Leverkusen – Manchester United 0:5

Bayer Leverkusen empfing zuhause Manchester United und holte sich eine Schlappe ab. United hätte sich mit einem Unentschieden zufrieden geben können, taten das aber nicht, sondern zeigten neunzig Minuten lang eine souveräne Leistung. Dabei sah es vor und auch zu Beginn des Spiels eher wie eine sich anbahnende Nullnummer aus.

Spiel der Defensivkompaktheiten – Leverkusens 4-3-3-0/4-5-1

In der Anfangsphase der ersten Hälfte wirkte es wie eine Partie zweier sehr auf die Kompaktheit im ersten und zweiten Band fokussierten Mannschaften. Das Pressing zielte darauf ab das jeweilige Aufbauspiel des Gegners zu leiten und in der eigenen Formation immer Zugriff zu haben. Leverkusen tat dies mit der üblichen 4-3-3-0/4-5-1-Formation, die etwas asymmetrisch ausgeübt wurde.

Son stand zumeist minimal höher und eingerückter, während Gonzalo Castro etwas tiefer agierte. Dafür gibt es drei mögliche Erklärungen. Eine Erklärung dürfte sein, dass Leverkusen schlicht immer so agiert und dies ein Relikt des situativ zockenden Linksaußen ist. Insbesondere zu Schürrles Zeiten auf links wurde es so umgesetzt.

Grundformationen zu Beginn

Grundformationen zu Beginn

Eine weitere Möglichkeit betrifft die Wechselwirkung der beiden Flügelstürmer mit den gegnerischen Mittelfeldbewegungen: In der ersten Hälfte war es noch sehr oft Ryan Giggs, der sich etwas zurückfallen ließ, um die Innenverteidiger zu unterstützen. Phil Jones auf der halbrechten Sechserposition blieb dann ein bisschen höher und halbrechts. Son orientierte sich eventuell etwas an ihm, während Castro tiefer blieb, weil er nicht auf Giggs zugreifen konnte, aber durch seine tiefe Position zumindest die Passoptionen einschränkte.

Die dritte Alternative könnte eine bewusste Anpassung an den Gegner gewesen sein. Uniteds linke Seite ist nominell und taktisch die stärkere. Sie wird nämlich mit dem kreativen Evra, den Ausweichbewegungen Rooneys und Kagawas sowie dem beweglichen und dribbelstarken Nani flexibel und spielerisch überragend besetzt. Lange Zeit ließ United den Ball als Antwort auf diese Formation im ersten Band zirkulieren und hatte kaum Möglichkeiten für sichere Pässe nach vorne.

Sie rückten meistens über die Flügel oder durch lange Bälle auf, aber waren hierbei keineswegs überzeugend. Zentral waren sie unterlegen und hatten kaum Zeit für konstruktive Angriffe aus der Mittelfeldzone heraus. Allerdings wurde dies mit der Zeit besser. Ein Faktor war natürlich das Tor, bei dem Rooney in der 22. Minute bezeichnend seinen zweiten Ballkontakt erhielt – bei einem Konter. Das führte aber prompt zur Führung, bewusst stabilerer Zirkulation bei United und Zugzwang bei Leverkusen, die im Pressing Räume aufmachen mussten.

Jetzt sah man die Effektivität der Defensivspielweise Uniteds.

Spiel der Defensivkompaktheiten – Uniteds sauberes 4-4-1-1

Nominell war es eigentlich ein relativ simples 4-4-2/4-4-1-1-Pressing bei United, bei welchem sich Kagawa im passiven Angriffspressing an Rooney orientierte und ansonsten wieder zurückfiel und vor dem Mittelfeld agierte. Dieses 4-4-1-1 wurde in einer mannorientierten Raumdeckung gespielt, wodurch sie immer Zugriff hatten, aber dennoch nicht zu große Räume beim Herausrücken und Verschieben öffneten. Interessant war auch der Unterschied zu Leverkusens Defensive.

Während diese strategisch deutlich komplexer und potenziell effektiver angelegt ist, so wurde sie in vielerlei Aspekten unsauber und suboptimal umgesetzt. Uniteds Abwehr hatte eine prinzipiell einfachere Struktur, zeigte aber die passenderen Bewegungen und Mechanismen. In zwei oder drei Szenen ging beispielsweise Jones in Sicherheitsabstand, aber doch mannorientiert, mit Rolfes mit und schob auf den Flügel, während Valencia mit Son – ebenfalls in schönem Abstand – einrückte und plötzlich als halbrechter Sechser in der Formation stand. Und ähnlich wie Leverkusen sorgte United für große Probleme beim Gegner, wenn dieser in die Formation kam.

Trotz der Ähnlichkeit gab es einen Unterschied. United hatte (bis zur Führung bzw. fast bis zum 2:0) Probleme mit dem Aufbau ins zweite Drittel und der Ballzirkulation in dieser Zone. Leverkusen hingegen lief sich mit dynamischen Läufen in die Formation immer wieder fest. Kagawa und Rooney lenkten vorne das Spiel auf die Seite, über die Flügel ging bei Leverkusen aber im Passspiel kaum etwas.

Die Außenverteidiger isolierten sich bisweilen durch ihre Positionierung selbst und es gab keine ordentlichen Synergien auf den Flügeln oder zueinander passende Verbindungen. Castro rückte relativ tief ein, Bender konnte darum nicht ordentlich aufrücken, während Rolfes nach vorne schob und Son sich in die Spitze orientierte – und der einzige war, der wirklich weit in die Formation Uniteds kam. Dort blieb er aber wie seine Mitspieler hängen.

United verschob nicht nur leicht mannorientiert, sondern orientierte sich bei Pässen in die Formation immer stark am Ball und rückte dann zusammen. Gepaart mit der hohen vertikalen Kompaktheit und weitem Einrücken ballferner Akteure zum richtigen Zeitpunkt konnten sie Leverkusens Angriffe abwürgen. Die Dribblings versandeten und United hatte einzelne Szenen, wo sie vor dem eigenen Strafraum extrem kompakt standen.

Einige wenige Male kamen diese Dribblings durch, aber selbst dann waren kaum ordentliche Abschlüsse wegen der Kompaktheit möglich – Kießlings Schuss, der von Evans abgeblockt wurde, war ein Paradebeispiel dafür. Der weitere große Unterschied zwischen den beiden Mannschaften lag auch an der offensiven Spielweise und Umsetzung.

Strukturelle Staffelungsprobleme bei Leverkusen – United mit zwei Weltklassespielern

Wie schon defensiv hatte United auch offensiv relativ klare Vorteile im Vergleich zu den Leverkusenern. Leverkusen ohne Zehner und dann auch noch in Rückstand muss sich bei einer Spielweise wie der Uniteds sehr intelligent bewegen, um im Zwischenlinienraum Präsenz zu erzeugen und gut gestaffelt Durchschlagskraft zu entwickeln. Bei Leverkusen starteten aber teilweise zu viele Spieler linear in die Spitze oder standen zu weit nach hinten. Eine Verbindung dieser zwei Partien zueinander gab es nicht und das Spiel über die Flanken wurde von United sehr gut isoliert.

Im Gegenpressing hatten die Leverkusener ebenfalls Probleme. Zu Beginn konnten sie mit ihren Mannorientierungen United noch überraschen, später zeigten diese jedoch mit schnellen Pässen nach vorne oder innerhalb der Halbräumen und generell im Umschaltmoment gute Befreiungsmomente. Im Verbund mit der individuellen Qualität Rooneys und Kagawas wurde die schlecht gestaffelte Leverkusener Abwehr mehrmals bestraft.

United hatte hier auch schlicht eine bessere Rollenverteilung: Kagawa war zwar im Pressing nicht mit seiner gesamten Qualität voll eingebunden, hatte aber mit situativem Rückwärtspressing und der tieferen Orientierung nach der Führung als verkappter fünfter Mittelfeldspieler eine interessante Rolle. Auch seine Antizipation konnte er für eigene Ballgewinne nutzen und bot sich gut nach Balleroberungen an.

Nani auf links rückte gut ein und zeigte eine sehr gute Leistung; generell hatten die Außenspieler sehr gute einrückende Bewegungen in der Defensive und offensiv besetzten sie die Angriffsbreite passend. United spielte die Angriffe und Standards sauber und effizient runter und konnte somit nicht nur fünf Tore erzielen, sondern auch zu Null spielen.

Auch die späteren Anpassungen Hyypiäs mit dem kurzen Seitentausch Sons und Castros, dem höheren und klareren 4-3-3-Pressing oder der Mittelfeldraute mit zwei robusten Stürmern konnten von Moyes und seinen Stars einfach um- und/oder bespielt werden. Moyes‘ Anpassung mit Nani und Anderson vorne sowie Büttner auf links für Evra zeigte sogar mehr Wirkung als die auf dem Papier größeren Anpassungen Sami Hyypiäs.

Fazit

Mit einer effizienten und sehr gut umgesetzten Partie gewinnt Manchester United die Partie gegen Bayer in deren Stadion mit 0:5. Wayne Rooney brillierte hierbei, wobei die gesamte Mannschaft eine gute Leistung zeigte. Leverkusen hatte Probleme im Angriffsspiel, zerfiel defensiv mit fortschreitender Spieldauer und verlor verdient.

Eventuell folgt im Laufe der Winterpause passenderweise ein Artikel zu den strategischen Stärken Leverkusens, aber den abnehmenden gruppentaktischen Fähigkeiten seit dem Abgang Sascha Lewandowskis.

Schorsch 30. November 2013 um 12:17

Die Ankündigung im Schlussatz hinsichtlich Lewandowski ist das eigentlich Interessante. Der Schlüssel für die Niederlage gestern und im Hinspiel und auch die Minderleistung gegen Bayern ist meiner Meinung nach hier zu finden.

Die Entscheidung Völlers und der Bayer-Bosse pro Hyypiä und contra Lewandowski hielt ich von Anfang an für falsch und das tue ich auch weiterhin. Lewandowski war es, der die vorhandenen Spieler in ihren Stärken und Schwächen genau analysierte und daraus das passende System für die Mannschaft kreierte. Ein defensives 4-3-3 /4-3-2-1. Man verzichtet auf einen 10er und setzt auf Balleroberung und schnelles Umschaltspiel. Kießling als Zielspieler. Eher eingerückte Außen in der Offensive. Mit den entsprechenden Räumen für die Außenverteidiger nach vorne. Der Zentralsechser spielt etwas hinter den beiden anderen. Stoßen die nach Balleroberung im schnellen Umschaltspiel nach vorne und rücken die Außenverteidiger mit vor, lässt sich der zentrale defensive Mittelfeldspieler nach hinten zur Absicherung fallen. Etc. Mit diesem System und dieser Taktik hat man die letzte Saison erfolgreich bestritten. In der Bundesliga ist man Dritter geworden, nur einen Punkt hinter dem BVB. In der EL ist man etwas unglücklich ausgeschieden.

Hyypiä hat also eine eine eingespielte Mannschaft in Alleinverantwortung übernommen. Er hat -vielleicht auch den Abgängen und Zugängen geschuldet- einige wenige Veränderungen vorgenommen (u.a. stehen die Offensivaußen meist etwas breiter, dadurch ändert sich auch das Spiel der Außenverteidiger etwas), die ich persönlich aber als eher marginal betrachte. Das Grundprinzip des Spieles ist erhalten geblieben. Der Autor deutet es an und es klingt auch in einigen Beiträgen an: die Mannschaft hat sich gruppentaktisch nicht weiterentwickelt. Ihr fehlt schlicht und einfach die Variabilität, um gegen Mannschaften wie ManU, die konsequent mit ihrer Abwehrreihe hinter dem Ball bleiben und deren Mittelfeldreihe ebenfalls dicht gestaffelt steht und geschickt verschiebt, die passende Antwort. Das gleiche gilt für ein Team wie Bayern, das ihr aufgrund des Ballzirkulationsspiels gar keine Chance zur Balleroberung lässt (im Spiel gegen Bayern fiel der Treffer für Leverkusen nach dem im Prinzip einzigen Fehler der Bayern im Mitteldrittel). Wobei ich mir vorstellen kann, dass man mit dem System gegen den BVB mit dessen spezifischer Spielweise besser zurechtkommen wird.

Wenn Bayer sein System weiterentwickeln will (und das wird es müssen), dann müsste dies nach meiner Meinung in folgende Richtung gehen:
In bestimmten Spielsituationen übernimmte ein Spieler aus der 6er-Reihe die Funktion und die Rolle eines 10ers. Er bewegt sich in den Zwischenraum vor der Abwehrreihe und dient als kreative Anspielstation und spielt den überraschenden Pass. Dafür benötigte man einen Spieleretypen wie Gündogan oder Blaszczykiowski vom BVB. Ich weiß nicht, ob bei Bayer einer der vorhandenen Spieler das Potential für eine solche Spielweise hätte.

Wie auch immer, mittelfristig sehe ich Hyypiä ncht als Trainer bei Bayer. Eine Rückkehr Lewandowskis auf die (dann alleinige) Cheftrainerposition halte ich nicht nur für wahrscheinlich, sondern auch für notwendig.

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king_cesc 30. November 2013 um 20:20

Der Spieler, der den 10er geben könnte wäre mMn Hegeler. Sonst würde mir keiner wirklich einfallen.

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ThePikeman 29. November 2013 um 00:42

Euer Nachsatz hat mir eigentlich die Frage erspart, ob es nur mir so vorkommt, als ob Leverkusen noch von der taktisch und spielerisch guten Endphase der letzten Saison zehrt. Jetzt bin ich gespannt, ob Völler oder sogar Hypiäa selber die Probleme eingestehen und Lewandowski wieder mit in das Trainerteam bitten.
Die Tabellensituation kaschiert leider die Probleme, die in der Cl so deutlich offengelegt wurden.

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boba 28. November 2013 um 14:08

Ich bin etwas erstaunt darüber, dass hier in erster Linie diskutiert wird, warum ManUnited so erfolgreich ist, obwohl ihr Spiel sehr durchschaubar ist.
Die Probleme hatte aber der Gegner: Leverkusen war nicht in der Lage, ein variables Offensivspiel zu entwickeln. Selbst mir als Laien ist aufgefallen, dass ManUtd extrem eng stand. Die beiden Viererketten standen teilweise kaum breiter als bis zur 16-Meter-Außenlinie. Leverkusen hatte darauf keine Antwort: kein Übergewicht auf den Flügeln, keine schnellen Verlagerungen, kein Hinterlaufen der AV etc. Stattdessen versuchten sie es mit Dribblings, die schlechteste Variante gegen eine so enge Defensive.
Es mag ja sein, dass ManUtd. taktisch unflexibel ist, aber noch unflexibler ist Leverkusen. Ich muss gestehen, ich habe den Fernseher nach dem 1 – 0 ausgeschaltet. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Leverkusen in der Lage ist, noch ein Tor zu schießen. Aber dass sie dann auch noch defensiv eingebrochen sind, passt irgendwie zu dem Spiel der Bayer-Elf.

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Koom 28. November 2013 um 14:31

Ging mir auch so ähnlich bei der Betrachtung. Leverkusen wirkte 2-3 Klassen schlechter als Manchester United, was aber nicht allein in der individuellen Klasse begründet lag. Wie schon weiter unten gesagt: Das Umschaltspiel von Leverkusen war grauenhaft. Und die Ideenlosigkeit gegen eine stehende Abwehr noch erschreckender.

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Tocovsky 28. November 2013 um 11:47

Hat zwar nichts mit dem Spiel zu tun, aber ich als alter United-Fan möchte auch an den Anfang der 2011/12 Saison erinnern (das war die mit dem 8:2 vs. Arsenal u.a.). Wird etwas länger, der Kommentar.

ManUtd hatte jeweils im Aufbauspiel in einer Art 2-4-4 gespielt, wobei meist Jones, Evans und De Gea eine leichte Dreierkette durch extremes Auffächern der IV gebildet haben. Die 4 „Stürmer“ (Young, Rooney, Welbeck, Nani) haben dabei den Gegner hinten festgenagelt und die sog. Außenverteidiger (Evra und Smalling) erinnerten mehr an Flügelspieler. Die beiden ZM waren Anderson/Carrick und Cleverley. In der Defensive wurde das zum üblichen 4-4-1-1 mit Rooney auf der 10. Soviel zu der Mannschaft.

Das Geniale an diesem Team war nicht die fluide Offensive, sondern die Art zu verteidigen. Eroberte der Gegner den Ball, liefen die IV nur neben den Stürmern her und „eskortierten“ sie lediglich, ohne jeglichen Druck. Die gegnerischen Stürmer waren jetzt in einem Dilemma: Entweder sie schlossen ab, was aufgrund der guten Sicht für De Gea leicht zu antizipieren war und daher in qualitativ sehr schwachen Torschüssen resultierte, oder sie spielten den Ball zurück, sodass er entweder leicht abgefangen werden konnte oder United genug Zeit hatte, um sich wieder defensiv zu organisieren.

In den meisten Spielen bekam ManUtd mehr Schüsse auf das eigene Tor als der Gegner. Der Grund dafür war der bereits beschriebene psychische Druck auf die Stürmer, die eher zu hastigen und daher ungenauen Abschlüssen tendierten. ManUtd hatte damit die gängige Ansicht – mehr Verteidiger = sicherer – auf den Kopf gestellt. Um das allerdings spielen zu können, brauchten sie schnelle, wendige IV, wobei sie mit Phil Jones den für diese Rolle immer noch besten Spieler haben und hatten.

Der Grund, warum sie trotzdem keine Zu-Null-Serie aufgestellt hatten, liegt m.E. darin, dass sie den Ansatz nicht konsequent genug verfolgt haben. Ein viel aggressiveres Rückwärtspressing hätte dem Ganzen sicherlich die Krone aufgesetzt. Mit Kagawa haben sie derzeit einen Spieler, mit dem das sogar machbar wäre. Cleverley und Anderson haben in ihren Spielen immer sehr gut miteinander harmoniert, einzeln betrachtet sind sie nicht wirklich gut, aber hier liegt viel Potential für Synergien.

Ich hoffe, dass ich einigermaßen klargemacht habe, dass United sehr wohl in den letzten Jahren taktische Neuerungen hervorgebracht hat, die Ansätze hätten aber auf Dauer verfolgt werden müssen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Verteidigung irgendwann wiederentdeckt und, wenn von den passenden Spielern ausgeführt, Erfolg haben wird.

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RM 30. November 2013 um 21:32

Sir Alex Ferguson wird taktisch und insbesondere strategisch unterschätzt.

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Terminus 1. Dezember 2013 um 12:42

Das hört sich tatsächlich sehr interessant an. Warum wurde die Art zu spielen denn wieder aufgegeben / zurückgefahren, statt weiterentwickelt? Ein 8:2 gegen Arsenal deutet ja drauf hin, dass das durchaus auch auf höherem Niveau funktionierte.

Und… das war doch die Saison, wo United später aus der CL in die EL gehen musste, wo sie dann von Bilbao zerlegt wurden, richtig? Hängt das irgendwie mit der Spielweise zusammen? Oder mit irgendwelchen erzwungenen Umstellungen durch Verletzungen, Sperren etc, dass die Art zu spielen aufgegeben wurde und die alternative Spielweise nicht passte?

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RM 1. Dezember 2013 um 12:55

Ausscheiden von englischen Topteams in der EL würde ich nicht allzu relevant sehen – und nein, da hatten sie dieses System nicht mehr.

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AlexF 28. November 2013 um 11:08

Ich muss sagen, dass wenn ich Kagawa in United sehe, kann auch sein, dass ich immer nur seine nicht so guten Spiele sehe, mir das Herz blutet, wie schlecht er in das Spiel eingebunden ist.

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Terminus 28. November 2013 um 00:10

United verwundert mich immer wieder aufs neue… ich mein, ich bin ja auch nur überwiegend stiller Mitleser und Gelegenheitsgucker, gerade bei United, eben weil ich mir die nicht ansehen kann. Vielleicht entgeht mir da einfach was. Von daher bitte ich den sehr oberflächlichen Kommentar zu entschuldigen und bin mir bewusst, dass der so auch beim x-beliebigen Fußballstammtisch fallen könnte.

Aber:

//rant on

Hat United in den letzten Jahren, vor allem seit dem Ende von Rooney/Tevez/Ronaldo, überhaupt nen (nennenswerten) gruppentaktischen Plan gehabt? Überspitzt gesagt: gefühlt ist das seit Jahren unverändert englischer Heroenfußball in seiner reinsten Form, so von wegen „nach vorne bolzen, da regeln das dann Rooney und Van Persie schon“. Die müssten also gegen jedes taktisch einigermaßen eingestellte Team eigentlich ziemliche Probleme bekommen.
Gleichzeitig sehe ich aber auch nicht DIE individuelle Klasse im Team. Van Persie, klar, Rooney, natürlich – aber dahinter? Vidic, Ferdinand und Evra werden bei all ihrer Erfahrung und Klasse nicht jünger und geben zwar immer noch ein Bollwerk ab, aber sind die wirklich noch so gut wie zu ihren besten Zeiten? Und was kommt dahinter, gerade wenn, wie in diesem Spiel, einer oder beide ausfallen? Wie gut sind Smalling, Evans und Jones wirklich?
Ein zentrales, spielgestaltendes Mittelfeld ist gefühlt nicht vorhanden. Fellaini hat einen Goldenen Ball des SV-Drafts auf seiner Medaillenliste, seine Rolle bei United ist mir aber nach wie vor nicht klar. Kagawa wird meistens außen verschenkt, wenn er denn spielen darf, und bei den Namen Nani, Valencia und Young fällt man jetzt auch nicht gerade vor Schreck vom Stuhl. Dafür verlässt man sich immer noch auf einen fast 40jährigen Ryan Giggs… aber das sind doch alles nicht die Namen, die man mit dermaßen überragender individueller Klasse verbindet, die auf PL-Top- und CL-Niveau Spiele allein entscheiden kann!? Außer Rooney und Van Persie klingt das für mich in der Stammaufstellung immer eher nach Gruppenzweiter/Europa-League statt CL-Favorit und PL-Titelkandidat.
Und trotzdem spielen die seit Jahren, Jahrzehnten, in England konstant oben mit und haben einen gigantischen Ruf in Europa, gelten jedes Jahr aufs neue als CL-Mitfavorit. Ich schüttle darüber den Kopf, denke mir „die sind fällig“, „die werden überschätzt“ – und jedes Jahr liege ich aufs neue falsch.

Ich beuge mich natürlich der normativen Kraft des Faktischen, aber: Was genau macht die eigentlich so stark? „Siegeswille“, „Überzeugung“, „Fergie Time“ etc reicht mir da als Begründung nicht – aber wenn ich die spielen sehe, verstehe ich das schlicht und einfach nicht.

Knallt man Leverkusen – immerhin Tabellenzweiter der Bundesliga – wirklich allein über „hinten sicher stehen, vorne hilft Rooney“ 5:0 weg? Vielleicht stand da ein Weltklasse-Rooney mit Sahnetag auf dem Platz, okay, aber… 5:0?!

//rant off

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blub 28. November 2013 um 01:49

Also ich hab ja im prinzip, das selbe oben schon gerantet. 🙂

Die hatten als mal nen reacht interessanten Aufbauplan bei dem sie unendlich auffächern und dann vorne 4 gegen 4 spielen.

Bei allem gehate darf man die Stärken nicht vergessen, das sie das was sie wollen ganz gut machen.
Plan A sind halt flanken, aber die spielen sie von der Anlage her gut, kein sinnloses rumgebolze sondern ne scharfe flanke mit schnitt und es sind immer 3 Spieler im Strafraum, das beinhaltet auch das der außen etwas verzögert bevor er steil geht, damit auch genug empfänger da sind etc.

Dieser Plan ist relativ schwer zu zerstören und muss bei etwaigen Rückständen und fast egal was der Gegner macht nicht großartig verändert werden.

Großes Plus ist der Kader wo fast jeder gleichwertig ersetzt weden kann und besonders auf den Außen kann man ne Menge unterschiedlicher Spieler bringen: Dribbler wie Nani und Januzaj , ein Defensivstarker wie Valencia ein direkter Typ wie Welbeck oder ein zentrumslastiger Spieler(Giggs, Kagawa). Als ausgleich für letzteren gibts Evra als LV.
Die 10 kann mit Rooney als hängendem Stürmer mit Fellaini oder mit Kagawa auch sehr flexibel besetzt werden.
Damit kann man halt nie kurzpassspiel machen, wollen die auch nicht.

Die IVs sind alt, langsam und hüftsteif, aber die wollen ja auch keine hohe linie spielen und eigentlich immer nur Bälle aus dem Strafraum köpfen.
DM is Carrick und sonst halt durchschnitt.

Insgesamt ist das nix wo man sagen kann „OMG, wie awesome“, aber halt konstant und unanfällig, langweilig eben.

Nachdem die entscheidenden Defensivspieler alle grad 32 sind wirds interessant was da in zukunft passiert.

Leverkusen probiert halt was kompliziertes und hat nicht die mechanismen Uniteds defensive in schwierigkeiten zu bringen. Das die am Ende in Konter laufen, so be it. Teams wie Bayer sind halt Uniteds Wunschgegner, besonders wenn sie unter Zugzwang sind. Gegen richtig gute Teams gewinnt Leverkusen vielleicht aber United halt niemals.

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Schimanski 28. November 2013 um 10:27

Wenn ich das alles lesen, finde ich es schade, dass sich Hyypiä nicht entschieden hat, Anpassungen vorzunehmen.

Aus dem Bauch heraus finde ich das zentrumlastige 4-3-3 von Bayer relativ unpassend. Oder irre ich?

Grundsätzlich ist es wohl so, dass je höher die individuelle Qualität eines Teams ist, desto weniger sind sie gezwungen, eine Kompaktheit in Ballnähe zu erzeugen. Viele defensive Situationen werden im 1 gegen 1 entschieden. Die Folge davon ist, dass man im Umschaltmoment schon sehr aufgefächert und strukturiert steht und das Spiel schnell verlagern kann.

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splattercheffe 28. November 2013 um 13:32

So sehe ich’s auch. Die Leverkusener Aufstellung hat mich beinah schon vor Anpfiff wegschalten lassen, weil ich ein langweiliges 0:0 oder ein 0:1 erwartete.
Dass Bayer schon seit langer Zeit immer wieder mit drei, vier „klassischen“ (also nicht besonders kreativen) Sechsern antritt und sich allein auf das schnelle Umschaltspiel verlässt, ist ja bekannt. Nur, wenn dafür der entscheidende Spieler, Sam, fehlt, wäre es doch logischer und mutiger, zumindest auf einen ähnlichen Spielertyp wie Kruse zu setzen. Aber dann spielt Castro dort, was den Respekt grade vor Uniteds linker Seite nur noch besser ausdrückt.
United ist wie beschrieben keine brillante Elf mehr, aber grade international extrem abgezockt und erfahren. Leute wie Rooney, Giggs, Ferdinand merken doch schon nach wenigen Minuten, was abgeht.
Ich bin sehr gespannt auf RM’s angekündigten Artikel zu den gruppentaktischen Unzulänglichkeiten Bayers, seit Lewandowski weg ist. Gefühlt hat sich Leverkusen für mich schon länger so gezeigt, jetzt haben sie halt endlich mal die Packung bekommen, die ihnen in der Liga noch erspart blieb, aber die sie gegen Bayern schon bekommen hätten müssen.

United wiederum ist auch für mich Kandidat fürs Viertelfinale, aber dann, denke ich, müsste eine große Steigerung grade in spielerischer Hinsicht kommen; Kagawa und Fellaini, Nani und Rooney und Van Persie, da müsste sich doch eigentlich mehr draus machen lassen als die beschriebene Spielweise. Defensiv allerdings werden sie gegen spielstarke Teams wirklich Probleme bekommen.

Ach, und mit einer Träne im Auge noch eine Bemerkung zum Medienhype um die BL als „Stärkste Liga Europas“: Wenn man Schalke (in einer wirklich leichten Gruppe) und Leverkusen so in der CL beobachtet, befallen einen doch leise Zweifel…

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maxanton 28. November 2013 um 13:47

…oder laute Zweifel…

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Michael Maier 28. November 2013 um 15:15

Hyypiä wurde schon bei der Hinspiel-Niederlage ziemlich hart kritisiert. Schwer zu sagen, warum ihm da gar nichts eingefallen ist. Was mich wundert, warum ist Bayer in der BuLi aktuell trotz der taktischen Simplizität doch relativ erfolgreich? OK, in der Frühphase der Saison hat z.B. Gladbach sehr naiv (glücklicherweise ist Favre lernfähig) Bayer voll in die Karten gespielt. Aber mittlerweile müsste doch jeder mitbekommen haben, was für einen Stiefel die kicken.

Viel Geld kauft viel individuelle Klasse kauft Erfolg?

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Koom 28. November 2013 um 15:21

Dein Fazit ist etwas simpel und böse gehalten, aber wohl nicht unwahr. Leverkusen spielt IMO eher einen ziemlichen Sicherheitsfußball. Vorne hilft der liebe Gott, was dann dank individueller Klasse bei der Chancenverwertung offensichtlich oft genug reicht, zumindest für die aktuelle Platzierung. Spricht aber insgesamt eher gegen die „Stärke“ der Bundesliga, wenn sich einfach eine Riegeltruppe, die eine gewisse Konstanz hat, auf Rang 2 befindet.

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MR 28. November 2013 um 17:09

„wenn sich einfach eine Riegeltruppe, die eine gewisse Konstanz hat, auf Rang 2 befindet.“
-> So eine Truppe hat vorletzte Saison in England die Liga gewonnen. Und in der Folgesaison wenig Licht gegen den BVB gesehen.

Man sollte nicht ständig versuchen, aus Einzelbeispielen irgendwelche Gesamturteile über die Liga abzuleiten. Dafür ist das alles zu kompliziert.

Koom 28. November 2013 um 19:31

Hast recht.

Treffender wäre es wohl eher, wenn man eine „aktuelle Zustandsbeschreibung“ der Bundesliga daran fest macht. Nicht, wie stark sie momentan und überhaupt in Vergleich zu anderen ist.

blub 28. November 2013 um 16:45

naja, in der Bundesliga spiele relativ wenige Mannschaften einen „langweiligen“ Fußball, und das läuft Bayer halt rein. vor allem ist Bayer physisch den meisten Teams der Bundesliga überlegen(Reinartz/Bender/Rolfes/Kißling) und kann dann mit Standards noch einiges holen.
Man kann jetzt auch nicht sagen das Bayer besonders unglücklich war bisher.

United macht ja nichtmal richtig das Spiel wenn sie das Spiel machen.

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jmw 28. November 2013 um 02:03

Auch wenn ich deine Meinung durchaus in Punkten teile, überlegene Taktik gewinnt nunmal nicht alle spiele. (uhh viele schöne Phrasen fallen mir grad ein :D)

Gegen ein defesives Team, was das auchnoch gut macht tun sich immer mal wieder alle Teams der Welt schwer.
Und wenn du hinten Tore effektiv verhinderst und vorne welche reinmachst, gewinnst du Spiele.

Das ist dann sogesehen halt auch einfach eine Taktik zu spielen.
United praktiziert zwar nicht die allermodernsten Taktikzüge, aber sind mit ihrer Taktik erfolgreich.
Und es ist ja nicht so, dass United alle schlagen würde. Verlieren tun die auch.

Und das was sie als Taktik machen, machen sie anscheinend ziehmlich gut.

Klar ich glaube auch, dass in der Mannschaft, mit den Spielern und mit den Möglichkeiten des Vereins, extrem viel Potential steckt.

Aber manchmal ist die einfchaste Taktik die effektivste und beste.

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Koom 28. November 2013 um 10:44

United spielte mit einer einfachen, simplen Taktik, quasi „normale“ aktuelle englische Spielweise: „Alle nach vorne und alle nach hinten“. Mittelfeld gibts dabei nicht. Und Leverkusen machte es United extrem leicht. Die Spielanlage der Leverkusener ist ja eigentlich auch tief stehen und kontern, aber das Umschaltspiel war vor allem gestern so unglaublich schlecht, das sich United brav hinten aufreihen konnte. Und gegen eine (abgewichste) stehende englische Abwehr fällt den biederen Leverkusenern dann nichts ein.

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AlexF 28. November 2013 um 11:07

Danke, genau dieser gedanke schwebt mir auch schon länger im Kopf. Wie können die mit wenigen Weltklassespielern auf ihrer Position und nur mit dem taktischen Mittel „Flanken“ immer wieder relativ erfolgreich sein.

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CH 28. November 2013 um 12:06

Die haben sich eine Spielweise überlegt und ziehen die durch. Die gehen das Risiko am Strafraum zu verteidigen und managen das über viele Beine (Kompaktheit) und Robustheit. Das Mittelfeld wird nicht bespielt sondern überbrückt, wozu brauch ich da offensive Mittelfeldspieler neudeutscher Prägung ?
Vorne haben sie die Leute die man am Ende der „Mittelfeldbrücke“ braucht. Die Qualitäten der Spieler passen zur Spielweise und die Spielweise zu den Spielern.
Nach der Balleroberung ist Alarm, aber wehe die haben den länger als 30 Sekunden. Nur weil es nicht nach dem Barcelona-Trend aussieht, ist es noch lange nicht schlecht.

Zur Konkurrenz: Welche Weltklassespieler haben den die PL-Konkurrenten ?
Arsenal : Özil, Wilshere ?, Carzola ? ein paar Sprinter und Talente
ManCity: Touré, Kompany, Agüero ? Insgesamt der beste DreamTeam-Kader, spielt aber eher suboptimal zusammen.
Chelsea: Mata, Hazard ?
Tottenham: nix
Liverpool : Suarez, Sturridge ?

In der CL werden sie noch Probleme bekommen.
Leverkusen spielte insgesamt recht gehemmt und bekam gestern mind. zwei Tore durch dumme Fehler : Reinartz‘ Hackenblödsinn und ein Eigentor nach Flanke.

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Andreas 27. November 2013 um 23:36

Frage: muss can bei der Flanke zum 0-1 eigentlich in die Mitte einrücken und so in Kauf nehmen, dass der Torschütze ungedeckt ist?

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CRE 27. November 2013 um 23:44

Nein, als er im Interview nach dem Spiel die Szene nochmal sah, war er selbst ziemlich geschockt über seinen Laufweg und gab zu Valencia einfach nicht gesehen zu haben.

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nygidda 28. November 2013 um 10:40

Wenn man sich die Szene ganz genau anguckt, sieht man, als Reinartz den Ball verliert er mit zurückläuft und dabei den Arm in Richtung Can hebt, dass dieser Kagawa decken soll. Spätestens da würde ich natürlich auf meinen Mitspieler vertrauen, da dieser auch die bessere Position hat und mich nicht mehr umschauen. Was mich aber aufregt: Wäre Reinartz nicht zurück spaziert, sondern weiter hinter Kagawa her, dann wäre Can auch nie eingerückt.

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blub 27. November 2013 um 23:19

Tja, hier hat man mal wieder den vorteil einfacher struktur bei indivudeller Klasse gesehen, aber (Grupppen)taktisch ist United jetzt seid 10 Jahren die langweiligste Mannschaft des Planeten.

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Bernhard 28. November 2013 um 14:35

Das würde ich so nicht unterschreiben. Das Umschaltspiel war lange Zeit Uniteds Domäne. Vor allem nach C.Ronaldos Abgang (überhaupt die Saison 2010-2011) war unglaublich. Neben Mourinhos Inter das Beste was es zu sehen gab. Bloß hat Klopp mittlerweile den Engländern den Rang abgelaufen, Mourinho mit Chelsea wahrscheinlich auch.

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