Everton FC – Manchester City 2:0

City erst mit der falschen Formation, danach nicht kreativ genug. Everton nutzte die Probleme des amtierenden Meisters gnadenlos aus und zeigte sogar Ansätze von Gegenpressing.

Everton im üblichen 4-4-1-1

start

Startformationen

Everton begann im gewohnten 4-4-1-1. In der Viererkette verteidgten Baines und Coleman auf den Flügeln, im Zentrum ersetzte Distin den verletzten Jagielka neben Heitinga.

Auf der Doppelsechs ließ Trainer David Moyes mit Darron Gibson und Leon Osman zwei dynamische Spieler auflaufen, der etwas spielstärkere aber weniger athletische Phil Neville saß auf der Bank.

Die offensiven Außenbahnen beackerten Mirallas und Pienaar. Die beiden tauschten häufig die Positionen und zeigten einen starken Drang in die Mitte.

Hinter dem für den zuletzt glücklosen Jelavic ins Team gekommenen Anichebe spielte Evertons Schlüsselspieler Maroune Fellaini. Der groß gewachsene Belgier mit der feinen Technik versuchte wie gewohnt, in den offensiven Halbräumen an den Ball zu kommen.

Mit diesen Bewegungen stellt er die Gegner immer wieder vor die Frage, ob man ihn dort gewähren lassen soll, oder ob man einen Abwehrspieler aus der Kette herausrücken lässt, was aber natürlich Räume öffnet.

Manchester City im 3-4-3

Roberto Mancini wählte das 3-4-3 als Startformation. Kolo Touré agierte in der Dreierkette zwischen Nastasic und Zabaleta, da Vincent Kompany noch immer verletzt fehlte.

Milner und Kolarov agierten auf den Flügeln eher tief, sie verhielten sich sowohl bei eigenem als auch bei gegnerischem Ballbesitz eher wie Außenverteidiger.

Das Mittelfeld bestand praktisch also nur aus Gareth Barry und Javi Garcia, da Silva, Tevez und Dzeko einen recht klaren Dreiersturm bildeten. Dzeko gab den Zielspieler im Zentrum, Tevez kam über die linke Seite und Silva driftete von rechts nach innen.

Probleme im Aufbau mit der Dreierkette

Manchester City hatte im Aufbau in der Anfangsphase große Probleme. Die Dreierkette war recht breit aufgestellt, jedoch schoben die Flügelspieler Milner und Kolarov nicht besonders weit vor, sondern standen maximal zehn Meter vor den breit stehenden Innenverteidigern.

Everton agierte im Spiel gegen den Ball im 4-4-1-1. Ließen sich Barry oder Garcia fallen, folgte Fellaini ihnen. Mirallas und Pienaar stellten Kolarov und Milner zu. Anichebe war deswegen zwar gegen die drei Innenverteidiger in Unterzahl, konnte dies durch gute Anlaufbewegungen aber kompensieren.

Er übte nicht besonders viel Druck auf den Ballführenden aus, sondern war darauf bedacht, die Verbindungen zu trennen. Er ließ den zentralen Akteur der Dreierkette – meistens war es Touré – den ersten Ball auf einen der breit stehenden Innenverteidiger spielen. Direkt nach dem Pass lief Anichebe den äußeren Innenverteidiger dann seitlich an und nahm ihm so die Möglichkeit, zurück zum zentralen Mann zu spielen.

Da Fellaini den ballnahen Sechser zustellte und Mirallas bzw. Pienaar stets nah an Kolarov bzw. Milner waren, blieb nur der lange Ball. Dieser ging entweder ins Zentrum, wo Dzeko gegen Distin und Heitinga Schwierigkeiten bei der Verarbeitung bekam, oder die Linie entlang auf einen der wenig kopfballstarken Halbstürmer Tevez oder Silva.

Everton kam so schnell wieder an den Ball und hatte in den ersten 15 Minuten bis zu 70% Ballbesitz. Besonders das Fehlen Kompanys schmerzte City. Mit seinem guten Passspiel hätte er einige Situationen besser auflösen können, zudem hätte er mit seiner Erfahrung als defensiver Mittelfeldspieler auch mal vorrücken können, um sich vor der Abwehr anspielbar zu machen.

Problematisch am Aufbau mit einer Dreierkette ist nämlich auch, dass der zentrale Akteur den Torwart in gewisser Weise blockiert.

Gegenpressing? In der Premier League?

Die englische Liga muss sich seit einiger Zeit zu Recht den Vorwurf gefallen lassen, im Pressing und im Gegenpressing nicht auf der Höhe der Zeit zu sein.

Heute sah man bei Everton jedoch zeitweise ein durchaus gut strukturiertes und durch die gegnerische Formation bedingt auch äußerst effektives Gegenpressing.

gegenpressing

Pienaar nahm Milner in den Deckungsschatten, Anichebe und Fellaini taten dies mit ihren Gegnern ebenfalls. Baines antizipierte die langen Pässe auf Milner (grünes Feld).

Pienaar und Mirallas drückten Milner und Kolarov weit zurück, sodass City oft mit einer Fünferkette verteidigte. Gewann City dann einmal den Ball, arbeiteten Pienaar und Mirallas gut mit ihrem Deckungsschatten und setzten die äußeren Akteure der Dreierkette so unter Druck, dass Milner oder Kolarov nicht direkt anspielbar waren.

Die beiden Wing-Backs konnten nur per langem Ball erreicht werden, was Everton aber durch geschicktes Verhalten der Außenverteidiger im Keim erstickte. Baines und Coleman, die sich gegen Citys 3-4-3 ja eigentlich an Silva und Tevez orientieren mussten, reagierten auf die Gegenpressing-Bewegungen ihrer Vordermänner.

Sie ließen Silva und Tevez in ihrem Rücken, wohlwissend dass vorne genug Druck auf den Ball ausgeübt wurde, um präzise lange Bälle auf die Halbstürmer zu verhindern.

Auf der linken Seite sah das Gegenpressing dann exemplarisch so aus: Pienaar rückte auf Zabaleta und nahm Milner in seinen Deckunssschatten. Fellaini und Anichebe versperrten in der Mitte die Passwege zu den Innenverteidigern und Sechsern, sodass Zabaleta nur lang spielen konnte.

Baines ließ Silva im Rücken und rückte vor, Distan schob einfach etwas rüber, sodass Silva nicht komplett frei war. Da Baines natürlich um Pienaars Deckungsschatten wusste, kam nur eine bestimmte Zone in Frage, wo der Ball für Milner erreichbar gewesen wäre. Genau dahin rückte Baines dann und konnte den Befreiungsversuch der Gäste somit ersticken.

Mancinis Formation unpassend gegen Evertons Lieblingsspielzug

Nicht nur im Aufbau erwies sich die Dreierkette als unpassend: Gegen Evertons Lieblingsspielzug funktionierte das System ebenfalls nicht.

Fellaini geht dabei häufig auf die halblinke Seite und zieht einen der Innenverteidiger aus der Position – geschieht dies nicht, kann er die Duelle gegen die in der Regel kopfballschwachen Rechtsverteidiger leicht gewinnen. Gleichzeitig rückt Pienaar ein, um abgelegte Bälle Fellainis zu verarbeiten, Baines geht die Linie entlang, um Breite zu geben.

Versuchte Everton heute also diesen Spielzug, blieb City im Zentrum dank der Dreierkette trotzdem noch eine 2gegen1-Situation mit Touré und Nastasic gegen Anichebe. Problematisch war jedoch, dass Zabaleta gegen den nach links driftenden Fellaini bei hohen Bällen keine Chance hatte.

Auch eine Ebene weiter vorne sahen sich die Citizens einem erheblichen Problem ausgesetzt: Milner musste sich entscheiden, ob er den nach innen ziehenden Pienaar verfolgt, oder den durchstartenden Baines aufnimmt. Silva, eigentlich Baines´ nomineller Gegenspieler, arbeitete nicht gut nach hinten, sodass Milner ihn aufnahm und der ballnahe Sechser auf Pienaar schieben musste.

City blieb somit nur ein Sechser im Zentrum, was Everton den Rückraum dominieren ließ. Über Osman und Gibson konnten sie das Spiel immer wieder auf Coleman verlagern. Gerade in der Anfangsphase kam der Ire oft an den Ball, konnte Kolarov einige Male umspielen und gefährliche Hereingaben bringen.

Mancini versucht umzustellen, doch Everton bestimmt Citys Formation weiterhin

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Nach einer guten Viertelstunde stellte Mancini auf ein asymmetrisches 4-4-2 um. Tevez arbeitete jedoch nicht viel gegen Coleman, Milner wurde durch Baines zurückgedrängt.

Nach einer guten Viertelstunde stellte Mancini auf eine Viererkette um. Kolarov verteidigte links, Zabaleta rechts.

Durch Baines´ Offensivdrang wurde Milner aber derart zurückgedrängt, dass das System wieder mehr einer Fünferkette ähnelte.

Barry und Garcia waren gegen den Ball im Mittelfeld nun ziemlich auf sich allein gestellt und konnten keinen Zugriff bekommen.

Coleman konnte nun noch öfter eingebunden werden, da Tevez seine Rolle auf dem linken Flügel fast nur offensiv ausübte.

Die bedauernswerten Garcia und Barry schoben fleißig von rechts nach links, hatten aber praktisch keine Chance, an den Ball zu kommen.

Im Offensivspiel verschwanden die in Ballbesitz nun sehr eng aneinander spielenden Dzeko, Tevez und Silva zwischen Evertons Innenverteidigern und Sechsern.

City war ein gespaltenes Team, in dem ganz klar die Verbindungen fehlten, um ein vernünftiges Kombinationsspiel aufzuziehen.

Dass mit Yaya Touré dann auch noch der einzige Spieler im Kader fehlte, der mit Ball dynamische Vertikalläufe anbieten kann, tat sein Übriges.

Everton zieht sich weiter zurück und wartet

Nachdem Everton nach einer guten halben Stunde durch Osman in Führung gegangen war – er traf aus dem wegen Barrys und Garcias intensive Arbeit im Verschieben verwaisten Rückraum – zogen sich die Toffees weiter zurück.

City durfte sich die Bälle nun zuschieben, Everton ließ die Außenverteidiger frei und zog sich mit zwei Viererketten an die Mittellinie zurück. Beim amtierenden englischen Meister fehlten weiterhin die Verbindungen, da sich Tevez und Silva nur selten in die richtigen Räume bewegten.

Bis zum Platzverweis gegen Pienaar in der 61. Minute konnte City sich keine wirklich gute Chance herausspielen, Everton wurde nach Standardsituationen gefährlich, jedoch nicht in der Klarheit wie gewohnt.

Umstellungen nach dem Platzverweis

Kurz nachdem Pienaar des Feldes verwiesen wurde, rückte Osman auf die linke Seite, Fellaini bildete mit Gibson die Doppelsechs.

Wenig später brachte Moyes mit Naismith einen defensivstarken Akteur für Mirallas. Evertons 4-4-1 war extrem eng, die beiden Flügelspieler rückten sehr weit ein.

Im Spiel nach vorne kamen sie recht klassisch über die Flügel und versuchten, zu Flanken, Eckbällen und Freistößen zu kommen.

Auch Mancini stellte nach dem Platzverweis um. Für den defensiven Mittelfeldspieler Barry kam Samir Nasri.

Die Gäste formierten sich fortan in einem offensiven 4-3-3, bei dem Silva und Nasri die Halbpositionen vor Javi Garcia übernahmen. Milner attackierte rechts, Tevez kam weiterhin über die linke Seite. Mit zunehmender Spieldauer sah man auch immer mehr Positionswechsel und Überladungen. Silva, Milner, Nasri und Tevez rochierten und rotierten häufiger und konnten sich einige Male in den Strafraum kombinieren.

Zumeist kamen sie jedoch nur in wenig aussichtsreiche Positionen seitlich vom Tor, die Pass- und Schusswege waren weitgehend versperrt. Evertons Torhüter Mucha hielt zudem mehre Male sehr gut bei 1gegen1-Duellen aus spitzen Winkeln.

In der 82. Minute brachte Mancini dann noch Scott Sinclair und Gael Clichy für Touré und Milner. Clichy spielte nun als Linksverteidiger, Nastasic bildete mit Garcia die Innenverteidigung, wobei Letzterer bei Ballbesitz mit ins Mittelfeld ging.

Kolarov spielte nun höher und ermöglichte Tevez eine freie Rolle, Sinclair ordnete sich auf dem rechten Flügel ein. Gegen die mittlerweile etwas müden Gastgeber kamen die umherdriftenden Silva und Tevez noch zu einigen Abschlüssen aus zweiter Reihe. Ansonsten chippten sie die Bälle häufig aus den Halbpositionen in den Strafraum. Dzeko konnte zwar einige Kopfballduelle gewinnen, jedoch kann man kaum Druck hinter solche Flanken bekommen.

Pech hatten die Gäste bei einer Schiedsrichterentscheidung, als nach Handspiel von Fellaini auf Freistoß statt Elfmeter entschieden wurde. Klare Torchancen konnte sich der englische Meister jedoch nicht mehr erspielen, Everton verteidigte fleißig mit beiden Viererketten und versuchte durch Anichebe und kurz vor Schluss Jelavic, die Bälle in vorderster Front zu halten.

Sekunden vor dem Abpfiff konnte Fellaini den Ball noch einmal über das halbe Feld treiben und auf Jelavic quer legen. Der eingewechselte Stürmer traf mit einem abgefälschten Schuss zum Endstand.

Fazit

Eine beeindruckende Anfangsphase von Everton, in der sie die unpassende Formation des Gegners gnadenlos ausnutzten. Besonders interessant waren auch die eingestreuten Phasen des Gegenpressings. Man darf gespannt sein, wie regelmäßig dies nun zum Einsatz kommen wird.

City zeigte Probleme im Aufbau und im Herstellen von Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen. Aus der Mitte kamen zudem sehr wenige ambitionierte Pässe, gerade Barry und Kolo Touré spielten viel quer oder zurück.

Die Maßnahme, mit Dreierkette zu spielen, ging nicht zum ersten Mal schief, sowohl offensiv als auch defensiv zeigten sich erhebliche Nachteile gegen ein Einstürmer-System.

Lino 22. März 2013 um 09:18

Also, wer es nicht schafft in einem 3-4-3 eine halbwegs sinnvolle Spieleröffnung hinzukriegen, der muss schon einiges falsch machen, da das 3-4-3 von den Passmustern her eines der am schwierigsten zu pressenden Systeme überhaupt ist 😉

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Izi 18. März 2013 um 07:59

Vielen Dank für den tollen Artikel! 🙂

Leider habe ich das Spiel meiner Toffees nicht gesehen, aber ich hatte auch schon in anderen Spielen das Gefühl, hin und wieder etwas Pressing-ähnliches beobachtet zu haben. . .

Kann nur hoffen, dass sie das beibehalten und ausbauen! 🙂

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Bernhard 17. März 2013 um 22:50

Eine grundsätzliche Frage bzgl. der Gegenpressing These in der EPL. Spielt nicht einmal Arsenal eines?
Ich schau leider keine Matches von den londonern (außer die Partien gegen die Bayern),aber was ist deine Meinung dazu?

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PP 18. März 2013 um 09:18

So viele Spiele habe ich von Arsenal diese Saison auch noch nicht gesehen. Das was ich bisher beobachten konnte, waren eher vereinzelte Ansätze, aber nichts, das einer großen Ausführung gerecht werden würde.

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Bernhard 18. März 2013 um 09:41

Ich verstehe. Wieso gibt es deiner Meinung nach keine Willen (ist jetzt sehr plakativ formuliert) der englischen Clubs ein Gegenpressing trainieren und spielen zu lassen?

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PP 18. März 2013 um 10:05

Da kann man nur spekulieren, eventuell falsche Selbstwahrnehmung?

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Bernhard 18. März 2013 um 11:34

Lol,klingt schon sehr gewagt.

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CF 18. März 2013 um 12:46

Habe ein Paar Spiele von Arsenal gesehen und muss sagen das Arsenal schon ein Gegenpressing spielt dieses wirkt an manchen Stellen meiner Meinung nach noch ein bisschen holprig und ist verglichen mit dem Gegenpressing der Bundesliga nicht zu vergleichen.

Habe aber noch eine Frage an PP. Meiner Meinung nach ist die BPL die am schwersten zu analysierende Liga, weil manchmal wirklich oft komische Situationen entstehen die nicht sehr klar sind so ging es mir bei diesem Spiel auch manchmal rückt Barry auf und es entstanden riesen Löcher in der Formation, da frage ich mich ist das jetzt einfach nur dumm von Barry oder so gewollt von Mancini ?

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PP 18. März 2013 um 23:50

Damit wollte man wohl die mangelnde Präsenz im Zehnerraum kompensieren. Wenn ich wüsste, inwieweit das Vorgabe des Trainers oder die eigene Intuition des Spielers war, wäre ich wohl ein sehr sehr gefragter Mann 😉

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SF 17. März 2013 um 13:15

hätte noch eine Frage:

Wie hätte City Evertons Gegenpressing besser umgehen können bzw was hat City falsch gemacht, dass das Gegenpressing Evertons so gut funktionierte?

lg

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PP 18. März 2013 um 09:16

Zum einen haben sie durch die Dreierkette gegen einen Stürmer einen Mann im Mittelfeld oder weiter vorne „verschwendet“. Meiner Meinung nach war der zentrale Mann überflüssig, da er nur wenige Meter höher stand, als es der Torwart beim Aufbau tun sollte.

Dadurch, dass Silva und Tevez Dzeko flankierten, war der Zehnerraum überhaupt nicht besetzt. City war also in drei ziemlich klare Linien unterteilt, die leichter voneinander isolierbar sind.

Silva und/oder Tevez hätten meiner Meinung nach mehr in den Zehnerraum gehen sollen. Osman und Gibson hätten dann etwas tiefer spielen müssen, sodass Barry und Garcia in Citys Sechserraum besser anspielbar gewesen wären. Zudem wären sie bei langen Pässen auf Dzeko besser gestaffelt für zweite Bälle.

Sorry für die späte Antwort, stecke mitten im Umzug

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SF 20. März 2013 um 12:40

dankeschön 🙂
Ich möchte noch anmerken, dass ich es sehr schätze, dass ihr die Fragen der User beantwortet.

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