FC Augsburg – 1899 Hoffenheim 2:1

Der FC Augsburg hat das direkte Duell um den Relegationsplatz gewonnen, während die TSG 1899 Hoffenheim einmal mehr den Kürzeren zog und nun einen direkten Abstiegsplatz belegt. Beim 2:1-Sieg präsentierte die Elf um Trainer Markus Weinzierl abermals eine klare taktische Struktur, welche am Ende des Spiels ausschlaggebend für einen nie gefährdeten Sieg war.

Wechselwirkungen der jeweiligen Formationen

Grundformationen - Augsburg gegen Hoffenheim

Startformationen zu Spielbeginn inklusive der dargstellten Flügelzone

Der Gast aus dem Kraichgau begann mit einem 4-4-2/4-4-1-1. Ganz vorne lief Eren Derdiyok auf, der mit seinem körperlichen Format als Ziel- und Wandspieler diente. Als Partner agierte Kevin Volland, der ergänzend um ihn herumspielte und mit seinen Fähigkeiten eine potenzielle Unterstützung am Flügel anbot. Auf dem linken Flügel spielte Joselu einen verkappten Stürmer, der seinen Gegenspieler binden sollte und bei Ballbesitz frühzeitig den Weg in die Spitze suchte. Sein Gegenüber war Roberto Firmino, welcher seinem Naturell entsprechend als zusätzliche Anspielstation im Zentrum auftreten sollte, um mit seinen spielgestalterischen Fähigkeiten die Spitzen in Szene zu setzen. Zum Ausspielen seiner Stärken sollte es jedoch gar nicht erst kommen, da er defensiv mehr als gebunden war. Ein Thema im späteren Textverlauf. Abgesichert wurde die sehr offensiv aufgestellte Riege von einer zweifach-Sechs, die Polanski und Weis bekleideten. Sprich eine klassische horizontale Wahl kombiniert mit einem vertikalen Verbindungsspieler. In der Viererkette kamen Fabian Johnson als Linksverteidiger, Mattieu Delpierre (ab der 22.Minute von Vestergaard ersetzt) und David Abraham in der Innenverteidigung und Andreas Beck als Rechtsverteidiger zum Einsatz.

Der FC Augsburg veränderte seine Startelf gegenüber der Vorwoche auf drei Positionen, verpackt in einer favorisierten 4-1-4-1-Variante. Amsif ersetzte kurzfristig Oldie Manninger, Linksverteidiger Ostrzolek durfte als offensivere Variante seinen Mitspieler de Jong ablösen und Hahn bekleidete die Position auf dem rechten offensiven Flügel. Dieser wurde vom eher zurückhaltenden Rechtsverteidiger Kevin Vogt abgesichert, der zusammen mit Ragnan Klavan und Callsen-Bracker die Viererkette vervollständigte. Am gegenüberliegenden Spielfeldende beackerte Sascha Mölders in bekannter körperbetonter Manier das Sturmzentrum, linksseitig flankiert vom laufstarken Tobias Werner. Fehlt noch das zentrale Mittelfeld.

Spielentscheidender Faktor #1

Dieses setzte sich auf dem Papier aus Daniel Baier als Sechser, Ji als halblinken Achter sowie Koo als halbrechten Achter zusammen. Auf dem Platz stellte sich die Anordnung sehr asymmetrisch dar, wie schon diverse Male zuvor beobachtbar, beispielsweise im Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Grund ist die Hybridposition des winterlichen Neuzugangs Ji. Seine Konstitution sowie seine technischen Fähigkeiten erlauben es ihm, innerhalb der Offensive verschiedene höhere Bereiche effektiv anzusteuern. Er bricht regelmäßig aus dem dreifach-Konstrukt aus und entzieht sich der tieferen Ballzirkulation im Zentrum.

In der Folge passen sich die verblieben zentralen Mitspieler Baier und Koo räumlich an, bilden eine situative Art der Doppel-Sechs. Daniel Baier, der kreative Kopf und Ballverteiler, pendelt dann vermehrt zwischen dem linken Halbraum und der zentralen Achse, während der rechte Achter, hier Koo, situativ den defensiven rechten Halbraum besetzt und das Aufbauspiel unterstützt. Der ausgebrochene Ji besetzt parallel dazu den linken offensiven Halbraum oder den linken Flügel, mit dem Ziel eine Überladung herzustellen. Aus dieser Überladung heraus soll ein Mitspieler möglichst so „freigespielt“ werden, dass dieser die Möglichkeit zum Durchbruch erhält oder vorzeitig ein Flankenspiel betreiben kann. Aufgrund einstudierter gruppentaktischer Verhaltensweisen sowie seiner Spielintelligenz ist es Ji oftmals möglich, zu einem passenden Zeitpunkt in die Spitze zu stoßen und selbst Abnehmer dieser Flanken zu sein. Er bereitet seine torgefährlichen Situationen selbst vor, überspitzt formuliert.

Genau diese Flügelüberladungen waren gegen die Hoffenheimer besonders effektiv, da eine nominelle Überzahl im Zentrum (3vs2) bestand und mit Firmino ein nicht gerade defensivstarker Spieler auf dem Flügel positioniert war. Die Augsburger waren immer wieder bestrebt diesen Flügel mithilfe des ballseitigen Quartetts anzubohren. Ostrzolek zeigte gut getimte Linienläufe, Tobias Werner zog Gegenspieler Beck in den hohen Halbraum, Baier bespielte die Zone mit übersichtlichen Pässen und Ji überzeugte als technisch versierter Verbindungsspieler. Firmino war von dieser Situation sichtlich am meisten überfordert, er hatte kaum gegnerischen Zugriff und wenig Kompaktheit zur Mannschaft. Er lief von Anfang an der Musik hinterher, eine defensive Grundstabilität war nie gewährleistet. Folgerichtig kam noch vor der Halbzeit die Einwechslung von Schröck, aber erst nach dem Augsburger Führungstreffer. Zeitpunkt verpasst – Tor vermeidbar?

Spielentscheidender Faktor #2

Augsburg gegen Hoffenheim - Hoffes 4-1-3-2

freie Zonen zwischen den Linien

Zur zweiten Halbzeit änderte TSG-Trainer Marco Kurz die Abläufe innerhalb des bisherigen Systems. Tobias Weis wechselte die Seite und wurde vermehrt in die gegnerische Tiefe beordert, wodurch wahrscheinlich ein erhöhter Zugriff auf Baier sowie das ganze Augsburger Aufbauspiel erzielt werden sollte. Der Koreaner Ji wurde bei diesem Ablauf in den Zuständigkeitsbereich von Innenverteidiger Abraham übergeben. So entstanden auf Hoffenheimer Seite deutlichere Zuordnungen und es entstand eine Art 4-1-3-2. Der Erfolg stellte sich jedoch kaum ein, was vor allem an der bekannten Problemzone zwischen den Linien lag. Weite Abstände zwischen der Abwehr- und Mittelfeldreihe kreierten große bespielbare Halb- und Flügelräume neben der Absicherung Polanski. Es fehlte ein Aufrücken im Abwehrverbund sowie eine ordentliche Rückwärtsbewegung des Offensivverbunds. Verschärft wurde diese Zwischenlinien-Problematik mit der Auswechslung von Tobias Weis, denn ab diesem Zeitpunkt verkörperte Kevin Volland, zuvor Stürmer, den „zweiten Sechser“ im System. Die Trennung zwischen Defensive und Offensive wurde auf natürliche Weise vorangetrieben, die beschriebenen Zonen erweitert.

Gastgeber Augsburg hatte wenige Schwierigkeiten mit der taktischen Umstellung, es folgten nur kleine Anpassungen. Das Aufbauspiel wurde weiterhin ruhig aufgezogen und man versuchte sich, oftmals ohne große Mühe, in die angebotenen Freiräume zu kombinieren. Daneben stellten lange Bälle auf Mölders, der geringen gegnerischen Kompaktheit sei Dank, eine weitere vielversprechende Option dar. Ein großer Nutznießer des Zwischenraums war Mittelfeldspieler Koo, der in der zweiten Halbzeit eine gewichtigere Rolle spielte und einige Angriffe initiierte, während die offensive Präsenz von Ostrzolek und Baier abnahm. Letzteres basierte eher auf der zahlenmäßigen Gefahr, welche die Hoffenheimer ausstrahlten, als auf der gegnerischen Umstellung. Neben Koo konnten auch die Flügelstürmer Werner und Hahn mehr Einfluss nehmen, das Aufsuchen der Halbräume war dabei ein häufig genutztes Mittel. Am Ende muss wohl kaum erwähnt werden, was den zweiten Augsburger Treffer begünstigte, oder?

Fazit

Aus taktischer Sicht waren es letztendlich zwei übergeordnete greifbare Faktoren, aus denen der FC Augsburg einen verdienten Sieg formen konnte. In der ersten Halbzeit führten Überladungen im Flügelbereich zum Durchbruch. Hierbei stellte das Quartett um Ji bevorzugt die Seite von Firmino auf die Probe, was kurz vor dem Pausentee mit der Halbzeitführung belohnt wurde. TSG-Trainer Kurz stellte daraufhin das System um, aber bescherte den Augsburgern damit viel Platz zwischen den Linien. Der Dolchstoß.

JTF 28. Februar 2013 um 09:40

Wenn ich mir die Grafik nach der Umstellung ansehe, scheinen die Formationen einfach mehr oder weniger gespiegelt zu sein. Dass heißt auch, dass man die Kreise um die Augsburger Spieler auch einfach um Schröck und Joselu/De Camargo ziehen könnte. Genügend Spieler mit der körperlichen um lange Zuspiele aufnehmen zu können standen bei den Hoffenheimern auch auf dem Platz.

Was haben die Augsburger in der defensive dann besser gemacht? War deren Formation doch etwas enger, als in der Grafik aufgezeichnet? Oder hat die höhere Position der Augsburger zusammen mit nicht gerade superschnellen Hoffenheimer Angreifern den Ausschalg gegeben?

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Fabian 26. Februar 2013 um 14:17

Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber beim Lesen des Berichtes fällt mir eines auf. Ich finde es gerade interessant, dass das Hoffenheimer System für mich eigentlich durchaus Sinn ergibt. Mit den Ideen könnte man doch prinzipiell erfolgreich Fußball spielen, genug Offensivkraft ist doch vorhanden und ein 4-4-2 ist defensiv erstmal auch nicht die schlechteste Idee. Nur muss man in so einem System Überladungsbewegungen der Gegner durch extremes Raumfressen und situativem Pressing begegnen. Dann kann man nach Ballgewinnen über die eigentlich ballsicheren Spieler auch schnell und gefährlich nach vorne spielen. Es fehlt scheinbar deutlich an der Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen und der Motivation und dem Selbstbewusstsein einzelner Spieler. Man sieht daran einfach, dass nur eine gute taktische Idee nicht ausreicht, wenn man sie ungenügend umsetzt und alle anderen Faktoren (Spielintelligenz, Einsatzwille, Selbstbewusstsein, Abstimmung, etc.) darüber hinaus vermissen lässt.

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fluxkompensator 25. Februar 2013 um 23:30

könnte die tsg dem problem der offenen halbräume nicht einfach mit einer dreifachsechs begegnen? etwa polanski als horizontaler spieler, weis und eventuell schröck als 8er.

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BeSt 26. Februar 2013 um 00:03

Die Hoffenheimer waren ja als diese Probleme auftraten in Rückstand und wie soll es Kurz rechtfertigen wenn er bei Rückstand einen 6er für einen Stürmer bringt, aber sicherlich war es ein Fehler Weis auszuwechseln und ein hohes Pressing zu spielen den dabei muss jeder mitarbeiten und am Teamgeist und Zusammenhalt mangelt es den Hoffenheimern ja bekanntlich. Es ist ihnen somit auch in keinster weiße gelungen die Augsburger Verteidiger unter Druck zu setzen

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fluxkompensator 26. Februar 2013 um 13:42

ct schreibt im artikel aber von der „bekannten problemzone“, deshalb meine frage.

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BeSt 25. Februar 2013 um 22:46

Danke für den Artikel und die sehr gute Analyse,

Meiner Meinung nach war der entscheidende Faktor der das Spiel zu Gunsten der Augsburger ausfallen lies die extrem Schwachen Flügel der Hoffenheimer. Ein Team das sich als Konterteam ausrichtet, sich zurückzieht und Mittelfeldpressing betreibt braucht schnell umschaltende Flügelspieler. Joselu und Firmino sind da weniger geeignet. Durch diese Harmlosigkeit konnte Augsburg weit aufrücken ohne Gefahr in einen Konter zu laufen. Auf Augsburger Seite durfte Koo endlich im Zentrum ran, er und Baier waren zu Beginn des Spiels als pressingresistente Spieler Schlüsselfiguren gegen das hoffenheimer Mittelfeldpressing. Besonders gut hat mir diesmal auch Mölders gefallen, der für mich überraschend aktiv am Spielgeschehen beteiligt war, er wurde immer wieder als Zielspieler im Zentrum gesucht, legte Bälle gut ab und schaffte durch kluge Läufe immer wieder Platz für Ji, das war beim ersten Tor gut zu sehen als er zwei Verteidiger auf sich zog und auch bei einer Chance mitte der ersten Halbzeit als Ji noch klar das Tor verfehlte .

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TW 25. Februar 2013 um 22:18

Sehr schöne Analyse mit klar herausgearbeiteten Faktoren für die Augsburger Überlegenheit in beiden Halbzeiten. Glückwunsch!

Beim nächsten Mal bitte jedoch vor dem Einstellen Korrektur lesen. Es haben doch eine Menge Tipp- und Flüchtigkeitsfehler ihren Weg in den Text geschafft.

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guitarspider 25. Februar 2013 um 23:21

Mal ehrlich, wer etwas aufpasst, der findet auch bei ARD, Spiegel und Süddeutscher regelmäßig Tippfehler und doppelte Worte. Und die werden dafür bezahlt. Solange sich die Fehler hier in Grenzen halten, könnte man ja vielleicht mal drüber hinwegsehen…

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