Valencia CF – Paris Saint Germain 1:2

Paris im Stile einer Spitzenmannschaft, Valencia völlig ideenlos. Ein später Anschlusstreffer und Sperren sorgen jedoch für Spannung im Rückspiel.

Das Pariser System – ein bisschen Brasilien, ein bisschen ManCity

Die Gäste aus Paris formierten sich in einem interessanten 4-4-2/4-2-2-2-System. Gegen den Ball verteidigten sie recht tief mit zwei klaren Viererketten. Davor wechselten sich Ibrahimovic und Lavezzi damit ab, Passwege auf die Sechser zuzustellen – der jeweils andere durfte sich vorne ausruhen.

PSGViel interessanter war das Spiel in Ballbesitz. Mit der spielstarken Doppelsechs mit Verratti, den nicht nur Kollege RM für einen kommenden Weltklassespieler hält, und dem athletisch wie technisch starken Matuidi war ein gutes Aufbauspiel gewährleistet. Sie kippten situativ hinter die vorrückenden Außenverteidiger ab, besonders Matuidi fiel hier mit seinen Wegen in den Raum hinter Jallet auf.

Vorne zeigten Javier Pastore, Lucas Moura, Ezequiel Lavezzi und Zlatan Ibrahimovic, warum sie so viel Geld kosteten. Dass vier individuell sehr starke Spieler nicht zwangsläufig zu attraktivem und erfolgreichem Fußball führen, wurde schon häufig belegt. Trainer Carlo Ancelotti darf sich also auf die Fahne schreiben, ein gut passendes System für die außergewöhnlichen Einzelkönner zu basteln, welches die Stärken der einzelnen Spieler optimal einbindet.

Pastore startete auf dem linken Flügel und zeigte einen starken Drang in die Mitte. Passend dazu wich Ibrahimovic immer wieder auf den linken Flügel aus und forderte lange Bälle. Gleichzeitig gab Lavezzi den Querläufer, der in einer ähnlichen Rolle wie sie Sanchez bei Barca schon oft spielte auf Schnittstellenpässe lauerte. Linksverteidiger Maxwell hinterlief wegen Ibrahimovics häufigem Ausweichen auf den Flügel nur selten – er zeigte sich viel mehr als sichere Rückpassoption die Linie entlang oder im Halbraum.

Lief der Angriff über die (halb)rechte Seite, starteten andere Bewegungen. Lucas Moura versuchte immer wieder, seine enorme Schnelligkeit mit und ohne Ball auszunutzen. Er startete diagonal in Richtung Tor und suchte Doppelpässe, Distanzschüsse oder legte den Ball – nachdem er mit seinem Lauf den Außenverteidiger aus der Position gezogen hatte – raus auf den häufig hinterlaufenden Jallet.

Auch hier zeigte sich wieder die Spielintelligenz Lavezzis. Der Argentinier bewies auch hier gutes Timing, indem er so gut wie immer die richtigen Laufwege wählte, um anspielbar für Doppel- oder Schnittstellenpässe zu sein oder aber die Innenverteidiger vor Herausforderungen beim Übergeben zu stellen. Auffällig war zudem, dass Pastore bei Angriffen über rechts seinen linken Flügel verwaisen ließ, um auf der anderen Seite mit den restlichen drei Offensivspielern zu kombinieren – auch beim 2:0 tauchte er hier auf.

Das System ähnelte ein wenig dem brasilianischen 4-2-2-2 mit zwei tiefen Sechsern und vier Spielern in recht freien Positionen. Auch Manchester City mit den spielmachenden Flügeln Nasri und Silva sind nicht sehr weit von dieser Spielweise weg.

Valencia: Isolierter Banega, fehlender Mut, fehlende Kreativität

Gastgeber Valencia spielte im 4-2-3-1. Linksverteidiger Cissokho stand nicht zur Verfügung, sodass Guardado dort aushelfen musste – eigentlich spielt er eine Position weiter vorn.

Vor der ansonsten etatmäßigen Viererkette spielten Parejo und Tino Costa. Ever Banega agierte vor den beiden zwischen Jonas auf dem linken und Feghouli auf dem rechten Flügel. Gemeinsam sollten sie die einzige Spitze Soldado unterstützen.

Die Aufstellung Banegas als Zehner sollte sich negativ auf das Spiel der Gastgeber auswirken. Banega, der für seine Pressingresistenz, sein Passspiel und Zweikampfstärke bekannt ist, war zu oft abgeschnitten vom Spielgeschehen. Dies lag daran, dass Valencia es nicht gelang, den Weg durch die Mitte zu finden. Parejo und Tino Costa sahen zwar enorm viele Bälle – zusammen hatten sie 230 Ballkontakte – hatten aber keine offensiven Anspielstationen. Ihre starken Passquoten von 94 bzw. 84% resultierten vor allem aus Sicherheitpässen auf die Außenverteidiger.

Uefa.com bietet eine interessante Statistik an: Unter Team Shape kann man dort die häufigsten Passkombinationen anschauen. Auffällig ist, dass Valencia bei Valencia in jedem Abschnitt des Spiels Pässe von und auf Guardado die am häufigsten vorkommenden Kombinationen waren. PSG waren Valencias Außenverteidiger relativ egal.

Start

Startformationen ohne Pfeile. Die von Paris gibt es in der Grafik im ersten Teil, für Valencia brauchte man keine Pfeile einzeichnen.

Diese wurden weitgehend freigelassen, da Pastore und Lucas weit einrückten, sodass das Zentrum sehr kompakt war. Banega war in diesem engen Netz nicht anspielbar, ließ er sich zurückfallen, war ihm und der Mannschaft auch nicht viel geholfen.

Paris ließ Valencia in deren Sechsserräumen gewähren, der Achterblock hinten schob vorbildlich hin und her. Valencias seltene Verlagerungen, das langsame Passspiel sowie die zu starke Positionstreue der Offensivspieler sorgten dafür, dass PSG in der Defensive leichtes Spiel hatte. Sie mussten viele Halbfeldflanken und Distanzschüsse aus ungünstigen Lagen verteidigen, was ihnen auch gut gelang.

Nicht verwunderlich, dass die Pariser Viererkette auf 34 geklärte Bälle kam. Bei den Halbfeldflanken hatten sie den naturgemäßen Vorteil, dem Ball entgegen zu laufen, während Soldado und Co. sich drehen und orientieren mussten. Zudem waren sie bei Standards – bis auf eine Ausnahme – eigentlich immer auf der Höhe.

Eine weitere Statistik, die Valencias Ideenlosigkeit unterstreicht, ist die der Flanken. Ganze 41 Mal flankten die Gastgeber vor das Tor der Gäste, wovon elf Stück auch wirklich beim eigenen Spieler ankamen. Ankommen bedeutet hier aber offenbar nicht Torchance, denn davon hatte Valencia im Prinzip keine – Ausnahmen sind hier Valdez´ Großchance und der Anschlusstreffer im Anschluss an einen Freistoß.

Nur drei Spielern aus Valencias Startelf gelang ein Dribbling, was nicht nur zeigt, dass sie recht mutlos agierten. Es wurden nämlich durchaus weitere Dribblings versucht, die jedoch in schlimmen Ballverlusten endeten.

Schlimme Ballverluste von Valencia, gute Konter von Paris

Sobald Valencia einmal die etwas anspruchsvolleren Pässe wählte oder in einer aussichtslosen Situation ins Dribbling ging, war dies das Startsignal für die Pariser Konter.

Hinter den aufgerückten Außenverteidigern Valencias offenbarten sich riesige Räume, die Ibrahimovic und Lavezzi nutzten. Während der Schwede die Bälle in den Fuß bzw. auf die Brust gespielt kam und sie dann mit seinem unvergleichlichen Mix aus Physis und Technik hielt, wurde Lavezzi öfter geschickt.

Ein Vorteil der engen Stellung Pastores und Lucas´ war bei den Kontern, dass sie nach den Pässen auf die Stürmer deutlich kürzere Wege in Richtung Ball hatten als ihre natürlichen Gegenspieler. Die Außenverteidiger klebten nämlich an der Linie, von wo sie die erwähnten Halbfeldflanken schlagen durften.

So lag es also an Valencias Sechsern, das Nachrücken von Pastore und Lucas aufzufangen. Folge: PSG hatte stets die Möglichkeit, ungestört über die eigenen – nun vollkommen freien – Sechser neu aufzubauen, falls sich beim schnellen Gegenstoß keine Abschlusschance bot.

Überragend auch, wie Ibrahimovic vom linken Flügel aus punktgenaue Diagonalbälle auf Lucas oder Jallet spielte.  Diese Pässe machten das defensive Umschalten für Valencia noch schwerer weil in der Laufarbeit intensiver.

Valverdes Umstellung auf 4-4-2 bringt keine Besserung

Zur zweiten Halbzeit wechselte Valencias Coach Valverde Jonas und Banega aus und brachte dafür Nelson Valdez und Sergio Canales. Das System änderte sich in ein 4-4-1-1 mit Valdez hinter und um Soldado herum. Nach einiger Zeit merkte aber auch Valdez, dass keine Pässe zwischen die engen Linien von Paris geliefert werden konnten (oder wollten?) – ein klares 4-4-2 entstand.

Valencia spielte weiterhin uninspiriert und schlug eine Flanke nach der anderen in den Sechzehner der Gäste. Wer allerdings aus so schlechten Positionen so oft so schwach flankt, braucht sich nicht über schwache Chancenqualität und -quantität wundern.

Paris gab den Ballbesitz nun noch mehr auf und agierte recht passiv, aber stets aufmerksam. Es war kein Kratzen und Beißen um jeden Meter, sondern ein geschicktes Leiten der Angriffe auf die Außenbahnen, von wo wie erwähnt nichts Gefährliches kam. In der klassischen Strafraumverteidigung zeigten sich die Pariser dann sehr konsequent – Valencia machte es ihnen mit den schlechten Flankenpositionen aber ja auch einfach.

Mit etwas mehr Konzentration und konsequenterem Nachrücken hätte PSG das Spiel und wohlmöglich auch das Achtelfinale vorzeitig für sich entscheiden können. Viele Konter wurden jedoch nicht mehr gut ausgespielt, trotzdem kamen sie zu Chancen.

Ein später Anschlusstreffer und zwei Sperren als Strohhalme für Valencia

Als das Spiel mit 0:2 auszutrudeln schien, sorgten zwei kurz aufeinander folgende Aktionen für Aufregung. Zuerst erzielte Rami nach einem Freistoß – aus dem Halbfeld! – freistehend den Anschlusstreffer. Kurze Zeit später vertändelte Ibrahimovic vorne den Ball, spielte Foul und traf beim Versuch, den Ball zwecks Zeitspiel ein weiteres Mal zu erobern Parejo und sah Rot.

Gerecht oder nicht – Tor und Karte sind gemeint – beides hat natürlich wichtige Folgen für das Rückspiel. Durch das enge Ergebnis ist für Valencia noch alles offen, auch wenn es extrem schwer wird.

PSG wird Ibrahimovic zwar klar vermissen – seine Fähigkeiten, Bälle zu halten kann beim Verteidigen eines Hinspielsiegs essentiell werden – kann aufgrund des qualitativ und quantitativ gut besetzten Kaders aber dennoch für viel Gefahr sorgen. Dass Valencia nun noch mehr kommen muss als in diesem Spiel wird ihnen gefallen und die Spanier fordern. Es gilt, das richtige Mittel zwischen hohem Druck und gleichzeitiger Vermeidung von Pariser Kontern zu finden.

Neben Ibrahimovic fehlt auch Verratti im Rückspiel. Der Italiener ist schon jetzt ein wichtiger Bestandteil des Teams, unglaublich, welche Ruhe er am Ball hat und mit wie viel Übersicht er sich oder alternativ den Ball in die freien Räume bringt. All das kann er sogar noch deutlich stärker als heute. Seine Passgenauigkeit litt etwas unter den vielen Kontern, für die er gegen Ende einige sehr riskante Pässe spielte. Rutscht einer von denen allerdings durch, wäre ein Tor beinahe unausweichlich gewesen.

Fazit

Es kann nicht leicht sein als Fan von Valencia: Mal bringt man Barcelona mit richtig gutem Fußball an den Rand einer Niederlage, mal spielt man vollkommen ideenlos und harmlos.

Rufen sie im Rückspiel ihr Potenzial ab und binden Banega besser ein, ist ein Weiterkommen möglich. Paris ist aufgrund dieses starken Auftritts aber eindeutiger Favorit und sollte von den Titelkandidaten schonmal beobachtet werden. Leicht zu spielen ist Ancelottis Team nämlich nicht, neben den starken Individualisten, die nun in einem harmonischen System zusammenspielen, hat der Italiener auch eine gut organisierte Defensive in das Team gebracht.

Der Sieg ist also absolut verdient und fiel eigentlich etwas zu knapp aus. PSG dominierte mit etwas mehr als einem Drittel Ballbesitz die Partie und hatte viermal so viel Schüsse aufs Tor wie Valencia.

Diese fanden keine Lösungen gegen die eng stehenden Viererketten der Gäste, die Außenverteidiger nutzten ihre  Freiheit nicht.

El Entrenador 13. Februar 2013 um 17:15

Banega ist ein sehr wichtiger Spieler. Kann Valencia seine Stärken nicht in Szene setzen läuft es meist schlecht. Und gegen ein starkes PSG erst recht. Habe das Spiel gegen Barca, und das davor gegen Real Madrid, ebenfalls gesehen. Das waren schon zwei Welten. Auf der anderen Seite wird Valencia seine Ansprüche einfach etwas runter schrauben müssen. Die verfügbaren Mittel sind einfach andere als bei PSG, Barca oder Real Madrid.

Trotz der erstaunlich unterschiedlichen Auftritte innerhalb kurzer Zeit macht Valverde schon einiges aus dem Team.

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der_bräter 13. Februar 2013 um 16:53

was Valencia momentan so treibt, ist schon ein bißchen unverständlich…hab sie gegen Barca gesehen und war begeistert, auch einige der anderen Spiele in dieser Saison waren richtig richtig gut, auch gegen Bayern haben sie nicht schlecht ausgesehen….aber das gestern war ja wirklich sowohl taktisch als auch mental als auch spielerisch nicht CL-kompatibel…ich fand PSG jetzt eigentlich nicht sooo gigantisch, die Verteidigung ist zwar größtenteils echt ziemlich gut organisiert und wach, aber in Sachen eigener Spielaufbau kommen sie m.E. noch nicht an die ganz großen Teams ran, die Tore waren zudem beide haltbar. Bin mal gespannt, was im Rückspiel passiert, falls Valencia ein schnelles Tor machen sollte, wirds echt interessant 😉

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Owen Coyle 13. Februar 2013 um 13:58

Ich denke auch, PSG hätte noch mehr Tore schiessen können. Auffallend war für mich die Leistung des spanischen Keepers Guaita. Er machte meiner Meinung nach bei beiden Gegentoren keine gute Figur. Ein reflexstarker Torwart hätte beim zweiten Tor sicher besser reagiert auf der Linie. PSG hätte diese klare Schwäche von Valencia auf der Torwartposition noch stärker ausnutzen sollen.

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Dan 13. Februar 2013 um 12:42

für mich ne beeindruckende Vorstellung von PSG, der Sieg fiel deutlich zu gering aus. Die rote Karte für Ibrahimovic war für mich der Witz des Jahres. Selbst ne Gelbe wäre fast schon überzogen gewesen, das war einfach ein Allerweltsfoul.

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FL (aka LeFlo777) 13. Februar 2013 um 14:14

Allerweltsfoul? Ibra zieht voll durch ohne zurückzuziehen und tritt dem Gegenspieler auf beide Füße. Hier besteht hohe Verletzungsgefahr.

Die Schiedsrichter sind aktuell dazu angehalten, verstärkt gegen 2 Dinge vorzugehen und zu ahnden. Ellbogeneinsatz im Luftkampf (Deniz Aytekin hat das sehr gut gemacht im BuLi-Rückrundenauftakt) und eben wie hier, das Tackling mit „offener Sohle“.

Zugegeben: harte Entscheidung, aber vertretbar.

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Till 13. Februar 2013 um 03:46

Ich habe schon insbesondere Guardado oftmals in guter Position gesehen. Gerade gegen Ende kam er zwei oder dreimal bis an die Torauslinie. Die Hereingaben waren dann allerdings schlecht. Auch Feghouli hatte zumindest in einer Situation eine gute Ausgangslage, um einen gefaehrlichen Ball zu von einen ebenso gefaehrlichen Position auf rechts zu spielen. Auch er hob aber nicht den Kopf, sondern drosch den Ball mehr oder weniger planlos in die Mitte zum Torwart.

Hiermit will ich sagen, dass die Taktik mit besseren Spielern (oder Spielern, die einen besseren Tag erwischen) durchaus zu mehr als einem Tor fuer Valencia haette fuehren koennen. Es waren nicht NUR Flanken aus dem Halbfeld, leider waren die Flanken aus guter Position aber allesamt schwach.

PSG war stark, keine Frage und haette eigentlich in Haelfte zwei noch mehrere Tore schiessen muessen. Aber sie haben auch oft von Valencias mangelnder individueller Klasse profitiert. Ob sich Real, Barca, Bayern, oder ManU mit so wenig Laufleistung (weniger als 100km in Minute 80 laut einer Einblendung beim World Feed) und Ignorierung der Aussenbahnen schlagen lassen, glaube ich nicht.

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