Freitag, 29.08.2014

Adventskalender Türchen 13: Júnior Díaz

In Mainz ist diese Saison irgendwie alles beim alten. Thomas Tuchel wechselt fleißig die Systeme durch, seine Mannschaft wirkt dadurch in jedem Spiel auf der Höhe des Geschehens und sammelt konstant Punkte.  Das Personal der vergangenen Saison ist weitestgehend das gleiche geblieben, zeigt sich taktisch sicher und eingespielt in allen Formationen. Ein kleines Plus, welches das Mainzer Potential in der laufenden Saison noch etwas erhöht hat, ist jedoch eine physische Weiterentwicklung des Kaders. Der bullige Adem Szalai hat seine Verletzung überwunden und trifft regelmäßig in Luftduellen, in den letzten Spielen wirbelte der überraschende Youngster Shawn Parker mit herausragender Dynamik. Und auch der bisher präsenteste Neuzugang kommt in hohem Maße über seine körperlichen Attribute ins Spiel.

Pressingspieler Júnior Díaz

Díaz Porträt von mainz05.de

Díaz Porträt von mainz05.de

Júnior Enrique Díaz Campbell ist der vollständige Name des Costa Ricaners, den Mainz für kleines Geld vom belgischen Club Brugge loseisen konnte. Die vergangene Saison hatte der schnelle Linksverteidiger bei Wisła Krakau in Polen verbracht, wo er oft als Sechser und vereinzelt auch als Innenverteidiger eingesetzt wurde. Diese taktische Vielseitigkeit mag ein wichtiger Grund für die Verpflichtung gewesen sein und in der Tat zeigte sich der schnelle und robuste Defensivspieler nicht nur durchsetzungsfähig, sondern konnte auch durch gute Entscheidungsfindung und Antizipation im Pressing punkten. Auch sein Umschaltverhalten ins Gegenpressing war tadellos.

Besonders in der Mainz-typischen Rautenformation ist diese taktische Präzision eine wichtige Eigenschaft für die Außenverteidiger, da sie die alleinigen Flügelspieler des Systems sind. Juníor Díaz traf oft die richtigen Entscheidungen, wenn es darum ging, die Viererkette zu verlassen um den Freiraum neben der Raute zuzulaufen und hat ein gutes Timing dafür, in Zweikämpfe mit weit entfernten Spielern zu kommen. Gerade solche Duelle sind immer ein Risiko, falls man einen Schritt zu spät kommt und so ins Leere läuft, aber die Mainzer Neuverpflichtung trat kaum in diese Falle.

Während er sich als antizipativer Pressingspieler auszeichnet, hat der 1,85m große Sprinter noch Defizite beim Verteidigen im Stand. Der fünf Zentimeter kleinere Zabavnik, welcher sein Hauptkonkurrent um die Linksverteidiger-Position ist, ist etwas agiler und zudem individualtaktisch – gerade auf Bundesliga-Niveau – erfahrener, sodass er  in klassischen 1-gegen-1-Situationen noch Vorteile hat. Aktuell zeigt sich der Slowake außerdem sehr formstark, weshalb Díaz nur eines der letzten vier Spiele machte, nachdem er in der Hinrundenmitte noch durchgängig startete.

Angriffsspieler Júnior Díaz

Ein weiterer Unterschied zwischen beiden ist ihr Stil im Offensivspiel. Während Zabavnik eher ein Vertreter des defensiven Außenverteiger-Typus ist, der absichernd agiert und spät nachstößt, denkt Díaz sehr nach vorne. Dabei ist er technisch allerdings nur unteres Bundesliga-Level, weshalb er in der flachen Ballzirkulation nicht der sicherste ist (unter 70% Passgenauigkeit) und anspruchsvollere Diagonalpässe ins Zentrum scheut.

Dafür hat er allerdings gelernt, seine guten Fähigkeiten bei hohen Flanken für sein Aufbauspiel zu nutzen. So hat er eine hohe Reichweite in seinem Spiel und spielt die Pässe mit Vorliebe direkt in die Spitze.  Dabei hat er ein – auch auf der Sechserposition geschult – gutes Gespür dafür, in welche Räume die Bälle zu bringen sind. So wird das kontrollierte Aufbauspiel von ihm zwar oft beendet, aber selbst wenn seine langen Bälle nicht ankommen oder nicht sauber verarbeitet werden können, bekommt Mainz oft direkten Zugriff auf den zweiten Ball. Trotz seiner Defizite gehen also recht wenig Bälle durch ihn wirklich verloren.

Wirklich stark ist er allerdings dann, wenn er sein Tempo ausspielen kann. Dabei hat er auch ein gutes Auge und Timing bei seinen Vorstößen, sodass er richtig eingesetzt eine hervorragende Waffe im Angriffsdrittel werden kann. Er ist zwar nicht besonders dribbelstark, aber kann dafür wegen seiner Schnelligkeit gut hinter die Abwehr geschickt werden. Aus dieser Position kann er seine Flankentechnik für gute Hereingaben nutzen. Da seine Flanken zwar nicht immer absolut präzise sind, aber dafür mit sehr viel Effet und Druck in den Strafraum fliegen, kann er auch aus dem Halbfeld gefährlich werden. Selbst wenn die Verteidiger die Hereingabe gut antizipieren, ist sie nur schwer zu klären und Mainz kann wiederum auf den zweiten Ball gehen.

Trotz seiner Qualitäten im letzten Drittel, hat er bisher jedoch nur eine Vorlage auf dem Konto. Das ist für einen Außenverteidiger mit acht Startelf-Einsätzen keine Schande, könnte aber noch besser aussehen, wenn er öfter in die richtigen Positionen gebracht würde. Bisher wird er oft im Mittelfeld angespielt (aus der Innenverteidigung oder nach Verlagerungen) und muss die frühen Hereingaben spielen, die nicht direkt gefährlich werden. Hinter die Abwehr wird er zu selten geschickt.

Mainz v Hoffenheim

Júnior Díaz’ bisher wohl stärkstes Saisonspiel beim 3:0 gegen Hoffenheim.

So zeigte er sein Potential am deutlichsten, als Mainz gegen Hoffenheim das Aufbauspiel stark auf die linke Seite fixierte, wo Marco Caligiuri und Nikita Rukavytsya im 4-4-2 vor Díaz positioniert waren. Caligiuri interpretierte seine Flügelposition sehr tief und spielmachend, wodurch er seinen Hintermann von der Aufbauarbeit befreite, sodass dieser weiter vorschieben konnte. Rukavytsya überlud aus seiner Stürmerposition oft den linken Flügel und sorgte für Breite. Díaz konnte somit die resultierenden Lücken ansteuern, was dann auch in seiner Vorlage zum Führungstor resultierte. Dieses Spiel war somit die klarste Demonstration des taktischen Mehrwerts, den dieser günstige Transfer nach Mainz mitbrachte. Vielleicht findet Thomas Tuchel ja noch den ein oder anderen Kniff, um Júnior Díaz in der Rückrunde noch öfter glänzen zu lassen.

Chris 13. December 2012 um 11:39

All diese Lobeshymnen auf die “Meenzer” Jungs sind ja wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.
Ein Linksfuß tut Tuchels Spielaufbau sehr gut und gibt endlich die nötige Breite. Und körperlich robust ist er im Vergleich zu früheren Linksverteidigern auch.

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C 13. December 2012 um 11:38

Erwägt ihr eigentlich eine Art Hinrunden Zusammenfassung mit den Stärken und Schwächen aller Bundesliga Clubs zu machen? Darauf würde ich mich freuen :-)

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MR 13. December 2012 um 11:47

Eine Podcast-Serie dazu ist geplant!

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juwie 13. December 2012 um 22:42

Heißa! Wie oft müssen wir denn noch wachwerden? :-)

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C 15. December 2012 um 01:07

Super!

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