Montag, 22.12.2014

Manchester City – Real Madrid 1:1

Real Madrid folgt Borussia Dortmund ins Achtelfinale der UEFA Champions League. Dem spanischen Meister reicht nach dem 4:1-Auswärtssieg von Borussia Dortmund bei Ajax Amsterdam ein 1:1-Unentschieden bei Manchester City. Karim Benzema brachte die Gäste nach zehn Minuten in Führung, ehe Sergio Agüero per umstrittenen Foulelfmeter ausglich.

Grundformationen

Formationen zu Spielbeginn

Manchester Citys Manager Roberto Mancini überraschte mit seiner Entscheidung über die Startformation. Der Italiener setzt in dieser Saison vermehrt auf ein System, welches auf einer Dreierkette basiert, und hatte damit bisher wechselnden Erfolg. Gegen Tottenham ging sein Plan beispielsweise auf, in der Champions League gegen Ajax und im Hinspiel in Madrid nicht. Augenscheinlich bei der Besetzung der Abwehrreihe ist dabei, dass mindestens einer der drei Verteidiger ein gelernter Außenverteidiger ist. In diesem Spiel startete mit Pablo Zabaleta nur einer von diesem Typ, da Gael Clichy verletzt fehlte. Seinen Platz übernahm Matija Nastasic. Zwischen den beiden begann Kapitän Vincent Komapny, davor zog man ein Vierermittelfeld mit zwei klassischen Wing Backs – Maicon und Aleksandar Kolarov – auf den Seiten, sowie Yaya Toure und Samir Nasri zentral auf. Die Aufstellung des Franzosen implizierte, dass Mancini die Oberhand im Mittelfeld gewinnen wollte und sehr offensiv agieren ließ, denn Nasri stieß immer wieder nach vorne, wo er David Silva, Edin Dzeko und Agüero unterstützen sollte.

Real Madrid begann in der üblichen 4-2-3-1-Grundordnung. Die auffälligste Veränderung betraf dabei das zentrale, offensive Mittelfeld, wo Luka Modric den Vorzug gegenüber Mesut Özil bekam. Außerdem konnte Jose Mourinho in der Champions League mit Fabio Coentrao seit längerer Zeit mal wieder auf einen gelernten linken Außenverteidiger zurückgreifen.

Real defensiv

In den beiden Spielen gegen Borussia Dortmund war die linke Abwehrseite eines der Hauptprobleme der Madrilenen, da sie dort aufgrund der laschen Defensivarbeit von Cristiano Ronaldo vermehrt überladen und ausgekontert wurden. In diesem Spiel schlug sich die offensivorientierte Spielweise des portugiesischen Superstars nicht dermaßen stark nieder, was einerseits an der Hereinnahme von Coentrao lag und andererseits an der Formation des Gegners.

Der Schwerpunkt von Citys 3-4-1-2 liegt, vor allem wenn man die Besetzung berücksichtigt, im Zentrum. Auf den Seiten hatten die Engländer im Normalfall nur zwei Außenbahnspieler. Dadurch konnte die linke Abwehrseite von Real nicht überladen werden, sondern es kam zum eins-gegen-eins-Duell zwischen Maicon und Coentrao, aus dem der Portugiese meistens als Sieger hervorging. Auf der gegenüberliegenden Seite fand man ein anderes Szenario vor. Hier kümmerte sich der disziplinierte Angel Di Maria um Kolarov, während sich Alvaro Arbeloa an Agüero orientierte. Das führte dazu, dass sich bei Real situativ eine Dreierkette ausbildete, in der man gegenüber der City-Angreifer mindestens einen Spieler mehr hatte.

Dem spielstarken Zentrum des englischen Meister wirkte der spanische Rekordmeister mit einer stark mannorientierten Raumdeckung entgegen. Modric verfolgte in der Balleroberungsphase Yaya Toure sehr energisch, wodurch dessen Einflussgebiet in erster Linie auf die gegnerische Spielfeldhälfte beschränkt wurde. Zwar kam der Ivorer auf 104 Ballkontakte, allerdings verzeichnete er das Gros dieser in tiefen Zonen, wo er zu vielen Querpässen gezwungen wurde, das Spiel entlang der Zentrale aber nicht angekurbelt werden konnte.

Eine Ebene tiefer kümmerten sich Xabi Alonso und Sami Khedira um die beweglichen Nasri und Silva, wobei der höhere der beiden vom Deutschen übernommen wurde. Besonders von Alonso sah man ein untypisches Spiel: in Ballbesitz kaum Diagonalpässe und in der Defensive sehr robust – keiner bestritt mehr Tackles als der Welt- und Europameister (6).

City offensiv

In der Frühphase des Spiels profitierte City von zu großen Abständen zwischen Reals Sektionen, woraufhin sie diese Freiräume vor allem nach Umschaltmomenten bespielten. Mit dem frühen Gegentreffer und dem drohenden Aus im Rücken musste Manchester City danach jedoch die Initiative übernehmen, was dazu führte, dass die Citizens am Ende des Spiels zwei Drittel des Ballbesitz zu Buche stehen hatten – ein gewichtiger Grund dafür, dass bei Alonso Diagonalpässe im Aufbau ausblieben.

Nachdem mit Yaya Toure ein wichtiger Spieler auf der Zentralachse aus dem Spiel genommen war, hing viel an den anderen Kreativspielern, von denen zunächst aber kaum einer hervorstach. Nasri und Silva plagten sich mit ihren Manndeckern, Agüero zeigte immerhin brauchbare Ansätze. Durch sein flexibles Positionsspiel zog er immerhin Arbeloa von der Seite bzw. einen der beiden Innenverteidiger weg, die entstehenden Räume konnten seine Mitspieler aber nicht nutzen. Dies lag in erster Linie daran, dass Real in den entscheidenden defensiven Zonen stets in Überzahl war und Bälle leicht abfangen oder klären konnte.

Formationen ab der 26. Minute

Nach 25 Minuten ließ Mancini seine ursprüngliche Idee fallen und stellte auf ein Viererketten-aufbauendes System um. Zabaleta wechselte auf die linke Abwehrseite und Maicon setzte seinen Schwerpunkt nun etwas tiefer. Davor hatte Manchester im Ballbesitz hinten zwar eine komfortable Überzahl um Reals gefürchtete Konter abzufangen, allerdings fehlte dadurch der Druck auf die abgeschlagenen, zweiten Bälle. Durch die genannte Umstellung sollte Zabalta die freigewordenen Kapazitäten nutzen, was er allerdings nicht schaffte.

Vielmehr hatte es eine indirekte Wirkung. Aufgrund der nun doppelt besetzten Außenbahn konnte Arbeloa Agüero nicht mehr konsequent folgen, sondern musste auch auf Kolarov achten, während sich Di Maria an Zabaleta orientierte. Auf der linken Seite gab es zwar weiterhin de facto nur einen Außenspieler, weil Silva stark ins Zentrum drängte, Maicon konnte aber aus der Tiefe heraus mehr Tempo aufnehmen und über Diagonalläufe Gefahr ausstrahlen.

City defensiv, Real offensiv

Die Umstellung brachte aber auch ein gewisses Risiko mit sich, da Ronaldo nun ohne direkten Gegenspieler war und gegen Ball meist auf schnelle Gegenstöße und Steilpässe zockt. Der BVB stellte mit Lukasz Piszczek einen eigenen Spieler ab um ihn zuzustellen, bei Manchester City kümmerten sich zu Spielbeginn gleich zwei Spieler um ihm. Allerdings konnte man Ronaldo im Großen und Ganzen nicht so gut isolieren wie es den Schwarz-Gelben gelang.

Ronaldo ließ sich oft diagonal ins Zentrum fallen, lockte so den Außenverteidiger von seiner Seite weg, worauf hin entweder Coentrao oder Benzema in diese geöffneten Räume hineinstießen. Ein Beispiel, in dem die Positionen getauscht wurden, ist das 1:0, als Benzema ballfern am Strafraumeck wartete um Di Marias Flanke zu verwerten. Ansonsten sah sich City-Keeper Joe Hart kaum großen Herausforderungen gegenüber, was zu einem Gutteil an der Personalwahl von Mourinho lag.

Umschaltspieler Özil – Aufbauspieler Modric

Zwar kam Real Madrid nur auf eine überschaubare Ballbesitzstatistik, dennoch konnte man hinsichtlich des Aufbauspiels – abgesehen vom Mangel an Diagonalpässen – eine interessante Feststellung ausmachen.

Ein markantes Merkmal und eine große Stärke Reals ist das Konterspiel, mit dem man vor allem gegen „kleine Teams“ das Ergebnis entsprechende hochschraubt. Ein wichtiger Baustein dabei ist DFB-Teamspieler Özil, zu dessen Stärken lange Steilpässe zählen – siehe das 1:1 im BVB-Hinspiel.

Mit der Hereinnahme von Modric änderte sich diese Ausrichtung. Der Kroate agiert im Schnitt etwas tiefer, wodurch sich Real eher nach vorne kombinierte als dies durch sture Vertikalpässe erreichte. Dadurch vernachlässigte man zwar die Möglichkeit, die Geschwindigkeitsvorteile der Offensivkräfte auszuspielen, verringerte aber das Risiko den Ball zu verlieren und dem Gegner dadurch noch mehr Ballbesitz (und damit potenzielle Torgefahr) zu gewähren. Modric hatte immerhin die höchste Passerfolgsquote seiner Mannschaft (88%) – Varane und Albiol, die zusammen nur sechs Pässe spielten, ausgeklammert.

Aber auch auf seine Mitspieler wirkte sich sein Spiel aus. Modrics tiefe Stellung veranlasste Toure dazu herauszurücken, wodurch im Zentrum Räume entstanden. Diese besetzte in weiterer Folge in erster Linie Khedira, der oft der höchste Zentrumspieler war und so auch zu guten Torchancen kam.

Umstellungen, Ausschluss, Elfmeter – die zweite Halbzeit

Um die Qualitäten des Ivorers besser ausnutzen zu können, nahm Mancini in der Halbzeitpause eine weitere Anpassung vor. Er brachte mit Gavi Garica anstelle von Kolarov einen weiteren Ballverteiler fürs zentrale Mittelfeld, woraufhin Toure höher agieren konnte. Der Preis, den der Coach dafür zahlte, war die Aufgabe der Breite, denn mit Nasri und Silva agierten zwei zentralorientierte Spieler auf den Flügeln des 4-4-1-1.

Formationen nach dem Seitenwechsel

Nach der Umstellung versuchte City zusehends zwei Zonen zu überladen; nämlich das Zentrum und die rechte Seite. Mit Garcia als Absicherung zog Maicon noch konsequenter nach vorne, zudem wich auch Dzeko häufig aus. Dadurch wurde die Linkslastigkeit aus der ersten Hälfte auf die gegenüberliegende Seite gespiegelt, was das nahezu ausgeglichene Angriffsschema (38% Angriffe über rechts, 38% über links) erklärt.

Das Übergewicht im Zentrum erlangte City zum einen aus der nun höheren Stellung von Toure, dem mittig angelegten Spiel der Flügelspieler und dem Zurückfallen Agüeros. Dadurch kamen die Sechser ähnlich in Bedrängnis wie im Auswärtsspiel in Dortmund, sie musste zu zweit – bzw. zu dritt wenn Modric zurückfiel – eine Vielzahl an Aufgaben erledigen. So kam der Elfmeter, der zum Ausgleich führte, dadurch zustande, dass Khedira Toure, welcher sich an die Mittellinie fallen ließ, verfolgte und in weiterer Folge ein Loch hinterließ. Pepe musste aufrücken, woraufhin Dzeko in einer eins-gegen-eins-Situation gegen Ramos den Ball auf Agüero ablegen konnte und der Argentinier von Arbeloa „zu Fall“ gebracht wurde.

Nachdem der Spanier deswegen ausgeschlossen wurde beackerte der eingewechselte Raphael Varane die rechte Abwehrseite, während Ronaldo als Solostürmer im legitimen 4-4-1 auf Konter lauerte. Zu spielentscheidende Szenen kam es in der Schlussphase jedoch nicht mehr.

Fazit

Mancini gab der Dreierkette eine neue Chance, sah sie nach der Anfangsphase allerdings als gescheitert an. City konnte keinen Druck auf Reals Defensiv aufbauen und die Freiräume auf der linken Seite nicht entscheidend nutzen. Mit der Umstellung auf eine Viererkette kamen erste Besserungen, die sich mit der Einwechslung von Garica fortsetzten. Die Elfmeterentscheidung an sich ist diskutabel, die Entstehung ist hingegen positiv herauszustreichen.

Dennoch konnte der englische Meister gegen sein spanisches Pendant keine klaren Chancen herausspielen, wodurch Manchester City weiterhin Gruppenletzter ist und Real als Zweiter ins Achtelfinale einzog.

Tank 22. November 2012 um 23:58

Ihr geht im Artikel ja schon ein bisschen in die Richtung, aber noch mal die konkrete Nachfrage: Entwickelt sich Real gegen starke Gegner weg von einer überwiegend auf Konter lauernden Mannschaft? Mit Modric haben sie, wie ihr ja bereits ansprecht, den richtigen Spieler für so eine Entwicklung. Wobei Özil sowas natürlich auch kann. Die Ballbesitzstatistik spricht ja klar gegen eine aufkommende Ballbesitzorientiertheit.

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Wiktor-Maslow 22. November 2012 um 17:57

Mourinho ist also wieder Sieger des Trainerduells, weil Mancinis Dreierkette erneut scheiterte. Der entscheidende Grund für Citys Ineffektivität vor der Umstellung war Di Marias Defensivarbeit, wodurch Arbeloas Manndeckung ermöglicht wurde, ohne die linke Seite zu entblößen. Interessant war noch, dass Coentrao kurz nach der Umstellung auf die Viererkette Maicon immer noch aggressiv anlief, obwohl er sich etwas tiefer positionierte. Dadurch öffnete er folglich den Raum hinter sich, jedoch bekam er das dann in den Griff.
Mancinis Einwechslung Tevez’ wirkte sich unglücklich aus, da Agüero dann den linken Halbraum besetzte und nicht mehr den rechten okkupieren konnte. Deshalb war City dann nicht mehr so gefährlich. Allerdings holte er von dort den Elfmeter heraus.
Mourinho hätte Callejon vielleicht früher einwechseln sollen, um die linke Seite zu stabilisieren, indem man Ronaldo ins Zentrum verschiebt.

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