Manchester United – Arsenal 2:1

Uniteds Variante des Offensivspiels knackt die Zuordnungen besser.

Es war das Duell zweier großer „ehemaliger“ Rivalen im Old Trafford – von Mitte der 90er- bis Mitte der 2000er-Jahre waren diese beiden die größten Teams der Premier League, die den Meistertitel stets unter sich ausmachten und sich erbitterte Duelle lieferten. Weil sich das in den letzten Jahren etwas geändert hat, sprach man im Vorfeld der heutigen Begegnung vom 8:2-Spektakel des Vorjahres und den ebenso torreichen Begegnungen der beiden Teams im Ligapokal unter der Woche. Nach dem Jahrhundert-Spiel, dem verrückten 7:5 n.V. in Reading durfte wieder Arsenals A-Elf auflaufen, die schon in der Vorwoche beim Sieg über QPR gespielt hatte. Auch die Hausherren wählten die gegen Chelsea siegreiche Elf vom letzten Wochenende – nachdem unter der Woche ebenfalls gegen Chelsea (4:5 n.V.) auch die zweite Garde hatte spielen dürfen.

Von Mittelfeld-Duellen und Flügel-Mannorientierungen

Entscheidende Spiele werden heutzutage meistens im Mittelfeld entschieden. Sicherlich auch aufgrund der Tatsache, dass beide Trainer Überzahlen für die jeweils spielstarken zentralen Akteure des Gegners verhinderten wollten, entstanden konkret in dieser Partie im Großen und Ganzen drei direkte Duelle im Mittelfeld – Wayne Rooney hatte es mit Mikel Arteta zu tun und sorgte mit einer kampfstarken und gewitzten Leistung besonders defensiv dafür, dass Arsenals spanischer Spielmacher keinen großen Einfluss auf die Begegnung ausüben konnte (dies war fast schon eine Manndeckung); Michael Carrick traf auf Santi Cazorla und Tom Cleverley duellierte sich mit Jack Wilshere.

Generell bot diese Partie durchaus recht viel Mannorientierung – von Manchester United wurde diese besonders im gesamten Zentrum des Feldes angewendet, während sie bei Arsenal auf den Seiten etwas auffälliger war. Dass gerade die Außenverteidiger der Gunners ihre Gegenspieler weit über den Platz verfolgten, wurde aber schon in der dritten Spielminute mit der Blitzführung für die Hausherren bestraft: Valencia bewegte sich ins Zentrum und zog André Santos mit, öffnete damit die Außenbahn für den vorstürmenden Rafael und leitete den Vertikalpass von Ferdinand auf seinen brasilianischen Kollegen weiter – unter Mithilfe von Vermaelen landete dessen eher schwache Hereingabe dann ausgerechnet bei Robin van Persie, der sich die Chance gegen seinen alten Arbeitgeber nicht nehmen ließ. Kein Zufall, dass der Treffer über die starke rechte Seite der Hausherren fiel – allerdings nicht nur, weil Valencia und Rafael auch schon Chelsea viel Mühe machten, sondern auch aufgrund der Anfälligkeit, die André Santos auf dieser Flanke defensiv häufig zeigt (weshalb auch Schalke in der Champions League jenen Bereich gerne überlud). Überdies waren der oft eingerückte Ramsey und Podolski auch später nicht immer ganz diszipliniert gegen die Manchester-Außenverteidiger.

Uniteds balancierte, intelligente und abgeklärte Defensivarbeit

Nicht nur das Tor zeigte den besseren Umgang mit der Mannorientierung auf Seiten der Heimmannschaft, auch in ihrer Defensivarbeit wurde dies deutlich. Hier fanden die „Red Devils“ eine sehr gute Balance zwischen der Orientierung auf ihre jeweiligen Gegenspieler und dem raumbezogenen Halten der Verteidigungsstruktur. Hinzu kamen flexible und situative Wechsel der Mannorientierungen, mit denen United sich an Arsenal noch einmal besser anpassen konnte. Folge der insgesamt sehr intelligenten und bedachten Verteidigungsleistung der Ferguson-Truppe war, dass Arsenals überladendes Kombinationsspiel durch die vielen wendigen und technisch starken Mittelfeldspieler kaum gelang.

Wichtig war in diesem Zusammenhang auch, dass Manchester bei den Versuchen Arsenals, in die Zwischenräume zu kommen, in der Abwehrarbeit nicht hektisch wurde und damit unbedacht Räume öffnete, sondern sehr ruhig und abgeklärt agierte. Auch hier hatten sie durch die Mannorientierung einerseits ständig einen gewissen grundsätzlichen Zugriff auf Arsenal, hielten dabei aber andererseits die Ordnung aufrecht und die Räume geschlossen, waren also nicht zu aggressiv und ließen sich nicht zu stark von gegnerischen Bewegungen diktieren.

Direkte Tempoangriffe über die Flügel und in die Räume hinein

Neben ihrer guten Verteidigung gingen die Hausherren auch im Offensivspiel besser mit der Mannorientierung um. So bewegten sich ihre zentralen Mittelfeldspieler nicht immer zwingend Richtung Ball, sondern zogen auch immer wieder mal von der ballnahen Seite weg, um somit auch ihre jeweiligen Gegenspieler wegzulocken. Dadurch wurden einige Situationen erzeugt, in denen die eigentlichen potentiellen Unterstützungsspieler Arsenals aus dem Zentrum nicht auf den Flanken helfen oder zumindest den Raum verengen konnten. Daher war es für die Flügelspieler Uniteds einfacher, die gewünschten direkten 1gegen1- oder 2gegen2-Situationen herzustellen, welche von den eigenen Akteuren meist erfolgreicher gestaltet wurden. Einzig die ungenauen Abschlüsse vieler solcher Szenen mit überhasteten Flanken oder unüberlegtem Weiterspielen verhinderten, dass sich diese Überlegenheit auf den Flügeln verstärkt auszahlte.

Exemplarisch zeigte sich hinsichtlich dieser Überlegenheit, dass United besser in die Räume hinein spielte – ihr natürlicher Spielstil und ihr Tempo auf den Seiten kam ihnen in dieser Partie sehr entgegen. Während sie selbst eher die Bälle in die Räume spielten und mit den Spielern darauf reagieren wollte, bewegte Arsenal umgekehrt eher die Spieler in die Räume und wollte darauf mit den Pässen reagieren – etwas überspitzt gezeichnet, aber diese Unterschiedlichkeit der Spielweisen war durchaus vorhanden und jene von United passte besser dazu, was die Spielcharakteristik erforderte, um die jeweilige Defensive des Gegners knacken zu können.

Passenderweise wurde Arsenal in jenen Szenen am gefährlichsten, in denen ihre Angriffe ansatzweise mehr vom Spiel in den Freiraum lebten. So führte ein langer Pass aus der Abwehr heraus auf die rechte Seite, wo Ramsey sich gegen Evra durchsetzte und das Zuspiel in dessen Rücken erlief, zur einzigen wirklichen (Halb-)Chance für die Gunners im ersten Durchgang.

Zweite Halbzeit

Auch nach dem Seitenwechsel hatten sie durch methodisch ähnliche Versuche ihre besten Szenen – dass die Mannschaft von Arsene Wenger nun besser ins Spiel hineinkam, hing dabei ganz zentral mit der verbesserten Offensivbeteiligung der Außenverteidiger zusammen. Gerade der defensiv so gescholtene André Santos schaltete sich nun immer häufiger mit nach vorne ein und deckte mit seinen Läufen in die von Podolski geschaffenen Räume ein ums andere Mal ein unerwartet lasches Nachgehen des eigentlichen Defensivflügelstürmers Antonio Valencia auf. Walcotts Einwechslung für Aaron Ramsey war ein Schlag in die gleiche Kerbe. Doch wie schon im ersten Durchgang fehlten vielen Aktionen in den entscheidenden Momenten Stringenz und Effektivität – so ging kaum ein Abschluss, abgesehen von Girouds Pfostentreffer, auch auf das Tor von David de Gea. Als dann Mitte der zweiten Halbzeit United sich wieder mehr befreien konnte, die eigenen Angriffe erneut konsequenter nach vorne trug und daraus nach einer Standardsituation sofort zum 2:0 traf, war das Spiel praktisch gelaufen – erst recht, weil keine zwei Minuten später Arsenal durch Wilsheres Platzverweis auf zehn Mann dezimiert war.

So war Santi Cazorlas schöner Treffer mit der letzten Aktion des Spiels nur noch Kosmetik am Ende einer Partie, die United zwar sicherlich verdient gewann, die aber keine besonders gute, herausstechende oder offenbarende Begegnung war. Es war nicht viel mehr als ein solides Spitzenspiel.

DLPilger 5. November 2012 um 12:22

Wenn man als Kriterien für die „beste Liga der Welt“ alleine das Spielermaterial und den Unterhaltungswert heranzieht, dann wird man wahrscheinlich schon bei der Premier League landen. Aber, tut mir Leid, das so sagen zu müssen, beides sind vielleicht Kriterien für die beste Show, nicht für den besten Fußball.
Mit Ausnahme von Man. City (mit ital. Coach!) und Swansea habe ich in der PL in den letzten zwei bis drei Jahren nur sehr wenig Innovation erkennen können.
Angesichts der Summen, die dort bewegt werden, finde ich das fußballerische Ergebnis eher enttäuschend. Abseits der finanzstarken Topteams mag der Fußball in der PL zwar mitreißend inszeniert sein, aber selbst in der 2. Bundesliga erkenne ich oft mehr mannschaftliche Qualität (was nicht mit der Qualität der Einzelspieler gleichzusetzen ist!). Aber zu guter letzt scheint die öffentliche Wahrnehmung eine Frage des Marketings zu sein…

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ETozzo 4. November 2012 um 22:33

BPL ist zwar die beste Liga der Welt, taktisch ist jedoch die Serie A am weitesten und spannensten.

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04er 4. November 2012 um 17:40

Leonidas, ich gebe Dir zu 100% Recht. Sehr gut gesagt. PL rules!

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Leonidas 4. November 2012 um 15:58

Technisch ist die PD sicher höher anzusiedeln. Aber allein vom Spielerpotential und dem Unterhaltungswert ist die PL mit großem Abstand das Beste auf der Welt.

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IF Kroos 3. November 2012 um 23:02

Solide ist noch nett ausgedrückt ganz ehrlich wenn ich schönem Fussball sehen möchte schau ich in Zukunft nur noch PD und Bundesliga, das ist nicht mehr die stärkste Liga der Welt.

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Leonidas 4. November 2012 um 10:04

Die Premier League ist die beste Liga der Welt, mit Abstand. Es war ein grauenhaftes Spitzenspiel, aber so ist das halt manchmal (bei United sehr oft).
Trotzdem ist die Qualität von keiner anderen Liga zu toppen. So verfällt man doch oft in einen schläfrigen Zustand, wenn man sich nach einem Spiel wie Liverpool vs Everton ein Bundesliga Topspiel anschaut und sich fragt: „Wo ist die Intensität, wo ist die Geschwindigkeit?“

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IF Kroos 4. November 2012 um 10:16

Ich geb zu ich hab mir diese Saison auch nur die ganzen Top Spiele angesehen und ich finde es nicht berauschend.Ganz im Gegenteil die meissten Tore fallen nach Torwartfehlern,Abwehrfehlern(Vermaelen gestern, Agger gg City) oder Standards ist zumindest mein Eindruck.
Der beste Fussball wird in der PD gespielt technisch stark auch von kleinen Teams.In der BPL geht es doch nur die Linie rauf und runter.

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sharpe 5. November 2012 um 13:48

ich hab mir diese Saison einige PL-Spiele angeschaut und war eigentlich immer vom Niveau enttäuscht. Arsenal z.B. ist individuell sicher nicht schlecht besetzt, aber im Spiel gegen den Ball verhält sich so ziemlich jede Buli-Mannschaft besser. Kein Druck auf den Ball, es wird nur im Raum gestanden und gewartet. Ich war nicht überrascht, dass sie verdient gg Schalke verloren haben.
Ähnlich ist es bei City. Individuell sind sicher noch besser besetzt als Arsenal, aber sie leben auch nur davon. Man hat doch gg den BVB gesehen, dass sie mannschaftstaktisch total unterlegen waren. Die sind taktisch auf dem Stand von Bayern vor van Gaal.
Lediglich United entwickelt scheint langsam erkannt zu haben, wohin der Weg des Fussballs führt.

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