Dienstag, 30.09.2014

SV BuLi Kompakt: 4. Spieltag

Der vierte Bundesliga-Spieltag bot einige Überraschungen und viele Spiele mit sehr unterschiedlichen Halbzeiten.

1. FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 1:2

Nürnberg konnte mit starkem Pressing gut in die Partie starten, ließ aber im Laufe des Spiels immer mehr nach. Dann konnte sich die Eintracht in ihrem aggressiven raumgreifenden Angriffsspiel entfalten und ging trotz einer verletzungsbedingten Umstellung in Führung.

Interessant war, dass neben dem ohnehin flexiblem Frankfurter Offensivspiel auch die Angriffe des Klubs durchaus fluid organisiert waren. Esswein, Kiyotake, Mak und der vorstoßende Chandler erzielten interessante Wechselkwirkungen. Letztlich fehlte aber oft die Durchschlagskraft, die erst durch die Standards erzielt werden konnte.

In der Endphase wollte Dieter Hecking den Punktgewinn dann erzwingen und stellte auf ein riskantes 4-1-3-2 um, welches man nicht alle Tage in der Bundesliga zu sehen bekommt. Es reichte aber nicht mehr zum Ausgleich.

Fortuna Düsseldorf – SC Freiburg 0:0

Trotz weniger Strafraumszenen ein interessanter und vor allem sehr umkämpfter Clinch zwei sehr verschiedener 4-4-2-Systeme. Während Düsseldorfs Mittelfeld in einer flachen Kette vor der tiefstehenden Abwehr verteidigte, attackierte Freiburg gewohnt früh mit einer Tendenz zum 4-2-4. Der SC erreichte dadurch ein Ballbesitzplus und verbrachte mehr Zeit in Tornähe, kam aber kaum durch die sehr disziplinierten Viererketten Düsseldorfs.

Diese waren in der Abwehrarbeit auf sich allein gestellt, da Voronin und Schahin hoch blieben und auf Konter lauerten. Dieses Konterkonzept funktionierte aber kaum: Zum einen eroberte Düsseldorf kaum mal Bälle so sauber, dass sie direkt kontrolliert verarbeitet werden konnten, zum anderen fehlte es an Staffelung der beiden Stürmer. Sie warteten nebeneinander und liefen sich hauptsächlich nach außen frei, weshalb sie keinen Kontakt zueinander fanden. Düsseldorfs Angriffsspiel war daher extrem auf Einzelaktionen ausgelegt. Selbst wenn Mittelfeldspieler nachgerückt waren, zeigte die Fortuna kaum Zusammenspiel in den Räumen, sondern versuchte extrem vertikal und dadurch ziemlich vorhersehbar mit möglichst vielen Spielern in die Spitze zu kommen. Dieses sehr individuelle und ausrechenbare Spiel, bekam Freiburg meist taktisch souverän verteidigt.

Streichs Elf schaffte es aber ihrerseits nicht, die Räume zwischen Düsseldorfs Sturm und Mittelfeld zu nutzen. Sie waren zu sehr auf ihr schnelles Vertikal- und Flügelspiel fokussiert. Die tiefstehenden, eng positionierten Ketten von Düsseldorf konnten aber kaum von diesem schnellen Spiel geknackt werden. Auch die Flügel bekam die Fortuna mit den tiefen Flügelspielern gut in den Griff, was teilweise daran lag, dass Freiburgs Außenverteidiger etwas zurückhaltender waren als gewohnt – vermutlich, um die Innenverteidigung gegen die zockenden Fortuna-Stürmer nicht zu isoliert zu lassen. Somit lag die kreative Verantwortung auf den Schultern der Sechser. Besonders der dominantere Schuster konnte damit aber wenig anfangen und verbuchte zwar die meisten Ballkontakte, blieb dabei aber unter 80% Passgenauigkeit.

Somit versuchten beide Teams zwar mit viel Wucht zu attackieren, ließen es aber an Kreativität mangeln. Die sehr aufmerksamen Defensiven kamen auf beiden Seiten selten ins Wanken und so ist das 0:0 die logische Konsequenz eines Spiels, in dem insgesamt nur fünf Schüsse auf die Tore platziert werden konnten.

VfL Wolfsburg – Greuther Fürth 1:1

Wolfsburg versuchte das Spiel zu machen, während Fürth sich in ihrem 4-4-2-System weitestgehend auf Kontersituationen beschränkte. Prägend für das Spiel war vor allem die rechtsseitige Position Diegos im 4-2-3-1/4-3-3-Mischsystem des VfL.

Der brasilianische Zehner und der versetzt spielende Achter Kahlenberg bewegten sich extrem frei und weiträumig durch die Mittelfeldräume und sollten das Spiel ankurbeln. Individuell machten sie dabei eine gute Figur, die Bewegungen waren aber viel zu unkollektiv, als dass ein kohärentes Offensivspiel entstehen konnte. Es mangelte Wolfsburg an offensiven Überzahlen, die Angriffsspieler waren voneinander abgeschnitten und dadurch erzeugten sie trotz ordentlicher Einzelleistungen kaum Gefahr.

Defensiv standen sie jedoch sicher, da Kjaer als sehr defensiver Sechser um die Innenverteidigung herumschwirrte und somit eine Überzahl gegen die Fürther Stürmer hielt. Die Spielvereinigung schaffte es nicht, die entstehenden Räume im zentralen Mittelfeld für sich zu nutzen, da ihnen wie meistens in dieser Saison vollkommen die Spielstärke in der Mitte fehlte. Somit wurden sie nur gelegentlich über Konter gefährlich, meist wenn man links um Diego herum den Ball eroberte und dann auf Sararer oder den nachrückenden Nehrig verlagern konnte.

In Hälfte zwei versuchte Magath, das Spiel über rechts stärker zu fokussieren. Kahlenberg und Diego bewegten sich verstärkt halbrechts und Fagner spielte bedeutend offensiver als in der ersten Halbzeit. Die Fürther sind aber bekanntlich stark auf den Flügeln und bekamen die Angriffe meist verteidigt. Eine kurze Wolfsburger Drangphase um die 70. Minute herum überstanden sie schadlos und verdienten sich somit den Punkt.

FC Schalke 04 – FC Bayern München 0:2

Zuhause spielten die Schalker mit einer 4-3-3-Formation gegen die Münchner, welche defensiv zu einem 4-1-4-1 wurde. Die Münchner versuchten einmal mehr die Außen zu nutzen und kamen letztlich durch eine im Aufbauspiel vertikal stärker aufgefächerte Formation mehr ins Spiel.

Zwei geniale Aktionen von Müller sollten letztlich den Ausschlag geben, die Schalker waren nämlich lange Zeit ebenbürtig und fielen nach dem Treffer in sich zusammen. Die Bayern nahmen die gegnerischen Außen durch eine interessante Spielweise in der Defensive aus dem Spiel, während die Schalker Pressingvariante nicht aufging.

FSV Mainz 05 – FC Augsburg 2:0

Es war ein Spiel der direkten Zuordnungen zwischen zwei 4-4-2-System, die jeweils mit einem Zielspieler (Szalai und Oehrl) und einem spielenden Stürmer besetzt waren. Choupo-Motings Rolle fügte sich aber in die taktische Struktur des Spiels deutlich besser ein: Mit viel Wucht ging er nach außen in die Schnittstellen zwischen den Augsburger Innen- und Außenverteidigern, während Ivanschitz und Müller invers in die Mitte zogen. Auf diese Weise konnte Mainz die Zuordnungen der Viererkette aufbrechen und Choupo-Moting leitete folgerichtig beide Tore vom Flügel (links wie rechts) ein.

Um überhaupt den Ball gegen Augsburgs kohärentes Pressing in die hohen Zonen zu bekommen, wählte Mainz sehr oft lange, hohe Bälle auf den leicht zurückfallenden Szalai. Der behauptete diese Bälle ordentlich, aber vor allem positionierte sich das Mainzer Mittelfeld extrem aggressiv auf die zweiten Bälle. Die Sechser rückten weit auf, die Flügelspieler standen eng und somit konnte Mainz die erste Halbzeit über ein tolles Gegenpressing dominieren.

In der zweiten Hälfte spielte Augsburg dann stärker über die Außenverteidiger und nutzte ebenfalls zunehmend lange Bälle und Gegenpressing, wodurch sie deutlich mehr Spielanteile bekamen. Mit der Einwechslung für Bance, der eine ähnliche Rolle wie Choupo-Moting spielte, und der Umstellung Moraveks auf den rechten Flügel fokussierte Augsburg diesen Ansatz noch stärker. Tuchel reagierte aber, indem er mit Kirchhoff einen robusten Zweikämpfer für Ivanschitz brachte und auf ein 4-1-4-1 mit Kirchhoff als Sechser umstellte. Die Überzahl im Zentrum brachte kein Dominanz, aber sorgte für defensive Stabilität und den verdienten Sieg zum Schluss.

Hamburger SV – Borussia Dortmund 3:2

Ein ungewöhnliches und eher schwaches Spiel, in den beide Mannschaften offensiv besetzt waren und daher defensive Probleme hatten. Besonders die Spieler, die offensiv glänzen konnten, waren Sicherheitsrisiken für die Defensive. So rückte Son phasenweise zu weit ein und Perisic unterliefen zwei entscheidende Unaufmerksamkeiten.

Hamburg, die fast die gesamte Spielzeit lang führten, waren nicht gezwungen viel nach vorne zu machen und gingen kein Risiko. Dortmund musste aus dem Spielaufbau heraus zu Toren kommen, was zwei Mal gelang, aber aus verschiedenen Gründen weniger Gefahr verursachte, als gegen die eher wackelige Hamburger Defensive möglich gewesen wäre. Besonders der offensiv problematische linke Flügel von Dortmund wurde wieder aufgezeigt.

Bayer Leverkusen – Borussia Mönchengladbach 1:1

Die Gastgeber waren die dominante Mannschaft und brachten ter Stegen an den Rand einer Weltklasseleistung. Ein verfehlter Elfmeter war der dramatische Höhepunkt in einem taktisch interessanten Spiel, welches für Bayer eine erfolgreiche Partie mit dem 4-3-2-1 bedeutete – trotz nur eines Punktes.

Gladbach hingegen hatte mit ihrem Pressing nie Zugriff auf den Gegner und der Abwärtstrend im Vergleich zur letzten Saison scheint sich fortzusetzen. Mangelnde Abstimmung in der Defensive und Offensive könnten sich fatal auswirken, die Mechanismen in Spielaufbau und Umschaltspiel funktionierten einmal mehr nicht.

Im Gegensatz zeigte Bayer, wie das 4-3-2-1 im Idealfall gespielt wird. Hohe Beweglichkeit, Zurückdrängen des Gegners sowie herausragende Arbeit gegen den Ball mit flexibler Spielweise waren die taktischen Höhepunkte in der viel gescholtenen Formation. Schwierig zu verteidigen, wobei die Zeit zeigen muss, ob dies konstant so gespielt werden kann.

TSG Hoffenheim – Hannover 96 3:1

Im Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Hannover 96 drehten die Kraichgauer überraschend nach einem Rückstand. Die kriselnde TSG zeigte eine geschlossene Mannschaftsleistung – und ein paar interessante taktische Ideen. Beispielsweise ersetzte Torwart Casteels Stammtorhüter Wiese in einer modernen Ausführung. Er brachte nicht nur mehr Pässe bei weniger Ballkontakten zum Mann, als Gegenüber Zieler, sondern hatte auch die höhere Erfolgsquote. Im defensiven Mittelfeld gab sich Rudy betont konservativ, half den Innenverteidigern im Spielaufbau und ganz vorne begann Joselu. Dieser sollte durch seinen Einsatz im Pressing eine Steigerung zu Derdiyok darstellen.

Das Spiel selbst war zeitweise geprägt vom Faktor Geduld bei den Hoffenheimern, welche sich in ihrer vertikalen Spielweise in der phase vor dem Rückstand zurückhielten und dem Konterteam aus Hannover den Wind aus den Segeln nahmen. Hinzu kam die deutlich höhere Bewegung im Spiel, welche sich auch statistisch niederlegte: acht Kilometer Unterschied in der Laufarbeit muten rekordverdächtig an.

Die Hannoveraner hingegen versuchte ihr 4-4-2/4-4-1-1 aufrechtzuerhalten und positionsorientiert raumzudecken, was nur in Ansätzen die richtige Möglichkeit war. Usami wie Vukcevic sollten die Außen beackern, während bei Hannover Huszti klar fehlte. Er sollte letztlich nur schwach von Schlaudraff ersetzt werden, weswegen der taktische Dreh- und Angelpunkt nach vorne fehlte. Das Umschaltspiel der Gäste hungerte nach Kreativität und immer wieder gab es kleinere Fehler in der Defensivarbeit – welche fast schon symbolisch von einem tollen Solo durch Volland bestraft wurden.

Werder Bremen – VfB Stuttgart 2:2

Stuttgart startete mit Okazaki und Cacau in der Spitze in einer Art 4-2-4-0-System. Zunächst bewegten sich aber alle vier Offensivakteure sehr stark in die Spitze, anstatt die Zwischenräume anzuvisieren, weshalb es abermals an der Offensivkompaktheit mangelte und das Aufbauspiel stockte. Wenn Stuttgart in hohe Zonen kam, bauten sie dort keine Dreiecke auf, um sich kombinativ in den Bremer Strafraum zu arbeiten.

Zudem war Stuttgarts Pressing in der vordersten Linie zu fahrig, Bremen konnte sich oft mit simplen Verlagerungen Freiheiten verschaffen und den Ball daraus nach vorne bringen. Dort konnten sie dann ihr bereits bekanntes, sehr starkes Kombinationsspiel auspacken, woraus insbesondere ein sehr sehenswertes Führungstor entstand. Sie waren in Hälfte eins nicht besonders feldüberlegen, aber hatten die besseren Mittel, ihre Angriffe auch in Chancen zu verwandeln.

Nach der Pause drehte Stuttgart jedoch auf. Das Pressing war mit der Einwechslung von Traore auf der linken Seite deutlich aggressiver und griffiger, was Bremen zu einigen langen Bällen zwang. Die Offensivspieler und vor allem Cacau bewegten sich mit viel besserem Timing in die Bremer Halbräume und schuffen die lange vermissten Verbindungen im Angriff. Außerdem veränderte Labbadia sehr klug den Ansatz des Spielaufbaus, wodurch seine Elf deutlich mehr Kontrolle gegen Bremens unorthodoxes Pressing erzeugen konnte. Mit diesen Maßnahmen konnte der VfB den zwei-Tore-Rückstand noch zu einem Unentschieden drehen.

Moses 25. September 2012 um 19:39

Ich lese hier schon lange mit und wollte jetzt endlich auch mal einen ersten kleinen Kommentar hier loswerden.

Ein ganz, ganz fettes Lob. Ich habe das gefühl, dass die Analysen hier immer schneller kommen und auch allgemein mehr Spiele analysiert werden als noch z.B. vor einem Jahr.
Wenn man bedenkt das dies alles in eurer Freizeit vonstatten geht, dann kann man sich nur in aller Form bedanken!

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Edeljoker 25. September 2012 um 13:20

Ich habe eine Frage zur folgenden Passage bei Hoffenheim – Hannover:

“Beispielsweise ersetzte Torwart Casteels Stammtorhüter Wiese in einer modernen Ausführung. Er brachte nicht nur mehr Pässe bei weniger Ballkontakten zum Mann, als Gegenüber Zieler, sondern hatte auch die höhere Erfolgsquote.”

Ist das nicht doppelt gemoppelt? Wenn man mehr erfolgreiche Pässe bei weniger Ballkontakten spielt, ist die Quote doch zwangsläufig höher, oder sehe ich was falsch und der Autor möchte mir etwas anderes mitteilen?

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RM 25. September 2012 um 13:23

Er versuchte mehr Pässe bei weniger Ballkontakten (also weniger Befreiungsschläge und ähnliches, etc.) und er brachte von den versuchten Pässen auch prozentuell mehr an. Beispiel: 100 Ballkontakte, 50 versuchte Pässe, 25 angekommene Pässe (= 50%). Gegenüber hat 80 Ballkontakte, 60 versuchte Pässe und 40 angekommene Pässe (67%).

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Edeljoker 25. September 2012 um 13:29

Das ist verständlich. Ich habe beim Lesen die Stelle:

“Er brachte nicht nur mehr Pässe bei weniger Ballkontakten zum Mann”

mit erfolgreichen Pässen gleichgesetzt, und nicht mit dem Passversuch.

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