Freitag, 31.10.2014

Schalkes CL-Gruppe B

Am heutigen Dienstag startet Schalke 04 in die diesjährige Champions-League-Saison. Wie sind ihre Gegner einzuschätzen und was könnte in den sechs Spielen passieren?

Aufgrund der Verbesserung der Bundesliga in der Fünfjahreswertung darf Schalke nach dem dritten Platz in der vergangenen Saison direkt in der Gruppenphase der Königsklasse antreten, wo man auf Arsenal, Montpellier und den heutigen Gegner Olympiakos Piräus trifft. Damit bekommen die Königsblauen es ausgerechnet fast mit jener Gruppe zu tun, in der Lokalrivale Dortmund vergangene Saison scheiterte – Arsenal, Piräus und ein französisches Team (damals Marseille).

Olympiakos Piräus

Mögliche Startformation von Olympiakos Piräus

Zum Auftakt gastieren die Schalker in der stimmungsvollen Höhle des griechischen Serienmeisters. Auch vor heimischer Kulisse scheut Olympiakos sich nicht, aus einer abwartenden Haltung auf schnelle Konter zu spielen. Tempo ist das entscheidende Kriterium bei der Mannschaft des Portugiesen Leonardo Jardim, der seinen spanischen Vorgänger Ernesto Valverde abgelöst hat.

Während das Mittelfeld der meistens im 4-3-3 agierenden Griechen eher tief postiert ist, rücken die beiden Außenverteidiger Torosidis und Holebas viel mit nach vorne auf, um ihre Vordermänner zu unterstützen. Ein zentraler Punkt im System von Piräus ist dabei das Raumschaffen für diese beiden Außenspieler durch den zentralen Mittelstürmer Djebbour, der mit seinen spielerischen, beweglichen, aber auch athletischen Fähigkeiten zu den Stars der Mannschaft zählt. Mit seinen meistens nach rechts gehenden horizontalen Läufen soll er die gegnerische Innenverteidigung aufreißen und damit insbesondere für Abdoun auf links Löcher reißen. Auch wenn dieser noch nicht ganz so effektiv wie der zu Everton abgewanderte Mirallas ist, so sorgt er doch für viel Gefahr, kann sowohl mit Diagonalläufen in die Spitze stoßen als auch zusammen mit Holebas dynamisch über die Seite durchbrechen und Djebbour mit Flanken bedienen.

Dieses Freispielen ihrer Außenspieler ist das bevorzugte Angriffsmittel der griechischen Topmannschaft – und kann sowohl bei Kontern als auch aus dem geordneten Aufbau heraus eingesetzt werden. In letzterem Fall sorgen die tiefen Mittelfeldspieler für Ballsicherheit im ersten und zweiten Drittel, ziehen zunächst ein risikoloses Ballbesitzspiel auf und überbrücken anschließend den unterbesetzten vorderen Teil des Mittelfelds häufig mit längeren Bällen auf den ausweichenden Djebbour, der diese dann auf die Außenspieler weiterleitet oder ablegt.

Auf der rechten Seite kann zudem mit Maniatis einer der Achter anschließend auf der Seite mit vorrücken und dort seine Kollegen unterstützen. Bereits bei der Europameisterschaft, als der griechische Nationalspieler zu den Besten seiner Auswahlmannschaft zählte, machte er mit seinen guten Diagonalläufen nach rechts auf sich aufmerksam. Währenddessen dürfte der defensivste Mittelfeldspieler Modesto ebenfalls auf die Seite schieben, um mit seiner Erfahrung als Rechtsverteidiger dort abzusichern.

Defensiv muss Schalke aufpassen, dass Djebbour nicht zu einfach Lücken reißt, und Abdouns Vorstöße sowie die Bewegungen Maniatis´ absichern. Im Offensivspiel der Schalker könnten durch das tiefe Mittelfeld der Griechen möglicherweise Räume vor ihrer Mittelfeldreihe entstehen, die intelligent genutzt werden sollten. Gerade das Aufrücken von Jones und – falls dabei Djebbour richtig abgesichert wird – auch jenes von Matip könnten der Schlüssel zum Knacken der Defensive sein. Eine sinnvolle Strategie wäre auch das temporäre Überladen der rechten Seite mit Absicherung von Neustädter, um den unsicheren Holebas unter Druck zu setzen und zu Stellungsfehlern gegen die Unterzahl zu zwingen.

Montpellier HSC

Montpelliers derzeitige Aufstellungsmöglichkeiten

Der zweite Schalker Gruppengegner aus Montpellier weist einige Parallelen zum ersten auf und macht das konternde Doppel in dieser Gruppe B perfekt. Auch der französische Meister setzt besonders auf schnelle Gegenzüge über die Flügel und bedient sich im Detail einiger ähnlicher Muster wie der griechische Konkurrent.

Ein zentraler Punkt bei den schnellen Flügelangriffen Montpelliers war in der vergangenen Meistersaison das dabei praktizierte Überladen der Außenseiten, das den Gegner immer wieder mit Unterzahlsituationen auf der Außenbahn konfrontierte und für das Herausspielen von qualitativen Situationen über den Flügel sorgte. So wurden die beiden schnellen Außenspieler Camara (rechts) und Utaka (links) immer wieder nicht nur von ihren sehr offensiven Außenverteidigern, sondern auch dem nach außen rochierenden und sehr beweglichen Zehner Belhanda unterstützt, während die Sechser ebenso auf die Seiten verschoben und die dort entstandenen Räume verschlossen.

Zwar hat Montpellier den eminent wichtigen Stoßstürmer Olivier Giroud verloren, der nicht nur viele Tore erzielte und Hauptabnehmer für Flanken nach den Angriffen über die Seiten darstellte, sondern auch durch gute Bewegungen überzeugen konnte, doch ansonsten hat sich die Mannschaft wenig verändert, an ihren taktischen Prinzipien festgehalten und einige Verstärkungen für die Breite verpflichtet. Auch wenn auf jeden Fall vermehrt der Versuch erkennbar ist, bei breitgehaltenem Spielfeld durch weit vorstoßende zentrale Mittelfeldspieler und gelegentlich gar einrückende offensive Außen auch durch die Mitte zu kombinieren, muss sich also im Großen und Ganzen auf eine ähnliche Spielweise der Franzosen wie in deren vergangenen Meisterjahr gefasst machen und sich somit defensiv vor allem auf den Außen absichern.

Im Offensivspiel gilt es zu beachten, dass Montpellier, die sich mit wechselnden Pärchen auf der Sechs an die Gegebenheiten des Gegners anpassen können, möglicherweise durch eine asymmetrische Stellung versucht, das Schalker Aufbauspiel einseitig auf die starke eigene Defensivseite zu lenken. Dabei dürfen die Gelsenkirchener sich nicht ständig in diesen von Montpellier absichtlich angebotenen Raum neben der Formation leiten lassen, sondern müssen auch versuchen, die Zwischenräume innerhalb der Formation auf der anderen Seite des Feldes anzuspielen. Im Halbraum auf der Schalker rechten Seite könnte Montpellier zwischen den Außenspielern verwundbar sein.

Generell haben die Franzosen nach dem Höhenflug der vergangenen Saison einige Probleme und einen alles andere als überzeugenden Saisonstart hingelegt. Viele Wechsel, die fehlende Einbindung der Neuzugänge sowie einige Formschwächen befeuern die „Mini-Krise“ Montpelliers, deren Ursachen aber auch taktischer Natur sind.

Defensiv präsentiert sich die Mannschaft gerade bei schnellen Gegenstößen anfällig, was besonders an den zu großen Räumen im Mittelfeld liegt – die Sechser müssen oft auf die Seiten verschieben und agieren ohnehin eher passiv, weshalb mittig vor der Abwehr sich viel Raum und Zeit für den Gegner bietet. Zwar versuchen die Innenverteidiger dies durch ein Herausrücken zu kompensieren, doch agieren sie dabei halbgar und lassen das richtige Timing vermissen. Die Außenverteidiger wiederum stehen aufgrund ihrer breiten Ausgangsposition aus dem eigenen Angriff zu breit und zu wenig angebunden an ihre Kollegen, was zu geöffneten Schnittstellen und vertikaler Uneinigkeit der Viererkette führt – durch diese Fehler kann die gesamte Defensive von zwei gegnerischen Spielern allein ausgehebelt werden.

Arsenal FC

So könnte Arsenal auflaufen

Nach einem etwas schwächeren Saisonstart mit zwei torlosen Remis zum Auftakt kommt Arsenal so langsam in Schwung – und scheint trotz der schmerzhaften Abgänge von Robin van Persie und Alex Song gar nicht schlecht aufgestellt vor dieser Spielzeit. Mittlerweile findet sich eine Mannschaft zusammen, der durchaus einiges zuzutrauen ist.

Mit Arteta, dem immer besser in Form kommenden und endlich fitten Diaby sowie dem genialen Neuzugang Santi Cazorla können die Gunners ein hervorragendes und gut funktionierendes Mittelfeld aus einem tiefen Ballverteiler, einem kraftvollen und athletischen vertikalen Achter sowie einem spielstarken, beweglichen und gestaltenden Zwischenraumspieler vorweisen.

Im Angriff hat sich mittlerweile, wenngleich am Wochenende beim furiosen Kantersieg über Southampton Gervinho in vorderster Front spielte, Neuzugang Giroud einen Platz ergattert und beginnt mehr und mehr, mit seinen intelligenten horizontalen Bewegungen Raum für die Mitspieler zu schaffen. Auf die einlaufenden Außenspieler wie beispielsweise den gut bei den Gunners gestarteten Podolski auf der linken Seite, die entstandene Lücken mit Zug zum Tor ausnutzen sollen, muss Schalke gefasst sein. Daher wäre eine eher enge Viererkette zum Schließen der Schnittstellen angebracht.

Neben der Durchschlagskraft verbessert sich bei Arsenal auch die allgemeine Abstimmung immer mehr – zu Beginn waren die Läufe und Verbindungen der Spieler noch nicht miteinander synchronisiert, doch aktuell harmonieren die einzelnen Mannschaftsteile immer besser. Wenn die beiden Spiele gegen Schalke an den Spieltagen drei und vier anstehen, könnte sich Arsenal bereits zu einer Form aufgeschwungen haben, in der sie schwer zu verteidigen sind. Ein guter Ansatzpunkt wäre für Schalke in jedem Fall zu versuchen, den Offensivspielern der Gunners zumindest direkten Gegnerdruck zu simulieren und dadurch verfrühte Lochpässe zu provozieren, die dann leicht abzufangen sind. In den letzten Jahren war es auch in starker Form ein Problem Arsenals, dass sie zu wenig auf wechselnde Situationen reagierten und zu dogmatisch die schnelle Direktkombination suchten, was bei größeren Räumen in überhasteten Aktionen endete. Allerdings könnte genau hier Santi Cazorla Abhilfe schaffen und die Mannschaft von Arsene Wenger noch einmal gefährlicher machen. Ohne Zweifel wird Arsenal der schwierigste Gegner für die Königsblauen sein.

Paul 18. September 2012 um 13:03

Schalke dürfte gegen Montpellier und Piräus keine Probleme haben. Montpellier steckt in einer Krise und Piräus wird spielerisch wohl nicht mithalten können. Arsenal schätze ich sehr stark ein. Sie haben kein Van Persie-Abhängigkeit mehr. Schalke sollte meiner Einschätzung nach Gruppenzweiter werden.

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Gunner89 18. September 2012 um 12:46

Da bin ich mal gespannt, obs Schalke in Piräus besser macht als der BVB. Ich kann mir eine Niederlage aber durchaus vorstellen. Ich denke aber, dass Schalke keine Probleme haben wird und die direkten Duelle gegen Arsenal werden entscheiden, wer auf Platz 1 landen wird. Ich hoffe natürlich auf die Gunners, die immer mehr überzeugen.

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