Freitag, 29.08.2014

Polen – Griechenland 1:1

Die Euro 2012 hat begonnen! Die polnischen Gastgeber verschenkten in einem dramatischen Eröffnungsspiel den Sieg durch taktische Fehler in Überzahl.

Beide Teams starteten wie erwartet. Die Heimmannschaft spielte in ihrem 4-2-3-1-System, welches sehr klug auf die großen Stärken des rechten Dortmunder Flügels ausgelegt war. Obraniak startete auf der Zehnerposition hinter Lewandowski und zeigt von dort immer wieder sehr gute Läufe, um Blaszczykowksi und Piszczek auf rechts zu unterstützen. Im defensiven Mittelfeld verteilte Murawski halblinks die Bälle, während sich Polanski absichernd für den rechten Flügel bewegte.

Die Griechen stellten das erwartete 4-3-3 auf, mit einem sehr physischen Mittelfeld und Mittelstürmer Samaras auf dem linken Flügel. Rechts lief etwas überraschend der spielstarke Ninis an Stelle des schnelleren Salpingidis oder eines weiteren Mittelstürmer-Typen auf. Damit versuchte Griechenland den deutlich schwächeren linken Flügel Polens kreativ für sich zu nutzen.

Interessanterweise spielten Kontersituationen in diesem Aufeinandertreffen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Da beide Mannschaften im Normalfall eher per Konterspiel überzeugen, konnte im Vorfeld ein deutlich abwartenderes, unkonstruktiveres Duell erwartet werden konnte. Allerdings spielten insbesondere die Gastgeber überraschend nachdrücklich auf Sieg, ohne dabei konteranfällig zu werden. Somit waren die Qualitäten und Strategien aus dem Aufbauspiel heraus deutlich wichtiger als das Umschaltspiel. Dabei überzeugten die Polen vorerst sehr viel mehr.

Polen fächert auf…

Die Grundlage für diese Überlegenheit war ein effektives Auffächern der Viererkette. Piszczek rückte frühzeitig auf, während Wasilewski hinter ihm nach außen schob. Der spielerisch limitierte Boenisch hielt die defensive Position auf dem Flügel, Perquis fiel etwas zur Mitte und verteilte in der entstehenden Dreierkette die Bälle (Passgenauigkeit 98%). Murawski, der ein sehr gutes Spiel machte, forderte die Bälle davor, um sie weiterzuleiten.

Die Griechen konnten diesen Bewegungen nichts entgegensetzen. Samaras musste dem gefährlichen Piszczek folgen und wurde dadurch weit nach hinten gedrückt. So kam Wasilewski frei und die Polen hatten viel Ruhe am Ball im Aufbauspiel. Diese nutzten sie auch in aller Geduld, um die richtigen Momente zum Vorwärtsspiel zu finden.

Der mangelnde Zugriff auf die Abwehrkette wäre soweit noch kein Problem für die Griechen gewesen, da sie sowieso etwas zurückgezogen ab der Mittellinie ins Pressing gingen. Durch das Auffächern Polens verloren sie aber auch an Kompaktheit. Gekas und Ninis wurden etwas vom Defensivverbund isoliert. Dadurch wurde Griechenland an anderer Stelle überladen.

…und überlädt die rechte Seite

Polen attackiert den offensiven Halbraum und erzeugt damit Überzahlen auf rechts.

Auf der rechten Mittelfeldseite nämlich bekamen die Griechen es immer wieder mit zeitweisen Unterzahlen und resultierenden Zuordnungsproblemen zu tun. Polens Trainer Smuda ließ druckvoll die Lücken des 4-3-3-Systems ansteuern, die links und rechts des alleinigen Sechsers bestehen. Obraniaks Diagonalläufe waren dabei das wichtigste Mittel, denn durch diese wurden Katsouranis und Karagounis in die Zwickmühle manövriert: Katsouranis konnte seinem Gegenspieler nicht folgen ohne den Raum vor der Abwehr zu entblößen, deshalb musste Karagounis den gelernten Flügelspieler übernehmen.

Gleichzeitig zog aber „Kuba“ Blaszczykowski von außen immer wieder leicht zur Mitte und Karagounis’ frontaler Gegenspieler Polanski bewegte sich vor ihm horizontal. Somit rochierten drei Spieler ohne feste Zuordnung um Karagounis herum, wodurch der griechische Kapitän keine Chance hatte, die Kontrolle über die Situationen zu wahren. Die Polen bekamen in den rechten und halbrechten Offensivräumen immer wieder Zeit am Ball und konnten Aktionen hinter die Abwehrlinie initiieren.

Der nachrückende Piszczek, dessen Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Samaras mehr als offensichtlich waren, konnte die resultierenden Lücken und Unsicherheiten im griechischen Defensivverbund mit Vorstößen und Dribblings nutzen. Dass Samaras gelernter Stürmer ist, half den Griechen nicht dabei, die taktisch sehr schwierigen Situationen in den Griff zu bekommen.

Dadurch kam Polen immer wieder rechts durch, wobei Blaszczykowski und Piszczeks Abstimmung aus dem Verein dabei half, aus den teilweise engen Situationen wirkungsvoll herauszukommen. Auch Obraniak machte gerade in den ersten 30 Minuten ein sehr starkes Spiel und verband die drei polnischen Offensivkräfte ähnlich gut miteinander, wie es Kagawa im Verein zu tun vermag.

Der Führungstreffer war die logische Folge: Obraniak bekam den Ball rechts, schickte Blaszczykowski steil, der flankte auf Lewandowski, welcher nur noch einnicken brauchte. Sehr wichtig dabei war aber auch der Laufweg von Rybus, der vom linken Flügel aus viel ohne Ball arbeitete und auch beim Tor Lewandowskis Gegenspieler durch einen kreuzenden Lauf wegzog.

Bei misslungenen Situationen zeigten die Polen außerdem schnelle Reaktionen und konnten einige direkte Ballrückgewinne im Gegenpressing verbuchen, die durch die Überzahlsituation auf rechts begünstigt wurden. Dies war ein wichtiger Grund für die geringe Relevanz von Kontern in diesem Spiel und erzeugte auch ein paar gefährliche Offensivszenen.

Griechenland wird auf dem Flügel festgenagelt…

Anders als die Polen, kam Griechenland nicht so kontrolliert aus der eigenen Viererkette heraus, da sie stärker unter Druck gesetzt wurden. Polen spielte in der ersten Halbzeit ein überraschend diszipliniertes 4-2-3-1-Keilpressing nach außen. Obraniak blockte den Sechser, während Lewandowski den Innenverteidiger über die „Innenbahn“ anlief. Dadurch ließen sich die griechischen Innenverteidiger meist zu einem frühen Pass auf den Außenverteidiger verleiten.

Musterdarstellung von Polens Pressing mit Deckungsschatten.

Dann verschoben die Polen konsequent zum Flügel – Obraniak stellte weiter den Weg zu Katsouranis zu, Lewandowski übernahm den Innenverteidiger, während Polanski und Murawski weit zur Seite rückten und gegen den ballnahen Achter der Griechen Überzahl erzeugten (roter Raum in der Grafik). Der Außenverteidiger, von Rybus oder Blaszczykowski unter Druck gesetzt, bekam keine nahe Option.

Um dieses Pressing zu umspielen, war Griechenlands Aufbauspiel dann zu schwach strukturiert. Der sehr defensiv orientiere Katsouranis lief sich nicht aktiv frei und forderte die Bälle nicht, hatte somit kaum Einfluss auf das Offensivspiel. Karagounis spielte recht tief und breit, wodurch es kaum Verbindung zwischen ihm und dem höher agierenden und oft wegrückenden Maniatis gab. Resultat war, dass die beiden Achter nicht nur wenig Bälle bekamen, sondern mit diesen auch isoliert waren und keine kreativen Möglichkeiten hatten. Übrigens fiel auch das polnische Tor aus diesem Umstand heraus in einer der wenigen Kontersituationen, als Karagounis von zwei Spielern unter Druck einen Rückpass auf Katsouranis versuchte, den Obraniak abfangen konnte.

Zudem sind die zentralen Spieler der Griechen keine ausgewiesenen Kreativspieler. Dadurch fehlte es ihrem Spiel auch an Verlagerungen, die gegen Polens Verschiebungen teilweise sehr effektiv hätten sein können – Rybus rückte oft zu weit ein. Diese Fehler, die Polen theoretisch unterliefen, wurden dadurch in der Praxis gar zu positiven Aspekten des polnischen Verbundes und verstärkten noch die Kompaktheit in Ballnähe.

…und der „Plan Ninis“ schlägt fehl

Letztendlich sorgten diese Defizite Griechenlands auch dafür, dass ihre zentrale Offensividee nicht funktionierte. Die Personalbesetzung bei den Griechen war nämlich ein klarer Fingerzeig, welchen Offensivplan Trainer Santos sich eigentlich überlegt hatte. Mit dem robusten Stürmer Samaras auf links und Techniker Ninis auf der anderen Seite wollte man offenbar den rechten Flügel überladen, so ähnlich wie es den Polen ja gelang. Ninis hätte mit seiner Ballfertigkeit und Wendigkeit ein unangenehmer Gegenspieler für den großgewachsenen Boenisch sein können und Maniatis Diagonalläufe sollten ihn dabei unterstützen.

Durch die mangelnde Anbindung zwischen Aufbauspiel und offensivem Mittelfeld bekam Ninis allerdings kaum Bälle in den Fuß gespielt. Er versuchte sich in Rybus’ Rücken ohne Erfolg freizulaufen, während Katsouranis zu tief und Maniatis zu hoch standen, um eine Verbindung zwischen ihm und Torosidis zu bieten. Statt Boenisch mit Ball attackieren zu können, musste Ninis immer wieder ins körperliche oder läuferische Duell, wo er gegen den physisch starken Bremer weit unterlegen war. Somit konnte Ninis kaum Gefahr erzeugen und brachte in 45 Minuten nur ganze drei Pässe zum Mitspieler, obwohl sein Gegenspieler alles andere als sattelfest war, wie der eingewechselte Salpingidis später zeigen sollte.

Ein weiterer Aspekt dabei war der, dass die Polen ansatzweise versuchten, das griechische Spiel möglichst auf die linke Seite von Samaras zu lenken. Wenn der jeweilige linke griechische Innenverteidger den Ball hatte, reagierten sie konsequenter; außerdem ließen sich die Griechen durch Karagounis’ tiefere Position auch eher zu dieser Seite hinziehen. Das führte dann auch noch dazu, dass Samaras in der ersten Halbzeit den Ball meistens tief auf dem Flügel bekam und kaum seine Stärken in den Strafraum hinein zeigen konnte. Dieser Aspekt änderte sich aber in den zweiten 45 Minuten.

Perquis verschenkt die Überzahl

Nach einer recht lächerlichen gelb-roten Karte für Bremens Sokratis startete Polen in Überzahl, in Führung und in eigenem Land die zweite Halbzeit – und gaben das Spiel aus der Hand. Die Fehler, die sie dabei machten, entsprangen den üblichen beiden Effekten, die bei Mannschaften in Überzahl immer wieder zu beobachten sind.

Zum einen verschenkten sie ihren überzähligen Spieler in der Vorwärtsbewegung schlichtweg, weil sie inkonsequent aufrückten. Die Griechen standen nun, wie mit 10 Mann üblich, in einer 4-4-1-Formation tief am eigenen Strafraum. Polen reagierte darauf kaum, sondern zog das Spiel der ersten Halbzeit im Wesentlichen durch.

Wie Polen in Überzahl attackierte.

Im Aufbauspiel blieb die verschobene Dreierkette bestehen und hielt die Abstände zum Mittelfeld in ähnlicher Weise wie in Hälfte eins. Der Unterschied war jedoch, dass Gekas nun eine Reihe tiefer agierte. Er orientierte sich hauptsächlich an Murawski und versuchte stärker als zuvor, die Kompaktheit zum defensiven Mittelfeld zu halten. Somit waren Wasileweski und Perquis oft vollkommen frei, ohne jeden Gegenspieler in ihrer Nähe. Diese Freiheiten ließen sie schlicht ungenutzt. Anstatt mit Ball vorzustoßen, um die Überzahl zum Gegner zu tragen, blieben sie bis auf ganz vereinzelte Vorstöße Wasilewskis meist vollkommen wirkungslos – nur als Sicherheitsstationen für Murawski standen sie zu zweit fernab des Geschehens herum.

Dadurch konnte Polen zwar problemlos zwischen den Defensivspielern den Ball dominieren, aber sobald es vorwärts ging, hatten sie die gleiche Situation wie in Gleichzahl – man spielte im Grunde 8 gegen 9, genau wie in Halbzeit eins nach einem Pass ins Mittelfeld. Hinzu kam, dass jene 9 Griechen nun auch noch kompakter standen als zuvor. Die beiden engen Viererketten boten den Polen nicht die gleichen Räume an, wie die 4-1-4-Anordnung, die sich aus dem 4-3-3 ergibt.

Außerdem ließ sich Polen zu sehr auf links ziehen. Boenisch war in Hälfte zwei auffälliger als Piszczek – kein gutes Zeichen. Durch die Ballrochaden zwischen den leicht links verschobenen Defensivspielern, ließ sich Obraniak immer wieder in Ballnähe von Blaszczykowski wegziehen, um mehr am Spiel teilnehmen zu können. Das sprengte aber die Dreieckswirkungen auf rechts und Polens Spiel fand viel öfter über die schwache Seite statt. Daher wurde Polen in Überzahl tatsächlich weniger gefährlich als in der ersten Hälfte.

Griechenland isoliert seine Unterzahl

Der zweite Fehler der Polen war, dass sie weniger aggressiv verteidigten als zuvor. Eigentlich bietet eine Überzahl die Möglichkeit, ohne besonders viel Aufwand oder Risiko ein sehr frühes mannorientiertes Pressing zu spielen. Stattdessen zogen sie sich weiter zurück als in Hälfte eins, wurden mit der Führung im Rücken zu passiv und ließen Griechenland mehr Zeit am Ball. Dabei verschoben sie auch weniger stark – Obraniak war nun immer wieder im ballfernen anstatt im ballnahen Halbraum zu finden, wodurch sich die Verbindungen zwischen Außenverteidigern und Sechsern öffneten. Auf diese Weise bekamen die Griechen Gelegenheit, ihre Unterzahl zu kompensieren.

Wie Griechenland in Unterzahl attackierte.

Das taten sie nun, indem sie im Mittelfeldzentrum Unterzahl in Kauf nahmen und es dafür schnell überspielten, während Samaras den linken Flügel verwaisen ließ und auf diese Weise Piszczek isolierte. Karagounis und Maniatis bewegten sich nun in einer losen Anordnung hintereinander, wodurch sich ihr Zusammenspiel trotz der Unterzahl noch verbesserte.

Durch die zurückgezogene Stellung Polens, konnten die Griechen nun den Ball recht simpel zirkulieren lassen. Sie nutzten dies, um besser in die Breite zu spielen, verteilten die Bälle nun von Flügel zu Flügel. Meist über den starken Torosidis ging es dann vorwärts – entweder über simples Spiel die Flanke herunter, oder per hohem Diagonalball über das Mittelfeldzentrum auf den eingerückten Samaras.

Beide Strategien sind für sich keine besonders erfolgsversprechenden Ansätze im Fußball, sie erlaubten Griechenland aber, wenigstens in Gleichzahlsituationen zu kommen. Polens zentrales Mittelfeld bekam keinen Zugriff mehr sondern wurde konsequent umgangen, wodurch Griechenland effektiver wurde als in Hälfte eins, als sie sich einige Male zwischen den drei Zentralspielern des Gegners festgespielt und auf die auflösenden langen Bälle weitgehend verzichtet hatten.

Da sie nun stärker über Polens schwächeren linken Flügel kamen, konnten sie zudem individuell mehr Durchschlagskraft entwickeln – der ziemlich langsame Rybus wurde von Torosidis vor dem 1:1 ganz einfach überrannt. Samaras konnte seine Qualitäten durch das stärkere Einrücken nun viel sinnvoller nutzen, was dann auch zum Elfmeter und der roten Karte für Szczesny führte.

Austrudeln im 10-gegen-10

Auch Polen stellte dann nach Karagounis’ verschossenem Elfmeter auf das übliche 4-4-1 um, Obraniak ging für Rybus auf links. Wie in dieser Konstellation üblich, passierte danach nicht mehr viel. Da das 4-4-1 im Grunde eine passive Variante des gängigen 4-2-3-1 mit einem Angriffsspieler weniger ist, ergibt sich die recht niedrige Gefahr automatisch.

Direkt nach dem verschossenen Elfmeter liefen lediglich die Polen noch Gefahr, in einen Konter zu laufen, da sie sehr ungestüm aufrückten und die Führung schnellstens zurückerobern zu wollen schienen. Die Räume hinter den Außenverteidigern hätten die Griechen einige wenige Male fast nutzen können, aber diese kurze Offensive von Polen flaute dann auch ab.

Interessant war, dass Perquis weiterhin nicht aufrückte, obwohl Gekas an Murawski dran blieb. Die Polen schienen so spielstark, dass sie ansonsten vielleicht die Möglichkeit gehabt hätten, auch in der offensiven Quasi-Unterzahl noch Chancen zu erzwingen. Aber Perquis schien in seiner wirkungslosen Sicherheitsrolle festgefahren und das Spiel trudelte unspektakulär aus. Die Griechen wirkten dabei nach der Unterzahlphase auch körperlich erschöpft und ihre langen Bälle wurden nicht mehr gefährlich.

Zusammenfassung

  • Im 11-gegen-11 war Polen wegen des besseren Aufbauspiels überlegen: Sie verschoben klug in der Viererkette und rochierten wirkungsvoll auf der rechten Seite unter Nutzung des Halbraums neben dem Sechser.
  • Griechenlands Bewegungen im Mittelfeld und die spielerische Struktur von hinten heraus waren zu schwach, um Polens Keilpressing auszuspielen. Sie liefen sich früh außen fest, wodurch Ninis und Samaras nicht ins Spiel kamen.
  • Polen verschenkte die Überzahl offensiv wegen mangelhaften Aufrückens. Durch Griechenlands kompaktere Formation und einem neuen Linksdrang (über Obraniak) wurden sie weniger gefährlich als in Gleichzahl.
  • Durch Polens verschlechtertes Pressing bekam Griechenland die Gelegenheit, in Unterzahl gefährlich zu werden. Durch ein direkteres Spiel und Isolierung von Polens Mittelfeldzentrale und Piszczek (bei besserer Einbindung Samaras’) waren sie stärker als in Gleichzahl und glichen aus – was Tore und Personal betrifft.
  • Im 10-gegen-10 war das Spiel dann ausgeglichen, da Griechenland etwas nachließ und Polen wieder aggressiver spielte. Das 1:1 war das logische Endresultat.

Fazit

Es war ein spielerisch nur in Ansätzen hochwertiges, aber dafür taktisch hochinteressantes Eröffnungsspiel, da beide Teams Möglichkeiten fanden die Schwächen des Gegners und die eigenen Stärken sehr effektiv zu nutzen. Die verschiedenen Phasen, in denen das der einen und anderen Mannschaft gelang, ergaben dabei ein kurioses Spiel, da Griechenland in Unterzahl deutlich besser ins Spiel kam als sie es vollzählig schafften.

Ein spannender Aspekt, den es so im Grunde auch fast nur zwischen Nationalmannschaften geben kann, war dabei die Fokussierung auf bestimmte Mannschaftsteile, die hier so wichtig war, weil Polens Flügel dermaßen ungleich stark besetzt sind. In der ersten Hälfte konnte dabei Polen seinen starken Flügel sehr gut einsetzen, in der zweiten gelang es Griechenland den anderen öfter in die Aktionen zu drängen.

Für Polen bleibt trotz des unnötigen Punktverlustes ein positives Fazit unter dem Spiel: Der Hauptplan funktionierte. Das schwache Überzahlspiel hingegen wird wohl nicht noch einmal Auswirkungen haben. Smuda muss nun bei den kommenden Spielen gegen Russland und Tschechien pedantisch darauf achten, dass sein Team sich nicht auf links schieben lässt.

Die Griechen dürften dem verschossenen Elfmeter hinterher trauern – ihre spielerische Leistung bietet wenig Anlass zur Hoffnung auf ein Weiterkommen, das mit 3 Punkten deutlich greifbarer gewesen wäre. Allerdings haben sie mit ihren hohen Bällen und der Mittelfeld-Viererkette aus der Not heraus zwei taktische Mittel ergründet, die ihnen vielleicht zu besseren Leistungen verhelfen und die spielerischen Defizite vergessen machen könnten. Gut möglich, dass Santos seine Mannschaft auf ein 4-4-2 umstellen könnte.

Stehtribüne 9. June 2012 um 12:39

Die Idee mit der Zusammenfassung am Ende, wo man noch einmal alles auf einen Blick hat, finde ich sehr gut

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Der Don 9. June 2012 um 11:41

Der Elfmeter Griechenlands wurde von Karagounis und nicht von Katsouranis verschossen. Ansonsten wie immer sehr starke Analysen mit vielen Details, die mir nicht aufgefallen sind.

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Spitzguuge 9. June 2012 um 09:05

Mir tat der LV der Griechen (Holebas) fast schon leid, er wirkte sehr oft falsch positioniert. Denkt ihr das war “nur” eine Wirkung des Überladens der linken Seite oder auch ein individuelles Problem?

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MR 9. June 2012 um 09:23

Wenn der gegnerische Flügelspieler viel in den Halbraum arbeitet und der Gegner aus diesem heraus die Viererkette attackieren kann, dann ist der Außenverteidiger immer die ärmste Sau, da er sich in der Zwickmühle befindet, entweder seinen Gegenspieler oder seinen Raum aufgeben zu müssen. Taktisch sind mir da bei Holebas keine größeren Fehler aufgefallen, das hat Polen einfach gut gemacht. Ein individuelles Problem war es dahingehend, dass er deutlich langsamer schien als die beiden Dortmunder, sonst hätte er vielleicht ein paar Aktionen (inklusive des Tores, wo er ja nur knapp zu spät kommt) noch lösen können. Aber die beiden sind eben auch sehr schnell.

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Datschge 9. June 2012 um 13:01

Holebas hat in meinen Auges ein starkes Spiel gemacht, hat von Samaras aber null Unterstützung bekommen wodurch er fahrlässig oft mit 2-3 polnischen Gegenspielern konfrontiert war. Samaras war mit seiner mangelnden Ballsicherheit ein Totalausfall, in der 1. Hz auch defensiv ohne Ball während in der 2. Hz er oft den verschenkten Endpunkt griechischer Offensivbewegungen darstellte. Wäre interessant gewesen, wenn er statt Ninis raus wäre und dafür Ninis auf den linken Flügel gegangen wäre.

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firedo 9. June 2012 um 08:06

durch den weißen hintergrund erscheint die polenfahne nur als kleiner roter balken.
vll kann man die einkreisen?
ansonsten wie immer ein sehr interessanter und ausführlicher, nicht immer leicht zu lesender Artikel

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Rayson 9. June 2012 um 01:44

Da sie nun stärker über Griechenlands schwächeren linken Flügel kamen, konnten sie zudem individuell mehr Durchschlagskraft entwickeln – der ziemlich langsame Rybus wurde von Torosidis vor dem 1:1 ganz einfach überrannt.

Sollte wohl “Polens schwächeren linken Flügel” heißen, oder?

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MR 9. June 2012 um 02:35

Natürlich richtig, danke. Ist korrigiert.

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