Women Champions League: Olympique Lyon – 1. FFC Frankfurt 2:0

Vor dem großen Champions League Finale am Samstag in der Allianz Arena kamen die Frauen im Münchner Olympia Stadion zu ihrem Recht, der 1. FFC Frankfurt traf auf den Titelverteidiger Olympique Lyon. Für Lyon ist es bereits das dritte Finale in drei Jahren, nachdem sie 2010 erst im Elfmeterschießen Turbine Potsdam unterlegen waren, gewannen sie im letzten Jahr, wieder gegen die Potsdamerinnen mit 2:0. Für die Frankfurterinnen, dreimaliger Titelträger des UEFA Cups der Frauen, dem Vorgänger der UEFA Women’s Champions League, war es das erste Finale in diesem Wettbewerb.

Der Titelverteidiger und frisch gebackene französische Pokalsieger, der zwar zweiter in der Liga ist, aber noch Chancen auf den nationalen Titel hat, ging der Weg ins Finale unter anderem über Bröndby IF und Turbine Potsdam, die im Hinspiel leicht mit 5:1 besiegt wurden.

Der 1. FFC Frankfurt musste sich gegen Paris Saint Germain, Malmö und Arsenal durchsetzen, dabei zeigte er gerade in den Auswärtsspielen schwächen. In der Bundesliga stehen die Frankfurterinnen nur auf Platz vier und nach dem verlorenen Pokalfinale gegen die Münchner Bayern können die Frankfurterinnen eine eher verkorkste Saison mit dem großen Außenseitersieg retten.

Formationen

Frankfurts Trainer Sven Kahlert musste auf Lira Bajramaj verzichten. Er wählte ein 4-3-3 mit Saki Kumagai vor der Abwehr und Sara Thunebro zurück auf der linken Seite in der Abwehrkette. Die Angriffsreihe bildeten Svenja Huth und Kerstin Garefrekes auf den Außen und Dzsenifer Marozsán im Zentrum.

Lyon im 4-2-3-1 gegen Frankfurt im 4-3-3

Startformationen

Die Französinnen liefen im 4-2-3-1 auf, mit Lotta Schelin als einzige Stürmerin und Louisa Necib auf der linken Seite. Hinter der Stürmerin spielte mit Camille Abily eine feste Spielmacherin. Beim FFC ließ sich Dzsenifer Marozsán dagegen aus dem Sturm fallen um besonders die Außenspielerinnen in Szene zu setzen. Marozsán agierte damit oft in der Rolle der falschen Neun, während Schelin vorne vor allem auf die Flügel ausweichen konnte und eher als klassische Stürmerin agierte.

Spielverlauf

In den ersten Minuten übte Frankfurt Druck aus, stellte die Gegnerinnen früh zu und versuchten, den Ball zu gewinnen. Dabei sollte der Ball flach gespielt werden, weil Lyons Innenverteidigung groß gewachsen ist. Wenn Marozsán sich fallen ließ, dann sollten Smisek oder Garefrekes in den Strafraum stoßen. So erarbeitete sich der FFC in den ersten Minuten vier Eckbälle. Die Meisten führten, weil auf den ersten Pfosten geschlagen, gleich zum nächsten Eckball.

Während Frankfurt am Anfang presste und versuchte, durch das eigene Passspiel Sicherheit zu gewinnen, war Lyon darauf bedacht, schnell über Außen anzugreifen. Das führte zu einem Foulelfmeter für Lyon nach einer Viertelstunde, nachdem Behringer Cruz im Strafraum gelegt hatte. Le Sommer verwandelte zum 1:0 und Lyon übernahm danach das Spiel.

Frankfurts Problem war, dass die Bewegungen in der Offensive nicht immer so klappten, wie sich das Sven Kahlert vorgestellt haben dürfte. Oft standen die Spielerinnen weit auseinander ohne sich anzubieten und machten es Olympique leicht, die Passwege abzuschneiden. Die Außenverteidigerinnen spielten sehr zurückhaltend, wohl um Konter über die Flügel zu vermeiden. Diese Taktik wurde aber im Angriff bestraft, wenn die Flügelspielerinnen zu wenig Unterstützung erhielten oder der Flügel verwaiste, weil zum Beispiel Garefrekes in den Strafraum gezogen war. Anstatt die Mannschaftsteile durch offensive Außenverteidiger zu verbinden, spielte Kumagai oft weit vorne. Als Anspielstation für Rückpässe fiel sie damit aus, die gingen dafür in die Abwehrreihe. Dazu war das Sturmzentrum oft leer, wenn Marozsán sich fallen ließ. Insgesamt ging diese Strategie nicht auf.

Lyon dagegen wurde über die Außen immer gefährlicher. Keine Offensivspielerin konnte vom FFC aus dem Spiel genommen werden. Dazu stieß Cruz gerne nach vorne und Schelin konnte sich auf die Flügel bewegen und vorne Bälle behaupten.

In der 28. Minute fiel das 2:0 für Lyon. Einen langen Pass aus der Abwehr auf Schelin klärte Desirée Schumann an der Strafraumkante per Kopf. Abily nahm die Chance wahr und traf per Volley aus gut 25 Metern das leere Tor. Die Situation entstand unglücklich, die Torschützin wurde aber auch nicht eng genug gedeckt.

Die zweite Hälfte begann mit einem Frankfurter Team, das direkt den Weg zum Tor suchte. Aber auch die Französinnen machten Druck, um früh den Ball zu erobern. Überraschenderweise wechselte Patrice Lair Louisa Necib schon nach weniger als vier Minuten im zweiten Durchgang aus und brachte Lara Dickenmann. Ein kurioser Vorgang, denn Necib hatte in der kurzen Zeit keine Fehler gemacht, die einen sofortigen Wechsel nötig machten. Dickenmann führte sich aber gleich gut ein und stellte sicher keine Schwächung zur französischen Nationalspielerin dar. Kurz nach der 50. Minute hatte Lyon dann auch Torchancen im Minutentakt. Besonders Lotta Schelin hatte mehrmals die Möglichkeit auf 3:0 zu erhöhen, verzog aber den Abschluss oder scheiterte an Schumann.

Auch Frankfurt spielte jetzt im 4-2-3-1, mit Sandra Smisk als Spielmacherin. Wichtiger war aber, dass die Außenverteidigerinnen sich jetzt aktiver im Spiel nach vorne zeigten. Nach einer Stunde brachte Kahlert dann Ria Percival für Meike Weber, ein positionstreuer Wechsel, der gleichzeitig der Versuch war Kerstin Garefrekes auf rechts mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Ein paar Minuten später kam auch Ana-Maria Crnogorcevic für Svenja Huth. Dieser Tausch hatte größere Auswirkungen auf die Formation. Ana-Maria unterstützte Marozsán im Sturm und gab dieser damit die Möglichkeit sich auf die hängende Position als zweite Spitze zu konzentrieren. Melanie Behringer spielte nun links im Mittelfeld.

Nach etwa 70 Minuten war Frankfurt dem Anschlusstor wohl so nah wie nie im Spiel. Mit mehr Unterstützung auf Außen und einer klassischen Doppelsechs spielte der FFC direkter.

Behringer hatte eine Möglichkeit per Kopf nach Flanke von rechts. Marozsán schoss kurz danach knapp am Tor vorbei, wieder nach einem Angriff über den rechten Flügel. Trotzdem blieben auch die Französinnen gefährlich und hatten zum Beispiel durch Abily gleich mehrere Chancen.

Fazit

Olympique Lyon war auch für den FFC Frankfurt zu stark und gewann am Abend das Champions League Finale der Frauen verdient mit 2:0. Frankfurt ging mit einer auf Sicherheit bedachten Taktik ins Spiel und verlor damit die Fähigkeit, dauerhaft Druck aufzubauen.

Vorne rieben sich die Spielerinnen an der Abwehr auf. Dzsenifer Marozsán ist keine Stürmerin, die alleine die zentrale Position einnehmen kann; die Aufgabe als Mittelstürmerin blieb in Halbzeit eins auf der Strecke. Der Versuch, Konter über außen zu verhindern, schnitt die Außenstürmerinnen von ihrer Unterstützung ab.

Das 1:0 war ein Geschenk von Melanie Behringer, die erst den Ball im Strafraum verlor und dann foul spielte. Beim 2:0 hatte man ein wenig Pech, aber Lyon hatte schon vorher bei einem Pfostentreffer die Chance zum Ausbauen der Führung.

Auch wenn Lyon mit einer Vielzahl von starken Spielerinnen auflief, so muss Shirley Cruz besonders erwähnt werden. Das Foul an ihr führte zum Elfmeter, die Szene zum zweiten Tor leitete sie ein, dazu war sie eine der aktivsten Spielerinnen.

Die Französinnen festigen ihren Status als Europas Spitzenteam mit einer verdienten Titelverteidigung. Sie wirkten nie überfordert, waren technisch überlegen und hätten auch in der zweiten Hälfte bei Bedarf noch einmal aufdrehen können.

Pablo 28. April 2015 um 11:47

Hallo! Wollte fragen ob ihr dieses Jahr auch Analysen zur Frauen Weltmeisterschaft bringen werdet. Beginnt ja schon am 6. Juni 2015 (http://www.fussball-wm.pro/frauen-weltmeisterschaft-2015/). Wäre sehr cool, vor allem da Deutschland ja gute Chancen auf den nächsten WM-Titel hat.

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dalulz 20. Mai 2012 um 01:21

also gleich mal zu Beginn ne blöde Frage 🙂
Ist mit den Eckbällen gemeint, dass man vier aus dem laufenden Spiel erhalten hat und dadurch dann mehr, oder wie? Weil wenn man einen aus dem Spiel erhalten hat und durch die kurze Ecke dann 3, ist das ja keine Besonderheit des Systems über die vorstßenden Außen sondern der Ecken. oder 4 + daraus resultierende oder 2×2?

Ich finde das nicht optimal formuliert und würde mich freuen, wenn da mehr erleuchtung käme 😉

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HW 20. Mai 2012 um 08:00

Vier Ecken am Stück. Oft eher kurz ausgeführt wohl um der großen Innenverteidigung zu entgehen. Das führte schnell zur nächsten Ecke.
Beide Teams waren am Anfang giftig und diese Szenen halfen etwas Ruhe ins Spiel zu bringen. Ja, nicht aus dem Spiel heraus, selbst die erste Ecke entstand nach einem Freistoß.
Interessant war, dass alle Ecken auf den ersten Pfosten geschlagen wurden, wohl um die große Innenverteidiung zu umgehen. Trotzdem sind vier Ecken grundsätzlich Situationen die für Gefahr sorgen können und Lyon konnte sich nicht dauerhaft im oder um den FFC Strafraum positionieren.

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Sachsenhäuser 18. Mai 2012 um 21:27

Im DFB-Pokal-Finale hat Frankfurt ebenfalls ohne Stürmerin gespielt – und auch alles andere als überzeugt. Aber das scheint Hrn. Kahlerts Wunschformation zu sein, Ana-Maria kommt nur als Einwechselspielerin, Landström eigentlich gar nicht … ich verfolge die Bundesliga nicht, aber der 4. Platz mit diesem Kader spricht eine deutliche Sprache.

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FelixK 17. Mai 2012 um 22:56

Mir ist nach dem Pokalfinale und dem Champions-League-Finale absolut schleierhaft, wie der Frankfurter Trainer auf die Idee kommen kann, es wäre sinnvoll, mit Marozsan auf der Position zu spielen. Sie ist dann stark, wenn sie das Spiel lenken kann, was sie von der 9 aus nicht kann. Wenn sie sich dann zurückfallen ließ, dann war fast immer das Zentrum verwaist, weil nicht richtig eingerückt wurde von den Außenspielerinnen. Darüber hinaus hat Lenkung gefehlt im Zentrum, weil Smisek blass blieb und Behringer meines Erachtens keine Spielerin für zentral und nicht stark bei Bedrängnis ist. Mit der Umstellung Marozsans auf eine ihr besser liegende Position hätte man meines Erachtens in beiden Spielen wesentlich besser aussehen können; und es ist ja nicht so, dass keine Spielerinnen für die 9 vorhanden wären. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das mit Marozsan auf der 9 in der Liga auch probiert wurde und da vielleicht mal geklappt hat, aber in den beiden entscheidenden Spielen jetzt war es für mich von Anfang an offensichtlich, dass das überhaupt nicht funktioniert, weil die Abläufe drumherum auch überhaupt nicht dazu passten, dass dort eben keine richtige Stürmerin stand. Sehe selten Aufstellungen, die ich so eindeutig für unsinnig halte.

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HW 18. Mai 2012 um 08:52

Auf die direkten Duelle im Mitelfeld hätte ich vielleicht noch eingehen können. Aber grundsätzlich war das von dir gut erklärt. Ich hab mich mehr auf die taktische Ausrichtung der Formation und die damit verbundenen Schwächen konzentriert.
Behringer fand ich über weite Strecken schwach, obwohl ich die Idee sie auf einer Halbposition zu nutzen nicht schlecht finde. Insgesamt passte das Zusammenspiel einfach nicht und die ganze zentrale Achse funktionierte nicht.
Mittelstürmerinnen saßen zwei auf der Bank (wovon Ana-Maria mir im letzten Jahr besser gefallen hat als Landström). Ob man dann 4-3-3 mit Maroszan im Mittelfeld oder 4-2-3-1 spielt, ist Geschmackssache. Aber Maroszan ist vorne alleine (bzw. in der Doppelrolle als Mittelstürmerin und Spielmacherin) noch überfordert. Bajramaj hat ähniche Probleme, in Potsdam klappte das besser weil mit Nagasato und Mittag zwei Stürmerinnen auf dem Platz standen, die alle Positionen im Angriff spielen konnten. Bei Frankfurt fehlt diese Variabilität, daher sollte man nicht versuchen ins Zentrum einen Spielmacher zu stellen.
Leider muss man auch feststellen, dass Frankfurt einige Spielerinnen fehlten. Kullig hätte das Spiel vor der Abwehr sicher mehr bestimmt als Kumagai.

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HW 18. Mai 2012 um 08:55

Kulig natürlich ohne Doppel-l.

Kahlert wählte einfach eine zu zurückhaltende Taktik, die AVs drückten le Sommer und Necib z. B. selten in die Verteidigung. Gleichzeitig war man im Mittelfeld unterlegen.

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