1.FC Köln – FC Bayern München 1:4

Abstiegsduell, Teil 2: Köln verliert und steigt ab. Ein guter Podolski und das Daumendrücken für Hoffenheim reichen nicht. Bayern überzeugt mit rochierenden Offensivspielern und präsentiert die voraussichtliche Startelf für das CL-Finale.

Köln defensiv, Bayern mit der vermutlichen Aufstellung für das Finale gegen Chelsea

Startformationen

Frank Schäfer schickte eine recht defensive Mannschaft ins Spiel. Rechts in Viererkette spielte der offensiv zurückhaltende Brecko, links der etwas offensivere Eichner. Die Innenverteidung bildeten Geromel und McKenna, wobei Ersterer sich hauptsächlich um Gomez kümmerte, während McKenna absicherte.

Im Mittelfeld spielten Pezzoni und Lanig auf der Doppelsechs flankiert von Riether auf der rechten und Peszko auf der linken Seite. Wie auch in der Abwehr herrschte hier eine Asymmetrie: Riether auf rechts ist ein deutlich defensiverer Spieler als Peszko auf der anderen Seite.

Grund dafür war wohl, dass sie Bayerns starke linke Seite ausbremsen wollten. Vor dieser Viererkette agierten Podolski und Jajalo, wobei Letzterer etwas hinter dem deutschen Nationalspieler blieb.

Die im Finale gegen Chelsea gesperrten Gustavo, Badstuber und Alaba wurden von Heynckes allesamt draußen gelassen. In der Innenverteidigung lief Tymoshchuk neben Boateng auf, Alabas linke Außenposition in der Viererkette bekleidete Contento. Im Mittelfeld bildeten Kroos und Schweinsteiger die Doppelsechs. Dafür rückte Thomas Müller in die Mannschaft und spielte als hängende Spitze hinter Mario Gomez.

Die Ausgangssituation für Köln – eine heikle Angelegenheit

Die Ausgangssituation war trotz des Vorsprungs von zwei Punkten auf Hertha unheimlich schwierig. Da es für Hoffenheim schon durchaus wichtigere Spiele gab als das gegen die ums Überleben kämpfenden Berliner, erwarteten die Kölner sicherlich einen Sieg der Hertha. Dies bedeutete also nichts anderes, als dass man gegen den FC Bayern gewinnen musste, der dieses Spiel allerdings sehr ernst nahm – nur logisch, da ja nun zwei Finalspiele für sie anstehen, bei denen sie sich in guter Form präsentieren wollen und müssen.

Als kleine Mannschaft gegen Bayern gewinnen zu müssen ist eine äußerst undankbare Situation, da die starken Individualisten des FCB, die zudem noch sehr schnell sind, bei Kontern kaum zu verteidigen sind. Es ist also schwierig, einen passenden Mittelweg zwischen Defensive und Offensive zu finden. Der Plan war offenbar, auf Podolskis Einzelaktionen (Dribblings, Fernschüsse) und Standardsituationen (McKenna, Geromel) zu hoffen und sich ansonsten aufs Verteidigen zu fokussieren.

Müller auf der Zehn und Tymoshchuk/Boateng in der Innenverteidigung: Die Folgen

Die erste Auffälligkeit im Bayernspiel war, dass Boateng von der rechten auf die linke Innenverteidigerposition wechselte. Grund dafür könnte sein, dass man dem unerfahrenen Contento, der zudem nicht viel Spielpraxis hat, den schnellen und gut aufgelegten Boateng zur Seite stellen wollte.

Ein anderer Grund könnte sein, dass Tymoshchuk der bessere Aufbauspieler als Boateng ist, und Schweinsteiger bzw. Kroos sich gerne in die Lücke hinter linkem Innen- und Außenverteidiger fallen lassen. Damit würde man dafür sorgen, dass der Aufbau nicht zu linkslastig wird. Gegen letzteren Grund spricht allerdings, dass man sonst mit Holger Badstuber und den nach links zurückfallenden Mittelfeldspielern in der Regel eine gewissen Linkslastigkeit im Aufbau in Kauf nimmt.

Bayern agierte in der Offensive sehr flexibel. Kroos rückte vor Schweinsteiger, die offensive Dreierreihe tauschte die Positionen

Wenn der FC Bayern mit Thomas Müller statt Toni Kroos auf der Zehnerposition aufläuft, führt dies meist zu vielen Rochaden in der offensiven Dreierreihe. Müller tauscht mit Robben, Ribery überlädt die rechte Seite, oder die drei wechseln für mehrere Minuten jeweils auf die Position eines anderen. Während Kroos als Zehner sich den Ball lieber in tieferen Positionen abholt und die Bälle dann verteilt, kommt Müller mehr über seine Bewegungen ohne Ball.

Beim Tor zum 1:0 durch Müller konnte man diese Flexibilität schön beobachten. Ribery tauchte rechts auf und konnte eine Flanke bringen, die der auf halblinks gerückte Müller – sträflich freistehend – zur Führung verwerten konnte.

Auch wenn diese Rochaden zu einer sehr flexiblen und somit weniger ausrechenbaren Spielweise führen, hat die Variante mit Müller statt Kroos auf der Zehn den Nachteil, dass man im Zentrum nicht immer so ein Übergewicht herstellen kann wie in der Kombination Gustavo-Schweinsteiger-Kroos. Da man mit Köln allerdings keinen Gegner mit einem besonders starken Mittelfeld hatte und Chelsea im Finale wohl auch eher defensiv erwartet, ist die Variante Schweinsteiger-Kroos-Müller nachvollziehbar.

Wie Köln auf den Spielverlauf in Berlin reagierte

Nach einer Viertelstunde ging Hertha in Führung, was für Köln in diesem Moment nichts anderes bedeutete, als dass sie die Bayern schlagen mussten, um die Relegation zu erreichen. Köln änderte zu dem Zeitpunkt noch nichts, sondern lauerte weiter mit zwei engen Viererketten und den hart arbeitenden Jajalo und Podolski davor auf Konter. Auch nach dem 1:0 der Bayern behielt Köln die defensive Spielweise bei und wollte sich wohl zuerst einmal in die Halbzeit retten, um dort das weitere Vorgehen zu planen.

In der Halbzeitpause brachte Schäfer dann mit Novakovic einen zweiten Stürmer, Jajalo musste raus. Novakovic sollte als gelernter Stürmer mögliche Abstimmungsprobleme der nicht eingespielten Bayernabwehr ausnutzen. Außerdem sorgte er für mehr Kopfballstärke, angesichts der bis auf Boateng kopfballschwachen Abwehr der Münchener also eine logische Einwechslung – zumal Berlins Führung und Überzahl natürlich auch bis nach Köln vorgedrungen war.

Auffällig war des Weiteren, dass im Verlauf des Spiels immer mehr Angriffe der Kölner über ihre nominell defensivere rechte Seite kamen als über links oder durch die Mitte. Am Ende waren es 47% ihrer Vorstöße, die über die rechte Seite gemacht wurden.

Köln drückt kurz, Bayern kontert und geht fahrlässig mit den Chancen um

Die Kölner flankten nun häufiger, was zu einigen Halbchancen und Eckbällen führte. In den ersten paar Minuten nach der Halbzeit gab Köln richtig Gas, und drückte Bayern für eine – sehr kurze – Zeit sogar hinten rein, da sie verlorene Bälle durch eine kompakte Staffelung schnell zurückerobern konnten.

Genau in dieser Phase fingen sich die Domstädter dann aber zwei Kontertore, die beide schön über die linke Bayernseite herausgespielt wurden – wobei man sagen muss, dass das Eigentor der Kölner ebenso kurios wie unglücklich war.

In manchen Situationen ließen die Bayern ein zu großes Loch zwischen Abwehr und Mittelfeld. Köln nutzte diese Räume selten, immerhin aber bei ihrem Kontertor zum 1:3

Auch nach dem dritten Treffer drückte Bayern weiter und spielte sich über die Außenpositionen immer wieder gute Torchancen heraus. Dass die Führung nicht weiter ausgebaut wurde, lag nicht zuletzt daran, dass Ribery, Müller, Kroos und Co. zu oft versuchten, Mario Gomez in Schussposition zu bringen.

Einige vielversprechende Angriffe wurden deshalb nicht abgeschlossen, was aber nur selten zu Kölner Kontern führte. Diese hätten durchaus gefährlich werden können, da die Bayern oftmals vergaßen, den Abstand zwischen Offensiv- und Defensivspielern klein zu halten. Kölns erste Pässe bei Ansätzen von Kontern waren aber meistens schlecht.

Nach einer guten Stunde bestrafte Köln den fahrlässigen Umgang der Bayern mit ihren Torchancen dann aber mit einem der wenigen Konter und verkürzten auf 1:3.

Bei einem Kölner Konter blieben zu viele Bayernspieler vorne stehen, Tymoshchuk wurde von Podolski auf den Flügel herausgezogen und dort überlaufen. Podolskis Hereingabe verwertete Novakovic dann in Manier eines Mittelstürmers.

Dieses Tor war einerseits das Resultat der Bayernaufstellung ohne wirklich defensiven Sechser sowie andererseits der logischen Einwechslung Novakovics und der damit verbundenen Fokussierung auf das Spiel über die Außen.

Köln gibt sich auf und vertraut auf Hoffenheim

Das energische Holen des Balls aus dem Netz nach dem Anschlusstreffer war jedoch die einzige Aktion, die im weiteren Verlauf auf ein Aufbäumen der Kölner schließen ließ. Bayern spielte munter weiter nach vorne, Schweinsteiger sammelte Ballkontakte und dominierte mit seinen Pässen das Spiel. Der nimmermüde Müller belohnte sich nach seiner langen Durststrecke mit einem Doppelpack.

Besondere taktische Mittel seitens Schäfer gab es nicht zu sehen: Kein zusätzlicher Stürmer, keine offensiveren Außenverteidiger und auch keine Beorderung McKennas ins Sturmzentrum. Die Kölner hofften offensichtlich nur noch darauf, dass Hoffenheim gegen Hertha noch zum Ausgleich kommen würde, was allerdings nicht gelang.

Diese Passivität war sicher ein Grund für das Ausrasten einiger Kölner Fans, auf das ich hier aber nicht weiter eingehen werde, da es nichts mit dem Inhalt unserer Seite zu tun hat und man diesen Idioten auch nicht allzu viel an Öffentlichkeit anbieten sollte.

Fazit

Köln kämpfte und hatte in Lukas Podolski einen starken Antreiber in vorderster Front, der allerdings zu wenig Unterstützung erhielt und unter der wenig auf Kombinationsspiel angelegten Spielweise seines Teams litt. Zwischen den Viererketten der Kölner gab es zu viel Raum für die offensiven Mittelfeldspieler der Bayern, auch das Doppeln funktionierte nicht, was auch an den guten Bewegungen der Bayern lag.

Die Kölner konnten die Bayern nur für eine kurze Zeit in Bedrängnis bringen, wurden dann aber zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt ausgekontert. In diesen Situationen fehlte ihnen Geschwindigkeit und die nötige Zuordnung, auch taktische Fouls hätten hier und dort geholfen.

Dass die Niederlage nicht höher ausfiel, lag weniger an der Abwehrleistung als an der Fokussierung der Bayern auf Gomez, der laut eigener Aussage aber noch Stunden hätte spielen können, ohne ein Tor zu machen.

Da Hertha im Heimspiel gegen Hoffenheim eine leichtere Aufgabe hatte und zudem selbst auch noch gut spielte, darf sich in Köln nun niemand über den Abstieg beschweren.

Man muss nicht gegen Bayern gewinnen, um nicht abzusteigen, die benötigten zwei Punkte hätte man in vielen anderen Spielen sammeln können. Nun steht also nach einer turbulenten Saison der harte Gang in die zweite Liga, nicht auszuschließen, dass dort ein gehöriger Umbruch stattfindet.

Bayern nahm das Spiel als Härtetest für das Champions League Finale gegen Chelsea und holte sich eine Portion Selbstbewusstsein, die vor dem Duell mit Dortmund um den DFB-Pokal nächste Woche sicher nicht schadet. Dort werden wir wohl wieder die Stammelf sehen, die in den beiden Spielen gegen Real überzeugte. Interessant wird dann sein, wie die Abwehr mit Contento und Tymoshchuk sich gegen Drogba und/oder Torres schlagen wird (hierzu folgt natürlich bald eine ausführliche Vorschau).

onkel-ede 7. Mai 2012 um 15:22

Bin gerade im Urlaub und konnte das spiel nicht
sehen. Dank des guten Artikels kann ich mir zumindest ein grobes Bild machen. Danke dafür.
Wie hat denn insgesamt die CL-Final 4erKette
funktioniert?

Antworten

PP 7. Mai 2012 um 21:53

Bis auf ein paar Fernschüsse von Podolski kam von Köln nicht viel. Der Spielaufbau war in Ordnung, auch wenn man Badstubers Fehlen schon merkte. Tymoshchuk ist ein paar Mal mit dem Ball ins Mittelfeld vorgestoßen, ansonsten kann man aber nicht viel sagen, da Köln kein Gradmesser war.

Antworten

smerk 7. Mai 2012 um 14:55

„Interessant wird dann sein, wie die Abwehr mit Contento und Tymoshchuk sich gegen Drogba und/oder Torres schlagen wird (hierzu folgt natürlich bald eine ausführliche Vorschau).“
bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte bitte
Und vielen Dank für den Artikel

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