Samstag, 29.11.2014

Udinese Calcio – Lazio 2:0

Das Überladen der linken Seite, sinnvolles und richtiges Anlaufen der gegnerischen Außenverteidiger und gelegentliches Aufrücken der Innenverteidiger machten Udine in einem durchwachsenen Spiel gegen erneut einfallslose Römer zum verdienten Sieger.

Nachdem die Roma und Napoli sich im direkten Duell mit einem Remis getrennt  und Inter sein Spiel gegen Cesena für sich entschieden hatte, spielten nun mit Udine und Lazio die beiden weiteren Kandidaten für den dritten Rang – ebenfalls im direkten Duell.

Grundformationen 1. Halbzeit

Es war ein über weite Strecken ereignisarmes und fast schon langweiliges Spiel. Dies lag zum einen an der Ausrichtung Lazios, die sich viel auf ihre starke Defensive verließen und auf eben diese Abwehrarbeit konzentrierten. Außerdem sorgten die beiden Formationen in ihren taktischen Wechselwirkung dafür, dass es wenige Torszenen gab: Gerade Rocchi war oftmals gegen drei Innenverteidiger auf weiter Flur, während Lazio mit neuen Spielern diszipliniert arbeitete und das gegnerische Mittelfeld-Trio in seiner Anordnung spiegelte, was zu wenigen Freiheiten im Zentrum und dadurch oftmals zu einem Stillstand führte. Zwar dominierten die Hausherren das Spielgeschehen mit phasenweise über 60 % Ballbesitz, doch konnte man sich relativ wenige Chancen herausspielen.

Udines Überladen auf links und Lazios versuchtes Gegenmittel

Allerdings waren es deutlich mehr Möglichkeiten, als Lazio sie auf der anderen Seite hatte. Wenn offensiv etwas ging, dann war dies bei der Mannschaft Udines der Fall und ganz besonders über deren linke Seite, wo man einige Male Überzahlsituationen herstellen konnte, wobei auch die rechte Seite einige ordentliche Aktionen spielte. Dennoch wurden praktisch alle Möglichkeiten für die Schwarz-Weißen – so zum Beispiel eine Möglichkeit nach nur drei Monaten oder ein guter Abschluss von Pinzi, der sich auch manchmal mit herüber bewegte – über die linke Seite eingeleitet, über die man sowieso 43 % der Angriffe vortrug.

Über diese linke Seite kam bei Udine der offensivstarke und aktive Pasquale als Wing-Back, der viele gute Aktionen zeigte. Auch wenn Lazio hier mit Alvaro Gonzalez einen defensivstarken rechten Mittelfeldspieler hatte, konnte Udine hier gelegentlich von einigen Schwächen Konkos im Rückwärtsgang profitieren.

Unterstützt wurden die energischen Vorstöße Pasquales durch di Natale und Kwadwo Asamoah – die beiden spielstärksten Offensivkräfte der Hausherren, die immer wieder auf diese linke Seite tendierten, Lazio dort überluden und somit gelegentliche gute Angriffe initiieren konnten. Weil Lazio sich allerdings stark auf die Abwehr konzentrierte (erkennbar an zwei aufgestellten Außenverteidigern auf links) und mit ihrer eigentlich gefestigten Deckung gut dagegen halten konnte, hielten sich die Chancen noch in geringen Maßen.

Im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs versuchten die Gäste, die Gefahr der gegnerischen Flanke einzudämmen, indem man den gefährlichen Pasquale weiter nach hinten drängte. Dies sollte durch eine offensivere Rolle Konkos geschehen, der ohne direkten Gegenspieler Pasquale attackierte und zu mehr Defensivarbeit zwang. In dieser Phase stand Alvaro Gonzalez enorm hoch und zog sich als zweite Spitze neben Rocchi mit hinein, doch konnte er von Udines Dreierkette gut verteidigt werden, so dass Lazio einzig gegen Pasquale etwas weniger anfällig war und durch Konko zu einigen Flanken kam. Im Gegenzug musste man allerdings bei Kontern aufpassen, wenn die beiden gegnerischen Stürmer in die von Konko frei gelassenen Räume auf Außen drifteten.

Udines Pressing, Mauris Rolle und alte Probleme

Bei den Gästen war die einzige Überraschung die Rolle Stefano Mauris, der nominell als zentral-offensiver Mittelfeldspieler des 4-4-1-1 agierte, allerdings unerwartet tief spielte und dabei sehr viel auf die Flanken auswich, wo er mit den beiden Außenspielern zu interagieren versuchte. Allerdings rückte dann meistens der äußere Mittelfeldspieler zu stark in die Mitte, so dass diese Maßnahme ihre Wirkung verlor. Die Folge waren einige Flanken von den Außenseiten, die allerdings – bis auf eine Ausnahme – von Rocchi nicht zu verwerten waren.

Es zeigte sich hier ein Problem Lazios, das in dieser Saison immer wieder auffällig wurde: Als Kollektiv rückt man zu wenig auf und greift mit zu wenigen Spielern an, so dass es in der Offensive kaum Handlungsmöglichkeiten gibt. Rochaden und Passoptionen sind eingeschränkt, zweite Bälle können kaum gewonnen werden, in der Nähe des Strafraums gibt es zu wenige Abnehmer bzw. Spieler, die potentiell nach vorne vorstoßen könnten, und überhaupt kann man somit kaum genügend Verbindungen zwischen den Spielern für Kombinationsspiel aufbauen.

In dieser Partie kam auch noch eine solide Defensivleistung des Gegners hinzu, die diese Probleme weiter verstärkte. Es gelang ihnen gut, den Spielaufbau der Gäste auf die Außen zu lenken, wo man mit leichten Verschiebungen den Raum eng machen konnte: Der ballnahe Achter rückte auf den ballführenden gegnerischen Außenverteidiger heraus, während seine beiden Kollegen sowie ein zurückfallender Stürmer durch normales ballorientiertes Verschieben die Räume eng machen konnten. Grundlegende Mechanismen wurden auf die richtige Art und Weise angewandt.

Tore und Turbulenzen

Wer, wenn nicht Torjäger Antonio di Natale, hätte es schließlich sein sollen, der das entscheidende Führungstor für seine Mannen markierte. Nach einer Flanke Domizzis stand der 34-jährige Altmeister auf Höhe des zweiten Pfostens genau richtig und verwandelte gegen die Laufrichtung von Marchetti (69.). Interessant war besonders, dass die Vorlage vom halblinken Innenverteidiger Domizzi kam, der zuvor mit nach vorne gestoßen war. So gesehen war es also eine taktische Maßnahme von Udines Trainer Francesco Guidolin, welche für dieses wichtige Tor verantwortlich zeichnete – wie Joel Matip am vergangenen Wochenende in Augsburg war es der Vorstoß eines Innenverteidigers, mit dem das mannorientiert deckende und tief stehende Mittelfeldzentrum nicht umzugehen wusste.

Im Anschluss startete Lazio eine Schlussoffensive, doch war diese viel zu eindimensional – man schlug lediglich lange Bälle nach vorne, die aber allesamt schwach gespielt waren. Zudem rückte man nicht gut genug auf, was sich auch in vielen verlorenen zweiten Bällen wiederspiegelte. Diese Trennung zwischen Defensive und Offensive nutzte Udine auch dahingehend aus, dass einige Spieler die „Ballschläger“ pressten und zu ungenauen Zuspielen zwangen, während die anderen Spieler den Strafraum deckten – bis auf ein oder zwei Spieler für die zweiten Bälle.

In der Nachspielzeit fiel dann durch einen Konter noch das 2:0 – es war die kurioseste Szene des eher langweiligen Spiels. Lazio hatte einen Befreiungsschlag Udines schon gewonnen, als ein Pfiff ertönte – doch es war nicht der Schiedsrichter, sondern jemand anderes gewesen. Die Spieler Lazios stellten das Spielen ein, Torwart Marchetti sank enttäuschend zusammen und Pereyra konnte sich einfach den Ball schnappen sowie  ins Tor schießen.

Wütende Proteste der Spieler Lazios, die sich durchaus verständlicherweise betrogen fühlten, arteten letztlich in einer großen Rudelbildung und Schlägerei von Spielern und Offiziellen aus, in welcher Andre Días noch einen Platzverweis kassierte und damit Lazio schmerzlich im Endspurt fehlen wird.

Fazit

Dieser Endspurt wird ein enorm spannender werden. Drei Spieltage vor Schluss sind es vier punktgleiche Teams, die alle um den dritten Rang kämpfen, welcher noch zur Teilnahme an der Qualifikation für die Champions League berechtigt. Die Formkurve spricht aber deutlich gegen Lazio, die zuletzt in einer Ergebniskrise steckten – viele Verletzte, darunter Miroslav Klose, verstärken die typischen Probleme der Mannschaft. Auch in diesem Spiel fehlte jeglicher Einfallsreichtum, so dass Udine verdient gewann und durchaus gute Chancen auf den dritten Platz hat.

stuf_03 3. Mai 2012 um 09:04

Sorry für die theoretische, eher ins Off-Topic abgleitende Frage, aber weils im Artikel erwähnt wird.
Lazio im 4-4-1-1, wo liegt hier der Unterschied zum 4-2-3-1? In der Darstellung ähnelt es sich ja sehr.

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