Sporting – Athletic Bilbao 2:1

Ein verdienter Sieg dank einer Energieleistung – Sporting schlägt Athletic Bilbao praktisch mit den eigenen taktischen Waffen.

Nachdem Bilbao durch einen Treffer nach einem Freistoß in Führung gegangen war (54.), konnten die Hausherren das Spiel durch einen Doppelschlag durch Insúa (76.) und Diego Capel noch drehen (80.).

Wechselwirkung der Formationen

Grundformationen

Die taktisch sehr interessanten Gäste, deren System viele deutsche Zuschauer spätestens in den Duellen mit Schalke bestaunen durften, traten erneut in ihrer typischen Grundformation an, wobei Borja Ekiza in der Innenverteidigung für den fehlenden Javi Martínez spielte. Sein Partner war erneut Amorebieta, der mit einer starken Partie überzeugen konnte.

Auffällig war bei den Basken erneut ihr typisches Muster im Spielaufbau – die beiden Außenverteidiger Iraola (rechts) und Aurtenetxe (links) rückten enorm weit und teilweise gar zu weit auf, während Iturraspe sich als Sechser fallen ließ und zwischen der Position als drittem Innenverteidiger und dem zentralen Mittelfeld pendelte. Doch ergaben sich hieraus gewisse Probleme, denn zum einen konnten die Außenverteidiger durch das weite Vorschieben gelegentlich nicht mehr angespielt werden und zum anderen fehlte eine weitere Option im Mittelfeld, da Iturraspe auch gut von den beiden Spitzen im defensiven 4-4-2 Sportings verteidigt wurde. Neben van Wolfswinkel – der platt gesagt viel trifft, aber auch viel nicht trifft – war dies diesmal im nominell offensiven Mittelfeld der junge und wendige André Martins, der nicht nur defensiv zu gefallen wusste. Gerade im Spiel nach vorne ließ er seine Klasse in Form von dynamischen Aktionen mehrfach aufblitzen und sollte zusammen mit den beiden Außenspielern für Kreativität zwischen den Linien sorgen. Marat Izmailov und Diego Capel sind die Stammbesetzung für die Außenbahnen, doch besonders die Tatsache, dass beide auf beiden Flügeln agieren können, ist sehr spannend: Vor eineinhalb Wochen im Stadtderby gegen Benfica wurden sie klassisch, diesmal wurden die beiden invers aufgestellt, womit man den offenen Raum im Mittelfeld zwischen dem tiefen Iturraspe und den offensiven Achtern attackieren wollte.

Diese beiden Achter im Mittelfeld waren wie gewohnt Oscar de Marcos und Ander Herrera, wobei diesmal de Marcos auch nach hinten deutlich vertikaler agierte und nicht konstant mit seinen gefährlichen Läufen zum Tor auffiel, was sicherlich daran lag, dass man kaum Anspielstationen fand. Diese zwei zentralen Spieler sollten von den dribbelstarken und nach innen kommenden Außenstürmern Susaeta und Muniain unterstützt werden, doch weder der von einigen englischen Klubs umworbene Rechtsaußen noch der hochtalentierte Muniain konnten ein gutes Spiel zeigen und blieben diesmal unter ihren Möglichkeiten. Gleiches galt im Sturmzentrum über den großgewachsenen, aber normalerweise nicht darauf zu beschränkenden Fernando Llorente.

All dies lag stark auch an ihren jeweiligen Gegenspielern – normalerweise ist es das System von Bilbaos Trainer Marcelo Bielsa mit einer stark mannorientierten Zuordnung in der Defensive zu spielen und zu pressen, doch diesmal drehte Sportings Trainer Ricardo Sá Pinto den Spieß um und verteidigte gegen die Basken mit ihren eigenen Mitteln. Gegen die beiden starken Innenverteidiger war Llorente abgemeldet, während Joao Pereira und Emiliano Insúa als Außenverteidiger einmal mehr beeindruckende Leistungen zeigten und ihre Gegenspieler dominierten. Ebenso hatten im zentralen Mittelfeld de Marcos und Ander große Probleme mit der sehr engen Deckung durch Schaars und Carrico, so dass sie sich kaum einmal in Ruhe ins Spiel einbringen konnten.

Sporting - Benfica 1:0 (09.04.2012)

In gewisser Weise wies diese Partie einige Parallelen mit dem bereits angesprochenen Lissabon-Derby auf: Auch Benfica baute oftmals mit dem zurückfallenden Javi Garcia aus einer Dreierkette heraus auf, während man davor im Mittelfeld zwar sehr fluid zu spielen versuchte, doch Sporting sowohl die im Aufbau entstehende Dreierreihe als auch dieses Spiel sehr gut kontern konnte. Als zentraler Mittelfeldspieler hatte Witsel in jener Partie sehr viele vertikale Läufe gemacht, während auf den Außenbahnen Rodrigo eine lose Mischung aus Außenbahnspieler und hängender Spitze gegeben und Gaítan auf der linken Seite sein typisch vielseitiges und driftendes Positionsspiel gezeigt hatte. Vollendet wurde Benficas Ausrichtung durch Bruno Cesar als Falscher Zehner, der immer wieder auf die Flügel rochierte.

So wie Sporting jenen Gegner mit einem sehr aggressiven Mittelfeld und Pressing-Fallen in bestimmten Situationen gekontert hatte, war auch hier wieder die giftige Ausrichtung des Mittelfelds ein entscheidender Faktor, mit welchem man der enorm physisch starken Mannschaft Bilbaos entgegen treten konnte – etwas, das aufgrund deren Spielstärke oftmals vergessen wird, nicht aber von Sporting. Selbst die Tatsache, dass der enorm giftige Elias nicht spielte, der gegen Benfica für viele Ballgewinne gesorgt hatte, wurde durch eine enorm starke Leistung des etwas statischeren gelernten Innenverteidigers Carrico aufgefangen.

In der Offensive wollten die Portugiesen die angesprochenen Räume im Mittelfeld ausnutzen, wobei van Wolfswinkel mit einigen guten Läufe auf die Seiten die Innenverteidigung auseinanderzog, während die Außenverteidiger eine ganz besondere Rolle hatten. Sie wurden aufgrund ihres sehr offensiven Naturells oftmals in die Konter einbezogen, was zwar riskant war, aber für Breite und zusätzliche Power sorgte – letztlich sollte es sich auszahlen.

Sportings Vorteile bei zweiten Bällen und Auswechslungen

Aufgrund der Tatsache, dass Bilbao im Spielaufbau die Anspielstationen fehlten und ein zu großes Loch zwischen der Dreierkette und den offensiven Spielern klaffte, wollte man dies meistens durch lange Bälle auf Llorente überbrücken. Auch Sporting spielte im Aufbau sehr viele weite, hohe Pässe, um das bekannt intensive und aufwändige Pressing ihrer Gegner zu umgehen – ein weiterer Punkt, wieso das Spiel teilweise derart zerfahren, unkontrolliert und hektisch-wild wirkte, was sich im Lauf der zweiten Halbzeit und gerade nach dem 0:1 durch beiderseits verstärktes Pressing noch weiter öffnete.

Doch die jeweiligen zentralen Mittelstürmer konnten sich meistens nicht entscheidend durchsetzen – gerade Llorente war bei der Innenverteidigung Sportings (überraschend) gut aufgehoben. Somit fiel natürlich der Verwertung der zweiten Bälle eine erhöhte Bedeutung zu – und hier war Sporting stärker.

In der Defensive ließen sich die beiden Sechser sehr intelligent fallen und setzten sich rechtzeitig nach hinten ab, wenn sie sahen, dass ein weiter Ball gespielt werden würde. Auf diese Weise sammelte man die meisten Abpraller auf. Umgekehrt postierte man sich bei eigenen weiten Pässen sehr weit vorne und nah an den potentiellen „ersten Abnehmern“, wobei auch die Außenspieler sinnvoll ein- oder – wie die Außenverteidiger – aufrückten.

Ebenfalls wichtig waren die Auswechslungen Sá Pintos, der zunächst mit Carrillo einen Stürmer für Carrico und unmittelbar nach dem Ausgleich mit Rubio einen weiteren Angreifer für André Martins brachte. Durch den ersten Wechsel rückte André Martins ins zentrale Mittelfeld und interpretierte seine Rolle sehr offensiv, während Izmailov ins Zentrum wechselte,  ein Pärchen mit Diego Capel bilden und die rechte Seite überladen sollte, was auch beim Treffer exemplarisch funktionierte. Im Strafraum lauerte Carillo als Mischung aus Linksaußen und zentralem Stürmer, während der Torschütze Insúa mit enorm offensiven und geradlinigen Sprints die etwas verwaiste linke Seite füllen durfte.

Nach dem Treffer rückte dann gar Izmailov ins zentrale Mittelfeld, während Rubio als gelernter Stürmer etwas zurückhängend agierte. Dabei war es letztlich sein taktisch kluger Lauf ohne Ball, der Diego Capel die Schussbahn zum Sieg eröffnete.

Anschließend hatte man sogar noch sehr gute Chancen auf ein mögliches 3:1 – Athletic wurde nun in einem sich immer weiter öffnenden Spiel überrannt und hatte Glück, sich nicht noch ein weiteres Gegentor eingefangen zu haben.

Fazit

Ein verdienter Sieg für Sporting, die erkannten, dass man Bilbao sehr gut mit ihren eigenen Waffen schlagen kann – einer stark mannorientierten Deckung, einem sehr kampfstarken und physisch ausgelegten Kampf im Mittelfeld, der dort immer wieder Löcher riss, Athletic die Spielkontrolle erschwerte und stattdessen für Tempo sorgte, und offensiven Außenverteidigern. Hinzu kamen die leichten Vorteile bei zweiten Bällen und Auswechslungen als letzte Zutaten. Vor dem Rückspiel steht das Spiel auf Messers Schneide und auch wenn Athletic Bilbao weiterhin der Favorit sein dürfte, so ist Sporting doch eine Mannschaft, die zum Besiegen der Basken durchaus passend ist und ihnen somit sehr gefährlich werden kann.

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