Donnerstag, 26.05.2016

Hamburgs Probleme gegen Wolfsburg

Im Freitagsspiel traf Hamburgs Niederlagenserie in Wolfsburg auf eine kleine Siegesserie. Beide überlebten. Wir analysieren, weshalb Finks Team trotz hoher Spielanteile nur vier Schussversuche unternehmen konnte.

Magaths Plan

Betrachten wir zu Beginn die Aufgaben, vor die Hamburg gestellt wurde. Fink ließ dabei wie üblich im gewohnten 4-4-2 starten, das im Ballbesitz in ein 3-3-4 umrückt. Felix Magath stellte ebenfalls sein gewohntes, viel defensiver ausgerichtetes 4-4-2 auf, wobei die einzelnen Positionen gut auf die Anforderungen des sehr speziellen Gegners vorbereitet waren.

Josué ließ seiner destruktiven Natur vollen Lauf und bewegte sich extrem viel im halbrechten Raum. Er spielte defensiv oft etwas herausgerückter als Polak und arbeitete sehr gut horizontal, um Passwege für Hamburgs Aufbauspieler zu schließen. So war er auch genau der richtige Mann, um Westermanns Vorstöße zu entschärfen.

Dejagah und Schäfer gingen die Vorstöße von Hamburgs Außenverteidigern diszipliniert mit. Sie hielten dabei etwas Tiefenabstand, um zu verhindern, dass sie im Sprintduell überlaufen werden konnten. Nur wenn sich Aogo oder Diekmeier nach hinten bewegten oder den Ball in den Fuß bekamen, wurden sie eng gestellt.

Helmes und noch viel mehr Mandzukic arbeiteten defensiv gut mit. Sie attackierten Hamburgs breite Dreierreihe im  Aufbau allerdings meist nicht aggressiv. Mit variierender Intensität verschoben sie zum Ball. Das konnte von Hamburgs ruhiger Aufbauarbeit zwar meist umspielt werden, zwang sie aber in bestimmte Bahnen, die Wolfsburgs Viererketten leicht antizipieren konnten.

Das machten insbesondere die Verteidiger gut. Rückstöße der vier Hamburger Angriffsspieler wurden sehr eng und aggressiv verfolgt. Dabei standen sie sehr hoch, also eng an der Mittelfeldlinie, weshalb dieses Herausrücken kaum für Probleme in der Kompaktheit sorgte.

Insofern verteidigte Wolfsburg in einem reaktiv angelegten Mittelfeldpressing, welches aber sehr aktiv auf offensive Läufe reagierte. Hamburg bekam somit keine Angriffsspieler frei und hatte wenig Raum zwischen den Linien. Allerdings boten die Wölfe viel Raum hinter ihrer hohen Abwehrlinie an und verteidigten sehr breit, was zum horizontalen Kombinationsspiel einlud. Ersteres konnte Hamburg genau ein Mal nutzen, zweiteres garnicht.

Schlechte Abstimmung und Ausrichtung der Angriffsspieler

Szene 1: Westermann stößt mit dem Ball vor.

Die horizontalen Räume konnten Finks Spieler dabei auch wegen ihrer falschen Ausrichtung nicht nutzen. Schon in früheren Spielen offenbarten sich die Probleme, dass die Angriffsspieler (also die Stürmer und die offensiven Flügel) schwer ins Spiel kommen. Gegen Wolfsburg wurde dies besonders prekär, weil die Ausrichtung der Wölfe eben darauf spekulierte.

Rechts ist eine Szene zu sehen, in der Westermann mit dem Ball vorstößt, wie es so oft in Hamburgs Spiel passiert. Von den vier zentralen Aufbauspielern ist er wohl noch der spielstärkste.

Wie bereits skizziert, übernimmt ihn Josué, während Helmes offensiv bleibt und auf eine Kontersituation spekuliert. Dejagah ist gegen den hochstehenden Aogo zurückgewichen, Wolfsburg steht effektiv in einem sehr gestreckten 5-3-2. Westermann spielt den simplen und logischen Pass auf den freien Aogo. Soweit hat Finks Spielidee gut funktioniert und Wolfsburg ohne eigenes Risiko in eine relativ unangenehme Situation gedrückt.

Nun verhalten sich Hamburgs Offensivspieler völlig falsch zueinander. Während Petric untätig ist, starten die drei anderen allesamt diagonal nach vorne. Wolfsburg hat ein leichtes und muss nur mitgehen. Dabei kann garkeine ernsthafte Gefahr aufkommen, da alle Angriffsspieler aus bereits hoher Position und am Gegenspieler starten. Durch das frühe Aufrücken verliert man den potentiellen Geschwindigkeitsvorteil, den ein Vorstoß aus der Tiefe bietet.

Zumindest wird aber auf diese Weise die Abwehrlinie nach hinten gedrückt. Den resultierenden Raum im Mittelfeld müssten nun zurückfallende Spieler nutzen. Aber keiner der Hamburger bewegt sich nach hinten. In den rot markierten Bereiche wäre es ein leichtes, Überzahl für Kombinationen herzustellen. Auch könnte man den Ball gefährlich auf die vorstößenden Spieler weiterleiten.

Nächste Station ist Aogo, der aber abbrechen muss.

Stattdessen erhält Aogo den Ball in einer 1-gegen-1-Situation gegen den schnell herausrückenden Dejagah und hat absolut keine Option. Höchstens ein wenig gefährlicher langer Ball über seinen schwachen rechten Fuß wäre möglich. Er muss abstoppen, was Josué die Möglichkeit gibt, sofort zu doppeln. Nun sind die Angriffsspieler komplett vom Deckungsschatten der beiden Wolfsburger zugestellt. Ein Fehlpass wäre extrem wahrscheinlich.

Hamburg befindet sich hier in einer Gerüstformation, fast völlig ohne Dreiecke, die Kombinationsspiel ermöglichen würden. So sieht Hamburgs Ordnung oft aus. Der gedeckte Rincon ist der einzige Spieler innerhalb des „Zauns“, den Hamburgs Spieler aufspannen. Somit ist das Zentrum komplett verschlossen, trotz des sehr großen Raumes, den sie dort generieren. Zu viele Spieler befinden sich auf einer Linie, dementsprechend wenige Passwege gibt es. Kein Spieler begibt sich in eine Kreativposition.

Aogo muss dementsprechend den Ball zurückspielen zu Westermann. Über Jarolim und Mancienne findet der Ball bis zum Keeper zurück. Drobny schlägt ihn unter dem geringen Druck des nachsetzenden Mandzukic weg, Wolfsburg gewinnt das Luftduell im Mittelfeld.

Das Manko der schlecht abgestimmten Angriffsbewegungen zieht sich brutal durch das Hamburger Spiel. Sie öffnen große Räume im Mittelfeld, die der Gegner für Konter nutzen kann, selber nutzen sie diese Räume aber oft zu schlecht. Ein hoher Einsatz für zu wenig Ertrag. Der zweite Grund dafür ist auch die unpassende Besetzung des Kaders.

Das Angriffsteam, das keine Pässe spielen kann

Denn es fehlt den Hamburgern auf allen Positionen an spielstarken Akteuren. Die Flügelspieler und Stürmer sind in Einzelaktionen durch Physis und Dribblings durchschlagskräftig, aber keine Kombinationsspieler.  Die Sechser sind sehr destruktive Spielertypen, die bestenfalls zuverlässig querschieben, aber keine gefährlichen Vertikalpässe oder weite Spielverlagerungen zeigen. Auch der Torwart ist keiner der modernen Prägung. Die ballsichere Innenverteidigung tut sich noch positiv hervor, aber selbst Westermann ist keiner, der für tolle Angriffspässe bekannt ist.

Szene 2: Entstehung über Mancienne und Jarolim.

Gut zu sehen ist dies an der oben abgebildeten Szene 2 aus der 14. Minute, in der Mancienne von Mandzukic unter Druck gesetzt wird und auf Jarolim ablegt. Dieser entscheidet sich für einen Vorstoß zwischen Wolfsburgs Stürmern hindurch. Schon das ist eine schlechte Entscheidung in dieser Situation, da er sich hier zwischen vier Gegner begibt, ohne eine sichere Anspielstation zu haben.

Einen guten Angriffsinstinkt beweist in der Szene Aogo, der diagonal in die Spitze stößt, in die Lücke zwischen Russ und Hasebe, der durch den zurückfallenden Jansen etwas nach außen gezogen ist. Aogo bewegte sich einige Male sogar ins Spielzentrum um dort die spielerischen Defizite der Sechser zu kompensieren. Das war ein interessanter Ansatz, der aber wenig effektiv war. Im Allgemeinen ist das eine sehr schwierige Verschiebung, zudem stand Aogo dabei mit dem falschen Fuß zum Feld.  Die gelegentlichen Vorstöße in die Spitze waren aber ein gutes überraschendes Element im Hamburger Spiel.

Jarolim zeigt hier aber einen zweiten Fehler, als er Aogos Vorstoß nicht sieht und die Möglichkeit zu einem langen Ball hinter die sehr hochstehende Abwehrlinie verpasst. Diese Bälle kamen von ihm und Rincon fast nie, obwohl sie insbesondere in der höheren Sechserposition oft eine gute Stellung und viel Raum dafür hatten. Hier legt Jarolim stattdessen auf Ilicevic ab, dem es mal gelingt, sich von Rodriguez zu lösen.

Der schlecht gesetzte Kombinationsversuch wird abgefangen und führt zum Konter.

Sofort offenbart dieser aber seine Dribblernatur, indem er sich nicht in den Raum löst. Kombinationsspieler wie Götze oder der Spezialist Iniesta lösen derartige Situationen oft, indem sie sich intelligent durch die erste Bewegung vom Gegner absetzen, weil sie eine bessere Übersicht der nahen Räume haben. Ilicevic orientiert sich stattdessen zum Gegner hin, nimmt den Ball in Richtung des anrauschenden Helmes mit. Damit steht er mit dem Blick zu einer 5-gegen-2-Situation mit Jarolim gegen Polak, Helmes, Lopes, Josué und Rodriguez, während er im Rücken ungenutzten freien Raum hat.

Unter dem Druck der engen Situation versucht er nun tatsächlich, diese Unterzahlsituation kombinativ zu lösen. Ein fast aussichtsloses Unterfangen und selbst für überragende Techniker ein sehr wahrscheinlicher Ballverlust. So ist es nur logisch, dass Polak den Rückpass auf Jarolim abfängt. In der Überzahlsituation kann sich Wolfsburg nun problemlos mit zwei leichten Pässen aus der Situation befreien und Mandzukic kann durch die großen Räume der Hamburger Aufbauformation auf Mancienne zudribbeln. Die Szene endet in einem durch Rincon geblockten Schuss, weil Polak einen schlechten Laufweg nimmt.

Spielverlauf

Wie der Hamburger Treffer entstand war so logisch, wie es im Fußball nur geht. Ein langer Ball von Westermann hinter die hohe Abwehrlinie, Berg gewinnt das Sprintduell gegen Lopes, fertig. Die Einfachheit des Tores demonstrierte, wie sehr Wolfsburg eigentlich mit dem Feuer spielte und was Hamburg im restlichen Spiel alles an potentieller Gefahr liegen ließ. Unterstützt wurde das Tor aber auch dadurch, dass die Angriffsbewegungen einmal passten. Petric ließ sich im richtigen Moment leicht fallen und zog Russ dadurch leicht aus der Position. Gleichzeitig startete Aogo den gleichen diagonalen Vorstoß wie in der beschriebenen Szene. Somit musste sich Russ von Berg wegorientieren, was diesem den komfortablen Raum verschaffte, den er für seinen eleganten Lupfer brauchte.

Ebenfalls vorhersehbar war das Zustandekommen der Wolfsburger Treffer. Beide entstanden aus Kontern von Dejagah durch den Raum hinter Aogo. Der Freistoß zum Siegtreffer entstand dabei aus fast genau der Situation, in der Aogo bei der beschriebenen ersten Szene noch zurückgespielt hatte. 20 Minuten vor Schluss versuchte er an Stelle der geduldigen Variante ein Dribbling, was dann direkt bestraft wurde.

Dass die Tore trotz der großen zentralen Räume aus einer Flanke und einem Freistoß heraus fielen, zeigt aber auch die Defizite der Wolfsburger. Magaths Team fehlt bei Kontern noch die Abstimmung. Schnelle Ablagen, intelligentes Kreuzen, solche Stilmittel vermisste man bei den Wölfen. Die Konter bestanden hauptsächlich aus sehr länglichen Dribblings und 3 bis 5 Spielern, die in gerade Linie in den Strafraum rannten. Das bekam Hamburg zumeist wenigstens halbwegs verteidigt, ebenso wie die Wolfsburger Angriffe aus dem eigenen Aufbau heraus. Diese waren gewohnt schwach und bestanden ausschließlich aus langen Bällen und Flügelspiel. Wolfsburg ist in dieser Rückrunde eindeutig ein Defensiv- und Konterteam.

Hamburg fand über 90 Minuten nicht den richtigen Rythmus für den Gegner. Nach dem Tor hätte man vermuten können, dass zumindest die Abstimmung bei den langen Bällen besser wird, aber dergleichen war nicht zu erkennen. Das Fehlen eines passstarken Sechsers war in diesem Spiel ein arges Defizit für Hamburgs Fußball. Ein Lichtblick war höchstens Son, der nach seiner Einwechselung viel im Mittelfeld unterwegs war und ein paar gut gesetzte Diagonalläufe nach außen zeigte, was für Ansätze von tauglichem Zusammenspiel und eine der besten Hamburger Strafraumszenen des Spiels sorgte. Wirksame strukturelle Anpassungen gab es aber sonst nicht zu beobachten.

Fazit

Zwei individuell ordentlich besetzte, aber spielerisch limitierte Teams trennten sich 2:1, welches mehr als verdient für die Gastgeber war. 15:4 Schüsse standen zum Schluss auf dem Konto. Bis zu einer Ecke in letzter Sekunde, war Bergs Treffer Hamburgs einziger Versuch innerhalb des Strafraumes. Diese Bilanz ist sehr bedenklich für ein Team, welches mit viel Risiko nach vorne spielte und auf eine gut eingestellte, aber keineswegs überragende Defensive traf. Selbst wenn man bedenkt, dass hohe Abwehrlinien oft dazu neigen zwar wenige, dafür aber sehr große Chancen zuzulassen, was Hamburgs gute Verwertung erklärt.

Im Grunde kann man konstatieren, dass Wolfsburg „nur das Nötigste“ tat. Es reichte aus, dass man die gegnerischen Vorstöße diszipliniert auffing und sich innerhalb der Räume gut bewegte. Großartig abgestimmtes, kollektives Pressing benötigte Wolfsburg nicht. Es war eher so, dass man auf Hamburgs Fehler wartete, als dass man aktiv den Ball eroberte.

Von daher muss man feststellen, dass der klassischere Ansatz  von Magath dem riskanten Fink’schen Ballbesitzfußball an diesem Tag weit überlegen war. Viel besser ist das konterorientierte 4-4-2 auf die Stärken der Spieler abgestimmt.

Diese Anpassung des Systems an die Spielertypen geht Hamburg in der schwierigen Phase momentan ab. Kaum ein Spieler agiert konsequent seiner Stärken entsprechend. Die destruktiven Sechser haben zu viele Aufbauaufgaben, die schnellen, begabten Flügelspieler kommen in keine 1-gegen-1-Situationen und auch nicht zum flanken, sondern irren verloren in der gegnerischen Viererkette umher, die Stürmer bekommen keine Abschlüsse aufgelegt, sondern haben zumindest auf dem Papier viel Kreativverantwortung, die sie aber nicht so recht übernehmen.

Daraus resultiert, dass Hamburgs Offensivplan momentan unklar ist. Mit den sehr zentral spielenden Flügelspielern gibt es wenig Flankenspiel, gerade wenn die gegnerischen Flügelspieler diszipliniert zurückarbeiten. Kombinationsspiel wird nicht richtig fokussiert und kommt den Spielern nicht entgegen. Lange Bälle sind kaum abgestimmt und wirken fast durchgängig nach Verlegenheitsversuchen.

Letztlich öffnet man in dem grundlegend gut funktionierenden Aufbauspiel viel Raum im Zentrum, der dann aber in keiner Weise genutzt wird – außer für gegnerische Konter. Thorsten Fink muss hier eindeutig reagieren. Genug individuelle Qualität für den Klassenerhalt hat der HSV ohne Zweifel. Diese muss aber auch effektiv genutzt werden.

Häschber 28. März 2012 um 19:21

Sehr schöner Artikel. Objektives tut während so einer Zeit immer gut.
Besonders gefällt mir, dass einzelne Spielzüge analysiert wurden. Bitte mehr davon!

Eine Frage; Weshalb spielt fast nurnoch jarolim den zurückfallenden Sechser. Rincon machte das doch gut?

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MR 28. März 2012 um 19:53

Ich gehe schwer davon aus, weil die höhere Sechserposition die anspruchsvollere ist. Jarolim als zentralste Station macht noch viel weniger Spaß als in der herumschiebenden Rolle hinten.

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Grasnarbe 27. März 2012 um 17:57

es wird bestimmt eine analyse der schalker niederlage gegen bielsas wirbelnden basken-kindergarten am donnerstag geben 😉

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Leperon 27. März 2012 um 17:36

Danke für die Analyse, kann man gut nachvollziehen ohne das Spiel gesehen zu haben. Interessant, dass Fink so sehr von seinem System überzeugt ist. Wurde das auch in Basel ohne Rücksicht auf Spielermaterial und Saisonverlauf so durchgezogen?

Andere Frage: Ist bald auch mal wieder eine Schalke-Analyse in Planung? Habe absolut Verständnis dafür, dass ihr nur begrenzte Ressourcen habt, aber vor allem beim Euro-League Rückspiel gegen Twente hoffe ich doch für jeden Fußballfan das er das gesehen hat.

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TE 27. März 2012 um 19:40

Hey Leperon, Schalke war in der Tat schon länger nicht mehr bei uns präsent. Aber wie Grasnarbe richtig festgestellt hat, wird sich das spätestens Donnerstag ändern – auch wenn ich seine Einschätzung der bereits sicheren Niederlage nicht ganz teile…

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Grasnarbe 27. März 2012 um 20:07

guter punkt – und ausgangslage für einen tipp. meiner laienhaften vorstellung nach könnte es ein spiel mit einigen toren werden: bilbao spielt zwar ein atem(be)-raubendes pressing und gegenpressing, sind aber wohl verwundbar, wenn die pressingattacken überwunden worden sind, sprich in der box. genau da könnte schalke mit seinen starken stürmern punkten. somit liegt bilbao den schalkern womöglich – abgesehen davon, dass die basken in der liga etwas die form vermissen lassen. deine einschätzung dazu würde mich natürlich interessieren.

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Leperon 27. März 2012 um 20:19

Richtig. Ein Spiel von Schalke gegen eine Mannschaft, die gut presst aber Konteranfällig ist, ist wohl sehr schwer vorherzusagen. Ich behalte mir vor auf jedwege Fehleinschätzungen hinzuweisen ;).

Ich kann mir gut vorstellen, dass nach einer wiederholten klaren Niederlage gegen eine Top-3-Mannschaft Schalke einfach nicht mehr taktisch interessant genug ist für eine Analyse, wobei das sich in den letzten Partien doch schon gebessert hat. Das gehört allerdings auch alles nicht zum Spiel Wolfsburg-Hamburg, deswegen alles weitere am Freitag oder später.

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Nagus 27. März 2012 um 14:10

Super Analyse. Wie immer eigentlich.

Ich hätte mir noch ein zwei Worte zu Ilicevic und Jansen gewünscht, die in meinen Augen überhaupt nicht verstanden haben, was Ihre Aufgaben in dem Spielkonzept sind. Gerade die beeindruckenden Sololäufe von Dejagha waren am Ende der ausschlaggebende Unterschied. Ich weis nicht wie oft im Spielaufbau Aogo ins 1vs1 gehen musste und nicht ein Mal war Jansen da um hier eine Anspielstation zu sein. Diekmeier hatte ja schon Angst überhaupt den Ball zu bekommen, da er eigentlich das ganze Spiel über gegen zwei Mann gespielt hat.
Genauso haben die beiden 6er vollkommen geschlafen wenn ein HSV Außenverteidiger Mal wieder das Spiel eröffnen sollte.
Natürlich könnte man hier auch die beiden Stürmer in die Pflicht nehmen und das wurde in der Analyse so ja auch deutlich. Diese haben aber in meinen Augen relativ häufig die Viererkette in die tiefe gezogen. Den Raum den die beiden erlaufen haben, muss zwangsläufig von der Mittelfeldreihe genutzt werden.
Diekmeier hatte wie viele Duelle gegen zwei Leute? Das war wirklich beeindruckend, wie schlecht Ilicevic da nach hinten gearbeitet hat. Irgendwann in der zweiten halbzeit hatte Rincon dann mal Erbarmen und hat Ihm dabei geholfen…
Das Jansen und Ilicevic bis zur 75 bzw 80 min auf dem Rasen standen fand ich wirklich beeindruckend. Wieso hier nicht schon in der Halbzeit ein Wechsel stattgefunden hat, weis wohl nur Herr Fink. Die beiden Flügelspieler waren in meinen Augen der Hauptgrund dafür, dass dieses Konzept einfach nicht gegriffen hat. Die Analyse geht hier offensichtlich von dem gesamten Spielermaterial aus, was vielleicht auch stimmt. Aber Nationalspielern ein paar Laufwege beizubringen, kann einfach nicht so schwer sein. Und das ist doch erst Mal die Grundlage dieses Systems. Nicht immer wie angenagelt auf den außen bleiben, sondern den Raum in der Mitte zu nutzen, kann doch nicht so schwer sein. Wenn man dann erst Mal den Ball frei 35 Meter vor dem Tor hat, dann zeigt sich ob die Jungs Qualität haben oder nicht.

Langer Ball schlägt Fussball… Und nichts hätte sich an diesem Tag mehr für den HSV gelohnt, als ein paar stumpfe lange Bälle. Das die Mannschaft scheinbar gar nicht erkennt, was diese Viererkette von Wolfsburg da gemacht hat, lässt einen schon ziemlich rätseln… Leider weis man einfach zu wenig über Fink um hier eine konkrete Aussage zu treffen ob es Anweisung war, oder Unvermögen der Spieler. Aber jede Situation spielerisch zu lösen, ist beim HSV einfach nicht drin…

Bin wirklich Mal gespannt, ob Fink sein System so beibehält. Scheint ja wirklich nicht ser Typ zu sein um hier mal eine andere Ausrichtung zu fahren. Das wie vielte Mal in folge wurde nun genau das gleiche System gespielt? Und haben die bisher überhaupt Mal das System gewechselt während des Spiels? Am Ende kamen doch Son und Töre… Haben die nicht einfach Illicevic und Jansen ersetzt?

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MR 28. März 2012 um 02:18

Ich glaube, meine Formulierung „Angriffsspieler“ war etwas missverständlich. Ich meinte damit auch Jansen und Ilicevic. Hab das im Text nun explizit ergänzt.

Probleme der taktischen Ausrichtung eines Spielers laste ich ansonsten sehr ungern dem Spieler an. Es ist Aufgabe des Trainers dafür zu sorgen, dass sich die Rollen der Spieler auf dem Feld ergänzen. Wenn Ilicevic und Jansen die ganze Zeit sehr zentral und hoch in Wolfsburgs Viererkette herumrennen (das war ja das Problem, nicht das Kleben am Flügel), dann kann es eigentlich nicht sein, dass das einer eigenen Einschätzung folgt, sondern dann ist das normalerweise taktische Maßgabe. Zumal Hamburgs Flügelspieler fast durchgängig so agieren.

Dass Jansen bei Aogos Ausflügen ins Zentrum etwas zurückfiel um dessen Raum zu übernehmen, zeigt zum Beispiel, dass so eine Abstimmung ohne Zweifel zu erreichen ist, wenn sie gewollt ist. Wieso Fink die vier Offensiven nicht konsequent in die Zehnerräume schickt, erschließt sich mir daher nicht, wie angedeutet. Vielleicht weil sie eben keine Spieler für diese Räume sind.

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Nagus 28. März 2012 um 10:15

Ich glaube, meine Formulierung “Angriffsspieler” war etwas missverständlich. Ich meinte damit auch Jansen und Ilicevic. Hab das im Text nun explizit ergänzt.

Ahh. Ok. Das macht natürlich meher Sinn. Habe es ein wenig falsch verstanden.

Wie viel darf der Spieler selbst bestimmen und was muss er laut Trainer verfolgen. Ich bin davon überzeugt, dass Spieler wie Jansen und Ilicevic hier ein Auge haben müssen. Haben diese es nicht, dann muss der Trainer eingreifen und diese darauf hinweisen den Raum zu füllen. Geschieht dies nicht während des Spiels, so muss man zumindest nach der Halbzeit eine andere Rolle der beiden erwarten dürfen. Gucke ich mir auf Bundesliga.de aber die Laufwege und Passspiele der beiden an, so erkenne ich keinen Systemunteschied. Jansen bleibt über das komplette Spiel auf der Linie und Ilicevic ist halt… (naja… guckt euch seine gespielten Pässe an… da fragt man sich wirklich für welche Mannschaft der gespielt hat.) Die Statistiken und Laufwege sind natürlich nicht wirklich Aussagekräftig. Schließlich redest du von Situationen und nicht der Postion an sich… Was man jetzt dem Trainer zuschreiben kann und was den Spielern, ist schwierig zu differenzieren. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass sich Flügelspieler wie Robben/Ribery/Müller/Götze/Podolski nicht Mal annähernd so verhalten hätten wie Ilicevic oder Jansen. Selbst wenn es eine Traineranweisung in diese Richtung gegeben hätte. Ob man diese Spieler mit Jansen/Ilicevic vergleichen darf ist natürlich wieder eine andere Sache.

Wieso Fink die vier Offensiven nicht konsequent in die Zehnerräume schickt, erschließt sich mir daher nicht, wie angedeutet. Vielleicht weil sie eben keine Spieler für diese Räume sind.

Dies ist denke ich die Frage, die wir uns beide stellen. Deine Ausrichtung geht von Fink aus, meine von den beiden Spielern und dem mangelndem Spielverständnis. Vielleicht ist an beiden Behauptungen was dran. Geht diese Spielweise aber auf Finks Konto, dann muss man sich fragen, wer sonst diesen Raum erschließen sollte? Jaro? Westermann?

Fink hat im übrigen angekündigt, Kacar für Rincon zu bringen. Wenn er die Probleme bei der 6 sieht, was in meinem Umfeld(komme aus Hamburg) sehr viele Leute so sehen, dann wird er die Problematik nicht bei den Offensiven sehen. Scheibar hast du damit wohl Recht und die Ansage war, dass die beiden Flügelspieler höher stehen sollen und dies eine Traineransage war. Kacar soll dann scheinbar diese Löcher sehen und auf der 8 spielen. Wenn dieses starre Positionsspiel so weiterbetrieben wird, sehe ich eine echte chance für Kaiserslautern. Das Spiel des HSV ist doch jetzt schon auszurechnen. Spannend wird es!

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MR 28. März 2012 um 11:08

Das war subjektiv auch mein Gefühl bei dem Spiel, dass es an den Sechsern hängen blieb. Wie im Text geschrieben, hatte gerade der höhere Sechser sehr gute Möglichkeiten für lange Bälle, die einfach nicht kamen. Wenn ich die gegnerische Viererkette mit vier Angriffsspielern flute, dann muss ich auch die Bälle da hinbringen, das ist ganz klar.

Dass Jansens Passmatrix auf Buli.de so aussieht, als hätte er am Flügel geklebt wunderte mich. Ich hab da beim zweiten Drüberschauen über das Spiel deshalb nochmal drauf geachtet und das liegt tatsächlich einfach daran, dass er in der Spitze keine Bälle gekriegt hat, nicht daran, dass er auf dem Flügel geklebt hätte. Er war viel öfter vorne drin als an der Seitenlinie.

Bzgl deiner Anmerkung zur Spielintelligenz: Meines Erachtens macht sich diese vor allem im Timing bemerkbar (Antizipation von Spielsituationen) und in einzelnen Entscheidungen. Die grobe taktische Ausrichtung wird davon aber eigentlich kaum beeinflusst. Darf sie eigentlich auch nicht, denn das würde ja bedeuten, dass man Traineranweisungen missachtet. (Oder noch schlimmer, dass es keine gibt.)

Das sieht man auch daran, wie unterschiedlich ein Spieler in kurzer Zeit agieren kann. Wenn man beispielsweise den Robben des Rückrundenstarts mit dem jetzigen Robben vergleicht. Wo er anfangs am Flügel klebte, rückt er jetzt viel öfter in die Mitte. Das liegt sicher nicht daran, dass er plötzlich viel spielintelligenter geworden ist.

Auf der anderen Seite erkennt man eben wie ähnlich unterschiedliche Spieler in der gleichen Rolle agieren. Ilicevic und Jansen sind ja schon unterschiedliche Typen, spielten aber recht gleich. Nichts wesentlich anderes hab ich bisher bei den Alternativen gesehen (Lam, Sala,…).

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