Bayern München – Hannover 96 2:1

Grundformationen

Nach dem Pokalkrimi in Mönchengladbach hatten die Münchener Bayern nur wenig Zeit zum Überholen und trafen nun auf Slomkas Hannoveraner – einen denkbar unangenehmen Gegner.

Ein wenig überraschend warf Jupp Heynckes die einst versprochene und immer wieder von verschiedensten Seiten geforderte Rotations-Maschine an und ließ anstelle der angeschlagenen Müller und Gomez Danijel Pranjic und Ivica Olic spielen. Somit rückte Toni Kroos wieder ins offensive Mittelfeld, doch ansonsten wollte man mit der zuletzt erfolgreichen Elf antreten.

Auf der Gegenseite entwarf Mirko Slomka ein typisches 4-4-2 mit zwei echten Stürmern, die die Bayern ärgern sollten. Dabei wurden beispielsweise mit Pander als Linksverteidiger bewusst auch durchaus offensiv ausgerichtete Akteure in der Formation platziert.

Hannovers Pressing

Dies schlug sich dann auch in der Strategie der Hannoveraner nieder, die von Beginn an sehr forsch die Bayern attackierten, mit einer hohen Abwehrlinie und auf Offensive gebürstet verteidigen wollten – ganz anders, als es so viele Gegner in der Allianz-Arena tun.

Durch den Einsatz zweier zentraler Stürmer im 4-4-2 wollte man den Bayern die Zeit zum Spielaufbau nehmen, was entweder zu Rückpässen der Innenverteidiger auf Neuer und anschließende lange Bälle oder zu Zuspielen auf die Außenverteidiger führen sollte. Die beiden Stürmer lenkten das Aufbauspiel der Bayern nach Außen und attackierten anschließend den jeweiligen Außenspieler nach Bedarf, während die beiden eigenen Außenspieler sich um den betreffenden Flügel der Bayern kümmerten oder eben ihre direkten Gegenspieler – methodisch ähnlich wie die Freiburger bei ihrem 0:0 gegen den Rekordmeister – in 1gegen1-Duellen anliefen. Der höhere Mittelfeldspieler der Hannoveraner, meistens Schmiedebach, deckte den ballnahen Sechser der Bayern ab, während Pinto dahinter sich entweder an Kroos orientierte oder den Raum sicherte.

In der Tat gelang ihr Pressing auch meistens sehr gut – die Bayern spielten deutlich mehr lange Bälle als üblich, gerade Neuer brachte nur knapp über 30 % seiner Pässe zum Mann und spielte über 80 % seiner Bälle hoch – und wurden weitestgehend aus dem Zentrum ferngehalten, in dem die Bayern keine 25 % ihrer Angriffe fuhren.

In einigen Situationen konnten die Bayern das Pressing allerdings durch das Zentrum umgehen und befanden sich dann dort in einer Überzahl, so dass es meistens Kroos oder Ribéry, der zu Beginn sich stark mit dem Ex-Rostocker abwechselte, waren, die einige Male zwischen den Linien frei kamen, allerdings wenig Produktives leisteten – überhaupt spielten die Bayern in der Anfangsphase drei oder vier solcher schneller Spielzüge nach umspieltem Pressing oder niedersächsischem Ballverlust schlampig zu Ende.

Bayerns Strategie

Schon die Aufstellung ließ vermuten, dass die bayerische Formation in der Praxis einen ähnlichen Linksdrang aufweisen würde wie über weite Teile der Hinrunde – genau dies bewahrheitete sich auch, indem Kroos und Pranjic beide nach links tendierten. Zusammen mit Ribéry und dem erneut als Linksverteidiger überzeugenden Alaba gelang es ihnen in einigen Szenen, die Hannoveraner zu überladen und damit dem Pressing der Niedersachen etwas entgegen zu setzen.

In der Anfangsphase sah ein bevorzugter Angriffsverlauf so aus, dass der offensive Mittelfeldspieler vom Zentrum auf die linke Seite lief, den Außenspieler anspielte, sich weiter nach außen bewegte und Alaba innen nach vorne in den aufgerissenen Raum stieß, wo er den Ball erhielt. Einige solcher oder ähnlicher Spielzüge wurden gespielt, führten aber nicht zum Tor, weil die dadurch entstandenen Chancen vergeben wurden oder man den letzten Pass verpatzte – er erfolgte häufig zu spät, zweimal trat der unglücklich und sichtlich außer Form agierende Olic sogar als zusätzlicher „Verteidiger“ für 96 auf.

Ebenfalls sehr auffällig war bei den Bayern, dass man Hannover mit dieser Ballung auf die linke Seite genau in diesen Bereich locken wollte, um dann immer wieder auf Robben auf die andere Seite zu verlagern und ihn somit in direkte Duelle gegen Pander oder zumindest aussichtsreiche Situationen zu bringen. Allerdings war der Niederländer nicht in bester Verfassung, hatte einige unglückliche Aktionen und Pander an einem sehr guten Tag als Gegenspieler erwischt. Hinzu kam, dass Lahm eher zentral spielte und weniger Support lieferte als üblich (seine Vorlage auf Ribéry war seine einzige echte Offensivszene) – auch Müller stand nicht auf dem Platz und so war es Olic, der diesen Part übernehmen musste, auch von Robben einige Male in Szene gesetzt wurde, aber daraus nichts machen konnte.

Hannover neutralisiert Bayern mit Ruhe

Nach etwa der Hälfte der ersten Hälfte gab es einen System- und Strategiewechsel, bei den 96ern, der sehr gut funktionierte und für die ruhigste und ungefährlichste Phase des bayrischen Offensivspiels sorgte. Hannover zog sich nun mehr zurück, wechselte auf ein 4-4-2/4-2-3-1/4-5-1-System und ein Mittelfeldpressing, womit man natürlich deutlich weniger Druck auf die Bayern ausübte, aber kompakter und enger zusammen stand und den Raum zwischen den Linien geschlossen bekam.

In vorderster Front allerdings hielt Diouf den Druck auf die Innenverteidiger aufrecht und beschäftigte sie bei Kontersituationen mit guten horizontalen Läufen, so dass die Illusion des Druckes weiterhin bestehen blieb, obwohl Hannover gar keinen wirklichen Druck mehr erzeugte – ein klarer Fall von sehr gut ausgeführtem False-Pressing, das Slomka hier mit seiner Mannschaft initiierte.

So standen die Innenverteidiger der Bayern weiterhin enorm tief, während sich Hannover allerdings zurückgezogen hatte. Folglich konnten die Münchener nicht genug Druck aufbauen, die Verbindungen nach vorne fehlten zusehends, die Distanzen zwischen den Spielern wurden immer größer und der Aufbau damit enorm langsam.

Mit zunehmender Spieldauer wurden die Bayern zudem in der Offensive immer statischer: Gerade die drei kreativen Offensivspieler hinter Olic konnten keine Verbindungen zueinander aufbauen und waren immer mehr voneinander abgeschnitten. Da die Außenverteidiger relativ zentral agierten, dadurch aber die eng stehenden Außenspieler der 96er gleichzeitig das Mittelfeldzentrum stärken konnten und sowieso die Breite fehlte, um Hannovers Defensivlinie, die Schussgelegenheiten enorm gut abdeckte, zu umspielen, waren die Bayern spätestens in der Enge vor dem Sechzehnmeterraum gefangen und kamen praktisch zu keiner Torchance mehr.

Am Ende musste es in der lahmsten und ungefährlichsten Phase, als die Partie einfach gemächlich vor sich hin plätscherte, ein typischer Solo-Lauf von Ribéry sein, der den Bayern die Führung brachte – der Franzose drehte sich um Cherundolo, nutzte einfach seinen Geschwindigkeitsvorteil, brachte den Ball herein, Robben leitete sehenswert weiter und Kroos vollendete klug per Chip. Im Grundsatz war es ähnlich der vielen Tore, die Ribery in den Spielen gegen Hoffenheim, Basel und Hertha vorbereitete. Der Treffer riss die Bayern noch einmal aus ihrer Lethargie und führte zu einigen ordentlichen Chancen vor der Pause, auch weil Hannover aufgrund des Zeitpunkts des Gegentores kurz demoralisiert zu sein schienen. In dieser Phase hätten die Münchener mit einem zweiten Tor alles klar machen können – doch wäre dies nicht verdient gewesen, stattdessen blieb die Partie für den zweiten Durchgang offen.

Zweite Halbzeit

Das schien allerdings niemanden wirklich zu stören, die zweite Halbzeit verlief zunächst sehr ereignisarm, als wäre schon alles in den richtigen Bahnen. Mit der Führung im Rücken machte es den Münchenern nichts aus, dass Hannover sie mit gleichbleibender Taktik weiterhin neutralisierte, da die Niedersachsen ebenso wenig Gefahr ausstrahlten wie die Münchener und diese damit ihren Vorsprung verwalteten. Allerdings war Heynckes´ Maßnahme, Tymoschchuk für Pranjic ins zentrale Mittelfeld einzuwechseln, kein besonders gelungener Schachzug, denn darunter litt vorhersehbarerweise komplett die Dynamik und auch die Spielstärke aus diesem Bereich.

Folglich gerieten die Bayern immer mehr unter Druck, als Hannover sich aufschwang, selbst die Spielkontrolle zu übernehmen (in der zweiten Halbzeit hatte Hannover 56 % Ballbesitz) – die Hausherren schafften es nicht, ihre Offensivspieler in Szene zu setzen und damit für Entlastung zu sorgen. Gerade als Hannover die große Chance zum Ausgleich verpasste, netzte der kurz zuvor eingewechselte Gomez auf der anderen Seite und schien mit der zweiten Bayern-Chance des zweiten Durchgangs die Partie entschieden zu haben.

Hannover überlädt die Bayern auf rechts, wird aber nicht belohnt

Doch wieder war es eine kluge Aktion Slomkas, die die Partie noch einmal in andere Bahnen lenkte. Er brachte mit Schlaudraff und Ya Konan für Pinto und den diesmal eher enttäuschenden, teilweise gar unbeweglich und angeschlagen wirkenden Abdelllaoue und richtete das 4-4-2 nun deutlich asymmetrischer aus.

Stindl rückte vom rechten Flügel, wo er Platz für Schlaudraff machte, ins halbrechte zentrale Mittelfeld, blieb dort allerdings keineswegs, sondern attackierte immer wieder extrem weit auf dem Flügel mit. Abwechselnd ließ sich einer der beiden nach hinten fallen, um den Spielaufbau zu stärken – anschließend wurde über halbrechts kombiniert. Dort stand Ribéry, musste sich allerdings auch an Cherundolo orientieren, doch bisweilen entstanden so große Lücken im Raum vor Alaba, die Schlaudraff, Stindl und auch Ya Konan immer wieder nutzten. Die Bayern wurden hier überladen und mussten einige sehr gefährliche Flanken verteidigen – eine davon führte zum Anschlusstor, als Diouf gegen Lahm ins Kopfballduell gehen konnte, weil die Abwehr weit auf die Seite hatte schieben müssen. Daher konnte man bei Seitenwechseln auf die andere Seite auch hier die Flanken von Rausch nicht mehr so gut verteidigen, doch Neuer rettete hervorragend gegen den eigenen Mann.

Am Ende eines offenen Spiels wäre der Ausgleich sicher nicht unverdient gewesen – Hannover hatte die nötigen Chancen, spielte die Bayern nach dem gleichen Muster aus, welche scheinbar nicht mehr reagieren konnten.

Fazit

Ein knapper Sieg für die Bayern, die ein wenig den Schongang einlegten und am Ende mit zufriedenen Gesichtern dastanden. Allerdings hätten die problematischen Umstellungen und fehlenden Reaktionen auf die gegnerische Taktik diesmal fast zwei sicher geglaubte Punkte gekostet.

Hannover zeigte eine gute Leistung und beeindruckte mit Charaktereigenschaften wie Disziplin und Mut. Diese Leistung wird ihnen sicherlich Selbsvertrauen geben, wenn sie sich auch möglicherweise über verlorene Punkte ärgern können, zumal sie die Bayern an einem Tag erwischten, als diese sich von einem schweren Spiel erholten.

Beiden Teams stehen aber nach aktuellem Stand trotz kleinerer Problemchen eher positive Wochen ins Haus.

Trequartista 27. März 2012 um 14:19

@Caleb

Da liegen Sie falsch, bitte nicht Pressing mit Spiel ohne Ball bei eigenem Ballbesitz vermischen. Gomez übt Pressing aus ja, meist vertikal nach hinten aber auch horizontal.
Aber bei Bayerns Powerplay im und am 16er steht er meist nur da wie eine Säule, das sieht jeder!

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LS 26. März 2012 um 08:23

Gomez ist nun eben ein Vollstrecker und keiner der gerne läuft er ist auch grösser als Olic und schwerer und braucht eher seine Kraft beim Abschluss egal ob Kopf oder Fuss ohne Gomez hätten wir nur am Wocheenende 1. Punkt bekommen. Deshalb finde ich es einbisschen schade, dass Gomez‘ Einwechslung hier nicht positiv erwähnt wird. 1. Schuss, Pfosten 2. Pander ausgedribbelt, was Robben 60 Minuten nicht konnte und eiskalt in die Lange Ecke den Ball geschlenzt

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Daniel 25. März 2012 um 16:39

Ich möchte olic seine vielen Wege und sein Pensum nichtabsprechen, jedoch würde ich nicht vorschnell, nur weil einer – hier olic – etwas aus subjektiver Perspektive gut macht, jemand anderem – hier Gomez – etwas absprechen. Gomez bewegt sich nicht nur relativ zu seiner anfangszeit viel besser, sondern auch absolut ivgl. zu anderen guten Stürmern gut im Spiel gegen den Ball und im Pressung.

Leider erscheint es mir leider oft so, als ob die teilweise überhektische Art von oliv, jeden Laufweg machen zu müssen, dazu führt, dass andere Stürmer an sder quantität und nicht an der qualität der laufwege gemessen werden.

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Kroos39 25. März 2012 um 17:10

Du redest Gomez‘ Schwächen klein und Olic‘ Stärken ebenso. Gomez bewegt sich im Spiel gegen den Ball durchschnittlich und im Spiel ohne Ball schwach. Im Strafraum bewegt er sich ohne Ball nur minimal, es sei denn er kann selber direkt abschließen. Aber Spieler aus ihren Positionen ziehen, sowie die von mir erwähnten Läufe von Olic gibt es bei Gomez sehr selten.

Ich bezweifle ernsthaft, dass man nur wegen Olic‘ angeblich „teilweiser überhektischer Art“ die Laufwege anderer Stürmer nur noch nach der Quantität misst. Gerade die zwei Laufwege von Samstag waren Qualitativ sehr gut.

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Caleb 26. März 2012 um 09:41

Gomez bewegt sich ohne Ball schwach? Das sehe ich komplett anders; mir fällt spontan kein Stürmer ein, der sich ohne Ball so geschickt vom Gegner lösen und die freien Räume suchen kann, um dann im richtigen Moment wieder als Anspielstation und Vollstrecker zu agieren.

Es mag oft ungelenk wirken, wie er mit dem Ball am Gegner arbeitet (wobei er Pinto gestern beim 2:0 in schönster Manier vernascht hat). Aber er schafft es eben immer und immer wieder, doch frei vor dem Tor im Sechzehner zu stehen. Und (neben einiger Patzer) häufig erfolgreich abzuschließen.

Das liegt an seiner Qualität, nicht an der mangelnden Qualität der jeweiligen Abwehr.

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C 26. März 2012 um 14:41

Dass Gomez rein kommt und 2 100% Chancen hat ist doch kein Zufall, der Olic hat die Hannoveraner die eh noch müde waren vom Europa Pokal platt gelaufen, da muss man einem Heynckes doch sehr wohl einen guten Riecher attestieren.

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Kroos39 25. März 2012 um 15:51

Hi

ich wollte nochmal eine kleine Lanze für Olic brechen. Klar ist ihm mit dem Ball wenig gelungen, allerdings hat er zwei mal mit schnellen kurzen Sprints zum Fünfereck zwei Topchancen mitkreiert. Warum waren wohl Kroos und Ribery in der ersten Halbzeit jeweils so frei vor dem Tor? Weil Olic jeweils 2 Gegenspieler aus der Mitte zieht. Das sind die entscheidenden Meter die nicht jeder Stürmer macht (Vor allem von Gomez kommt in dieser Beziehung wenig). Das ist meiner Meinung nach genauso wichtig wie die Aktionen mit Ball. Auf dieser Website wurden bei Bayern sowieso die „Ohne-Ball-Läufe“ vermisst, und die bringt der Olic; auch gestern.

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TR 25. März 2012 um 16:27

Sicher, das bestreiten wir auch nicht, es wird ja auch im Text andeutend erwähnt.

Allerdings waren gestern eben die unglücklichen Aktionen MIT Ball doch schon in großer Zahl vorhanden und bedürfen daher ebenso einer Erwähnung – und diesmal wohl einer etwas stärkeren Erwähnung.

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Kroos39 25. März 2012 um 17:00

Die Andeutung finde ich nicht, sorry.

So wahnsinnig viel hat der Olic auch nicht verhauen. Zudem finde ich die zwei Läufe vom Olic erwähnenswerter, als das er angeblich ein „zusätzlicher Verteidiger für 96“ gewesen sein soll.
Auch wenn es überspitzt ausgedrückt ist, stimmt es einfach nicht.

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TR 25. März 2012 um 17:08

Andeutung: Olic übernahm den Part von Müller und bot sich als Anspielstation für Robben an.

Nur in den beiden Szenen war er ein zusätzlicher „Verteidiger“ – und dann stimmt der Satz schon.

Ich verstehe aber, was du meinst – die Kritik ist durchaus berechtigt, dass ich hier beim Setzen der Maßstäbe etwas ungenau und damit ungerecht bei Olic war.

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tactic_addicted 25. März 2012 um 12:32

hallo,

wollte mal erwähnen, dass mir Ihr Schreibstil gut gefällt. Relativ prägnant und ohne übermäßige Überinterpretationen. Keine Schachtelsätze über einen Absatz etc.

Zum Spiel:
ich weiß ja nicht, was Heynckes immer mit Tymoschchuk will. Dieser ist maximal einer für die letzten 10 Minuten, um sicher hinten zu stehen. Es ist doch wirklich nichts spektakulär Neues, dass Tymoschchuk, wenn eingewechselt, die Passstatistik der gesamten Mannschaft runterzieht.

Generell scheint Henyckes mit Einwechslungen eher unglücklich zu agieren. Auch sehe ich bei ihm kaum taktische Anpassungen im Spiel. Agiert er dabei zu statisch?

Anmerkung zur Hannoveraner Systemumstellung:
Ich habe den Eindruck, dass Umstellungen immer nur als Reaktion auf Probleme angewandt werden. Könnte man nicht als aktives taktisches Mittel Umstellungen zu festen Zeitpunkten einfließen lassen? Das könnte, wenn gut ausgeführt, dem Gegner den Spielfluss nehmen, da dieser sich erst einmal neu orientieren muss.

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kune 25. März 2012 um 14:14

Pranjic hatte eine gelbe Karte bekommen und es war zu erwarten, dass Hannover den Druck noch einmal erhöhen würde. Die Einwechslung hatte keinen taktische Änderung zur Folge, stärkte aber die Defensive, die dann später ja auch tatsächlich gefordert wurde.

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tactic_addicted 25. März 2012 um 15:29

meiner Beobachtung nach haben die Hannoveraner doch erst richtig aufgedreht, als Tymoschchuk auf dem Platz war. Verhindert konnte er es also nicht.

Vielleicht ist er aber einfach gerade Ursache. Wenn man bei 2:0 die Spielkontrolle aus der Hand gibt, wo man sich doch theoretisch zwischen Abwehr und 6er den Ball zuschieben kann, dann ist da irgendetwas im argen.
Eine Alternative wäre vielleicht eine Umstellung gewesen, wie Kroos zurück auf die 6 und Olic auf die 10.

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maverick.91 25. März 2012 um 14:30

Wir hatten da auch schonmal anklingen lassen das die Bayernbank einfach keine guten Verstärkungen hergibt (war im Bayern Gladbach 0:0 topic).
Es ist leider so das weder ein Pranjic einen Kroos ersetzen kann noch ein Tymoshchuck einen Gustavo (mittlerweile) ich hoffe das die Bayernbosse da im Sommer handeln und ein par Spieler holen die von der Bank weg für Impulse sorgen können.
Mich regt auf das man beim einzigen der das kann, nämlich Olic, nicht mal versucht zu verlängern.
Klar hatte er gestern keinen guten Tag was die Chancenauswertung anging aber hätte er gestern 2 Dinger gemacht (oder sogar nochmehr) würde heute in bestimmten Boulevardblättern *BamS hust hust* stehen das Bayern einen Superstürmer auf der Bank versauern liess.
Da sehe ich auch das Hauptproblem, wenn Bayern junge Spieler auf der Bank lässt heisst es die kaufen anderen die Talente weg und lassen sie auf der Bank versauern. Wenn ältere Spieler auf der Bank sitzen (Klose) heisst es das die Bayern ja absolut arrogant wären einen gestandenen (National-)Spieler auf der Bank versauern zu lassen und das das ja wohl ein Ding der Unmöglichkeit sei.
Auf diese Art kommt egal wie Unruhe in die Mannschaft und jedes Interview mit Ergänzungsspielern wird hochstilisiert das der Spieler gehen möchte.

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Flowbama 26. März 2012 um 02:16

Kann mir jemand sagen wieso der Usami nie gespielt hat? Als Einwechselspieler von der Bank wär der doch was oder? Zumindest sahen seine Dribblings, soweit ich sie begutachten durfte (und das war nicht sehr oft) recht ordentlich aus.

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datschge 26. März 2012 um 11:30

Usami hat schlichtweg nie eine Rolle gespielt.

Da Heynckes sich auf ein bestimmtes System festgelegt hat, von dem er nie abgerückt ist, dieses aber nur mit bestimmten Spielertypen funktioniert, hatten die übrigen Spieler nie eine reelle Chance, ihrer Stärken einzubringen. Spieler wie Olic und Usami könnten äußerst wertvoll für Bayern sein, wenn sie denn mal einen Plan B gegen tiefstehende Gegner aufbauen würden.

Außer Müller hat Bayern nur noch Olic, der eine Abwehr mit Läufen ohne Ball aufreißen kann. Dieses Spiel hat gezeigt, wie gering inzwischen das Bemühen von Seiten des Trainerteams und der Mannschaft sein muss, diese Fähigkeit auch klug einzubinden. Dass Olic dann wie ein Verteidiger für den Gegner wirkt, ist für mich dementsprechend ein Anklagepunkt weniger gegen Olic selber als gegen die gesamte momentane spieltaktische Situation bei Bayern.

Und Usami hat auf engem Raum eine schnelle, präzise Ballverarbeitung, die sonst niemand im Bayernkader aufweist. Er wäre prädestiniert gewesen für die (falsche) 10 in jenen Spiele gegen tiefstehende Gegner, wo stattdessen Müller auf dieser Position sich selbst aus dem Spiel nehmen durfte, da weder seine Läufe Aufgrund der Statik um ihn rum fruchteten, noch seine Ballverarbeitung in der Enge gut genug für Kombinationen war.

Diese Saison ist ein verschenktes Jahr für die meisten Spieler sowie Bayern als ganzes. Mein Mitleid hält sich arg in Grenzen, da das alles bereits in den ersten Spielen der Saison absehbar war. Nur die beständige Borniertheit, mit der daran immer noch festgehalten wird, nötigt mir kopfschüttelnden Respekt ab.

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Flowbama 26. März 2012 um 11:58

Ein hartes Urteil von dir! Aber damit liegst du wohl gar nicht so falsch.

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C 26. März 2012 um 14:36

Besser kann man es nicht zusammenfassen.

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DAF 26. März 2012 um 18:10

Ich gebe dir völlig Recht!!!
Heynckes schafft es überhaupt nicht, die unterschiedlichen Stärken seiner Spieler sinnvoll zu nutzen. In einem Beitrag über das Gladbach Spiel heißt es: „Das große Problem ist, dass viele Spieler zwar nominell auf der gleichen Position spielen wie der äquivalente Spieler auf dem Feld, diese Spieler von der Spielanlage her aber komplett anders agieren. Als Beispiel kann man Olic und Gomez als Pärchen nennen, aber auch Pranjic, Tymotschchuck und Gustavo sind individuell komplett unterschiedlich. Das trifft so auch für Müller und Robben zu, auch wenn sie beide gleichzeitig spielen, aber nominell auch beide für die rechts Angriffsseite in Frage kommen. “
Genau in dieser Unterschiedlichkeit könnte bei einem flexiblen Trainer aber auch eine Stärke liegen, da man auf die Stärken und Schwächen des Gegners sowie auf verschiedene Spielsituationen gut reagieren kann.
Meiner Meinung nach ist die Ersatzbank der Bayern gar nicht so schlecht wie oft behauptet, aber Heynckes macht aus diesen Möglichkeiten einfach nichts, er hält stur am immer gleichen System fest und die Reservespieler (sofern sie überhaupt mal zum Einsatz kommen) werden in ein Schema gepresst, in dem sie ihre Stärken nicht ausspielen können und deswegen natürlich nicht annähernd so gut spielen wie die Stammspieler, auf die das System zugeschnitten ist. Deshalb wirkt der Qualitätsunterschied zwischen Stamm- und Reservespielern so groß.
Selbst bei Ausfällen von Stammspielern stellt Heynckes nicht um, sondern erwartet von einem Reservisten, die Rolle des Ausfallenden eins zu eins zu übernehmen, auch wenn dieser ein total anderer Spielertyp ist. Das geht dann meistens komplett nach hinten los, wie die misslungenen Versuche mit Tymoshchuk als RV (in Hamburg) und Kroos als LM (in Gladbach) zeigen.

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