AS Roma – Lazio 1:2

Es war kein besonders hochklassiges, aber dafür immerhin ein spannendes und verrücktes Römer Derby.

Grundformationen nach dem Platzverweis für Stekelenburg (7.)

Schon im Hinspiel hatte es einige Turbulenzen und einen Siegtreffer in der Nachspielzeit gegeben, hier begann die Partie praktisch mit einer Roten Karte für Romas Keeper Stekelenburg, der gegen Klose nur die Notbremse ziehen konnte, nachdem seine Kollegen vorne den Ball hergeschenkt hatten. Aus dem erdachten 4-3-3 der Hausherren wurde somit schnell ein 4-3-1-1, welches allerdings die Idee der auffächernden Viererkette beibehielt – wie üblich ließ sich Daniele de Rossi zu seinen Innenverteidigern fallen und erlaubte damit den beiden Außenverteidigern weit nach vorne zu rücken.

Dagegen spielten die erneut personell geschwächten Laziali mit einem sehr funktionalen und „normalen“ 4-4-1-1 mit Klose als vorderster Stoßspitze, wobei Mauri und Hernanes auf halblinks für einige nette Wechselspielchen sorgten. Dieser Hernanes war es auch, der dann den für das Foul an Klose fälligen Elfmeter zur Führung verwandelte und damit dem Gast eine ideale Ausgangsposition verschaffte.

Nach dem Tor kam es zu einer sehr zerfahrenen Partie mit wenig spielerischer Klasse und wenigen Torchancen wie Höhepunkten. Nach einer Drangperiode konnte die Roma nach einem Freistoß nach wenigen Minuten ausgleichen (16.) und drängte damit Lazio in die Rolle des Spielgestalters, doch beide Teams hatten bei Ballbesitz große Probleme ein konstruktives und vor allem torgefährliches Spiel zu entwickeln.

Lazios offensive Probleme

Sieht man von den bereits angesprochenen Rochaden zwischen Mauri und Hernanes ab, zeigte sich der Champions-League-Anwärter erschreckend uninspiriert. Man hatte schon mehrfach große Probleme in dieser Saison und „arbeitete Fußball“ häufig, doch diesmal war die spielerische „Armut“ noch einmal ein ganzes Stück größer.

Die meisten Angriffe sahen so aus, dass einer oder beide Außenspieler das Feld sehr breit hielten, Klose und Hernanes/Mauri im bzw. am Strafraum auf Bälle warten sollten, die beiden defensiven Mittelfeldspieler sehr tief im Raum blieben und ebenso wie die vier eher konservativen Verteidiger absicherten, was zu einem enormem Loch von teilweise 40×30 m im zentral-offensiven Mittelfeld führte, wo ein einzelner Spieler den Ball schleppte, aber niemand ihm half. Die Mitte blieb völlig verwaist, es gab fast keinerlei Kombinationsfluss oder eine Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff, so dass letztlich einige Flanken oder die typischen Weitschüsse (hier rückte Matuzalem wenigstens auf) als Gefahrenquellen blieben – kein Wunder, dass der Siegtreffer einem Freistoß entsprang.

Erwähnenswert ist noch die Defensivformation der Roma, die zunächst ein 4-1-3-1 bildeten, was durch Druck relativ weit vorne die Spielgestaltung Lazios verlangsamen sollte, während man durch das Zurückfallen Simplicios danach zu einem 4-1-2-2 wechselte und ein sicheres Dreieck vor der Abwehr aufbaute, das den Ball aus dem Zentrum fernhalten sollte. 73 % der Lazio-Angriffe kamen über die Flügel, denn im Zentrum fehlten Verbindungen.

Romas offensive Probleme

Interessant bei den Hausherren war, dass Luis Enrique auch  nach dem Platzverweis trotz der Unterzahl nicht vom Zurückfallen des Sechsers abwich. Dies sollte sicherlich der Absicherung dienen und für mehr Spielstärke gegen das Pressing Lazios sorgen, doch damit fehlte in der Offensive ein Spieler, den man vielleicht noch hätte brauchen können.

Denn aufgrund der Überzahl konnte die Mannschaft von Edy Reja durchaus sehr aggressiv vorne pressen, was die Roma im Spielaufbau hemmte und nicht in den Rhythmus kommen ließ. Dank der Dreierkette im Spielaufbau konnte man gegen das Pressing den Ball weitestgehend ordentlich halten, doch blieb dabei das Angriffsspiel im letzten Drittel auf der Strecke.

Hinzu kam hier, dass man sich zu stark auf die linke Seite konzentrierte (41 % der Angriffe liefen hier) und dadurch zu einseitig agierte, was durch den Linksdrang von Pjanic und vor allem Borini bedingt war. Insbesondere auf rechts hätte Taddei aus den Lücken, die vor ihm durch die Wechsel von Mauri und Hernanes gelegentlich entstanden, mehr machen müssen, doch hielt er sich stärker zurück als José Angel auf der anderen Seite, rückte zwar auf, aber nicht viel weiter als ins zweite Spielfelddrittel.

Dass man selbst auf der linken Seite nicht nach vorne kam, lag an der Defensivarbeit Lazios und insbesondere an Alvaro González, der erneut eine defensive Schlüsselrolle bekleidete. Zwar blieb er nach vorne großteils wenig produktiv, doch mit seinen oftmals gesehenen Qualitäten in der Verteidigung gelang es ihm, sowohl José Angel zu neutralisieren als auch Pjanic und Borini durch geschicktes Stellungsspiel voneinander abzutrennen.

Problematisch war, dass Borini zusätzlich noch stark in der Mitte helfen musste, um die von Totti gelassenen Löcher ausfüllen zu können. Der Römer Kapitän ließ sich als Falsche Neun immer wieder in die Tiefe fallen, wurde dabei aber von André Días konsequent verfolgt und mit sehr viel Robustheit hart attackiert, so dass er kaum zur Entfaltung kommen konnte. Durch seine Läufe nach vorne wollte Borini immerhin ein wenig Durchschlagskraft erzeugen und die von Totti verrichtete Arbeit ausnutzen, doch Lazio hatte hier wieder die defensive Trumpfkarte – die Außenverteidiger waren ohne Gegenspieler und konnten somit hervorragend Borini aufnehmen sowie eventuell durch das Herausrücken von Días gelassene Löcher stopfen, so dass Tottis und Borini – trotzdem dieser sehr auffällig agierte – ineffektiv blieben.

An den beiden Außenverteidigern Lazios konnte man den Charakter des Spiels hervorragend erkennen: Als defensive Sicherungsmaßnahme – zum Schließen von Löchern und auch zum Helfen beim aggressiven Pressing, wo sie durch ihre Freiheiten ebenfalls weit herausrückten – blieben sie meistens eher vorsichtig und ließen damit an beiden Enden des Spielfeldes kaum Gefahr entstehen.

Fazit

An diesen grundsätzlichen Aspekten änderte sich während des Spiels wenig – die Roma hatte mit der enorm unglücklichen Lage zu kämpfen, Lazio schien einfach auf Vorsicht bedacht. Mit der Führung wurden sie für dieses Verlassen auf individuelle Aktionen oder Standards „belohnt“ – eine Eigenwerbung war das aber in keinster Weise, wobei man angesichts der Wichtigkeit des Ergebnisses und den Verletzungsproblemen auch hier ein bisschen nachsichtig sein muss. Somit konnte man auch keine großen spielerischen Erwartungen an dieses Derby setzen, was nichts daran ändert, dass es ein enttäuschendes Spiel war – man muss diese Enttäuschung nur einordnen.

Änderungen gab es dann allerdings nach dem 1:2, als Luis Enrique zu einer Reaktion gezwungen war und nun mit Bojan einen zweiten Stürmer brachte. Es entstand eine Art 3-4-2, das aber trotz großem Druck und einigen guten Aktionen die Stürmer nicht entscheidend gegen Lazios tiefstehendes 4-4-1-1 beliefern konnte – so blieb es beim etwas glücklichen 1:2.

Der Spielverlauf begünstigte die Gäste, aber davon abgesehen war es eine eher ausgeglichene Partie. Die Roma wirkte spielerisch stärker und mit mehr Plan, Lazio dafür umso organisierter und intelligenter in der Defensive – die Chancenverwertung brachte den Sieg zugunsten der Gäste.

Für Luis Enriques Projekt haben wir unsere Befürwortung bereits geltend gemacht, was sich zuletzt auch zu bewahrheiten schien, während für Lazio das gilt, was schon oft galt – man hat arge Probleme, aber man arbeitet sich zu den Erfolgen, was ein ziemlich gefährlicher schmaler Grat ist.

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