1. FC Köln – Bayer Leverkusen 0:2

Nach der überraschenden 1:4-Heimniederlage im Hinspiel, waren die Leverkusener im Köln-Derby auf die Revanche aus. Souverän und verdient gelang sie. Solbakkens Kölner waren defensiv nicht kompakt genug und kamen nicht zu ihren bekannten Kontern.

Die Grundformationen.

Leverkusen zurück im 4-2-3-1

Nachdem Bayer zum Rückrundenstart meist in Raute agierte und gegen Dortmund und Barcelona mit speziellen, experimentelleren Formationen auftrat, lässt Dutt nun offenbar wieder im 4-2-3-1 agieren, das grob dem fluiden System des Saisonstarts entspricht. Wie schon gegen Augsburg spielten Reinartz und Bender die Doppelsechs und Augusto gab den Zehner. Mit Castro als stark eingerücktem, defensiver orientiertem rechten Flügelspieler  und Schürrle eher als Außenstürmer war das System in beiden Spielen etwas nach links gekippt mit einem leichten Überbleibsel der Rautencharakteristik. Reinartz‘ Rolle ähnelte ebenfalls seiner Spielweise in der Raute als zentraler Sechser, da er tiefer als Bender spielte und viel zwischen die Innenverteidiger kippte.

Bei Köln sah man das gewohnte 4-4-2. Martin Lanig wurde überraschend für den angeschlagenen Geromel links in die Innenverteidigung zurückgezogen und Podolski kehrte nach seiner mehrwöchigen Verletzung zurück. Taktisch gab es leichte Änderungen im Defensivverhalten. Die Kölner standen nicht ganz so kompakt und passivwie üblich, sondern spielten ein leichtes Mittelfeldpressing, in denen die Flügelspieler aktiver als gewöhnlich die Zweikämpfe suchten und die Kettenabstände nicht so extrem gering waren wie man es von Solbakkens Köln kennt. Diese Änderungen kamen Leverkusen aber durchaus entgegen.

Asymmetrie überlädt Kölns Sechser

Wegen der Eigenarten des Gegner und der eigenen Kadersituation konnte man erwarten, dass Leverkusen sich mit einer asymmetrischen Offensive präsentiert um einen Flügel des Gegners verwaisen zu lassen. Diese Maßnahme traf Kölns Eichner, der in vielen Situationen keine aktive Funktion hatte und auf der linken Defensivseite damit verschenkt war. Zum Schluss hatte Eichner 13 Zweikämpfe bestritten und damit deutlich weniger als seine Nebenleute (20, 20, 25). Auf dem restlichen Feld erzeugte Bayer dadurch effektiv Überzahl.

Diese spielten sie vor allem im Zentrum aus, wo Augusto in einer Freirolle wirbelte und dabei von Bender und Castro unterstützt wurde. Das sah konkret so aus, dass sich Augusto nach Belieben fallen lassen konnte und sich die Bälle abholte, wo er wollte, während die zwei Nebenleute die resultierenden Lücken ansteuerten. So drehte sich das zentrale Leverkusener Dreieck fluid in beliebigen Konstellationen um Kölns Sechser Jajalo und Riether herum, die sich in ihrer Unterzahl kaum wehren konnten.

Diese Spielweise erlebte im Hinspiel gerade gegen Köln ihren Tiefpunkt, als sich Bayer zwischen den dichten Viererketten des Gegners aufrieb, keine Räume fand und dann ausgekontert wurde. Dieses Mal funktionierte es, da Köln wie erwähnt nicht so eng spielte wie gewohnt. Vermutlich lag dies daran, dass Solbakken gegen die kopfballstarken Leverkusener das Flügelspiel stärker unterbinden wollte, was auch ganz gut funktionierte. Aber dadurch konnten die Flügelspieler die Sechser nicht unterstützen und es öffneten sich Räume vor der Abwehr und erst so konnte Leverkusen die zentrale Überzahl ausspielen.

Castros zentrale Rolle ließ somit Reinartz Freiheiten nach hinten. Durch sein Abkippen zwischen  die Innenverteidiger konnten diese beiden nach außen driften und damit dem Druck von Kölns pressenden Stürmern entgehen. Vorallem Toprak spielte vom linken Flügel viele Pässe ins Mittelfeld und trug so entscheidend zu Leverkusens Dominanz bei. Hier nutzte Bayer geschickt den Dominoeffekt von Solbakkens kleiner Inkonsequenz im Mittelfeld: Die Kölner Stürmer pressen nicht bis auf die Flügel, denn sie sollen eigentlich nur lange Bälle aus dem Zentrum verhindern. Bälle vom Flügel will Köln in der dichten Mitte abfangen, was aber eben nicht funktionieren kann, wenn diese Mitte nicht so dicht gehalten wird wie normal.

Daher dominierte Leverkusen das Spiel und hatte bis zum 0:2 doppelt so viele Pässe in der gegnerischen Hälfte gespielt wie Köln. Allerdings fehlte weiterhin die Kreativität in den Strafraum hinein. Im letzten Drittel gab es zu wenig gute Läufe und daher auch kaum gefährliche Pässe hinter die gegnerische Abwehr. Man spielte viel in der Nähe des Tores, aber für die Treffer brauchte es letztlich wieder eine Standardsituation und einen Patzer im Kölner Aufbauspiel.

Dies lag auch daran, dass Kölns Abwehrspieler sehr passiv verteidigten und nicht zur Balleroberung aus der Kette rückten, aber dennoch fiel auf, dass es Leverkusen an Abstimmung und Zug mangelte. Schürrle war als zweithöchster Spieler von Bayer zu ballfixiert und ging nur selten steil, Castro war meist zu tief um Gefahr um Strafraum zu verursachen, Kießling konnte von den zwei Innenverteidigern meist kontrolliert werden. Die Kombinationen wirkten auch nicht automatisiert. Die allgemeine Dominanz reichte aber für 12 Abschlüsse im Strafraum und weitere 12 Schüsse aus der Distanz, weshalb die 2 Treffer folgerichtig waren.

Köln weiterhin ohne jedes Kreativspiel

Bayers dominants Auftreten und die 3-zu-2-Überzahlen gegen Kölns Stürmer und Sechser sorgten außerdem ganz wesentlich dafür, dass die Hausherren kaum etwas von ihren bekannten Kontern zeigen konnten. Das schnelle Kombinieren zu den Offensivspielern nach Ballgewinn fand fast nie statt. Die Leverkusener schalteten schnell auf Gegenpressing um und stellten aus der Überzahl die Passwege nach vorn zu. Die Kölner griffen gezwungenermaßen zu unkontrollierten langen Bällen.

Im Aufbau von hinten zeigte sich Köln wie üblich recht geduldig, aber dafür völlig zweigeteilt und ohne Kombinationsspiel. Die vier Offensivspieler waren wieder weit aufgerückt und völlig getrennt von den aufbauenden Defensivspielern und die Außenverteidiger schalteten sich nicht in die Angriffe ein. McKenna und besonders Lanig, der doppelt so viele Pässe spielte, suchten ihre Vordermänner, aber diese hatten keine Chance mit den Zuspielen etwas anzufangen.

Das lag auch an Leverkusen, bei denen Augusto in einen 4-4-2-Defensivverbund aufrückte und gemeinsam mit Kießling die Sechser zustellte. Die Mittelfeld-Viererkette agierte zudem recht hoch und eng. Daher bekamen Riether und Jajalo überhaupt keine Räume und mussten die Bälle teils zwischen drei Gegenspielern verarbeiten, was den technisch nicht besonders begabten Kölnern kaum gelingen konnte. Die beiden spielten die gesamte Spielzeit lang fast alle Pässe seitlich oder nach hinten. Die wenigen vorwärtsgerichteten Bälle waren hoch und unkontrolliert.

So blockierte Leverkusen das Kölner Aufbauspiel mit recht wenig Aufwand. Daraus resultierte aber, dass Köln in der Spitze 4-gegen-4-Situationen hatte, die naturgemäß gefährlich werden können. Es ergaben sich nach einigen langen Bälle durchaus Möglichkeiten für Köln, aber Bayers Verteidiger verhinderten saubere Chancen fast völlig, auch weil Reinartz und Bender nach den langen Bällen schnell zurückwichen und die Viererkette unterstützten.

Zweiteres führte, zusammen mit Kölns fehlender Staffelung der Offensivspieler, auch wieder dazu, dass Köln kaum zweite Bälle bekam. Bayer machte sich die Situationen zu nutzen, indem sie die langen Bälle oft gleich zurückschlugen. Hinter Kölns herausgerücktem Mittelfeld war nun viel Raum, der so genutzt wurde. Dadurch, dass Bayers vier Offensiven dann sofort wieder in eine (oft sehr enge) 3-1-Ordnung fiel, konnten sie die langen Bälle auch deutlich öfter unter Kontrolle bringen. Somit machte Bayer die dominante gegnerische Offensivstrategie für sich selbst nutzbar und das damit verbundene Risiko in letzter Reihe wurde nur selten relevant.

Vertikale Halbzeit zwei

Die zweite offensive Variante der Kölner waren schnelle Angriffe über Roshis rechte Seite, der schon in Hälfte eins der auffälligste Spieler war. Wenn er mit Ball den Flügel herunterging, rückte Clemens vom anderen Flügel oft in den Sturm auf – eine theoretisch sinnvolle, aber völlig ineffektiv durchgeführte Maßnahme, weil Clemens nicht etwa kreuzend in den Zehnerraum ging, sondern nur „neben“ die Stürmer rückte, weshalb Corluka diese Läufe ganz einfach mitgehen konnte und Leverkusens Defensiv dadurch sogar eher noch kompakter wurde. Die Kölner Stürmer hielten auch meist ihre Positionen in der Spitze, weshalb auch Roshis Läufe keine Kombinationen auslösen konnten.

Zur zweiten Halbzeit fixierte sich Köln aber noch stärker auf diese Variante und startete sehr stark aus den Kabinen. Mit sehr viel Geschwindigkeit stießen die Kölner in diesen Situationen nach vorne, auch Andrézinho stürmte jetzt mit und hinterlief Roshi, der flinke Chong Tese war für Novakovic gekommen. Weiterhin wurden die Angriffe dabei aber in klaren Zuordnungen durchgeführt, Köln spielte „am Mann“ nach vorne. Durch die hohe Geschwindigkeit bekam Leverkusen trotzdem Probleme und Köln kam zu Gelegenheiten, aber Großchancen waren es nicht, auch weil Köln die individuelle Klasse fehlte. Unglücklich für die Kölner war dann, dass sie in ihre stärkste Phase herein durch einen Patzer Jajalos das 0:2 kassierte.

Nun stellte Solbakken riskant um, indem er Riether nach vorn zog. Köln agierte jetzt meistens in einer etwas asymmetrischen 4-1-3-2-Ordnung, spielte dabei hohes, risikoreiches Pressing. Tese agierte etwas beweglicher als Podolski und Novakovic zuvor und versuchte auch sich nach außen oder zwischen Linien Freiheiten zu erlaufen, aber diese Bemühungen wirkten willkürlich und nicht eingebunden. Köln attackierte so schnell und direkt, dass sie überhaupt keine Gelegenheiten fanden, Tese, Clemens oder auch Riether mal effektiv in Zwischenräumen zu nutzen.

Leverkusen hingegen reduzierte logischerweise das Risiko, hielt das 4-2-3-1 jetzt stärker um die Räume defensiv abzusichern und verteidigte generell etwas tiefer gegen Kölns lange Bälle. Sie griffen nun auch selbst sehr oft mit frühen langen Bällen an, um den Ball nicht in Kölns hohem Pressing zu verlieren. Diese Bälle schlugen sie sehr zielsicher zwischen die Linien auf den zurückfallenden Kießling, der sie oft behaupten konnte und nun trotz defensiverem Ansatz viel mehr eingebunden war als in Hälfte eins (15 Pässe in der zweiten Hälfte, nur 5 in der ersten). Schürrle und Castro zogen sich dann zusammen und gingen mit Augusto auf den zweiten Ball, was oft gelang.

Somit ging es in der zweiten Halbzeit sehr schnell hin und her, beide Teams liefen immer wieder auf die gegnerische Viererkette zu. Dass dabei kein Tor mehr fiel, spricht nicht für die Qualitäten der Offensiven. Bei Leverkusen erkennt man immernoch Defizite im direkten Konterspiel. Köln fehlten Überraschungsmomente und auch ein Spieler, der die Offensivzentrale pasend besetzen kann. Riether drückte vorallem von vorn etwas auf die Sechser, aber spielte nicht als Ballverteiler zwischen den Linien und besitzt dafür auch nicht die Fähigkeiten. Somit waren die Kölner Anschlussbemühungen äußerst linear und daher sehr vorhersehbar, was die schnelle Leverkusener Viererkette konzentriert und konsequent verteidigte.

Fazit

Dutt hat einen guten Zeitpunkt erwischt um zu seiner Idee vom fluiden, kontrollierten Ballbesitzspiel zurückzukehren. Die Rückkehr des unersetzbaren Augustos ist in diesem Zusammenhang von unschätzbarem Wert. Solbakken hatte mit einer so spielstarken Leistung in der Zentrale wohl nicht gerechnet und so gingen die taktischen Maßnahmen des Norwegers nach hinten los.

Leverkusen erkennt nun auch die Notwendigkeit, wenn sie von ihrem kontrollierten Spiel ablassen müssen. Die langen Bälle in Verbindung mit Gegenpressing auf den zweiten Ball sind ein scheinbar sehr gut einstudierter Plan B. Dennoch bleiben Defizite im Konterspiel und beim letzten Pass, wobei gerade das zweitere nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass dies erst das zweite Spiel in dieser Konstellation war. Die Weiterentwicklung ist jedoch zu erkennen und die kommenden Spiel (gegen Bayern, Barca, Wolfsburg, Gladbach und Schalke) werden sehr interessant zu beobachten sein.

In Köln wird man mit 3 Punkten aus 5 Rückrundenspielen kaum zufrieden sein und befindet sich endgültig im Abstiegskampf. Solbakkens System bleibt weiter ein Fragezeichen mit vielen Problemen und funktioniert nur an manchen Tagen richtig gut. Weiterentwicklung ist hier schwerer zu finden. Insbesondere fällt auf, dass Köln sehr unflexibel ist. Die extrem klare Struktur des Kölner Spiels ist sehr ausrechenbar und kann gezielt genutzt werden. So hat es Bayer nicht ansatzweise geschadet, dass sie Eichner in diesem Spiel oft frei ließen, da dieser sich sowieso kaum in das Angriffsspiel einschaltet. Aus meiner Sicht muss es hier Verbesserungen in Kölns Strategie geben.

ode 28. Februar 2012 um 15:36

Mich hätte interessiert, da ich das Spiel leider nicht sehen konnte, wie es sich ausgewirkt hat, dass Bayer die AVs so weit vorgeschoben hat? War es in Ballbesitz eine 3er-Kette, wenn Reinartz sich zwischen die weiter außen positionierten IVs fallen ließ? Wurde das nur situativ gemacht? Hört sich ein wenig danach an, als würde Bayer bei Hamburg abgucken! 😉

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Monty 28. Februar 2012 um 22:45

Kann man so pauschal garnicht sagen. Mal spielt er deutlich vor den beiden IV dann lässt er sich zwischen sie fallen und die 3er Kette steht, dann ist es mal eine 4er Kette mit ihm. Und dann wieder die volle 4er Kette mit ihm davor. Selten hat sich auch mal Bender fallen lassen und Reinartz war offensiver.
Sieht auch öfters mal wie eine Raute aus, also wenn Kadlec auf Achse ist zieht Schwaab nach links, Corluka rechts und Toprak letzter Mann und Reinarts davor. Ist Corluka weg, geht Toprak nach rechts, Schwaab letzter Mann, Kadlec links, Reinartz wieder davor… also richtig in die Kette gehen ist eher eine spätere Stufe oder wenn es halt eine breite 5er Kette werden soll?!
Nunja habe jetzt nur mal auf Bundesliga.de die Intervalle durchgeklickt, habe das Spiel zwar gesehen, aber trotz hingucken sehe/merke ich sowas nicht wirklich 🙁 Von daher meine Angaben nur ohne Gewähr und würde mich auch über einen Kommentar von MR freuen =)

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MR 29. Februar 2012 um 04:00

Monty hat in seinem Kommentar Schwaab und Toprak vertauscht, denke ich.

Ansonsten würd ich kurz und bündig sagen, dass Leverkusen gegen Kölns Stürmer stets mehr oder weniger 3-gegen-2 stand. Wie im Artikel beschrieben fiel Reinartz oft in eine Dreierkette zurück, ja. (Das ist übrigens keineswegs von Hamburg abgekuckt. Populär wurde das bei Barca mit Busquets und Dutt hat das schon in Freiburg oft sehr konsequent spielen lassen.) Das passierte aber situativ, oft war es auch eine 2-1-Ordnung, so oder so bedeutete dies aber Überzahl gegen Poldi und Nova/Tese.

Das Aufrücken der Außenverteidiger war kein allzu großartiger Faktor dabei, da die Flügelspieler ihre Läufe mitgingen und der Raum hinter ihnen daher nicht gleich bedienbar war und Köln wie gesagt eh normalerweise im Gegenpressing hängen blieb. Allerdings sicherte Bender in ein paar Situationen sehr auffällig Vorstöße von Corluka ab. Links war das wohl auch deshalb weniger notwendig, weil Toprak stärker nach außen ging als Schwaab, wie in der Grafik angedeutet. Man könnte also gewissermaßen sagen, dass Leverkusen da (von der Rollenverteilung her) in eine variable Viererkette der Form Toprak-Reinartz-Schwaab-Bender fiel. Aber wie gesagt – viel abzusichern gab es nicht.

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ode 5. März 2012 um 11:19

Danke für die netten Kommentare!

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Franky 27. Februar 2012 um 11:22

Vielen herzlichen Dank für diese tolle Analyse!
Ich finde es schade, dass Reinartz eine so wichtige Position bekommt und mit den meisten Ballkontakten (87) die schlechteste Passgenauigkeit (trotz Sicherheitspässen?!) hat (69%), nur 4 lange Pässe gespielt hat und auch noch die mesten Torschüsse hatte.
Dutts Spielphilosophie sah doch einen Künstler, ein Mischtyp, ein Stratege im Mittelfeld vor. Bender war doch der Mischtyp, August der Kreative und Reinatz der Stratege mit 4 langen Pässen in 90 Minuten? Mehr als ein Spielverstörer ist er definitiv, er war überall auf dem Platz, aber macht das Sinn?
Einen offensiveren Bender hat man auch schonmal gesehen, das hat sehr gut geklappt. Oder Rolfes für Reinartz wäre mir auch noch lieber.
Grundsätzlich fand ich Leverkusen wieder eher träge, es gab kein aggressives Pressing, keine one touch Passstaffetten, kaum Steilpässe. Dafür sehr viele Befreiungsschläge, viele sinnlose halbhohe Pässe einfach nach vorne. Warum spielt man Technik und Ballsicherheit nicht aus und orientiert sich mehr an Barcelona wenn man schon keine Kontermannschaft ist?
Schürrle ist viel hin und hergerannt und hat den Ball dann abgegeben, daher auch eine Passquote von ~90% – soll das seine Aufgabe in Leverkusen sein?
Dennoch bin ich mit Dutt sehr zufrieden und hoffe, das man ihn noch lange in Ruhe arbeiten lässt. Als Geschäftsführung würde ich den Vertrag um 4 Jahre verlängern um auch den Spielern zu zeigen das es sehr ernst gemeint ist.
Gegen Bayern, Barca, Wolfsburg, Gladbach und Schalke sollten mindestens 3 Punkte drin sein, wenn es unglücklich läuft nicht mehr, aber untern Strich wäre das nicht tragisch. Ich hoffe, es gibt dann nicht wieder Unruhen und Diskussionen.

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MR 27. Februar 2012 um 18:02

Schürrles Qualitäten müssen sicher noch besser eingebunden werden, keine Frage. Wobei er gegen eine aggressivere Abwehr als die Kölns auch besser reinpasst, das war sicher auch ein Faktor – gab eine Szene wo er vom linken Flügel quer bis auf rechts dribbelt und dabei einfach keine Optionen nach vorne findet.

Die langen Bälle fand ich recht gut angebracht, wie gesagt. Wenn der Gegner in nem 4-1-3-2 (oder fast schon 4-1-1-4) presst, dann versucht auch Barca nicht mehr den Ball ewig in den eigenen Reihen zu halten, das ist dann Blödsinn, weil das eigentlich eine viel zu riskante Formation ist.

Ich hatte ja auch eher mit Rolfes gerechnet, aber Reinartz hat mir sehr gut gefallen. Die niedrige Passquote wundert mich etwas. Wenn man sich die Pässe in der Bundesliga.de-Matrix anschaut, sieht man zumindest, dass die Fehlpässe (die Hälfte, deren Richtung mit eingezeichnet ist) jedenfalls tendenziell recht lange Vertikalpässe sind, also durchaus recht riskant. Aber…bei 11 Fehlpässen und 44 angekommenen Pässen, ist das in meinem mentalen Taschenrechner ein Fünftel, was eine Passquote von 80% ergibt. Woher ist deine Zahl?
Soweit ichs überblick sind von seinen Pässen etwa 20 Stück Sicherheitsverlagerungen, also hat er bei den Vertikalpässen eine Quote von etwa 70%, das ist schon ordentlich.
Defensiv war er zudem sehr gut, hat mit Kießling die meisten Zweikämpfe gewonnen und hat Benders Rolle sehr stark ergänzt.
Die beiden haben mir sowieso zusammen super gefallen, haben die Lücken hinter Castro und Augusto sehr gut und variabel geschlossen ohne irgendwo zu fehlen. Dabei hat Bender quasi die „ersten Lücken“ geschlossen und Reinartz hat dann Benders Lücken abgesichert, das hat richtig gut funktioniert.
Auch nicht zu vergessen: Köln spielt eben im Aufbau etliche lange Bälle, da hat Reinartz nunmal klare Vorteile gegenüber Rolfes.

Ich denke im allgemeinen, Dutt hat die Lehren aus dem Saisonstart gezogen und lässt nun defensiv orientierter spielen, etwas vom BVB inspiriert, meine ich zu erkennen, um stabiler zu sein als anfangs. Gerade angesichts des zur Verfügung stehenden Personals halte ich das für absolut logisch. (Zur Sommerpause müssen da bei Leverkusen sicherlich ein paar gute Kreativspieler kommen.)

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Monty 28. Februar 2012 um 22:26

@MR Du hast recht, ich habe nochmal nachgeschaut (whoscored) und die Passquote war/ist tatsächlich 78%. Auch die Longballs sind jetzt 8 statt 4. Ob ich mich verschaut hatte oder dort ein falscher Wert stand, kann ich nicht sagen. Wie dem auch sei, deine Antwort und Ausführung finde ich sehr interessant, vielen dank dafür!

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