Donnerstag, 24.08.2017

Interview mit Lothar Matthäus, Teil 2

Im zweiten Teil des Interviews sprachen wir mit Lothar Matthäus über seine Meinung zu inversen Außenstürmern, Positionswechseln und wie sich ein gutes Pressing kontern lässt.

Hier geht es zu Teil 1.

Spielverlagerung: Kommen wir zum Fußballerischen. Seit ihrer Spielerzeit hat sich ja viel gewandelt, zum Beispiel die Position des Liberos gibt es nicht mehr.

Matthäus: Naja, heute sehen wir viele Mannschaften, die mit Dreierkette spielen. Wieder zurück zum „Libero“, mit Anführungszeichen. Ich habe ja selber diese Position gespielt in einer Dreierkette mit Thomas Linke und Sami Kuffour, aber das war ja kein klassischer Libero, sondern ich war ein defensiver Mittelfeldspieler. Wenn es gebrannt hat, war ich dahinter, und sonst habe ich vor der Vierkette gespielt und die zwei Außenverteidiger haben sich zurückfallen lassen.

Spielverlagerung: Was hat sich denn seit ihrer Spielerzeit taktisch verändert?

Matthäus: Taktisch hat sich natürlich vieles verändert. Heute gibt es ganz andere Möglichkeiten, die Spieler zu trainieren. Ich hatte früher in Gladbach nicht mal einen Fitnessraum. Wir haben alles auf den Platz gemacht. Heutzutage hast du in der Trainingsarbeit einen Fitnessraum und zig Trainer in deinem Trainerstab. Du kannst viel mit dem Computer arbeiten. Du weißt, wie die Muskulatur gebaut ist von jedem Spieler. Wenn die kleinste Faser kaputt ist, wird das registriert.  Dass der Fußball schneller geworden ist, dass er athletischer geworden ist, das muss ich alles gar nicht sagen, das wissen wir alles. Natürlich gibt es verschiedene Taktiken. Bevorzugte Taktik im Weltfußball ist das 4-2-3-1 System, weil man dadurch mit den zwei Sechsern kompakt nach innen steht. Ich spiele allerdings nicht gerne mit zwei Sechsern, wobei die Frage ist, wer denn wirklich mit zwei Sechsern spielt. Schweinsteiger ist ja zum Beispiel auch eher Achter als Sechser.

Spielverlagerung: Wir sprechen deshalb nicht gerne von einer Doppelsechs, sondern von Sechser, Achter, Zehner.

Matthäus: Ja. Es kommt auch immer drauf an, welche Spieler du hast, wie stark deine Mannschaft ist. Ich habe zum Beispiel in Ungarn und auch bei Partizan Belgrad mit einer Dreierkette gespielt, also sehr kompakt, mit einem  Sechser und zwei Außenverteidigern. Wenn du eine Dreierkette spielst, können die zwei Außenverteidiger 20 Meter weiter nach vorne schieben. Dann geht ein Sechser nach hinten in die Dreierkette und dadurch können zwei Spieler weiter nach vorne gehen.  Praktisch spiele ich so mit einer Dreierkette mit Libero defensiv, aber dafür habe ich wieder die Möglichkeiten, andere Spieler nach vorne zu schieben. Und ob man nun mit einem oder mit drei Stürmern spielt, das sind ja nur Nuancen, die sich dadurch ändern. Beispiel Bayern: Ribery und Robben, sind das offensive Mittelfeldspieler oder Flügelstürmer? Ich würde sagen, das sind Flügelspieler, also 7 und 11. Bayern München spielt für mich mit drei Spitzen, Kroos ist der Zehner, Schweinsteiger der Achter und Gustavo der Sechser. Und dann habe ich meine Viererkette. Also spielt Bayern München im 4-3-3.

Spielverlagerung: Wobei es bei den Außenstürmern heutzutage seltener der Fall ist, dass sie durchziehen an die Grundlinie, sondern öfter nach innen ziehen. Was halten Sie davon?

Matthäus: Die Frage ist: Was wollen wir? Wollen wir über die Außen kommen und flanken? Das funktioniert, wenn wir einen kopfballstarken Stürmer haben oder Spieler, die nachrücken oder von der Seite reinrücken, wenn die Flanke kommt. Aber der Neuner muss da unterstützt werden. Es kann nicht sein, dass die Flanke kommt und der Neuner spielt gegen vier Abwehrspieler. Dann wirst du keine Tore erzielen. Eine andere Möglichkeit ist, dass man, wie es zum Beispiel Robben macht, nach innen geht, den Ball auf seinen starken Fuß legt und so den Torabschluss sucht. Aber auch hier gibt es Gegenmittel. Inter Mailand hat es zum Beispiel super gemacht beim Champions League Finale gegen Bayern München. Der Robben war in einer Riesenform, aber die Verteidiger wussten: Außen können wir ihn vorbeiziehen lassen, das ist nicht das Problem. Wenn er aber nach innen kommt, ist ein Sechser da, unterstützt den linken Verteidiger und blockiert ihn.

Spielverlagerung: Woher erklärt sich dann der Trend, dass weniger Flügelspieler an die Grundlinie ziehen?

Matthäus: Das ist eine gute Frage. Früher hat man mit zwei Stürmern ein 4-4-2 System gespielt. Die Außenstürmer hatten bei ihren Flanken dadurch mehr Möglichkeiten. Vorne hattest du schon mal zwei Stürmer drin, dann ist meistens noch ein Mittelfeldspieler nachgerückt bzw. der Außenstürmer von der anderen Seite nach innen gegangen. Dadurch warst du mit drei, vier Spielern im Strafraum. Heute suchst du mit nur einem Stürmer den direkteren Weg zum Torerfolg.

Spielverlagerung: Was wir als einen Trend im Taktikbereich sehen, gerade bei Barcelona, sind häufige Positionswechsel in der Offensive. Würden sie das als Trend sehen oder ist das etwas Barcelona-spezifisches?

Matthäus: Ich kann mich an den SC Freiburg erinnern, 15 Jahre ist das her. Das war für Deutschland etwas ganz Neues. Finke hat die vier Offensivspieler durchtauschen lassen. Jeder konnte Spitze spielen und auch die anderen drei Positionen. Die Spieler durften machen, was sie wollten, nur die Positionen mussten besetzt sein. Das ist eine Möglichkeit, dass ich den Gegner ein bisschen verwirre und den Abwehrspieler verunsichere –  wenn ich die Spieler habe, die diese Positionen auch spielen können.

Spielverlagerung: Was noch ein sehr interessanter Fast-Positionswechsel ist, ist die Rolle, die Messi bei Barcelona spielt als zurückfallender Stürmer. Halten Sie das für interessant?

Matthäus: Auf jeden Fall. Ich finde es eine super Möglichkeit, Messi als zurückfallende Spitze, ich würde es mal 9 ½ nennen, einzusetzen. Es gibt zwei Innenverteidiger, die zwei Innenverteidiger haben keine Aufgabe, die anderen beiden Stürmer kommen über die Außen und gehen in die Schnittstelle zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger. Messi kann im Mittelfeld Überzahl schaffen und muss nicht mit dem Rücken zum Abwehrspieler arbeiten, sondern kommt mit dem Ball auf den Abwehrspieler zu, und das macht einem Abwehrspieler riesengroße Probleme.

Er ist ja kein Spielmacher. Maradona hat ihn bei der Weltmeisterschaft falsch eingesetzt, auch gegen Deutschland. Wenn ich weiß, Boateng spielt als linker Verteidiger, dann lass ich doch den Messi gegen Boateng spielen. Damals hat er auch bei Barcelona hauptsächlich auf der rechten Seite gespielt. Das war für mich ein taktischer Fehler von Maradona. Er hat ja sowieso viele Fehler gemacht. Auch wenn er mein Freund ist, aber das darf ich ja sagen.

Ich finde es einen wirklich guten Schachzug, Messi ein bisschen fallen zu lassen. Auch für die anderen beiden Stürmer. Villa ist ja auch kein Flügelstürmer, er kommt immer wieder ins Zentrum rein. Auch bei Valencia war er eigentlich schon eine Nummer 9. Die Verteidiger wissen dann nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn Villa nach innen kommt. Soll der Außenverteidiger mit Villa reinziehen? Das sind Momente, in denen alles funktionieren muss in der Abwehr: Villa übernehmen, Messi rechtzeitig attackieren. Barcelona lässt Überzahlsituationen entstehen. Das sind schon Waffen, die ein Trainer gerne hat.

Spielverlagerung: Johann Cruyff hat zu Barcelona  den interessanten Satz gesagt, er finde gar nicht so sehr die Offensive faszinierend, sondern wie sie den Ball zurückeroberten. Sehen Sie das auch so?

Matthäus: Ja. Das Wichtigste beim Pressing ist ja, dass alle mitmachen. Nach einem verlorenen Ball kurz hinter den Ball, dann gar nicht dem Gegner die Zeit und die Möglichkeit lassen, den Ball zirkulieren zu lassen, sondern gleich wieder attackieren. Dazu sind die Abwehrspieler technisch nicht die geschultesten. Dann kommst du, wenn du es clever und aggressiv machst, zu einer schnellen Ballrückeroberung.

Spielverlagerung: Was denken Sie muss man als Trainer machen, damit dieses Gegenpressing so gut funktionieren kann? Auch in der Bundesliga sieht man es öfter, z.B. Dortmund macht das sehr gut. Wie geht man das an?

Matthäus: Eine passende Geschichte: Als ich bei Inter Mailand gespielt habe, hat der AC Milan unter Sacchi Pressing gespielt. Sie haben im 4-4-2 gespielt mit Gullit, van Basten vorne, wobei Gullit ein bisschen um van Basten gespielt hat, Evani und Donadoni auf Außen, mit Ancelotti und Rijkaard zwei Sechser, und hinten ihre Viererkette. Im Pressing haben sie erst einmal die Mitte zugemacht. Dann haben sie absichtlich den Außenverteidiger anspielen lassen, Andreas Brehme links und rechts war es Bergomi. Wenn einer von denen angespielt worden ist, haben die Laufwege funktioniert. Der offensive seitliche Mittelfeldspieler ist draufgegangen, alles hat sich verschoben. Nach hinten haben sie alles zugemacht, auch den Weg zum Torwart, also blieb diesen Außenverteidigern, die ja früher technisch schlechter geschult waren, nur der lange Ball.

Spielverlagerung: Das ist jetzt gerade ein Muster, dass man beispielsweise aktuell bei Borussia Dortmund sieht. Wird dieses Pressing weiterhin ein erfolgreiches Mittel bleiben?

Matthäus: Die erfolgreichen Mannschaften spielen zurzeit einen Fußball mit einem frühen Pressing. Man kann es nicht über 90 Minuten durchhalten. Da sind wir wieder bei spielintelligenten Spielern, die durch die tägliche Arbeit wissen, wann sie attackieren müssen. Andererseits kannst du natürlich sagen, wir lassen uns nach Ballverlust tief fallen, um kompakt zu stehen, wie Mönchengladbach es beispielsweise macht. Sie haben erst 13 Gegentore in der Bundesliga bekommen und spielen mit zwei Viererketten sehr eng zusammen, davor mit Reus und Hanke, die wiederum an der vorderen Viererkette fast schon kleben. So stehen sie sehr kompakt.

Natürlich, Dortmund versucht häufig das offensive Pressing, Das ist situationsbedingt, man kann es nicht 90 Minuten machen. Andererseits musst du wieder ein Gegenmittel haben. Wenn du den Ball verlierst als ballführende Mannschaft in dieser Zone, das ist immer eine Gefahr für mein Tor. Das heißt, wenn ich jetzt genau weiß, dass eine Mannschaft so ein geiles Pressing spielt, bei dem ich wirklich unter Druck gerate, muss ich eben lange Bälle raushauen und versuchen, in der gegnerischen Hälfte den langen Ball oder den zweiten Ball zu erobern. So hat es beispielsweise Trapattoni gegen Milan gemacht. Ich war damals kein Freund davon, weil der Ball ist immer über meinen Kopf geflogen ist. Ich hatte nachher Nackenschmerzen, weil ich dem Ball nur über mir herschauen konnte. Ich habe mich auch mit Trapattoni nach dem Spiel angelegt, aber heute sehe ich ein, dass es  damals die einzige Chance war. Wenn du mit denen mitspielen wolltest, hattest du keine Chance.

Spielverlagerung: Was uns persönlich zum Schluss beim Thema Pressing interessiert: Sie haben bereits gesagt, Pressing kann man nicht über 90 Minuten durchhalten. Wie strukturiert man stattdessen das Pressing? Setzt man auf Phasen oder wird es flexibel eingesetzt?

Matthäus: Ich kann als Trainer nicht reinschreien, die ersten acht Minuten machen wir Pressing, die nächsten zehn Minuten keins. Das muss situationsbedingt passieren. Wenn die Mannschaft schon in einer offensiven Position ausgerichtet ist, wäre es ja blöd, fünfzig Meter zurückzulaufen und den Gegner spielen zu lassen. Dann kannst du ihn gleich attackieren. Das trainierst du ja auch. Wenn die Abwehr siebzig Meter weiter hinten steht, bringt es nichts.  Dann suchst du wieder die Kompaktheit. Das macht Dortmund ja hervorragend: Wenn sie den Ball verlieren, attackieren sie gleich wieder.  So hast du wirklich große Chancen, den Ball zurückzuerobern  in einer Phase, in der der Gegner eigentlich schon einen Offensivdrang hat. Dann kannst du die offenen Räume nutzen, um erfolgreich zu sein.

Spielverlagerung: Herr Matthäus, wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Gespräch führten Martin (MR) und Tobias (TE).

Charly 8. August 2012 um 11:51

Hier ein weiteres Interview mit Matthäus u.a. auch zu seinen Fachkenntnissen anläßlich seines neuen Engagements bei Sky.

http://select.teleschau.de/article/7c8877a71c70fc6069b67f57980106431e3dfd84

Antworten

schöner ist das 30. März 2012 um 02:25

schön wäre es, direkt die analysen von lothar lesen zu können. die wär’m auch besser als ein interview!

Antworten

Tery Whenett 6. März 2012 um 14:30

Danke für dieses Interview – endlich darf ein Loddamaddäus sich mal ausführlich über Fußball äußern.

Kritisiert wurde in den Kommentaren über mir schon genug, was mMn vor allem zeigt, dass Lothar ein großes Imageproblem hat. Nur wird er das leider nicht mehr korrigieren können, befürchte ich. Immerhin bietet die Nähe zum Boulevard genügend Einkunftsmöglichkeiten, die er sicher gerne ausschöpft.

Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr solche Interviews lesen dürfen, die dann taktisch auch noch tiefer gehen. Wie wäre es mit Ewald Lienen? Dem scheint im Moment auch ein wenig langweilig zu sein, sonst hätte er wohl kaum Ewald Lienen TV auf YouTube aufgemacht.

Antworten

Keks 6. März 2012 um 15:48

Also ich bin ja echt skeptisch und schaue wegen dem vielen Müll kaum fernsehen. Aber soo schlimm finde ich den Lothar nicht. Ich rechne es ihm hoch an, dass er Trainerposten dort annimmt, wo er gefragt ist und nicht hier in Deutschland rumgammelt und sich für Arbeit zu fein ist. Er schaut sich viele Spiele an, versucht sie zu verstehen, hinterfragt sich also auch viel mehr als z.B. ein Jupp Heynckes. Lothar sehe ich so wie Feldbusch und Bohlen. Nervig ja, aber jeder weiß im Hinterkopf, so blöd wie sie tun sind die nicht. Ich würde Matthäus gerne als Bundesligatrainer sehen und besser als Rehagel wäre er auf jeden Fall gewesen. Und auch seine Frauengeschichten, die hatte sogar Bill Clinton 😉 Wer auch soviel Geld und Aussehen wie Lothar Matthäus hätte, würde sich auch eher ein Modell greifen als die gleichaltrige Hausfrau.

Antworten

alfons 20. März 2012 um 00:43

@ Tery Whenett; haha! besten dank für den EwaldLinenTV typ!

und zum Interview: ich find die Entscheidung LM zu interviewen sehr gelungen. und stimme unbedingt zu, dass das wesentlich interessanter is als Jürgen Klopp hier zu präsentieren. Sehr schade is aber dass ihr ihn, bzw. sein management nicht vorher gebrieft habt was die natur dieses website angeht! (unverständlich auch warum sein „management“ nicht nachfragt oder recherchiert wer ihr seid, so erklärt sich mir einiges was LM PR pannen angeht…) Angesichts dieser Tatsache darf man auch nicht zu hart mit ihm ins gericht gehen das seine antworten, speziell im ersten teil sehr platt sind. Er scheint dann gemerkt zu haben dass es in eine andere richtung gehen soll und antwortet länger und taktisch spezifischer… wenn auch vielleicht unzureichend was taktische aha- effekte, bzw. originelle einblicke und beobachtungen angeht.
Ingesamt, gutes solides interview. Das mit allasFCB war um länger interessanter was aber wohl am gesprächspartner lag.
Ihr macht hiern super job mit dieser website! .. und solltet unbedingt einen „Flattr“ button hier einführen damit sich das ganze auch für euch noch ein bisschen mehr lohnt 😉
ganz groß, nach wie vor, die reaktionen der redaktion auf nachfragen und kommentare im forum, sowie hier speziell die hintergrund infos zum interview.. das füllt das ganze erst mit zusätzlichem leben und macht das interview zugänglicher was die umstände angeht!

p.s lothar matthäus, ich fänds gut wenn er mal ne chance irgendwo in dtl bekommt. absolut verdiente spielerpersönlichkeit und zwar unbeholfen und egozentrisch was sein auftreten angeht aber ich glaube nicht unfähig was seine kompetenzen betrifft.

Antworten

datschge 20. März 2012 um 01:31

Unter jedem Artikel ist bereits ein Flattr-Button. 😉

Antworten

MR 20. März 2012 um 03:39

Mir glaubt ja keiner, wenn ich sage, unser Spendenaufruf muss penetranter.

Antworten

Erkan 4. März 2012 um 16:07

Ich bitte euch, um Profi-Trainer zu werden reicht es doch beiweitem nicht bloß ein Spiel lesenzukönnen und darauf reagierenzukönnen…

Motivation, Umgang und Kommunikation mit Spielern, das Talent eigene Ideen den Spielern verständlich zu machen uvm. sind natürlich genauso wichtig, sowas spürt man schon, wenn man selbst jemals mal wenigstens Jugendspieler war.

Man kann wenn es ins Interview geht soviel erzählen, vorallem wenn es um Taktik geht, bloß muss man auch immer richtig abwägen wieviel man erzählen kann ohne, dass man gezwungenerweise in ein endloses Gespräch über einen winzig kleinen Teil des Fußballs verfällt.

Also mir persönlich erscheint Matthäus noch etwas zu verstreut, hat sich noch nicht festgelegt, wie auch immer, vllt. liegt es auch bloß an seinem Image, doch man kann nie wissen ob und wo ein Trainer einschlägt, wissen wir doch aus Erfahrung, oder?

Antworten

Keks 6. März 2012 um 15:34

Sehe ich anders und auch das Berufsleben zeigt, dass das es ander ist. Da gibt es nämlich Leute in Führungspositionen die garkeine Ahnung haben, aber sehr Schlagfertig und Selbstbewusst sind. Im Gegenzug gibt es richtige Experten, die eher ruhige Zeitgenossen sind und es nicht so verkaufen können. Aus diesem Grund suchen ja viele Firmen dann auch Leute, die nicht nur die Noten sondern auch die jeweils angebrachten SOFTSKILLS (ich hasse mich für die Verwendung dieses Wortes, hehe) mitbringen.
Und im Fußball ist es nicht anders, vergleiche obiges mit Rehagel und Dutt.
Außerdem, wenn man an Matthäus Kompetenz zweifelt, dann sind es meiner laienhaften Ansich nach eher das fehlende taktische denken, motivieren wird er können, den Umgang und die Kommunikation mit Spielern wird er auch gut drauf haben, aber sowas können eben viele Leute, die Supernanny z.B. ist sie dehalb ein besserer Trainer als Matthäus? Wohl kaum. An erster Stelle steht das fachliche. Mit Abstand. Und dann muss es menschlich passen, es muss mal ein Wohlfühlopi sein der den Frank in die Arme nimmt (Heynckes) oder eben jemand der nicht so ein „hol mir mal ne Flasche Bier“ Kumpeltyp ist, der Distanz und Professionalität vermittelt, der eine Komfortzone schließt und eine Vereins/Spielphilosophie umsetzt (Dutt).

Antworten

Erkan 9. März 2012 um 22:37

Ich frage mich ehrlich gesagt was du nun genau anders siehst, da du mir nirgendwo wirklich widersprochen hast…^^

Aber ich schrieb auch uvm (und vieles mehr), klar stellt Fachwissen die Basis dar, doch wie du es selbst feststellst sind die Anforderungen immer andere, aber gewisse Nebenfähigkeiten muss man auch haben. Es kann also nicht jeder x-beliebige Taktikexperte einen Verein zu Ruhm führen.

Dem kann ich auch mit dem „Philosophen“ Guardiola begegnen…

Antworten

Keks 2. März 2012 um 10:29

Hatte das Matthäusinterview immer gesehen, aber nie angeklickt. Dachte immer wenn ich mal langeweile habe lese ich das mal. Ich bin wirklich überrascht, die Fragen waren toll und auch die Antworten. Am Anfang war es mir noch etwas zu allgemein, da dachte ich noch man merkt, dass Matthäus kein eigenes Konzept hat, er lebt von beobachten, Erfahrungen und Aussagen anderer. Wobei das ja auch nicht schlecht sein muss wie man dann in dem 2. Teil sieht. Wirklich sehr interessant vielen vielen Dank! Wenn Matthäus jetzt irgendwann in die Bundesliga kommt würde ich nicht mehr so arg Bauchschmerzen bekommen 🙂
Interessant auch, das er sagt, man kann die Spieler, die Spielintelligenz nur etwas beeinflussen, da sehe ich anders. Denn Spielintelligenz hat nichts mit Intelligenz zu tun. Sondern mit Automatismen. Götze macht in jeder Situation 100% das richtige, weil er es von klein an so gelernt hat. Späteres umlernen ist sehr schwierig und fast nur mit psychologischen Kenntnissen oder psychologischen Trainings möglich. Dortmund führt auch hier, Leverkusen macht es auch, Daum war der erste der davon sprach und Favre ist mit Sicherheit auch jemand der dies beherrscht. Nur mit Spaß kommt man da nicht weit.
Wie dem auch sei, ein Top Interview mit knackigen Fragen, ein Jammer das nicht Ihr Marktführer seid und die Klatschpresse die Niesche 🙁
Aber weiter so, wir ändern das! 🙂

Antworten

elrond100 1. März 2012 um 17:24

Da kann man mal sehen, wie viel Reputation man durch einen solch öffentlichen unsteten Lebenswandel verlieren kann.
Da wird Matthäus nicht mal mehr zugetraut ein Fussballspiel „lesen“ zu können.

Ich weiss nicht, wie er als Trainer arbeitet und ob er ein guter in der BuLi wäre, aber er gehört mit Sicherheit zu den fünf größten Fussballern, die dieses Land je hervorgebracht hat und kann sicherlich Spiele besser „lesen“ als ich und einige andere Nutzer hier.

Antworten

Cr4nky 2. März 2012 um 12:05

Dann hat er es leider nicht durchblicken lassen. Er hat doch lediglich aufgelistet, was er von seinen ehemaligen Trainern gelernt hat aber der Fußball hat sich verändert. Seine Lösung gegen intensives Pressing sind hohe Bälle, hat man ja früher auch so gespielt. Tut mir leid aber da lassen sich Trainer wie Tuchel, Slomka etc. besseres einfallen.
Und wie will Herr Matthäus bitte die Probleme eines Spielers verstehen der gestresst ist, weil seine Kinder nicht schlafen konnten? Seine Lebensabschnittsgefährtinnen gehen doch teilweise selbst noch in die Schule. Er lebt nur noch von seinen Erfolgen als Spieler an die sich die meisten jungen Spieler doch gar nicht mehr erinnern können. Die kennen leider nur den Matthäus aus der Boulevardpresse und der ist ein Selbstdarsteller.

Antworten

Cr4nky 29. Februar 2012 um 13:33

Die Antworten von Herrn Matthäus und sein Fachwissen kann man wie viele Vorredner schon erwähnt haben in jedem besseren Sportmagazin nachlesen. Die eigentliche Kunst liegt doch darin, all das selbst unter anderem auch während eines Spiels zu erkennen und dem entsprechend zu reagieren. Das traue ich ihm leider nicht zu.

Antworten

thaifussball 28. Februar 2012 um 15:04

Danke für dieses tolle interview. Ich bin schon länger der Meinung, dass Herr Matthäus auch ein guter Trainer ist. Steh damit allerdings meist allein. Schade dass er sich manchmal auch etwas selbst im Weg steht. Eine Chance in der Buli hätte er aber verdient.

Antworten

morph0se 28. Februar 2012 um 00:01

Unabhängig vom Inhalt der Äußerungen Matthäus‘: Wie seid ihr zu diesem Interview mit Lothar Matthäus gekommen und wie lief das Interview ab?

Wie nicht zuletzt an den Kommentaren unter den Lesern ersichtlich wird, wird Lothar Matthäus in erster Linie nicht mit Taktik und intellektuellem Tiefgang assoziiert (gleichwohl das in seiner Zeit als Spieler aufm Platz zuweilen zugetroffen haben mag), sondern stattdessen wird er offenbar vorwiegend despektierlich als Dummschwätzer mit Hang zur peinlichen Selbstinszenierung aufm Boulevard wahrgenommen. Habt ihr ihn zufällig getroffen, oder habt ihr gezielt um ein Interview gebeten? Angesichts des Umfangs des Interviews scheint eher Letzteres zuzutreffen, oder? Da Matthäus gemeinhin weniger als Taktiker und Trainer, von dem man etwas lernen könnte, unter Fußballinteressierten wahrgenommen wird: Warum habt euch gerade mit ihm über Taktik im Fußball und ihre Entwicklung unterhalten? Habt ihr face-to-face vor Ort miteinander kommuniziert, oder via Mail/Chat?

Für zukünftige Interviews empfehle ich euch, die Unterhaltung mit Fotos zu dokumentieren. Das macht für Leser das Geschilderte lebendiger und erzeugt mehr Aufmerksamkeit. 🙂

Antworten

TE 28. Februar 2012 um 17:14

Zum Zustandekommen des Interviews: Ich glaube, man trifft Lothar Matthäus eher selten zufällig 😉 Wir sind da den ganz normalen Weg gegangen: Manager anschreiben, Interviewtermin ausmachen, zum vereinbarten Ort fahren und dann face-to-face das Interview führen. Warum gerade er? Vereinfacht gesagt: Sein Management war so freundlich, uns einen ausreichend langen Termin zu verschaffen 😉

Der Grund für dieses Interview war neben dem großen Namen ein persönliches Interesse an der Frage, wofür Matthäus als Fußballtrainer steht. Es war interessant, dass wir mit einem dicken Fragenkatalog zu ihm gefahren sind, aber praktisch keine genaue Ahnung hatten, welche Antworten er gibt. Wir haben natürlich im Vorhinein jede Menge Recherche betrieben (Interviews gesichtet, Stationen seiner Karriere angeschaut, alte Spiele aus dem Archiv ausgegraben etc.), dennoch war uns der Trainer Matthäus ein Rätsel. Ich denke, wir haben ihm zumindest die Chance gegeben, sich von einer anderen Seite zu präsentieren – ob er sie genutzt hat, darüber muss sich jeder ein eigenes Bild machen (und das wird hier ja auch ausreichend diskutiert).

Ein kleiner persönlicher Einwurf: Mir ist ein Interview mit ihm über das Thema Taktik lieber als das 129. Gespräch mit Klopp über das selbe Thema. Nicht dass ich etwas gegen Klopp hätte (im Gegenteil), aber für mich persönlich fehlt da einfach der Aha-Effekt – ich könnte mir nicht vorstellen, dass Klopp uns irgendwas zu sagen hat, was man nicht schon x-mal woanders lesen/hören/herausahnen konnte. Natürlich könnte man versuchen, dem Interviewformat eine taktischere Note zu geben, aber ganz ehrlich, eine Revolution traue ich uns „Anfängern“ bei den ersten Interviews nicht zu. Ich teile die oben aufgeworfene These, dass die meisten Protagonisten im Profifußball es nicht gewohnt sind, tief ins Detail gehen zu müssen (bzw. gar nicht wollen). Und wenn ich mir nicht zutraue, die Interviews revolutionär zu führen, versuche ich eben bei der Auswahl der Themen und Interviewpartner kreative Wege zu gehen, weshalb Lothar Matthäus und AllasFCB (den RM vor einiger Zeit interviewt hat) aus meiner Sicht programmatisch für Spielverlagerung stehen und keineswegs zufällig die ersten beiden Gesprächspartner waren.

Zu Fotos: Wenn das gewünscht wird, können wir gerne selber Fotos schießen. Allerdings bin ich persönlich kein Fan von unprofessionellen Aufnahmen. Und da wir keinen Foto-Experten im Team haben, greife ich im Zweifelsfall lieber auf die von den Agenturen zur Verfügung gestellten Materialien zurück.

Antworten

morph0se 28. Februar 2012 um 18:14

Danke für diese Hintergrundinformationen. 🙂

Antworten

firedo 28. Februar 2012 um 23:05

danke für die sehr interessanten zusatz informationen.
gab es denn auch feedback von Lothar?
kannte er die seite?
macht er sowas öfter mal?

Antworten

TE 29. Februar 2012 um 14:40

@Firedo: Kurz und knackig geantwortet: Herr Matthäus ist Profi, der macht ja öfters solche Interviews, also können wir nicht genau sagen, wie ihm das Interview gefallen hat. Unsere Seite kannte er nicht. Und wenn du mit „sowas“ Interviews geben meinst, dann ja, das macht er öfters 😉 Wobei er zum Thema Fußball eher von ausländischen Journalisten befragt wird, hierzulande eher weniger.

Antworten

datschge 27. Februar 2012 um 22:58

Ich fand das Interview von beiden Seiten sehr gut. Am Anfang schienen mir Matthäus‘ Ausführungen eher oberflächig, aber besonders im zweiten Teil scheint mir Matthäus aus den üblichen Grenzen des beschränkten deutschen Sportboulevard auszubrechen (bspw. erwähnt er Pressing von sich aus). Taktische Finessen wie in SV-Analysen sollte man aber trotzdem in deutschen Interviews so schnell nicht erwarten, dafür sind deutsche Gesprächspartner zu sehr daran gewöhnt, taktisches nur stark vereinfacht (angereichert mit persönlichen und historischen Bezügen, wie es auch Matthäus hier gemacht hat) ansprechen zu können, wenn überhaupt. Das sollte man mMn nicht Matthäus zum Vorwurf machen sondern dem festgefahrenen deutschen Sportjournalismus als Ganzem.

Ich würde mich freuen, wenn SV noch zu mehr Gelegenheiten zu taktischen Interviews bekommt. Wenn der Gesprächspartner dann auch um die Tiefe typischer SV-Analysen weiß, kann ich mir schon gut vorstellen, dass das Ergebnis schnell ein ganz anderes Niveau erreichen kann.

Antworten

MR 27. Februar 2012 um 23:22

Das haben wir uns nach dem Interview auch selbst vorgeworfen, dass wir ihn drauf hätten hinweisen können, dass hier taktischer Tiefgang gewünscht und Normalität ist. Werden wir zukünftig dann im Vorfeld unterstreichen.

Antworten

Nixwisser 27. Februar 2012 um 17:40

Danke für das Interview.

Matthäus macht eine gute Figur, finde ich. Es wird von einigen bemängelt, daß er sgs. keine eigene Vision des Fußballs formuliert hätte. Wo hat das jemand mal von einem Trainer gelesen? Die meisten Interviews, die ich gelesen habe, bewegen sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Das mag meistens an den Interviewern liegen und ich weiß natürlich nicht, was Mou, Sir Alex, Pep oder Kloppo geantwortet hätten. Aber sind wir nicht vielleicht ein bißchen gar zu streng mit Lothar?

Nixwisser

Antworten

HW 28. Februar 2012 um 10:08

Man muss auch bemerken, dass es ein Unterschied ist ob man einen Trainer interviewt der gerade bei einem Verein arbeitet und den man über das Tagesgeschäft „ausfragen“ will. Da kommen andere Fragen und ganz andere Antworten (oder keine Antworten).
Oder ob man mit jemandem offen über Taktik und den Beruf Trainer reden will. Da hat man weniger aktuelle Punkte an denen man sich festhalten kann. Das bietet mehr Freiheit bei den Fragen, zwingt aber auch dazu diese Freiheit gut zu nutzen. Ich finde es für das erste Interview sehr gelungen, Optimierungspotential gibt es natürlich immer.

Antworten

Erasmus 27. Februar 2012 um 13:56

Zunächst mal vielen Dank für das sehr lesenswerte Interview, daß es so in den großen Medien ganz sicher nicht gegeben hätte, weil dort das beschränkte Fußballverständnis der Interviewer regelmäßig zu oberflächlichen Fragen und entsprechend stereotypen Antworten führt.

Wie man aber auch an der Reaktionen hier sehen kann, hat Matthäus vor allem ein gewaltiges Imageproblem. Die gleichen Einsichten in die Trainerperspektive von Klopp hätten alle „überragend“ gefunden. Dabei müßte Matthäus am sportlichen Erfolg gemessen eigentlich neben Beckenbauer die Lichtgestalt des deutschen Fußballs sein.

Natürlich hat sich Matthäus das größtenteils selbst zuzuschreiben, faire Presse bekommt er aber dennoch schon seit längerem nicht mehr.

Antworten

Tank 27. Februar 2012 um 15:42

War auch mein Gedanke beim Lesen der Reaktionen hier. Nicht dass ich ein großer Matthäus-Verehrer wäre, aber im Prinzip hätte er sagen können, was er will und es würde zerrissen werden. Entweder sinds Allgemeinplätze die zeigen, wie beschränkt der Loddar ist oder es sind schwierige Details und man wirft ihm vor nur Unverständliches zu sagen. Nun gut, bisher habe ich zweiteres noch nicht so oft von ihm gehört, aber ich nehme an, dass die Reaktion auch negativ wäre.
Mir kam auch beim Lesen der Fragen manchmal das Gefühl als säße Matthäus in einer mündlichen Prüfung. Finde ich als Leser eher unangebracht vom Fragensteller, kann aber verstehen, dass einem das sehr leicht passieren kann. Letztendlich wollt ihr aber ja aber Matthäus‘ Expertise hören und nicht versuchen ihn bloßzustellen, daher ist das immer heikel, wenn das so rüberkommt. Ist klar, dass ihr nicht vorhattet ihn bloßzustellen, aber manchmal kriecht das so unterbewusst mit rein und man wird schulmeisterlich. Apropos schulmeisterlich, ich hoffe mein Kommentar wirkt selber nicht so. Ist nur als Tipp gemeint, weil ihr sonst ja immer einen im besten Sinne neutralen Blick bewahrt.

Zu Matthäus selber: Mich würds ja reizen, ihn mal in der Bundesliga zu sehen. Vielleicht überrascht der uns ja alle noch…

Antworten

TE 27. Februar 2012 um 19:25

Danke für die Kritik. Im geschriebenen Text klingt es manchmal tatsächlich so als wäre es eine mündliche Prüfung. Wir bitten aber zu bedenken, dass das eigentliche Interview länger war als das hier niedergeschriebene – was übrigens ganz normal ist. Dadurch sind einige Antworten verkürzt, so dass es so wirkt, als würden wir schulbuchmäßig einen Punkt nach dem anderen abarbeiten. In Wirklichkeit haben wir aber nur auf das reagiert, was Herr Matthäus gesagt hat, oder mit unseren Fragen seine praktischen Gedanken ins theoretische lenken wollen (bspw. beim Thema Pressing). In der Interviewsituation war es eher so, dass ein paar Jung-Journalisten einen Experten nach seiner Meinung fragen als dass ein Tribunal abgehalten worden wäre.

Zudem kam das Interview unter der Prämisse zustande, dass wir mit Herrn Matthäus einzig über sportliche Belange reden. Es war von beiden Seiten gewollt, dass der Trainer Matthäus und sein Fachwissen im Vordergrund stehen. Wie er nun abgeschnitten hat, soll jeder für sich selbst entscheiden.

Antworten

Erasmus 27. Februar 2012 um 21:19

Ich hatte das eher auf die Reaktionen der Leser bezogen. Das Interview klang für mich ganz und gar nicht nach Prüfungsgespräch. Das kommt vielleicht ein bißchen so rüber, weil man es gar nicht gewohnt ist, daß ein Sportjournalist offene Fachfragen stellt und nicht etwa mit „Meinen Sie nicht auch…“ oder so ähnlich seine meist falsche Auffassung bestätigt haben möchte.

Matthäus als Chef-Trainer in der BL kann ich mir nicht vorstellen, dafür ist mir die Eigendynamik der außersportlichen Berichterstattung bei ihm zu unkalkulierbar. Vielleicht wäre er eine Nummer kleiner im Jugendbereich ein exzellenter Trainer, aber das dürfte seinem Ego wohl nicht reichen.

Antworten

Bari 27. Februar 2012 um 12:32

Wie der eine oder andere schon angemerkt hat, ich denke auch, dass Herr Mathäus hier zwar gutes Allgemeinwissen über Taktik und die vergangenen sowie aktuellen Formationen verschiedener Mannschaften an den Tag legt, darüber hinaus aber nicht unbedingt gezeigt hat, dass er eine Vision, ein Konzept hat, wie er eine Mannschaft formen will. Das von Ihm gesagte hätten die meisten Foristen hier hingekriegt, denke ich. Allerdings möchte ich auch sagen, dass die Fragen teilweise schon etwas fies sind: die Art der Fragen hatte fast etwas Prüfungsabfrage mäßiges, nach dem Motto: mal gucken, ob er dazu auch irgendwas weißt oder nur dampf-plaudert. Nun ja, das letztere war dann eher der Fall…
Ich finde es sehr toll, dass diese Seite nun auch Interview eingeführt und das Angebot noch vielfältiger gemacht hat. Ich denke mal, der Herr Matthäus war einfach kein genügend guter Gesprächspartner. Viel viel interessanter wären Gespräche mit Lucien Favre, Fink, Heiko Vogel oder mit dem Kloppo. Ein Leckerbiss wären natürlich Interviews mit richtig großen Trainerpersönlichkeiten, wie Sir Alex, Guardiola oder dem großen Mou. 🙂

Antworten

dns 26. Februar 2012 um 01:12

Nunja, ich sehe in den Antworten vom Lothar eigentlich auch nichts, was man nicht aus den einschlägigen Medien lesen kann. Das ist nur nachgeplappertes und das teilweise nicht mal elegant.
„Ja. Das Wichtigste beim Pressing ist ja, dass alle mitmachen.“
Aha, jaaa, da könnten se Recht haben, Herr M. aus M.
„Natürlich gibt es verschiedene Taktiken. Bevorzugte Taktik im Weltfußball ist das 4-2-3-1 System“
Sooo? Is mir gar nicht aufgefallen. Das war letztes Jahr aber noch nicht da, ooodeeeer?
„Eigentlich will ich wie Barca spielen lassen“
Wieso? Weil ihm vor 10 Jahren schon klar war, dass es ein starkes System ist nur leider war es nicht umsetzbar in Israel, oder einfach weil „ein Lothar Matthäus“ nuunmal ein Siegertyp ist und sich nur mit Siegern abgibt?

Den Interviewer bzw. die Fragen find ich super, die Antworten darauf hätte wohl auch Justin Bieber oder seine komische Freundin noch zu zusammen bekommen, wenn man ihnen kurz mal eine Sportzeitung zum recherchieren gegeben hätte.

Also ich halte von ihm als Trainer nicht viel.

Antworten

HW 27. Februar 2012 um 15:43

Wieso sollte Lothar Matthäus denn den Weltfußball ganz anders sehen als er von anderen Experten auch gesehen wird.
Frag mal die Bundesligatrainer und du wirst überall ähnliche antworten bekommen. Hier und da auf die persönliche Phiolosophie angepasst (Fokus aufs Umschaltverhalten oder auf Dominanz usw.).
am Ende zählt nicht was was geredet wird, sondern was an Taten folgt. Das ist jetzt nicht gegen Matthäus gerichtet, aber jeder kann in einem solchen Interview Punkte für negative Kritik finden.
Entscheidend ist wie er sich bei der Arbeit auf dem Trianingsplatz und in einem „Vereinsheim“ gibt. Dafür müsste er mal in Deutschland arbeiten, nicht unbedingt in der ersten Liga. Weder habe ich seine Arbeit in Israel oder Bulgarien nicht konzentriert verfolgt, noch war ich bei Vertragverhandlungen dabei. Ich kann also nicht einschätzen warum es in Deutschland bisher nicht geklappt hat oder wie er bei seinen Vereinen gearbeitet hat.

Antworten

Samuel 25. Februar 2012 um 22:37

Sehr interessant finde ich auch die Fragen zum Pressing. Zum Thema wie man das Pressing über 90min einteilt, zitiere ich einfach mal Sacchi (über die angesprochene Zeit bei Milan), denn der sollte es ja wissen.. 😉

„Beim Pressing geht es nicht ums Rennen und auch nicht darum, hart zu arbeiten. Es geht um die Kontrolle über den Raum. Ich wollte, dass sich meine Spieler stark fühlten und die Gegner schwach. Ließen wir unsere Gegner spielen, wie sie es gewöhnt waren, stieg ihr Selbstvertrauen. Hinderten wir sie aber daran, beschädigte das ihr Selbstvertrauen. Das war der Schlüssel: Unser Pressing war nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch.
[…] Wir hatten verschiedene Arten von Pressing, die wir während des ganzen Spiels variierten. Es gab partielles Pressing, wenn es vor allem um Kräftespielchen ging. Es gab totales Presing, wenn es vor allem um die Balleroberung ging. Und es gab vorgetäuschtes Pressing, bei dem wir so taten, als ob wir Pressing spieten, die Zeit aber eigentlich zur Erholung nutzten.“

Gerade das Scheinpressing ist dabei doch sehr interessant: Wenn der Gegner das Gefühl hat, IMMER unter Pressing zu stehen (also 90min) ohne dabei zu merken, wann sich die Gegner mal ausruhen, dann kratzt das natürlich enorm am Selbstvertrauen. Das muss man natürlich geschickt anstellen.. 😉

Antworten

enrique 26. Februar 2012 um 11:22

Hallo,

erstmal ganz kurz, ich halte Lothar auch nicht für einen Trainer, welcher das Potential hat, sich im inter- & nationalen Spitzenfußball zu behaupten. Dazu fehlt im aus meiner Sicht etwas „das Vermögen“ (so will ich das jetzt mal nennen;)), um die Komplexität, die Fußball mittlerweile erreicht hat, zu überschauen. An seinen Antworten merkt man, er hat einen großen Erfahrungsschatz aus seiner aktiven Zeit, aber der Rest ist auch nur „modernes Fußballbasiswissen“. Zum Trainersein gehört aber beispielsweise auch das glaubwürdige Auftreten in der Öffentlichkeit und vorallem die Gabe selber Ideen aus aktuellen Tendenzen zu entwickeln.

Aber warum ich eigentlich diesen Kommentar scheibe, mich interessiert die Aussage von Sacci: 3 Pressingvarianten-partielles Pressing! Vielleicht könnte ein Autor oder jemand anderes dieser Sache nochmal genau auf den Grund gehen. Totales Pressing ist denke ich klar. Aber wer kann mir genau erklären was Pressing als Kräftespielchen beinhaltet und noch viel interessanter, wie täusche ich Pressing vor, und kann mich dabei ausruhen?! Megainteressanter Ansatz! Bitte mehr Input dazu!

Superseite, sehr ausschlussreich, nicht immer exakt analytisch aber dafür manchmal umso mehr! Weiter so!!!

Antworten

MR 26. Februar 2012 um 13:12

Da ist bereits eine Serie von uns zu geplant bzw. teilweise schon fertig. 😉
Bis die Artikel veröffentlicht sind, verweise ich auf’s Taktiklexikon: http://spielverlagerung.de/false-pressing/

Antworten

Rasenschachfigur 25. Februar 2012 um 20:41

Lothar Matthäus hat in diesem guten, aufschlußreichen Interview leider die Chance verpaßt zu zeigen, daß er als Trainer eine Idee hat, auf der sich etwas aufbauen ließe. Er konkretisiert nichts eigenes, gibt nur „ja, aber“-Antworten und referiert ein wenig spieltaktisches Allgemeinwissen. Ja, er hat bestimmt gut aufgepaßt in dem einen oder anderen Seminar; natürlich versteht er etwas von Fußball. Aber seine man-muß-auch mal-Psychologe-sein-Einfalt ist bestenfalls rührend, mit Verlaub. Er hat sich „mal mit Arsene Wenger“ unterhalten, cool. Aber seine Erkenntnisse aus diesem Gespräch kann man auch in der Sportbild nachlesen. Schade.

Antworten

daniel 4. März 2012 um 12:11

Genauso.
Meine Worte.
Schade eigentlich, dass Lothar Mathäus so sehr unterschätzt und zugleich so sehr überschätzt ist als Trainer.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass der lothar „null“ ahnung von fussball hat. ich denke sogar, dass er durch seine spielerkarriere die notwendigen einblicke in abläufe und strukturen im profibereich hat und durch seine trainerstationen und mittlerweile 10 jährige erfahrung, seine trainerausbildung und seine spielerzeit ein ordentliches taktisches wissen und spielverständnis entwickelt hat, dass ihn zu einem anständigen Trainer macht.

Diese Auszeichnung muss aber nicht gleich heissen, dass er a) ein guter trainer ist und b) deshalb so sehr unterschätzt wird von jedem. Seine Erfolge sprechen defivinitiv gegen ihn. Hinzu kommt, dass die Vereine einen guten Trainer mit Drama im Gepäck für Umfeld, Verein usw. einstellen würden, wenn er aber gut ist. Ich denke es spricht sich dann doch rum, dass er als coach nicht überragend ist und dann noch die Aufregung und Show mitbringt, dass es dann doch keine gute Kombination und Trainerwahl ist.

Aber er scheint wohl durch seine Art und sein Standing als eines der größten deutschen Fussballtalenten und als unheimlich erfolgreicher Spieler, so sehr unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können, dass er immer ein BuLi thema bleiben wird, obwohl es eigentlich nicht passieren wird. Dafür gibt es zu viele wirklich sehr gute trainer.

Antworten

Dieter 25. Februar 2012 um 16:05

Ich kann Matthäus‘ Aussagen fachlich nicht bewerten, aber ich gewinne den Eindruck, daß er mehr sein könnte als eine Lachnummer, wenn er es schaffen würde, mal zwei Jahre nicht mit BILD oder BUNTE zu reden, und auch nicht jede junge Eroberung überall herumzuzeigen.

Antworten

firedo 25. Februar 2012 um 15:36

Ich weiß nicht, ob er unterschätzt ist.
Er hat jedenfalls in Deutschland bisher keine Chance bekommen, ich glaube das dürfte wegen der Angst vor den Boulevarmedien sein.

Ich fänds jedenfalls richtig geil ihn mal bei einem verein in der BuLi zu sehen.
Am besten bei Köln, dem HSV oder so ähnlich.
Da ist dann jede Menge Action garantiert.

Antworten

Ben.A 1. März 2012 um 21:56

Die HSV haben jetzt mit Herrn Fink auch einen Mann an der Seitenlinie, der einen actionreichen, offensive Fussballspielen laesst.
Für mich ist Matthaus zwar ein kompetener Mann, seinen Posten sehe ich aber eher als Fussball Experte im Fernseher, als selber ein Trainer bei einem grossen Verein.

Antworten

Heiner 25. Februar 2012 um 13:02

Sehr interessanten Interview, super!
Von seinen privaten und sprachlichen Verfehlungen mal abgesehen könnte aus ihm wirklich ein bekannter Trainer werden.
Er verbindet klassischen und modernen Fußball sehr gut miteinander, eine schöne Kombination.

Antworten

TylerDurden 25. Februar 2012 um 10:55

Matthäus ist für mich sowieso einer der am meisten unterschätztesten Trainer. Ich würde mich freuen ihn mal in der Bundesliga zu sehen.

Antworten

JayM 25. Februar 2012 um 21:19

Naja, also ich weiß nicht. Matthäus ist ja als Trainer eigentlich überall vollkommen gescheitert, außer als Meister mit Partizan.

Bei Rapid Wien hat er es zB geschafft mit dem österreichischen Rekordmeister die schlechteste Position der Geschichte einzufahren (8. von 10 Mannschaften).

Zitat von Ladislav Maier, Torhüter von Rapid: „Als Spieler war er fantastisch, aber gäbe es ihn nur als Trainer, würde ich sagen, dass ich keinen größeren Tölpel gesehen habe. Alle bei Rapid – von der Putzfrau angefangen – atmen auf, dass er verschwunden ist. „

Antworten

firedo 25. Februar 2012 um 09:42

Klasse Interview. Das ist eine prima Erweiterung zu eurer Seite!

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*